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2. Blatt.

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«. Zuldaer Leitung. *- „.*2L.„

Lokaler.

Fulda, 29. Oktober 1913.

(—) Grundwertsteuer oder Steuer nach dem Nutzuugswert?

DerV or stand deS preußischen Städtetages hat »ine Erhebung veranstaltet über die Wirkungen auf den städtischen Grundbesitz, die von einer Be­seitigung der Steuer nach dem gemeinen Wert und ihrem Ersatz durch das staatliche Ertragssteuersystem ausgehen würden. Diese Erhebung, deren Ergebnisse soeben veröffentlicht werden, zeigt folgendes:

Der städtische Hausbesttz würde eine schwere steuerliche Mehrbelastung zu tragen haben, wenn die Steuer nach dem gemeinen Wert durch die staatlich ver­anlagte Ertragssteuer ersetzt werdrnwürde. Die Erhebung umfaßt alle preußischen Städte mit mehr a>s 25 000 Einwohnern, aus denen auf eine Rundfrage vergleich­bares Material einqegangen ist. Es stnd das 84 Städte mit insgesamt 4464 000 Einwohnern. Aus der Aufstellung geht hervor, daß bei der Aufhebung der Steuer nach dem gemeinen Wert allein in diesen 34 Städten die Hausbesitzer an jährlichen Steuern annähernd 6*/i Mill. Mark mehr zahlen müßten. Dir Städte würden davon unmittelbar weder finanziellen Nutzen noch Schaden haben. Der ganze Nutzen würde den Terrain­besitzern zufließen, und zwar in erster Linie den Besitzern von Spekulationsterrains. Denn auf die in arößerer Entfernung von der Bebauung belegenen Grund­stücke, die tatsächlich noch von ihrem alten landwirtschaft­lichen Eigentümer bewirtschaftet werden, kann auch im System der ««meinen Wertsteuer angemeffene Rücksicht genommen werden; das Gleiche gilt von Hausgärten und auch von Handelsgärtnereien. Erreicht wird dieses Ziel in der Regel schon durch ein« vernünftige Ver­anlagung. Eine stets wachsende Zahl von Städten hat aber auch beiondrre, ihren örtlichen Verhältnissen angepaßte Vorschriften.

Für die Nachteile aber, die die Hausbesitzer durch eine Aufhebuna der gemeinen Wertsteuer erleiden würden, ist besonders bezeichnend die prozentual stärkere Heranziehung zur Grundsteuer, die durch die oben erwähnten 6V» Millionen den Hausbesitz in den 34 Städten treffen würde. Diese prozentuale Mehrbelastung des Hausbesitzes würde in 9 Städten 10-20 Prozent, in 4 Städten 20—30 Prozent, in drei 30—40 Prozent, in zwei 40—50 Prozent betragen; in einer Stadt würde sie sogar auf über 100 Prozent änsteigen. Außerordentlich lehrreich ist auch folgende Feststellung in den Uebersichten: Wenn heute eine Stadt beschließt, die Grund- und Ge­bäudesteuer mit einem bestimmten Prozentsatz der staat­lich veranlagten Steuer, beispielsweise mit 2> 0 Prozent, zu erheben, so werden bei der Steuer nach dem gemeinen Wert tatsächlich nicht von jedermann 200 Prozent auf­gebracht. Wegen der Verschiebung in der Ausbringung der Lasten, die infolge der Steuer nach dem gemeinen Wert zu Gunsten des Hausbesitzes eintritt, wird vielmehr von den Hausbesitzern tatsächlich ein geringerer, oft ein viel geringerer Prozentsatz erhoben. Dieser Unterschied zwischen dem durchschnittlich — also auf dem Papier auch den Hausbesitzern gegenüber — erhobenen Prozent­satz der Grund- und Gebäudesteuer und dem tatsächlich infolge der Steuer nach dem gemeinen Wert von dem Hausbesitz erhobenen Prozentsatz beläuft sich bei den 84 Städten, die in der Ausstellung des preußischen Städle- tages enthalten sind, auf folgende Beträge: In 6 Städten werden vom Hausbesitz über 40 Prozent weniger erhoben, als der zu Grunde gelegte Prozentsatz anzeigt lnümlich in einer Stadl über 120 Prozent weniger, in zwei Städten 70—80 Prozent und in je einer Stadt 60—70 Prozent, 50—60 Prozent und 40—50 Prozent weniger); in 6 Städten werden vom Hausbesitz 30—40 Prozent weniger uns in noch 6 Städten 20—30 Prozent weniger erhoben, in 12 Städten 10—20 Prozent weniger und endlich nur in 4 Städten nur ein geringerer Betrag als 10 Prozent weniger.

Dieses ganzen Vorteils würde der Haus­besitz bei Aufhebung der Steuern nach dem gemeinen Wert verlustig gehen. Am beweis­kräftigsten bleibt aber schließlich doch die runde Zahl von 6Vi Millionen, die die Hausbesitzer in den 34 Stävten bei Aufhebung der Steuer nach dem gemeinen Wert jährlich mehr an Gemeindegrundsteuer aufbringen müßten.

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Fs Stadtverordneten-ErgänzungSwahlen. Für die am 4., 5. und 6. November statlfindenden Ergänzungs­wahlen zum Stadtverordneten - Kollegium hat der Wahlausschuß der Zentrumspartei im allgemeinen die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder vor­geschlagen, weil sich diese im Interesse unserer Stadt gut bewährt haben. Nur für ein verstorbenes Mit­glied und für zwei Herren, welche kein Mandat mehr annehmen wollen, sind als neue Kandidaten die Herren Kaufmann Eduard Schmitt, Metzger­meister Franz Kramer und Oberpostassistent Theodor Kuhn aufgestellt worden. Mit der Auf- stellung deS letzteren sollte zugleich den Wünschen des Mietervereins und der Beamten entsprochen werden. Selbstverständlich können bei solchen Wahlen nicht alle Wünsche berücksichtigt werden, wenn nur wenige Stellen neu zu besetzen stnd und bewährte Kräfte dem Stadtverordneten - Kollegium erhalten bleiben sollen. Vielleicht findet sich dazu demnächst Gelegen­heit. Nachdem sich mit den jetzt ausgestellten Kandi­daten eine große Zahl hiesiger Vereine, insbesondere auch der Jnnungsausschuß und der Gewerdeoerein einverstanden erklärt haben, darf wohl auch auf eine rege Wahlbeteiligung gerechnet werden.

Kleines Feuilleton.

-- Hygiene im geheizten Zimmer. Es gibt eine Menge Leute, die im geheizten Zimmer sich nie recht Wohlbefinden, die sogar frösteln, wenn eine Tem- peratur herrscht, die sie im Sommer unerträglich finden würden. Dieses Gefühl des Fröstelns kann mehrfache Ursachen haben: Falsche Ofenheizung, schlechte Luft, Mangel an Feuchtigkeit und natürlich auch krankhafte Zustände. Die Zimmertemperatur sollte man imm-'Y auf vierzehn bis höchstens fünfzehn Grad R. halten, denn bei dieser Wärme fühlt sich ein gesunder Mensch am wohlsten. Eine größere Wärme wirkt ähnlich tote der Alkohol: sie ist mo­mentan angenehm, aber sobald sie nachläßt,. empfin­det die Haut Unbehagen. Unbedingt notwendig ist ein öfteres Lüften des geheizten Zimmers. Man glaube nicht, daß dieses dadurch kalt wird; schlechte, ver­brauchte Luft erwärmt sich viel schwerer als frische, kühle, reine Luft. Diese bringt auch ein größeres Maß von Feuchtigkeit herein, welche für das Wohl­befinden durchaus erforderlich ist. Trockene Luft ent­zieht dem Körper zuviel Feuchtigkeit, sie kühlt also die Haut ab, und dadurch eben entsteht das unbehag­liche, fröstelnde Gefühl. Deshalb sollte man eben­sowohl einen Feuchtigkeitsmesser im Wohnzimmer haben, wie ein Thermometer. Die gesunde Lust muß 60—70 Grad Feuchtigkeit enthalten. Nötigenfalls lasse man Wasser verdampfen. Die geheizten Amts­räume bei den Behörden weisen in der Regel viel zu wenig feuchte. Luft auf, so daß es nicht wundcr- nehmen kann, wenn die Beamten krank werden uns die Zimmerwärme ungenügend finden, während das eintretende Publikum vor Hitze umkommen möchte, gf.

— Die mittlere Lebensdauer der Europäer. Tie französische Zeitschrift Revue de msdicine bat curs^r-

ß Allgem. Ortskrankenkasse der Stadt Fulda. Wir erhalten folgende Zuschrift:

Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkaff» nahm in seiner Sitzung vorn 26. d. Mts. zu dem in Nr. 244 Ihrer Zeitung vorn 21. Oktober gebrachten Bericht „Krankenversicherung der Dienstboten* Stellung. In dem letzten Absatz stellen Sie die Behauptung auf, daß es weniger unangenehm empfunden worden wäre, wenn man die durchweg gesunden Dienstboten nicht in die allerungünstigsten Kaffen, die Allgemeinen Ortskranken­kassen, gesteckt hätte. Diele Behauptung, daß die Orts­krankenkassen die allerungünstiasten Kaffen sind, entspricht den Tatsachen nicht; der Fall dürfte eher umgedreht liegen; denn gerade die Ortskrankenkaffen sind e8 ge­wesen. die in Bezug auf Erweiterung der Leistungen, wie Erhöhung des Krankengeldes, Ausdehnung der Krankenfürsorge für die Angehörigen der Mitglieder, Errichtung von Walderholungsstätten und Genelungs- betmen u. a. m. bahnbrechend vorgegangen sind und Mustergültiges geleistet haben. Welche Kaffen nun für die durchweg gesunden (?) Dienstboten günstiger fein sollen, geht aus dem Bericht nicht hervor, vielleicht die Landlrankenkaffen? Denn andere Kaffen kommen für die Versicherung der Dienstboten nicht in Frage. Oder hat man, ohne die Frage der am 1. Januar n. I. eintreten« den Bersicherungspflicht der Dienstboten näher zu prüfen, die Ersatz- oder Betriebskranken - Kassen gemeint ? Bei letztgenannten Kaffen dürften allerdings einige Fälle zu verzeichnen fein, daß sie günstiger stehen al8 die Orts­krankenkassen. Der Grund hierfür ist jedoch leicht erklär­lich, da diese Kassen die Aufnahme neuer Mitglieder in den weitaus meisten Fällen erst dann vornehmen, wenn durch ärztliche Untersuchung volle Gesundheit nachge­wiesen ist, währenddessen diejenigen, die ein einwand­freies Gesundheitszeugnis nicht erbringen können, keine Aufnahme finden, sondern in den Ortskrankenkassen untergebracht werden. Trotz dieser bestehenden Mängel, die vom sozialen Standpunkt aus nicht zu billigen sind, werden die Ortskrankenkaffenvorstände und Verwal­tungen eifrigst bestrebt fein, die heute schon in Bezug auf Mehrleistungen an der Spitze marschierenden Ortskranken­kassen noch weiter auszubuuen, zum Wohle der Ver­sicherten und ihrer Angehörigen.

In dieser Erklärung wird zugegeben, daß sich günstigere Versicherungsbedingungen denken lassen, als die Ortskrankenkassen sie haben. Es wird nicht in Abrede gestellt, daß der Landkrankenkasse gewiffe Vorzüge zuzusprechen sind. Zweifellos werden die Versicherungsnehmer einer Landkrankenkasse einen besonders günstigen Gesundheitszustand aufweisen. Leben doch die Landarbeiter, die den Kern der Land« krankenkasse zu bilden haben, unter weit geringerer Gefährdung der Gesundheit als die allen möglichen Gewerbekrankheiten und Betriebsunfällen ausgeietzten Industriearbeiter, die das Gros der Ortskrankenkasse ausmachen. Immerhin sei zugegeben, daß in der Praxis die Ortskrankenkasse als allgemeine Ver­sicherungsbehörde für Dienstboten wohl kaum durch eine günstigere ersetzt werden kann.

(!) Die Ausgrabungen auf dem Domplatz. Die gestrigen Milteilungen über die Ergebnisse der Aus­grabungen geben die Meinung der amtlichen Kunst­denkmalpflege wieder. Zur Ergänzung sei noch bemerkt, daß diese Stellen die Bedeutung der Funde vor allem in der Hinsicht auf die Geschichte der Archi­tektur erblicken. Dagegen sei die angebliche Auf­findung des Erbbegräbnisses König Konrads I. durch nichts bewiesen. Etwa 25 Meter vor der Front des mit seinen beiden Türmen nach Osten weisenden Domes wurden Uebenefte jenes Baues angetroffen, der in srühromanischer Zeit der Vorläufer des heutigen Münsters war. Insbesondere sind die Grundmauern des Ostflügels des ehemaligen „Paradieses" (einet offenen Vorhalle) mit der in der Milte dieses Flügels und zugleich in der Hauptachse des Domes gelegenen Königskapelle aufgedeckt worden. Die Auffindung dieser bis in daS Jahr 970 zurückreichenden Spuren eines Bauteils des berühmten Münsters muß deshalb als sehr wichtig bezeichnet werden, weil sie die alte Streitfrage, ob die Königskapelle einen obsidialen (halbrunden) ober einen rechteckigen Abschluß besessen habe, zugunsten des rechteckigen Schlusses zu ent­scheiden scheint. Von Architekturteilen fanden sich außer dem Reste des Schaftstückes einer Zwerg­fäule nur noch das Bruchstück eines Kapitells mit der Ecke eines AkanthuSdlattes und einer darüber­liegenden ionisierenden Volute. Beide Fundstücke sind aus Sandstein gearbeitet.

X Lqndtoirtschaftskammer. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer zu Kassel hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, für die zukünftigen Bezirks- tierschauen den Kammerbezirk zweckmäßiger als bisher einzuteilen. Danach soll der Ort der Be­zirksausstellung derartig wechseln, daß einmal der südliche, dann der nördliche und der westliche Teil des Kammerbezirks infrage kommt. Die Reihenfolge der Bezirksausstellungen beginnt 1914 mit dem nörd­lichen Teil (Hersfeld). — Zum nördlichen Teil gehören die Kreise: Gersfeld, Rotenburg, Eschtoege, Witzenhausen, Melsungen, Kassel und Hofgeismar. Zum westlichen Teil die Kreise: Wolfhagen, Fritzlar, Homberg, Ziegenhain, Kirchhain, Marburg und Frankenberg; zum südlichen Teil di» Kreise: Fulda, Hünfeld, Gersfeld, Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau. — Die Kreise Grafschaft

rechnet, daß die durchschnittliche Lebensdauer der Be­wohner Europas etwa 39 Jahre beträgt. Natürlich ergeben sich zwischen den Angehörigen der einzelnen Nationen erhebliche Unterschiede. So wrrd der Schwede durchschnittlich 50 Jahre alt, der Engländer 45, der Belgier, Schweizer und Holländer 44, der Russe und Franzose 43, der Preuße 39, ebenso der Italiener, der Oesterreicher 34 und der Spanier 32. Zwischen der Sterblichkeitsziffer Schwedens und Spaniens besteht also ein Unterschied von 18 Jahren. Aus der Statistik geht nun hervor, daß in Spanien die Zahl der 100, 80 und 60jährigen annähernd den­selben Prozentsatz der Gesamtbevolkerung erreicht tote in Skandinavien. Die großen Differenzen in der durchschnittlichen Lebensdauer in den einzelnen Län­dern beruhen also vornehmlich auf der größeren Sterblichkeit der jüngeren Personen; insbesondere kommt da die unverhältnismäßig große Kinderstcrb- liäfleit in Betracht. Die Staaten mit der größten Lebensdauer sind auch die Staaten mit der geringsten Kindersterblichkeit. Eins der sichersten Mittel, die Lebensdauer in den einzelnen Staaten zu erhöhen, liegt deshalb in der energischen Bekämpfung der Kindersterblichkeit mr-

— Lebendes Geld. Bei den Völkern am Nyaffa- sce herrscht eine merkwürdige Sitte. Es gibt in der dortigen Gegend eine Menge Wachteln. Diese wer­den von den Eingeborenen in Schlingen gefangen und in kleine Käfige aus Stäbchen gesetzt, die wieder an einem langen, in die Erde gerammten Pfahl iibcr- etnandergehängi werden. Will man nun etwas ein­handeln, z. B. eine Frau, so bezahlt man den Preis mit solchen Wachteln, die je nach Wunsch und Bedarf natürlich auch geschlachtet und verschmaust werden. Dieses lebendige Geld hat den Vorteil, daß man es sich, wenn auch mit einiger Geduld, imm^r wieder selbst beschaffen kann, or e sich strafbar zu machen.

Schaumburg und Herrschaft Schmalkalden zählen be­kanntlich nicht zum Landwirtschastskammerbezirk Kaffel.

-r- Bom Distelrasentunnel. Der neuerbaute große Distelrasentunnel Schlüchtern-Flieden wird bestimmt am 1. Mai 1914 seiner Bestimmung über­geben werden. Die Züge Frankfurt-Bebra und um- gekehrt werden dann nicht mehr die Kopfstation Elm zu paffteren brauchen, sondern direkt über Schlüchtern durch den neuen Tunnel fahren. Zwischen Schlüch­tern und Elm und Flieden und Elm werden Pendel­züge eingerichtet werden. Der neue Tunnel verkürzt die Fahrzeit zwischen Frankfurt und Bebra schon wesentlich; sie wird noch weit mehr für die D« und Eilzüge verkürzt werden, wenn erst die U m g e h u n g s- bahn bei Bebra dem Betriebe übergeben ist.

-X- Vieh - Sonderzüge. Anläßlich des morgigen Diehmarktes wird die Station Fulda bei Aufgabe von je 10 Waggons in der Richtung nach Bebra, Frank­furt-Süd und Gießen je einen Vieh-Sonderzug ein» legen.

E Arbeits-Jubilar. Der Stanzer Herrn. Richartz kann heute auf eine 25jährige Tätigkeit in bett Ful­daer Stanz- und Emaillierwerken F. C. Bellinger zurückblicken.

1*1 Schöffengericht. Unangenehme, aber leider hier oft auftauchende Gesellen stnd jene Landstreicher, die in den Abendstunden die Straßenpassanten um Schlafgeld anbetteln. Ein solcher stand in der Person des schon sieben mal wegen Bettelns vorbe­straften Bautischlers Born aus Vels vor dem Gericht. Er hatte noch nach 10 Uhr abends auf der Straße gebettelt. Dafür muß er vier Wochen Haft absitzen. — In einer Augustnacht hat der Hüttenbeamte E. W., von hier gebürtig, zurzeit in Meydrich in Stellung, durch Lärmen und groben Unfug die Nachtruhe am Buttermarkt erheblich gestört. Er war damals in Urlaub. Gegen den polizeilichen Strafbefehl in Höhe von 9 Mark beantragte er gerichtliche Entscheidung. Hiermit hatte er jedoch kein Glück. Er wird zu der- selben Strafe verurteilt und hat außerdem noch die Kosten zu tragen. — Der 27jährige wiederholt vor- bestrafte Arbeiter Ph. H. und dessen noch nicht 18 Jahre alte Ehefrau logierten sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in der Zeit vom 3. bis 10. Mat bei einer Familie in der Leipzigerstraße ein. Dann verschwanden sie ohne das Logiergelb nut 18.25 Mk. zu bezahlen. Wegen Betrugs wirb ber Ehemann mit einer Woche Haft bestraft, seine Frau erhält einen Verweis.

# Ein scheuendes Pferd hat heute vormittag in der Bahnhofstraße viel Unheil angerichtet. Das Pferd eines kleinen Postwagens, ber vom Bahnhof zum Postamt fuhr, scheute unb rannte gegen einen Baum in ber Näh» bes Zentralbotels. Der Wagen fiel um. Der Postillon unb ber Begleitbeamte stürzten herab unb kamen unter bem Wagen zu liegen. Der Postillon blieb unbeschädigt, der Postbeamte dagegen trug erhebliche Verletzungen davon. Das Pferd zerbrach im'Aufspringen die Deichsel, rannte bann gegen eine Straßenlaterne, bie dabei in drei Stücke zersprang. Darauf wurde es eingefangen.

(?) Verkauf von Artikel aus dem Schaufenster, Nicht selten verlangt das Publikum, baß Waren- die es im Schaufenster ausgestellt sieht, hevausge- nommen unb ihm verkauft roeiben. Eine Verpflich­tung hierzu liegt jedoch, wie ber „Verband Deu'- scher Waren« unb Kaufhäuser, e. V ", mitteilt, durch­aus nicht immer vor Besim et sich ber gleiche Gegen­stand zu bAnfelben Preise unb in gleicher Güte auf Lager, so kann der Kaufmann nickt gezwungen werden, den Artikel aus dem Schaufenster herauszunehmen. Aber selbst wenn der Artikel nicht mehr au Lager ist, kann bie Herausnahme nicht verlangt wer­ben, wenn baburch die Schaufen st erbekoration wesentlich gestört werben würbe. Es müßte bann aber ein bementsprechender Hinweis im Schau­fenster angebracht werden. Macht jedoch die Heraus­nahme aus dem Fenster keine Schwierigkeiten, so kann der Käufer die Herausnahme au? dem Fenster bean­spruchen. Im Falle ber Weigerung, dies zu tun, könnte ev. eine unrichtige Angabe im Sinne ber §§ 3 unb 4 bes Gesetze? erblickt werben.

— Konzert deS Künstlerpaares Kneisel. Vielfachen Wünschen entsprechend wird der Violinvirtuose Professor Anton Kneifet aus Baris mit seiner Tochter Adeline am Mittwoch den 8. November im Bürgervereinssaale ein einmaliges Konzert veranstalten. Der Abend verspricht allen Musikfteunden einen erlesenen Kunst­genuß. Kneisel ist ein Künstler von hervorragenden musiküischen Fähigkeiten, und seine Tochter eine außer­ordentlich begabte Klavierspielerin. Aus den zahlreichen vorgelegten Anerkennungen und Empfehlungen greifen wir eine Kritik des .Wiener Fremsenblattes" heraus über ein sehr bemerkenswertes Konzert im großen Musikvereinssaal zu Wien:' „Das im Ausland rühmlichst bekannte Künstlerpaar A. Kneisel, ein Violinvirtuose von blendenden (Qualitäten, und feine nunmehrige 18jäbrtge Tochter Aoelme de Germaine-Kneisel, welche schon im Kindesalter Triumphe alS Pianistin gefeiert hatte, sanden beim Wiener Publi­kum gebührende Würdigung und reichsten Beifall. Der Abend wurde durch eine Sonate von Cesar Franck ein­geleitet. Die Bachsche Ciaconna für Solovioline, mit tiefdurchdachter, präzise herausgearbeiteter Technik unb muftergüiiger Vortragsweise gespielt, brachten dem Künstler rauschenden Erfolg Bach-Lis,ts Orgelpräludium und Fuge in A-MoU und Chopin-Etüden ließen uns die subtile Technik der jugendlichen Pianistin bewundern, deren Kraft im Anschläge und wirkungsvolle Jnterpre- tationskunst Liszts Mephistowalzer zur vollen Geltung brachte. In eigenen Werken, einer Serenade und einer Improvisation, brillierte Herr Kneisel, von seiner Tochter begleitet, die hierauf mit Saint-Saens' Toccata neuerlich das Zeugnis hervorragendster Künstlerschaft ablegte. Der Künstler spielte noch Bazzins „Ronde des Lutins , Tarlinis „Teuselstriller-Sonate" und mußte noch Im­provisationen zugeben. Immer wieder wurde das Künstlerpaar hervorgejubelt, und der enthusiastische Bei­fall gaben beredtes Zeugnis davon, daß Vater und Tochter mit ihrem Debüt auf den ersten Ansturm hin das Wiener Publikum erobert hatten."

Ans dem Nachbargebiete.

dlk. Das Dorfbackhaus.

In vielen Dörfern ist das Gemeindebackhaus der- schwunden, weil man das Selbstbacken eingestellt hat und sich lieber das Brot im Bäckerladen holt. Bäcker gibt es ja auch auf dem Lande, und wo es daran fehlt, da halt irgend jemand einen Brotladen ansge- tan, wo man das aus der nächsten Stadt gelieferte Brot immer frisch haben kann. Mit dem Schwinden des Backhauses aus dem Dorf verhallt aber leider ein Nachklang enger Torsgememschaft, die mit dem Selbstbacken zufammenhing. Glücklicherweise gibt es aber Landschaften, wo es in den Dörfern überall das Gemeindebackhaus noch gibt, und tor man das selbst- gebackene Stück Brot noch schätzt. Zu diesen Gegenden gehört auch unsere Rhön. Es dürste die Frage auf­geworfen werden: Lohnt sich denn noch das selbstbacken? Ist ,e§ denn nicht bequemer,

wenn der Bauer sich auch sein Brot im Laden holt, wie der Städter? Bequemer mag es Wohl fern, aber besser? Nein! Ganz abgesehen davon, daß das Selbst­backen an sich billigeres Brot liefert, hat es auch aus einem anderen 'Grund noch Vorzüge. Zunächst kann sich jeder das Brot nach seinem Geschmack bereiten. Er kann das Roggenmehl gröber oder feiner nehmen, es mit Weizenmehl mischen, tote es ihm beliebt. Wo man das Brot im Bäckerladen holt, da wird es frisch weggegessen, während beim Selbstbacken ein Vorrat ins Haus kommt und das Brot austrocknen kann. Nun "zwingt aber das altbackene Brot zum besseren Kauen unb wird daher auch besser ausgenutzt unb sättigt besser als das frische Bäckerbrot., Man kommt daher mit ersterem auch weiter als mit letzterem; so ist denn unser selbstgebackenes Brot auch aus diesem Grund billiger und gesünder als „Kausbrot". Man- cher will auch die schlechten Zähne der jungen Leute in unserer Zeit mit dem feineren und frischen Brot in Verbindung bringen, das heute vielfach auch auf dem Lande gegessen wird. Die alten Leute hätten in ihrer Jugend nur altes, grobes. Brot zu essen be­kommen, darum seien ihre Zähne gesund geblieben. — Möge das Gemeindebackhaus, da, wo es noch be­steht, auch in Zukunft erhalten bleiben.

& Hünfeld, 18. Oft. 1913. Die hiesige Ort?« gruppe bes Vereins für hessische Geschichte unb Landeskuube veranstaltete gestern im Hotel „Engel" ihren ersten Geschichtsabenb im Winterhalb­jahr 1913/14. Herr Oberlehrer Rienberger sprach über ben Verlauf ber Völkerschlacht bet Leipzig, währenb ber Vorsitzende, Herr Rektor Sondergelb übet bie große Retirave ber geschlagenen französischen Armee burch bas Hünfelber unb Fuldaer Gebiet aus­führlich berichtete.

(:) Ans der Rhön, 28. Oft. 1913. Der diesjährige UnterverbandstagRaiffeisenscherGe- nossenschaften im Kreise Gersfeld land am letzten Sonntag im Gasthof Schoenberg zu Pop­penhausen statt. Alle zum Unterverba.rd gehörigen Vereine waren vertreten, einzelne durch eine statt­liche Zahl von Mitgliedern, mit Ausnahme von Gün­thers, Simmershausen und Wendershausen. An Stelle des Unterverbandsdirektors, Herrn Pfarrer Atzert-Eckweisbach, der aus Gesundheitsrücksichten zum großen Bedauern am Erscheinen verhindert war, übernahm Herr Dechant Dr. Fischer- Poppen­hausen die Leitung der Versammlung und hieß die zahlreich zum Teil aus weiter Ferne (wie Wüsten­sachsen, Lahrbach usw.) Erschienenen herzlich will­kommen. Nach ausgebrachtem Kaiserhoch, in wel­chem er der erfolgreichen Bemühungen des Kaisers im letzten Jahre um den äußeren und inneren Frie­den als Grundbedingung der Blüte des Genossen­schaftswesens gedachte, erstattete er den Rechenschafts­bericht. Er konnte mit Freuden konstatieren, daß es mit der Raiffeisen-Sache in der Rhön im Jahre 1912 vorwärts gegangen sei, indem die Zahl der Mit­glieder gewachsen, der Jahresumsatz sich bedeutend gesteigert, auch der im Jahre 1912 erzielte Gewinn bedeutend höher sei als jener im Jahre 1911. Es folgte die Ansprache des Genossenschaftsdirektors Schüler aus Kassel, der an Stelle des verhinderten Oekonomierats Rexerodt erschienen war. Derselbe verbreitete sich über bie Fortschritte der Jetztzeit, ver­glichen mit den Zuständen vor 100 Jahren und schilderte namentlich, welchen Anteil Raiffeisen an diesen Fortschritten habe. Die neuzeitliche Entwicke­lung, so führte er aus, sei namentlich gekennzeichnet durch das Wort „Geld". Raiffeisen verschaffe feinen' Vereinen das nötige Geld durch die Zentraldarlehus- faffe, die einen so bedeutenden Geschäftsumsatz an­genommen habe, daher ihr Aktienkapital bedeutend erhöhen müsse, weshalb es Pflicht der einzelnen Ver­eine sei, die Zentraldarlehnskasse durch Zeichnung von neuen Aktien zu unterstützen. • Die lichtvollen Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenom­men. Es setzte sofort eine lebhafte Debatte ein, an welcher sich neben dem Versammlungsleiter nament­lich die Herren Pfarrer Ney-Dipperz und Kehl-Reul­bach, Landtagsabgeordneter Drinnenberg, Lehrer Gramm-Dietershausen und Kreistagsmitglied Rein- Hardt-Manerschell beteiligten. — Es folgte der zweite Vortrag des Herrn Landwirtschaftslehrers Lutte über „Selbsthilfe des Landwirts unter besonderer Be­rücksichtigung der Ausbildung". Auch diese ebenso klaren als zeitgemäßen Darlegungen, die namentlich noch von Herrn Pfarrer Kramm-Kleinsassen und an­deren Herrn unterstrichen wurden, wurden lebhaft applaudiert. Weitere Punkte der Tagesordnung wa­ren: Erhöhung des Zinsfußes in den einzelnen Ver­einen, worüber Herr Drinnenberg wertvolle Auf- fchlüffe gab, die Aussichten der neuen Bahn Fulda- Dipperz-Poppenhausen, worüber Herr Pfarrer N e y berichtete usw. Die Stimmung der Versammlung war, wie es bei Raiffeisenmännern der Rhön selbst- verstäiidlich die beste, und trug der exakte Vortrag mehrerer recht paffend gewählter Lieder seitens des Gesangvereins von Poppenhausen wesentlich dazu bei. Die Zeit war schon weit vorgerückt, — hat ja Pop­penhausen, wie der Leiter der Versammlung mit gutem Humor bemerkte, neben der zentragen Lage, dem geräumigen Saal auch noch den Vorzug, daß es o h n e Bahnverbindung ist, und daher fein Schaff­ner zum Aufbruch mahnt — als die Versamm­lung mit einem zündenden Appell zum treuen Fest­halten an der Raiffeisensache geschlossen wurde.

△ Hana«, 28 Ott. 1913. Die bürgerlichen Parteien Hanaus werden bei den bevorstehenden Stabt« verordnetenwahlen gemeinsam vorgehe n. Die Kanbibaten-Liste ist das Ergebnis eingehenber unb recht sorgfältiger Verhandlungen, unter besonderer Berücksichtigung, daß nur bei geschloffenem Vorgehen aller bürgerlichen Wähler bie Möglichkeit vor­handen, auch die dritte Abteilung siegreich burchzu- btingen. Die sozialbemokratische Partei bat gleich­falls einen entschiebenen Kamps um bie fünf Man­date ber brüten Abteilung begonnen.

f. Frankfurt a. M , 28. Oft. 1913. Infolge der fintenben Sonjunftur haben zahlreiche Fabriken eine vermindert» Arbeitszeit eingeführt. Daneben sieht man sich aber auch nicht nur zur Entlassung vieler Arbeiter genötigt, sondern auch Beamte erhalten in größerer Zahl ihre Kündigung. — Zur S teuerung der Arbeitslosigkeit hat die Stadt in dem Nieder­wald an der Hanauer Bahn umfangreiche Notstands- Arbeiten angeordnet.

* Gomberg, 28. Oft. 1913. Der in Niedelbach ansässige Schreinergeselle Guckes, welcher in Höchst in Stellung gewesen war, kam auf der kurz vor Rieder­bach ziemlick steil abfallenden Wegstrecke mit dem Rad zu Fall. Die Deichsel eines vorbeisahrendeu Fuhrwerks drang dem Unglücklichen in den Un- terleib und verletzte ihn derartig, daß er bald verstarb

b. Weilburg, 28. Oftbr. lq13. Wie weit bie meteorologische Wissenschaft gediehen ist, da> von legen Beobachtungen der oberheistscken Obstbau« Anstalt Oberz wehren Zeugnis ab. Von ben von