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Zuwaer Seschirhtsblittter

Illustrierte Sonntagszeifung

halbjährlich Taschensahrplan. s

a Ziehungslisten ber preußisch-süddeutsche» Klaften-Eotttrit. —

40. Zahrgang.

Hlitfwod) den 5» November 1913

Erstes Blatt.

Nr. 256

|| König Ludwig III. von Bayern

NUl

ganz Bayern ging.

lichen Erklärung, durch die Prinzregent Lud- | wig die Beendigung der Regentschaft verkündigt und gleichzeitig die Königswürde an tritt. Diese vom Ministerium gegengezeichnete Erklärung wird, wie verlautet, auch den Auftrag an die Regie­rung enthalten, den Kammern mit möglichster Be­schleunigung die Gründe bekanntzugeben, kraft deren die Regentschaft für beendigt erklärt worden ist.

Von der Kammer der Abgeordneten begaben sich gestern die beiden Referenten des Etats des Kgl. Hauses und Hofes, die Abg. Casselmann (liberal) und Gichrl (Zentrum) nach dem Schloß Fürstenried, um sich unter eigenem Anschein von dem Befinden des Königs Otto zu überzeugen. Am Mittwoch fahren zu gleichem Zweck die Präsidenten der beiden Kammern, Graf Fugger-Glött und Dr. von Orterer nach Fürstenried. Am Freitag vormittag wird die Kammer der Abgeordneten den Zustimmungsakt zu vollziehen haben. Zuvor wird sie in geheimer Sitzung darüber beraten und beschließen, ob die Gründe zur Beendigung der Regentschaft und Eröffnung der Thronfolge ausreichend sind. Der Zustimmungsakt der Ersten Kammer wird für Freitag nachmittag in Aussicht genommen. Für die Leistung des Ver­sa s s u n g s e i d e s , wie er für den König vorge-

I schrieben ist, sowie für die Verteidigung der Truppen kommt der Samstag für die Eidesleistung des Königs in Betracht. Wie verlautet, wird auch eine beson­dere Huldigungsfeier stattfinden, an der sich besonders die beiden Häuser des Landtages beteiligen werden. Auch die Städte, sowie die kaufmännischen, industriellen, landwirtschaftlichen und gewerblichen Körperschaften planen Huldigungs- und Zustim­mungsfeiern. Die große persönliche Beliebtheit, deren sich Prinzregent Ludwig erfreut, wird bei diesen Ver­anstaltungen wohl lebhaft zum Ausdruck kommen, ebenso wie das allgemeine Empfinden int Lande, daß es aufrichtig zu begrüßen ist, daß endlich einmal einem Zustande ein Ende gemacht ist, der dem An­sehen des monarchischen Gedankens nach allgemeiner

I Anschauung erheblich geschadet hat.

*

wb. München, 5. Okt. 1913. (Tel.) Das Gesetz- I und Verordnungsblatt veröffentlicht die Prokla« I mation König Ludwigs III. Sie erklärt, Bayerns Herrscherhaus und Volk empfinden seit 27 I Jahren mit tiefer Betrübnis, daß König Otto durch schwere Krankheit an der Regierung verhindert ist.. Die Art des Leidens schließt jede Möglichkeit einer Besserung aus. Die ernste Sorge um das Landeswohl bestimmte uns zu dem schweren Entschluß, auf Grund der Verfassung die Regentschaft für beendet und den I Thron für erledigt zu erklären. Ich habe daher als

König die Regierung des Landes ange- I treten.

„Norbert, Norbert! Kann es etwas Entzückende­res geben, als diese Tassen mit den kleinen goldenen Arabesken? Und der süße Kessel! Und die wunder­schöne Teekanne mit dem Siebchen dran! Sieh nn-, was Gerda uns geschenkt hat!"

Ein Schimmer wahrer Freude huscht über Ge"das edle Züge-

„Recht so, Felicie — nenne mich „Gerda"!" Herz­lich drückt sie die Hand der aufgeregten kleinen Frau und blickt ihr voll in die Augen. „Nenne mich „Gerda und „Du". Ich habe Dich lieb, Felicie?" — rch habe Euch beide lieb. Euer Glück liegt mir am Herzen. Willst Du mich als Schwester haben, Felicie?"

Tie junge Frau schweigt einige Sekunden. 's5ve großen, unschuldigen Kinderaugen blicken etwa, 'r- wundcrt.

Folge der Jahrhunderte deutscher Kaiser ging an . . der Bayer, dem es nicht vergönnt

Trällernd tänzelt sie steckt den Kopf hinein, ihren Lippen.

Auf zierlichem silbernem Brett präsentiert sich em komplettes Teeservicc — Tassen, Teekannen, Sahnen­topf, Zuckerschale nebst Zange. Sogar ein kleiner kupferner Kefsel über einem Spirituskocher und ein paar silberne Löffelchen fehlen nicht.

„Ob — oh

Felicie findet zuerst gar keine Worte beim Anblick all dieser Herrlichkeiten. Dann aber jubelt sie auf:

„Macht nichts. Ich kann hier schalten und Wal- tert, wie's mir beliebt — ich bin hier zu Haufe," entgegnet sie mit der ernstesten Miene von der Welt.

„@o —! Wünschen Ew. Gnaden noch irgend ein Stück Möbel wo anders hin placiert zu haben?"

„Jetzt noch nicht. Später."

Ihre Miene ist so drollig hausfraulich und dabei kindlich naiv — Norbert eilt rasch auf sie zu und küßt zärtlich die glücklich lächelnden Lippen seiner kleinen Frau.

Gerda Douglas hat inzwischen eine kleine Wand-

glänzt.

Es folgten ritterliche und prachtliebende Kurfür­sten, von denen Kurfürst Max Emanuel als Tiirken- bezwinger, der u. a. Belgrad erstürmte, unsterbliche und volkstümliche Berühmtheit erlangte. Während Max Emanuels Regierung im spanischen Erbfolge­kriege geschah es, daß sich die Bauern des Oberlandes für ihren bedrohten Kurfürsten und sein Haus er­hoben, um in der Sendlinger Mordweihnacht ihre Treue und Anhänglichkeit an die Wittelsbacher mit ihrem Blute zu besiegeln.

Das Zeitalter der französischen Revolution und der napoleonischen Kriege brachte für Bayern die Um­wandlung des Kurfürstentums in ein Königreich. Als erster König von Bayern bestieg Kurfürst Max Joseph I. den Thron; ihm folgte 1825 Lud­wig I., dem Bayern und die Landeshauptstadt Mün­chen unendlich viel verdanken. Als Ludwig I- wäh­rend der Revolution von 1848 abda.rkte, übernahm

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Bekenntnis, das er am 28. August 1910 bei der Grundsteinlegung der St. Anna-Kirche tn Altottmg ablegte, das dann wie starkes Flügelrauschen durch ganz Bayern ging. Demütig und freudig bekannte König Ludwig, daß er dem lieben Gott danke, von katholischen Eltern abzustammen und in der katholr- schen Religion erzogen zu sein. Stets sei er für die kath. Religion eingetreten, und es sei seine lieber» zeugung, daß es ine einzig wahre ist. So wie hier die Worte, so ist sein Leben in Taten. Schlicht unb einfach war immer das Familienleben, das in seiner Innigkeit und Reinheit echt katholisch ist. Nicht in ; sich König Ludwig heimisch, sondern ■ dem Landgut Leutstetten bei ©tarn» ,s Prinz selbst bewirtschaftete und zu

ser sein Sohn Prinz Ludwig, der nun als Komg Ludwig III. den Thron bestiegen und damit die Regentschaft nach mehr als 27jähriger Dauer beendet hat. König Ludwig II. ist am 7. Januar 1845 ge­boren. Als junger Prinz erhielt er eine vornehmlich militärische Ausbildung, was an sich ein charakteristi­sches Merkmal seiner Pflichttreue und seiner Strenge ist, da dieser Beruf seinen Neigungen und Anlagen nicht entsprach. Der Krieg von 1866 sah ihn im Felde, wo er im Gefecht von Helmstadt am 26. Juli schwer verwundet wurde. Das schloß seine militärische Laufbahn ab, wenn ihm auch später alle Rang­erhöhungen, his zum Generalobersten mit dem Range eines Generalfeldmarschalls zuteil wurden. Im Jahre 1868 vermählte Prinz Ludwig sich mit der Erzherzo­gin Maria Theresia von Oesterreich-Este. Es

nimmt. So wurde Leutstetten ein Idyll, geschaffen in seiner Eigenart von dem Prinzen, dem dabei Ne herzlich gütige hohe Gemahlin verständnisvoll zur Seite stand. Dieser schlichte Sinn, der ganz Treue und Pflichtempfinden ist, bestimmt auch Wesen und Wirken des Regenten und Königs. Man muß art König Mar Joseph I. denken, der sich als Vater des Volkes fühlte.

Möge der neue König recht lange seines wichtigen Amtes walten können.

Die Königsproklamation.

Nachbem die Kammer der Reichsräte die von der Abgeordnetenkammer schon in voriger Woche erledigte Vorlage über die Beendigung der Regentschaft gestern gleichfalls angenommen hat, erwartet man nach Voll­zug des Gesetzes durch den Regenten für heute Mitt­wochvormittag, die Veröffentlichung der feier-

vornehmlich auf

Berg, das er alt ------„ ., , , t .

einem Musterbetrieb umgestaltete, das m deutschen Landen nicht viel seinesgleichen findet. Zu Leut­stetten wollte Prinz Ludwig nichts anderes sein, als der Gutsherr, der mit seiner Familie an allen Freu­den und Leiden bea Guts- und Dorfbewohner teil»

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ist eine überaus vorbildliche und glückliche Ehe, die die beiden hohen Gatten füllten, vorbildlich auch durch die tiefe Religiösstät, die d«s Haus und die Familie des Prinzen Ludwig durchwaltet. Dem Ehebunde sind 11 Kinder entsprossen, von denen der Thronfol­ger, Prinz Rupprecht, 1869 geboren wurde. _

König Ludwig III. hat Ich immer als festgegrun- dete und Willensstärke Perpnlichkeft gegeben, hat als Prinz sein Leben durch reiche und gesegnete Arbeit gefüllt, was ihn im Verein mit seinem Wesen voll hochsinniger Schlichtheit wahrhaft volkstümlich ge­macht hat. Als königlicher» Prinz von Bayern war er auch ein bayer. Staatsbürger von echtem Schrot und Korn. Es sei daran erinnert, daß er stets mannhaft und entschieden auch für, seine politische Weltanschau­ung einqetreten, daß ex sich in den 70er Zähren wie­derholt als Kandidat des bayer. Zentrums für den Reichstag aufstellen ließ. Bekannt ist, daß Prinz Ludwig von jeher ein lebhaftes Interesse für Sie wirtschaftliche unjö kulturelle Entwicklung Bayerns zeigte. Als Mitglied der Reichsratskariimer hat er alle wichtigen Verhandlungen beeinflußt und oft ge­leitet, und es war ganz natürlich, daß sich um feine Persönlichkeit so etwas wie eine prinzllche Fraktion

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Es ist das edle Reis eines edlen Stammes, das mit Ludwig III. auf den Königsthron in Bayern ge­langt S°it mehr als tausend Jahren hat das uralte Geschleckt der Wittelsbacher in der bayerischen Ge­schichte an erster Stelle geglänzt, dem tapferen Stam­me der Bayern fchon unter den Karolingern ruhm­volle Helden gegeben. Es ist ein ununterbrochener Aufstieg für das Land und sem Herrscherhaus seit dem Pfalzgrafen Otto von Wittclsbach, den ter Kaiser Friedrich, der Rotbart, mit der H e r z o gswurde Baverns begabte. Dieser Aufstieg blieb, obschon im dreirehnten Jahrhundert die Landesteilungen began­nen," die selbst die altbayerischen Kernlande auseinan­der rissen. Eine reiche Fülle machtvoller Herrscher und Persönlichkeiten aus dem Wittelssbacher Geschlecht wandeln in der Folge der Jahrhunderte an uns! vor­über. Auch ein deutscher Kaiser ging ans dem Hause hervor, Ludwig der Bayer, dem es nicht vergönnt sein sollte, in Frieden mit der Kirche und den Gro­ßen des Reiches zu leben. Bedeutsam für die Ent­wicklung Bayerns waren die Herzöge Albrecht IV-, der 1506 die Unteilbarkeit des Landes festsetzte, dann sem Sohn Wilhelm IV-, der das Eindringen der Refor­mation in Bayern abwehrte, weiter Albrecht V-, der der Kunst ein Gönner war, dann Wilhelm V-, endlich Maximilian I-, der Bayern zum Kurfürsten­tum erhob, und dessen Name unter den großen Staats­männern und Heerführern des 30jährigen Krieges

I. Soldaten — Geld — Brot.

63000 Mann mehr als vor Jahresfrist rückten in diesen Tagen zum Heer ein. Die Reichs­bank sorgt dafür, daß sie über 1200 Millionen Mark Gold in der Kasse hat; der moderne Julinsturm wird um 240 Millionen Mark erhöht. Der Auf­marsch ist nun ausgearbeitet; wo notwendige Eisenbahnverbindungen fehlen, werden sie schnell er­gänzt. Die Welt soll wissen: Wir sind bereit! wenn uns ein Feind angreift.

Auch auf der ganzen Linie? Kürzlich las man, daß Frankreich große Mengen von Getreide _ aus Deutschland ausgeführt hat, daß es sehr viel Hafer bei uns auflauft. Wir können trotzdem unsere Ar-

sein ältester Sohn als Max II. die Regierung. Er starb bereits 1864, worauf Ludwig II. den Thron be­stieg, den er bis zu feinem unglücklichen Ende im Starnberger See am Pfingstsonntag 1886 innehatte. Bei Ludwig II. hatten sich deutliche Spuren geisti­ger Erkrankung gezeigt, was auch bei seinem Bruder und Nachfolger, König Otto I.., der Fall war. Seit 1886 führte für die Könige Ludwig II. und Otto 1. der dritte Sohn Ludwigs I-, Prinz Luitpold, die Verweserschast des Königreichs Bayern.

Ihm folgte am 12. Dezember 1912 als Verwe­sern Sohn Prinz Ludwig, der nun als König

tür geöffnet.

„Mein Hochzeitsgeschenk!"

Und sie deutet auf den Wandschrank.

Verwundert schlägt Felicie die Hände zusammen.

„Ein Hochzeitsgeschenk! «Ein Hochzeitsgeschenk! O, wie schön ist doch das Heiraten!"

Trällernd tänzelt sie auf den Wandschrank zu und steckt den Kopf hinein. Ein Jauchzer springt von

bildete.

König Ludwig III. ist ein Bayer, in dem die ruhmvolle Tradition seines Hauses und Volkes leben­dig ist Er hat die Geschichte Bayerns bis zu den Quellen durchforscht, kennt Land und Leute tn Ver­gangenheit und Gegenwart wie kaum em Zeitgenosse. Und so verstehen wir auch den Stammes- und Dyna stenstolz, der in "seinen Reden und Aussprachen viel­fach durchblickt, wenn er darauf hinweist, daß eine 1000jährige Geschichte Herrscherhaus und Volk un­lösbar verbunden habe. Kraft und Trost seines Le­bens, dafür hüt König Ludwig III. als Prinz oft ge­ig sein Zeugnis abgelegt, aber gab ihm die kath o- scheRelrqion. Man denke an fein erhebendes

ntee verpflegen. Ob auch das deutsche Volk? Diese Frage entscheiden die ersten Schlachten und der Um» starid, wohin das Schlachtfeld gelegt wird. Jetzt wird wieder mehr erörtert und in den Vordergrund gerückt die finanzielle Kriegsbereitschaft. Soll damit ein neues Börsengefetz begründet werden wie 1908? Wir haben diesen Verdacht; denn diese Schwalben kennen wir.

Daß ein moderner Krieg riesige Geldmittel er» heischt, wissen wir. Aber der in Landsknechtszeiten und später anerkannte Grundsatz, daß zum Krieg­führen dreimal Geld gehört, hat heute doch nur eine bedingte Gültigkeit. Das fogenannte Moratorium, das in der Regel bei dem Kriegsausbruch erlassen wird und dem Schuldner den Aufschub der Zahlungen bis nach Beendigung des Krieges gestattet, überhaupt die Vielfältigkeit der Zahlungsmittel usw. werden auch in ungünstigen Fällen, d. h. bei längerer Kriegs­dauer, schwerere Finanzkrisen hintanhalten.^ Hier wie auf vielen Gebieten der Äolkswirtfchaft wird auch eine natürliche Einschränkung des Publikums eine Erleichterung verschaffen. Auf e i n e m Ge­biete kann aber keine Einschränkung stattfinden, viel­mehr wird eher noch ein erhöhter Verbrauch ein­fetzen, und zwar in den Erzeugnissen der Landwirtschaft.

Verminderte Produktion, ungenügende Vorsorge im Frieden kann Deutschland in eine verhängnisvolle Abhängigkeit zum Auslande bringen. Molike be­trachtete jeden Feldzug vor bem ersten Kanonen;chup schon für uns verloren, bei dem die Landwirtschaft nicht mehr in der Sage wäre, Heer und Volk unab­hängig vom Auslande zu ernähren. Bei der gestei- I gelten Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschafl vom Weltmärkte, vom auswärtigen Handels kann es kaum zweifelhaft fein, daß eine längere Blockade Deutschland unter allen Umstanden zur Unterwerfung zwingen müßte, wenn die, deutsche Landwirtschaft ihren nationalen Ausgaben nicyt mehr gerecht werden könnte. ,, , .

Tas erhoffen sowohl französische wie cngnsche Politiker und Militärs. Die geographische, wie I gegenwärtig wirtschaftlich und politisch beengte Sage Deutschlands unterstützen durchaus diese Anpcht Hier beginnt die Frage von allergrößter Bedeutung I zu werden, denn ein Fehlschlagen in der Auswahl der Mittel kann das herbeiführen, was man w Frankreich und England hofft erreichen zu können: das A u s h u n g e r n! Das ist ein hartes Wort, und I wir wollen nicht an eine solche Möglichkeit den.en Es kann aber nicht eindringlich genug darauf hmge.

I wiesen werden. . , m

Dr. Paul Voigt wies vor Jahren tn den „Preu­ßischen Jahrbüchern" (Bd. 91: Deutschland und der Weltmarkt) auf diese Möglichkeit als sehr naheliegend hin: „Der Femd, der das weiß, wird nicht dulden, daß unser Handel über Antwerpen ober Rotterdam gehe: e- wird sich durch die Neutralität so schwacher I Staaten, wie Belgien und Holland, durch die jurim- I scheu Zwirnsfäden des Völkerrechts wahrhaftig nicht I abhalien lassen, Deutschland an seiner verwundoartten I Stelle zu treffen."

Schon die einfachste und nüchternste lleberlegung sollte die möglichste Selbständigkeit der beglichen Volkswirtschaft fordern; diese ist aber ohne S ch vtz der heimischen Produktion undenkbar Es ist freilich feine leichte oder etwa dankbare Aufgabe, I an eine systematische und praktische Lösung dieser I Frage heranzutreten, da man der heftigsten Gegner­schaft der Freihändler gewiß fein darf, obwohl diese selbst die Lösung noch schuldig sind. Abwehr des Feindes ist oberster Grundsatz; diesem haben sich alle Faktoren, auch die wirtschaftlichen, unterzuordnen. Die Friedensvorbereitungen können nicht einseitig sein- es müffen alle national-ökonomischen und dar­über hinaus alle militär-ökonomischen Organisations-

Selbst Gerda Douglas zeigte eine ihrer vorneh­men, harmonischen Natur ganz fremde Unzufrieden­heit. Sie, die verwöhnte „erste Liebhaberin", soll ihr Schlafzimmer sogar mit einer Kollegin teilen!

Direktor Fucrer war außer sich. Im Gegensatz zu den meisten Theaterdirektoren nimmt er lebhaften An­teil an den perfinlichen Wünschen seiner Mitglieder. Er versprach baDigst Abhilfe, hat jedoch, sich für kurze Zeit dem nun einmal bestehenden Hebel zu fügen.

Gerda Douglas fand zuerst ihre gute Laune wie­der. Sie erbot sich fogar, chr Zimmer mit der „ko­mischen Alten" zu teilen — einer außergewöhnlich korpulenten Dckme, die vom ganzen Personal nur „unsere Dicke" genannt wird.

Diese Selbstentäußerung der „ersten Liebhaberin" stellte sofort die allgemeine ftöhliche Laune wieder her. Jeder richtete sich ein, so gut es eben ging.

Und heute, -am Morgen der Ankunft von Norbert und Felicie Baarington, leuchtet hellster Sonnenschein sowohl auf den. Straßen Newarks, wie in den Herzen des Furrer'fchen Schauspiel-Ensembles.

Gerda Douglas begrüßt das junge Paar bereits auf dem Bahfthof.

„Ich habe Euch selbst eine kleine Wohnung aus­gesucht — Salbu und Schlafzimmer. Vielleicht ist sie etwas zu elegant, alias zu kostspielig; aber ich konnte ihr nicht widerstehen. Das Loch, was ber, Agent für Euch bestimmt, hatte, war rein unmöglich.",

Nach einigen Minuten schon steht Felicie auf ber Schwelle ihres Heims.

„Heim" ccklerbings nur für wenige Wochen, aber doch immerhin ihr Heim.

Ihr erstes Heim! Denn bei ber Mutter hatte sie sich nie zu Hause gefühlt, ba bort, so lange sie denken kann, der Stiefvater herumtobte und schimpfte- In ihrer Vorstellung dagegen verbindet sich mit dem Worte „Heim" der Begriff Ruhe, des Friedens . . .

Voll Stolz blickt Felicie um sich. Dann schreitet sie direkt auf ein eichen-geschnitztes Pancelsopha zu und rückt mit Aufbietung all ihrer schwachen Kräfte daran herum^

„Mein Gott, was fällt Dir ein, Licy?" ruft Nor­bert. „Das Sopha. gehört an die Wand nicht mitten ins Zimmell,"

Tann Plötzlich schlingt sie impulsiv die Arme um Gerdas Nacken und küßt sie auf den Mund. .

„Recht so, Felicie! . . . Nun aber gib uns eine Tasse Tee, kleine Hausfrau! Ich habe L-nrst.

Verlegen senkt Felicie das Köpfchen.

„Gern, aber — aber — ich hab' ja Jemen $ee.

„Erst Umschau halten, dann reden! lächelt Gerda. „Hast Du nicht im Wandschrank eine chinesische Buchse bemerkt?" . ., ...

Vorsichtig öffnet Felicie die zierliche rotlaherte Büchse. Aromatischer Tee duftet ihr entgegen.

Erneuter Jubel. . , .

Unter Scherzen und Lachen arrangieren die bei­den Frauen den Teetisch.. Die Spiritusflamme wirb angezünbet, ber Kessel mit Sßaffer gefuHt.

Und immer neue Schatze enthüllt ber „Tischlem- beck-bich"-Wandschrank. Biskuits, Törtchen, Johan- nisbeer-Gelee und geröstetes Brot brüten sich auf der gelben Damastdecke. Sogar das Milchtopfchen ist mit frischer Sahne gefüllt und die Zuckerschale mit Z" Bald sitzen alle drei in traulichem Geplauder um den Teetisch herum. Auf allen Gesichtern herz­liche Freude, ungetrübtes Glück. „

„Leider muß Licv heut abend schon auftreten, erzählt Gerda. „Ich wollte sie gern davon dispen­sieren; aber der Direktor meinte, das ginge nicht. Seine besten Truppen müßten am Erofsnungsabenb alle ins Feld geführt werden. Aber sie hat nur, eine kleine Rolle — soviel hab' ich wenigstens erwirkt.

i Felicie ist voll des Dankes für die liebevolle Für­sorge ber Frennbin, bie ihr auch noch bett Rat erteilt, die Hauswirtin für die Mahlzeiten sorgen zu lassen.

„Nur den Tee morgens und nachmittags bereitest Du selbst, Licv. Der surrende Teekessel gibt der Zah­nung etwas Trauliches, Heimisches . . - Uno nun lebt wohl, liebe Freunde! Ich will Euch letzt nicht länger stören!" . . r, r., ., . ...

Gerda ist gegangen, und Felicie wirft f'äi mit froh- I lichem Lachen in einen Sessel, Norbert zu gch heran­winkend. ,

„Einen Augenblick, mein Lieb! Ich muß nur noch I Gerda etwas wegen ber heutigen SSorfteUung fragen. Räum' inzwischen bie Teesachen fort! Ich bin gleich

I wieder da!" (Forts, folgt.)

Zn der Zchuie der Leidens.

14] Roman aus bem New-Iorker Leben.

Von Erich Friesen.

Ein Pfiff — ber Zug setzt sich in Bewegung.

Erneutes Winken ... ein letztes Tücherschwenken.

., , . Der Zug macht eine Kurve — Frau Mackay ist den Blicken bes jungen Paares entschwunden.

Felicie sinkt in die Kissen zurück. Ihr Gesichts­ausdruck ist gänzlich verändert,

„Was fehlt Dir, mein Sieb? Du bist so bleich!" Besorgt faßt Barrington ihre Hand. „Deine Finger zittern! — Und hier — gar eine Träne? An unferm Hochzeitstag, Sich?" _

Durch Tränen lächelnd blickt sie zu ihm empor.

„Ja, unser Hochzeitstag, Norbert! Der glücklichste Tag meines Lebens! Ich will auch nicht murren — mir bleibt je noch eine kurze Zeit des Glücks!"

„Ich verstehe Dich nicht, Licy —"

„Ist auch nicht nötig. Komm, gib mir Deine Hand, daß ich Dich fühle! — So! — Sag', müssen wir der Mutter unsere genaue Adresse mitteilen?"

„Gewiß. Warum auch nicht?"

„Mein Stiefvater kehrt in ein paar Wochen von Europa zurück. Er soll nicht wissen, wo ich bin. — Ha, noch zwei ganze Wochen des Glücks! — Und bann--"

Er schließt ihr den Mund mit einem Kuß.--

Und sie vergißt ihre Sorgen und ihren Kummer; sie vergißt den Stiefvater — und die Mutter und alles andere auf der Welt--außer ihm, der ihr Gluck,

ihr Leben, ihr Alles ist!

Am siächsten Nachmittag trifft das junge Paar in Newark ein — die erste Station der auf ein halbes Jahr bemessenen Tournee des Furrer'fchen Schau- sPicl-Enfembles.

Unter den bereits gestern angelangten Mitgliedern herrschte am Abend vorher größte Erregung. Der Agent hat diesmal seine Sache schlecht gemacht. Die belegten Zimmer sind klein, dürftig möbliert und un- wohnlich.