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Zuldaer Leitung.

JVo 253.

Freitag 51. Oktober 1915.

;; Hohe Kirchenseste.

Drei bedeutsame Feste stehen uns bevor. Morgen begehen wir den Tag aller Heiligen, ein Jubelfest der Kirche, an dem sie in feier, licher Weise das Andenken ihrer besten und edelsten Söhne und Töchter ehrt und ihr heroisches Beispiel und ihren himmlischen Lohn den Gläubigen vor die Augen rückt. Infolge einer seltenen Ge« stallung deS Festkalenders bringt uns der folgende Tag, der 2. November, das Kirchweihfest. Es wird zum Gedächtnis der Weihe unserer Gottes­häuser begangen. Am 3. November ist dann Allerseelen. Dieser Tag, der an der Spitze einer Steine trüber Herbstwochen zu stehen pflegt, soll den Gedanken an die Vergänglichkeit alles Irdischen, an den eigenen Tod und an die Seelen derer, die ab­geschieden sind, Hervorrufen. Die katholische Kirche Hal im Jahre 998 das Fest Allerseelen eingeführt. Blumen und Kränze werden als Zeichen dauernder Erinnerung an den Gräbern niedergelegt. Alte Volksbräuche knüpfen sich an diesen Tag. In Westflandern errichten die Kinder des Abends neben der HauStür auf der Straße kleine Altäre, indem sie Kruzifixe oder Madoi"'endildchen auf Stühle oder Schemel setzen. Sie bitten die «vorübergehenden um einige Geldstücke .tu Kuchen für die Seelchen tm

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 31. Okt. 1913. Der Landesobst, bauverein wird auch int kommenden 5>ahre wie-

Gottesdienstordnung.

Katholischer Gottesdienst.

Misjionsordnung für Fulda.

Samstag, 1. November. (Allerheiligen.)

Dom. Für Alle. Hl. Meflen um 5, V16 u. 6 Uhr. Kurze Miffionspredigt in der HI. Messe um 8 Uhr und tm Pontifikalamt um VilO Uhr. — Für Männer und Jünglinge. 7»12 Uhr HI. Messe mit erster Miifions- prediat. 4 Uhr zweite Missionspredtgt. 8V. Uhr abend- britte Missionspredigt

Stadtpfarrkirche. Für All«. Hl. Meflen um ’/«6, */«7 und 8 Uhr. 7» 10 Uhr Hochamt. Nachm 3 Uhr Rosenkranz-Andacht. — Für Männer und Jüng­linge. 11 Uhr hl. Messe mit Missionspredigt. (Mtt- tagspredigt im Dorn.) 87« Uhr abends Mr sionspr edigt.

Pfarrkirche zum hl. Geiste. Für Alle. Hl. Mefle um 7 Uhr. 8 Uhr hl. Messe mit Misfionsntedlgt sür Männer und Jünglinge. Abends 7V« Uhr Rosen- kranz, 7'/, Uhr Predigt.

Fraueaberg. Hl. Meflen von 5 biS 7 Uhr, 8 Uhr Rofenkranzmesse mit kurzer Predigt. 9 Uhr Lev t len amt mit sakram. Segen, 10 Uhr Militärgoltesdienst. Nachm. 2 Uhr Predigt, Andacht und Umgang sür die Antonius- Bruderschaft.

Nonnenkirche. 9V« Uhr Hochamt.

Kastei - Alt. a) Pfarrkirche jur heil. Elisabeth (Friedrichstraße 16): Wie am Sonntag. — b> Pfar«. tirchr zur hl. Familie (Kölnische Straß« 53, nahe b«(fl Houptdahnhcjl: Wie am Sonntag. — Kasiel - W«hl- 'lethe«. Pfarrkirche ckt. Marien: Rosenlrouzkirche am R,u«

Aur Oberheffen n. den heff. Aemtern.

Ä Marburg, 30. Oktober 1913. In der philo- sophischen Fakultät der hiesigen Universität habilitierte sich Professor Dr. Wilhelm Strecker mit einer Antrittsvorlesung über »Das Wesen der Elemente".

△ Marburg, 30. Okt. 1913. Bis heute betrug dir Zahl der zum Wintersemester immatrikulierten Studierenden bereits 2100. Die Immatrikula­tionen gehen erst am 5. November zu Ende.

A Wetter, 30. Okt. 1913. Eine hier obgehaltene Jntereffentenversammlung beschloß, probeweise eine Automobil-Verbindung von hier aus durch das Treisbachtal über Engelbach, Dexbach nach Biedenkopf und zurück einzurichten.

* Kirchhain, 30. Okt. 1913. Der Bau der neuen Wasserleitung ist soweit fortgeschrit­ten, daß sie voraussichtlich im Dezember ihrer Bestim­mung übergeben werden kann. Der auf Bichmanns­hausen in Zementbeton ausgeführte Wasserbehälter ist bereits im Rohbau seit ca. 14 Tagen vollendet.

* Aus der Schwalm, 30. Okt. 1913. In Rölls« hausen ereignete sich im Elektrizitätswerk ein schreck­licher Unglücksfall. Der ca. 19 Jahre alte Sohn des Elektrizitätswerksbesitzers S. geriet so unglücklich in die Transmisfion der Werke», daß ihm der linke Arm aus dem Schustergelenk vollständig ausgerissen und fortgeschleudert wurde.

I Fegefeuer". In Süddeutschland backt man Weiß- I brötchen, welche eine länglichrunde Form und an den I beiden äußersten Enden zwei kleine Zipfel haben und I Seelenbrätzen, Spitzlein oder Seelenzöpfe heißen. In I Tirol, wo die Gottesäcker so festlich geschmückt werden, I daß sie an Blütenreichtum mit dem Frühling wett« I eifern, läßt man die Wachskerzen so lange brennen, I wie die Prozession dauert, die dreimal singend und I betend zwischen den Gräbern umherzieht. In manchen I Gegenden werden auch an diesem Tage reiche Al« I mosen gespendet. In Ansbach wurden früher in der I Stadtkirche jährlich 450 .Seelwecken" unter die I Armen verteilt, und n Deutschböhmen erhalten Die I Kinder noch heute Brof und Semmeln.

V Tom. Morgen, am Feste Allerheiligen, gelangt I beim Bischöflichen Amt um 97, Uhr die preisgekrönte I Missa in honorem 8. Sindonis für vierstimmigen I Männerchor mit Orgelbegleitung von Mitterer zur Aufführung. Am Sonntag, dem Kirchweihfeste, singt I ret Chor beim Bischöflichen Amt die vor kurzem er­schienene Festmeffe sür vierstimmigen Männerchor mit I Orgelbegleitung von Bruno Stein. Die Bischöfliche I Vesper am Feste Allerheiligen nachmittag um '3 Uhr I werden im traditionellen Choral nach der neuen I vatikanischen Ausgabe gesungen. Am Montag, dem I Aüerseelentag kommt denn Bischöflichen Requiem um I 9 Uhr das vierstimmige Requiem von Ett zum Vor- I traa und am Dienstag beim Bischöflichen Requiem um I 9 Uhr für die verstorbenen Bischöfe und Domherrn I derDiözeseFulda >>a$ vierstimmige Requiem von Stein.

+ Der am Allerheiligenseste nach dem Bischöflichen I Hochawte im Dome dahier übliche Päpstliche I Segen wird morgen nicht erteilt werden, sondern I in diesem Jahre erst bei der am 7. Dezember im I Dome stattfindenden Schlußfeier deS Kon« I stantinischen Jubiläums. — Die Bischöf« I liche Vesper am Kirchweih-Sonntag fällt wegen I der feierlichen Schlußandacht der Mission aus.

# P ersonalien. Dem Eisenbahnstreckenarbeiter Jakob Hanselmann zu Wirtheim im Kreise Geln­hausen wurde das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze verliehen.

Q Die Handelskammer hat in einer Sitzung am I Mittwoch in Hanau u. a. sich eingehend mit dem I Entwürfe eines Patentgesetzes, eines Waren- I zeichen- und eines Gebrauchsmustergesetzes befaßt und I beschlossen, zur Formulierung positiver Abänderungs- I Vorschläge noch eine Kommission zu hören, welche aus I sachverständigen Vertretern der hauptsächlich in Be- I tracht kommenden Gewerbszweige zu bilden sein wird. I Sie beschloß ferner, den Herrn Joseph Schenk als I weiteren Bücherrevisor für Fulda zu beeidigen. — I Der neue amerikanische Zolltarif der Ver- I einigten Staaten vom 3. Oktober 1913 und zwar mit I einer Zusammenstellung der alten und neuen Zoll- I sähe, sowie einen Auszug aus den Zollverwaltung?« I destimmungen liegt für Interessenten auf der Handels« I kammer zu Hanau zur Einsichtnahme aus.

0 Als Geschworene für die amMontag den 10. Nov. I beginn. 3. Tagung des Schwurgerichts wurden u. a. folg. I Herren ausgelost: Veldung, Ignaz, Posthalter, I Fulda; Vogt, Franz, Kaufmann, Hünfeld; Vogel, Johann, Rechnungsführer. Fulda; Birkenruth, Bernhard genannt Benny, Bankdirektor, Fulda; Aha, Heinrich, Fabrikant, Hünfeld; v. Bodel« schwing, Franz,Rittergutsbesitzer,Steinbrück; Thiel, Louis, Rentner, Fulda; Ganß, Johannes, Apo­thekenbesitzer, Fulda; Schultheis, Wilhelm, Kauf­mann, Fulda. f

•//• Zm hiesigen städtischen Schlachthofe wurden vom 1. Juli bis 30. Sept. d. Js. geschachtet: 10 (1912: 18) Pferde, 127 (105) Ochsen, 45 (48) Bullen, 158 (138) Kühe, 233 (274) Jungrinder, 736 (815) Kälber, 2035 (2196) Schweine, 206 (284) Schafe, 31 (34) Ziegen, 15 (9) Lämmer, 3 (3) Ferkel. — Es ist aus diesen Zahlen sür alle Tiergattungen, mit Ausnahme der Ochsen und Kühe ein Rückgang zu ersehen.

(?) Ein für unsere Stadt neues Unternehmen, der Central «Automat, Bahnhofstraße 12, Ecke Sinben« [ straß«, wird morgen eröffnet. In den sehr gemüt­lichen, äußerst vornehmen und hellen Räumen wird durch eine große Anzahl Automaten jedem Wunsch nach Getränken und Speisen Rechnung getragen. Die neue Einrichtung, die sich freundnachbarlich an das I moderne Lichtspielhaus anschließt, wird sicherlich Die I Aufmerksamkeit aller Passanten der Bahnhofstraße auf sich lenken.

(!) Eine lokalpatriotische Ehrensache. Schon mitten I drin befinden wir uns in der Zeit der größeren Ein- I kaufe für den Winter. Da ist es denn angebracht, I darauf hinzuweisen, daß man seine Einkäufe in aller I erster Linie am Platze selber machen soll. Unsere Geschäftsleute wollen auch leben. Ebenso I kann es auch der Gemeinde nicht gleichgültig sein, I wie es der Geschäftswelt geht und wo das Geld I bleibt. Fließt das Geld unserer Konsumenten nach auswärts, so geht es unserem Gemeinwesen verloren I und schwääst dasselbe. Gerade bei den großen An« I forderungen, die an unser» Stadtsäckel gestellt werden, I brauchen wir steuerkräftige Bürger. Und tun denn I unsere Geschäftsleute nicht alles, zumteil mit Hintan­setzung privater Interessen, um das Beste und Wohl- I feilefte zu bieten? Unterstützen wir sie darum auch in I ihren lokalpatriotischen Bestrebungen, indem wir dem I Rufe Folge leisten, der da lautet: kauft am Platze! I

(:) Eine gut gebratene GanS macht in diesen Tagen I und in der kommenden Woche gar manchem Manne I den Mund wässerig, wenn sie schön braun auf den I Tisch getragen wird. Oft gibt es aber beim Zu- I schneiden eine unangenehme Enttäuschung, I die zunächst die Tafelfreunden und auch noch darüber I hinaus die gute Laune stört. Die Gans ist nämlich I zäh wie Leder, denn sie war bereits aus den besten I Jahren heraus, als sie das Todeslos zog. Deshalb I ist es sehr wichtig für die Hausfrau, das Aller ! einer Gans zu ermitteln. Die Frage läßt sich leicht beantworten. Es befinden sich am äußersten I Rücken jedes Gänseflügels, dicht bei den größten Schwungfedern, zwei Heine, beionvers sestsitzende I schmal«, spitze und harte Federchen. An der größeren I derselben zeigt sich nach Ablauf des ersten Jahres eine kleine Rinne, welche aussieht, als ob der Kiel durch eine dreikantige Feile querüber eingekerbt wäre. Nach Ablauf jedes weiteren Jahres bildet sich eine fernere neue Rinne und die Zahl derselben zeigt I das Alter der Gans an.

L Ter katholisch« Gesellenverein rüstet sich schon I seit Wochen, eine konstantinisch« Juvefleier Sonntag den I “ t:nD 16. November zu veranstalten. In Wort und I Lied und Bild wird uns der Sieg des Kreuzes über das I heidnische Rom vor Augen gestellt werden, besonders I durch das herrliche sünfaltige Schauspiel: .Die letzten Stunden des Heidentums in Rom". Zu dieser fei enen Feier ist dem Hierein ein vollbesetztes Haus zu wünschen.

I bet 10 Fruchtsaftapparate in das Groß, Herzogtum hinausgeben, um auf diese Weise techi vielen Mitgliedern des Landesobstbauvereins die neu« Methode der überaus schätzbaren Fruchtsaftbereitunc vorznführen.

△ Geisa, 31. Okt. 1913. Auf die Erweite­rung der industriellen Tätigkeit im Geisae. Lande besteht zurzeit Aussicht. Ein Konsortium Hal nämlich die Absicht, an der Bahnlinie Geisa-Schleid eine größere Fabrik zu errichten. — Auf kom­munalpolitischem Gebiet« stehen einige Ereigniffe bevor. Zunächst wird die Gemeinderatswahl zu tätigen sein, dann aber wird dem Vernehmen nach auch ein neuer Vizebürgermeister gewählt ! werden müflen. Der bisherige Vizebürgermeister Lucian Günther bat auf diesen Posten, den er feil einet Reihe von Jahren inne hatte, wegen feine! hohen Alters verzichtet. — In eine vorübergehend, Wasserkalamität sind wir feit einiger Zeit ge­raten. Die Wafferleitungsröhren sind an den ver­schiedensten Stellen derart defekt, daß eine Erneuerung der Röhren vorgenommen werden muß.

7. GeiSmar bei Geisa, 30. Okt. 1913. Am 26. Okto­ber abends wurde in der Maul'scheu Gastwirtschaft von der Schuljugend eine patriotische Feier zum Andenken an den 100jährigen Jahrestag der Schlacht bei Leipzig begangen. Die begeisternde Fest­rede hielt Herr Lehrer Weber. Dan» tarnen di« Theaterstücke »Des Königs Ruf" und .Nur nicht ver­zagt" zur Aufführung. Die Schulkinder erzielten mit ihrer Darstellung einen großen Erfolg. Es folgte der Vortrag vaterländischer Gedichte und dreistimmiger Lieder, die Herr Lehrer Baz er einstudiert hatte. Allen Mitwirkenden gebührt der Dank des Publikums, der sich mit der Hoffnung auf ähnliche genußreiche Veranstaltungen an den kommenden Winterabenden verbindet.

* Vacha, 30. Okt. 1913. Der Finanzausschuß für die im Juli n. Js. hier stattfindende Gewerbe- Industrie- und Landwirtschaftliche Ausstellung beschloß zum Besten der Ausstellung eine Lotterie zu veranstalten. Die notwendige Genehmigung soll alsbald beim Großh. Staatsministerium nachgesucht werben. Es sind 2000 Lose ä. 1 Mk. für die Lotterie in Aussicht genommen; 275 Gewinne sollen in ange- kausten Gegenständen aus der Ausstellung bestimmt werden.

* Dermbach, 30. Okt. 1913. Der Personen, verkehr auf der Feldabahn hat, wie aus den soeben erschienenen Mstteilnngen der Handels­kammer zu ergeben ist, in den Betriebsjahren 1911-12 und 1912-13 eine nicht unwesentliche Steigerung er­fahren. Der Umsatz der Personenfahrkarten auf der Station Dermbach betrug 1911 39 812, 1912 dagegen 45 325.

* Kaltennordheim, 30. Okt. 1913. Der Gerichts« schreibergehitfe Registrator Hermann Appel in Gerstungen ist vom 16. November 1913 ab als Gerichtsschreiber bei dem Großherzogi. Amtsgericht in Kaltennordheim unter Beilegung der Dienstde« zeichnung „Aktuar"' angestellt worden. — Ver­haftet und in das hiesige AmtsgerichtSgefängui» eingeliefert wurde ein Knecht aus dem benachbarten Klings, der dringend verdächtig ist, das Feuer da­selbst in der Sonntag Nacht im Hause des Kalk­brennereibesitzers Karl Bittors angesteckt zu haben Bei dem Brand waren die gefüllte Scheuer uni Stallungen des Bittorf, sowie einige Schweine ei» Raub der Flammen geworden.

* Dorndorf (Rhön), 30. Okt. 1913. Der Versand von Kali in der Gewerkschaft Heiligenroda ist gegenwärtig derartig stark, daß in den Schächten 1 und 2 eine verlängerte Schicht eingeführt worden ist, worüber die zahlreichen Arbeiter nich, böse sind, da sie durch die größere Stundenzah' einen erhöhten Verdienst haben.

Die freiwillige Versicherung in der Angestelltenversicherung.

Bon Direktor Neumann-Kassel, Mitglied des Berliner Rentenausschusses der Reichsanstalt für Angestellte,

Im ersten Jahre nach dem Inkrafttreten dieses Besetze» hat die Reichsversicherungsanstalt auf Antrag llngestellter mit einem Jahresarbeitsverdienst von 5000 bis unter 10 000 Mark zu gestatten, sich nach den Borschriften dieses Gesetzes über die freiwillige Versicherung selbst zu versichern, wenn sie den Nach­weis führen, daß sie in den letzten vier Kalender­jahren vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes eine nach diesem Gesetz ohne Rücksicht auf das Jahreseinkom­men versicherungspflichtige Beschäftigung in minde­stens dreißig Kalendermonaten ausgeübt haben. — Dasselbe Recht steht Personen zu, die in ihrem Be- triebe regelmäßig höchstens drei versicherungspflich­tige Personen beschäftigten, vorausgesetzt, daß sie in mindestens dreißig Kalendermonaten eine den Be­stimmungen des § 1 entsprechende Beschäftigung aus­geübt haben. Die im § 51 bezeichneten Zeiten sind der versicherungspflichtigen Beschäftigung gleich zu achten.

So lautet der § 394 des Versicherungsgesetzes für Angestellte.

Der Gesetzgeber wollte mit dieser Vorschrift die Möglichkeit schaffen, Härten auszuschalten, die sich aus der oberen Gehaltsgrenze von 5000 Mark und einem Schwanken des Gehaltes ergeben können. In der Reichstagskommission wurde darauf hingewiesen, daß Angestellte mft einem Gehalt von über 5000 Mk. pielletchi schon 'in naher Zukunft wieder unter diese Gehaltsgrenze heruntersinken könnten und bann ver­sicherungspflichtig würden. Die Zeit bis dahin würde chnen alsdann aber verloren sein und sie seien dann schlechter gestellt als diejenigen, die einstweilen das Gehalt von 5000 Mk. noch nicht erreicht haben, aber demnächst in dasselbe aufrücken werden. Es sei auch ein Gebot der Gerechtigkeit, daß alle diejenigen Pri­vatangestellten unter das Gesetz fallen und feine Vorteile genießen, welche Mitglieder des Haupt- auSschuffes seien und welche sich seit Jahren in un­eigennütziger Weise für dieses Standesgesetz der Privatangestellten so große Verdienste erworben hätten. Bei der Grenze von 5000 Mk. indes würden viele von ihnen aus dem Rahmen des Gesetzes her­ausfallen und das sei doch ein schlechter Lohn für ihr uneigennütziges Wirken.

Der Antrag auf Zulassung zur freiwilligen Ver­sicherung muß im ersten Jahre nach dem Inkraft­treten des Gesetzes, also im Jahre 1913, ge­stellt werden. Es ist ratsam, damit nicht bis in die letzten Tage des Dezember zu warten, um nötige Nachweise der Reichsanstalt noch rechtzeitig beibrin­gen zu können. Voraussetzung für den freiwilligen Eintritt in die Versicherung ist nach Msatz 3 des § 1 des Gesetzes Berufsfähigkeit und Alter unter 60 Jahren. Ein Berufsunfähiger kann sich also nicht freiwillig versichern. Berufsunfähig ist nach dem Gesetz derjenige, dessen Arbeitsfähigkeit auf weniger als die Hälfte derjenigen eines körperlich und geistig I gesunden Versicherten von ähnlicher Ausbildung und I gleichwertigen Kenntnissen und Fähigkeiten herabge- I fünfen ist. Die Auswahl der Klasse, in der die Ver- I sichermig beansprucht wird, ist dem Antragsteller I überlassen. Empfehlenswert ist die Versicherung in I möglichst hoher Klasse, denn nach der Höhe der gelei- I steten Beiträge berechnet sich das Ruhegeld. Erfolgt I beispielsweise die Versicherung in Klasse J (von mehr I als 4000 bis zu 5000 Mk.) so beziffern sich die Mo- natsbeiträqen von 26,60 Mk. zu leiftenben Zahlungen I in zehn Jahren auf 3192 Mk. unb es beträgt nach I biefer Zeit bas Ruhegelb im Falle ber Berussunfähig- feit ober ber Erreichung des 65. Jahres hiervon 798 I Marf. b. i. einviertel, während es von den übrigen I Beiträgen einachtel beträgt.

Während ber Heberaangszett treten aber für bie I große Anzahl ber in höheren Altersjahren stehenben I Angestellten auch wegen der größeren Sterbenswahr- I scheinlichfeit besondere Härten insofern ein, als ihren I Hinterbliebenen erst nach sechzig Beitragsmonaten Be­züge gewährt werden. Deshalb bestimmt § 398 des Gesetzes, daß bei ber freiwilligen Versicherung brei- I viertel ber von bem freiwillig Versicherten eingezahl- I ten Beiträge zurückerstattet werden, wenn der Ver. I sichernngsfall innerhalb ber ersten fünfzehn Jahre I nach bem Inkrafttreten bes Gesetzes eintritt, ohne I baß ein Anspruch auf Leistungen geltend gemacht I werben kann.

Die Vorschriften über bie Gewährung eines I Heilverfahrens finben auch auf bie freiwillig I Versicherten Anwendung. Diese durch das Gesetz I festgeleqte Leistung ber Reichsanstalt kann als eine I ihrer Hauptaufgaben angesprochen werben. Voraus- I setzunq hierfür ist, baß bie drohende Berufsunfähig- I kett durch das Heilverfahren abqewendet werden kann. I Zu beachten ist, baß bie Reichsversicherungsanstalt I das Verfahren in ben ihr geeignet erscheinenden Fällen einleiten kann. Sie ist also nicht verpflich- I tet, jedem diesbezüglichen Anträge zu entsprechen. Es I wird in jedem Falle geprüft, ob das beantragte I Heilver fahren nach menschlicher Voraussicht und I ärztlicher Erfahrung den nach dem Sinne des Ge- I setzeS vrauszusetzenben Erfolg haben wirb. An eine I Wartezeit ist die Gewährung diefes sogenannten I vorbeugeuben Heilverfahrens nicht geknüpft. Seit I dem 1. April dieses Jahres haben bereits Tausende I von Versicherten dieses Heilverfahren von der Reichs- I anstatt gewählt erhalten und können als gesunde I Menschen ihrem Erwerbe wieder nachgehen. Es ist I daraus für die Angestelltenversicherung eine wichtige I Seite ber sozialen Fürsorge schon jetzt geworden. Es wirb aber auch ferner bie Hauptaufgabe ber Reichs- I Versicherungsanstalt bleiben, das Heilverfahren mög- I lichst auszubilden. Die Anträge, auch für Gewäh- I rnnq vonLinterkuren, sind beim Direktorium I (Berlin-WMiersdorf) ober durch die Vermittlung I ber Vertrauensmänner zu stellen. Für bie Gewäh- I rung bes Heilverfahrens in Sanatorien, Kurorten, I Kranken- unb Geuesungsbäusern usw. sind beson- I des geeignet Schwächezustände (Bleichsucht, Blut- I armut"), Fälle von verzögerter Genesung (z. B. nach I Cberationen), geistige und körperliche Erschöpfunas- I zustände ohne eigentliche Crnnncrfranfuwaen, z. D. I durch Uebcrorbeituna, Entkräftung, Erkrankungen, I die durch ein geordnetes Heilverfahren in Sanato- I rien, Lungenheilstätten oder anderen Krankcnanstal- I ten sowie in Kurorten günstig zu beeinflussen sind. I 1 «. B. Nervenschwäche, Erkrankungen des Herzens, ber I 1 Atmiingsorgane, insbesonbere Kehlkopf- unb Lungen- I \ tuberkulöse usw., Gettnkversteifungen nach Knochen- I 1 brächen, Krampfabem, Beingeschwüre usw. Es ist I 1 hieraus ersichtlich, welch ein reiches Feld segensreicher I 1 Ve*gtigmlg das Gesetz durch seinen § 36 ber Reichs- • versichern:.gsanstalt eröffnet hat I i

Lokales.

Fulda, 31. Oktober 1913.

I eg Fulda als Schauplatz einer diplomatischen Mion.

(Sine Jahrhunbert-SrinnerUng.)

Als sich Vor 100 Jahren bie Armeen ber Ber- I bünbeten auf ber Spur bes zum Rheine flieheirben I Korsen durch unsere Stabt bewegten, kam es hier I zum Abschluß eines wichtigen Vertrages, ber bem I Historiker als ber „Vertrag von Fulda" be» I fapnt ist. Es handelt sich dabei um den Hebert ritt I des bisher mit Napoleon verbündeten Königs von I Württemberg zu den verbündeten Mächten. Der I Vertrag ist am 2. November 1913 in unserer I Stadt unterzeichnet worden.

Württemberg folgte mit bem Abschlüsse bieses Ver. I träges bem Beispiel anberer Rheinbundstaaten und rettete sich so, wie es Bayern im Vertrag von Rieb I bereits vor ber Schlacht bei Leipzig getan hatte, bie I Vorteile, bie ihm von Napoleon zugewandt worben I waren. Die beiben vertragschließenben Teile erklär- I ten in Artikel 1, baß künftig Friede unb Freundschaft I herrschen solle zwischen Oesterreichs Kaiser und Wirrt« I tembergs König und baß die Hanbels- sowie bie son- I fügen Beziehungen wieber so hergestellt seien, wie sie I vor bem Kriege waren. Das Ziel ber Verbinbung I soll bie tätigste Vereinigung ber beiben Mächte für I bie Wieberherstellung ber Ordnung in Europa sein. I Demzufolge tritt ber König von Württemberg aus I bem Rheinkmnbe aus unb bereinigt seine Truppen I mit denen ber alliierten Mächte. Mit allen Mitteln, I welche Die Vorsehung zu ihrer Verfügung gestellt hat, I wollen bie beiden Parteien sich gegenfettig unter­stützen unb nur auf gemeinsame Uebereinfttmmung I bie Waffen niederlegen. Der Kaiser von Oesterreich I garantiert in seinem und seiner Verbündeten Namen dem Könige von Württemberg die Souveränität seiner Staaten. Die württembergische Armee wird einem Chefgeneral unterstellt und steht unter I den direkten Befehlen eines württembergischen Gene- I rals. Die Beute verbleibt denjenigen Truppen, welche sie gemacht haben. Gleichzeitig mit diesem Vertrag wurde auch noch ein geheimes Abkom­men zwischen den Mächten getroffen, in dem nochmals dem König von Württemberg zugesagt wurde, er solle volle Souveränität genießen, unter Garatie ber politischen Beziehungen, bie sich infolge ber Anorbnungen ergäben, welche bei bem kommenden Frieden für Herstellung unb Sicherung ber Unab­hängigkeit unb Freiheit Deutschlands zu treffen seien. Der König mußte sich allerdings zu den für notwen­dig erachteten Abtretungen bereit erklären, jedoch er­hielt er bas Versprechen möglichst gleichwertigen Er­satzes. Alt-Württemberg sollte ungeschmälert bleiben. Die Heere ber beiben Staaten sollen auf ben größt- möglichsten Staub gebracht werben. Oesterreich hatte minbestens 150000 Mann, Württemberg 12000 Mann zu stellen. Kaiser Franz hat bie Ausgabe, bie Zustimmung bes Zaren und bes Königs von Preu­ßen zu biesem Vertrage einzuholen.

Die vorstehenben Zeilen geben im wesentlichen den Inhalt des hier rn unserer Stadt getroffenen Abkommens wieder. Interessant sind indessen noch die Persönlichkeiten ber beiben Bevoll­mächtigten, bie im Namen ihrer Staaten ben Vertrag unterzeichneten. Oesterreichs Beauftragter war ber bekannte Fürst Clemens Lothar Metier- n i ch. Der Vertreter Württembergs bürste weniger bekannt fein, es war Graf Ferbinanb von Zep­pelin — aus ber gleichen Familie, bie uns ben Er­finder des lenkbaren Luftschiffes geschenkt hat. Dieser Graf Zeppelin war am 28. Nov. 1772 zu Güstrow geboren unb trat im Jahre 1801 in württembergische Dienste. Hier war er längere Zeit als Reisemarschall bes Kurfürsten tätig. In biesem Dienste erwarb er sich solche Zufriedenheit des Fürsten, daß ihn dieser am 1. Januar 1806 in den Grafenstand erhob. Dann war er längere Zett im diplomatischen Dienste tätig, unb würbe am 12. Februar 1812 zum Staats- unb I Kabinetsminister der auswärtigen Angelegenheiten I ernannt. Zahllose Schwierigkeiten hatte er in dieser I leitenden Stellung zu überwinden, da die Jahre, in I denen er Württembergs Staat vertrat, zu den wechsel- I reichsten der neueren Geschichte überhaupt gehören. I Er war kein Freund Napoleons und wenn er feinen I Staat nicht schon früher zum Anschluß an die Der- I bünbeten brachte, so bestimmte ihn hier lebiglich bie I Furcht vor ber mächtigen Hand Napoleons, ber einen I eventuellen Abfall an bem Laube furchtbar gerächt I hätte. Ein Hauptverbienst Zeppelins ist es, baß er I ben Anschluß Württembergs an bie heilige Allianz I so früh als nur irgenb möglich herbeigeführt hat. Es war für ihn nicht leicht, mit bem Fürsten Metternich I zu verhandeln, zumal dieser persönlich von deut Könige I Friedrich von Württemberg beleidigt worden war. I Die Interessen seines Landes bestimmten ihn in sei- I ner Haltung, unb er konnte zusrieben sein mit dem, I was er erreicht hat. In Anerkennung feiner Ver- I bienfte für bas Zustandekommen des Fuldaer Ver- I träges zeichneten ihn die verbündeten Monarchen von I Preußen, Oesterreich unb Rußland durch Verleihung I bes Ordens von' Schwarzen Adler, bei St. Stephans' I unb bes St. Alexanber Newskhordens aus. Im Jahre I 1819 erhielt er seine Entlassung aus bem württem- I bergischen Staatsdienste unb zehn Jahre barauf ist er | gestorben.

Die Württemberger aber bildeten später mit I Oesterreich bas 4. Armeekorps unter bem Kommando I bes Kronprinzen Wilhelm unb kämpften mit Ruhm I unb Erfolg bis zum Einzüge in Paris,