Monats-Vellage:
40. Zahrgang.
Dienstag den 4» November 1913
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x Der Einzug in Braunschweig.
Am Montag morgen hat das Herzogpaar Ernst Auaust die Garnisonstadt Rathenow verlassen und seinen Einzug in Braunschweig gehalten.
In Velpke, an der Landesgrenze, empfingen die bis dorthin entgegengefahrenen Mitglieder des Staatsministeriums das im Lande mit großer Spannung erwartete Herzogspaar. Staatsminister Hartwig hielt eine kurze Ansprache, die sich jeder politischen Anspielung enthielt und dem Herzogspaar lediglich m kurzen warmen Worten den Willkomm des braunschweigischen Landes ausdrückte. Nach wenigen Minuten'setzte sich der Zug wieder in Bewegung und mhr ohne weiteren Aufenthalt bis Braunschweig.
In Braunschweig harrte man des neuen Herrn in fieberhafter Spannung. Ganz begeistert schreibt man uns aus Braunschweig:
„900 Jahre lang in Braurychweigs zäher meder- sächsiicher Menschenschlag mit dem ivelfischen Fursten- hause in Freud und Leid verbunden. Gar mancher rauhe Sturm bat das recke,ihaste Geschlecht der Welfen zerzaust, geknickt, gebrochen. Und in all den langen Iah, Hunderten ist nicht eine Generation ohne Kampf und Ungemach geblieben. Aber immer wieder hat sich das zähe Geschlecht erholt, immer wieder sich behauptet und sich durchgesetzt. Wie der gewaltige Ahnherr des Hauses, Heinrich der Löwe, nach Jahre langer Acht und Bann aus der Fremde zurückkehrte in seine Burg, unbesiegt und ungebeugt, so mehr als sechs Jahrhunderte darnach der Herzog Friedrich Wilhelm von Brauschweiq-Oels, der mit Recht als „Helden- herzog-im Gedächtnis jedes Braunschweiger Kindes fort« lebt in Wort und Lied und — in den Herzen. An jenem urdeutschen Recken «cheiterte die Macht des Hohenstaufen, und in diesem der Uebermut des Korsen. — Anders des Welfen Sieg int Jahre des Heils 1913! Nicht das Schwert, nicht blutiger Waffengang hat diesem den Erfolg gebracht; — nein, Bande des Herzens waren es, die den jetzt 27 Jahre alten jugendlichen Herzog Ernst August den Weg in das Schloß seiner großen Ahnen geöffnet haben. 'Was vor wenigen Jahren noch ganz unmöglich schien, ist jetzt zur Tat geworden; das angestammte Herrscherhaus kehrt zurück auf den Tbron, der vor 28 Jahren durch den Tod des letzten Welsen aus der älteren Linie verwaist dastand."
Der in diesen Zeilen zum Ausdruck kommenden Fepesstimmung entsprach gestern das Aeußere der herzoglichen Haupt- und Residenzstadt Braunschweig. Die alte Löwenstadt hatte ein Prachtgewand angelegt von unvergleichlicher Schönheit, würdig der alten aristokratischen, reichen Hansestadt. Alle Häuser, selbst die kleinsten in den erttlegensten Straßen und Gassen — trugen reichen Schmuck von Tannengrün, Girlanden, Kränzen und Fahnen, Flaggen und Wimpel in deutschen Reichs- und preußischen und braunschweigischen Laudesfarben wehten lusttg flatternd im Winde. Ganz besonders waren die Straßen reich und prächtig aüsgeschmückt, durch die das junge Herzogspaar seinen Einzug hielt. Für die Ausschmückung der kaum anderthalb Kilometer langen Einzugsstraße sind von der Stadt 25 000 Mark und vom Staate noch weit mehr ausgegeben worden.
Um 12 Uhr 37 Min. mittags trafen der Herzog und die Herzogin Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg auf dem Hauptbahn Hof in Braunschweig ein. Auf dem Bahnhof waren die Vertreter der staatlichen Behörden, die Hofstaaten usw. zur Aufwartung erschienen. Der Herzog und die Herzogin taten unter dem Jubel der Bevölkerung ihren
feierlichen Einzug in die neue Residenz an. Auf dem Friedrich-Wilhelmplatze wurde das junge Paar von den städtischen Körperschaften empfangen. Oberbürgermeister R e t e m e h e r trat an den Schlag heran und hielt die Begrüßungsansprache, in der er der Freude darüber Ausdruck gab, daß Braunschweig sein angestammtes Herrscherhaus wieder in seinen Mauern begrüßen könne. Er schloß mit einem stürmisch aufgenommenen Hoch auf das Herzogspaar.
Zn der Schule des Leidens.
13] Roman aus dem New-Iorker Leben.
Von Erich Friesen.
Leichte Röte steigt in die Stirn des Mannes. Ein Lob aus Gerdas Mund macht ihn stets stolz. Obgleich sie ein Jahr jünger ist, als er, kaum sünfund- zwanzig, so sieht er doch mit unbegrenzter Verehrung zu ihr empor. Gerda Douglas ist für ihn der Inbegriff alles Guten, Schönen und Edlen auf der Welt. Gerade diese tiefe Verehrung, dieses unbedingte Sich- Unterordnen unter ihr Urteil, ließ nie das Gefühl der Liebe zu ihr in ihm aufkommen. Dazu kommt noch, daß er vor einem Jahr, da er als ganz unfertiger kleiner Schauspieler von Chicago nach New- pork übersiedelte, bei ihr. der damals schon bedeutenden Künstlerin, dramatischen Unterricht nahm. In seinen Augen ist Gerda Douglas sowohl als Weib wie als Künstlerin für ihn unerreichbar.
Nach Gerdas letzten Worten ist eine kleine Pause entstanden; fast scheint es, als ob beide sich scheuen, das begonnene Thema fortzusetzen.
„Es wird bald Zeit zur Probe," beginnt Gerda ablenkend, indem sie aufsteht. „Hat Felicie die Rolle der „Viola" in dem neuen Konversationsstück erhalten?"
„Ja. Glauben Sic, daß sie die Rolle gut geben wird?"
Gerda schweigt eine Zeit lang. Dann sagt sie fast schroff:
„Ich muß Ihre Frage zuerst nut einer andern Fraa" beantworten. Wann findet Ihre Hochzeit statt?"
„In vierzehn Tagen."
„Hm, das freut mich und tut mir zugleich leid!" „Wie?"
Barrington blickt Gerda verwundert au.
„Ich freue mich," erwidert sie lächelnd, „weil diese Heirat Euch beide glücklich machen wird. Es tut mir leid, weil —“
Sie zögert.
„Nun?"
Man sah, wie Herzog Ernst August einige Male zum Sprechen ansetzte. Schließlich faßte er sich und beugte sich zum Oberbürgermeister, dem er leise dankte. 'Dann trat, mit einem ungeheuren Rosenstrauß bewaffnet, die Tochter des Bürgermeisters Meyer an die Herrschaften heran. Die Herzogin lachte und fteute sich, und drückte der Kleinen die Hand. Langsam ging es dann weiter. Gegen 1 Uhr 30 Min. traf das Herzogspaar im Schlosse ein, wo die Vorstellung der Hofstaaten erfolgte. Hieran schloß sich die
Verlesung der Thronrede. Es heißt bann:
Mit Dank zu Gott, der aus tiefftem Herzen kommt, begrüße ich, zugleich namens der Herzogin, meiner Ge- inablin, Sie, meine Herren, hier in meinem Residenz- schloffe. Den Jubel der Bevölkerung bei unterem Ein- zuge in« Land und die Residenz betrachten wir als sicht- bares Zeichen der Liebe und des Vertrauens, welche uns die getarnte Einwohnerschaft des Landes entgeaenbringt. Es wird mein ständiges B-streben fein, die Regierung so zu führen, daß jeder, ohne Unterschied der Person, die Ueberzeugung gewinnen wird, tatkräftige Fürsorge für das Gedeihen des Landes und das Glück der Braunschweiger sei der Leitstern alles meines Handelns und Tuns. Dazu, meine Herren, bedarf ich insbesondere Ihres vollen Vertrauens und Ihrer treuen Mitarbeit. Der Herzogin, meiner Gemahlin, wird es eine große Freude und eine ihr zur lebhaften Befriedigung gereichende Aufgabe sein, alle auf dem Gebiete der Frau und Fürstin lieaenben Bestrebungen zu fördern und zu unterstützen. Nachdem ich den Thron meiner Vorfahren bestiegen habe, entbiete ich allen meinen Braunschweigern, mich selbst in jeder Beziehung ald Braunschweiger fühlend, meinen landessürstiichen Gruß und spreche die zuversichtliche Hoffnung aus, daß das Band zwischen Fürst und Volk ein immer festeres und innigeres werden wird. Dazu wolle Gott der Allmächtige seinen reichen Segen geben.
Hierauf hielt der Präsident der Landesverwal« tung eine Ansprache an das Herzogspaar, in der er sagte:
Heute klingt heller, sonniger Jubel durch die Lande, daß der erlauchte Sprosse des angestammten Herrscher- Hauses endlich einzieht in die Stadt Heinrichs des Löwen. Möge dieser ersehnte, so hochbedeutungsvolle Tag der Ausgangspunkt einer langen Reihe gesegneter Jahre sein.
Später fand im Schlosse Galatasel statt, an der Damen nicht teilnahmen. Abends war die Stadt festlich illuminiert, besonders prächtig aber das Theater.
Ein Stiftung. Die amtlichen .Braunschweigischen Anzeigen melden, daß Herzog Ernst August unter dem Namen „Herzog Ernst August-Stiftung für ge- meinnützige Zwecke" eine milde Stiftung errichtet und dieser Stiftung als Grundstock ihres Vermögens 50000 Mark überwiesen hat.
Rr. Wahlnachklänge
Man schreibt uns aus Baden:
In der Großblockpresse herrscht ein gewaltiges Rumoren; von der „Franks. Ztg." an bis zum letzten liberalen Winkelblatt wird in Jubeltönen das Thema vom „Sieg des Großblocks" abgewickelt. Man kann diese Begeisterung nur verstehen, wenn man annimmt, daß die Grotzblockpresse nach dem Ausfall der Hauptwahl an die Beseitigung der liberal-demokratisch-sozialdemokratischen Mehrheit geglaubt hat und jetzt angenehm überrascht ist, daß von einer „blau-schwarzen Majorität" nicht die Rede sein kann. So wirds auch Wohl sein. In zuständigen Politischen Kreisen, die mit den gegebenen Faktoren zu rechnen verstehen, hat aber niemand an die Aufrichtung einer „blau-schwarzen Mehrheit" geglaubt. In allen 20 Stichwahlbezirken hatten doch die Großblockleute mehr Stimmen als die Gegner. Wenn also die Großblöckler restlos zusammengingen, so konnte kein Einziger der Gegner durchkommen. Und wie war es nun? Trotz des Zusammengehens haben die Gegner u o ch einen Sitz gewonnen und — was das Bedeutsamste ist — in allen Kreisen haben die Auti-
„— weil Felicie nach der Hochzeit keine gute Schauspielerin mehr sein wird."
Barringtons Erstaunen wächst.
„Sie sprechen in Rätseln, Fräulein Douglas. Weshalb sollte Felicie nach der Hochzeit —"
„Mein lieber Freund," fährt Gerda ruhig fort, indem sie wieder Platz nimmt, „Felicie ist ein kleiner Fcuerkopf. In ihrem Herzen ist ein kleiner Vulkan von Gefühlen und Empfindungen aufgespeichert, der so mächtig in ihr wühlt, daß sie sich mit Feuer und Leidenschaft auf jede ihr zugeteilte Rolle wirft — mit solchem Feuer und solcher Leidenschaft, daß man dar- über den Mangel an wirklicher Kunst ganz vergißt — auch vergißt, daß jeder Künstler, ie‘4: Künstlerin den Charakter der Rolle nicht mitempfinden, sondern darüber stehen, denselben vollständig beherrschen muß. . . . Sobald Felicie glücklich ist, sobald ihr Herz zur Ruhe kommt, wird ihr Feuer, ihre Leidenschaft, dies Ringen nach Betätigung ihrer Gefühle, schwinden. Ihre künstlerischen Instinkte sind nur Ausbrüche ihrer leidenschaftlichen Natur. Sind diese entschlafen, so ist Felicie keine Künstlerin mehr, sondern eine Dilettantin."
Mit steigender Erregung ist Barrington den ruht- gen, sachlichen Auseinandersetzungen gefolgt.
Jetzt springt er empor.
„Großer Gott!"
„Ich wünschte, ich täuschte wich —" Gerda reicht ihm herzlich die Hand — „aber ich glaube es nicht... . Was schadet es übrigens! Sie, lieber Freund, haben genug Talent und künstlerische Kraft für Euch alle beide. Lassen Sie Ihre Frau der Bühne entsagen — es ist ohnehin besser!"
In tiefe Gedanken versunken, sitzt Barriugton da. Fast erscheint ihm das soeben Gehörte unglaublich. Er ist jedoch so gewöhnt, Gerdas Urteil als richtig zu betrachten, daß ihre Worte ihm Unruhe und Pein verursachen.
Gerda hat sich inzwischen zur Probe zurecht gemacht. Sanft legt sie jetzt die Hand auf seine Schul- ter. Ei» w-hmütfties Lächeln umzittert ihre Livv-»
Großblockstimmen bedeutend zugenommen, während die Großblockstimmen durchgehends abnahmen, mit Ausnahme derjenigen Bezirke, in denen ein Sozialdemokrat nicht zur Stichwahl stand. Man beachte noch die charakteristische Tatsache: sobald sichs in der Stichwahl um einen Sozialdemokraten handelte, wurde die Großblockphalanx erschüttert und hunderte von nationalliberalen Wählern schlugen sich auf die Gegenseite. So nahmen tn den fünf Kreisen, in denen die Konservativen an erster und zweiter Stelle in Stichwahl standen, die konservativen Stimmen um dreitausend zu, während die Großblockstimmen in drei von diesen Bezirken ganz erheblich zurückgingen. Diese Erscheinung zeigt sich als charakteristisches Merkmal des Stichwählgangs. Mit andern Worten: der Zug nach r e ch t s hat auch in der Stichwahl angehalten. Dar- a ,; aber kommt es an. Die Wahlen in Baden haben unter der Formel: weg vom Großblock — hinüber zum Rechtsblock stattgefunden. Keine freisinnige Großsprecherei wird diese Tatsache aus der Welt schaffen.
Der G r o ß b lo ck an sich war schon im er ft en Wahlgang vernichtet. Die Tendenz gegen den Großblock hat sich bei der Nachwahl — wie bewiesen — verstärkt, sie ist aber nicht bis zur Beseitigung der liberal-sozialdemokratischen Mehrheit vorgeschritten- Zahlenmäßig-theoretisch besteht diese Mehrheit noch, aber tatsächlich ist auch sie gebrochen, weil, von manchen rechtsstehenden Liberalen ganz abgesehen, drei erklärte Großblockgegner in ihrer Reihe sitzen; es ist also eine Anti-Großblock- mehrheit mit 38 gegen 35 Stimmen vorhanden.
Der Großblock ist geschlagen — der Zuggehtnachrechts. Wenn die liberale Presse diese Tatsache mit dem Ausfall der Nachwahlen verdecken will, so kann man dagegen nichts machen, denn für journalistische Falschmünzerei gibts keine Strafmandate; die Wahrheit schafft man aber mit solchen Großsprechereien nicht aus dem Wege.
Deutsches Reich.
** Der Bundesrat hat keine Zeit.
Bekanntlich ist der Beschluß des Reichstags auf völlige Aufhebung des Jesuitengesetzes im Plenum des Bundesrats noch nicht zur Verhandlung gekommen, und auch die Ausschüsse des Bundesrats haben sich damit noch nicht beschäftigt. Nunmehr schreibt eine offiziös bediente Nachrichtenstelle, die ,Pol. Inf/, zu dieser Angelegenheit:
Das Plenum des Bundesrats, das mit Arbeiten außerordentlich überlastet ist, hat eine Stellungnahme zu dem Anträge noch nicht genommen, und es ist fraglich, ob dies in nächster Zeit geschehen kann. Zu erwarten ist, daß nach brr bisherigen Stellungnahme der Mehrbeit der Bundesstaaten mit einer Aufhebung des Gesetzes zurzeit ledenfalls nicht zu rechnen ist, so daß eine Aenderung des bisherigen Standpunktes nicht in Frage steht. Eine Aufhebung des Jesuitengesetzes würde vor allem die Gefahr der Hinetn- iragung der Angelegenheit in die Landtage der Einzel- staaten mit sich bringen. Hierbei würde dann die Frage, ob die landesrechtlichen Vorschriften, die durch ein Reichsgesetz aufgehoben werden, bei der Beseitigung des letzteren wieder aufleben oder nicht, eine große Rolle spielen, was wiederum mit neuen Differenzen verknüpft lein könnte. Dies würde besonders für Preußen und Sachfen gelten. Hierüber sind Ermittelungen an- gestellt worden, die bereits vorliegen. In der juristischen Fachpresse ist schon mehrfach erörtert worden, ob die Auffassung richtig ist, daß die Landesgesetzgebung während der Geltungsdauer beseitigt werden kann. Es würde also die ungetlärte Streitfrage entstehen, ob die landesgesetzlichen Bestimmungen wieder in Kraft treten wurden, sobald das Jesuitengesetz amgehoben sein würde, was wiederum naturgemäß zu Weiterungen aller Art führen könnte. Etne Belctttgung dieses Streitpunktes könnte dann nut auf reichsaesetzlichem Wege geichehen.
„Kommen Sie, Barrington! Es ist schon spät. Darf tch Sie in meinem Wagen nach dem Theater fahren? Er steht bereits vor der Tür."
Als die beiden die Bühne betreten, hat die Probe schon angesangen.
Der Inhalt des Stücks ist ein überaus harmloser. Einzig und allein die Rolle der „Viola" verlangt pathetisches Empfinden.
Und merkwürdig — was sonst nie nötig war — heute hatte der Regisseur Felicien beständig Anweisungen zu geben.
„Fräulein Mackay, etwas lebhafter, bitte!" . . . „Weinen Sie doch, liebes Kind! Das können Sie doch sonst so famos!" . . . „Aber Fräulein, der Ausdruck Ihrer Augen ist zu gleichgültig! Schmachtend! Feurig' wenn ich bitten darf! . . . So, jetzt ist es besser!"
Barrington folgt hinter bett Kulissen dem Sviel der andern, sobald er nickt beschäftigt ist. Auch ihm sällt sofort die Veränderung in der künstlerischen Aufsassung seiner Braut auf.
Unwillkürlich blickt er zu Gerda hinüber.
Doch sie bemerkt es nicht. Ihre Augen sind un- verwanot auf Felicie gerichtet.
Durch einen kleinen Irrtum seitens eines der Mitt spielenden muß eine Szene wiederholt werden. Eine kurze Pause entsteht.
öerba benutzt dieselbe, um Felicie etwas ins Ohr zu tuscheln, woraus letztere heftig errötet.
iT.it Verwunderung bemerkt Tarringmn, daß bei der Wiederholung der Szene Felrcicns Empfindungen wwacht sind. Sie spielt die Szene mit einem Feuer, einer Leidenschaft, daß der Regisseur schmunzelt und lebhaft applaudiert.
„Woher kommt dieser plötzliche Umschlag? Was haben Cie Felicie vorhin leise gesagt, Fräulein Douglas?" fragt Barrington verblüfft.
„Ich habe sie ein wenig eifersüchtig gemacht. Zweifeln Sie noch an meiner Menschenkenntnis?"
IX.
2i;-’rtebB Tage später, » «■_,
indem bestimmt würde, daß die landesgefetzlichen Vor schriften durch Aushebung des Jesuitengesetzes gleichfalls aufgehoben werden und die ausdrücklich die Wieder- zulaffung des Jesuitenordens im Reichsgebiet bestimmen.
Merkwürdig, daß der Bundesrat bisher noch nicht so viel Zeit gesunden hat, sich mit dem nun schon ungefähr neun Monate zurückliegenden Beschluß des Reichstages auf Aufhebung des Jesuitengesetzes zu beschäftigen. Es handelt fick hier um eine Angelegenheit die für die vielen Millionen deutscher Katholiken von höchster Wichtigkeit ist. Da muß der Bundesrat Zeit Haden! Wenn wirklich wegen der landesgeietz- lichen Bestimmungen noch eine Streitfrage bestehen sollte, so kann diese nicht dadurch gelöst werden, daß man das ungerechte Ausnahmegesetz gegen dir katholische Kirche einfach bestehen läßt.
* Berlin, 3. Nov. 1913. Die Etatsberatungeri des Bundesrats beginnen zu Anfang der nächsten Woche, die meisten Etats liegen dem Bundesrate bereits vor. Dem Reichstage geht der Etat am 25. November zu. — Der Gesetzentwurf über die E rrichtung eines Kolonialgerichtshofes ist dem Reichstag jetzt zugegangen. Er gleicht dem früheren Entwürfe, doch ist diesmal von der Einbeziehung der Konsulargericktsbarkeit abgesehen worden. Entgegen dem Wunsche Hamburgs ist als Sitz des Kolonialgertchtshofes wiederum Berlin vorgeschlagen worden. — Der Reichskanzler empfing heute den rumänischen Gefandten, , der ihm im Auftrage des Königs von Rumänien das Großkreuz des Karols-Ordens überreichte. — König Albert von Belgien ist nach Deutschland abgereist, um das 2. Hannoversche Dragonerregiment Nr. 16 in Lüneburg, dessen Chef er ist, zu besichtigen. — Der Großherzog von Oldenburg, der sich zurzeit auf seinem Gute Lensahn in Holstein befindet, ist an feinem alten Gesichtsnervenleiden heftig erkrankt.
(♦) Die Kommission für Riistungslieferungen ist von dem Staatssekretär Dr. Delbrück aus Freitag, den 14. Nov., einberufen worden. Die Kommission wird zuerst ein Arbeitsprogramm aufstellen. Es sind Vorträge von Sackverständigen geplant.
** Eine Prüfungsordnung für Lehrer und Lehre ■ rinnen an Hilfsschulen ist vom preußischen Unterrichts. Minister erlassen worden. Sie tritt mit dem 1. Okh 1914 in Kraft.
* Ein Erlaß gegen die Sozialdemokratie. Der Düsseldorfer Regierungsprästdent Dr. Kruse hat an die ihm unterstellten Beamten folgenden Erlaß gerichtet:
„Nach einem in Nr. 101 her .Neuen Korrespondenz' vom 30. August ds. Js. veröffentlichten Artikel (Sozialdemokratie und Beamte) ist der Kolporteur Paul Hanke zu Kattowitz, Vorstand der sozialdemokratischen Partei daselbst, wegen Beleidigung eines Beamten zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Hanke hat in der Agitationszeit zu den Reichslagswahlen im Januar 1912 em sozialdemokratisches Flugblatt u. a. auch an einen Polizeisergeanten gesandt, der sich dadurch beleidigt fühlte und Strafantrag stellte. In der Begründung des er- wähnten Urteils wurde die Auffassung vertreten, daß die Zumutung an einen Beamten, sich zur Sozialdemokratie zu bekennen, ehrenkränkend sei, und daß der Schutz des § 193 des B. G. B. dem An- geklagten nicht zur Seite stehe. Indem ich auf diese Entscheidung Hinweise, ersuche ich, sie allen Beamten zur Kenntnis zu bringen."
)( Die Ministerkrisis in Mecklenburg-Strelitz ist zu Ende. Der Großherzog hat das Rücktrittsgesuch des Ministers Bossart, das dieser nach dem Scheitern der letzten Verfassungsvorlage anbot, abgelehnt unter gnädiger Anerkennung der geleisteten Dienste.
* Eine Versammlung preußischer Polen sand in Winterswyk in Holland an der westfälischen Grenze statt. Hauptsächlich hatten sich die Führer der polnischen Bewegung eingesunden. Sie erklärten, ins Ausland gegangen zu sein, weil es ihnen in Preußen nicht gestattet sei, Verhandlungen in ihrer Sprache zu sichren. Hauptsächlich wurden dann die katholischen
Seit wenigen Stunden ist Felicie Mackay Norbert Barringtons Gattin.
Fhr sehnlichster Wunsch — erfüllt. Sie gehören einander für immer, „bis daß der Tod sie scheidet" — wie sie am Altar feierlich gelobten.
In geschmackvollem grauem Reisekostüm steht Fe- licie Barriugton neben ihrem Gatten auf dem Perron- Ihr Antlitz ist eitel Sonnenschein. Die schwarzen Augen strahlen, wie noch nie zuvor. , Herzigstes Grübchenlächeln verklärt das rosige Gesichtchen.
Voll Stolz und Wehmut zugleich ruhen die Blicke der Mutter auf ihrem Liebling. Die arme Frau bleibt letzt allein zurück — ganz allein; aber was kümmert das ein liebend Mutterherz! Sie weiß die Tochter glücklich — das ist ihr genug.
„Einsteigen, meine Damen und Herren!"
Feliciens dunkles Köpfchen lugt durch das halbgeöffnete Fenster des Waggons.
„Leb' wohl, Mütterchen! Ach, wie glücklich bin ich!"
Frau Mackay zwingt sich zum Lächeln.
„Leb' wohl, mein Herzblatt! Jetzft ba Du verheiratet bist — vor Gott und den Menschen seine Frau -- jetzt kann Dich nichts mehr anfechten. Jetzt kümmert es Dich wohl auch nicht mehr, daß —"
Sie stockt.
„Na, heraus damit, Mutter!" lacht die übern'.Lttgo junge Frau.
u„®er — der Vater —"
Ein plötzliches Angstgefühl überschleicht Felicie. Unwillkürlich greift ihre Hand nach dem Herzen.
„Er — er kommt zurück?"
,.0a er bat von Hamburg aus telegraphiett. Seine Geschäfte scheinen nicht geglückt zu sein. In ein paar Tagen schisst er sich schon wieder nach Newyork em. . Ach, dann hab' ich wieder zu leiden! . . . Leb' wohl, mein Kind! Leb' Wohl! Seien Sie gut zu ihr, Varri,igion! Sie ist ein Juwel, ähnelt von Tag zu Tage mehr ihrem Vater!"
(Fortsetzung folgte