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4. Blatt.

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jttila, 5t. Sttsdtr 1913.

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Reklamen- und Auzeigentell.

In Baden ist der Großblock in Trümmer ge<

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»Zur Erinnerung an das Huldigungsständchen der Gemeindeschulkinder am 16. Juni 1913. Wil­helm I. R."

♦♦ Pegoud, der Meister der Lüfte mußte, tvie schon gemeldet, am Mittwoch in Johannisthal noch­mals seine Kunstflüge zeigen. Zum Schluß wurde ihm ein mächtiger Lorbeerkran; mit blauer Wid- wungsschleife überreicht. Mit diesem umgürtet, fuhr der kleine Franzose und große Sieger an den Tri­bünen vorüber und holte sich die ihm willig und stür­misch dargebrachten Huldigungen. Mittlerweile war es dunkel geworden und von der anderen Seite des weiten Flugplatzes sandte der Leuchtturm sein Blink- feuer in die Runde, als plötzlich ein Eindecker über der zur Heimkehr bereiten vieltausendköpfigen Menge schnarrend seine Kreise zog. Es war der durch gute Leistungen bekannte Flieger Friedrich auf einer Etrich-Taube. Da seht! Hallo, was ist das? Die Menge bricht in minutenlangen Beifall aus. Friedrich hat es dem französischen Meister nach­gemacht. Natürlich keinen Kopftturz, dazu gehört eine andere Maschine. Aus etwa 300 Meter Höhe schraubte sich Friedrich in tollkühn scharfgezogenen Kurven herunter und in etwa 100 Meter Höhe legte sich die Etrichtaube mehrmals ganz wie Pegoud's Ma- schinchen auf die Seite und stand senkrecht, ein Flü­gel oben, der andere unten. Und als der mutige Flieger sein Kunststück wiederholte, war der Jubel noch größer, weil nun auch alles aufmerksam gewor­den war. Das ist beim Abschluß der einzigartigen Vorführungen Peqouds für den deutschen Flieger ein hoffnungsvoller Anfang.

Trachtenkunst und Antosport bei -er Kasseler Jahrtausen-feier.

Als i. I. 913 König Konrad und Gefolge als erste Kulturliäger in Kassel einzogen, bediente man sich zwei, rädriger, primitiver Ochsenkarren als Transportmittel. Bon Kümikrhand versinnbildlicht, war jenes Ereignis in einer hübichen Gruppe des Kasseler Festzuges am 28. September zu sehen.

Der Zug der Zeil brachte eS mit sich, daß auch das modernste Geiährt, das elegante Personenautomobil nicht sehlte. Es organisierte der Allgemeine Deuriche Auto­mobilklub eine lechsftündige Sternsahrl nach Kastel, wobei für die sestgestelltrn besten Leistungen ein Teilnehmer auf Abker-tzeurenwag«« an erster Stelle prämiiert wurde; er erhielt den wertvollen Ehrenpreis der Stadt Kastel.

Die Ad lerwerke vorm. Heinrich Ktryer A.-G. in Frankfurt a. M. oder deren Filialen und Vertreter versenden gern gratis und frei illustrierte Kataloge und Beschreibungen. Auch stehen die Generalvertreter, die Herren Frech u. Luz, Kassel-Withelmshöhe, zu jede» weiteren Auskunft zu Verfügung.

I men auf die abschüssige Ebene führte und dem jetzt glücklicherweise Einhalt getan ist.

Selbstlos hat der oberste Chef der Konservativen — M c u r a, auf die ihm angesonnene Kabinetts­bildung verzichtet und ausdrücklich seinen Parteige- nostelt Dato als Ministerpräsidenten empfohlen. Das hindert aber Klugredner nicht, schon sofort nach Annabmc der Erfüllung des Auftrages durch Dato einen Gegensatz zwischen diesen beiden Männern zu erfinden und Maura als verärgert hinzustellen. Ein wirklich ftndlicher Versuch, die konservative Partei als gespalten und Datos Aufgabe als hoffnungslos hinzustellen.

Ten Radikalen in F r a n k r e i ch gefällt der Sturz । des Kabinetts Romanones ganz und gar nicht, hatten sie sich doch schon daran gewöhnt, in Spanien eine Filiale der gewissensbedrückenden Politik der französi­schen Republik zu sehen. Da die spanischen Konser­vativen, besonders Maura, aber in den letzten Jahren lebhaft für eine Rebereinstimmung der marokkan:- schen Politik Sranicns und Frankreichs eingetrelen sind, dürste in dieser Hinsicht auch unter Dato an den Abmachungen von Cartagena nicht viel geändert werden. Diese Auftastung wird bestätigt durch das, was der Ministerpräsident Dato dem Madrider Kor­respondenten des „Fiaaro" inzwischen bestätigt bat.

Gegenüber den kindlichen Versuchen, Dato und Maura als Gegner hinzustellen, äußerte Dato: „Ich habe d'e Regierung im Einvernehmen mit den beru­fenen Persönlichkeiten meiner Partei, in meiner Eigenschaft als einziger ehemaliger konservativer Kammerpräsident, übernommen, um den Erwartun­gen des Königs zu entsprechen."

An dem Sturze des Kabinetts Romanones trägt die Uneinigkeit der Linken mehr schuld, als die Opposition der Rechten. Garcia Prieto, der Mi­nister des Auswärtigen aus der Regierungszeit Ca- nalcios, hat um sich 14 Exminister, 70 Senatoren und 60 Deputierte geschart und mit ihnen eine Partei gebildet, die Romanones den Gehorsam aufkündigt und sich liberal-demokratisch nennt. Ihr Programm ist recht einfach: Vollständige Freiheit für alle Kulte, Neuorganisation des Senates, wo die Vertreter der Aristokratie und des Klerus zu zahlreich vertreten seien und nach Ansicht der Führer der neuen Partei eher Vertreter des Handels und der Industrie, ferner der Arbeiterschaft Eintritt finden müßten. Garcia Prieto hat das Ministerium Romanones der politi­schen Basis beraubt, denn es fehlt chm eine liberale Mehrheit: anderseits genügt die Anhängerschaft Karcia Prieto nicht, um ein lebensfähiges Ministe­rium bilden zu können.

Wochen-Nundschau.

s:s Fulda, 30. Oktober 1913.

Der Besuch Kaiser Wilhelms in Wien und der Gegenbesuch, den Erzherzog Franz Fer- d i n a n d gleich darauf in Göhrde machte, entzieht allen Gerüchten den Boden, die von einer Abkühlung den Beziehungen zwischen Deutschland und Oester- reich-Ungarn wissen wollten. Man mag über den Wert von Monarchenbesnchen verschiedener Meinung sein, Tatsache aber ist, daß solche Besuche nicht statt- finben würden, wenn sich wirklich ernste Trübungen in den politischen Beziehungen der verbündeten Resche entdecken ließen. Tie Zusammenkunft der beiden Kaiser gewinnt insofern noch an Bedeutung, da der russische Minister des Aeußern Ssasonow vor kurzem in Berlin weilte und mit den verantwortlichen Lei­tern der deutschen Politik ausgiebig Beratungen flog.

Unpolitische Zeitlaufe.

N. Berlin, 30. Oktober 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Heute ntüssen wir die Augen und die Herzen etwas werter aufmachen, als gewöhnlich.

Kannst du fliegen, lieber Leser? Wahrschein- uch bist du noch in keiner Flugmaschine gefahren; ich auch nrcht. DaS macht aber auch wenig aus. Im besten Falle trägt uns die Flugmaschine ein paar tau- lenh Kilometer weit; doch sie bleibt immer im Dunst' frei« der Erde. Den Fixsternen kommen wir nicht naher^dre Sonne bleibt uns fern und nicht einmal »um Monde gelangen wir in bessere Beziehungen. Die Fliegekunst des K ö r p e r s ist ein oberflächliches Svtek, ern armseliges Stückwerk im Vergleich zu dem Flug der Seele. Unser Denken und Fühlen ist nrcht an die Erdkruste und deren Lufthülle gebunden. Wir haben ein geistiges Flugzeug, das uns über die Sonne und die Sterne hinaushebt und durch die Milchstraße führt bis an die Grenzen der Schöpfung Und wenn dreses Flugzeug von dem Motor des Glauben s getrieben wird, so geht es über die e r- schaffene Welt hinaus und führt uns vor den Thron des Schöpfers, in den Mittelpunkt alles Seins, wo der Raum sich in die Unendlichkeit und die Zeit sich in die Ewigkeit auflöst.

Was bist du? Ein Deutscher! Schön; als vollberechtigtes Mitglied einer nationalen Gemein­schaft von 60 und mehr Millionen kannst du dich schon etwas fühlen. Du bist auch ein Weltbürger. 2rn rechtes und echtes Mitglied jener menschlichen Gesellscl, t die in Stärke von H/2 bis 2 Milliarden ven^Erd 11 bewohnt und bebaut.

.Ast das die größte Gemeinschaft, in der du stehst? Lie ungläubige Weltweisheit ist freilich hrer nut ihrem Latein zu Ende. Ob es auf den an­deren ölernen vernunftbegabte Wesen gibt, die gleich unA.?r-8 ^nem Körper und einer Seele zusammen- äefe$t sind, das kann die menschliche Wissenschaft nicht sagen. Ter gewaltige Zwischenraum, der uns von den fremden Welten trennt, ist mit den besten materiellen Lilksmitleln nicht in überbrücken. Und

• In Madrid wurde das Minftterium Roma­nones durch ein konservatives Ministerium ersetzt, erne erfreuliche Tatsache, da in Spanien der Radi- I kalismus in den letzten Jahren immer mehr an I Boden gewonnen hat.

In Portugal hat wieder eine der häufig wie­derkehrenden Erhebungen stattgefunden, von dener man nicht recht weiß, ob sie monarchistischen oder syndikallsttsch-anarchistischen Ursprungs sind Die Regierung konnte den Puftch zwar Niederschlagen, aber es ist leicht möglich, daß eines Tages in dieser Republik mir der traurigen Gestalt eine neue Um- Wälzung den ganzen schwachen Bau niederwirst. Jedenfalls scheint das Ende der Wirren, die seit der Ermordung des Königs Carlos das unglückliche Land nicht zur Ruhe kommen lassen, noch lange nicht ein­zutreten.

In F r a n k r e i ch befindet sich zur Zeit der Prä­sident Poincars auf einer Rundreise und es ist kaum glaublich, was er an den verschiedenen Orten, wo er sich gerade aufhäft, an Schmeicheleien entgegen­nimmt und mit Zinsen wiedergibt. Frankreich steht zurzeit in einer dreifachen Krisis: Wahlkrisis, Mini- sterkrisis und Präsidentenkrisis, d. h. man will -in neues Wahlrecht, man beabsichtigt, das Ministerium Barthou zu stürzen und schließlich wünscht man eine Revision der Verfassung, die dem Präsidenten Un­abhängigkeit vom Parlament und durchgreifende Au­torität dem Ministerium gegenüber schaffen soll. Herr Poincars hat es, wie man sieht, nicht leicht und sucht als gewandter Regifleur einstweilen wenigstens durch seine Rundreisen sich bei den Franzosen beliebt zu machen. Ob und wieweit ihm das gelingen wird, wird die nächste Zeit lehren.

In E n D l a n d hat der Marineminister Winston Churchill mit dem Programme eines Flottenfeier, jahres eine völlige Niederlage erlitten. Alle eng­lischen Blätter von Bedeutung haben ihm die Ge- folgschast versagt. Winswn Churchill ist zweifellos ein ungemein Begabter und energischer Mann, aber man macht sich heute in England keinen Hehl daraus, daß der erste Lord der Admiralität sich durch die Glut feiner Phantasie derart über wirkliche Tat­sachen hinweasetzte, daß sein Vorgehen eine unge­heure politische Verwirrung anrichten mußte. Die deutsch-englische Verständigung muß von ihnen her­aus und aus der Ueberzeugung erwachsen, daß sie für beide Teile nützlich und nötig ist, wie das liebe Brot.

Die Verhältnisse in Mexiko treiben immer mehr zu einem Bruch mit den Bereinigten Staaten. Die schwer zu verstehende Polittk des Präsidenten Wilson, welche in die inneren Angelegenheiten Mexi­kos eingreift, wird notwendigerweise zu einem schwe­ren Konflikt fuhren, der nicht nur im Interesse der beiden Republiken selbst, sondern auch im Interesse der europäischen Großmächte sehr bedauersich sein dürfte. Es scheint sicher zu sein, daß die am 26. Oktober vorgenommenen Wahlen resultatlos verlau­fen sind, sodaß Huerta seine provisorische Präsident- schäft fortsktzen wird. Nach allgemeinem Urteil ist Huerta die einzige Persönlichkeit, deren Mut und Charakter Ordnung in die mexikanischen Wirren zu bringen vermag. Die europäischen Staaten sind ge­sonnen, die Präsidentschaftswahl in Mexiko auf alle Fälle anzuerkennen, sodaß bei einer Wahl Huertas ein bedenklicher Gegensatz zwischen der europäischen Politik und der der Bereinigten Staaten eintreten I würde, falls diese zu einer Einmischung in Mexiko I schreiten sollten.

gen. Zentrum und Konservative haben bereits ersten Wahlgang 35 Mandate erlangt, gelingt es ihnen, was immerhin sehr wahrscheinlich ist, bei den Stichwahlen nur 2 weitere Mandate zu gewinnen, so verfügt die Rechte über die absolute Mehrheit. Die Großblockpresse, welche i.i der ersten Ueberraschung die Niederlage unumwunden zugestand, kommt all- mählich wieder zu Atem und sucht mit beneidens­werter Selbsttäuschung die Niederlage durch Zisfern au8 der Welt zu disputieren. Der Großblock hoffte bekanntlich, diesmal im badischen Landtage eine Zwei­drittelmajorität zu gewinnen, um damit eine Verfas­sungsänderung durchzusetzen, die jedenfalls die Grotz- blockmehrheit gegen alle Wechselfälle der Zukunft schützen sollte. Der badische Sieg der Rechten ist ein aenteinfamer Sieg, den Zentrum und Konservative in Baden erfochten haben, wobei sich das Hand in Hand-Gehen beider Parteien insofern als eine glän- Snbe Taktik bewährt hat, daß es gelungen ist, den ormarsch des Radikalismus zu hemmen. Jeden­falls hat der badische Wahlkampf auch die Auffassung der berufenen Zentrumsführer bestätigt, welche durch da» Zusammengehen von Zentrum und Konserva- tfoen, also von jenen beiden Parteien, welche sich den Kampf Degen die unchristliche Weltanschauung attge« Iiflen fein lasten, ein Wachstum des Zentrums und der staatserhaltenden Ideen überhaupt versprachen.

In der W e l f e n f r a g e hat die abgelaufene Woche endlich die Entscheidung gebracht. Der Preu- ßische Antrag wurde vom Bundesrate einstimmig ge- nehmigt und schon im Laufe der kommenden Woche wird der junge Herzog in Braunschweig seinen Einzug halten. Die Erörterungen in der Presse für und gegen den Welfenthron hatten nachgerade einen der­artigen- Umfang angenommen, daß die endliche Lö- Sitg der Thronfolgefrage auch schon aus diesem runde zu begrüßen ist. Der monarchische Gedanke konnte jedenfalls, durch die Hetzereien der Liberalen und alldeutschen Blätter nicht gewinnen.

Noch eine andere Lösung" eines Regentschaftspro­blems hat die vergangene Woche gebracht. In der baherischenKammeristdie Vorlage zur B e . enbigitng ber Regentschaft seitens ber Re­gierung eingebracht und am Donnerstag mit großer Mehrheit in der bayerischen Abgeordnetenkammer angenommen worden. Die Königserklärung wird unmittelbar nach der Erledigung des Gesetz­entwurfes im bayerischen Reichsrat erfolgen und da der Entwurf voraussichtlich spätestens Dienstag oder Mittwoch nächster Woche erledigt wird, wird auch einer dieser beiden Tage der Tag der Königs- Erklärung sein. Was die Erhöhung der bayerischen Zivilliste anlangt, so sind alle bürgerlichen Parteien der Ueberzeugung, daß durch die besonderen Auf- gabm, welche der bayerischen Zivilliste, die nicht nur bedeutende Zuschüsse an die beiden Hoftheater zu zah. len hat, sond-rn auch zahlreiche Königsschlöffer im Lande unierhalten muß, zufallen, eine entsprechende Srhohung zeitgemäß und notwendig ist.

Die türkisch-griechischen Auseinander- fetzungen verlaufen glücklicherweise durchaus friedlich und eS scheint, d<.ß in absehbarer Zeit zwischen den Mwen Staaten eine volle Einigung erzielt werden I wird. Vernünftigerweise hat Griechenland in 'Ben meisten Fragen seinen ursprünglich schroffen Stand­punkt aufgegeben und ist der Türkei genügend ent- gegengekommen.

Durch die W a h l e n i n I t a l i e n ist die Stel­lung des Ministeriums Giolittt noch weiter gestärft ioorden. Die Sozialdemokraten sind durch das Ex- I periment mit dem allgemeinen Wahlrecht, wodurch I bekanntlich über 5 Millionen neue Wähler hinzuge­kommen waren, bedeutend geschwächt in die Kammer I Uückgekehrt,^auch die Republikaner haben wenig

Huf der ganzen Hielt bekannt.

In bezug auf Nährwert, Schmackhaftigkeit tmb leichte Verdaulichkeit steht ScottS Emul­sion, dieses fest Jahrzehntm rühmlichst be­kannte Krästigungs- und Stärkungsmittel, cottd

Emulsion zweifellos an erster Stelle. Wer sich die Vorteüe dieses Präpa­rates sichem will, bestehe darauf, die echte Scotts Emulsion zu

'/Ä w erhalten. Der Erfolg wird dann tOfxr nicht fehlen, und Enttäuschungen, wie sie beim Gebrauche minder- wertiger Nachahmungen unver« tneidlich sind, Bleibe« erspart.

wärts gehen, so werden sie sagen: Auf Wiedersehens Oh, wenn es doch ein frohes Wiedersehen würde! Nun, wir leben ja heute noch, wir haben noch die Möglichkeit, für ein frohes Wiedersehen Sorge zu tra­gen. Nutze den Rest deiner Zeit, es geht um die Seligkeit!

Es kommt der Tag, wo darüber entschieden wird, ob wir würdige Mitglieder der großen und er­habenen Gemeinschaft waren. Wir haben uns zu verantworten in der vollen Oeffentlichkeit vor den Augen aller menschlichen Brüder und Schwestern. Ob wir ausgenommen werden in die Gemeinschaft der Seligen ober verstoßen werben in die Reihen der Ver­worfenen, das ist noch in unsre Hand gegeben, solange wir zum Friedhof gehen. Wird erft unsere Leiche gm Friedhof getragen oder gefahren, dann ist der ürfel schon gefallen. Wohl dem, der noch zum Friedhof gehen kann und an den Gräbern zu ler­nen weiß! Ja, zwischen den Gräbern blüht ine rechte Lebensweisheit, wenn man sie nur zu finden weiß. Dort erkennen wir, was am Leben wertvoll und was nichtig ist. Geld und Gut und aller äußere Glanz halten dem Wurm ber Verwesung nicht stand; dieTugend allein überbauert Tob und Grab. Wenn die Ueberlcbenben am Grabe sagen: bas war ein braver Mensch, ber treu unb gewissenhaft die Pflicht §etan! — dann ist es ein schönerer und tröstlicherer lachnif, als die glänzendsten Totenzettel mit ihren

Titulanonen und Artigkeiten. —

Wenn ich eine abgesonderte Grabstätte haben könnte, so würde ich doch auf diese „Ehre" verzichten. Ich will in der Reihe begraben werden, mitten zwi­schen den Brüdern und Schwestern, damit ich teil habe an dem gemeinsamen Gesenken und einst fti Gemeinschaft auferstehe. Vereint, nicht vereinzelt — im Leben wie in der Grabesruh! Jetzt müffen wir gemeinsam ringen und leiden und streben; dann wollen wir gemeinsam dem Auferstehungsmorgen entgegeuschlummern, und schließlich möchten wir ge­meinsam das Osterfest der Ewigkeit begehen.

Auf Wiedersehen! Das st der rechte Gruß an diesen Tagen.

vermischter.

I * Eine dunkle Vergiftungsassärc beschäftigt die I Polizei- und Gerichtsbehörden von Koburg. In dem Torfe 011 o w i n d bei Koburg weilten fünf in Nach­bardörfern verheiratete Schwestern wegen Erb­schaftsteilung bei ihrem Bruder zu Besuch. Bier der Schwestern erkrankten schwer unter Ver­giftungserscheinungen; vermutlich liegt Fleischvergift I tung vor. Zwei von ihnen, die Landwirfsfrauen I Taubmann aus Droßenhausen und Großmann aus I Grattstadt sind bereits gestorben. Die beiden anderen' I sind schwer erkrankt.

* Kartosielsprit als Sherry. Von der Strafkam- I mer Nordhausen wurde am Mittwoch nach zehn- | tägiger Perhandlung der Brennereibesitzer Paul I Heise wegen vollendeten Betruges in fieber Fällen I zu vier Monaten Gefängnis und 3500 Mark Geld- I strafe, fein Reisender Virneburg zu neun Mona- I ten Gefängnis, ebenfalls wegen Betruges in sieben I Fällen, verurteilt. Heise hatte von 1909“ bis 1911 für I fein neues Schnapsfabrikat Silbershe.ry, das sott den I Sachverständigen als gewöhnlicher Karlos,'»lsprit fest, gkstell» irr«bc rn ganz Deutschland Alleinvertreter ge­sucht und ihnen unter Vorspiegelung falsche- Tat­sachen einen größeren Posten aufzuhängen gewußt, so daß allen Abnehmern ein größere^ Vermögensver­lust erwachsen ist. Das Geschäftsgebaren des Ange- klagten wurde int Urteil als unvoruehm und skrupel­los bezeichnet, das geeignet gewesen sei, das Anfehen de- Nordhäuser Brennereiindustrie zu schädigen.

* Der Dank des Kaisers an die Schulkinder. In den Gemeindeschulen Berlins wurden den 7000 Kin- berett, bie seinerzeit bent Kaiser zu seinem 25jährigen Regierungsjubiläum ein Huldigungsständchen bar­brachten, im Auftrage des Monarchen Kaiserbilder übergeben. Die Bilder-Photographien in Kabinetts­format zeigen den Kaiser in der Uniform des 1. Gar­de-Regiments zu Fuß und tragen die Unterschrift sämtlichen Bewohner aller Sterne des Weltalls. Unb rings um bie Auferstandenen scharen sich bie reinen Geister, bereit Dafein unsere beschränkten fünf Sinne nicht spüren konnten, Wohl aber die vom Glauben er­leuchtete Vernunft, und deren beseligende Nähe das fromme Herz so oft empfunden hat.

Das ist die große, erhabene, allumfassende Ge­meinschaft, zu deren würdiger Mitgliedschaft der ir­dische Christenme.tsch berufen ist. Wie unendlich hoch überragt sie die nationale ober erdenbürgerliche Ge­meinschaft! Da gibt es keine Schranken des Raumes und ber Zeit mehr. Was hier ist und was dort ist in unbekannten Fernen, was früher ober später gelebt hat, — alles wirb' versammelt unb bereinigt vor bent Thron des Herrn, aus dessen Schöpferwillen alles entsprungen ist und zu dessen Füßen alles zuttick- kehre.i muß, was er unsterblich gemacht hat.

Wir sind Deutsche, wir sind Erdenbürger des zwanzigsten Jahrhunderts, aber wir sind noch viel mehr: wir find Glieder der Kirche Gottes auf Erden, wir sind berufen in die Gemeinschaft der Heiligen, wir sollen Himmelsbürger werden.

An diese hohe Würde und diesen erhabenen Beruf mahnen uns die bevorstehenden Tage. Allerheiligen und Allerseelen soll man nicht vorübergehen lasten, ohne die Gedanken aus der Enge und den Kleinlich­keiten des Alltags hinauszuführen zu einem freien unb weiten Umblick auf bie große Gemeinschaft, in bei wir leben unb streben. Fasten wir klar und be­stimmt das Ganze ins Auge. Werden wir uns be­wußt unseres Zusammenhanges mit der Vergangen­heit, unserer Verantwortlichkeit für die Gegenwart und unserer Hoffnung auf die selige Zukunft.

Wenn wir am ersten Feiertag der Heiligen ge­denken, fo fühlen wir unsere Schwäche und Unwür­digkeit, aber wir rechnen auf die Gnade, die allen ver­heißen ist, die guten Willens sind. Und wenn wir dann der armen Seelen gedenken, so fühlen wir uns recht solidarisch mit den vorausgegangenen Ringern und Duldern. Auch an unseren Gräbern werden die Ueberlebettbcn einst stehen, vielleicht schon sehr bald Möge uns dann auch Liebe und Fürbitte gewidmet sein, wie wir sie heute spenden. Wenn unsere ?Inges hörigen unb Freunbe künftig von unserm Grab heim- 1

Der Ministerwechsel in Spanien.

Es muß doch ganz unb gar nicht mehr gegangen I sein mit bem liberalen Ministerpräsidenten Rorna- I n o n e 6, sonst hätte dieser so lange unverwüstliche I Streber und Kleber doch wieder Mittel und Wege gefunden, um sich in den Augen des Königs Alfonso unentbehilich zu machen. Alle seine bisherigen Mittel- chen der Brüskierung, Irreführung, bet kompromit- iierenben Siebäugeleien mit bem Umsturz haben dies, mal versagt, angesichts ber sich gebieterisch aufdrän­genden Tatfache, daß das schon so lange persönlich zugespitzte Regime Romanones eben dort keinen Bo­den mehr hatte, wo es allein seine Stütze finden konnte, bei der Linken. Versagt hat gänzlich die Politik der Bündniste nach links, Bündnisse, die einen Verrat an Verfassung und Dynastie darftellten, aber von Romanones leichtherzig eingegangen wurden. Romanones suchte aus bent Königtum von Gottes Gnaben ein Scheinherrschertum von des Umsturzes Gnaden zu machen, ein Unterfangen, das ganz Spa­wenn wir einen Ausblick in die Zeit versuchen wollen, so treten die Wortführer des Unglaubens uns in den Weg mit der lähmenden Behauptung: was vor uns gelebt hat, das sei tot und verwest, würde nimmer wieder zum Vorschein kommen, unb wir selbst würben sterben und verwesen auf Nimmerwie- berschen. Nach biefen trostlosen Lehren verbliebe uns also nichts weiter, als die wenigen Lebensjahre, die wir hier auf der Welt durchzumachen haben. Nur ein Stückchen Gegenwart, — ohne lebendige Ver­bindung mit der Vergangenheit und Zukunft. Und dieses bißchen Lebenszeit hätten wir in dem engen Kerker des kleinen Planeten Erde abzubüßen. Durch die Gitter dieses irdischen Kerkers könnten wir einen Blick werfen auf das unermeßliche Weltall ringsumher, doch einen Blick ohne jede Hoffnung. Alles beschränkt und beengt bis zur Verzweiflung!

Wer wie frei, groß und herrlich steht der Mensch da, wenn er sich aufschwingt zum Glauben an den ewigen Schöpfer und an die Unsterblichkeit der Seele, die nach dem Bilde Gottes geschaffen ist! Dann sind die Toten nicht mehr tot, sondern sie schlummern nur der Auferstehung entgegen. Auf den Gräbern der Vergangenheit lesen wir die tröstliche Inschrift: Auf Wiedersehen! Wir fühlen uns verbunden mit all den AdamSkindern, die vor uns gelebt haben, denn wir werden mit ihnen verfammelt sein am jüngsten Tage. Und in der Ewigkeit werden wir aus unsere Kinder und Kindeskinder treffen und alle, die nach uns die Erde bevölkern. Die vergangenen und die künftigen Geschlechter werden eine Gemeinschaft bilden. Dann werden auch die Rätsel sich lösen, die jenseits der irdischen Lufthülle liegen. Die ungeheueren Entfem nungen zwischen den Sternen, zu deren Ueberwin- buttg ber blitzschnelle Lichtstrahl Jahre und Jahr­zehnte und Jahrhunderte gebraucht, find dann aus­gefüllt und abgetan. Hat der liebe Gott auch auf den anderen Sternen unsterbliche Seelen in körperliche Gebilde gehaucht, so m^ben auch die Menschen aus den fremden WittG' : t am Throne des gemein­samen Vaters ’a!' --rüder unb Schwestern be­grüßen. Dds h uv ein wahrer Welt kon g r e ß in j des Wortes vollster B deutung, — eine Versamm- hing nicht bloß aller Erdenbewohner, sondern der I