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vrnck »er 8«l»<er Actientzruüerei in
•** Fuldaer Leitung
JMS 2^8.
-amrtag 25. Oktober J9I5.
Du hast ein
Dein seliger
Es
ein
ihr
ein
Ein chnisches Lächeln verzerrt die ohnehin häßlichen Züge des Mannes.
„Danke, mein Täubchen! Du hast ihn dort hergeholt — trag' ihn nur selber wieder hin! Und mach' schnell! Ich will schlafen! Hol's der Kuckuck — in seinem eigenen Hause hat man nicht mal Ruhe!. Da soll doch gleich der —"
Seine Hand holt zum Schlage aus.
Doch Felicie entwischt ihm geschickt. Sie sieht an dem aufgedunsenen Gesicht des Stiefvaters, an seinen unstät flackernden Blicken, daß er wieder ge-
So schnell ihre zitternden Finger es gestatten, kleidet sie sich an.
Frau Mackay ist bereits in der Küche mit Zubereitung des Frühstücks beschäftigt.
Felicies Herz klopft zum Zerspringen. Das Gewissen regt sich. Ihr ist, als durchleuchteten die Diamanten in ihrer Tasche das ganze Kleid, als reflektierten sie auf ihreri glühenden Wangen, als stände es in ihren Augen geschrieben, daß sie heute nacht heimlich einen kostbaren Schatz entwendete. . .
Ans dem Nachbargebiete.
(!) Ein schauriger Gedenktag für die Stadt Hünfeld
Am bevorstehenden 29. Oktober jährt sich zum, 2 5. Male der Tag, da die Stadt Hünfeld von einem entsetzlichen Brandunglück heimgesucht wurde. Schon im September 1886 war in Hünfeld ein großes Schadenfeuer entstanden. Am Morgen des 29. Oft. 1888 nun brach gegen 7 Uhr beim Kronenwirt Feuer aus. Mit rasender Schnelligkeit griff es um sich. Am Abend lagen zwei Dritteile der Stadt in Schutt und Asche. In der ganzen mittleren Stadt, vom „Fuldaer Berg" bis zum, Landratsamt war kaum noch ein Haus zu sehen.
Das schnelle Umsichgreifen des Feuers hatte seinen Grund darin, daß zahlreiche Scheunen im Weichbild der Stadt vorhanden waren, die nah aneinander standen und mit den Erträgnissen der Ernte gefüllt waren. Als ein weiteres Berbreilungsmittel des Brandes wurden die Strohpuppen bezeichnet, die damals noch allenthalben unter den Dachziegeln lagen. Außerdem bestanden alle Gebäude aus Fachwerk. Von den etwa 270 Häusern der Stadt fielen 117 Wohn- Häuser und die entsprechende Anzahl Nebengebäude dem verheerenden Elemente zum Opfer. Die General- Brandkasse in Kassel hatte ca. 800000 Mark Ent-, schädigung zu zahlen. Ebenso hoch war der Verlust an Mobiliar. Was die Ursache des Feuers anbetrifft, das so schreckliche Folgen hatte, so tauchte sofort der Verdacht der Brandstiftung auf. Er erhielt eine, bestimmte Richtung, als sich etwa 14 Tage nach dem Brande ein Sicherheitsbeamter unter eigentümlichen Umständen erschoß. Jedoch sind unbezweifelbare, Feststellungen nie gemacht worden. Namenlos war die Not, die über die Hünfelder Einwohnerschaft durch den Brand hereinbrach. Menschenleben waren, zwar soweit Hünfeld in Betracht kam, nicht zu beklagen. Einen tödlichen Unfall erlitt nur ein Fuldaer Feuerwehrmann, der Schreiner Fleck, der von einer Mauer abstürzte und nach qualvollen Leiden starb. Er gehörte zur Fuldaer Bahnhofsfeuerwehr, die sich damals in Hünfeld unter Führung des Bauinspektors Domschke große Verdienste erworben hat. Die schlimmste Folge des Großfeuers war die Obdachlosigkeit und der Mangel anNahrungsmitteln undKleidung. Um letztere zu beheben, setzte sofort, namentlich in der Stadt Fulda, eine großzügige Hilfsaktion ein. Noch am Abende des Brandtages wurde von den Fuldaer Bäckermeistern eine große Brotsenduug nach Hünfeld gebracht. In den nächsten Tagen gingen große Mengen von Brot, Fleisch, Hülsenfrüchte, Kleider aller Art dorthin. Es ist rührend, wenn man heute die Liste der Geber durchsieht, die damals in den Zeitungen veröffentlicht wurden, und da lange Reihen von Namen aus allen Schichten der Bevölkerung mit reichen Gaben verzeichnet findet. Schwieriger als die Besorgung der dringendsten Lebensbedürfnisse war die Lösung der Wohnungsfrage. Von 1800 Hünfelder Einwohnern waren nahezu 1000 ihrer Wohnung beraubt. Dabei waren gerade die ansehnlichsten Gebäude zerstört. Da der Winter vor der Tür stand, dachte man nicht daran.
„Ja, ein wenig Kognak mit heißem Wasser.
hat ihr gut getan. Sie schläft jetzt."
„So —? Darf man fragen, was das für Kasten ist? Sieht spaßig aus, das Ting!"
Felicie hält ihm den Kasten hin.
„Hier. Er mußte wohl meinem Vater gehören — sein Name ist auf dem Teckel eingraviert. Ich öffnete ihn. Er enthält nichts als ein paar alte Messer und Gabeln. Bitte, willst Du deu Kasten ins Zimmer der Mutter tragen? Er gehört in den Wäscheschrank."
sei; nirgends sonst hätten sich derartige Schwierigkeiten ergeben. Lehrer Sack hatte eine genaue Auf- stelluag über die in Betracht kommenden 40 Kinder eingereicht mit der Angabe der „geschwänzten" Stunden. Der bereits seit 11 Jahren in Hofbieber wohnende Arzt, Dr. med. Seubert, sagte dabei' aus, daß er gerade in den in Betracht kommenden Ortschaften bedeutend mehr s^ulvflichtige Kinder, die an Magenkrankheiten, Gelenkrheumatismus, akuten Brechdurchfall und dergleichen in Behandlung gehabt hätte, als dies in größeren naheliegenden Orten seines Kundenkreises der Fall gewesen sei. Der Amtsanwalt beantragte Aussetzung der Verhandlung und Untersuchung der in Betracht kommenden 40 Kinder. Der Verteidiger der Angeklagten beantragte Freisprechung, zumal sich die Väter nicht renitent benommen hätten. Das Gericht beschloß, am 5. November die lokalen Verhältnisse in Augenschein zu nehmen und die Untersuchung der in Betracht kommenden 40 Kinder durch den Kreisarzt, Medizinalrat Dr. Marx-Fulda und Dr. med. Seubert-Hofbieber in Finkenhain vornehmen zu lassen.
[| Verwerfliche» Unfug haben in der letzten Nachts unbekannte Täter getrieben. Vom Kaiser-Friedrichs- denkmal wurde der dort bei der Hundertjahrfeier niedergelegte Kranz entwendet. An der Turnhalle des Kgl. Gymnasiums wurden mehrere Fensterscheiben eingeworfen.
Unruhig blickt Felicie nach der Tür. Jede Minute^ erwartet sie, das aufgedunsene Gesicht ihres Stiefvaters zu sehen.
Endlich hält sie es nicht mehr aus.
„Wo ist der Vater?" fragt sie, sich gewalffam beherrschend.
„Das lveiß der liebe Gott, Kind! Ich hab' ihn seit gestern früh nicht gesehen."
„Aber er ist heute nacht zurückgekehrt. Ich begegnete ihm auf der Treppe."
Frau Mackay erbleicht.
„Unmöglich, Kind! Um wieviel Uhr war das?" „Gegen drei Uhr, Mutter."
„Und was hattest Du um drei Uhr noch auf der Treppe zu tun, Licy?"
„Ich — ich —" ' ' >
Felicie zögert. Was soll sie sagen?
»Ich — wollte sehen, wie es Dir geht!" platzt sie endlich heraus, vor Scham über ihre Lüge tief errötend.
„Du bist mein liebes, gutes Kind!" ruft Frau Mackay mit Tränen in den Augen. „Aber Du darfst Dich nicht über jede Kleinigkeit aufregen, Licy. Wenn Du immer so erregt, und nervös bist, und nachts nickt kläfft, wird Tein trübes Gesichtchen bald
trunken hat, daß es nur des geringsten Anlasses bedarf, um die Bestie in ihm zu wecken
™ 9n Sender Eile huscht sie ins Schlafzimmer der Mutter, schiebt den Kasten in den Wäscheschrank, legt die vergilbten Servietten davor, schließt den Schränk ab, hangt den Schlüsselbund ans Schlüsselbrettchen — und hinauf geht's, die kleine Treppe empor, in ihr Kämmerchen.
Erst als sie die Tür hinter sich. verriegelt hat atmet sie auf. Erst jetzt fühlt sie sich sicher vor der Wut des Stiefvaters.
Rasch entkleidet sie sich, um den Rest der Nacht noch em wenig zu schlafen. In ihrem Kopf wirbeln tausend Gedanken und Vorstellungen.
•• toenn der Stiefvater der Mutter von seiner nächtlichen Begegnung Mitteilung macht? Wenn er dabei des geheimnisvollen Kastens erwähnt? Wenn die Mutter denselben durchstöbert und das Kollier vermißt? Wenn sie der Tochter den kostbaren Schatz wieder wcgnimmt? Wenn morgen abend Norbert die gewünschte Summe nicht erhält? Wenn er vor Gerda Douglas hintreten muß mit dem Geständnis: „Das Geld, welches Sie vertrauensvoll in meine Hände gelegt, ist durch meinen Leichtsinn verloren!?" Wenn Gerda die Situation ausnützte und Felicie den Bräutigam abspenstig machte? Wenn sie--
Felieie wird ganz wirr im Kopf vom vielen Denken.
O, wäre der Morgen erst da!
IV.
Endlich — endlich lugt der Tag durch die kleinen Fensterscheiben von Felicies Tachkammcrchen.
Gegen Morgen war sie ein wenig cingeschlum- mcrt — ein unruhiger, von aufgeregten Träumen gequälter Schlaf, der nicht erquickt, sondern den Geist noch mehr niederdrückt.
In Nervöser Hast springt sie aus dem Bett. Wie, wenn der Stiefvater in der Nacht auf irgend eine Weise in ihr Zimmer gedrungen wäre und sie ihres Schatzes beraubt hätte!
Nein, Gott sei Dank! Die Brillanten ruhen unversehrt in ihrer Kleidertasche, , ।
„Nicht heimlich!" wispert »eine lockende Stimme ihr zu. „Sie gehören Dir, Dir allein.
Recht, sie an Dich zu nehmen!"
„Aber nicht ohne die Erlaubnis der Mutter!" warnt die Stimme des Gewissens. ,,Dc!« frlchrr Vater droben im Himmel sieht Dich. Du handelst gegen seinen Willen! Du. bist schlecht, Du bist eme Diebin!"
~ lacht er roh auf. „Hast ihr wohl
Tranklein gebraut?
Sw nur nicht zu sehr, mein schönes rzraulein. höhnt er ihr entgegen, indem er ein Feuerzeug aus der Tasche zieht und Licht macht. „Man scheint mich nicht so früh erwartet zu haben! Darr man fragen, was für Unfug mein Fräulein Tochter hier im Dunkel der Nacht treibt, he?" r F r?elwie am ganzen Leibe zittert, zwingt sie doch ihre Stimme zur Festigkeit
.... tre'be keinen Unfug, Vater. Die Mutter suhlte sich heute nacht unwohl. Da leistete ick ein wenig Gesellschaft." 1 }
। (!) Wert- oder Ertragssteuer? Zu dieser intereffanten
I Frage, die zurzeit unsere Kommunalpolitiker beschäf- tigt, liefert folgende Meldung, die uns aus Schwan- I heim a. M. zugeht, einen Beitrag. Tie Gemeinde I beabsichtigt die Einführung der Steuer nach dem gemeinen Wert und berechnet deren Erträgnis auf 26000 Mark. Hiervon entfallen auf sechs Groß-
I grundbesitzer 17 000 und auf die übrigen Schwan- I Heimer 9000 Mark. Durch die Einführung diefer Steuer tritt in den Leistungen der Steuerzahler das umgekehrte Verhältnis gegen bisher insofern ein, als bei der jetzigen Grundsteuer die sechs Großgrund.
I bescher nur 3000 Mark zahlten, während die übrige Bürgerschaft mit 14000 Mark belastet war.
X Geflügelzucht. Bei der diesjährigen Geflügel- l Hof-Prämiierung der Kasseler Landwirtschasts- kammec entfielen von insgesamt 18 Preisen 7 auf I den Kreis Fulda und zwar an die Herren: I. Vieth- I Langenbieber 45 Mk., Werkmeister Odenwald (Hör- nungsmühle). Fulda 45 Mk., I. Erb - Neuenberg I 40 Mk., Fr. Heumüller - Langenbieber 30 Mk., Fr. Brehl-Langenbieber 30 Mk. und H. Rothman» und Maschinenmeister Lellau zu Neuhof je 30 Mk. — Sodann hat die Landwirtschaftskammer in ihrer letzten Vorstandssitzung beschlossen u. a. im Kreise Fulda mehrere neue Geflügelzucht st ationen I einzurichten und zwar: 1. für rebhuhnfarbige Italiener bei Herrn Jos. Mock zu Veitsteinbach; 2. für weiße Wyandottes bei Wwe. A. Jaeger zu Fulda; 3. für Koburger Lerchen bei Herrn Jos. Goeb zu Finkenhain I und 4. für Brieftauben bei Herrn Ferd. Müller zu I Neuenberg.
O Kaninchen-Ausstellung. Der etwa vor Jahresfrist in Folge der Fleischteuerung gegründete Eisenbahn-Kaninchenzuchlverein „Flügelrad", hat es verstanden, sich in dieser kurzen Zeit zu einer starken Organisation der Kleintierzüchter emporzuarbeiten. Durch belehrende Vorträge, billige Beschaffung der Futtermittel, Ankauf rassenreiner Zuchttiere, sowie streng durchgesührte Stallschauen, hat es der Vorstand fertig gebracht, aus den Mitgliedern tüchtige Züchter zu machen. Mit Stolz konnte der Vorstand fest'tellen, daß der Verein, der mit 159 Muttertieren angefangen hat, jetzt einen Tierbestand von über 1500 Stück fast aller Rassen, aufweisen kann. Daß sich darunter erstklassige, jedes Kennerauge erfreuende Tiere be- finden, will der Verein in seiner auf den 1. und 2. November im hiesigen Stadtsaal (roter Saal) angesetzten ersten Lokalausstellung mit Prämiierung zeigen. Es wird wohl kein Freund dieser schönen Tiere die Gelegenheit vorüber gehen lassen, diese Ausstellung, welche etwa aus 130 Nummern bestehen wird, zu besuchen.
— Man hüte sich! Unter diesem Stichwort warnten I roir die Geistlichen der Diözese in Nr. 203 (Beilage) vor der Beantwortung von Bettelbriefen, die ein an- geblich katholischer Schriftsteller schon über ein Jahr- zehnt versendet. Wie berechtigt diese Warnung ist, zeigt folgender Fall: Ein Pfarrer, der aus Mitleid I bereits mehrmals das erbetene „leihweise* Almosen gespendet, aber, rote er ja auch nicht anders erwartet halte, das Geld nicht zurückbekam, gab auf erneute Bitten die schriftliche Antwort: .Ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Ein Betrogener." Der Bittsteller I benutz e dieselbe, um mit einer Privatklage gegen I »en $ artet vorzugehen!! — Man gebe deshalb, um icoer Beläuigung vorzubeugen, überhaupt keine Am- wort auf einen solchen Bettelbrief und zerreiße ihn, um einen nochmaligen Gebrauch zu verhindern. Die christt-che Caritas sorgt in umsichtiger und wohl- I geordneter Weye heuizutage für alle Hilfsbedürftige und würdige Arme öffentlich und pr vat durch Ho>pi- lalcr, Armenhäuser, St. Vmcenz- und St. Elisabeth- vereme, so daß öie,e Warnung nicht als ein Verstoß gegen die Nächsten übe bezeichnet werden kann. Sie Hal lediglich den Zweck, die Caritas aufmerksam zu machen, nicht blind und unbesehen Almosen zu I spenden, deren Verwendung unkontrollierbar bleibt und die deshalb leicht einen anderen Erfolg haben als der milleid-ge Geber ahnt und wünsch!. (Auch aus La-enkreisen hören wir, daß beim Hausperjonal sd'che Briese abgegeben worden sind, nach deren Beamroortung sich der Billsleller einige Zeit darauf ertimoigt. Man verfahre, wie oben angeraten! Die I
. △ Tie Landwirtschaftliche An- und Verkaufsqe- ßellschafi Hessenland, G. m. b. H., hielt im Laufe der Woche m Kastel ihre 4. ordentliche Gesell, 'chaftoversammlung ab. Die Erschienenen wurden von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Landgerichtsro' Klrngenbiel-Marburq, begrüßt iqi9Q^sban Geschäftsbericht für das Jahr vom i. Juli 1912 bis 30. Ium 1913 ist die Zahl der Gesellschafter unverändert geblieben, sie beträgt 336 und das Gesell.
totales.
Fulda, 25. Oktober 1913.
[•J Ernennung. Rechtsanwalt Schultheis in Fulda ist -um königlichen Notar ernannt worden.
* 77E' J?.m uachstcn Dienstag, dem Feste der Aposteffursten S.mon und Juda, wird der Hochwür- digste Herr Bischof m der Marienkapelle des Domes hl. Weihen erteilen und zwar die Priesterweihe an den Diakon Joseph Ciro aus Hofbieber die Dia- konatsweihe an einen. Oblotenfratcr aus Hünfeld, bie Tonsur und die vier niederen Weihen an die Alumnen des Priesterseminars: Aloys Falkenhan aus Eiterfeld, Paul Kehl aus Haus- wurz, Joseph Hannappel aus Himmelsberg, Otto Henkel aus Fulda, Franz Joseph Kreuzer aus Ketten, rsstanz Ranft aus Fulda, Adolf Sauermilch aus Geismar, AloyS Wehner aus Kranlucken, Reinhold Spiegel aus Spahl und Joseph Streb aus Som- vorn, außerdem die vier niederen Weihen an den Alumnus Ludwig Roth aus Dammersbach. Die Werdehandlung beginnt um 6Vs llhr vormittags.
(!) Vor hundert Jahren. Heute, am 25. Oktober, »or hundert Jahren, bot unsere Stadt ein kriegeri- fdjeS Bild. Die Spitzenkolonnen der Armee Napo- leons, die sich auf dem Rückzüge von Leipzig nach dem Rheine hin befand, hatten Fulda erreicht. Am 25. Oktober war es auch, als Marschall Ney, einer der gefeiertsten französischen Marschälle, Fulda paffierte. Am 26. Oktober verließ der französische Kommandant mit 3000 Mann regulären Truppen die Stadt. An diesem Tage und am 27. Oktober überschwemmten dann die Trümmer des geschlagenen Heeres zu Fuß und zu Roß, geordnet und ungeordnet, mit und ohne Waffen, Fuldas Stadt und Gegend, alles mit Not und Grausen erfüllend Am 28. Oktober 1813 ritt der große Korse, Napoleon I an der Spitze seiner Garden zum letztenmale durch Fulda. (Siehe näheres über die Schicksale Fuldas wahrend der Retirade in den letzten Nummern der ,Fuldaer Geschichtsblätter'.)
!! Der Tank des Kommandierenden Generals. Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Naffau gibt folgendes bekannt:
Der Herr Kommandierende General des 18. Armeekorps in Frankfurt a. M. hat mir mitgeteilt, daß die ihm unterstellten Truppen in den von den diesjährigen Herbstiidungen des 18. Armeekorps berührten Teilen der Provinz Hessen-Nassau gut ausgenommen worden sind. Die Zwielbehörden haben die Manöoerleitung in aner- ^rfenn^n‘roetter Weise unterstützt. Dem Ersuchen des Herr Kommandierenden Generals, der in Frage kommenden Staats- und Gemeindebehörden, sowie der Bevölkerung feinen und der ihm unterstellten Truppen Dank zum Ausdruck zu bringen, komme ich hiermit gern nach. I
--- Neue Polizeiverordnungen. Im heutigen An- zeigeuteil bringt der Königl. Polizeidlrektor zwei neue I Polizeiverordnungen für die Stadl Fulda zur öffentlichen Kenntnis. Die eine bezieht sich auf die Errichtung von Bauzäunen, die andere bringt I eine Aendernng der hiesigen Marktord- nuna.
= Kreis - Geflügel - Ausstellung in Fulda. Heute vormittag wurde in den S adtsälen die unter dem I Protektorate des Herrn Landrat Freiherrn v. Doern- berg-Fulda stehende Kreis-Geflügel-Ausstellung ver- anstaltel vom Geflügelzuchtverem Fulda, e. B., er- ! öffnet. Sie ist reich beschickt. Herr Dr. Sprenger von der Landwirtschaftskammer in Kassel, nahm bereits gestern schon die Verleihung der Kammermedaillen und Diplome vor. Es trhielten: die silberne Kammermedaille auf I Ayle-bnry - Enten Ferd. Kramer - Lchchenrod, die bronzene Kammermedaille für rebhuhmarbige Italiener W'IH. Knips-Fulda, eine weitere auf weiße ! Wyandottes Otto Lellau-Neudof. Diplome der Land- wirlichaftskammer erhielten für Hühner Karl Kräh und für gelbe Orpington Jos. Sieffe, beide hier.
k. Bestanden. Vor der Prüsünaskom mist ton der Konigl. General Kommission Kassel bestand die Prüfung als Vermessung-assistent Herr Heinrich Schott, Sohn des Gastwirts M. Schott-Fuld a. Von 9 Bewerbern bestanden 7.
-y- Innung. Der Vorstand der neuen Bau- I g e w erks - I n nung ist nunmehr wie folgt gewählt: I Obermeister Bauunternehmer Ernst Kramer, stellver Obermeister Jos. Fritz, Schriitführer Herm. Hodes, Kassierer Gr. Hautumm. Als Beisitzer wurde Rhaban. Diegelmann sämtlich von hier gewählt. Als Bau- Hütte- wurde bis auf Weiteres das „Ballhaus" be- stimmt. Die regelmäßigen Jnnungsoerfammlungen ! sollen im Laufe des Winters zweimal monatlich statt- stnden. Die neue Innung wird mit 5 Mitglieder im Jnnungs. Ausschuß vertreten sein.
31t der Schule öe$ Leidens.
6J Roman aus dem New-Iorker Leben.
Von Erich Friesen.
Vor ihr, über das Treppengeländer gebeugt, steht chr Stiefvater. Er halt noch den Drücker in der muß ' mit ”em er foe^en b",e Haustür geöffnet haben
I bleich, Dein strahlendes Auge trübe werden. . . I Also der Vater war heute nacht hier? Hm, merkwürdig! Soviel ist sicher: jetzt ist er nicht da. Ich habe schon die ganze Wohnung gekehrt."
Felicie atmet auf. Der Vater ist nicht da! Von dieser Seite hat sie also nichts zu fürchten.
Trotzdem meidet sie den forschend auf ihr ruhenden Blick der Mutter.
Ihr Gewissen ist plötzlich erwacht. Sie wird sich des ganzen Unrechtes bewußt, welches sie durch heimliches Verkaufen des sorgsam gehüteten Brillant-, Kolliers an dem treuen Mutterherzen begeht.
„Liebe Mutter," beginnt sie zögernd: „Ich möchte mir Dir reden!" '.
Verwundert über den ernsten Ton läßt Frau Mackay die Hand mit dem Milchschöpfer sinken.
„Nun?" 15
„Wir werden bald heiraten, Norbert und ich vielleicht schon in acht Tagen."
„Das ist recht, Kind. Lange Verlobungen führen nie zum guten Ende. Erst, wenn Du verheiratet' bist, hast Du Barrington sest. Die Männer bekam-' men das Warten leicht satt."
„Ja. Aber — Mutter — werde ich nicht eins kleine Ausstattung mitbekommen müssen? Ein paar hübsche Kleider? Eine goldene Uhr?"
Ein leiser Seufzer hebt die Brust der alten Dame,
„Wir haben kein Geld, Licy —"
Kleine Pause.
„Was meinst Du, liebe Mutter," ruft Felicie plötzlich entschlossen. „Wollen wir nicht mein Brillant-Kollier verkaufen?" .
Fast entsetzt fährt Fran Mackay empor.
„Verkaufen? Unmöglich, Kind! Rede mir nih wieder davon! Wenn Du zwanzig Jahre alt bist, kannst Tn nach Wunsch darüber verfügen — vorher nicht. . . . Und nun sei still von dem Schmuck —“\ ängstlich blickt sie nach allen Seiten um — „bic Wände haben manchmal Ohren. Bedenke — das Kollier bildet Dein ganzes Vermögen! . . , Großer Gott, da steht der Vater auf der Schwelle! Er will
schafterkapital 500000 Mark. Infolge der int Vorjahre beschlossenen Erhöhung des Gesellschafterkapitals sind bereits weitere 110 000 Mark gezeichnet worden. Der Warenabsatz ist gegen das Vorjahr um rund 21 000 Zent, ner auf 1510 416 Zentner gestiegen und der Gesamt, wert dieser abgesetzten Waren um 1,2 Millionen Mark auf 7 969 048 Mark. Die Jahresbilanz schließt mit 1457 732 Mark in Aktiva und Passiva ab. Es sollen hiervon 10 Prozent dem Reservefonds, 26 123 Mark als öprozentige Dividende verteilt, je 1167 Mark dem Betriebsrücklage-, dem Dividendenrücklage- und dem Korn. Hausfonds, sowie 2627 Mark dem Hessischen Verband ländlicher Genossenschaften und endlich 350 Mark dem Raiffeisen-Tank Überwiesen werden. 1433 Mark bleiben für Warenrückvergütung übrig. Außerdem haben die Bezieher von Hessenland für durch Untersuchungen festgestellten Mindergehalt 16 075 Mark vergütet erhalten. Die Jahresrechnung wurde einschließlich der Gewinn- und Verlustrechnung, sowie die Verteilung des Reingewinnes einstimmig gemäß dem Vorschläge des I Auffichtsrates genehmigt und dem Geschäftsführer und I dem Aufsichtsrate Entlastung erteilt. Die aus dem Auf- I sichtsrate ausscheidenden Mitglieder, Oekonomierat Ger» I land-Kassel, Pfarrer Ney - 'Dipperz und Rechnungsrat I Pfleging-Fritzlar _ wurden mit Stimmeneinheit wieder. I gewählt. Hierauf' hielt Oekonomierat Dr. Staehly einen I Vortrag über das Thema „Genossenschaftliche Getreide- I Verwertung". Er zeigte in seinem Vortrage, was sei. I tens der Produzenten sowie seitens der Genossenschaften zu geschehen hat, um die gemeinsame Verwertung von Getreide zu ermöglichen und legte dar, aus welchen I Gründen diese nötig sei. Dem mit Beifall aufgenont.
menen Vortrag schloß sich eine anregende Diskussion an. I
Ä MkisterkurfuS. Wie au5 dem Inseratenteil der heutigen Nummer ersichtlich ist, werden A n m e l d u n g e n zum Meisterkursus morgen noch entgegengenommen. Wir machen Interessenten mit dem Bemerken darauf aufmerksam, daß auch Damen an dem Kursus teilnehmen können.
Zs Aussetzung von Zander, und Hecht-Setzlingen in die Fulda. Auf der vorjährigen Generalversammlung des Westdeutschen Fischerei-Verbandes in Bremen wurde angeregt, mit Rücksicht auf den stetigen Rückgang der Lachsfischerei in der Weser Ersatz durch Aussetzung von Zander- und Hecht- j Setzlingen in die Weser und deren Nebenflüsse zu schaffen. Don dem Reichsamt des Innern wurden zu diesem Zwecke 500 Mark zur Verfügung gestellt und es fanden auf Veranlassung des Geheimrats Eberts-Kassel in letzter Zeit für diesen Betrag Aussetzungen von Zander- und Hecht-Setzlingen in der Weser und Fulda statt. Die für die Fulda bestimmten Setzlinge wurden in die Fuldastrecke unterhalb von Guntershausen, die für die Weser bestimmten in der Gegend von Hameln in die Weser ausgesetzt.
'■7- Für Einjährige. Am 1. April werden im I Bereich des 11. Armeekorps Einjährige eingestellt I beim Infanterie-Regime it Nr. 82, Göttingen; 1. u. 2. Bat. Infanterie-Regiment 9ir. 167, Kassel; 3. Bat. Infanterie-Regiment Nr. 94, Jena; beim Jäger- Bataillon Nr. 11, Marburg nur Studierende der I Medizin und Pharmaz. der Universität Marburg. I
-x- Ein Schulstreik vor dem Schöffengericht. In I der Schule zu Finken Hain ist seit Ostern d. I. auf Anordnung der Regierung v 0 r l ä u f i g der g e- I teilte Schulunterricht (Vormittags- und Nachmit- I tagsunterricht) eingeführt. Ostern 1914 soll endgültig festgclcgt werden, wie der Schulunterricht ferner, tm besondern in den Sommermonaten, erteilt I werden soll. 17 Väter aus Wolferts, Altenrain, Birkenhof, Steinwand nehmen entschieden Stellung gegen die neue Anordnung, weil sie bei den teilweise I recht weiten Wegen für die Kinder eine ungemein I 0 Erschwerung bringt. Die Väter haben ihre
:r während de: Monate April, Mai und Juni fast ununterbrochen entweder vormittags oder nachmittags nicht zur Schule geschickt. Wegen dieser I Schulve-säumnisse erhielten die Väter polizeiliche I Strafbefehle, gegen die sie gemeinsam gerichtliche Entscheidung beantragten und sich einen 'Rechtsan. walt als Beistand nahmen. Nachdem diese Sache I bereits im Juni d. I' schon einmal das Schöffen, gericht beschäftigt hatte, stand gestern der zweite Termin an. Als Zeuge und Sachverständige wa-en u. I a. geladen: Kreisschulinspektor Wulf-Fulda, Kreis- arzt, Geh. Medizinalrät Dr. Marx-Fulda, Dr. med. Seube't-Hofbieber, der Lehrer Sack-Finkenhain Die Väter geben zu, daß sie ihre Kinder vom Besuche des neu cmgeführten geteilten Schulunterrichts ab- gchalren hätten und begründen dies mit der weiten Entfernung; diese beträgt angeblich bei schlechtem Wetter von Steinwand bis nach Finkenhain 4 Kilometer, bei günstigem Wetter könnte durch Benutzung I eines Nebenweges diese Entfernung um 1 Kilometer verkürzt werden. Kreisschulinspektor Wulf gab an, daß dieselbe Einteilung wie in Finkenhain auch in I welen anderen Schulen im hiesigen Kreise eingeführt I