Zuldaer Zeitung
Crfdjdnt Man* mit Kusr.ahme 6er Sonn- und Feiertage. viertel- I S Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Julba Lote auswärts L50 Mark. •••• Rolationsbru* und Verlag der !
S- Zuldaer fletienbrudterei in Zulda. Zemsprecher Nr. 9. ::
N z Wodjen-Beitage: s z ! r. z THonats-Befiage: z s Illustrierte Sonntagszeifung j Zuldaer Seschichtsblätter s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Xiaffen-Lotterie. — halbsährlich Taschenfahrplan, c
Montag den 3. November 1913»
Crftes Blatt.
ar. 254.
Der Reum einer einsaitigen Colonehelte, 4T m «reu. Holtet H Der Raum einer Colonebeile, 74 mm breit, koffd 40 Pfg. Wiederholungen Rabatt $ür Offert- und Auskunft <in)dgffl 20 Pf. extra. 3a Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für Oos Beklagen von Sortierungen m Sulba. Anzeigen-Annahme bl* 10 Ubr eermlttag*. u u Größere Anzeigen erbitten wir uns tags vorher. c tt
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40. Zahrgang.
e Das „Gleichgewicht" in den Parlamenten
Beinahe im Gleichgewicht befinden sich die Rechte und die Linke zur Zeit in drei deutschen Parlamenten: im Reichstage, rat württembergischen Abgeor^netenhause und in der neugewählten badischen Kammer.
Im Reichstage haben wir ja das wunderliche Schwanken des Züngleins an der Wage recht deutlich bei der verzwickten Präsidentenwahl heobachten können. Weil links und rechts nahezu die gleiche Stimmenzahl vorhanden war und ein paar liberale Mittel- parteiler hin und her schwankten, konnte derselbe Reichstag zunächst eine Mehrheit für den Zentrumsmann Spahn und dann eine Mehrheit für den Sozialdemokraten Scheidemann aufbringen. Durch einige Nachwahlen hat sich inzwischen das numerische Ueber- cfewicht der Linken.noch etwas entschiedener gestaltet. Zur Bildung einer positiven Mehrheit ist die national- liberale Fraktion oder wenigstens der rechte Flügel notviendig. Das gibt dieser Partei eine große Macht, legt chr aber auch eine große Verantwortlichkeit auf. In der schwierigen Frage der Deckung ift sie ihrer Aufgabe gerecht geworden. Man darf wohl hoffen, daß sie in der ebenso wichtigen Aufgabe der Erneuerung des Zolltarifs und der Handelsverträge ebenso ihrer Verantwortlichkeit entsprechen wird.
In Württemberg, wo die Wahlen zunächst eine „einstimmige" Ueberlegenheit der Rechten gezeitigt hatten, ist durch eine Nachwahl der Linken wiederum ein Uebergeivicht von derselben „Größe" zugefallen. Dort ist daS Gleichgewicht am schärfsten ausgeprägt.
In Baden lnrgt die Sache nicht so einfach und klar, weil dort hie neugewählte nationalliberale Gruppe nicht einheitlich zusammen gesetzt ist. Was ein großer Teil der Blätter über den Ausfall der Stichwahlen berichtete, war so abgesaßt, daß die Welt den Eindruck eines Sieges der Linken bekommen sollte. Wenn man von einer Linksmehrcheit sprechen will, dann kann man das nur, wenn man zwei liberale Abgeordnete, die als Großblockgegner mit Hilfe der Rechten gewählt worden waren, ohne weiteres der Linken zurechnet. Auf dieselbe Weise konstruiert man einen Reingewinn der nationalliberalen Partei um 2 Mandate, indem man die beiden Abgeordneten, die im Gegensatz zu der parteioffiziellen Wahltaktik ein Mandat mit Hilfe der Rechten erlangt Haven, auf das Gewinnkonto des Großblockpolitikers Rebmann fetzt. Einige rechnen fogar den dritten Wildliberalen zu der Rebmannfchen Partei und taffen so drei nationalliberale Wahlsiege glänzen. Wie es mit diesen ungewollten „Siegen" eigenüich steht, erfahren viele Zeitungsleser gar nicht.
Wie die Dinge in Baden liegen, kann man mit dem vagen Begriff der „Linksmehrheit" nicht auskommen. Zunächst ist festzuhalten, daß die alte Groß- bl o ck m e h r h e i t auf jeden Fall vernichtet ist. Bei der günstigen Rechnung können die Großblockführer noch 36 Mandate von 73 in Anspruch nehmen, was nach Adam Riese die Minderheit ist. Anderseits steht fest, daß das Zentrum und die Konservativen für 'ich allein die Mehrheit auch nicht haben. Den Ausschlag geben die drei Herren, die zwar auf gemäßigt-liberalem Standpunkte stehen, aber gegen die Großblockpolitik des nationalliberalen Parteiführers Rebmann ausgetreten und mit Hilfe der Rechtsstimmen gewählt worden sind. Ob und wann diese entscheidenden Stimmen nach links oder nach rechts sollen werden, das wird von der Politik abhängen, welche die verstärkte Rechte einerseits und der Rest derGroßblockparteien andererseits betreiben wird.
Zn der Schule der Leidens.
12s Roman aus dem New-Jorker Leben.
Von Erich Friesen.
„Ich habe auch eine gute Nachricht für Dich, Steh," plauderte Frau Mackay weiter, während sie einen delikaten Caviarbissen für die Tochter zurechtmacht.
„So-?" .
Felicies bleiches Gesicht zeigt nicht das geringste Interesse. Doch Frau Mackay fährt unbeirrt fort:
„Der Vater —"
Wie elektrisiert fliegt Felieie empor.
„Ter Vater?" wiederholt sie angswoll, während ihre großen Augen int Zimmer umherirren, als erwarte sie, ein Gespenst zu sehen.
„Der Vater geht fort, Sich!"
„Fort?!"
„Nach Europa. Er will ein Vierteljahr dort bleiben, Geschäfte halber. Als ich aus dem Theater kam, fand ich diesen Zettel auf dem Tisch. Ich >oll ihm alles zur Reise zurecht machen. Morgen früh schon schifft er sich auf der „Columbia" ein. Jetzt schläft er drinnen in der Kammer."
Felieie ist wie erstarrt. Die Freude raubt ihr momentan fast die Besinnung. . . .
Fort! Fort! Nach Europa! Und morgen schon!
. Ach, wenn es doch erst morgen wäre und sie die Gewißheit hätte, daß der Ozean zwischen ihnen liegt, daß sie wieder ruhig atmen, wieder frei um sich blicken kann! Wenigstens ein paar Monate lang! Was später geschieht, — daran denkt sie jetzt noch nicht. Nur einige Monate des Glücks will sie genießen. . . . . Todmüde legt sie sich zu Bett und schläft sofort ein.
Als sie am nächsten Morgen erwacht, steht die ^onne bereits hoch am Himmel.
Ihr erster Gedanke ist: Thomas Mackay.
Wenn er seine Absicht geändert hätte! Wenn er noch da wäre!
Kaum vermag sie. sich m>nilleiden. Die zitternden Finger versagen ihr fast den Dienst.
Auf den Fußspitzen huscht sie in die Küche.
Es wäre uns natürlich lieb gewesen, wenn unsere Freunde in Baden und deren Verbündete noch ein paar Mandate mehr aus dem Stichwahlkampf herausgeholt hätten. Aber wir haben keinen Anlaß, mit dem Gesamtergebnis der Wahlen unzuftieden zu fein. Hier paßt das geflügelte Wort des alten Meyer Arnswalde: Es geht auch so! Die Zentrumspartei hn badischen Landtag befindet sich jetzt in einer ähnlichen Lage, wie die Zentrumspartei im deutschen Reichstag. Um eine positive Mehrheit zu bilden, muß sie nicht bloß nach rechts, sondern auch nach links hin Sammlungspolitik treiben. Das obwaltende Gleichgewicht stellt größere Ansordeungen an die Geschicklichkeit der- Führer und an die Tüchtigkeit der Fraktion: wenn aber diese Eigenschaften vorhanden sind, so hat ein gestellte Ausgabe ihren besonderen Reiz und verspricht ihre besonderen Vorteile.
Werden unsere Freunde in den Eiinellandtagen der Aufgabe gerecht, die ihnen das ir 'e „Gleichgewicht" auferlegt, so fördern sie aud ne günstige Entwicklung der Reichstagsarbeiten, die von ähnlichen Verhältnissen bedingt werden. Die Hauptsache ist vorläufig die Ausschaltung der Sozialdemo kr a t i e , die Zurückdrängung des unseligen Großblockgedankens, und dazu haben die wackeren badischen Wähler bahnbrechend beigetragen.
Deutsches Reich.
** Eine Proklamation des Herzogs von Braunschweig.
Nachdem Freitag nachmittag die Abreise des bisherigen Regenten von Braunschweig, des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg, unter fürstlichen Ehren erfolgt ist, veröffentlichten die amtlichen .Braunschweigischen Anzeigen' am Samstag in einer Sonderausgabe das Patent des Herzogs Ernst August, in dem es heißt:
„Nachdem die Hindernisse, welche seit dem Ableben des Herzogs Wilhelm der Ausübung der Regierung de? Herzogtums seitens der Berechtigten aus dem fürstlichen Gesamlhause Braunschweig-Lüneburg entgegen« standen, durch Gottes gnädige Fügung in beglückender Weise beseitigt finb, haben Wir die UnS durch den hochherzigen Verzicht Unseres innig geliebten durchlauchtigsten Vaters angefallene Regierung mit dem heutigen Tage angetrrten."
Es folgten dann Worte tiefer Dankbarkeit gegenüber dem früheren Regenten. Sodann heißt es weiter:
„Wir versichern sodann bei Unserm fürstlichen Worte, daß Wir die Landesverfassung und alle ihre Besttm- mungen beobachten, ausrechterhallen und beschützen werden. Als deutscher Fürst werden Wir stets in unerschütterlicher Treue zum Reiche und seinem erhabenen Oberhaupte stehen und im Verhältnifse zu Unseren hohen Verbündeten allezeit Unsere Verpflichtungen erfüllen, die Uns durch die Reichsverfassung und die ihr zugrunde liegenden Verträge auferlegt sind. Wir geloben, auf dieser Grundlage der Gerechtigkeit und Fürsorge alle Unsere Kräfte dem Wohl des Landes zu weihen."
Zum Schluß wird die Hoffnung ausgesprochen, daß zwischen dem Herzog und der Herzogin einerseits und dem Volke andererseits ein unzerstörbares Band gegenseitiger Liebe u n d T r e u e für alle Zeit bestehen werde, und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß alle Angehörigen des Herzogtums dem Herzoge, ihrem rechtmäßigen Landesherrn, Treue und Gehorsam erweisen.
Die Proklamation des Herzogs hat in den politi- tischen Kreisen Braunschweigs einen guten Eindruck gemacht. Der Landtag, der am Montag bei der Verlesung der Thronrede anwesend sein wird, wird sich Dienstag zu einer außerordentlichen Sitzung versammeln, in der die Landtagsabgeordneten dem neuen Herzog den Eid der Treue leisten werden.
Das Militärwochenblatt berichtet: Herzog Ernst August von Braunschweig und Lüneburg, Kgl. Hoheit, bisher Rittmeister und Eskadronchef im
„Mutter!" flüstert sie atemlos, „ist er —"
„Er ist fort, Licy!"
„Gerettet!"
Wie ein Aufschrei aus Todesangst entringt es sich ihrer Brust. Die Spannung ihrer Nerven löst sich in Tränen.
„Ein Vierteljahr bleibt er fort — sagtest Du nicht so, Mutter? O, was kann in einem Vierteljahr alles Passieren! Wenn man das Verhängnis schon über seinem Haupte wähnte — o Mutter liebe Mutter, dann erscheint einem ein Vierteljahr eine Ewigkeit!"
Besorgt streichelt Fran Mackay die glühenden Wangen der Tochter.
„Aber mein Herzblatt, Du bist ja wie von Sinnen! So hab' ich Dich noch nie gesehen!"
„Nur vor lauter Glück, Mutter! Und hungrig bin ich auch! Gib mir etwas zu essen — und zu trinken! Ich fühle neues Blut durch meine Adern rinnen!"
„Hier hast Du alles, Kind. . . . Ich bin heute gar nicht zu Bett gegangen. Ich fürchtete, die Zeit zu verschlafen, wo ich Thomas Mackay wecken sollte. Er war i'ehr guter Laune. Eine Masse Geld hat er mir dagelassen. Er sagt, von Hamburg aus schicke er mehr--Jetzt kann ich Dir auch eine kleine
Ausstattung anschaffen, Lieh, mein Herzblatt! Der Vater —"
„Laß ihn aus dem Spiel, Mutter! Laß uns eine kurze Zeit lang glücklich sein! . . . Ha, wie gut das schmeckt! Bitte, noch ein Schinkenbrötchen, liebe, gute Mutter!"
Felieie hat während der letzten ereignisschweren Tage fast nichts gegessen; jetzt, da die Last bon ihrer Brust geschwunden, macht sich die Reaktion geltend. Sie ißt und trinkt und lacht und schwatzt — alles in einem Atem.
Dann kauft sie in einem Blumenladen die schönsten Rosen unb, Veilchen, welche aufzutreiben sind und eilt mit diesem duftigen Morgengruß zur Wohnung ihres Bräutigams. -
Die Wirtin Öffnet.
„Guten Tag, liebe Frau Brasseh! Ist Herr Bar- ringto» schon auf?"
Husarenregiment von Ziethen, Brandenburgisches Nr. 3, ist aus Anlaß seines Regierungsantrittes zum Obersten a la suite des erwähnten"Regiments er- nennt. Derselbe wird außerdem an der Spitze und in den Listen des Braunschweigischen Inf. - Regts. Nr. 92 und des Braunschweigischen Husaren«Regts. Nr. 17, deren Uniform er anlegt, geführt,
** Prinzregent Ludwig über den Beurlaubtenstand.
In München fand am Samstag in Anwesenheit des Prinzregenten in her Kuppelhalle des Armeemuseums die Hundertjahrfeier der Offiziere des Beurlaubtenstandes statt. Die Festrede hielt Major H a u s h o f e r. LandwehrinfpekteurGeneral- leutnant Müller dankte dem Prinzregenten für fein Erscheinen. Der Prinzregent erhob sich unmittelbar darauf zu folgender Ansprache:
Vor hundert Jahren wurden in Preußen unter dem Drucke der schwer auf dem Lande lastenden Fremdherrschaft Einrichtungen zur Heeresergänzung getroffen, darunter die Landwehr und der Landsturm, die sich in den Kämpfen gegen Napoleon mit Ehre und Ruhm bedeckten. Erheblich später als in anderen deutschen Staaten wurde in Bayern im Jahre 1868 mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht das Institut der Landwehroffiziere geschaffen. Schon kurz danach, im glorreichen Kriege 1870/71, der zur Errichtung des neuen Deutschen Reiches führte, konnte sich der gesamte Beurlaubten st and glänzend bewähren. In der Gegenwart ist er eine Einrichtung, die in hervorragendem Maße die Zusammengehörigkeit aller beut- schen Stämme ausdrückt. Gleichviel, wo geboren und beheimatet, dient der Reservist und der Landwehrmann in dem Kontingent, in dessen Bereich ihn Oer Ruf zur Fahne trifft. Die Offiziere aber des Beurlaubtenstandes dienen ungeachtet des jeweiligen Wohnsitzes ihrem Kriegsherrn, der sie im Vertrauen auf ihr militärisches Können zu Offizieren des Heeres ernannte. Das einigendeBand, das Sie alle trotz der Vielseitigkeit Ihrer Staats- und Armeeangehörigkeit umschließt, ist die Treue, ingder Ihre Kontingentsherren zum Oberhaupte des Deutschen Reiches stehen, eine Treue, die Sie selbst dem Kaiser als obersten Bundesfeldherrn geschworen haben. Diesem Gefühle der Zusammengehörigkeit und Liebe zu dem angestammten Bundesherrn und der unverbrüchlichen Treue zu dem Oberhaupte des Deutschen Reiches und des obersten Bundesfeldherren wollen Sie feierlichen Ausdruck verleihen durch den Ruf: der Deutsche Kaiser, die Bundesfürsten, die Senate der freien Städte, sie leben hoch!
Die Offiziere stimmten lebhaft in das Hoch ein. Der Prinzregent übergab persönlich eine Reihe Ordensauszeichnungen. Später fand ein Festessen statt, bei dem Justizminister v. Thelemann ein Hoch auf den Prinzregenten Ludwig ausbrachte. Sofort nach dieser Rede erhob sich der Prinzregent und dankte für die Worte des Vorredners.
Der Beurlaubtenstand bilde zwischen der Armee und der Bevölkerung ein kostbares Bindeglied, indem er die allgemeine Wehrpflicht verkörpere. So werde durch das Zusammenwirken des siedenden Heeres mit dem Beurlaubtenstand die höchste Kraftentfattung unserer Wehrmacht gesichert, wenn es gilt, die Ehre und den Bestand deS Vaterlandes zu wahren. Der Prinzregent gedachte dann der hundertjährigen Wiederkehr der Schlacht bei Hanau, die zwar nicht einen Sieg der bayerischen Aimee bedeute, aber doch mit den Anstoß gab zur Schaffung eines deutschen Bundes und einer späteren Einigung zu einem deutschen Reiche.
** Berlin, 2. Nov. 1913. Der Kronprinz ist Freitag abend von Danzig aus zu kurzem Besuch nach Berlin gereist. — Der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand ist heute nach herzlicher Verabschiedung vom Kaiser wieder nach Wien zurückgekehrt. — lieber die Zahl der Kinemato graphen« theater finden gegenwärtig amtliche Erhebungen statt. Maßgebend ist der Stand vom 1. Oktober 1913. — Der Präsident des Reichstages soll beabsichtigen, auf die Tagesordnung für Mittwoch, den 26. November,
„Er trinkt gerade Kaffee."
„O bitte, rufen Sie ihn doch sofort herunter! Ich warte in Ihrem kleinen Salon."
„Darf rch um Ihren Namen bitten, Fräulein?"
„Nicht nötig. Rufen Sie ihn nur!"
Nach wenig Minuten schon steht Norbert auf der Schwelle — neugierig, wer wohl der unerwartete Da- menbesuch sein könne.
„Du, Licy"—?"
„Ja, ich!"
Sie fliegt ihm an den Hals und birgt ihr Köpfchen an seiner Brust.
„Hier, diese Blumen hab' ich für Dich gebracht, Norbert! Und diese — und diese auch! Heut ist ein Festtag. Ach, ich bin so glücklich — so überglück-
„Gestern sahst Du nicht überglücklich aus, Licy!"
„Ach gestern — pah! Aber heute! Heute ist die ganze Welt verändert!"
Forschend blickt Barrington in das entzückende Gesichtchen, welches wie eitel Sonnenschein erglänzt vor lauter Glück.
„Was ist denn passiert, mein Lieb?"
„Mein Stiefvater ist fort! Bald liegt das große, große Wasser zwischen uns. . . . Küsse mich, Norbert!"
Innig drückt er seinen Mund auf ihre lächelnden Lippen. Dann sagt er kopfschüttelnd:
„Du hast eine krankhafte Abneigung gegen Deinen Stiefvater. Du solltest solch ertreme Gefühle nicht nähren, Licy; sie stehen einem Mädchen nicht gut an — höchstens aut der Bühne. Du magst sie mit Deinem Theaterkostüm anlegen — aber nicht zum alltäglichen Gebrauch. . . . Außerdem — wir heiraten noch in dieser Woche. Was kümmert es Dich, ob Dein Sttesvater fort ift oder nicht!"
„Es kümmert mich sehr viel, Norbert. Du weißt ja nicht —"
„Was?"
„O nichts, nichts! Mir fuhr nur gerade etwas Dummes durch den Kopf! . . . Uebrigens — mit der Hochzeit hat es nicht mehr solche Eile."
„Aber gestern hattest Du doch große Eile, Licy!" ^ie lacht.
die 1. Beratung des Gesetzentwurfes gegen den Verrat militärischer Geheimnisse zu setzen.
+ Die Verteilung der Nationalspende. Der Kaiser hat jetzt die Verteilung der ihm zum Regierungs-Jubiläum dargebrackten Nationalspende zugunsten der christlichen Mission in den deutschen Kolonien und Schutzgebieten vorgenommen; sie hat von evangelischer Seite den Betrag von 3-/« Millionen Mark gebracht. Die Missions-Gesellschaften erhalten insgesamt einen Betrag von 2,825,000 Mark; eine Reihe von Einrichtungen, welche allen oder mehreren Missions-Gesellschaften dienen, ist insgesamt mit 175,000 Mark bedacht worden. Der Rest ist für ein Unternehmen bestimmt worden, welches als dauernde Organisation der deutschen evangelischen Missionsarbeit dienen soll. — Von der Verteilung der katholischen Missionsspende verlautet bisher noch nichts.
* Ein neuer Lehrertitel, von dem schon wiederholt die Rede war, ist jetzt an mehrere Leiter höherer Lehranstalten verliehen worden. Statt des sonst üblichen Titels eines Geheimen Regierungsrats haben sie den Charakter als Geheimer Studienrat er- erhalten. Mit dieser Verleihung steht, wie dem „Tag" geschrieben wird, das Sehnen eines großen Teils unserer akademisch geblldeten Lehrer nach einer einheitlichen Standesdezeichnung am Anfang der Erfüllung. Nach oben hin foll auf den Geh. Studienrat der Geheime Ober- und der Wirkliche Geheime Oberskudien- rat folgen, nach unten hin für Professor, Oberlehrer, Probe- und Seminakandidctt die Bezeichnung Studienrat, Studienlehrer, Studienassessor und Studienreferendar eintreten. Der Minister hat den Wünschen der preußischen Oberlehrerschast entsprochen, gleichzeitig aber mit Bestimmtheit, erklärt, daß er den Studienassessor und Studienreferendar niemals bewilligen werde Uebrigens haben sich die Oberlehrer von Brandenburg und Berlin gegen die neuen Benennungen ausgesprochen, und auch sonst ist es noch zweifelhaft, ob wirklich die Mehrheit der preußischen Oberlehrer dafür ist
* Industrie und Handwerk. Außer der für den 17. Nevornber geplanten Konferenz mit Vertretern der großen Verbände von Handel und Industrie und des Handwerks wird am 15. November auch eine Han d- werkerkonferenz ftattfinben, bei der auch der Verband der Gewerbevereine zu den Einzelfragen der kommenden Handwerkemovelle zu Wort kommen foll. Bei der Handwerkerkonferenz Ende Juni waren lebig»' sich vertreten ber Deutsche Handwerks- und Gewer-: betammertag und der Zentralausschuß der vereinig-! ten Jnnnngsverbande Deutschlands.
* Eisenach, 2. Nov. 1913. Der Thüringer Parteitag der Fortschritt!. Volkspartei beschloß, am Zusammengehen mit den Nationalliberalen bei Reichs, und Landtags-Wahlen in ganz Thüringen auf dem Boden der Gegrnfeitigkeit festzuhalten. 1
Cj München, 1. Nov. 1913. Da die Vorlage über: die Aushebung der Regentschaft am Dienstag in der" Ersten Kammer und ebenso in der Zweiten Kammer' erledigt werden dürfte, ist für den Mittwoch die P r d=\ llantation von der Beendigung der Regentschaft und der Annahme der K ö n i g s w ü r d e zu er», warten. Voraussichtlich am gleichen Tage wird dem Landtage das Gutachten über die Unheilbarkeit des' Königs Otto vorgelegt werden. — Das Zentrumsblatt „Bayerischer Kurier" ist aus dem Verlag der Firma Manz in das Eigentum des Katholischen Preß- Vereins für Bayern übergegangen.
Z6. München, 2. Nov. 1913. Schon das ganze Jahr über hat über Bayern das Gespenst der Behandlung bet „Staatszeitungsfrage" im Sanbtage geschwebt. In ber vergangenen Woche nun haben buffe Verhanblungen stattgefunden. Die liberale Fraktion hatte sich zum Wortführer der zahlreichen Gegner des neugegründeten bayerischen RegierungsorganL gemacht und eine diesbezügliche Interpellation einge-
„Ja, gestern! « . . Aber heute — das ist etwas anderes."
„Liebst Du mich heute weniger als gestern?" i
Schweigend hebt sie die Augen zu ihm empor. — Augen, aus denen eine ganze Welt von Liebe leuchtet.
„Verzeihe, ich weiß, wie Du mich liebst, Licy!" bittet er fast demütig. „Auch ist es mir recht, wenn wir erst etwas später heiraten. Wir können dann gleich eine kleine Hochzeitseise antreten. Direktor Furrer macht in vierzehn Tagen mit einem Teil seines Personals eine Tournee durch verschiedene Städte und fragte mich, ob wir beide uns anschließen wollten-i Ist es Dir recht?"
„Kommt Gerda Douglas mit?"
„Ich glaube wohl. Aber das kann Dir doch gleichgültig sein, Licy — besonders, wenn Du erst meine liebe, kleine Frau bist!"
Verschämt senkt Felieie das Köpfchen.
„Ja, Norbert, Tu hast Recht. Was kümmert mich Gerda Douglas? Was die ganze Welt? Jetzt, da ich so unaussprechlich glücklich bin! Du wirst mich nie wieder eifersüchtig sehen, Geliebter, oder verstimmt oder aufgeregt. Ich fühle, wie der Friede in mein Herz einzieht. ... Aber ich muß gehen. Auf Wiedersehen um zwölf Uhr in der Probe!"
Als Felieie gegangen ist, beendigt Barrington sein Frühstück und besteigt darauf den Omnibus, der nach der Clarkstraße zu Gerda Douglas' Wohnung führt.
Er wird sofort vorgelassem
„Ist alles in Ordnung, Barrington? Was sagt Felieie?"
„Wir kommen mit. Und Sie? Haben Sie sich entschlossen?"
„Ja." Gerda läßt sich in einen Fauteuil fallen, Norbert mit einer Handbewegung zum Sitzen einladend. „Es wird zwar Menschen geben, welche mich für verrückt halten, daß ich mitten in der Saison Newyork verlasse, um in kleinen Theatern herumzu- mimen. Pah, was rnacht's! Ich maß Direktor Furrer gern; ich mag Felieie gern und ich mag auch Sie gern, Barrington —"
(Fortsetzung folgt.