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Erhältlich Bei den Installationsfirmen Heinrich Backes, B. Trabert.

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Fuld,a 2. November 1913.

* Marburg, 2. Nov. 1913. Der regierende Bürger, meister von Hamburg, Dr. jur. Karl August Schroeder, wurde anläßlich seiner Verdienste um das Kranken» und Krankenhauswesen des Staates Hamburg, besonders anläßlich der von ihm in die Wege ge­leiteten Gründung besonderer Forschungsinstitute für Krebs und Tuberkulose von der medizinischen Fakultät der Landesuniversität zum Ehrendoktor ernannt.

* Marburg, 2. Nov. x913. Zu der in dieser Woche hierstattfindenden Schwurgerichtsperiode liegen insgesamt sechs Fäll: zur Aburteilung vor. Es handel! sich je in einem Falle um Amtsver- brechen, Raub und Meineid und bei den übrigen Fällen um Sittlichkeitsvergehen.

;; Marburg, 2. Nov. 1913. Die hiesige land» wirtschaftliche Winterschule begann ihren Unterricht mit 64 Schülern.

* Kirchhain, 2. Nov. 1913. Durch das Eindecken dcr Landstraßen im Darmstädtischen ist die Auto­mobilverbindung von Kirlorf-Ehringshausen und Kir­torf-Kirchhain bis aufs weitere eingestellt. Die Ver­bindung Kirtorf-Ehringshausen wird durch Fuhrwerk aufrecht erhalten. Der Verkehr von Nieder- klein wird durch das Post-Auto wie folgt geregelt: Niederklein ab 7.35 Uhr — Kirchhain an 7.55 Uhr; Kirchhain ab 8.35 Uhr — Niederklein an 8.55 Uhr; Niederklein ab 10.00 Uhr — Kirchhain an 10.20 Uhr; Kirchhain ab 1.30 Ubr — Niederklein an 1.50 U^r; Niederklein ab 5.58 Uhr — Kirchhain an 6,18 Uhr; Kirchhain ab 7.00 Uhr — Niederklein an 7.20 Uhr. Solle sich diese Einrichtung bewähren und rentieren, so könnte sie nach Auflösung der heute bestehenden Gesellschaft von einer aus den Kirchhainer und Niederkleiner Mitgliedern neu zu errichtenden Gesell- schäft beibehalten werden. Es müßte sich aber dann die Gemeinde Niederklein verpflichten, einen größeren Zuschuß zu geben, da gerade diese Gemeinde den größten Nutzen von dieser Verbindung hat. Die Oberpostdirektion in Kassel müßte sich ebenfalls ent­schließen, einen größeren Beitrag als bisher zu leisten, sonst ist alles aussichtslos.

[:] Neustadt, 2. Nov. 1913. Auf der 10. Wan- derversammlung des Geflügetzucht-Ver» eins für den Regierungs-Bezirk Kassel, welche gestern und heute in Kirchhain abgehalten wurde, erhielt der Landwirt C. Huber von hier für ausgestellte Emdener Gänse einen 1., 2., 3. und 4. Preis, sowie einen Ehrenpreis. — Im Atelier des Herrn Spohr hier- selbst ist zurzeit ein Reservebild des Marine- Pionier - Gefreiten Schneider aus dem benachbarten Orte Wiera ausgestellt. Dasselbe hat eine Länge von einem Meter und eine Breite von einem halben Meter und ist in China hergestellt, wo Schneider 3 Jahre gedient hat. Das Bild zeigt prachtvolle Seidensticke- reien, welche mit einer Sauberkeit ausgesührt sind, die das Erstaunen von Kennern erregen. Wie der Eigentümer obigen Bildes mitteilt, erhält in China eine Arbeiterin für derartige Arbeiten einen Tagelohn von 13 Pfg.

3m gesunden Körper ein gesunder Geist.

Wer kennt sie nicht, diese goldene Lebens» regel der Römer, die durch Jahrhunderte ihre Geltung behalten hat? Wer geistig frische und rege bleiben, wer etwas tüchtiges leisten will, für den ist ein kräftiger,«fester Körper die erste Notwendigkeit, der muß Muskeln und Knochen so stark haben, daß sie etwas vertragen können. Bei allem was man tut, dies zu erreichen, wird das Ein» nehmen von Scotts Emulsion sehr ratsam sein. Diese« leicht verdauliche, auch von Erwachsenen gut zu nehmende Kräftigungs­mittel enthält in seinen Bestandteilen — hauptsächlich Lebertran mit Kalk» und Na­tronsalzen — für Muskel» und Knochen» bildung wichtige Rohstoffe, welche in der Form von Scotts Emulsion auch voll aus­genutzt werden. Scotts Emulsion regt die Eßlust an, bewirkt Zunahme des Gewichtes und Hand in Hand damit eine allgemeine körperliche Ertüchtigung.

Man achte auf die bekannte Schutzmarke

Der Fischer mit dem Dorsch.

70% ShtomertpatinS

M 254»

Montag 5. November l-lS

Automobil zu Boden geschleudert. Durch dar Vorder­rad des Wagens erlitt er ganz erhebliche Ver­letzungen an Kopf und Brust. Die Sanitäts­kolonne brachte den Verunglückten im Krankenauto­mobil zum Landkrankenhaus. Der Chauffeur des Wagens hatte die vorgeschriebenen Signale gegeben, sodaß ihne keine Schuld trifft.

-y- Feuer. In der Gesellenstube des Bäcker­meisters Herweg in der Kapuzinerstraße entstand Freitag vormittag auf unaufgeklärte Weise Feuer. Nur dem energischen Eingreifen durch die Gesellen und anderen Hausbewohnern gelang es, dem gierigen Elemente Einhalt zu tun. Der Schaden ist trotzdem nicht gering.

□ gilt bemannter Freiballon wurde gestern mittag gegen 12 Uhr über Unserer Stadt gesichtet. Er nahm die Richtung von Südwesten nach Nordosten.

= Ein Ausreißer festgenommen. Ter Fürsorge- zögling K. Krapf, aus Würzburg gebürtig, war seinem Lehrherrn, dem Bäckermeister Detig in Hofbieber, unter Mitnahme von 10 Mark Kundengeldern am Freitag nachmittag durchgegangen. Da man bestimmt annahm, daß der Durchgänger mit dem Abendzug nach Fulda fahren würde, so verständigte mau die hiesige Polizei. Ein Schutzmann nahm den Flüchtling sofort bei Ankunft deS Rhönzuges am Bahnhof lest und führte ihn in das Polizei-Gewahriam ab. Der Bäckermeister nahm ihn Samstag vormittag hier wieder in Empfang.

[] Einen dreisten Diebstahl führte heute früh ein wegen Tötung eines israelischen Kaufmanns von hier vor einigen Jahren mit mehrjährigem Zuchthaus vor­bestrafter arbeitsscheuer Bursche namens Burkhard aus. Die Güte eines im Mutterhause der Barm- herzigen Schwestern wohnenden Geistlichen, der sich seiner wiederholt angenommen, lohnte der Spitzbube damit, daß er in Abwesenheit des geistlichen Herrn in seine Wohnung drang und aus einem Schrank 200 Mark stahl.

Aur Oberheffen u» den Hess. Aemtern.

Dreifacher Selbstmord.

--- Marburg, 2. Nov. 1913. Gestern morgen fand man in ihrer Wohnung in der Franksurterstraße die 38 Jahre alte Malerin Frieda Kurtze aus Lands- Hut in Schlesien, die hier seit einiger Zeit wohnte, als Leiche vor. Die Dame hatte Lysol getrunken. Ihre ebenfalls hier in einer anderen Straße wohnende Schweuer, die 42 Jahre alte Gertrud Kurtze, benach- richtigte ihre einige Jahre ältere Schwester Anna, die in Braunschweig als Lehrerin angestellt ist, welche dann auch int Laufe der Nacht hier eintraf. Beide begaben sich in die Wohnung der toten Schwester und blieben auch dort. Als man heute mittag die Türen gewaltsam öffnete, stellte es sich heraus, daß auch diese beiden Schwestern ihrem Sieben durch Lysol ein Ende bereitet hatten. Die Lebensmüden hatten während der Nacht eine Anzahl Briese ge­schrieben.

2. Blatt.

Jr .a »er §uld«er rettendruoerei tu <nI6a.

Eingesandt.

Für Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Nedaltion nur die preßgesetzliche Berantwortung.

Wer seine Toten ehrt, der ehrt sich selbst. Wenn die Richtigkeit dieses Ausspruchs in diesen Tagen auch nicht Allen direkt in's Bewußtsein getreten sein mag, so hat die sorgfältige Pflege und Ausschmückung der Gräber auf allen Friedhöfen dieser Stadt doch selbst für den nur oberflächlichen Beobachter durch die Tat, die mehr wert ist, als das einfache Bewußtsein, den Beweis erbracht, baß Fulda das Andenken seiner Heim­gegangenen gebührend zu ehren weiß. Um so schmerz­licher wird es Viele berührt haben, daß sich auf dem alten städtischen Kirchhof eine gewisse Verwilderung an Bäumen und Gesträuchen, namentlich „aber an den Wegen bemerkbar macht. Die Wege bedürfen dringend einer ordenllichen Verednung und der an beiden Seiten überwuchernde Rasen sollte abgestochen werden. Gerade der alle Friedhof enthält so viele Namen von gutem Fuldaer Klang, daß alles, was die städtische Behörde zu seiner besseren Erhaltung tun kann, für sie als Ehren- pflicht bezeichnet werden darf, deren Erfüllung der dank­baren Anerkennung der ganzen Bürgerschaft sicher sein

Handel und Jnd»

* Berlin, 1. Nov. 1913. Das äst an der Berliner Börse war heute wieder ft. >itU, die Kurse überwiegend stärker nach unten gerichtet.

Rammler: W.Heil 2. Pr.; Holländer Häsinnen: Am. Schäfer Ehrenpreis; Black an tan-Rammler: I. Hildebrand 2. Pr., Am. Schäfer 3. Pr., H. Schäfer 3. Pr. und lob. Anerk., Jos. Henkel, M. Burkhard lob. Anerk.; Black an tan-Häsinnen: Herrn. Schäfer zwei Ehrenpreise und 2. Vr., Jos. Hildebrand zwei 2. Preise und lob. Anerk., L. Diel 2. Pr., I. Larbig lob. Anerk.; Havanna-Rammler: Beruh.Kümmel 3.Pr.; Havanna-Häsinnen: derselbe 2. Pr., I. Schnarr lob. Anerk.; Hermelin: Karl Diel 2. Pr. und lob. Anerk., Karl Göb lob. Anerk.; Schlachtklasse: Karl Herchenhan Ehrenpr. u. 2. Pr., Jos. Atzert 1. Pr., Aug. Ludovici lob. Anerk. Jungtiere (es waren nur 15 dritte Preise zur Verfügung, so daß einige Aussteller trotz guter Resultate ausfallen mußten), diese Preise er­hielten Belg. Riesen-Rammler: I. Atzert, A. Schäfer; Belg. Riesen-Häsinnen: L. HoSfeld, A. de Beisack, K. Lindner, W. Junge; Deutsche Riesenscheck-Rammler: I. Schmitt I.; Belgisch Land: I. Hildebrand; Französ. Widder-Ramm­ler: I. Larbig; Französ. Widder-Häsinnen: H. Schäfer, I. Heun; Japaner: K. Diel, K. Lmdner; tasen-Kaninchen: K. Rödling; Black an tan

os. Schnarr, A. Schäfer lob. Anerk.

△ Die Polizeiverordnmtg betr. die Heimarbeiter Der Bezirksausschuß für den Regierungsbezirk Kassel hat der Polizeiverordnung betreffend die Verzeichnisse über die Heimarbeiter in den industriellen Betrieben feine Zustimmung erteilt. Danach haben von jetzt ab die gewerblichen Unternehmer über die von ihnen beschäftigten Heimarbeiter den Ortspolizeibehörden und der Kgl. Gewerbeinspektion halbjährlich Bericht zu erstatten.

!! Jagbkalender für den Monat November. Ter November gehört zu den schönsten, weil arbeitsreich­sten Monaten des Waidmannes. Mit Ausnahme des Auerwildes, das für die Allgemeinheit nur wenig Bedeutung hat, darf alles andere Haar- und Fe­derwild jetzt gejagt werden. Haarwechsel und Mauser sind bei allen gefunden Tieren vorüber, der Wert der Bälge erreicht damit seinen Höhepunkt und kann zuweilen recht erkleckliche Beträge für den Re­vierinhaber abwerfen. Zumal in diesem Winter ist der Fuchsbalg in Naturfarbe Mode, und diese wird daher auf den Preis einen erheblichen Einfluß haben. Das Hauptinteresse unter dem Nutzwild beansprucht der H a? e, für den jetzt die schlimmsten Zeiten kom­men. Sein Balg ist fertig, fein Wildpret in bestem Zustande, und auch die letzten Sätze, die int Septem­ber das Licht der Welt erblickten, sind meist ausge­wachsen. Mit den Feldtreibjagden hat es allerdings noch keine Eile, dagegen ist der November der eigent­liche Monat für die Waldtreibjagden. Neben der Jagd auf Nutzwild muß der Jäger, besonders der Berufsjäger, dem Raubwild ferne volle Aufmerk­samkeit widmen. Fallen und Eisen, Birsch und An­sitz am Luderplatz, und bei Fuchs und Dachs auch die Baujagd mit scharfen Erdhu.iden bieten jetzt gute Beute, wenn der Jäger sich darauf versteht. Genaue Kenntnisse der Lebensweise und Gewohnheiten des Raubwildes gehören aber dazu, wenn man nicht bloß Zufallserfolge erzielen will. Bei gutem, ruhigen und klaren Wetter steckt Reinecke nur selten in sei­nem Bau, da er frische Luft und freie Aussicht dem Aufenthalt in dunkler und dumpfer Stube vorzieht. Erfolg verspricht die Arbeit am Fuchsbau also nur an regnerischen und windigen Tagen, wenn es in den Dickungen und int Hochwald topfnaß ist und dazu noch ein kalter Wind fegt. Das Sprengen des Fuchses mit einem guten Teckel oder Foxterrier ist eine interessante Jagd, erfordert aber ruhige und sichere Schützen, da der Fuchs oft tote der Blitz aus dem Bau fährt und dabei doch jede Deckung vortrefflich auszunutzen der- steht. In Dickungen, wo die Aussichten auf Anbrin­gung eines guten Schusses gering sind, verlege man sich lieber auf das Graben.

f. Ei» Steuernwliat ist der November. ES müssen in den nächsten Tagen die Staatsabgaben und Gemeindeumlagen bezahlt werden. Weiter sind fällig die KanalbenutzungS»Gebühren, die Hundesteuer und das Wassergeld. Da die Wintervorräte beschafft wer­den müssen, stellt dieser Monat große Ansprüche an den Geldbeutel der Haushaltungs-Vorstände.

L AM Neubau der Turnhalle der dompsarrlichen Schule am Kronhof wurde bereits der Dachstuhl aufgesetzt. Das Gebäuve mit dem steilen Dach wird von einem schlanken Türmchen flankiert. — Auch die Arbeiten am alten Rathaus am Stein» weg haben in den letzten Tagen große Fortschritte gemacht. Die bereits neu eingefügten Fensterbogen machen einen günstige» Eindruck.

r+i Ei« Stelleuvermittelungsschwiudler schlimmster Art ist der 38jährige Holzarbeiter Job. Keßler aus Dalherda, zuletzt in Schmalnau wohnhaft. Er ist wegen Betrugs schon 5tnal vorbestraft, darunter wegen großen Stellenvermittelungsschwindeleien mit 3 Jahren Zuchthaus. Im Mai d. Js. bot er sich einem Ortsiremden an, ihm zur Erlangung einer HauSburschenstelle in Frankfurt a. M. behilflich zu sein. Man besuchte einige Wirtschaften und der Fremde wurde von K. um insgesamt 32 Mk. ange­pumpt. Abends fuhren beide mit dem V-Zuge nach Frankfurt a. M. Auf dem hiesigen Bahnhof fiel den Stationsbeamten das Verhalten des K. auf und man verständigte die Frankfurter Polizei. Beim Aus­steigen dort wurde der 'JlngeHagte gleich in Hast ge­nommen, wodurch einer weiteren Ausbeutung des Opfers vorgebeugt wurde. Er macht den Eindruck eines nicht vollkommen normalen Menschen. Auch war er wiederholt in der Heilanstalt in Marburg zur Beobachtung untergebracht. Seit dem 28. Mai befindet er sich in Hast. Ein als Sachverständiger geladener Professor der Heilanstalt Marburg erklärte K. für nerven» jedoch nicht für geisteskrank; er leidet an hysterischen Zuständen. DaS Gericht verurteilte K. zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre, wovon 5 Monate Untersuchungshaft in Anrechnung kommen.

Der letzte diesjährige Krammarkt, der sogen. Allerheiligen«Markt, wird morgen und übermorgen auf dem Viehmarktplotze abgehalten. Mit dem Auf­bau der Buden wurde heute früh begonnen. Der Markt fällt diesmal mit den Kirchweihtagen zusammen.

;; Unter den Nädern eines Autos. Gestern mittag um 1/tl Uhr veranstaltete der Lehrling eines hiesigen Bäckermeisters zu seinem Privatvergnügen so ein kleines Fahrradrenncn. Als er von der Petersbergerstraße tn die Petersgaffe einbiegen wollte, kam dort eine Autodroschke Herangefahren. Der Junge verlor die Geistesgegenwart, konnte einen Zusammenstoß nicht vermeiden und wurde mit seinem Fahrrad von dem

Lokales.

Fulda, 3. November 1913.

(!) Die hl. Mission.

Unvergeßliche Tage religiöser Erneuerung liegen hinter den Katholiken der Stadt Fulda. Gestern nachmittag ist in unseren Gotteshäusern die hl. Miffion, die in der ersten Woche den Frauen, in der zweiten den Männern gegolten hatte, durch unvergleichlich schöne Feiern zu Ende geführt worden. 14 Tage lang hatte unsere Stadt ganz im Zeichen dieser hl. Buß» und Bekehrungszeit gestanden. Viel zu allgemein war die Beteiligung von Männern und Frauen an den hl. Hebungen, als daß dieses Ereignis an dem äußeren Bilde unserer Stadt spurlos hätte vorüber- gehen können. Eilten doch in den frühen Morgen», in den Nachmittag- und in den Abendstunden sowohl in der Frauen», als ebenso auch in der Männerwoche Scharen von Gläubigen auS allen Ständen und aus allen Teilen der Stadt zu den Predigten in den drei Pfarrkirchen, tonte doch allabendlich die Bußglocke in ernstmahnenden Klängen in die stille Nacht hinaus, war doch in jeder katholischen Familie die hl. Mission zum Hauvtgegenstand der Unterhaltung geworden. Und fürwahr, zu herrlich, zu ergreifend, zu bedeutsam waren die Wahrheiten, die mit zum teil klassischer Beredsamkeit die hochwürdigen Missionare vor das geistige Auge rückten, als daß nicht alle an­deren Interessen in den Hintergrund hätten treten müssen. Bis auf die letzten Plätze waren bei allen Predigten, ohne Ausnahme, die Gotteshäuser gefüllt, und in lautloser Stille folgten die Gläubigen dm Vorträgen, die gründlich und überzeugend die Grund­wahrheiten des christkatholischen Glaubens, die unab­weisbar und zwingend die Forderungen der christlichen Sittenlehre, die entschieden und zur Begeisterung ent­flammend die Pflichten des katholischen Volkes in unserer Zeit auseinandersetzten. Die Wirkungen der Predigten zeigten sich in der regen Glaubensbetäti­gung, die sich in diesen Wochen in unserer Stadt entfaltete, in dem Empfang der Sakramente, in dem Anschluß an die religiösen Korporationen usw. Den glanzvollen Abschluß der Gnadenzeit bildeten die Schlußfeiern am gestrigen Nachmittage. Wie in der Feier für die Frauen, so waren bei der Män­nerfeier die Kirchen geradezu überfüllt. Die Predig­ten, die sich mit dem Schicksale der kacholischen Kirche beschäftigten, bildeten den Höhepunkt der hl. Mis­sion. Auch manchem Männerauge entquollen Trä­nen, als aus Hunderten aufrichtiger Herzen der Treu- schwur an die hl. Kirche erscholl und der unerschütter­liche Wille, „wir sind katholisch durch und. durch" aus jedem Auge leuchtete, als in der Stadtpfarrkirche der Redner die Blicke immer wieder auf das gewal­tige Standbild des hl. Bonifatius hinlenkte und als schließlich wie Sturmesbrausen das Bonifatiuslied zum Himmel emporstiea. Unvergeßlich schöne Tage religiöser Erneuerung sind es gewesen. Mögen sie reiche Früchte tragen.

§ Justizpersonalftn. Herr Gerichtsaffessor Fried» rich beim Amtsgericht in Fulda ist vom 1. Nov. ab als Hilfsrichter an das Königl. Amtsgericht Neuhof versetzt worden.

[:] liebertragen. Vom 1. November ab ist Frk. Lehrerin Marg. Klug von Fulda eine Lehrerinstelle in Fritzlar und Frk. Maria Langknecht von hier die neugegründete Lehrerinstelle in Wirtheim, Kreis Gelnhausen, übertragen worden.

a. Prüfungstermine. Das Kgl. Provinzialschul» kollegium der Provinz Hessen-Nassau hat folgende Prüfungstermine für das Jahr 1914 festgesetzt: am Lehrerseminar in Fulda findet die Aufnahme­prüfung statt am 2. und 3. April, die schriftliche Ent» laffungsprüfung beginnt am 17. Aug., die mündliche am 24. Aug. für den Nebenkursus beginnt die schrift­liche Entlassungsprüfung am 20. Aug., die mündliche am 27. Aug. Die Aufnahmeprüfung für die Präpa» randenanstalt in F r i tz l a r ist auf den 2. und 3. April, die Entlassungsprüfung auf den 19. bezw. 26. März festgesetzt. Die Entlassungsprüfung für kommiffarisch zu prüfende Lehrerinnen in Eltville ist auf den 18. Februar bezw. 12. März anberaumt.

F Erste Lokalausstellung des Kaninchenzuchtvereins .Flügelrad". Die Zucht des Kaninchens noch mehr «IS bisher einzubürgern und zu fördern war der Zweck der Ausstellung des Eisenbahn-Kaninchenzucht» Vereins zu Fulda an den beiden Tagen deS 1. und 2. November im roten Saale des Orangeriegebäudes. Daß die Kaninchenzucht in Fulda schon große Fort­schritte gemacht hat, dafür war die Ausstellung ein beredtes Zeugnis. Der Katalog zeigte 141 Nummern auf. Auch alle Arten und Farben waren vertreten. Die Qualität der Pelztiere bewiesen die reichhaltigen Kollektionen Pelzfachen der Aussteller Jos. Schnarr, Hermann Schäfer und Heinrich Schäfer, die alle erste Preise erhielten. In der Abteilung .Schlachtklasse" konnten wir wahre Riesenexemplare sehen von 14—16 Pfund, das Fleisch soll hervor­ragend wohlschmeckend und nahrhaft sein. In seinem Vortrag am Samstag betonte der Preisrichter Heinrich Ebert aus Gelnhausen, daß die Züchter sich mehr um die Zucht der belgischen Riesenkanincken bemühen möchten, die bei guter Pflege leicht ein Gewicht von 12—14 Pfund und noch mehr erreichten. Die Prämiierung hatte nachfolgende Resultate:

Abteilung Belgische Riesen-Rammler: Jvh. Hildebrand zwei lobende Anerkennungen; Belgische Riesen-Häsinnen: Hch. Schäfer Ehrenpreis und zwei lob Anerk., Karl Herchenhan und Jos. Henkel lob. Ank.; Häsinnen mit Jungen: Vorbauer, Hosfeld und L. Wehner lob. Anerk.; Deutsche »liefen» fchecken-Häsinnen: K. Herchenhan 1. u. Ehrenpreis; Französische Widder- Häsinnen: R. Schreiber 3. Preis und lob. Anerkennung; Hasenkaninchen. Rammler: H. Schäfer 3. Pr.; Hafenkaninchen. Häsinnen: Heinr. Schäfer Ehrenpreis, 1,2„ 3 Prs. und lob. Anerk.; Angora-Häsinnen: Am. Schäfer und Joh. Schußler lob. Anerk.; graue 6tlbet» Rammler: Joh. Hildebrand EbrenprerS und 3. PrS.; graue Silber.Häsinnen: Jos. Atzert Ehrenpreis, Heinr. Schäfer 1. Prs. und lob. Anerk., Emil Schwarz und Joh. Schmitt I 2. Prs., Karl Göb 3 Prs., Karl Rödling und Emil Schwarz lob.Anerk.; gelbe Silber- Rammler: Wilh. Schwan 2. Prs.; gelbe Silber- Bäfinnen: Derselbe 3. Prs. und lob. Anerk., Joh. chmitt III lob. Anerk.; Russen - Rammler: Derselbe 3. Prs.; Russen-Häsinnen: Joh. Schmitt I 2. Pr., Am. Schäfer lob. Anerk.;Holländer

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 2. Nov. 1913. Auf einen vom Bahnhof nach der Stadt fahrenden Wagen hauen sich die bei­den Kinder des Schmiedemeisters Kiel gesetzt. Bei einer Neckerei stürzte das 14jährige Mädchen vom Wagen und wurde von dem Hinterrad über die Brust gefahren. Das Kind wurde in die elterliche Wohnung gebracht.

* Stadtlengsfeld, 2. Nov. 1913. Dieser Tage wurde vom hiesigen Rhönklub-Zweigverein die schon längst geplante Errichtung eines Aussichtstur­mes auf dem Baier der Firma Gebrüder Hollen­bach, Baugeschäft in Neidhartshausen übertragen. Das Bauwerk wird ein 16 Meter hoher Holzturm mit ver­kleideter Podesttreppe und unter eingebauter Schutz­hütte. Der Turm muß vertragsmäßig bis zum 15. Mai 1914, also noch vor Pfingsten kommenden Jahres, stehen. Es fehlen immer noch einige hundert Mark an der erforderlichen Bausumme.

△ Zillbach, 1. Nov. 1913. Hier war ein Fabrik­arbeiter wegen unanständigen Benehmens aus dem Tanzsaal hmausgewiesen worden. Er ging nach Hause, holte einen Revolver und schoß auf die an der Hinausweisung beteiligten Burschen, traf jedoch eine Frau. Dieser drang die Kugel in die Wange und blieb im Kiefer stecken. Die Frau wurde dem 'Kraukenhause in Meiningen zugeführt, wo die Kugel auf operativem Wege entfernt werden muß. Der Uebeltäter wurde in Unterfuchungshaft nach Kaltennordheim abgeführt.

Ans dem Nachbargeblete.

* Bad Kissingen, 2. Nov. 1913. Die Endfre­gn e n z von Bad Kissingen betrug Heuer 35 246 Kurgäste, gegen das Vorjahr mehr 1800. Interessant ist, daß von den Kurgästen 525 aus Mün­chen, dagegen 4821 aus Berlin waren.

* Eschwege, 2. Nov. 1913. Auf die ausge­schriebene Rektor st eile an der Bürgerkna- b e n s ch u l e sind 57 Bewerbungen eingegangen. Un­ter der Bewerbern befinden sich auch einige Herren aus dem Regierungsbezirk Kassel. Die Stadtschul­deputation wird sich anfangs November mit der Wahl des neuen Rektors befassen.

* Neustadt a. d. L., 2. Nov. 1913. Auf dem Gute Roßrieth verendeten in kurzer Aufeinanderfolge 1 Rind und 2 Bullen an Milzbrand. Diese Rinderkrank» heft tritt im Grabfeldgau immer wieder auf; man nimmt an, daß sie sich auf die Futter- oder auf die klimatischen Verhältnisse gründet.

* Darmstadt, 1. Nov. 1913. Die Ungewißheit über die Haltung der Regierung zu den verschiedenen Vorschlägen eines staatlichen Eingreifens in die schleichende Genossenschaftskrise hat jetzt mehrere Mitglieder des Bauernbundes zu dringlichen Inter­pellationen an die Regierung veranlaßt, in denen sie anfangen, ob die Verhandlungen mit der Zentral- genossenschaft wegen Gewährung des nötigen Kapitals abgeschlossen sind, und ob die Regierung alsdann bereit sei, die in Aussicht gestellte Vorlage an die Ständekammerft zu beschleunigen.