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Freitag den ZI. Oktober 1913

Erstes Blatt.

Nr. 253

40. Jahrgang

Wegen d»S Feiertags Allerheiligen wird die nächste Nummer der ,Fuldaer Zeitung' erst am Montag auSgsgeben

X Der tote Punkt in Mecklenburg.

Die braunschweig. Frage ist gelöst, die bahe- r i s che Frage befindet sich auf dem geraden Wege zur Losung; die m e ck l e n b u r g i s ch e Verfassungsfrage aber ist wieder auf dem toten Punkt angelangt.

Die beiden mecklenburgischen Großherzogtümer bilden das einzige Stück vom deutschen Reiche, das der konstitutionellen Staatsverfassung entbehrt. Auch ein vernünftiger Konservativer muß anerkennen, daß die Eigenart des mecklenburgischen Ständewesens in die Jetztzeit nicht mehr paßt. Ob wirklich alles Heil vom Wahlen kommt und alle Staatsweisheit bei den Gewählten zu finden ist, kann man ja dahin, gestellt sein lasten. Zwei Tatsachen stehen fest: Er­stens, daß die mecklenburgischen Bürger zum deutschen Reiche gehören und bei den Reichstagswahlen zur Mitwirkung berufen sind, also cs als ihr gutes Recht betrachten, auch bei der Bildung des gesetzgebenden Körpers chres Einzelstaates mitzuwirken. Zweitens, daß unter den verwickelten und beweglichen Verhält­nissen des modernen Lebens ein Stillstand der Landesgesetzgebung, eine Versumpfung im staatlichen und kommunalen Leben nicht zu ertragen ist. Mag die Maschine der Gesetzgebung so oder anders kon­struiert sein, sie muß wenigstens gangbar und lei­stungsfähig sein.

Tie ständische Verfassung, die Mecklenburg aus alter Zeit überkommen und starr bewahrt hass wird bei ihrer , Entstehung gewiß sehr zeitgemäß gewesen sein. Die patriarchalischen Zustände von damals haben sich aber, gründlich geändert, das ehrwürdige alte Staatskleid paßt nicht mehr auf den ausgewach­senen Körper; es wird zu einer lähmenden, ersticken­den Zwangsjacke. Wir halten es durchaus nicht für I unmöglich, auch auf dem Boden des ständischen Prin-

* Schwerin, 30 Oft. 1913. Wie der Schweriner Ministerpräsident bat auch der Strelitzer Minister, vräsident Tt. Bostart sein Entlastunasaeiuch einae- reicht. Wahrscheinlich bleiben aber die Minister im Amte.

aber ein böse Abfuhr, man sagte chm rund heraus, daß die Liberalen in Lahr es satt hätten, sich von ihm wie Schulbuben behandeln zu lassen. Als zu allem Ueberfluß dann auch noch sein Begleiter, ein Herr Dietrich, den Lahrer Liberalen einen ganzen Sack voll ! Grobheiten und Beleidigungen an den Kopf warf, stieg die Erbitterung aufs Höchste und man verbat sich' diese Beleidigungen ganz energisch. In größter Auf­regung verließen nachts um die 12. Stunde die beiden Beschwichtigungshofräte den Saal. Als die beiden Herren ihren Auszug aus dem Saal bewerkstelligten, waren sie so aufgeregt, daß sie nicht einmal die Aus­gangstür fanden. Herr Dietrich mit der Mappe in der Hand, lief mit Herrn Rebmann hin und her, wie ein verscheuchtes Huhn. Es sei, so wird berichtet, ein Bild zum Malen gewesen. Bei der gestrigen Nach­wahl in Lahr ist nun Rebmann noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, sein Schütz­ling. der Fortschrittler Masta, konnte, dank der sozial­demokratischen Hülfe, sich das Mandat sichern, die nationalliberale Partei, die sich dem Stichwahlab­kommen nicht fügte, unterlag mit knapp 50 Stimmen, xtn Mannheim III, wo Nationalliberale und Fortschrittler um das Mandat rangen, wurde mft ausschlaggebender Unterstützung des Zentrums der Nationalliberalc gewählt, ebenso führte in Wein, heim und Karlsruhe-Land die Hülfe der Rechten die Nationalliberalen zum Siege.

Die Mehrheit der Linken bleibt im neuen Landtag erhalten, aber sie beruht nur noch auf 2 Augen. Die Linke zählt 37, die Rechte 36 Stimmen. Im vorigen Landtag betrug dos Verhältnis noch 44 Stimmen der Linken zu 29 der Rechten, also ein glatte- Verlust der Linken von 7 Stimmen. Das war der ..Erobernngsmg" in dem Lager der Rechten, von dem vor den Wahlen die Blockbrüder in stolzen Reden geschwämt hatten!

*

Nach dem glänzenden Wahlsieg der Rechten bei den Hauptwahlen glaubte man für die Nachwahlen einen weiteren Erfolg der Rechten erhoffen zu dürfen, wenn auch die Stimmenzahlen des ersten Wahl­ganges eigentlich keine besonderen Erfolge mehr in Aussicht stellten. Man hoffte aber, daß der so jäm­merlich mitgenommene Block noch weitere Abwan­derungen von Wählern erleiden würde. So groß, wie man es gewünscht hatte, ist nun freilich der Erfolg der Rechten nicht, andererseits muß sich aber auch die Linke bescheiden, die sich der Hoffnung hingab, daß sie die sämtlichen noch zu vergebenden 20 Sitze für sich erobern würde.

Auf der Rechten hatte man mst einem möglichen Erfolge gerechnet in Donaueschingen und Emmen­dingen, wo das Zentrum, und in Bretten und Sins­heim, wo die Konservativen und Bündler die Natio­nalliberalen bedrängten, ferner in Freiburg II, wo Zentrum und Sozialdemoftatie um das Mandat kämpften. Verwirklicht hat sich nur die Gewinnung von Freiburg II, wo das Zentrum den Sozial­demokraten das Mandat abnahm, Emmendin- gen, das es bisher besaß, mußte es den durch die Sozialdemokraten unterstützten Nationalliberalen las- fen, auch Donaueschingen verblieb ihnen. In all diesen Wahlfteisen war bereits bei der Hauptwahl ein Stimmenvorsprung der Liberalen vorhanden.

Die Konservativen und Bündler konn­ten keinen Sitz mehr erobern, ihre Aussichten waren in B r e t t e n und S i n s h e i m ohnehin nicht beson- I ders groß.

Besonders bemerkenswert ist noch das Ergebnis in Lahr- Stadt. Hier hatten die Nationalliberalen sich geweigert, ihren Kandidaten gemäß dem Block­abkommen zugunsten der Fortschrittler zurückzuziehen Selbst der Führer der badischen Liberalen Hofrat Reb­mann hatte sich nach Lahr beaeben, um die dortigen Nationalliberalen Mores zu lehren. Rebmann erlitt

I zips einen brauchbaren Landtag zu schaffen. Dazu wäre aber zunächst notwendig, haß alle Stände in billiger Weise vertreten würden, nicht bloß die Rit­terschaft und gewiffe Städte, und daß in dieser Ver- treterversammlung nach Mehrheit abgestimmt, I also jede Art von Veto beseitigt würde. Nur so könnte einerseits allen Staatsbürgern das Bewußtsein der I Mitbeteiligung an den Landesgeschäften ge­geben und andererseits dem verhängnisvollen Still-

I st a n d der Maschine vorgebeugt werden.

Das Unzulängliche der gegenwärtigen staatsrecht­lichen Ordnung zeigt sich am deutlichsten an dem toten I Punkt, auf dem der Staatswagen jetzt festsitzt. Seit 5 Jahren bringt die Regierung in einem fort Enf- würfe der Verfassungsänderung vor diegetreuen I Stände", die getreuen Stände antworten in einem- fort mit Nein. Anderswo regelt man solche auf dem Wege des Amendements und der Verständigung über I einen beiderseits annehmbaren Mittelweg. In Meck­lenburg aber gibt es keine Brücke zwischen dem Ja I und dem Nein. Die Regierung droht, daß sie bei weiterem Widerstand die neue Verfastunq oktrovieren, durch selbstherrliche Verfügung des Landesherrn ein- I führen werde: die getreuen Stände aber glauben I nicht an den Ernst dieser Drohung, und tatsächlich I bat die Regierung nach dem jüngsten Mißerfolg er- I klärt, der äußerste Schritt sei vorläufig noch nicht I unabweisbar notwendig. Die Regierung sagt dnbei, I sie wolle das gesteckte Ziel weiter verfolgen; dock bleibt es ein Rätsel aufwelche Weise sie den Wagen über den Graben bringen will.

Wenn die unfruchtbaren Verfastungskämvfe so weiter gehen, versumpft das ganze mecklenbur­gische Staatswesen. Die Rückständigkeit im formalen Recht führt zu einer verderblichen Rückständigkeit in der S a ch e, in der Finanrwirtschaft, in der Verwal­tung, in der .Kulttirentwickluna, in der Volkswirt- kckoft. in der Woblfahrtsvfleae usw. Wir für unfern Teil können nur saaen: Es ist ein glücklicher Zufall, daß dieses krftisckc Zand nicht von einer Mebrbeit von Katholiken bewohnt wird. Wäre das der ^all, so würde von Memel bis Straßburg nngnfbör- lich gezetert werden überultramontane Rückständia- ft't".mittelalterlickie Engherzigkeit", katholische Un­fähigkeit" usw. Wir legen diese Angelegenheit nicht auf die konfestionelle Waae, sondern hüben sie aus der Eigenart des Landes itrtb seiner aescknchtlicben Ent­wicklung zu verstehen. Da« Berständnis aber beren­tet noch keineswegs eine Billigung de? abstingten N»r- hgltens dergetreuen Stände". Die Herren müllen ibre ererbte^ Ansichten und ibre Sonderinterellen mrücktreten lasten gegenüber der unzweiselhgtten Staatsnotwendigkeit, die zugleich eine Reichsnotwendigkeit ist.

, Für die Selbstherrlichkeit der Einzelstaaten treten wir nach wie vor nach besten Kräften ein. Aber wir können uns nicht verhehlen, daß bei weiterer Fortdauer und Zuspitzung des Konflikts ein Ein­griff des Reichs in irgend einer Form zu be­fürchten ist. Mit Recht weist auch der Grobberzog I von Schwerin selbst auf diese Gefahr bin. Wollen I die Mecklenburger das vermeiden, so müllen sie mit ihrer Regierung sich verständigen und selbst das nö­tige tun, um ibre Staatsentwicklnna in friedliche Bahnen zn bringen und mit dem öffentlichen Leben in den übrigen Bundesstgaten in Einklang zu setzen. Der tote Punkt muß unbedingt überwunden werden. I

Müden Schrittes kehrt Felicie in die Garderobe I zurück. Sie ist sehr bleich.

Was gibt's?" fragt Gerda, die gerade damit be' I schäftigt ist, ein paar goldene Spangen an ihren klas- I fisch geformten Armen zu befestigen.

Haben Sie nicht gehört"

Ich verstand nichts. Ihr spracht so leise."

Nicht Rustell gibt heute abend denRomeo", I sondern er Norbert!"

Ah

Warum schießt plötzlich warme Röte in die Wan' gen der schönen Schauspielerin? Warum umspielt ein frohes, glückverklärtes Lächeln die feinen Lippen? Warum erstrahlen die großen Augen in fast über­irdischem Glanze?

Wie gebannt hängen Felicies Blicke an Gerdas Antlitz. Fest preßt sie die Lippen aufeinander, um I nicht laut aufzuschreien.

Sie fühlt: sie selbst mit ihrem Ungestüm, ihrem Mangel an Selbstbeherrschung, ihrer ungezügelten Leidenschaftlichkeit kann nicht bestehen neben jenem edlen Frauenbild und ihr heißes Herz krampft sich zusammen bei dem Gedanken, daß Norbert heut abend wieder derRomeo" dieser vollendetenJu- ha" sein wird.

Die Glocke ertönt. . . ,

~ Alles eilt auf die Bühne, hinter den Kulisten das Stichwort erwartend.

Felicie bot erst später in einer fteinen Rolle auf­zutreten. Sie nimmt sich nicht erst die Mühe, ihr Gesicht zu schminken. Hastig wirft sie ihr Kostüm I über.

Dann eilt sie in die Kulisten, umRomeo" und Julia" zu beobachten.

Die gefeierteLiebhaberin" wird bei ihrem Auf- tr-ten nut lebhaftem Applaus begrüßt Gleich einer Königin schreitet sie mit stolz erhobenem Haupte über die Böhne.

Wie schön sie ist und wie gut!" preßt Felicie zwischen den Zahnen hervor.Ha, ich haste ihre Schönheit und ibre Güte! Sie liebt Norbert jetzt weiß ich es gewiß. ... Und er? . . . Hat er mir m,A nur ein liebevolles Wort gesagt, als ich ihm das I

[] Die Nachwahlen in Baden.

W Karlsruhe. 31. Oft. 1913 (Tel.). Das Gesamt- eygebuis der am gestrigen Donnerstag vorgenom­menen Nachwahlen zur Zweiten Badischen Kammer ist folgendes: 4 Fortschrittliche Volkspartei, 11 Natio­nalliberale, vier Sozialdemokarten, 1 Zentrum. Die Zweite Kammer setzt sich nun wie folgt zusam­men: 30 Zentrum, 5 Konservative, 13 Sozialdemo, kraten, 19 Nationalliberale, 1 Wilder. Es ver­fügt die Linke demgemäß über 37 Stim­men gegen 36 Stimmen der Rechten.

Die Gewinn- und Verlustliste der Parteien stellt sich wie folgt: Nationalliberale -f- 7, 5, Fortschritt­liche Volkspartei -j- 2, 4, Sozialdemokraten -s- 1, 8, Zentrum -j- 4, 1, Konservative -s- 2, Bund der Landwirte -j- 1, 1, Wilde -s- 1.

Das Zentrum gewann noch den Wahlfteis Freiburg-Stadt II, die Nationalliberalen gewannen Donaueschingen, Schopfheim, Freiburg. Stabt III, Emmendingen, Baden-Stadt, Karlsruhe- Land, Bretten, Mannheim-Stadt III, Weinheim, Heidelberg-Stadt II und Sinsheim, der Fort­schrittlichen Volkspartei fielen zu: Kon­stanz-Stadt, Lahr-Stadt, Freiburg und Karlsruhe- Stadt IV und den Sozialdemokraten: Lör­rach-Stadt, Bruchsal-Durlach, Schwetzingen I und Mannheim-Land.

tnmdm «glich mit flusnobmt 6er Sonn- und Vertage, viertel- I L 2 lvochen-Veilage: S £ f S S H

|abrU<t)er Bezugspreis otjnr Bringerlohn unb Beftellgelb In Sulbo 'Ufitffriort» C

fowie auswärts MO Mark. - Rotationsbru» and Verlag ber I ->HU|mene SOnntOgSZCltimg | SUlOOCr

3« der schule der Leidens.

Hl Roman aus dem New-Yorker Leben.

Von Erich Friesen.

. Molly! So von Fräulein Douglas zu sprechen." fallt Mary Fenton, diezwette Waibe", ein.Ist sie nicht stets freundlich und liebenswürdig? Wir^ werden nie wieder eine so gute Kollegin ha-

und ich sah wie sie Dir gestern abend eine Fünfdollar Note in die Hand steckte, Molly!" fügt eine zierliche Blondine hinzu.Schäm' Dich!"

Mollv Potter schneidet eine Grimasse und stolziert aufgeblasen wie ein Truthahn, zur Tür hinaus

Inzwischen nestelt Felicie mit bebenden Fingern an Gerda Dougla's Kostüm herum. Das Säckchen liegt neben ihr auf dem Stuhl.

Wie Sie zittern, liebe Felicie," sagt Gerda mit ihrer weichen, wohltönenden Stimme.Sie sollten sich mehr beherrschen Kind. Sie werden rasch altern, wenn Sie sich Ihren Gefühlen so ganz hingeben und das können wir Schauspielerinnen nicht ge­brauchen!"

Unter solch vertraulichem Geplauder bürstet und kämmt Felicie Gerdas herrliches, blondes Lockeataor, sodaß es bald glanzt wie gesponnenes Gold. DHin nestelt sie es in einen schweren griechischen Knoten zu-' lammen unb b< festigt ihn mit einem goldenen Pfeil oben auf dem schlanken Kopf.

Ta ein Klopfen an der Tür.

Ah. Rorocitl"

.Du hier, Lieg'? Bitte, aib dies Fläschchen Feäu- tetn Dona'as'"

3\a< ja! Wart' doch einen Augenblick, Norbert!

9-ö, uudt fort! Nimm dies hier mit Dir!"

Und sie reicht ihm das Säckchen durch die Tür- I jpalte.

Danke Line, danke! Muß mich eilen. Rustell fjat eben abgesagt fühlt sich von der Reise noch unwohl. Ich spiele beute abend denRomeo"!"

^ort ist er.

Deutsches Reich.

Ter Abschied deS Herzogregenten von Braunschweig.

W. Braunschweig, 30. Oft. 1913. Der Herzog- Regent hatte mittags im Thronsaal des Residenz­schlosses die Mitglieder der Landesversa mmlung wwie die Spitzen der Behörden eingeladen. Der Herzog-Regent hielt eine Ansprache, in der er u. a. Nte:Bewegten Herzens heiße ich Sie hier zum letzten Male willkommen. Es ist mein Wunsch Ionen, den berufenen Vertretern des Landes, ali Regent des Herzogtums feierlich Lebewohl zu sagen/ Darauf erwiderte" Staatsminister Hartwig. Der Präsident der Landesversammlung, Kreisdirektor Krüger-Wolfenbültel, betonte u. a., daß das Ver- I trauen, das die Bevölkerung in die Regierung des Regenten gesetzt habe, nicht getäuscht worden sei, und I -chwß mit einem dreifachen Hoch auf das Regenten­paar. Nachdem der Herzog-Regent nochmals herzlichst gedankt hatte, verließ er unter großem Vortritt den Lhronsaal. Die amtlichen ,Braunschw. Anzeigen' I veröffentlichen an der Spitze ihrer heutigen Ausgabe I folgenden Erlaß des Herzogregenten:

3"t Begriff, von dem so teuren Braunschweiger Land I 8U scheiden, das der Herzogin, meiner Gemahlin, und I e,ne ^ette Heimat geworden ist, sagen wir der Be» I volkerung des Herzogtums für alle uns erwiesene Siebe unb Anbänglichteit unseren wärmsten Dank. Möge Gottes I Segen auch in Zukunft auf dem Lande und seiner Be­völkerung ruhen. Johann Albrecht.

* Berlin, 30. Oft. 1913. Die Reise des braun- schweigischen Herzogspaares nach Braunschweig wird am Montag den 3. November, 10 Uhr vormittags von Rathenow erfolgen. In Völpke an der braun«

I schweigischen Grenze wird das Herzogspaar vom Hofstaat feierlich begrüßt werden; um 12ss» Uhr findet in Braunschweig am Bahnhof Empfang durch die städtischen und staatlichen Körperschaften statt. Darauf erfolgt im Thronsaal die Verlesung der Thronrede. Eine Parade, Galatasel und Galaoper schließen sich an.

Tie Königsvorlage in der bayerischen Kammer.

d" München, 30. Oft. 1913. Bei der heutigen Kammersitzung war das Haus voll besetzt, die Tri­bünen waren überfüllt. Nach einleitenden Worten des Kammerpräsidenten Örterer begründete der Ministerpräsident Frhr. v. H e r t l i n g die Königs­vorlage in freiem Vortrag. Er sagte:

In einem monarchischen Staate sei eine Regentschaft wegen andauernder Regierungsunsähigkeil des Monarchen ein anormaler Zustand. Nach langen Erwägungen habe sich die Regierung zu dem einzigen gangbaren Weg der Verfassungsänderung enlichloffen. Bisher habe sich di« Stratsregierung dem Wunfche der allerhöchsten Willens­meinung des Prinzregenlen Luitpold gebeugt. Prinzregent Luitpold sei heimgegangen und ein Regenlschaftswechsel eingetreten. Der monarchische Gedanke, die Empfindungen weiter Volkskreise, die Stellung Bayerns nach außen, sie alle verlangen, daß an der Spitze des Königreichs ein regierungsfähiger Kömgstehen möge. Der Mtnisterpräfidem verliest dann die Verfassungsbeittmmung, der der Artikel zugesügt werden soll, und fährt fort: Danach kann bei Regent die Regentschaft für beendet erklären, er kann es, wert er während der Regenlschast der stellvertretend« Inhaber der vollen Königsgewalt ist. Er kann, aber er wuß nicht. Es ist feinem Ermessen anheimgestellt, ob et den Zettpunlt für geeignet hält, und wenn er ihn für geeignet hält, die Regentschaft für beendet zu erklären, so ist der Landtag unverzüglich einzuberusen. Nun liegt es an Ihrem wohlbekannten, ernsten Pfl chtempfinden und Ihrer praktischen Hingabe, den schweren und verant­wortungsvollen Schritt, den die Regierung unternommen hat, zu einem guten Ende zu führen.

Im Namen ber Zentrumspartei erklärte Lerne die Zustimmung zur Vorlage, wozu das Zentrum sich nach längerer Beratung entschlossen habe. Die Fas­sung der Vorlage entspräche dem monarchischen Ge­fühl. Die Verfassungsänderung möge dem Lande und dem Volke zum Segen gereichen. Cassel- m a n n erklärte, die Liberalen hätten sich für die Zu-

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Ihr Ton klingt so eigentümlich gepreßt, ihr ganzes Wesen drückt solch nervöse Spannung aus Nor­bert bleibt stehen und blickt seiner Braut voll ins ®es sicht.

Licy, was fehlt Dir? Du umklammerst meinen Arm wie ein Schraubstock! Tut es Dir leid, daß Dk das Kollier verkauft hast?"

Nein. Wann wollen wir heiraten, Norbert?"

Je eher, desto besser."

Nächste Woche?"

Wann Du willst."

Oder diese Woche?"

Auch gut! Mir ist alles recht."

So wollen wir noch diese Woche heiraten,"

VIII.

Der nächste Abend bedeutet für Felicie einen gro­ßen Erfolg. Niemand, der sie alsOphelia" gesehen, wird sie je wieder aus dem Gedächtnis verlieren.

Die schmiegsame Grazie, die Unschuld und Lieb sichtest, die Naivität, welche die Rolle verlangt alle diese Eigenschaften besitzt sie tn höchstem Maße. Sie spielt kaum sie gibt sich völlig selbst und übl darum umso tiefere Wirkung.

Der Haupterfolg des Abends euer gebührt der Wahnsinnsszene. Wie sie, da^ aufgelöste Rabenhaar mit Blumen bekränzt, lächelnd die Bühne betritt, wie sie mit kindlichster Silberstimme spricht und singt und lacht und weint, wie dann Plötzlich ihr Blick starr und starrer wird und sie wild ausschreit ein Gruseln überläuft die Zuhörer, und mancher schüttelt den Kops über solch vollendetes Spiel bei einer so jugendlichen Künstlerin.

Als Felicie nach der Vorstellung ermüdet und ab­gespannt nach Hause kommt, empfängt die Mutter sie mit strahlendem Gesicht.

Tu hast großartig gespieft mein Herzblatt, wirk, sich großartig! Iw habe ~i wie ein Kind. Bin dann rasch nach Haase gcei't rnt Dir den Tee beteil zu halten. Wirklich großa-ssc,'"

Matt wehrt Felicie ab. Aos ihrer Brust liegt es wie ein Alp.

(Fortsetzung folgt

I Säckchen mit den Banknoten überreichte? Er nahm I es entgegen, als wäre es ein Sack mit Kupfermünzen! I lind doch mein Gott um welchen Preis habe I ich diese Banknoten erkauft!"

I , Leise aufschluchzend bedeckt sie das Gesicht mit den

I Händen. Dann starren ihre brennenden Augen wie­der auf die Bühne, woRomeo" soeben seinerJu­lia" erklärt: Die Lerche ist es nicht, es ist die Nachtigall"

Sie denkt gar nicht daran, ihre Empfindungen zu verbergen. In kollegialer Liebenswürdigkeit beginnen die Uinhcrstehenden sie aufzuziehen. . . .

. Noch unter dem Einfluß ihrer seelischen Erregung spielt sie ihre kleine Partie mit einer Verve und In­nerlichkeit, daß enthusiastischer Beifall ihrem Abgang folgt.

Der Direttor, Norbert, Gerda Douglas alle finb ihres Lobes voll. Man ist gespannt auf morgen auf ihr Auftreten alsOphelia".

Das Stück ist zu Ende.

Felicie und Norbert fahren mit Gerda Douglas nach deren Wohnung in der Elarkstraße, wo Gerda ihrem Versprechen getreu, mit der jungen Kollegin die Rolle derOphelia" eingehend durchnimmt.

Erst spät in der Nacht trennt man sich.

Barrington will einen Wagen heranholen; aber Felicie hält ihn am Arm zurück.

, »Mcht dock, Norbert! Laß uns zu Fuß gehen! Ich friere."

Er zieht ihren Arm durch den seinen, und beide schreiten schnell von bannen.

Wie Du zitterst. Lieh! Was beunruhigt Dich schon wieder?"

Nichts, nichts. Hast Du ihr das Geld gegeben?"

Natürlich, mein Lieb. Bist ein Hauvtmädel, daß Du mir so schön aus der Klemme geholfen hast. Du hast das Kollier hoffentlich nicht verkauft, sondern nur verfetzt?"

»Nein, ich habe es verkauft."

»Wie? Für eine so geringe Summe?"

Äch hätte sonst das ganze Geld nicht aus- | -eiben könne» Sprich nicht mehr davon!" *