2. Blatt.
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<*»* $uföact Zeitung. * Vo«»err1ag 50. Gttober 1H5.
Lokaler.
Fulda, 80. Oktober 1913.
* Der LandtS-Aukschuß tritt zu seiner letzten die»- jährigen Tagung am 24. November in Kassel zu- lammen. Die Verhandlungen beziehen sich auf die Demnächst dem Kommunallandtag zu machenden Vorlagen, insbesondere auf die Voranschläge für das Etatsjahr 1914 betreffend der Hauptverwaltung und der zahlreichen Anstalten und VerwaltungSzweige.
* Ordensverleihungen. Dem Pfarrer Andreas Möhl zu Hofgeismar und dem Metropolitan und Pfarrer a. D. Fr. BiSkamp zu Kaffel wurde der Rote Adlerorden 4. Klaffe verliehen, dem Pfarrer und Kreisschulinspektor Friedrich Hufnagel zu Hanau» Keffelstadt und dem Oberlehrer a. D. Prof. Dr. Ernst Richter zu Kaffel der Kgl. Kronenorden 3. Klaffe, dem Hauptlrhrer und Kantor HanS Bambey zu Simmershausen im Landkreise Kaffel der Adler der Inhaber des Kgl. HausordenS von Hobenzollern, dem Fleischbeschauer, AuSzügler Adam Kreh zu Kempfenbrunn im Kreise Gelnhausen das Allgemeine Ehrenzeichen.
& Reinigung der Straßen in den Landgemeinden. Am 1. November d. Js. tritt unter Zustimmung des KreiSausschuffeS eine Polizeiverordnung über die Reinhaltung der öffentlichen Wege in den Landgemeinden de» Kreises Fulda in Kraft. Danach müffen die innerhalb der geschloffenen Ortslage liegenden Wege jeden Mittwoch und Samstag gereinigt werden. Die Anordnung ist sehr zeitgemäß, da in manchen ländlichen Orten die Reinigung willkürlich vorgenommen wurde und auch hie und da zu wünschen übrig ließ. Den Ortsvorstehern ist die sorgfältigste Beachtung der Bestimmungen S Pflicht gemalt und Uebertrelungen sollen unnach- tlich bestraft werden. ES liegt außer gesundheitlichen Rücksichten auch im Interest« der Gemeinden selbst, wenn ihr Ort durch möglichst saubere Straßen und Wege einen freundlichen Eindruck macht.
Der Einspruch gegen die Berechnung des Wahl- resultatrs der Ausschußwahl der Allgemeinen Orts, krankenkasse der Stadt Fulda, vom Sozialen Ausschuß von Fulda und Umgegend erhoben wurde, ist von der vorgesetzten Behörde als berechtigt anerkannt worden. Wir werden auf diese Angelegenheit zurückkommen.
« Di« Frage der Verunreinigung der Flutzläuf« durch Kaliadwäster und ander« berührt bekanntlich auch di« Stadt Fulda sehr nah«. Sie wurde jetzt in Magdeburg auf der Hauptversammlung de» westdeutschen Fischereiverbandes eingehend besprochen. Baurat Mierau-Magdeburg sagte u. a.:
Durch di« Abwästrr litten die Binnenfischerei, die Landwirtschaft, die Kommunen, die Volksgesundheit, die Industrie. Sowohl die anorganis den wie die organischen Abwäster seien schädlich. Die meisten Fischsterben würden durch Fäulnis verursacht, die den Sauerstoff verzehr« und die Fische ersticken lasse. Wo es möglich sei, die Schadenquellen nachzuweisen, hätten die preußischen Behörden für Abhilfe oder wenigsten» für Besserung der Reinigungsanlagen gesorgt. Bet der Kali- Endlaugenfrage verlang« «r, daß di« vom ReichS- gesundheitsamt frstgelrgten Greiizzahlen der zulässigen Verhärtung und Berchlorung nicht überschritten würden. Die Frage könne nur durch Reichsgesetz geregelt werden. ES sei aber auch jetzt schon manches geschehen, was man daraus erkennen könne, daß die Kalifabriken anfingen, zum Berd amp fung so ersah ren überzugehen, nachdem di« Bezirksausschüsse di« Kon- zesfion zur Errichtung von Kalifabrtken verweigert hätten. Geheimrat Eberts roie» nunmehr darauf hin, daß die Frage der Reinhaltung der Gewässer den Verband bereits seit ftirtm fast dreißigjährigen Bestehen beschäftig«. Wenn auch der Einfluß der Kaltabwässer auf die Fischerei noch nicht einwandfrei festgestellt sei, so lägen doch Untersuchungen vor, di« deren Schädlichkeit Keifellos erscheinen ließen. In welcher Weise sich der ädigende Einfluß der Kaliabwäier auf die Fischerei vollziehe, bedürfe noch der Feststellung. Den vorliegenden — sich vielfach widersprechenden — Gutachten brächten die Fischer große» Mißtrauen entgegen, und dies umsomehr, alS ft» mit der zunehmenden Verunreinigung der Gewässer «ine stetige Abnahme des Fisch, bestände» beobachteten. Ihr Ziel fei ein ReichLgesetz im Sinn« der Ausführungen des Unterstaatssekretärs Dr. Richt«r im Reichstage, daß die Regelung der Adwässer- frage nicht nur für die Kalilaugen, sondern für alle Abwässer, di« schädigend auf die Wasserläufe wirken könnten, zu erfolgen habe. Es wurde beschlossen, eine entsprechend« Eingabe an den Reichskanzler zu machen.
A Die Studienberechtigung der Oberlyeeen. Das preußische Kultusministerium hat einen Erlaß her» ausgegcben, durch den die Studienberechtigung der Oberlyeeen erweitert wird. Dieser Erlaß ist für diejenigen Frauen und Mädchen, die sich höheren Studien widmen wollen, von erheblicher Bedeutung. Die neuen Bestimmungen betreffen zunächst die
Kleines Feuilleton.
— Schüchterne Kinder. Gar manche Mutter wird es schon peinlich empfunden haben, wenn eins threr Kinder bei Besuchen, die ins Haus kommen oder die sie selbst ntti dem Kinde in diesem noch fremde Familien macht, befangen ist, oft so sehr, daß es von emer Art Angst befallen wird und durch nichts überredet werden kann, wenigstens Fragen zu beantworten. Da erkennt die Mutter manchmal ihr eignes Kind nicht wie- der, um so mehr, als es zu Hause doch ganz anders sich benimmt und hier ein Wildfang ist, eher naseweis als zurückhaltend. Woran liegt diese auffällige Wandlung? Nun, es handelt sich lediglich um einen sogen, „geselligen Fehler"', der durchaus nichts Schlimmes zu bedeuten hat und auch leicht beseitigt werden kann, wenn man nur Geduld besitzt und die rechten Mittel anwendet Die Hauptursachc ist, das Kind öfter mit anderen Kindern, ja auch mit Erwach, feiten zusammenzubringen, es möglichst viel in andere Verhältnisse einblicken zu lassen, ihm öfter eine andere Uebung, einen gewissen Verkehr zu verschaf- fen. So nach und nach kommt das Kind dann „au? sich heraus". Schüchterne Kinder muß man beizeiten rn eine derartige Bcbandlung nehmen, darf sich aber die Mühe nicht dadurch erschweren und das Kind auf andere Weise wieder ängstlich machen, indem man ihm z. B. Märchen erzählt, die Furcht und Grausen erwecken, man darf ihm nicht drohen mit heimlichen Mächten, wie dem schwarzen Mann usw. Dir kindliche Phantasie ist außerordentlich rege, wie- viel mehr bei einem schüchternen, furchtsamen Kinde. Auch größere .Kinder sind sehr oft schüchtern. Hier liegt cÄerdingS Mangel an Mut, Energie, an Selbst- vertrauen vor, und eS bedarf großer Liebe, dem Kinde das Bewußtsein seiner Persönlichkeit, seines Eigenwertes betzubringen. Der Wortkargheit gegen, über muß man Bern Kind reichliche Gelegenheit zum Gedankenaustausch aus Gebieten verschasfen, für die es besonderes Interesse^ hat, und die beliebte Einsam» fett tft in schonender Weile fern^ubalteu. ef.
Frauen, die die Prüfung für das höhere Lehramt ab- legen und Oberlehrerin werden wollen. Für diese wird die Borbereitungszeit um ein Jahr gekürzt, in» dem an die Stelle der zwei praktischen Jahre, die bis» her dem Studium vorangtugen, ein nachträgliches Probejahr tritt. Wichtiger ist die andere Neuerung, well sie einen viel größeren Kreis betrifft. Die Jn- haberrnnen des Reifezeugnisses eines Oberlyzeums konnten bisher keinen anderen auf akademischer Vorbildung beruhenden Beruf ergreifen als den der Oberlehrerin. Nun sollen ihnen aber auch andere Berufe, zu denen Universitätsstudium erforderlich tft, erschlossen werden, wenn sie sich ein dazu berechtigendes Reifezeugnis durch etne Nachprüfung erwerben. Diese Nachprüfung ist verschieden je nach dem Lehr' plan der Anstalt, die das Mädchen besucht hat, und kann frühestens ein Jahr nach dem Bestehen der Reiseprüfung des Oberlhzeums abgelegt werden. Auf diesem Wege werden also künftig nicht nur die Absolventinnen der Studienanstalt, sondern auch die der Oberlyeeen Universitätsreife erlange» können, diese allerdings ein Jahr später als jene, im günstigsten Falle also mit 20 Jahren. Der wichtigste Vorteil, der aus dieser Aenderung entspringt, liegt darin, daß sich die Ettern nun nicht mehr so früh werden entscheiden müssen, ob chre Tochter studieren soll oder nicht. Bisher mußten die Eltern das schon im 12. Lebensjahr ihres Kindes tun, weil eben schon beim 13. Lebenslage ote Studienanstalt abzweigt. Jetzt braucht man erst beim 6. Jahre zu entscheiden, ob das Mädchen studieren soll, das dann zunächst das Oberlyceum besucht und so zur Universität gelangt. Mit 16 Jahren wird auch das Mädchen selber tu der Regel schon wissen, ob es studieren will und kann, wahrend ein zwölfjähriges Kind darüber noch im Unklaren ist. Diese Neuerung ist also ohne Zweifel sehr verständig und auch deshalb zu begrüßen, well es nur etwa dreißig Studienanstalten gibt, sodaß viele Eltern, die chre Töchter studieren lassen wollten, sie deshach schon vom 13. Lebensjahre an aus dem Hause geben mußten. Schließlich kommt auch noch in Betracht, daß an vie» len Studienanstalten das Schulgeld erheblich höber ist als an den Oberlyeeen. In Fulda besteht bekanntlich ein Oberlyeeum am Institut der Engl. Fräulein.
§§ Die Schweinehaltung in der Provinz Hessen- Nassau ist weiterhin zurückgegangen. Nach der amtlichen Schweinezählung ist der Schweinebestand in der Provinz Hessen-Nassau um 4,8 Proz., im Fürstentum Waldeck sogar um 11,4 Proz. zurückgegangen. Der Bestand an Schweinen in der Provinz Hessen-Nassau wurde mit 634 278 gegen 666 205 am 2. Dez. 1912 festgestellt, während die Schweinezählung im Fürstentum Waldeck 40 930 gegen 46178 Schweine hn Vorjahre ergab. Diesen Rückgang der Schweinehaltung führt man in landwirtschaftlichen Kreisen auf die hohen Kartoffelpresse in diesem Frühjahr und Sommer zurück, ferner auf den nassen und kalten Sommer, der die Grünfutterernte sehr nachteilig beeinflußte und damit die Ferkelaufzucht verteuerte und nachteilig beeinflußte. Neuerdings soll allerdings die Ferkelaufzucht wieder eine Zunahme erfahren haben, sodaß in absehbarer Zeit die Schweinehaltung wieder eine Steigerung erfahren dürfte, zumal im ganzen Reiche die Schweinehaltung gegen das Vorjahr nur um 0,3 Proz. zurückgegangen ist. Ja, in einzelnen Landesteilen sind starke Steigungen der Schweinehaltungen nachzuweisen, so in Hamburg mit 12,1 Proz., Oldenburg 12,5 Proz., Schlesien 8,7 Proz., Schleswig-Holstein 5,9 Proz., Bremen, Lippe, Sachsen-Altenburg je 6,4 bis 6,5 Proz. Insgesamt sind im ganzen deutschen Reiche 21821453 Schweine gegen 21 885 073 am 2. Dezember 1912 gezählt worden. Die Schweinepreise zeigen gerade mit Rücksicht auf den Rückgang der Schweinehaltungen in einzelnen Provinzen, so besonders in unserem Heimatsgebiet, durchweg noch lebhafte Aufwärtsbewegungen an, die sich in den Preisen für Schweinefleisch deutlich wide' spiegeln. Nach den amtlich ermittelten Preisen für Schweinefleisch im Kleinhandel wurden im Wo- chendurchfchnitt der ersten Hälfte des Monats Oktober 1913 erzielt für'Schweinefleisch von der Keule 1961z3 Pf. (dahingegen im Oktober 1911: 165,3 Pf.), für Schweinefleisch vom Bug 182,9 (1911: 153,5), für foa. Solperknochen (Kopf und Beine) 87,3 (77,7) Pf., für frisches Rückenfctt 172 (151,3) Pf., sodaß im Gesamtdurchschnitt die Preise für Schweinefleisch von 149,8 Pf. im Jahre 1911 auf 175,3 Pf. ober um durchschnittlich 13% Proz. gestiegen sind. Gegen da» Vorjahr sind die Gesamtdurchschnittspreise für Schweinefleisch jedoch zurückgegangen, und zwar um durchweg mehr als 10 Proz., sodaß die Höchstpreise für Schweinefleisch überwunden sind: angesichts der günsiiaen Kartoffelernte ist Wohl auch mit zu rechnen,
— Die Eiseubahnfahrkarte. Heber die Erfindung der Fahrkarte lesen wir im Universum: Das Reisen war in der guten alten Zeit bekanntlich eine etwas umständliche Sache. Die Umstände begannen schon in dem Augenblick, wo man sich entschlossen hatte, die Post zu benutzen. Da mußte man sich nämlich „ein« schreiben" lassen. Es wurde ein großes Formular aus- gefüllt, und zwar mit der dazu nötigen Umständlichkeit und Langsamkeit. Zeit hatte man ja damals mehr als beute' Als nun die ersten Eisenbahnen ihren Betrieb aufnahw.n, da behielt man dieses alte umständliche System gleichfalls bei. Allmählich wuchs der Verkehr aber immer mehr, und die. Abfertigung an den Schaltern nahm zu viel Zeit in Anspruch. Man vereinfachte deshalb die Sache dadurch, daß man vorgedruckte Formulare verwandte, in. denen alles nötige, nämlich Ausgangspunkt, Reiseziel usw. enthalten war. Nur die W genklasse wurde noch handschriftlich eingesetzt, und ue dann nicht mehr in Betracht kommenden Preise für die übrigen Klassen wurden auSgestrichen. ' Bei weitem Wachsen des Verkehrs erwies sich jedoch auch dieses Verfahren noch zu umständlich, und so kam eines Tages — es war dies im Jahre 1841 — ein Mann namens Edmond- son, Vorstand des kleinen Bahnhofs Milton an der englischen Eisenbahnstrecke Newcastle—Carlisle, auf den Gedanken kleine dünne Kärtchen auszugeben, die man bequem im Geldbeutel unterbringen konnte. So wurde er der Erfinder der heutigen Eisenbahnfahrkarten, deren Format er selbst durch vielfache Versuche ausprobierte, wobei er zuletzt fand, daß sich als am handlichsten ein Pappkärtchen von 57 Millimeter Länge und 30,5 Millimeter Breite erwies. Diese Ab Messungen zeigen auch heute noch die Fahrkarten saft aller Lander, "darunter auch die Deutschlands .— hat sich doch das Format vorzüglich bewährt. Es ist bet* hältnismäßig klein, und doch groß genug, daß man die Karte sowohl am Schalter als auch bei der Kontrolle usw. bequem überreichen kann. d. h. daß zwei Hände daran ansassen können, ohne daß die Gefahr de» Fallenlassens vorliegt. Die Fahrkarte nach Ed- mondson hatte, wie damals alle Neuerungen, insbe- l-mdere auf dem Festlande einen langen Kampf »u be'
recht« Maß hinaus gesteigert würde. In emer Zuschrift an un» wird auf die in den frühen Morgen, stunden mangelhafte Beleuchtung deS Wege» von der Totenhofkapelle nach dem Frauenberg hingewirsen. Dort müssen die Leute morgen» gegen 6 Uhr in der Dunkelheit sowohl auf den Frauenberg al» auch herunter gehen. Es wäre deshalb sehr er< wünscht und würde freudig begrüßt werden, wenn auch hier di« Laternen etwa» länger brennen würden, (—) Unfälle. Gestern abend stürzte im Schloß- garten ein älterer Mann infolge eines GichtantalleS zu Boden. Er wurde von mitleidigen Passanten in feine Wohnung gebracht. — Ein Arbeiter einer hiesigen Baufirma erlitt gestern ein« schwere Quetschung der Hand.
= lieber die Wetterlage äußert sich ein Meteoro- löge dahin, daß di« schönen Herbsttage der letzten Zeit einem mtt seinem Kern von mehr als 770 Milli- meter über dem Balkan liegenden Maximums zu verdanken waren. Die durch diese Luftdruckoerteilung bedingte Windrichtung war vorherrfchend südöstlich bis südlich, erhielt aber durch die Alpen eine Dredung zu reinem Ostwind. Die niederen Temperaturgrade, solch« zwischen 10 und 15 Grad, waren auf Konto der in der Höhe wehenden milden Westwinde zu sehen. Zu dem Zeitpunkte nun, wo die Winde auch in den unteren Schichten eine weiter« Drehung nach rechts zeiaen, also zu westlichen Winden werden, dürfte der Witterungsumschlag «in- treten, und wir hätten dann eine längere Periode trüben und regnerischen WetterS zu erwarten,.
Aus dem Nachbargeblete.
er. Hora», 30. Oft. 1914. Bei der Personen« standsaufnahme am 15. Oktober d. I. wurden dahier 1453 Einwohner gezählt (im vergangenen Jahre 1413), so daß in dem einen Jahre eine Zu- nähme nun 40 Seelen zu verzeichnen ist.
♦ Unterstsppkl (Krs. Hünfeld), 29. Oktober 1913. Gestern brannte die mit reichen Vorräten gefüllt« Stallung des Landwirts Ad. Heimroth nieder. Durch das Eingreifen der schnell zusammengerusenen Feuer- wehr und dank des windstillen Wetter» konnten die Flammen bald erstickt werden. Kinder im Alter von 4—5 Jahren hatten sich den Scherz erlaubt, in dem Stalle ein Feuer zu machen.
6. Neu-Zsenburg, 29. Oft. 1913. AuS Anlaß des 25jShrigen Bestehens des hiesigen Gewerbeverein» im nächsten Jahre plant man die Abhaltung einer gewerblichen Ausstellung aller in Neu-Isenburg vertretenen Industriezweige. Di« Vorbereitungen zu der Ausstellung wurden bereit» in die Wege geleitet.
♦ Großalmerode, 29. Oft. 1913. Da» leidige Spielen mit Schußwaffen brachte ein junges Mädchen von hier in Lebensgefahr. Ein kaum der Schule entwachsener Arbeiter hatte sich einen Revolver gekauft, mit dem er auf dem Felde herum hantierte. Plötzlich entluo sich die Waffe, und die Kugel drang dem in der Nähe mit Fetdarbeiten beschäftigten Mädchen in den Oberschenkel, so daß e» nach Hause geschafft und in ärztlich« Behandlung gegeben werden mußte.
daß dir Schweinepreise im Großhandel ihren gegen- I wärttgen Stand auf die Dauer nicht werden behaup- I ten können.
Welche Pottovergünstigungen genießen btt I Soldaten? Die Beantwortung dieser Frage wird I allen denen willkommen fein, au8 deren Kreise ein I Angehöriger ober ein Freund zur Ableistung der I gesetzlichen Militärpflicht herangezogen oder freiwillig I eingetreten ist. Sendungen an Soldaten genießen I di« Vergünstigungen innerhalb Deutschland» in fol» I gendem Umfange: gewöhnliche Briefe bi» zu 60 Gramm I und Postkarten werden ganz frei befördert. Post- I anweisungen bi» zu 15 Mark kosten 10 Pfg., Pakete I ohne Wettangabe bis 3 Kilogramm 20 Pfg. Porto. I Die Sendungen müssen aber stet» die Aufschrift: I „Soldatenbrief. Eigene Angelegenheit des I Empfängers" tragen. Auch bei Postanweisungen und Paketen, bei letzteren sowohl auf der Begleit- I abreffe al» auch auf betn Pakete selbst, muß dieser Vermerk angebracht fein. — Da» volle Porto muß I gezahlt roeroen für Sendungen an Soldaten im Orts- oder Landbestellbezirk des Aufgabeorts. Für di« von den Soldaten ausgehenden Sendungen I müssen ebenfalls die vollen Postgebühren bezahlt werden.
(?) Ei» Kreis von Mufikfreunden hatte gestern das Vergnügen, die berühmten Tonkünstler Professor Kneifet (Violine) und Adeline de Germaine-Kneisel (Klavier) — Vater und Tochter — in einem Konzerte zu hören. Das Paar bereitete einen ganz außergewöhnlichen Kunstgenuß und erntete begeisterte I Anerkennung. Werke von I. S. Bach, Beethoven, I Chopin, Paaanini, sowie viele andere von großen I Meistern, — auch einige eigene Kompositionen der Künstler — wurden mit höchster Meisterschaft vor- I getragen. Das Künstlerpaar beabsichtigt bekanntlich, I am Mittwoch den 5. November abend» 81/» Uhr im Bürgerveremssaale ein einmaliges Konzert zu veran- I falten. Ta sich in Fulda nur selten Gelegenheit bietet, Künstler von solcher Qualität zu hören, sei der Besuch des Konzertes auf» wärmste empfohlen.
./• Viehhändler-Versammlung. Aus gestern abend I war in das „Ballhaus" eine Viehhändler-Versammlung einberufen, die nicht sehr zahlreich besucht war. ES handelte sich, wie wir erfahren, um Vereinbarungen I mit dem hiesigen Proviantamt über die Anlieferung I von Schlachttieren im Falle einer Mobilmachung.
L- Tie Blutlaus. Ein Verdienst des Fuldaer Gartenbauvereins ist es, seit Jahren immer und im- I mer wieder auf die Gefährlichkeit und Bekämpfung I der Blutlaus hingewiesen zu haben. Durch diese öfteren Mahnungen hat dieser und jener Obstbaum- besitzer seine Bäume nachgesehen und vielfach auf demLandeundinderStadthat man diesen gefährlichen Schmarotzer entdeckt. Das kgl. Land- I rat Samt Fulda geht jetzt, was im Interesse unseres heimischen Obstbaues sehr zu begrüßen ist, energisch vor und empfiehlt allen Bürgermeistern des Kreises, diesen höchst gefährlichen Schädling auf das eifrigste durch gemeinsames Vorgehen aller Interessenten zu bekämpfen. Das ist das allein Richtige. Was nützt es, wenn ein einzelner Baum- I besitzer sich um Vernichtung der Blutlaus und anbe« I rer Obstbaumschädlinge bemüht und der Nachbar legt I die Hände in den Schoß und tut nichts dagegen. Zur I Verhütung erheblicher Verluste, die eine größere Ver- I breitung der Blutlaus für den Obstbau in unserem I Kreise mit sich bringen würde, ist eine gemein- I ferne Bekämpfung unbedingt notwendig. Jeder I Obstbaumbesitzer muß feine Bäume daraufhin unter- I suchen und hat die Pflicht, das Vorhandensein der Blutlaus der Polizei ober dem Landratsamte anzumelden, wo ihm auch Mittel zur Bekämpfung ange- I geben und die Nachbarn angewiefen werden, ebenfalls I ihre Baumbestände zu reinigen, lieber das Aussehen I der Blutlaus ist man sich vielfach noch ganz unklar. Die Blutlaus ist keineswegs, wie irrtümlich angenommen wird, rot, sondern man findet sie in Kolonren 1 meist auf der gegen Regen geschützten Baumseite, wo man auf der Rinde einen den Schneeflocken I ähnlichen bläulich-weißen Flaum wahr- I nimmt. Um die jetzige Jahreszeit sind die Tiere I noch nicht bis in die Zwerge der ®äume_ hinausgegangen, sitzen vielmehr noch an den Stämmen rn I Frostspalten, Krebsstellen, Rindensprüngen usw. Werden die Tiere, die sich ganz erstaunlich vermehren, nicht rechtzeitig vernichtet, so wandern die Jungen auf allen Zweigen umher und suchen sich ein geerg- netes Quartier. Nach und nach wird der Baum geschwächt und unfruchtbar. Also auf zur gemeinfamen Bekämpfung der Blutlausplage in Stadt und Land!
::: Die Straßenbelenchtungsfrage, die hier wieder- holt anaeschnilten wurde, will nicht zur Ruhe kommen. Es scheint, als ob die gewiß lobenswerte Sparsamkeit in Gasverbrauch bter und da etwa? über das stehen, ehe sie sich einbürgette. Noch heute existieren auf vielen Bahnhöfen und Strecken neben ihr die handschriftlich auszufüllenden Zettel.
— Farbenblinde Maler. Daß kein Mensch eraent- lich weiß, ob irgend ein anderer denselben Gegenstand ebenso sieht, wie er selbst, ist eine kuriose Tatsache. Wie wir etwas sehen, ist durchaus abhängig von unseren Sehorganen, und da kein Mensch dem anderen gleicht, so müssen auch die Sinneseindrücke, die uns durch unsere Augen vermittelt werden, zwusel- los verschieden sein. Die Farbenblindbeit bestätigt diese Ansicht, sie ist nicht etwa die Unfähigkeit, eine Farbe zu sehen, sondern in den meisten Fällen nur die eine Farbe scharf von einer anderen zu unter» "jeiben, z. B. rot von grün. Nach neueren Unter, suchunaerr, welche F. W. Ebridgre-Green in Pflüger» Archiv "für Pbhsiolo ' ■ veröffentlicht, können Farben» blinbe messt überhaupt nur zwei Farben unterjcher- bett; alle anderen Farben, welche für normale Men- schon besondere Eindrücke hinterlassen, sind für jene tur ein hell ober dunkel der beiden ihnen bekannten Farben. Ta sie aber die Welt seit ihrer Geburt nie anders gesehen haben, so wundern sie sich nicht darüber. Ja noch mehr, innerhalb ihres eigenartigen beschränkten Farbenunterscheidungsvermögens fehlt ihnen nicht das Verständnis für,Schön und Häßlich; sie können sogar künstlettsche Fähigkeiten entwickeln. Ein tnieressaitter Fall ist folgender: Von einem jungen, talenwollen Maler berichteten seine Lehrer, daß die gemalten Bilder zu kalt seien. Als er genau untersucht wurde, ergab sich die Tatsache, daß er nur rot und violett bekanntlich die äußersten Farben des Regenbogens deutlich unterscheiden konnte; alles, was dazwischen lag, machte auf ihn keinen bestimmten Eindruck. Hiermit im Zusammenhang stand die Tatsache, daß er auch in feinen Bildern unbewußt rot und violett verwendete. Vielleicht würde es sich empfehlen, wenn sich mancher moderne Maler auf Far- benblindheit untersuchen ließe kc.
— Ein „Heller Sachse". Der Inhaber eines Leipziger Schuhgeschäftes erzählt die folgende Schnurre: Ich mußte einen Augenblick zur Post gehen und ließ meinen Gehilfen allein im Laden zurück. Während
dessen betrat ein Kunde den Laden und wählte sich zu 23,50 Mk. ein Paar Lackschuhe aus. Er hatte aber nur 20 Mark einstecken und bat, ihm die Schuhe mitzugeben, er werde in einer Stunde wieder vorbeikom- men und den Rest mitbringen. Mein Gehilfe händigt dem Unbekannten tatsächlich die Schuhe aus. Als ich ihn hinterher zur Rede stellte, wie er gegen 20 Mark die Lackstiefel an einen Unbekannten her- geben könne, meinte er vergnügt: „Ach, Meester, bar Mann gommt toieber. Ich ho Se ihm nämlich zwee rechte Schuhe eingepackt!" Ja, d.e Sachsen, bte sind Helle'. tk-
— Welkgcworben« Blätter an Zimmerpflanzen sehen zwar unschön aus, aber man sollte sie dennoch nicht ohne weiteres abreißen. Es entsteht auf diese Weise eine Wunde, so daß dadurch allem schon Pflanzen, namentlich Geranien, völlig eingehen können. In der Natur verschließt jede Pflanze, bevor sie em Blatt abwirft, die betreffende Stelle mit em?r wulst- artigen Verdickung, welche den Lufteintritt verbrnbett. Man reiße also nicht, sondern schneide welke Bluter ab, lasse aber immer noch ein Stückchen vom Stile stehen Dieses Stückchen fällt dann nach einiger Zeit ganz von selbst ab. Das Entstehen einer Wunde wird auf solche Art ferngehalten. 8b-
— Allerlei Weisheit. In Schweden zahlt man auf allen Eisenbahnstattonen, wo Mittagsaufeinha't vorgesehen ist, an der Tür zum Speisezimmer emen bestimmten Bettag und kann bann an re>chbe,-Yten Tafeln effen, was unb wieviel man will — -ue längste Brücke ber Welt behübet sich m Eh'na. vs ist die Löwenbrücke bei Santang. Ihre Sange beträgt fast 9 Kilometer: sie überspannt mn 3M mastigen Bogen die Wasserfläche in 20 Meter Me — i Eine nur in ben Tropen vorkomm ende Art S-.-acas wird bis zu 180 Meter lang. — ««f den Tafeln der Königshäuser tragen bte Champagnerflaicheu kcm« Etiketts weil man jede Reklame für irgendeine F'rma vermeiden will. — Tie Ham der mnerafr.,a;tt5*,erl Neger ist anderthalbmal dicker als die der Europäer.
ä mo-
3 Tage
liegt die am Freitag zur Ausgabe gelangende Nummer der „Fuldaer Zeitung“ auf, da am Samstag wegen de»
Allerheiligen-
festes keine Zeitung erscheint. Inserate in dieser Nummer haben deshalb auch
dreifachen Erfolg.
Wir erbitten grössere Anzeigen heute schon, damit1 wir für wirkungsvo len Satz und günstige Plazierung besorgt sein können.
Die Geschäftsstelle.