LNchcim «glich mH Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Merkel- I jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn and Bestellgeld In $ulbo | sowie auswärts 1.50 Mark. - Rotatlonsöru* und Oerlag der ! $ s Juibaer flctienörudterei In Zulda. Zernsprecher Nr. 9. ::
~ “ tDoc^en-Beitage: s 2 s s THonats-Bettage: s s Illustrierte Sonntagszeifung | Zuldaer Seschichtsblätter » Ziehungsliften der preußisch-süddeutsche« Klaffen-Iotterie. — Halbjährlich Taschensahrplan. «
Montag den 27. Oktober 1913
Erstes Blatt
Nr. 249.
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Konkurs fällen wird der tercilllcte Rabatt blnfällia. €rfCUuncsci1 Jüi Us L!n- klagai oon Zorderunzen M SuI6a. ßnielgen-finncljme bis 10 Uhr e»rmlltaa«. 4 c Größere finjeioen «rbilien wir uns tags vorher. s a
40. Zahrgang.
Wirklich ein Musterländle!
sich die Stellung der Monarchie im Dreibund unseren Augen zeigt: vielleicht wird das zum Nachdenken in ben Gruppen des Deulschen Reiches anregen, wo die ernstesten Tatsachen der europäischen Politik so leichtfertig behandelt werden und wo die Ueberlegung fehlt, daß solche Tände. leien in einer bösen, noch nicht gänzlich abgeschlossenen Krise unerfreuliche Rückwirkungen haben können!
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trum 116 170 (91176) oder 34,8 (29,8) Prozent, für Konservative, Bündler, Reichspartei usw. 31 957 (Konservative 18113, Bund der Landwirte 8 791) oder 9,6 Prozent (5,9 Prozent und 2,9 Prozent) Stimmet.
□ „Aus eine Stimme kommt es nicht an!" sagi mancher wahlfaule Wahlberechtigte. Wie sehr es aber doch auf eine einzige Stimme ankommen kann, zeigt d>r amtliche Feststellung des Wahlergebnisses im Wahlkreise Durlach-Ettlingen-Pforzhcim- Land. Dort hat der konservative Landtagskandidat, Bürgermeister Schöpfle in Langensteinbach, nur etncStimmemehr erhalten, als die beiden Ge- gcnkanditen. Er ist also mit einer Stimme Mehrheit gewählt worden. Auf eine Stimme kommt es an!
Erfolge der Hanptwahl krönen. Das Zentrum im ganzen deulschen Vaterlande erwarte!, daß jeder seine Pflicht tue
* Die amtlichen endgültigen Ermittlungen des Wahlresultates vom 21. Oktober, die nunmehr vor- bcgen stellen fest, daß von 424 489 (1909: 4034601 Wahlberechtigten 336 337 (308 601) oder 79,2 '76,5) Prozent abgestimmt haben. Es wurden abgegeben für bte Nationalliberalen 80 545 (75 094) oder 241 (25.5) Prozent, für die Fortschrittiche Volkspartei 30 311 (20 993): außerdem wurden 1909 noch etwa 1000 nationalsoziale Stimmen abgegeben) ode-- 91 (6,9) Prozent, für die Sozialdemokraten 74 328
Deutsches Reich.
♦ Berlin, 27. Oft. 1913. Dem preußischen Land» tage wird, wie wir Berliner Blättern entnehmen, in der nächsten Session der Entwurf eines Fischerei« Gesetzes zugehen.
7 Zur braunschweigischen Frage. Berliner Blättern zufolge ist an einer einmütigen Annahme des preu« ßischen Antrages im Bundesrate nicht zu zweifeln. Der Reichskanzler soll beabsichtiaen, kurz vor dem Zusammentritte des Reichstags mit den Führern der bürgerlichen Parteien Fühlung zu nehmen, um ihnen den Standpunkt der Reichsregierung in der braunschweigischen Thronfolgefrage klar zu legen. .< Wie weit diese Meldung auf Wahrheit beruht, entzieht sich zurzeit unserer Kenntnis. Die ,Tägl. Rundschau«, bte sich bekanntlich ganz besonders für die braun« schweigische Frage interessiert, weiß von einem Thronbesteigungsedikt des Prinzen Ernst August zu berichten, das von der braunschweigischen Regierung vorbereitet werde. Das Edikt soll unmittelbar nach der Feststellung des Bundesrats, daß eine Behinderung des wölfischen Hauses, den braunschweigischen Thron zu besteigen, nicht mehr vorliegt" von dem Herzog an die Braunschweiger erlassen werden. Der Her- zog werde in Form eines feierlichen Gelöbnisses fReservalien im Sinne der braunschweigischen Verfassung) den Braunschweigern seine Thronbesteigung bekanntgeben und daran die Versicherung knüpfen, daß er seinem Volke ein gerechter und strengverfassungstreuer Fürst sein werde. Die Kundgebung soll ein klares, unumwundenes Bekenntnis zur Reichsverfassung enthalten. Mit dem Erscheinen des Thronbesteigungsedikts wird der Herzog Kontingentsherr mit dem Range eines preußischen Generals. Unmittelbar da- rauf erfolgt die Vereidigung der braunschweigischen Truppen aus den neuen Landesherrn.
+ Ein Gesetz gegen den Schmutz und Schund. Der Abg. Erzberger hat vor kurzem erklärt, daß der Reichstag sich in seiner bevorstehenden Tagungen auch mit einem Gesetze gegen den Schund und Schmutz m Wort und Bild befassen werde. Das ,Berl. Tagebl.', das, wie man sich denken kann, von einem solchen Gesetze niM wissen will, stellt sich, als sei diese Mitteilung aus den Fingern gesogen. Es scheint dem . Blatt in Vergessenheit geraten zu sein, daß der Bundesrat bereits im Jahre 1912 dem Reichstage Mit- leilung von dieser bevorstehenden Vorlage gemacht hat.
♦* Keine durchlochten Nickelmiinzen. Reuerding- ist wieder der Vorschlag aufgetaucht, durchlochte
I wie Sie meinen, werden Sie sich ausweisen müssen, I wie Sie zu denselben gekommen sind."
Felicie hustet nervös.
„Gewiß gewiß — ich werde alles beweisen. Nur bitte, rasch! Und ich möchte das Geld sofort haben!"
Kopfschüttelnd verschwindet der junge Mann mit dem Schmuck im Nebenzimmer.
Es dauert eine ziemlich lange Zeit, bis er zurückkehrt. Felicies Ungeduld wächst.
Ihre Gedanken teilen sich zwischen dem Bräuti- ' gam und der Mutter. Neben Barri.igtons freudestrahlendem Antlitz tauchen die bleichen, durchfurchten Züge der alten Frau auf, deren zitternde Lippen vorwurfsvoll murmeln: „So achtest Du den letzten Wunsch Deines verstorbenen Vaters, Du ungeratenes Kind Du!" . . .
„Es ist für Dich für Dich, mein Norbert!" ruft sie laut in ihrer Erregung.
Dann blickt sie sich erschrocken um. Wenn jemand sie gehört hätte!
Felicie hält den Atem an.
Alles still___
Endlich geht die Tür.
Ein ältlicher, scharfblickender Herr tritt ein, in der Hand das Etui.
Felicie will sprechen; doch kein Wort kommt über ihre zitternden Lippen.
„Hier", sagt der Juwelier kalt, das Etui auf den -L.lsch stellend. „Solch Zeug kaufen wir nicht."
Felicie ist wie erstarrt.
„Wa—a—as? Wie — meinen Sie das?"
»Solch Zeug kaufen wir nicht", wiederholt der Juwelier mit erhobener Stimme. „Sie sagten meinem Gehülfen, die Steine wären echt?"
Seine Augen ruhen durchdringend auf den ent« setzten Zugen des jungen Mädchens.
„Natürlich. Sie sind das Vermächtnis meiner verstorbenen Großmutter, der berühmten Tragödin Nabel simson. Sie müssen ihren Namen kennen, mem Herr — Rahel Simson vom „Universal- ’ Theater" —
„Netn, ich kenne ihn nicht", erwidert der Mann in wenigescharfem Tone. „Aber soviel -st »hiii
ebenso zu schreiten, ebenso zu gestikulieren, wie Sie es bei Ihrem Eintritt taten — daß ich Ihnen alsdann für morgen die Partie der „Ophelia" ander-, trauen würde. Sie haben sie doch studiert, nicht: wahr?"
Felicie nickt. Langsam beginnt sie, ihre Gedanken zu sammeln. Die Partie der „Ophelia" übernehmen, bedeutet für sie, urplötzlich von einer unbedeutenden Schauspielerin ins Fach der „ersten Liebhaberinnen"
l überspringen.
„Ja, ja. Herr Direktor!" ruft sie atemlos. „Ich will die „Ophelia" spielen!"
„Bravo, mein Kind! — Also, meine Herren und Damen —" wendet sich Direktor Furrer zu den Künstlern, welche sich während der Unterhaltung ihres Chefs mit Fräulem Mackah ein wenig zurückgezogen hatten — „die Probe kann ihren Anfang nehmen. Wir haben eine „Ophelia"!"
In Felicies Adern rollt echtes Künftlerblut. Einmal in ii)ver Rolle drin, vergißt sie alles um sich her. Bald ist die fürchterliche Enttäuschung, die sie vor kaum einer Stunde erlebt, ihrem Gedächtnis völlig entschwunden.--
Die Probe ist zu Ende.
Felicie setzt sich den Hut auf, um mit Barrington das Theater zu verlassen.
Da nähert sich ihr mit ausgestreckten Händen Gerda Douglas.
„Ach gratuliere Ihnen aus vollstem Herzen, liebe Felicie. Cie werden die „Ophelia" sehr gut spielen. Was in meiner Macht steht, um Ihnen einen großen Erfolg zu sichern, soll geschehen. Ich habe die Rolle öfters gegeben und kenne jede Pointe, jede noch so kleine Nuance. Wollen Sie mit Barrington heut nach der Vorstellung bei mir zu Abend essen, so wollen wir die Partie einmal zusammen durchnehmen. Ist es Ihnen recht?"
Gerdas Worte sind so schlicht, so von Herzen kommend; aus ihren leuchtenden grauen Augen spricht so viel Seele, so viel Menschenfreundlichkeit — Felicie errötet aus Scham, doß sie diesem Mädchen je mißtrauen konnte.
^ort'-tzung folgt.)
V.
Ns Felicie die Bühne des „Metropol-Theaters" betritt, herrscht dort allgemeine Erregung. Die Probe zu „Hamlet" kann nicht stattfinden, da die Darstellerin der ,^Ophelia" erkrankt ist.
Gleichgültig gegen alles um sie her wirst Felicie sich in einen Sessel. Ihre großen, schwarzen Augen stieren vor sich hin; nervös trommeln ihre Finger auf-ker Marmortischplatte herum. — —
Direktor Furrer blickt sie zuerst erstaunt, dann mit steigendem Interesse, an.
„Frau! ein Mackah!"
Keine Antwort.
„Fräulem Mackah!"
Wieder feine Antwort.
„Sieb, der Herr Direktor ruft Dich!" raunt Barrington ihr ins Ohr.
Felic,' hebt die Lider. Ihre Augen haben etwas Leeres, Stumpfsinniges.
„Fräulein Mackah", wiederholt Direktor Furrer, sich ihr nähernd, „würden Sie cs fertig bringen, abends auf der Bühne ebenso auszr.stheu, wie gerade jetzt?"
verständnislos blickt sie ihn an.
„Ich verstehe Sie nicht; was meinen Sie —"
„Ich meine, daß — wenn Sie es fertig brächten,
■’orgen abcnd mf der Bülme ebenso auL—lechen.
3it der schule der Leidens.
7j Roman aus dem New-Dorker Leben.
Von Erich Friesen.
Jetzt biegt sie um eine Ecke und steht auf der Broadway, der belebtesten Geschäftsstraße Newyorks.
Das Glück will ihr Wohl. Schon der zweite Laden ist ein Juweliergeschäft.
Schnell tritt sie ein.
Zwei Herren handeln gerade um einen Brillantring.
Sie zieht sich etwas zurück, bis Käufer und Verkäufer einig sind.
Dann erst tritt sie vor.
Ihre Befangenheit ist zurückgekehrt. Zweimal muß sie der junge Mam> hinter dem Ladentisch nach ihrem Begehr fragen, bevor sie den Sinn seiner Worte versteht.
„Ich möchte etwas verkaufen —" beginnt sie zögernd. ihre großen, sprechenden Augen schüchtern auf den Fragenden richtend.
Tarnst zieht sie das Etui aus der Tasche und öffnet es.
Verwundert blickt der junge Mann bald auf die glitzernden Juwelen, bald das ersichtlich verlegene Mädchen.
„Sie wünschen, das Kollier zu verkaufen, mein Fräulein?"
„Ja. Es gehört mir. Ich habe es nicht gestohlen", fügte sie, seine zweifelnde Miene bemerkend, hastig hinzu „Sie kaufen doch solche Sachen?"
„Gewiß, manchmal. Sind dies hier echte Diamanten ober Sinnst?"
„Echte — natürlich Sie sind sehr wertvoll. Bitte, sagen Sie mir schnell, ob Sie sie kaufen wollen- sonst geh ich wo anders hin. Ich habe Eile."
Dem jungen Manne erscheint die ganze Anae- legenbeti immer verdächtiger.
Sie einen Augenblick Platz, mein grautet«. Ich werde den Schmuck meinem Chef vorregen, Wenn die Steine wirklich so wertvoll sind, 1
Je? Was die badischen Wahlerfolge lehren.
Unsere Freunde in Baden haben es gar nicht so leicht gehabt. Erst bei der dritten Wahl, die auf Grund der Landtagswahlreform stattfand, ist es ihnen gelungen, die Macht des rosaroten Blocks zu brechen. Die vorhergehenden Wahlen von 1905 und 1909 brachten bittere Enttäuschungen. Im Jahre 1905 verlief der erste Wahlgang freilich günstig, aber im zweiten Wahlgang, der die Stelle der bei uns üblichen Stichwahl vertritt, gelang es den Führern der Linksparteien, durch ein Wahlbündnis und die begleitende Hetze gegen die „drohende klerikal-konservative Reaktion" die Dinge auf das falsche Gleis zu schieben und die Rechte um die berechtigte Mehrheit zu bringen. Man tröstete sich mit der Hoffnung, daß die Großblockherrschaft an ihrer inneren Unnatur und an dem Widerwillen der staatstreuen und christlichen Ele- I mente bald scheitern werde. Mer die Krankheit war nicht so schnell zu überwinden. Ein Minister in Amt und Würden nannte die Sozialdemokratie eine „großartige Bewegung"; von oben war keine Hilfe und kein Heilmittel zu erwarten. Ja, bei den Wahlen von 1909 zeigte sich sogar eine Verschlimmerung des Hebels. Unter der Hetze, die nach der Reichs- I finanzresorm mit einer unerhörten Wut sich ent« I wickelte, verlor die Rechte noch weitere Mandate und Wählerstimmen, der Großblock brachte es auf die stattliche Mehrheit von 44 unter 73 Abgeordnete«.
I Auf der Linken träumte man schon von einer Zweidrittelmehrheit; nach deren Erreichung sollte sofort das neue Wahlrecht verschlimmbessert werden; mit I Hilfe des Proporz und anderer Kunstgriffe wollte man dafür sorgen, daß der Rechten die Erlangung der Mehrheit für alle Zukunft vollständig unmöglich gemacht würde. Unter diesen Umständen wurde die moralische Kraft der Zentrumsleute und der Konservativen auf eine harte Probe gestellt. Es galt, das Gefühl der Enttäuschung über die Wirkung der Wahlreform und die drohende Unlust zu überwinden. Es galt vor allem, die Eintracht zu bewahren. Und das ist den Wackern Führern und ! ihren tüchtigen Mitarbeitern unter den schwierigsten ! Verbällnissen in glänzender Weise gelungen.
Das Beispiel der badischen Brüder lehrt uns: Nicht verzagen, wenn es auch eine Zeitlang schief geht! Aushalten und weiter arbeiten, wenn auch der Erfolg auf sich warten läßt! Ja, dort ist wirklich mit unerschütterlicher Ausdauer weiter gearbeitet worden. Auch nach den Reichstagswahlen von Anfang 1912, die mit ihrem riesigen Anwachsen der sozialdemokratischen Fraktion und dem Ergebnis I einer knappen Linksmehrheit die unheilvolle Groß- I blockidee weiter zu fördern schienen. Unsere Freunde I hatten recht, wenn sie sich dadurch in ihrer mühseligen I Tätigkeit nicht stören ließen. Es galt von den letzten Neichstagswahlen und den sich anschließenden Acrger- I nissen lz. B. bei der Präsidentenwahl) das alte Wort: I Allzu scharf macht schartig. Von da ab setzte langsam I ein Umschwung ein, — ein Ruck nach rechts, der hauptsächlich von dem Widerwillen gegen die Um» sturzvartei getragen wurde. Für die praktische Poli- I tik ist es eine wichtige Regel, in ruhiger Ausdauer ben I Zeitpunkt abzuwarten, wo der Gegner durch Heber« I spannung feiner Machtgelüste einen Rückschlag her- beiführt. Es darf aher kein untätiges, schläfriges I Abwarten fein, sondern man muß alles borbereitet I haben durch umsichtige Arbeit von langer Hand, um I in dem richtigen Augenblick den entscheidenden Vor- I stoß führen zu können.
** Der Ausruf der Zentrumswahlen für die Nachwahlen ist in der badischen Zentrumspresse
I am Samstag veröffentlicht worden. Er bezeichnet den 21 Oktober als einen der denkwürdigsten Tage in
I der Geschichte der Partei. Landauf, landab herrsche I begeisterter Jubel und freudige Genugtuung über den I glänzenden Erfolg, die Frucht vieler und opferwilliger
Arbeit. Trotzdem die volle Entscheidung über die I Verteilung der 73 Mandate der Zweiten Kammer I noch nicht gefallen, fei die große Frage, ob in der I neuen Kammer die Mehrheit beim Rotblock bleibe, schon jetzt entschieden. Mögen die Stichwahlen aus-
I fallen wie immer sie wollen, eine Mehrheit des Rot- I blocks ist nicht mehr möglich. Der Aufruf bespricht I dann die Niederlage der Rotblockparteien im einzelnen I und stellt dem die Erfolge der Rechten gegenüber.
I Die Stichwahlparole ist wie folgt formuliert:
I Was von den 20 Stichwahlbezirken für Zentrum und I Konservative gewonnen werden könne, das müsse auch I wirklich gewonnen werden, um den Erfolg der Hauptwahl möglichst groß und wirkungsvoll zu machen . . . Die Zentrumswähler würden dabei um Mandate der Konservativen mit demselben Eiter sich wehren, wie um Mandate der eigenen Partei. Wie für die Hauptwahl, gelte auch für den zweiten Wahlgang die Parole: „Bor allem Kampf gegen die Sozialdemokratie." Leider fei es dem Zentrum unmöglich gemacht, in diesem Wahlkampfe zwischen der Sozialdemokratie und den Demokraten oder Freisinnigen einen Unterschied zu machen. Wo Kandidaten dieser Parteien miteinander um ein Mandat ringen, müsse für Zentrumswähler strengste Wahlenthaltung die Parole sein. Wo aber nationalliberale und sozialdemokratische Kandidaten miteinander ringen und die Gefahr eines sozialdemokratischen oder linksliberalrn Sieges drohe, da verlange die Rücksicht auf die Interessen der Allgemeinheit, daß das Zentrum über baS hinwegsehe, was es von der nationalliberalen Partei scheide, wie auch über das, waS sie an Leid und Unrecht dem Zentrum zugejügt habe. Eine Ausnahme wäre nur zu machen, wo ein national- liberaler Kandidat durch sein persönliches Verhalten es den Zentrumswählern unmöglich machen würde, ihm die Stimmen zuzuwenden. Der zweite Wadigang sollte bte die Steine in dem Ding hier —" er macht eine verächtliche Bewegung nach dem Etui hin — „sind nicht einmal gute Simili-Diamanten, sonder« nur ganz gewöhnliches Glas."
Felicie wird totenbleich. Ihre Worte sind kaum vernehmba", als sie mit von Tränen erstickter Stimme I fragt:
„Sind Sie dessen ganz sicher, mein Herr? Der I Schmuck bedeutet mein Vermögen!"
„Ganz sicher, mein Fräulein. Wenn das Kollier I jemals echte Diamanten enthielt, so sind Sie bestoh- I len worden. Ich kann Ihnen leider keine andere I Auskunft geben!" »
Schwergend steckt Felicie das Etui in die Tasche. I Dann verläßt sie, gesenkten Hauptes, mit müden, I schleppenden Schntten den Juwelierladen
** Der deutsche Kaiser in Wien.
W Wien, 26. Okt. 1913. Von dem Jagdbesuche beim Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand aus Konopifcht kommend, traf Kaiser Wilhelm Son.nag vormittag zu einem eintägigen Besuche bei Kaiser Franz Joseph ein.
Die Begrüßung im Penzinger Bahnhofe gestaltete sich überaus herzlich. Kaiser Franz Joseph ließ es sich ttotz des ungünstigen Wetters nicht nehmen, seinen Gast persönlich zu empfangen. Er küßte zweimal Kaiser Wilhelm und drückte ihm warm die Hand. Beide Monarchen standen eine Weile Hand in Hand. Während der Fahrt nach Schönbrunn wurden die Monarchen von einer großen Menschenmenge mit brausendem Jubel begrüßt. Auf der Fahrt zum Schlosse drängte ein junger Mann, als der Wagen die Cumberlandgasse passierte, zum kaiserlichen Wagen und reichte durch das offene Fenster ein Schrei" ben, in dem der junge Mann die Monarchen willkommen hieß. Kaiser Franz Joseph nahm das Schreiben entgegen. Der Mann, ein Maschinenarbeiter, wurde von Polizeiagenten angehalten und nach einer Verwarnung wieder entlassen.
Bei dem Frühstück saß der Minister des Aellßern Graf B e r ch t o l d zur Rechten des Kaisers Wilhelm. Nachmittags fuhr der Kaiser in die deutsche Botschaft und nahm beim Botschafter v. Tschirschky den Tee ein. Hier hatte Kaiser Wilhelm eine längere Un" terrebung mit dem Grasen Berchtold.
Nach der Rückkehr begab sich Kaiser Franz Joseph in die Zimmer seines G a st e s, wo d i e MajestätenlängereZeitzusammenver- weilten. Abends fand in Schönbrunn Familiendiner statt. Nach demselben erfolgte um 9 Uhr nach herzlicher Verabschiedung die Abreise des deutschen Kaisers nach Berlin.
W Berlin, 26. Okt. 1913. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wochenrund- schau:
Die Anwesenheit Kaiser Wilhelms auf österreichischem Boden rief in der Presse unserer Bundesgenossen lebhafte Kundgebungen für das zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn bestehende Treuverhältnis und für den während der Balkanwirren neu bewährten Dreibund hervor. Diese Stimmen finden bei uns freudigen Widerhall, verbunden mit dem warmen Dank für die unserem Kaiser in Oesterreich neuerlich erwiesene Gastsreundjchast. Durch das feste Zusammenstehen der Dreibundmächte in den Einielsragen der Balkanpolitik, das noch vor kurzem abermals erprobt wurde, wird der I allgemeinen europäischen Friedenspolitik keinen Ad- I b tu ch getan. Das durch alle Wechselfälle der Orientkrisis I glücklich hindurchgesteuerteEinvernehmenzwischendenGroß- I Mächten ist der Gegenstand unausgesetzter Pflege. Wertvoll I hierfür war der Besuch des russischen Ministers des I Aeußern in Berlin und der Verkehr mit den deutschen I Staatsmännern, wobei die auf der diplomatischen Tagesordnung stehenden Fragen eingehend und mit Offenheit unter befriedigenden Eindrücken durchgesprochen wurden. I
* Wien, 26. Oft. 1913. Während die ganze offi- I zios inspirierte Presse in schwungvollen Artikeln den deutschen Kaiser als Gast begrüßt, schreibt die „Neue I Freie Presse":
Die Völker der Monarchie dürfen verlangen, daß I «hnen gutgeschrieben werde, was ihnen gebührt, nämlich I die unleugbare Wahrheit, daß ein großes Stück der I Gehässigkeiten, unter denen wir zu leiden hatten, I nur die Strafe für unsere Bündnistreue war. Das I hat uns mehrere hundert Millionen gekostet und die I österreichischen Werte wurden von wichtigsten finanziellen I Absatzmärkten ausgesperrt. Der Deutschenhaß in Petersburg und Moskau hat die bequemere Form der Angriffe I auf Oesterreich-Ungarn und Frankreich ahmt dieses I Beispiel nach. Bon allen unseren Verbündeten haben wir am meisten für die Erhaltung des Friedens bezahlt I und gelitten und am spärlichsten von den Früchten des I Friedens genossen. Die Monarchie ist die äußere Mauer des Festungsdreiecks gewesen und diese ist auch wirklich bei der Verteidigung besonders stark beschädigt worden I — Es war notwendig, mit einigen Worten zu sagen, wie
' _ In der Zwischenzeit zwischen den beiden Wahl- gangen suchen die badischen Großblockfuhrer das Volk graulich zu machen mit der fürchterlichen „Reaktion", die im Falle weiterer Wahlsiege der Rechten über das Musterländle hereinbrechen würde. Wir glauben nicht, daß solches Bangemachen viel helfen wird. Die bernünfttgen Wähler haben sich gerade deshalb dem Zentrum und der Konservativen zu- getoa rbt, weil sie von einer solchen Mehrheit eine besonnene, stetige, beruhigende Politik erwarten, wogegen sie von der weiteren Blockherrschaft eine Erschütterung des inneren Feindes befürchteten. Der I (6,9) Prozents " für die Sozialdemvftc Großblock hatte ja u. a. die Umgestaltung des noch (86 078) oder 22,3 (28,1) Prozent, für jungen Wahlrechts auf 'sein Programm gefetzt; das * 1----- "" —— - ---—
Volk aber hat offenbar kein Wohlgefallen an den ewigen Wahlrechtskämpfen und Verfassungsänderungen: es erkennt in seinem gesunden Menschenverstände daß dahinter nichts anderes steckt, als eine brutale Machtpolitik, die schließlich zu eiter Vorherrschaft der Sozialdemokratie führen müßte. Daß das Volk kein Gefallen finde an der Streichung der Dotation für die Kirchen- gemein schäft, hatten die Grotzblockhelden selbst schon erkannt und deshalb beschlossen, diesen ihren Plan erst nach den Wahlen bekannt werden zu lassen. Zum Glück wurde die saubere Absicht schon früher bekannt, und so konnte die Wählerschaft selbst ihr Urteil dahin abgeben, daß siekeinen Kulturkampf will.
Große Gefahren sind abgewendet, die Bahn für eine solide, positive Arbeit am Wohle des Landes ist eröffnet worden. Das haben unsere Freunde ihrem Starkmut, ihrer zähen Ausdauer in schlimmen Tagen, ihrer festen Eintracht und ihrem rastlosen Fleiße zu verdanken.