Zuldaer Zeitung
tügNch mH klnsnahmr der Sonn- und Feiertage. (Hertel- I ~ - Wochen-Destage: z z \ z z Monots-Veilage: z z
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sowie auswärts 1.J0 Mark. — RotaHonsöru» und Oerlag Oer । ' 3 ' ... .
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Reklamen: Ber Raum einer Colonehelle, 14 a» treu, Oletterholungen Rabatt $ür 0fiert- und fiusbunftcn)cic< Konkursfällen wirt bet bewilligte Rabatt hinfällig. trfClh klagen «an Sorterungen ift $ulba. F.n)dgen-flnnahm< bü s = Srthere kn,eigen erbitten wir ans tags ot
40. Zahrgang.
Donnerstag den 30, Oktober 1N3.
erstes Blatt.
Nr. 252.
+ Aerzte ««d Krankenkassen.
£)c- schon jahr elang währende Kanrps zwischen Aerzten und K'cnker.kassen hat jetzt zu einem heftigen Zusammenstoß geführt, der von weittragend:: Bedeutung ist und der, wenn wirklich d? zetztge ^ius- nahinezustand bi ich das Verhalten der beteiligten Kreise zur Regel werden sollte, notgedrungen zu einer Aenderung der Reichsversichecungsordnung führen muß.
Die , -'- icgserklärung", welche der am 25. d. M. in Berlin oogehaltene außerordentliche Aerztetag den Krankenkassenverbänden hat zukommen lassen, hat bereits zu einer sehr energischen Gegenstellungnahme der Krankenkassen geführt. Auf dem Aerzte- tage wurde bekanntlich ein Antrag angenommen, der jeden ein-elnen Arzt und jede örtliche Aerztevertre- tung verpflichtet, keinen V e r t r a g mit Krankenkassen mehr einzugehen und die kassenärztliche Versorgung aller Versicherten unbedingt abzulehnen. Dir Gegenerklärung der Krankenkassen schiebt den Aerz- ten und ihren Standesorganisatwnen allein die Schuld und Verantwortung an dem Ausbruch des neuen Kriegszustandes zu, spricht sich aber nicht klar aus, wie sie sich die Sachlage für die Zukunft denkt. Zweifellos werden die Krankenkassen versuchen, mit den einzelnen Aerzten oder deren örtlichen Vertretungen zu verhandeln, aber wieweit und ob ihnen das überhaupt gelingen wird, hängt von den Aerzten ab, ob diese sich aus besondere Abmachungen einlasse.i oder an den von dem Aerztetage aufgestellten Richtlinien festhalten werden. Ader sowohl im Interesse der Kassen und ihrer Versicherten wie auch der Aerzte muß das als ein höchst unerfreulicher, beklagenswerter Zu st and bezeichnet werden, zumal die Gefahr besteht, daß die Versicherten in vie- len Fällen die ärztliche Hilfe entbehren müßten und dadurch einer der Hauptzwecke, unserer Krankenversicherung, ein geordnetes und wirksames Heilverfahren ledem Angehörigen zuteil werden zu lasten, hinfällig gemacht würde.
Ter springende Vunkt in der kritischen Lage tst wiederum die Frage der s r e i e n A r z t w a h l. Nach den bisher über den Verlauf der Verhandlungen bekannt gewordenen Mitteilungen ist es schwer, sich ein völlig klares Bild über diese Frage zu machen, aus welche man sich von beiden Seiten so festgelegt zu haben scheint, daß eine Einigung auch in den andern Fragen dadurch erschwert und fast unmöglich gemacht wird. Im Verlauf der Verhandlungen waren die Vertreter der Aerzteverbände allerdings den Krankenkasten insoweit entgegengekommen, als sie das grundsätzliche Festhalten an der freien Arztwahl, wie es ursprünglich beabsichtigt war, aufgeben. Die Vertretungen der Krankenkassen glaubten aber Grund zu der Befürchtung zu haben, daß trotzdem von den Aerzten an dem Grundsatz der freien Arztwahl festgehalten werde. Man meinte, wenn sich innerhalb einer örtlichen Organisation eine Mehrheit für die freie Arztwahl gefunden haben würde, feien die Krankenkassen einfach gezwungen, sich mit dem System der freien Arztwahl abzufinden. Diese Befürchtung ließ alle Einigungsverhandlungen scheitern und war die Harrptursache für den heute bestehenden Kriegszustand.
Was soll nun werden? Die Hoffnung
der Krankenkastenverbände auf ein Einschreiten der Gesetzgeber gegen die Aerzteorganisationen ist insofern unberechtigt, als in diesem Streit nicht die Gesetzgebung, sondern die Verwaltung maßgebend ist. Uebrigens hat die Gesetzgebung mit den heute zutage liegenden Schwierigkeiten bereits insofern gerechnet» als sie in de: Reichsversicherungsordnung das Oberoerfi cherungsamt ermächtigte, bei Differenzen mit den Aerzten den Kasten auf ihren Antrag widerruflich zu e-lauben, „statt der Krankenpflege oder der sonst erforderlichen ärztlichen Behandlung eine bare Leistung bis zu Zweidrittel des Durchschnittsbe- tragrs ihres gesetzlichen Krankengeldes zu gewähren".
3n der Schule des Leidens.
10] Roman aus dem New-Jorker Leben.
Von Erich Friesen.
Zuerst nimmt sie ein Paket Briefe heraus jene Briese, welche sie vor kurzem kopieren sollte. Tann legt sie einen Briefbogen daneben und beginnt, der Vorsicht halber, mit dem Kopieren eines der Briese.
Nach wenig Zeilen schon wirst sie die Feder beiseite. Angestrengt lauscht ihr Ohr. . . .
Kein Laut hörbar. Tiefe Stille ringsum. , Halt — schleichen dort nicht leise Schritte heran? Nein — nichts. Ihre erregte Phantasie hat sie getäuscht. . . .
Die kleine Uhr auf dem Kamin schlägt gerade viermal. Nur noch eine Stunde! Wie schnell die Zett vergeht! , . .
Nun rasch ans Werk!
Sie drückt auf einen Knopf im Innern des Schreibtisches. Ein Türchen springt auf.
Hastig greifen ihre zitternden Finger in dir Lade. Als sie dieselben zurückzieht, hält sie ein Scheckbuch in den Händen.
Wie Triumph zuckt es über ihre gespannten Züge. Ha, der Stiefvater ahnte nicht, damals, als er sie mit Kopieren der Briefe quälte, daß das dumme kleine Mädchen sich seine Kunstgriffe so genau merkte'.
Jetzt ist sie ruhig, ganz ruhig. Nicht einmal ein bischen Herzklopfen.
Mir fester Hand füllt sie einen Scheck, lautend auf zweitausend Dollars, ans. Dann nimmt sie einen der Briefe, welche sie kopieren sollte, legt ein ganz dünnes Stück Papier darüber und zeichnet die Un- terfchrist „Thomas Mackay" mit Bleistift durch. Hierauf legt sie den dünnen Bogen mit der Bleistiftunter, schrift auf den ausaelüllten Sheck, überfährt dieselbe nochmals mit einem barten B'eistist, fotaß sich die Schriftzüge aus dem Scheck abheben und zieht schließ, lich das Ganz» sorgfülsig mit Tinte nach.
Ganz oert-eft tn itj.e Brfr-tt. bat sie gar nicht be- merkt, tote wt Hrn-rncl ft* bswüitte.
Von dieser Bestimmung muß jetzt zweifellos Gebrauch gemacht werden, da man den Versicherten unter allen Umständen die Möglichkeit geben muß, ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Der Reichskanzler hat in einem E'laste vom August dieses Fabres die Obcrversicherungsämter und die Kassenvorstände nach- drücklich aus die notwendige Anwendung dieser Be- stimmung der Reichsversicherungsordnung bereits hingewiesen.
Eine neue F age ist es, wer von den beiden Streitenden bei der Anwendung dister Bestimmung Vorteil, wer Nachteil haben wird. Die Aerzte wür- den in diesem Falle, wenn sie mit den Kasten über- Haupt nichts nich' zu tun haben und von den Versicherten direkt da§ Honorar für ihre ärztliche Hilfe erhalten würden, einen Nachteil wah-scheinlich nicht erleiden, während die Kassen durch die Zahlung einer Barleistung bis zu zwei Drittel des Krankengeldes zweifellos übermäßigbelastet wü-den. Es ist aber ohne weiteres klar, daß ein derartiger Zustand für beide Teile auf die Dauer n i ch t h a I t- b a r ist und daß bei einem Verharren in dieser Uneinigkeit dringend an eine Novelle zur Reichsversicherungsordnung gedacht werden muß. Ob aber das den Aerzten uni) Krankenkassen besonders angenehm sein wird, ist sehr fraglich, da dadurch auf der einen Seite den Aerzten Verpflichtungen aufer- legt würden, welche diese bisher als unannehmbar bezeichnet haben, auf der anderen Seite aber das Selb st verwaltungsrecht der Krankenkassen in hohem Maße beschränkt würde.
veittsches Keich.
•* Berlin, 29. Oft. 1913. Der Kaiser begibt sich am Donnerstag früh von Station Wildpark ans zur Hofjagd auf zwei Tage nach der Göhrde. Erzherzog Franz Ferdinand tr fft kurz vorher auf Station Wild, park ein. — Der König von Sachsen wird am 8. November einer Einladung Kaiser Wilhelms zur Hofjagd in Königswusterhausen folgen. — Für die Aendcrung, Vermehrung der Reichstagswahlkreise wollen die liberalen Fraktionen im kommenden Winler einen Vorstoß in Gestatt einer „kleinen An- frage" machen. — Die Dresdener Handelskammer empfahl dem Ministerium de? Inneren auf das ein- geforderte Gutachten hin den Beginn- deS Schul- fahr es auf den ersten Montag im April zu leaen
*♦ Ausführung des Wehrbeitraggesctzes. Mehrere Bundesregierungen haben bereits die Verordnungen über die für die Veranlagung des Wehrbeitragcs zuständigen Behörden in den einzelnen Staaten erlassen- Danach wird allgemein auch eine Mitwirkung der Gemeinden bei der Veranlagung und Erhebung des Wehrbeitrages festgesetzt werden. Die Landesregie- rungen von Preußen und Anhalt haben bestimmt, daß zu dieser Mitwirkung die Gemeinden ohne Vergütung verpflichtet sind. Den Bundesstaaten wird für die Veranlagung und Erhebung des Wehrbeitrages eine Entschädigung nicht gewährt, dagegen erhalten sie für die erste Veranlagung und Erhebung der Bcsitzsteuer 10 v. H., später 5 v. H. ihrer Rohein- nähme. Da der Wehrbeitrag die Grundlage für die Erhebung der Vermögenssteuer darstellt, so erachtet es die Regierung für billig, daß auf diese Arbeit Rücksicht genommen wird Dte Mitwirkung der Gemeinden bei dem Wehrbeitrage wird sich hauptsächlich aus die Einzelerhebung der veranlagten Beitrage sowie deren Abführung an die zuständigen Staatskassen erstrecken. Für die von Städten verwalteten staatlichen Veranlagungskommissionen werden allerdings Mehrarbeiten für das Veranlagungsgefchäft und die damit im Zusammenhang stehenden Aufgaben erwachsen, durch die eine Vermehrung der Beamten bedingt sein wird.
* Rechtsauskunftsorganisationcn für Landarbeiter. Berliner Blättermeldungen zufolge durfte der
Jetzt - ein Blitz, gefolgt von einem fürchterlichen» erderschütternden Krach — —
Entsetzt springt Felice empor.
Vernimmt sie die Stimme Gottes, die in dem Donnerschlag zu ihr spricht? Ahnt sie, daß sie im Begriff steht, ihre reine Seele zu bestecken mit einem Verbrechen, das vielleicht ihr ganzes ferneres Leben zerstört? ...
Nichts von» alledem. Ihre Seele ist verblendet von der leidenschaftlichen Liebe zu Norbert. Nur an ihn denkt sie in dieser Stunde der Versuchung. . . .
Sorgsam legt sie das Scheckbuch, nachdem sie das oberste Blatt abgeristen, wieder in das Geheimfach, drückt den Knopf zu, schließt den Schreibtisch, nimmt schnell Hut und Umhang und eilt die Treppe hinab, vorbei an der Küche, wo die Mutter noch immer her- umbantiert, die Kanalstraße entlang durchs mehrere andere Straßen, bis nach der Vierzehnten Straße — hin zum „Univerfal-Bankgebäude".
Fünf Minuten vor fünf Uhr betritt sie das Bankhaus. Die Beamten sind bereits mit Zusammen. Kn ihrer Bücher beschäftigt; einige haben ihr Fen- en schon geschlossen.
Festen «Schuttes, ohne mit den Wimpern zu zucken, reicht Felicie den Scheck dem Beamten durchs Fenster.
Nur flüchtig mustert der noch junge Mann den Scheck, den Felicie mit ihrem eigenen Namen, als an sie zahlbar, versehen hat; umso länger und feuriger ruhen seine Blicke auf dem reizenden, pikanten Gesichtchen vor ihm.
Um ja keinen Verdacht aufkommen zu lasten, erzählt Felice, die Summe sei von ihrem Vater für ihre Ausstattung bestimmt. Sie mache in den nächsten Tagen Hochzeit und wolle sich schön einrichten.
Diese ungewöhnlichen, vertraulichen Mitteilungen aus dem Munde eines schönen Mädchens schmeicheln dem jungen Mann.
Bald liegt ein kl'iner Haufen Banknoten vor Felicie aus dem Ladentisch.
Unerfahren, in Geldangelegenheiten, hat sie keine Ahnung, wie sie die «Scheine an sich nehmen toll.
nächste preußische Staatshaushaltsetat Mittel für die Schaffung einer „großzügigen" Rechtsausku.tftsor- ganifation für das platte Land vorsehen. Damst soll ein vielfach hervorgetretener Wunsch der Landwirtschaftskammern und anderer ländlicher Oganisationen erfüllt werden. Etwas Näheres über die Ausgestaltung dieser Rechtsauskunfteien wird nicht mitgeteilt.
* Abgrenzung von Industrie und Handwerk. Zur Erörterung der wichtigen Frage der Abgrenzung von Industrie und Handwerk hat der Reichskanzler dem Zentralverband deutscher Industrieller, den Bund deutsche Industrieller und den deutschen Handelstag zu einer Konferenz im Reichsamt des Innern für den 17. November eingeladen. Gegenstand der Beratungen wird im wesentlichen die Denkschrift sein, die der deutsche Handwerkskammer- und Gewerbekammertag am 5. Oktober v. I. einreichte und die noch weitere Wünsche enthielt, deren Besprechung der Reichskanzler in Aussicht stellte.
* Tie Besteuerung der ZündholzersatzmiUel. Von Zeit zu Zeit wird von interessierter Seite gemeldet, daß dem Reichstag in seiner bevorstehenden Tagung eine Vorlage über die Besteuerung von Zündholz-Er- satzmitteln zugehen werde. Eine parlamentarische Korrespondenz bringt jetzt wieder eine derartige Meldung und erklärt, die Vorlage würde mit dem Rück» gang der Einnahmen aus der Zündwarensteuer begründet, der hauptsächlich hervorgerufen sei durch den mastcnhaften Gebrauch der Taschenfeuerzeuge. Wie die „Frankft. Ztg." dazu erfährt, ist eine Entscheidung darüber, ob eine derartige Borlage überhaupt dem Reichstag unterbreitet werden wird, bis jetzt noch nicht gefallen. Die Meldung ist also jedenfalls der- früht.
* Mittel zur Erhöhung des Viehbestandes auf den Staatsdomänen. Die Bestrebungen im Interesse einer vermehrten Fleischerzeugung, eine Erhöhung der Viehbestände nach Möglichkeit eintreten zu lassen, haben zu einer Verfügung des Landwirtschastsmtni- steriums geführt, wonach staatliche Mittel für die entsprechenden Meliorationen auf dem verpachteten Domänenbesitz bereit gestellt, und diese mit möglichster Beschleunigung ausgeführt werden sollen. Boraussetzung ist, daß die Pächter sich bereit erklären, die MeliorationLkapitalien mit jährlich 5 v. H. zu verzinsen, und, soweit es sich um Domänenvorwerke handelt, die nötigen Fuhren unentgeltlich zu leisten.
:: Der Landtag und die Beendigung der Reqent- schäft- Die Vorlage zur Ergänzung der Verfassung, welche die bayerische Regierung im Parlament ein- gebracht hat, gibt dem Regenten die Vollmacht, unter Umstäpden die Regentschaft für beendigt zu erklären, aber sie legt ihm n i cht die B e r p f l i cht u n g auf, das zu tun. Die Begründung hebt ausdrücklich hervor, eS solle in der freien Entschließung des Regenten stehen, ob er die Regentschaft für beendigt erklärt. Seinem Ermessen sei es anheimgegeben, die Regentschaft zu beendigen, wenn er den Zeitpunkt dazu im Interesse des Staates für gekommen erachtet- Das selbständige Vorgehen des Regenten ist hier besonders betont, um die Gefahr auszuschließen, daß die Volksvertretung als die Spenderin der Krone und die Quelle des königlichen Rechts erscheine oder gar sich betätige. Nun ist aber in dem Schlußsatz des neuen Versastungsparagraphen der Landtag doch noch zu einer gewissen Teilnahme an dem staatsrechtlichen Akte berufen. Er soll unverzüglich einberufen werden, und „die Gründe, aus denen sich die dauernde Negierungsunfähigkeit ergibt, sind ihm zur Zustimmung anzuzeigen". Bei oberflächlicher Betrachtung könnte vielleicht der GÄanke auftauchen, daß hier der Grundsatz der Nichteinmischung des Landtags wieder durchbrochen werde. Aber bei näherer Prüfung zeigt sich doch, daß hier dem Landtag nicht die Befugnis zu irgend einer A n o r d n nn g, sondern nur ein Urteil über die grundlegende Tatfrage einge-
Bergebcns bemüht sie sich, dieselben in ihre Tasche zu stecken.
„Darf ich Ihnen vielleicht ein Säckchen anbieten?" fragt der Beamte höflich. „Wir haben dieselben für solche Fälle vorrätig."
„Ja, bitte!"
Mit Hülse des jungen Mannes ist daS Säckchen schnell gefällt — gerade, als die Uhr vom nahen Turm fünfmal erdröhnt.
„Schluß!"
Die noch offenen Fensterchen klappen zu Der junge Beamte blickt noch einmal der davoneilenden Mädchengestalt nach. Darrst schließt auch er sein
Gleich daraus steht Felicie draußen auf der Straße.
Hinter ihr rnirscht der schwere Eisenriegel vor der ,angstür zum Bankhaus.
Inzwischen hat der Himmel all seine Schleusen geöffnet. Tas gießt unb trieft und riefelt und Plätschert, als cb aus der ganzen Erde kein Fleckchen mehr trocken bleiben soll.
Felicie besteigt hastig die Straßenbahn und ist in wenig Minpten wieder tn der Kanalstraße angelangt. Große Schweißtropfen rinnen ihr von der Stirn; sie achtet dcsien nicht.
Zum Glück ist die Haustür nur angelehnt. Unbemerkt schlüpft Felicie ins Haus.
Nachdem sic ihren kostbaren Schatz unter der Matratze ihres Bettes verborgen, geht sie hinunter ins Wohnzimmer.
Doch auch hier treibt es sie wieder fort. Rastlos eilt sie von Zimmer zu Zimmer, in fieberhafter Er- regung die Zeiger der Uhr verfolgend.
„Noch immer nicht sechs Uhr!"
Wie der Aufschrei eines gequälten Herzens ringt es sich von ihren Lippen.
Frau Mackay hebt verwundert den Kopf von ihren Stricknadeln.
„Geht Dir die Zeit zu langsam, Kind?"
„Ja, Mutter."
„Lies die neue Novelle von Savage — sie liegt oben auf der Kommode. Dann vergeht Dir die .Rett."
räumt wird. Der Landtag wird um nichts anderes ersucht ober befragt, als um seine Zustimmung zu „ben Grünben, aus denen sich die dauernde Re» gierungsunfähigkeit ergibt". Ob der Regent den Politisch geeigneten Zeitpunkt für die Beendigung bei Regentschaft gewählt hat, untersteht nicht der Ent- scheidung des Landtags. Er hat nur die Beweiskraft des für die dauernde Regierungsunfähigkeit beigebrachten Materials zu begutachten. Der Ausschluß jeder öffentlichen Kontrolle und Nachprüfung könnte schlimme Hebel zeitigen. Wir haben ja s. Z., als König Ludwig II. entmündigt werben mußte, das leicht erweckbare Mißtrauen weiter Volkskreise gesehen. Einige kommen von selbst auf ben Verdacht, daß es am Ende da oben nicht mit richtigen Dingen zugehe, wenn ein von ihnen verehrter Monarch für geisteskrank erklärt wird; andere lasten sich leicht von gewistenlosen Hetzern einreden, daß persönliche Interessen ober ein parteipolitisches Ränkespiel mitgewirkt hätten. Demgegenüber ist das einzig wirksame Hilfsmittel die Veröffentlichung des Beweismaterials und die Begutachtung desselben durch die Vollsvertretung. Wollte man der Bolksvertre- tung die Nachprüfung der Gründe irgendwie Oer« schränken, so wäre dem Mißtrauen und der Verhetzung Tür und Tor geöffnet. Daher halten wir nicht für ein überflüssiges ober gar bebenkliches Zugestänbnik an das „demokratische" Prinzip, sondern für eine« heilsamen Akt der Staatsklugheit, daß man in der Beschränkung auf die T a t fr a g en die Zustimmung des Landtags vorgesehen hat, ohne die Bolksvertre- tunq in den Rechtsakt selbst eingreifen zu lasten.
)( Die mecklenburgische Verfassungstragödie ist wieder um einen Akt — rückwärts gediehen. In bei Plenarsitzung des mecklenburgischen Landtages am Dienstag wurde, wie schon gemeldet, die Versastungs" Vorlage mit großer Mehrheit abgelehnt, und zwar rnst 289 gegen 129 Stimmen. Das mecklenburgisch» <Staa18nttniftertum hat daraufhin um fein» Entlassunggebeten. In einem Landtags, abschied schreibt der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin die ganze Verantwortung an dem erneute« Scheitern der Regierungsvorlage den Ständen zu, erklärt aber gleichzeitig, dem Lande z. Z. eine Be-fas- sung nicht aufzwingen, sondern einen geeigneteren Zeitpunkt abwarten zu wollen.
V Allerlei Ordensgeschichten werden aus Leipzig berichtet. Danach hat der Geheime Hofrat Clemens Thieme ben ihm aus Anlaß der Einweihung des Bölkerschlachtdenkmals vom Kaiser verliehenen Roten Adlerorden vierter Klasse zurückgewiesen, weil er ihm nicht genügte. Ferner wird mitgeteilt, daß auch Oberbürgermeister Dr. Dittrich den ihm verliehenen Kronenorden zweiter Klaste nicht angenommen Hal mit der Begründung, daß ihm nach ben Orden, di« er bisher schon besitze, eine höhere Auszeichnung zukäme. — Einen Anspruch auf eine Ordensverleihung gibt es bekanntlich nicht, also auch keinen An- spruch auf die Verleihung einer höheren Klaste eines Ordens. Wer sich persönliche Verdienste um eine Sache erworben hat, die für gewöhnlich durch eine Ordensverleihung anerkannt zu werden Pflegen, sollte sich mit dem Bewußtsein, ein gutes Werk getan zu haben, innerlich zufrieden geben und darin seine« schönstes Lohn erkennen.
* Der unparteiische Lokalanzeiger. Wie eS mit der angeblichen Parteilosigkeit des ,Berliner Sofalanieiger§' in Wirklichkeit bestellt ist, darüber unterrichtet soll gende Mitteilung, welche die ,München-Augsburgn Abendzeitung' der Oeffentlichkeit überaibt:
Der Verlag Scherl benötigte zur Ablösung gewisser Verpflichtungen eine Summe von mehreren Millionen Da nun die ReichSregterung ein Interest« daran bat sich ben Lokalanzeiger weiterhin als offiziöses Organ zu erhalten, und sie beiürchten mußte, daß bet bei finanziellen Transaktion ihr Einfluß auf daS B l ati gefölnbet werden könnte, so bat sich cie Regierung felbf! bemüht, dem Verlag Scherl ferne finanzielle Aktion zu
„Ich mag nicht lesen, Mutter. Ich Hin so unruhig Ich möchte ins Theater.
„Aus Sehnsucht nach Barrington, wie?"
„Ja, Mutter Ach, ich liebe ihn ja so sehr!"
Traurig schüttelt Frau Mackay den Kopf.
„Armes Kind, Deine Leidenschaftlichkeit, Det« Ungestüm werden Dir noch manche bittere Lehre geben. Du wirst noch viel zu leiden haben. Warum nimmst Tu das Leben nicht wie ich — still, geduldig, ohne Murren?"
Felice hält in ihrem nervösen Aus- und Abrenne« an.
„Warst Du stets so sanft und geduldig, Mutters Ohne jeden Funken von Leidenschaft?"
Wehmütiges Lächeln breitet sich über dte gram durchfurchten Züge der grauhaarigen Frau.
„Nein, mein Kind. Auch ich war jung und fäiöi. und — leidenschaftlich. Wie hätte ich sonst die Liebe eines Walter Edwards gewinnen können! O. Dein Vater — das war ein Mann! Biete von seinem Schlag gibt's nicht auf der Welt!"
„Und doch gabst Du ihm einen solchen Nachfolger, Mutter!"
Eine heiße Träne tropft bei diesem Vorwurf auf die bleiche Wange der Frau. Hat die Tochter nicht Rech: mit dieser Frage? Frau Mackay begreift jetzt selbst nicht, wie sie den rüden Thomas Mackav heiraten konnte. Ach. sie tat es nur, um sich und die kleine Tochter voi dem Hunger zu retten!
Schon bereut Felicie ihre unzarte Bemerkung. Zärtlich umfaßt sie die Schultern der Mutter und drückt den grauen Scheitel an ihre Brust.
„Ter gute Vater! Ich entsinne mich seiner kaum mehr —"
„Halloh!" .
Wie eine Bombe Platzt die rüde Stimme ymetv in das vertrauliche Geplauder. .
Thomas Mackay stebr auf der Schwelle, nut höhnischen Bl'ckeir die ©nippe vor ihm weisend Et licbi es, die Lernen mit seiner unerwarteten Heimkehr zu überraschen.
Beide Frauen springen empor.