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3. Blatt.

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Fuldaer Zeitung.

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Zreitag 51. Oktober 19(5.

Anf-

erstchen und ewiger Glückseligkeit! —

neue Sam zu neuem

A C schwung zwischen

** Die französischen Bischöfe «nd die Schule. Der Bischof von Orleans, Monsignore Tauchet, hielt in Artenah eine Rede, in der er erklärt, daß die fran° zösischcn Bischöfe, die nicht die Verweltlichung, son­dern die atheistischen Schulen bekämpf- t e n, angesichts der auf Einführung des staatlichen Unterrichtsmonopols abzielenden Bestrebungen der

auf, ihre Artillerie bereitete den Franzosen starke Ver­luste, und Wrede brachte 50 Kanonen ins Feld. Als aber der Hauptsturm Napoleons aus dem Walde brach, mähte er die österreichischen Regimenter vor sich zusammen, daß einzelne fast gänzlich aufgerieben wurden. Ueber sie hin brachen sich die Franzosen ihre Gasse durch das Heer. Unter großen Verlusten zog sich Wrede über die Kinzig zurück, Hanau wurde am 31. Oktober vom Feinde genommen und beseht. Wrede ward schwer verwundet und mußte den Ober­befehl an den österreichischen General Fresnel ab­geben. Napoleon aber konnte sich mit einem weiteren Verlust von etwa 10 000 Mann, wie er auf Seiten der Verbiindeten nicht höher und nicht geringer war, nun ungehindert in Eilmärschen dem Rheine zu­wenden, Deutschland besiegt verlassend.

Der Anschlag war mißglückt, dem bedeutsamen Auftrags, den geschlagenen Kaiser abzufangen, war Wrede nicht gewachsen gewesen. Den Berichten nach war er Napoleon rein zahlenmäßig schon unterlegen, seiner Artillerie ging am Abend der Schlacht das Pulver aus. Die Tage von Leipzig hatten alle Ver­bündeten mit solcher Zuversicht erfüllt, daß sie Na- volcon mit geringen Mitteln zu halten glaubten. Der Tag von Hanau, der einer der geschichtlich bedeut- sanisten hätte werden können, ging wirkungslos vor­bei, und es dauerte noch fast Jahre, ehe sein Ziel zur Wahrheit wurde.

— Zigarren ohne Feuer. Mittel und Mittelchen, die den eingefleischten Raucher die Zigarre oder Zi­garette ersetzen sollen, gibt es in hinreichender An­zahl, die sich allerdings sämtlich keiner großen Be- liebheit in Raucherkreisen erfreuen. Wie die natur- wissenschaftlich-technische Wochenschrift „Umschau" be­richtet, hat nun ein erfindungsreicher Franzose feinen Landsleuten das Neueste auf diesem Gebiete zur Ver­fügung gestellt: die Zigarre ohne Feuer, d. y. ein Machwerk, das ohne Tabak und ohne Feuer Rauch eniw'ckelt. wobei bei Rauch noch keimtötende Wirkung

Unterrichtsmonopols abzielenden Bestrebung^.. ... Radikalen sich zu einem energischen Vorgehen ent­schließen müßten. Er sei der Ansicht, daß die beste Antwort auf die Treibereien der Combisten in der Schließung aller katholischen Privat- schulen bestände. In unseren Schulen, so erklärte

waltige Gottespredigt, vom Sterben und Vergehen, von allgewaltiger Liebe aber auch, und vom

Odem des Leben weht über herbstliche Fluren, lebt und webt im Tode. Der Schöpfer hat uns da ein Bild vor Augen gestellt, wie es ergreifender in der Größe und Tiefe seines Gedankens nicht gedacht werden kann, ein Bild, das so wahrhaft tief unsere Seele erschüttert und sie schon im Staubgewande em­porhebt an das Vaterherz Gottes. Es ist nur die Hülle, die wie die Blätter im Herbst verwelkt. Das Ewige, das Unvergängliche, Geist und Seele, lebt in diesem Sterben und in diesem Tode und schwingt sich auf zu einem nimmer endenden Leben voll Schönheit des Frühlings, Reife des Sommers und Glut des Herbstes, über dem siegend die Sonne der Ewigkeit leuchtet, — ein Allerheiligentag ohne Ende."

Allerseelen! Wie mischt sich in diesem Ge­danken starre Wintersnot und doch auch wieder Früh- lingsboffen! Die Erde schließt mit starrer Scholle das Sterbliche und doch trotz kommendem Eis und Schnee muh sie es wieder in neuem unentweihtem Glanze dem Frühling wiedergeben, wenn die Sonne ihre Gewalt ausgeübt, den Boden gelockert und dem unsterblichen Keim die Bahn zum Licht gebrochen.

Nicht anders ergeht es der schönsten Blume gött­licher Schöpfung, dem Menschen, sofern er gute Frucht in seinen Erdentagen hervorgebracht hat.

Deshalb stehen wir nicht verzweifelt an unfern Gräbern, von denen wir zu Gott hoffen, daß ein neuer Frühling dem ewigen Lichte entgegen blühen soll.

Wohl erschließt sich bei den Hügeln, die für man­chen ein gutes Stück des eignen Herzens gebannt halten, der Wehmut und der Sehnsucht Tränenquell. Aber, in diesen Diamanten reiner Liebe sprüht des Himmels Sonnenstrahl in wunderbarem Farbenlichte, und sein heller Schein strahlt auch in das bedrängteste Herz die erwärmenden, neuen Lebensgeist weckenden Funken.

Alte Wünden brechen an den Gräbern auf, aber der süße Balsam, den die heilige Religion hinein­träufelt, bewirkt in seiner göttlichen Wundermacht, daß auch der Schmerz in Seligkeit sich wandelt.

Hier bet der Stätte des Todes wird so recht wahr des Dichters Wort: Groß ist der Mann, Der beten kann! Er trägt in seiner Brust den Sieg über Ver­zweiflung und Tod davon, seine Macht reicht mit dem Gebete über die Schranken des Grabes hinweg.

Wie tief empfunden singt nicht Annette von Droftc-Hülshof:

Und wenn von denen, die mir teuer waren, Als noch um sie die Erdenhülle lag. Vielleicht noch mancher nicht dein Heil erfahren, Roch fruchtlos harrt auf der Erlösung Tag: O Gott, ich ruf' aus meiner tiefsten Seele, Steh' ihnen bei, mein Gott, verlaß sie nicht! Auf ihren Schmerz sieh, nicht auf ihre Fehle; Steh auf mein einsam trauernd Angesicht!

In unserer Zeit, deren hochmütiger Geist alles verneint, scheint uns das Allerfeelenfest eine ganz be­sondere Bedeutung für die gläubige christliche Welt zu haben. Es ist eine glänzende Gelegenheit, den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele zu bekunden,

[] Die Schlacht bei Hanan.

30. und 31. Oktober 1813.

, Rach den Kriegstaten und Siegen um und in Leipzig blieb nicht Zeit zu viel Erholung und Feiern. Es galt, den überwundenen Feind zu verfolgen; zu verhindern, daß er sich aus seiner Rückzugsstraße dem Rheine zu erhole, neu ordne und wieder stark werde. Mangelnde Uebergänge über die Pleiße und Elster behinderten aber den Anfang der Verfolgung, so daß die französische Armee auf ihrer tadellosen Rückzugs­straße Ersi-rt—Eisenach—Fulda—Hanau—Mainz

einen Vorsprung von 18 Stunden bekam. Nach einem ergebnislosen Gefecht bei Kösen war Napoleon auf seinem Wege nach Erfurt nicht mehr aufzuhalten. Die Franzosen marschierten von Leipzig kommend durch Thüringen über die große Heerstraße von Fulda in das Kinzigtal. Das bayerische Korps unter Wrede wollte ihnen bei Hanau den Weg ab- schneiden. Erst bestand der Plan, die Franzosen in den unwegsamen Vogelsberg zurückzudrängen, doch Napoelon änderte seine Route und marschierte nach der Welterau, sodaß die getäuschten Feinde ihm nachziehen nußten und er sich mit schneller Wendung die Ebene von Hanau für den Kampf sichern konnte. Der Hauplkern der Truppen kam durch den Engpaß bei Gelnhausen ungehemmt vorwärts, warf die vereinig­ten bayerischen und österreichischen Abteilungen Wredes zurück und nahm den Dort Langensel­bold im Sturm.

Am 30. Oktober kam es zu der eigentlichen Schlacht bei Hanau. Der dichte Lambohwald bei der Stadt hinderte das Vordringen Napoleons und ermöglichte ihm kein Aufrollen der Schlachtlinie, aber er verdeckte seine Operationen so glücklich dem Feinde, daß Wrede — in seiner schlechtgewählten Stellung — sich vor dem Gegner sah, ehe er ihn ahnte. Lange hielten hier die Oesterreicher den Ansturm

bereit Bestehen eine Afterwissenschaft zu leugnen wagt, weil sie ihr noch „nicht unter bas Seciermesser gekommen ist!" Ob jene Leute, wenn sie fast totber Willen dem christlichen Gebrauche bes Gräberbesuches folgenb. in sich nicht ben Gedanken auftauchen sehen: „Wie, wenn du einmal unter das Richtschwert Gottes, das schärfer als alle Messer der Wissenschaft schneidet, gerafft?"

So ist das Allerseelenfest, mit seinen prunkenden Grabmälern wie mit seinen bescheidenen weißen Kreuzchen, mit Blumen und Lichtern, eine große ge-

der Kirchenfürst, werden in manchen Departements mehr als die Hälfte der Kinder unterrichtet, liniere Lehranstalten kosten deut Staate nichts, aber anstatt uns dankbar zu sein, hat uns der Staat seit 30 Jahren als Feinde behandelt und verfolgt uns. Wenn wir ihm mit einemmale alle unsere Schulkinder überlas­sen, dann werden wir sehen, daß er die erforderlichen Schulgebäude, Lehrer und Geldmittel fordert. Wir werden diesen Entschluß nicht aus Mutlosigkeit, son­dern aus Eigennutz fassen, und wollen die Geldmittel, die wir bisher den katholischen Privatschulen widme­ten, den Seminaren, den Lehrlings- und Haushal­tungsschulen zuwenden. Dieser Entschluß kann aber nur bann wirksam werben, wenn er allgemein durch­geführt wird, und im Einvernehmen zwischen dem ge­samten Episkopat und den Führern der Katholiken in den einzelnen Diözesen erfolgt.

* Tie Stichwahlen in Italien. Die italienischen Stichwahlen kündigen sich durch neue Unruhen und blutige Händel an. Sie verdienen den Namen Stich­wahlen in der Tat, weil dabei gehauen und gestochen wird. So wurde in N e a p e l eine Massenkundgebung zugunsten des demokratischen Kandidaten, da sie zu Zusammenstößen mit den Anhängern des Gegners führte, durch Militär gesprengt. Die Straßen vom Bahnhof nach der Innenstadt blieben drei Stunden für den Verkehr gesperrt. Es gab zahlreiche Ver­wundete, die nach dem Krankenhaus gebracht wur­den. In Rom kam es anläßlich einer Wahlver­sammlung auf einem öffentlichen Platze zwischen Na­tionalisten und Sozialdemokraten zu einem argen

Kirche und Staat verfolgen. Die franzö­sischen Staatsmänner sagten bei der Aufgabe des

det. Der Landmann geht über die Felder und streut Leben in die immer alten Fur­chen. Ernte und Aussaat, Sterben und Leben reichen sich die Hände. Der Herbsttod gebiert Frühlingsleben. Nur durch die Pforte des Todes geht der Weg zu neuem, unvergänglichem Leben. Was grünt und blüht, verwest und stirbt. Doch neues Wachstum lebt schon in diesem Verwelken und Sterben. Der

Konkordats den baldigen Untergang der Kirche vor- aus und Clemencean erklärte, der Papst würde sicher das Trennungsgesetz mit seinen 300 Millionen Francs annehmen Die Festigkeit des Papstes und der französischen Bischöfe und Priester machte den französischen Jakobinern einen dicken Strich durch die Rechnung: die französische Kirche ist heute arm, aber an religiöser Innerlichkeit und Op­fermut ist sie reich geworden. Das Trennungs­gesetz hat den französischen Klerus gezwungen, etwas mehr aus sich heraus und unter das Volk zu gehen und die katholischen Laien, die früher der Kirche ziemlich gleichgültig gegenüberstanden, haben begrif­fen, daß die neue Lage auch ihnen neue Pflichten schuf. Daraus c-ssiand eine gemeinsame religiöse und soziale Aktion ne sich über die politischen Sorgen erhob. Der Klerus, auf sich selbst gestellt, wurde mit freundlicheren Augen auch von außerhalb der Kirche Stehenden betrachtet. Die Brutalität der Combisten und der Jakobiner in der Ausführung des Tren­nungsgesetzes hat sehr viele Leute abgestoßen. Na­türlich" geht dieser religiöse Aufschwung nur langsam vor sich, aber er ist da und wird sich durchsetzen. Die Hauptsache ist, daß die französischen Katholiken dem Worte des Papstes folgen und ihre politischen Zwi­stigkeiten wirklich einmal ganz bei Seite legen und in der Tätigkeit zum Wohle der Religion einig und planmäßig vorgehen. Denn die Macht des Jakobinis- mus ist noch lange nicht gebrochen, im Gegenteil ist ein neuer Angriff auf die Kirche und die Katholiken zu erwarten. "Wenn die französischen Katholiken klug sind und in ihrer bisherigen Tätigkeit fortfahren, werden sie aber auch diesen Angriff abschlagen.

f Allerheiligen — Allerseelen.

Allerheiligen — Allerseelen! Eine eltsame Zusammenstellung, — mag derjenige denken, ier nicht durchdrungen ist von dem Geiste des Chri- tenturns, und doch, die gläubige Seele sie erfaßt so­wohl den frohen Jubel, der am Feiertag durch die Kirchenhallen braust zur Feier „Aller Heiligen", wie sie am folgenden Wochentage von der Totenklage er­griffen wird, die „Aller Seelen" gedenkt, die Gottes Ratschluß aus unserer Mitte nahm, lieber beiden Tagen erbebt sich die gpldene Sonne göttlicher Liebe, die uns Erdenstreitern in der verklärten Welt neue Schutzgeister bestellt, die uns aber auch selbst befähigt, unsre Liebe über das stille Grab hinaus, denen zuzu­wenden, die selbst für sich nicht mehr bei Gottes Barmherzigkeit werben können.

Allerheiligen — Allerseelen, nicht bedeutet für uns der Tod, Vernichtung, eitel Rückkehr zur Mutter Erde, rettungslose Verzweiflung und Zerstörung, son- dern neues Leben, Reinigung von allem, was irdischer Makel und endliche Verklärung, Auferstehung zum Glanze der reinen Heiligkeit, die Gott anschaut!

Allerheiligen! — Mit Recht nennt den Tag ein zeitgenössiger Schriftsteller die Ankündigung des neuen Frühlings.

„Dem Herbst, der Baum und Strauch entlaubt, folgt ein Frühling, der sie mit neuem Schmuck beklei-

Xuslanö.

:t langsamer aber stetiger religiöser Auf- äßt sich in F r a n k r e i ch seit der Trennung

Krakehl, der zuletzt in eine wütende Prügelei aus­artete und von der Polizei unterdrückt werden mußte. Auch hier gab es fünf Verwundete. Der kommende Sonntag dürfte sehr bewegt werden.

* Das neue konservative Kabinett Dato in Spanien. Die Berufung der Konservativen unter Fübrung des lintskonservativen Rechtsanwalts Dato zur Regierung wird in Madrid in liberalen Kreisen günstig aufge- nommen. Dies Kabinett kann, wie es heißt, auf die Unterstützung der Anbänger des früheren Minister- präsidenlen Romanoncs und Garcia Prietos zählen. Im konfervaliven Lager um Maura dagegen herrscht eine sehr deutlich zum Ausdruck kckmmende Ver­stimmung. Das Parlament wurde aus unbestimmte Zeit vertagt.

Ans dem Nachbar gebiete.

! Gioßenlüder, 31. Ost. 1913. Die jüngst hier veröffentlichte Meinungsäußerung eines auswärtigen Großenlüderers über die Verunstaltung des Langenberges durch den Betrieb einer Kalk­brennerei hat nicht überall Zustimmung gefunden. Man siebt eben in der Anlage des neuen Kalkofen^ an der Queest vor allem ein Mittel zur Hebung des wirtschastlichen Lebens. An eine Verunstaltung des Langenberges sei dadurch gar nicht zu denken, weil diese Stelle ein ganz nackter gellenbügel ist, worauf noch nicht einmal ein Dorn oder Strauch ein geeb­netes Plätzchen zum Wachsen findet; aber im Innern ist er reich an Schiefer- und Muschel-Kalksteinen.

4t tzersfeld, 30. Okt. 1913. Im Gege>-'"atz, zu den Landwirten im Kreise Fulda dürfen die Land­wirte unseres Kreises auf eine baldige Beschaffung elektrischer Kraft rechnen. Es besteht nämlich der schon ziemlich weit gediehene Plan, den Kreis Hersseld an das Netz der Ueberlandzentrale der Edertalsperre anzuschließen. Um die Landwirte mit dem Wesentlichen der Verwendung elektrischen Stromes in ihren Betrieben vertraut zu machen, wurde in der letzten Kreistagssitz ng ein belehrender Vortrag gehalten. Die lieber'andzentrale an der Talsperre wird Drehstrom von 5000 Volt Spannung erzeugen, der, auf 60000 Volt transform ert, den in den Kreisen zu errichtenden Haupt - Verteilungs« sormatoren zugesührt und dort aus 15000 Voll transformiert wird. Von da wird ocr Strom zu den Ortstranssormatoren geleitet und in diesen auf die Betrieisipannung von 120 bis 210 Volt gebracht.

d Büdingen, 30. Okt. 1913. Das Dienstpersonal des Landwirts Harth in Bös-Gesäß wurde von dem Gespann der durchgehenden Pferde geschleu­dert. Dabei erlitt ein Mann einen schweren Unter­kieferbruch, ein Mädchen trug arge Quetschungen davon. Schließlich stürzten auch die Pferde, eins zer­riß sich eine Beiusehne.

** Hanau, 30. Okt. 1913. Zwei Rekruten des Ulanenregiments entfernten fich vorgestern, nur mit Drillichanzug und Schnürschuhen bekleidet, von ihrem Truppenteil. Der eine von ihnen stellte sich am selben Abend noch in Fechenheim frei­willig der Polizei, wo er von einem Unteroffizier des Regiments abgeholt wurde. Der andere hatte sich nach Wiesbaden, wo er beheimatet ist, begeben; er wurde gestern dort festgenommen und dem Regiment wieder zugeführt. Vermutlich hat das Heimweh die jungen Vaterlandsverteidiger veranlaßt, sich von ihrem Truppenteil zu entfernen.

* Frantjurt a. M, 30. Okt. 1913. Die Verhand­lungen des hiesigen Vereins für Flugsport-Veranstal­tungen mitPegoud, dem Sturzflieger, ibn zu einem Schausluge in Frankfurt a.M. zu gewinnen, sind von Erfola gewesen.

f Frankfurt a. M., 30. Okt. 1913. Die am 3. November hier zusammentretende Kreissynode des evangelischen Konsistorialbezirks Frankfurt wird sich auch mit einer Vorlage beschäftigen, in der die Gründung einer evangelisch-theologi- s ch e n Fakultät an der im nächsten Jahr zu er­öffnenden Universität gefordert wird.

m. Vom geldderg, 30. Ott. Im Kapitelsaal des Feldberglurmes wurde in Gegenwart einer großen Festgemeinde eine Bronzestatue von August Rave n­stein, dem Gründer des Taunusklubs, enthüllt. Die Weiherede hielt der Präsident des Gesamt- Taunusklubs, Peter Kittel (Frankfurt).

st. Königstein, 30. Okt. 1913. Durch die Wasser­schürfungen der Frankfurter Hospilal-Verwallung im MammolShamer Walde Hal die Wafserzufuhr der städtischen Leitung aus dem Reichenbachtale nach­gelassen. Die städtischen Behörden haben bereits Maßnahmen zur Abhilfe des Mißstandes in die Wege geleitet.

s Groß-Korben, 30. Okt. 1913. In zahlreichen Orten der Umgebung tritt der Scharlach mit ziem­licher Heftigkeit auf und hat auch schon verschiedene Opser gefordert.

haben soll. Diese sogenannte Zigarre, die von außen aussieht wie jede andere, besteht aus einem mit tabak­braunem Papier umklebten Glasrohr und ist zur Er­höhung des Vertretens mit einem bunten Papier­ringe tierjeben. In dem spitzen Ende der Zigarre befindet sich ein kleines Loch. Am anderen Ende ist das Glasrohr mit einem harzigen Stoff verschlossen; hinter diesem Harzpfropfen befindet sich eine Schicht zerkleinerten Zimtes, dann folgt ein Häufchen zerklei­nerten Bimssteines, der mit Salzsäure getränkt ist. Den Schluß des Innern der antiseptischen , Zigarre bildet ein Pfropfen aus weichem Harz, der in seiner Bohruiia Stückchen von kohlensaurem Ammon ent­hält. Die „Ingangsetzung" einer solchen Zigarren- orelle vollzieht sich so, daß mit einer gleich mitver­kauften Radel der vordere Harzpfropftn durchstochen wird. Saugt man dann an dem spitzen Ende der Zigarre, so geben die Ammoniakdämpfe bei Berüh­rung mit der Salzsäure dichte Rauchmengen, denen durch das Zimtpulver Wohlgeruch verliehen wird. Der Genuß für das Auge ist jedenfalls grpßer als für ?iafe und Gaumen.

— Für den Fuchs. Aus Kiel schreibt man der „Köln. Zig.": In unserer Provinz ist der Fuchs als ausgemachter Schädling fast ausgerottet. Freunde des Heimatschutzes befürworteten bisher vergeblich die Erhaltung dieses ansehnlichsten Raubtiers der Nord­mark. Der Nützlichkeitsgrundsatz entschied gegen den Fuchs. Jetzt kommen aus landwirtschaftlichen Krei­sen lebhafte Klagen über nachteilige Folgen der Ausrottung des Fuchses. Wo der Fuchs verschwindet, vermehren sich die wilden Kaninchen derart, daß sie eine Landplage bilden. Sie unterwühlen den Boden, daß er für den landwirtschaftlichen Betrieb nicht mehr verwendbar ist und nur durch Aufforstung einen be­scheidenen Nutzen abwerfen kann. Landwirtschaftliche Vereine treten deshalb jetzt für die Schonung des Fuchses, des besten Vertilgers der wilden Kaninchen, ein. Sonst dürfte dieses für das Landschaftsbild charakteristische Tier uns erhalten bleiben.

b Bilbcl, 30. Okt. 1913. Das Bruderpaar Pro< von hier wurde in Frankfurt verhaftet. D«t ältere Bruder hat in Frankfurt ungezählte Einbrüche verübt, von denen er bis jetzt 17 gestand. Die hier, bei gemachte Beute wurde von dem jüngeren Bruder aufbewahrr.

g Cronberg, 30. Okt. 1913. Am Westhang« bei Altkönig wurden die Rest« einer alten Glas­hütte aufgefunden. Auf dem Platze liegen zahl­lose Schlacken und Glasscherben, auch der Pottaschen- play ist noch deutlich erkennbar, ebenso die Pfosten­löcher, in die die leichten Pfosten der Glashütte ein« gelassen wurden. Einschließlich der Altkönighütte find jetzt Glashüttenplätze im Hochtaunus bekannt. Am bekanntesten ist der Ort Glashütten selbst, bei seine Entstehung einer solchen Siedlung im 17. Jahr­hundert verdankt Die Glashütten wurden inmhten der großen Waldungen angelegt, die bann von den Glasbrennern systematisch abgeholzt wurden. Das gute Holz fand als Brennmaterial Verwendung, bas geringe brannte man zu Pottasche. Wenn der Distrikt abgeholzt war, siedelten die Glasbrenner in ein an­deres Gebiet über. Die Verpachtung der Waldbezirke an Glasbrenner verschaffte den Herrschaften erheb­liche Einnahmen. Aber auch der Staat kam nicht zu kurz, denn er erhob von den Getränken, die den Schmelzern verabfolgt wurden, eine — Steuer. (Auch in unserer Rhön gab es solche Glashütten, wie der Name eines Dorfes — Glashütten bei Motten — be­weist. Die Red.)

* Rübesheim, 30. Okt. 1913. Eine teuere Zigare11» hat sich der Kellner Gottfried Daniel von Wiesba .n geleistet, als er in der Nacht zum 26. Juni von Wiesbaden nach Rüdesheim fuhr. Er setzte sich mit einer brennenden Zigarette in ein Nichtraucherabteil, drehte das Schild „Nicht­raucher" herum und weigerte sich beharrlich, das Rauchen einzustellen oder eines der leeren Raucher­abteile aufzusuchen. Infolgedessen sollte er, nachdem bereits auf den Stationen Wiesbaden und Biebrich- West erregte Auftritte stattgefunden hatten, die eine Verspätung des Zuges verursachten, in Schlierstein von der Weiterfahrt ausgeschlossen werden. Zwei Schaffner und ein Zugführer konnten den dabei von Daniel geleisteten Widerstand kaum brechen. Wegen dieses Widerstandes nahmen ihn die Schöffen in 100 Mark Geldstrafe.

* Darmstadt, 30. Oktdr. 1913. Wegen Unter­schlagung von 82,438 Mark verurteilte die hiesige Strafkammer den Bevollmächtigten der Offen­bacher Kohlen - Filiale der Firma Mathias Stinnes, Adolf Hille, ,u 1 Jabr 6 Monaten Gefängnis.

* Aschaffenburg, 30. Okt. 1913. Prinzregent Ludwig hat wegen der Königsfrage seinen Jagd- ausslng nach Rohrbrunn und daran sich anschließen­den Besuch Aschaffenburgs in die zweite Hälfte des November verlegt.

* Würzburg, 30. Okt. 1913. Der bekannte H ut- tensche Garten ist durch den vollendeten Umbau das größte und erstklassigste Etablissement der Stadt geworden, ja noch mehr, er ist ein wohlgelungener Ersatz sirr eine städtische Festhalle.

vermischtes.

* Entfuhrt. In Buisdorf bet Siegburg im Rheinland wurde ein Mädchen von den Insassen eines durch den Ort fahrenden Autos eingeladen, mitzufahren. Das Mädchen ging darauf ein und ist bis jetzt nicht zurückgekehrt. Es ist zweifellos entführt worden.

* Durch die Geistesgegenwart eines Bahnbedien­steten wurde auf dem Personenbahnhof Weinheim a. d B. eine in den 50er Jahren stehende Frau vom sickeren Tode gerettet. Die Frau wollte, um nach Fürth weiterzufahren, auf Bahnsteig 1 gelangen, ging aber, statt die Unterführung zu benutzen, trotz strengen Verbots direkt über die Gleise. Offenbar hatte sie nicht wahrgenommen, daß aus der entgegen­gesetzten Richtung gerade der Eilzug nach Frankfurt in den Bahnhof einlief. Der aufsichtführende Fahr­dienstbeamte Eisenbahnassistent Horlaacher übersah die S'tuation und sprang unter eigener Lebensgefahr der Frau nach, um sie zurückzureißen. _ In vollstän­diger Verwirrung leistete diese aber Widerstand mit­ten auf dem Gleise, und beide Personen schienen ret­tungslos verloren. In diesem kritischen Moment versetzte der kaltblütige Beamte der Frau. einen so wuchtigen Stoß, daß sie über das Gleis hinwegflog und zunäckst besinnungslos liegen blieb. Der Ret­ter selbst sprang — fast schon von der Lokomotive berührt — im letzten Augenblick vom Gleise zurück. Alles war das Werk weniger Sekunden. Die we­nigen Zuschauer, die den aufregenden Vorfall be­obachtet hatten, beglückwünschten den Beantten zu der mutigen Tat. .„

* Eine eigentümliche llebertretunq des Retchspost- Gesetzes kam vor dem Schöffengerichte Hamburg zur Aburteiluna. Vor längerer Zeit entdeckte die Hamburger Poftoerwaltung, daß sich auf dem Dache der englischen Kirche am Johannis-Bollwerk zwischen dem Fahnenmast und dem Schornstein eine Antenne ür drahtlose Telegraphie befand. Eine Ge­nehmigung hierzu war nicht eingeholt worden. Zu­nächst stellte sich Sp'onaae-Verdacht ein, dann wurde estgestellt, daß die Feinkspruch - Station, der die An­tenne diente, in dem englischen Seemanns - Institut von einem an der Kirche tätigen englis hen Geistlichen eingerichtet worden war und daß sie hauptsächlich dazu diente, Meldungen einkommender englischer See- chiffe aufzufangen, die man im Interesse der engli» scheu Müfions-Änstalt verwandte. Natürlich wurden auch andere Meldungen aufgelangen, so z. B. allge­meine Nackricklen von der Nordsee-Station Norddeich. Die Angeklagten, Pastor Sea'.y und Verwalter Olson, entschuldigten sich mit der Unkenntnis des Gesetzes und damit, daß sie ohne persönliche Vorteile zu reinen Missionszwecken gehandelt hätten. Das Gericht er­kannte auf die Einziehung der Anlage und eine kleine Geldstrafe.

* Durch Schundlektüre ins Zuchthaus. In Braun­schweig verhandelte das Schwurgericht gegen eine 22jährige Frau Buschhorn, die infolge bedenklicher Vorkommnisse von ihrem Manne verstoßen, von einer Familie Gentes aufgenommen worden war und die den Sohn dieser Familie mit einem Revolver nieder- schoß, als der Junge sah, daß die Frau Bmchhorn seinen Eltern Geld stahl. Die Verhandlung entrollte ein Bild entsetzlicher moralischer Verwilderung der aus gut bür'erlichen Verhältnissen stammenden An­geklagten. Emen Fingerzeig dafür, wie die Busch­horn zu einer solchen Verkommenheit herabgesunken ist, gab die Aussage einer Zeugin. Die Mittler des ermordeten Knaben betunöete, daß Frau Buschhorn den ganzen Tag über am Fenster gesessen und Schundromane, das Stück zu 10 Pfennig, gelesen habe. D>e Geschworenen erklärten die An-