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Zuldaer Zeitung

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a Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschrnfahrplaa. a

40. Zahrgang.

Samstag den S. November I9|3

erstes Blatt.

Nr. 259

Eriche« täglich m# Ausnahme de» Sonn- und Selertage. viertel- «sthrNcher Buugsprtis ohne vringerlohn und Bestellgeld in $ulba ouswärt» 1.50 Mark. -» Rotationsöru» and Verlag der g - Zuldaer kcstendruckrrel in Zulda. Zernsprech« Nr. 9. ::

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Zuldaer Seschichtsblätter

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Illustrierte Sonntagszeitung

fln)dgen: Der Raum ein« einIpalNgen Celonehdk, W W» ML wn<i 14 PJ#. Reklamen: Der Raum einer Coloneljelle, 14 am drei«, kastei 40 Pta M tDieöerbolungen Rabatt $ür Offert- und fiuskunftanjelgen 20 Df. extra. » Konkursfällen wird «er bereinigte Rabatt hinfällig. €tfOUungsorf für «as Be­klagen oan Forderungen ist Jutta. flnjelgen-finnabme bis 10 Uhr eormlltag«. s u 6 röSere Ameisen erbitten wir uns tag* aarher. U «

v< Die Weltreise zweier deutscher Schlachtschiffe.

Wir meldeten gestern, daß unsere neuesten Linie n ch i s s e „Kaiser" und „König Albert" im nächsten Monat eine Auslandsreise nach der afri­kanischen We st lüfte und nach Südamerika antreten, begleitet von dem kleinen Kreuzer „Straß­burg". In einigen Blättern wird diese Ankündigung nut gemischten Gefühlen ausgenommen. Man ver­kennt nicht die technischen, politischen und wirtschaftli- chen Borieile einer solchen weitgreifenden Uebungs- and Temonftrationsfahrt, aber man fragt besorgt: Wenn nun England uns plötzlich a n g r i f f e, wie könnten wir dann ohne die beiden weitentrückten Kampfschifse bestehen?

Wenn diese Besorgnis begründet wäre, so dürften wir überhaupt keine Kriegsschiffe aus dem Nordsce- Vecken herauslassen. Die deutsche Kriegsflotte wäre bann eingesperrt in den heimischen Gewässern. Ja, sie dürfte in die Ostsee nur soviel Schiffe und in sol­cher Zahl und Art entsenden, daß immer die schnellste Rückkehr durch den Nordostseekanal möglich bliebe. Eine derartige Einpferchung wäre unwürdig und un­erträglich. Die deutsche Seemacht würde einem Heere gleichen, das in einer'Festung eingeschlossen ist und sich nicht rühren kann.

Wir schütteln den Kopf, wenn die Engländer Angstschreie erheben wegen einer Ueberrumpelung durch ein deutsches Landungsheer. Wir wollen uns doch von diesem Angstbazillus nicht anstecken lassen, sondern die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen An­griffs von englischer Seite mit kühler Ruhe berechnen.

Zur Zeit find die Beziehungen zwischen Deutsch­land und England b e s s e r, als in den vorhergegan- genen Jahren. Als die Beziehungen noch weniger freundlich waren, bot sich den Engländern mehrfach ein Borwand, um mit Deutschland Händel anzufan­gen. So zu Anfang des Marokkohandels, als deutscher- seits die kühne Tangersahrt unternommen wurde; dann in der letzten Marokkokrisis von 1911, als die englische Regierung auf unsere „Agadirgeste" mit einer sehr unfreundlichen, ja drohenden Sprache antwortete. Beide Male hat England auf einen An- giff verzichtet. Warum sollte es jetzt, wo keine treitfrage vorliegt, das Wagnis unernehmen und sich dazu erst künstlich einen Vorwand schaffen?

Ter Sinn und Zweck unserer Flottenpolitik ist be- kanntlich der, daß wir zur See stark genug sein wol­len, um auch für die stärkste Seemacht den Angriff auf Deutschland riskant erscheinen zu lassen. Das haben tobe bisher erreicht: auch in England weiß man, baß ein Seekrieg mit Deutschland mehr Gefahren und Schäden mit sich bringen würde, als ein vernünftiger Politiker seinem Lande aufhalsen darf. Die Frage stellt sich nun so: Ist das Risiko eines Angriffes nicht mehr abschreckend, wenn zwei deutsche Schlachtschiffe int Süden des Atlantischen Ozeans herumschwimmen? Setzen wir den ungünstigsten Fall, daß der Krieg zu schnell ausbräche, um den bei­den Schiffen noch Zeit zur Heimkehr zu lassen, so müßten die Engländer doch wenigstens 3 Dread­noughts gegen die beiden Feindesschiffe abordnen, und die deutsche Heimatsflotte stände dann in ihrer Ab­wehr noch keineswegs verzweifelt da. Man muß im­mer im Auge behalten, daß es bei einem solchen Ring­kampfe überhaupt nicht unser Ziel sein könnte, die englische Flotte vollständig zu überwinden und unser Heer nach England überzuführen, sondern daß wir zu erstreben hätten einerseits den Schutz unserer Küsten und andererseits die möglichst weitgehende Schwä­chung der englischen Flotte. Dazu bleiben wir auf jeden Fall stark genug. Natürlich so stark, daß die Engländer ftch nach tote vor scheuen werden, den An­griff zu toageu.

Nach den obwaltenden Verhältnissen wäre es offenbar am besten, wenn irgend welche Besorg­

nisse wegen der Weltfahrt unserer zwei Schlacht- schiffe überhaupt nicht laut geworden wären. Zum mindesten sollten die allzueifrigen Zionswächter jetzt ihr Banaemachen einstellen und einfach sagen: Das deutsche Reich fühlt sich stark und sicher genug, um auch ein paar Schiffe im Weltmeer spazieren fahren zu lasten. Denn durch das Erscheinen der gro­ßen Schiffe soll ja nicht nur in unseren Kolonien, sondern auch in den fremden Ländern die Macht Deutschlands und die Leistungsfähigkeit seiner Werft ten und seiner Waffenfabriken offensichtlich und hand­greiflich vorgeführt werden. Diese wirtschaftlichen Vorteile und die zugehörige wirtschaftliche Propa- qanda würden aber beeinträchtigt werden, wenn dort ut den Zeitungen stände: Die Deuschen haben in ihrer Heimat Sorge und Angst, während sie hier ihre Reklameschiffe paradieren lassen!

Deutschland darf sich nicht übermütig zei­gen: aber den Eindruck der Schwäche und Feig­heit muß es erst recht vermeiden.

Deutfehes Reich.

** Der Thronwechsel in Bayern.

Ter bayerische Reichsrat. In der gestrigen Reichs, ratssitzung verlas der Vor sitzende, Graf Fugger, zunächst eine allerhöchste Bolschaft. König Ludwig erinnere sich freudig langer Jahre, während deren er an den Beratungen des Reichsrats teilgenommen habe, und lasse den Reichsräten seinen königlichen Dank entbieten. Ein dreifaches Hoch drückte dafür den Dank des hohen Hauses aus. Es folgte das Referat des Grafen Crailsheim über die Zustim­mung des Landtages zur Beendigung der Re­gentschaft. Das bayerische Volk sei froh, daß die königlose Zeit vorüber sei. Nach dem neuen Gesetz müsse der Landtag die Gründe zur Beendigung der Regentschaft prüfen. Graf Crailsheim bespricht die ärztlichen Gutachten. Außerdem habe sich Grat Fugger persönlich von dem Geisteszustand des Königs Otto überzeugt. In der gestrigen Kammersitzung hätten die bürgerlichen Parteien der Regierungsvor­lage zugestimmt, während die Sozialdemokraten den Vorwurf der Versaffungswidrigkeit erhoben. Diesen Vorwurf habe der MinisterpräsiDent Frhr. v. Bert­ling mit Recht zurückgewiesen, denn die Nachträglich­keit der Zustimmung des Landtags entspreche sowohl der Absicht als dem Wortlaut des neuen Gesetzes. Die Regierungsvorlage wurde darauf vom Hause durch Erheben von den Sitzen angenommen.

König Ludwig hat, wie der ,Osservatore Romano, meldet, an den hl. Vater eine Depesche gerichtet, in der er ihm unter dem Ausdruck seiner kindlichen Ergebenheit davon Mitteilung macht, daß er die Königswürde angenommen habe. Der Papst hat in teiner Antwort dem König seine innigen Glück- und Segenswünsche übermittelt.

wb. München, 8. Nov. 1913. (Tel.) Heute vor­mittag 10 Uhr fand im großen Saale der Königl. Residenz die feierliche Eidesleistung König Ludwigs III. statt in Anwesenheit der Prinzendes Königl. Hauses, der Staatsminister, der Mitglieder des Staatsrals, der Abgeordneten der beiden Kam­mern des Landtags und des Großen Dienstes.

** Berlin, 7. Nov. 1913. Der Kaiser hat sich heute nachmittag im Automobil zur Jagd nach Königswusterhausen begeben. Er besuchte dort das Blindenheim und begab sich dann in das Jagdschloß. — Die Kaiserin ist Freitag mittag nach Kassel abgereist. — Der König der Belgier, der am Donnerstag abend Potsdam im Automobil verlassen hat, ist nicht direkt nach Brüssel zurückgekehrt, sondern nach Berlin gefahren, wo er im Hotel Adlon abge- ftiegen ist. Er wird zwei Tage inkognito in Berlin

Ungeduldig geht Barrtngto.i in dem kleinen Salon auf und ab. Es ist die höchste Zeit sürs Theater, und Felicie vertrödelt die Zeit nebenan im Gespräch

Jn der Schule des Leidens.

171 Roman aus dem New-Iorker Leden.

Von Erich Frieden.*

Und die arme Frau sinkt kraftlos in einen Sessel und bricht in Tränen aus.

„Ich brauchte Geld für Norbert —"

„Oh, oh — und rennst dabei blind in Dein Un- ß, O, Lieh, mein Herzblatt! Mein liebes, liebes !"

„Bedauere mich nicht, Mutter! Um Norbert vor Entehrung zu retten, würde ich sofort noch einmal dasselbe tun."

Schritte im Nebenzimmer werden hörbar. Und jetzt erschallt auch illorberts Stimme:

„Licy, ist Deine Mutter gekommen? — Ja? Dann werde ich ihr einen guten Platz im Theater ver- ' ' Angstvoll faßt Frau Mackah Felicies Hand.

„Nicht ins Theater, Lieh! Nicht ins Theater! Der Vate? we-ß daß Du hier auftrittst. Ich habe solche Angst Wenn er käme und Dich von der Bühne weg- holen ließe! Du darfst heute nicht spielen — nein, sicher nicht!"

Totenbleich, aber mit einem entschlossenen Aus­druck auf dem ernsten Gesichtchen, steht Felicie vor der weinenden Frau.

„Mutter, um eines bitt' ich Dich!" raunt sie der Erregten ins Ohr. „Sag' Norbert nichts! Wenig­stens jetzt noch nicht! Ich werde heute abend im Theater auftreten — passiere, was da wolle! Einmal im Leben will ich noch zeigen, daß ich etwas kann, daß ftch etwas bin — und dann--"

Heftig befreit sie sich aus den sie krampfhaft umschlingenden Armen der Mutter. Dann geht sie festen Schrittes auf die Türe zu.

„Ja, Norbert, ich komme!"

mit ihrer Mutter. Als ob das nicht ebenso gut nach der Vorstellung geschehen könnte! — —

Da öffnet sich die Tür nach dem Schlafzimmer und Felicie tritt ein — bleich zwar und mit dunkeln Schatten um die Augen, aber hoch erhobenen Hauptes.

„Endlich! Beeile Dich, Lieh! Wir kommen zu spät!"

Während er seine Schwiegermutter begrüßt, macht Felicie sich rasch zum Ausgehen bereit.

„Ich bin fertig, Norbert! Adieu, Mutter! Du kommst doch nach?"

„Nein, nein Kind — ich kann nicht, ich kann nicht!"

Und die arme Frau bricht in krampfhaftes Schluch­zen aus.

„Was ist nun wieder los?" ruft Barrington ärgerlich. „Ihr seid ja alle beide wie behext!"

Doch Felicie steht bereits auf der Treppe.

„Nichts, nichts, Norbert! Die Mutter ist ein we­nig ermüdet von der Reise. Komm' nur!''

Während der kurzen Strecke nach dem Theater spricht Bar rington lebhaft auf seine Fran ein. Ihm liegt die heutige Vorstellung sehr am Herzen.

„Kannst Du auch Deine Rolle ganz genau, Licy? — Du weißt, dte lange Wahnsinnsszene! Gerda sagt, von dieser Szene hängt der Erfolg des ganzen Abends ab. Wenn Tu befangen bist oder erregt, geht alles zum Kuckuck. Selbst mein „Hamlet" kann nichts herausreißen, wenn Du Deine große Szene verdirbst. Hörst Du, Licy? — So rede doch!"

„Ich werde gut spielen — verlaß Dich drauf"!

Im Theater angelangt, begibt Felicie sich sofort in ihre Garderobe.

Sie ist gerade dabei, ihre langen, schwarzen Haare aufzulöseu, als Mary Fenton, die kleine „Naive", eine besondere Verehrerin von Felicie, an ihre Türe pocht.

„Tarf ich Dir helfen?"

Felicie öffnet.

„Komm’ nur herein!"

„Was für schöne Haare Tu haft, Felicie! — — Mein Gott, bist Du nicht ein bischen nervös? Du

verweilen. — Der Reichskanzler empfing den österreichisch-ungarischen B ot sch öfter. — Dem Zen­trumsabgeordneten Wallenborn in Remagen wurde durch eine aus dem Büroermeister und den Beigeordneten seiner Vaterstadt Bitburg in der Eifel bestehende Deputation der Ehrenbürgerbrief der Stadt überreicht. — Da in den Ausschüssen des Bundes­rats gegenwärtig die Vorlage zur Einführung der Wiederaufnahme eines Disziplinarver­fahrens für Reichsbeamte durchberaten wird, ist nicht ausgeschlossen, daß di ser Gesetzentwurf vom Bundesrat noch so rechtzeitig fertiggefteöt wirb, daß er dem Reichstag bei feinem Zusammentritt demnächst schon vorliegen kann.

)( Tie Verstärkung unserer finanziellen Kriegsbereit­schaft macht über Erwarten gute Fortschritte. Im Julmsturm zu Spandau lagern bekanntlich 120 Millionen Mark in Gold, auf Grund der Wehr­vorlage sollen weitere 120 Millionen in den Kellern der Reichsbank angesammelt werden. Heute lagern dort bereits 50 Millionen. Das ist nur möglich geworden durch die glänzende Entwickelung unserer Handelsbilanz: um rund eine Milliarde hat tn den ersten neun Monaten des lausenden Jahres die Aussuhr des Reiches zugenommen, während die Einfuhr nur um 15 Millionen gestiegen ist. Ter Goldschatz der Reichsbank stieg seit dem Vorjahre von 900 Millionen auf 1200 Millionen; er soll auf V/e Milliarde gebracht roefben, um Deutsch­land finanziell unabhängig vom Auslande zu machen, ein Ziel, das nunmehr in greifbare Nähe gerückt erscheint. Zu Beginn des nächsten Jahres wird auch mit der Ansammlung des Silberschatzes in der Höhe von 120 Millionen Mark begonnen werden. Es ist in Aussicht genommen, die Silberreserve aus dem Prägegewinn der laufenden S.lbermünzen- prägungen herzust llen. Dieser Prägegewinn ist bei dem heutigen niedrigen Stande des Silberpreises sehr hoch; er beträgt fast die Hälfte des Münzen­wertes. Dieser Prägegewinn ist bisher den Einnahmen des Reiches zugeflossen; für die nächsten Jahre wird et zur Herstellung Der Silberreferve verwendet werden.

* Tie Wohnungsfnrsorge deS Reiches. Im Reichs­amt des Innern begannen die kommissarischen Be- Iprechungen der beteiligten Ressorts und der Vertreter größerer Bundesstaaten über die Frage einer Wohnungs- lürsorge durch das Reich. Den Anlaß dazu bot eine Resolution der Wohnungskommission des Reichstages, in der die Regierung ersucht wurde, Vorbereitungen zu einer allgemeinen Regelung Der Wohnungsfrage unD zu einer Wohnungsgesetzgebung zu treffen. Bei Den Beratungen soll in erster Reihe Die Frage erörtert werden, ob und in wie weit das Realkreditwefen von Reichswegen geregelt werden kann.

(*) Wie Ernst August Herzog wurde. Die bisher etwas dunkle Vorgeschichte der Thronbesteigung des Herzogs Ernst August von Braunschweig und seiner Verlobung mit der Prinzessin Viktoria Luise wirb nun durch die Veröffentlichung eines Briefes auf­gehellt, den der braunschweigische Staatsminister v. H a r t w i e g am 11. Oktober dieses Jahres an den Reichskanzler v. Bethmann Hollweg gerichtet hat. Dieses Schreiben enthält zum großen Teil eine Schilderung der Verhältnisse des Herzogtums in den letzten dreißig Jahren und bringt meist bekannte Tat­sachen. Interessant sind nur jene Teile des Briefes, die sich mit der Verlobung des Herzogs und einer un­mittelbar vorher stattgehabten Besprechung zwischen dem Reichskanzler und Herrn v. Hartwieg in Berlin beschäftigten. Wir geben das Schreiben daher im Auszug wieder:

Der Tod des Prinzen Georg Will elm, Herwgs zu Braiinfchweig und Lüneburg, hatte <ur Folge, daß Prinz (Smii 21 uguft der zur Thronfolge im Herzegium Braunschweig Berechtigte geworden ist. Unter diesen Umständen ward von der Herzoglichen Landesregierung Anfang dieses Jahres der Belchlrch gefaßt, durch den

zitterst ;a gar nicht! — Wenn ich die „Ophelia" spie­len müßte — ich glaube, ich stürbe vor Angst!"

So plaudert die Kleine drauflos und merkt gar nicht, daß sie keine Antwort erhält.

Felicie hantiert schweigend mit Stift und Puder­quaste herum, um ihrem Gesicht für die Bühnen­beleuchtung den richtigen Ausdruck zu verleihen.

Jetzt legen sie beides weg.

„Mein Gott, Felicie, wie siehst Du aus!" 'ruft Mary Fenton entsetzt. „Tu' etwas Rot auf Deine Wangen und nimm’ die dicken Schatten unter den Augen fort!"

Lächelnd schüttelt Felicie den Kops.

„Nein, — das paßt nicht zu meiner heutigen Rolle. Ich bin nicht nervös ober ängstlich, Mary!"

„Aber heut früh warft Du in Deiner Rolle nicht feft -"

„Macht nichts. Jetzt bin ich fest! Sieh mich an, Mary! Ist mein Anzug in Ordnung?"

„Vollständig! Du siehst entzückend aus — nur zu bleich!"

Mit einem eigenen Lächeln nimmt Felicie die Schleppe'ihres weißen Gewandes über den Arm und tritt in die Kulissen, ihres Stichwortes harrend.

Sofort kommt Gerda Douglas auf sie zu. Um die Vorstellung zu einer recht glänzenden zu gestal­ten. bat Direktor Furrer ihr die Rolle der „Königin" übertragen, obgleich dieselbe ihrer künstlerischen In­dividualität sonst fern liegt.

Ein Blick in Felicies glänzende Augen — und Gerda nickt befriedigt.

„Du wirst heut gut spielen, ich seh' Dir's an, Licy!"

Ein Zeichen — der Vorhang geht in die Höhe.

Gleichgültig gegen alles um sie her lehnt Felicie an einer der Kulissen. Ihr ist, als umfange sie ein wüster Traum, als halte irgend eine unsichtbare, schreckliche Gewalt sie in ihrem Banne.

Ein paar Kollegen sprechen sie an — sie antwortet nicht Starr blicken ihre übergroßen Augen ins Leere.

Jetzt tritt „Hamlet" auf.'

Das schwarze Kostüm steht ihm vorzüglich. Schon seine Antrittsworte werden mit lautem Jubel be­grüßt.

leitenden Minifter des Landes Euer Exzellenz (der Reichskanzler) um geneigte Auskunft über die Stellung zu bitten, welche die Reichs- und Staatsregierung zurzeit zu dieser Frage entnähme. Diese Unterredung fand in den ersten Tagen des Februar 1913 in Berlin statt, und wir durften zu unstrer Genugtuung daraus entnehmen, welch ernster und anteilsvoller Würdigung bei Eurer Exzellenz die Darlegung der drinaenden Wünsche des Lanves begegnete.

Dann erfolgte am 10. Februar 1913 die Verlobung des Prinzen Ernst August mit der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen. Prinz Ernst August ti at durch seine Vermählung zu dem Deutschen Kaiser und dem ganzen preußischen Köntgshause in ein Verwandtfchafts- Verhältnis dergestalt, daß sich schon aus diesem Gesichtspunkt für den Prinzen die unverletzliche Rücksicht ergeben wird, mit nichts Den Lebensinleressen der preußischen Monarchie zu nahe treten. Der Prinz suchte mit Zustimmung seines Vaters seine An ellung als Offizier tm Königlich Preußischen Heere nach und gelobte als solcher Dem Kaiser und König eidlich Treue und Gehoriam, und gab das Versprechen ab, nichts zu tun und nichts zu unterstützen, was darauf gerichtet fein könnt«, den derzeitigen Besitzstand Preußens zu ver­ändern.

Es sind mit diesem Versprechen und den dazu erfolgten späteren Erklärungen alle Grundlagen gegeben, die zu der festen Ueberzeugung führen müssen, daß die Regierung des Prinzen im Herzogtum stets im Sinne der Föiderung des Friedens und der Sicherheit des Deuttchen Reiches werde geführt werden. Wir dürfen jetzt das festeVertrauen hegen, der Bundesrat werde oen geänderten Verhältnissen Rechnung tragen und unfern berechtigten Wünschen aus Wahrung unserer Selb­ständigkeit unter einem Fürsten aus dem angestammten Herrs cherhause nunmehr nicht länger die Erfüllung ver­sagen, und Eurer Exzellenz vertrauen wir, daß Eure Exzellenz neben den Interessen des Reichs und Preußens auch die des Herzogtums als eines der getreuesten Glieder des Reichs wahrnehmen und geltend machen werden.

gez. Hartwieg.

Aus der Reihenfolge der beiden Ergebnisse, der Besprechung in Berlin und der Verlobung geht hervor, daß zuerst in aller Stille dem Herzog der Weg zur Thronbesteigung geebnet wurde. Dann erfolgte die Verlobung, und nun erst bekam die Oeffentlichkeit nach und nach zu hören, was bisher tiefstes Geheimnis geblieben war.

(*) Reine Welfeninteipellatton. Berliner Blattern zufolge wird bte nationalliberale Reicbstagssraktion höchstwahrscheinlich keine Interpellation wegen Der braunschweigischen Thronfrage im Reichstag ein­bringen. Von Den übrigen Fraktionen war Die Ein­bringung einer derartigen Interpellation bisher überhaupt nicht erwogen worden. Es ist darum wahrscheinlich, daß Die Welsenangelegenheit nicht in einer Jnteipellationsdebatte, sondern erst bei der ersten Etatslesung besprochen werden wird.

)t Tie Wahlen zur badischen Ersten Kammer sind auf den 12. November anberaumt.

+ Vom altnationalltberalen ReichSverband. Der erweiterte Ausschuß des altnationalliberalen Reichs­verbandes hat kürzlich getagt. Es kam dabei zum Ausdruck, daß die nationalliberale Partei keine Großblockstimmung in sich aufkommen lassen dürfe. Dem geschäftsführenden Ausschüsse des alt­nationalliberalen Reichsverbandes gehören von be­kannten Parlamentariern an Reichsrat Buhl-Deides- heim, die Mitglieder des preußischen Abgeordneten­hauses Fuhrmann, Haarmann, Hirsch, Dr. Levy, Dr. Röchling und Dr. Schifferer.

Em heuchlerischer »Ingi iff des .Vorwärts". Der ,Vorwärls" hatte bet Der Besprechung Des Breslauer Skandalprozesses gesagt. Daß es sich dabei um »stramm konservatives Wählermaterial" gehandelt habe. Daraufhin stellt Die Korrespondenz des Reichs- verbandes gegen Die SozialDemokratie fest, daß von den 32 Verurteilten bei der letzten Üandtagswahl nicht ein einziger für einen konservativen oder einen ZentcumskandiDaten gestimmt hat; fünf Leute hatten ihre (^timmen für Die linksliberalen

Er, dem soeben Tausende zujubeln, der mit seiner Kunst, seiner männlichen Schöne alle Herzen gefangen hält — er gehört ihr — ihr allein!--

Einen Augenblick vergißt sie ihre Sorten, ihre grenzenlose Angst vor der Zukunft. Mit leuchtenden Augen folgt sie jeder Bewegung des Mannes, für den sie zur Verbrecherin geworden.

Was wird er sagen, wenn er alles weiß? Wird er ihr verzeihen? Wird er sie noch lieben?--

„Felicie, Dein Stichwort!" flüstert Mary Fentons Stimme in ihr Ohr.

Mit einem Ruck rafft Felicie sich auf. Leichten Schrittes, den Kopf etwas geneigt, gleitet sie auf die Bühne Ein unsagbarer Zauber umschwebt die jung­fräuliche Gestalt — lebhafter Applaus empfängt sie.

Langsam hebt Felicie die Lider. Mit einem ein­zigen Blick umfaßt sie das ganze übervolle Haus. •

Plötzlich zuckt sie zusammen. Unwillkürlich greift ihre Hand nach dem Herzen.

Dort hinten, in der ersten Reihe des zweiten Ranges, beugt sich ein Mann über die Brüstung. Triumphierend funkeln seine stechenden Augen unter den buschigen Brauen heivor; hämisches Lachen ver­zieht feinen breiten Mund.

Felicie ist einer Ohnmacht nahe. Nur mit Aus­bietung all ihrer Kräfte hält sie sich aufrecht. —

Doch nur einige Sekunden lang. Dann fühlt sie das Blut glühend heiß durch ihre Adern rasen. Eine Tatkraft erwach» in ihr — eine Tatkrast, wie sie sie noch nie empfunden. Ja. sie will ihnen allen zeigen, was sie kann — ihnen allen und besonders dem Manne dort oben, der gekommen ist, um sie zu ver­derben. ...

Mit fieberhafter Begeisterung stürzt sie sich auf ihre Rolle, von Minute zu Minute mit derselben wachsend, bis sie dieselbe schließlich so völlig beherrscht, daß sie auf jeder Saite der Empfindungen spielt, wie aus einer Klaviatur.

Tas Publikum ist zuerst verblüfft über die Größe dieser Leistung. Tann aber durchrast ein Beifalls­orkan das Haus, wie die braven Rochesterer ihn noch nie erlebt. —