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Fuldaer Zeitung

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I illustrier,- Sonntagszeitung Zuldu-r S-schlch.-b.iitt--

8 * Zuldoer flctienhrudterd In Zulda. Zernjprecher fir. 9. :: s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie. — tzalbjahrlich Taschenfahrplan, rr - - ---- ■ ■■ - — -......... ■— 1 ■" -■ 1 ■■ 1 '"""'"

Nr. 248, erstes Blatt. Samstag den 25. Oktober 1913.

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40. Jahrgang.

Je* Der Ruck nach rechts.

In B a y e r n wurde bei den letzten Landtags' Wahlen die Zentrumsmehrheit bestätigt — trotz des Großblocks der Linken. In Württemberg wurde die alte Linksmehrheit gebrochen und vorläufig ein Gleichgewicht im Landtage hergestellt. In Baden hat nun soeben die Wählerschaft durch eine überraschend starke Wendung der achtjährigen „Herr­lichkeit" des Großblocks der Linken ein Ende gemacht. £& dort die Rechte (Zentrum und Konservative) für sich allein eine ausreichende Arbeitsmehrheit erhalten werden, hängt noch von dem Ausfall der Stichwahlen (richtiger gesagt: der Nachwahlen) ab. Doch wenn auch die Stichwahlen für die Linke den denkbar gün­stigsten Ausgang Nehmen sollten, so ist doch die alte Blockmehrheit dahin. Denn es sind bereits im ersten Wahlgange gewählt 29 Zentrumsleute, 5 Konservative und 3 Liberale, die Blockgegner sind. Das macht zu s a m m e n 3 7 B l o ck g e g n e r, und das ist die Mehrheit der 73köpfigen Kammer.

Also Niederlagen der Rot- oder Großblock- polftit in ganz Süddeutschland!

Das fällt umso mehr ins Gewicht, als die drei süddeutschen Staaten moderne Landtags­wahlgesetze haben. Wenn in Preußen Zentrum und Konservative Landtagsmandate behaupten oder erringen, so sagt die Linkspresse, das sei nur dem „alten, rückständigen Wahlrecht" zu verdanken. In Süddeutschlaad aber gibt es die „reaktionären" Eigen­heiten des preußischen Wahlrechtes nicht mehr; dort kann man nicht die Klassenbildung nach den Steuer­sätzen, die Oeffentlichkeit der Abstimmung und das Zwischenglied der Wahlmänner für die Mißerfolge der Linken verantwortlich machen. Die dortigen Wahl- verfahren sind dem Reichstagswahlrecht so ähnlich, daß man aus den jeweiligen Landtagswahlen schliß ßen kann, wie die Reichstagswahlen eintretenden- falles ausfallen würden. Der Zug nach rechts, der sich bei den süddeutschen Landtagswahlen zeigt, läßt annehmen, daß auch unter den Reichstagswäh­lern sich viele von der Linken abgewendet haben. Daher ist es auch ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß in Baden die Sozialdemokratie nicht bloß Man­date, sondern auch einen sehr starken Prozent­satz ihrer Wähler stimmen verloren hat, — und das trotz der allgemeinen Vermehrung der Zahl der Wahlberechtigten.

Wenn jetzt der Reichstag neu gewählt würde, so würde die sozialdemokratische Fraktwn von den 110 Mandaten, die sie vor 1% Jahren zu erringen ver­mochte, mindestens ein Viertel, wahrscheinlich noch mehr auf dem Schlachtfelde lassen müssen.

Den Rückschlag in Baden wollen einige dar­auf zurückführen, daß eine Menge von Wählern, die sich im Herbst 1909 durch die Hetze gegen die damalige Finanzreform zur Unterstützung der Sozialdemokratie verleiten ließen (die sog. Zündholzchensozzen), nunmehr wieder den Anschluß an ihre alten Parteien gefunden hätten. Freilich ist es eine Tatsache, daß die Hetze gegen die Steuergesetze von 1909 jetzt nicht mehr den Anklang findet, wie in den nächsten Jahren nach 1909. Aber die Bekehrung der „Zündhölzchensozzen" -reicht doch durchaus nicht hin, um den gewaltigen Umschwung zu erklären Es ist im Volke der Wider­wille gegen die Sozialdemokratie und zugleich g e g en die Dlockgemeinschaft mit der Umsturz. Partei allgemein gestiegen.

Ein sehr deutliches Zeichen für den Niedergang des Großblockgedankens ist ja die Tatsache, daß trotz der strammen Parteidisziplin, die der nationalliberale Führer Rebmann ausübt, drei liberale G e g-- n e r des Großblocks ein Mandat erlangt haben. Da­mit ist, wie bereits erwähnt, die Großblockwirtschaft gebrochen auch für den Fall, daß das Zentrum und Konservative für sich allein die Mehrheit nicht erlan­gen sollten. Ob die nationalliberale Landtagsfraktion diese drei Grotzblockgegner in ihre Reihen aufnehmen oder zu einem „wilden" Dasein verurteilen wird, kann nicht viel ausmachen. Um diese drei werden sich die besonnenen Elemente des Liberalismus her­umkristallisieren.

Wird die Mehrheit der Rechten nur knapp oder bildet sich gar ein Gleichgewicht heraus, so braucht darunter unsere Freude und unsere Hoffnung nicht zu leiden. Die Hauptsache ist, daß die Blockwirtschaft gebrochen ist. Das weitere wird sich bei der A r b e i t schon finden, für die jetzt das freie Spiel der Kräfte wiedergewonnen ist. Es ist nicht nötig, daß das Zentrum die alleinige Herrschaft in Baden erlangt. Wir gönnen den Konservativen gerne die ent- scheidende Stellung, die sie trotz ihrer geringen Anzahl haben. Und wenn die Liberalen das Schreckgespenst einer „einseitigen, klerikal-konservativen Parteiherr­schaft" an die Wand malen, so sagen wir ihnen ein­fach: Schließt euch der Arbeitsgemeinschaft der positiven Parteien an, dann habt ihr auch den gebührenden Einfluß.

Die Vorbedingung ist freilich die Aufgabe der Blockpolitik: die würde Herrn Rebmann kaum möglich werden, aber die vernünftigen Nationallibe- raler müssen doch einsehen, daß die Blockherrlichkeit tot un d begraben ist.

* Zur Frage der Konsedsiorr der wzraldemokratischen Wählerdcka t.

Bislang galt es als ein Wagnis, auf Grund der Abstimmungsergebnisse, die doch infolge der geheimen Stimmabgabe der Konfession de? sozialdemokratischen Wählers die Heimlichkeit verbürgen, etwas Bestimm, tes zu behaupten über die Konfession der sozialdemo­kratischen Stimmträger. Diese Aufgabe unternimmt ein unter dem Titel „Die Konfession der sozialdemo- kratischen Wählerschaft" soeben in Verlage des Volks- vereinS "rschienrne statistische Abhandlung (M.-Glad- bach 1913 126 S. 3 Mk.), in der der Verfasset, Dr. A. Klöcker, üaS gesamte weitschichtige Zahlen- material dm »eiLslaasv- V » wahres 19^” (r‘ » .

matisch verarbeitet, dessen Sichtung und Ordnung nicht weniger als 32 umfangreiche Tabellen dienen. Beigegebcn sind noch 7 graphische Darstellungen, die die Untersuchungsergebnlsse bestens veranschaulichen und ergänzen.

Aus dem oben angegebenen Grunde tvar es sehr angebracht daß der Verfasser eingangs seiner Dar­legungen seiner Methode ein ganzes Kapitel widmete. Denn wäre die Methode anfechtbar, dann in gleicher Schärfe die Ergebnisse ihrer Anwendung. Nach des Verfassers Methode soll die Untersuchung nicht zwar nach Hunderten genau die katholischen und evange­lischen Wähler der Sozialdemokratie abgrenzen, soll vielmehr unter Ausschluß jedes Zweifels aussagen, daß unter keinen U mst ä n d e n mehr als soundsoviel der sozialdemokratischen Stimmen von katholischen Wählern abgegeben sein können.

Im zweiten Teile schreitet dann die Abhandlung den vorgezeigten Weg, die k o n f e s s i o n e l l e Cha­rakterisierung der sozialdernokrati. scheu Stimmzettel vollziehend. Das gewal­tige Ziffernwerk ordnet sich nach klaren Grundge­danken als Ausfluß gründlichster Beherrschung der Materie. Von ganz besonderm Werte ist die Unan­fechtbarkeit der Untersuchung des 18. Kapitels. In ihm sehen wir eine Normalzahl entstehen, die generell uns sagt, wieviel im Höchstfälle von je 100 sozial­demokratischen Stimmen auf evangelische bezw. ka- tholische Wähler zurückgehen. Das folgende Kapitel bringt dann die endgültige konfessionelle Abgrenzung der sozialdemokratischen Wählerschaft: „Unter den 3259 029 sozialdemokratischen Stimmen, die bei der Reichstagshauptwahl 1907 abgegeben worden sind, befinden sich also h ö ch st e n s 36 8 2 23, die von katholischen Wählern stammen. ... Es befindet sich folglich unter 8.85 sozialdemokratischen Wählern einer katholischen Bekenntnisses."

Im dritten Abschnitt beleuchtet die Untersuchung den Einfluß der katholisch-sozialdemokratischen und evangelisch-sozialdemokratischen Wählern auf die Verteilung der Reichstagsmandate bei den Hauptwahlen sowohl als auch bei den Stichwah­len. Den Stichwahlen, also das Gebiet „der Wahl­bündnisse zwischen Zentrum und Sozialdemokratie". Und was bleibt übrig von einem solchen Pakt, der die Zentrumswähler als angebliche Vaterlandsfeinde und Förderer des Umsturzes verfehmte? Nichts als die Haltlosigkeit einer solchen Behauptung. Würde Fürst Bülow, ehemals der Reichskanzler, der das deutsche Volk „reiten" ließ, diese Kapitel bei Licht be- sehen, er würde, wo er jetzt keine taktischen Rücksichten mehr zu nehmen hätte, ehrlich staunen über den hochentwickelten und von Regierungswohl- oder -übel, wollen unabhängigen Sinn der katholischen Wähler- schäft und gestehen müssen: Wer den Kampf gegen die Sozialdemokratie ohne die katholische Wählerschaft führt und ohne das Zentrum, der hat ihn schon verloren.

Der vierte Teil stellt die Harmonie der Ergebnisse der beiden vorhergehenden Abschnitte fest. Es ist un­möglich, an diese Stelle auch nur ganz wenige der hochinteressanten Zahlen zu geben. Sie alle aber stellen fest, daß zwischen der evangelischen Wählerschaft und den Siegen der Sozial- Demokratie einerseits, sowie der katholischen Wählerschaft und den sozialdemokratischen Miß­erfolgen anderseits ein logischer Zusammenhang besteht. „Mit dem Steigen der Prozentanteile Der katholischen Konfession an der Wahlkreisbevölkerung fällt organisch und in gerader Linie die Zahl der so­zialdemokratischen Stimmen und Mandate, um mit den höchsten katholischen Bevölkerungsprozenten ihren tiefsten Stand zu erreichen. — Von der Gesamtheit der sozialdemokratischen Stimmen liefern die 146 vorwiegend katholisch bevölkerten Wahlkreise 15,17 Prozent, die 251 vorwiegend evangelisch bevölkerten Wahlkreise 84,83 Prozent. —Von allen 43 sozial- demokratischen Mandaten stellen die vorwiegend ka­tholischen Wahlkreise 6, die vorwiegend evangelischen 37. — Es bleibt dabei, daß .... die s o z i a l d e m o- kratischen Stimmensummen zu verteilen sind mit 3682.2 3 auf die 3958522 katho­lischen Wähler, mit 2890806 auf die 7304307 nichtkatholischen Wähler — nur 11,14 Prozent der sozialdemokratischen Stimmen ent­fallen auf die katholische, dagegen 88,86 Prozent auf die nichtkatholische Wählerschaft."

Die katholischen Statistiker Dr. H. Rost und Dr. Krose Z. J. haben uns in den letzten Jahren manchen interessanten Einblick ermöglicht in Die Zusammen- hänge zwischen Konfession und großen modernen Kul. turfraqen. Das vorliegende Buch schließt sich den Untersuchungen der genannten Autoren würdig an und ergänzt diese nach mancher Richtung hin. Wem an einer ernsthaften Durchleuchtung des "sozialistischen Problems gelegen ist, der wird die ruhige, das Buch auszeichnende Objektivität der in gewaltiger Fülle ge­gebenen Zahlenbeweise begrüßen, auch wenn er viel­leicht lieber Ergebnisse gesehen hätte, die für die katho- lische Wählerschaft nicht gar so unerwartet günstig lauteten. Besonders wertvoll ist auch die Untersuch- ung für jene, die den Katholizismus gegen die Vor- würfe der Staatsfeindlichkeit und des Versagens im Kampfe gegen den Umsturz zu verteidigen haben. Denn die mühevollen Untersuchungen des Verfassers haben solchen Vorwürfen gründlich jeben Boden ent» zogen.

Wie wir Hören, Hat der Verfasser die Reichstags­wahlen von 1912 bereits in Bearbeitung. Sie sollen die organische Fortsetzung des vorliegenden ersten Bandes sein, demgemäß besonders Rücksicht nehmen auf die E n t w i ck l u n g seit 1907, überdies auch die Folgen des Geburtenüberschusses unter konfessionellen Gesichtspunkten ergiebig berücksichtigen. Recht wün­schenswert wäre es, wenn das neue Material, mit gleicher Sorgfalt bearbeitet, uns nicht mehr lange vorb ehalten bliebe.

Deutsches Reich.

Kaiser Wilhelm auf Schloß Konopischt.

Der Kaiser besichtigte gestern früh mit Dem Erz­herzog Franz Ferdinand das GtorgSmusturn und fuhr dann mit der Jagdgesellschaft im Automobil zur Jagd. Nach Beendigung der ersten drei Fafanen- und Rebhühnerbetriebe fand um 12 Uhr ein Früh­stück statt, an dem Kaiser Wilhelm, Erzherzog Franz Ferdinand, die Herzogin von Hohenberg und die Jagdgäste teilnahmen. Alsdann begann die Nach­mitlagsjagd. Nach der Jagd unternahmen die Herr- schäften in Automobilen eine Rundfahrt durch den Park des Forsthauses zum Meierhof Pamenctz, dem landwirtschaftlichen Musterbetriebe des Erzherzogs Franz Ferdinand.

• Berlin, 24. Oft. 1913. Der „Reichsanzeiger" meldet: Verliehen wurde die Rote Kreuzmedaille erster Klasse der Herzogin Johann Albrecht zu Mecklenburg, der Herzogin Robert von Würltemberg und der Fürstin zu Wied. — Der Kaiser hat dem Abt Ildefons Herwegen aus Anlaß seines Besuches in Maria-Laach sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift übermittelt.

* Zusammentritt deS preußischen Landtages. Wie man er,ährt, ist als Tag ocr Einberufung des preußi­schen Landtages vorläufig der 13. Januar ins Äuge gefaßt.

** Die Belastung bet Bevölkerung der vier Kon- tingentsbezirken durch Die neue Friedenspräfenz deS Heeres. Durch die letzte Wehrvorlage ist bekömmlich erreicht, daß ein Prozent der Bevölkerung zum Heeresdienst herangezogen wird. Vergleicht man nun die Anteile der vier Kontingentsgebiete an der Auf­bringung der Präsenzstärke, so ergibt sich im wesent­lichen dasselbe Verhältnis, wie es vor den beiden letzten Heeresverslärkungeir bestand. Nach dem Er­gebnis der Vollszählnng von 1910 betrug die Heran­ziehung der Bevölkerung zum Heeresdienst in Preußen 0,82, in Bayern 0,87, in Sachsen 0,86 und in Württemberg 0,87 v. H. Durch die Wehrvor­lage dieses Jahres ergeben sich nun folgende Prozentzahlen: Preußen 1,01, Bayern 1,06, Sachsen 1,3 unb Württemberg 1,4. Das Verhältnis des Anteils der vier Kontmgentsgebiete ist also im roe| ent liehen unveränc ert geblieben. Eine geringe Mehrbelanung der Bevölkerung Bayerns, Württem­bergs und Sachsens ist allerdings vorhanden. Aber die Besserstellung Preußens ist nur icheinbar, weil dabei die Heranziehung der Bevölkerung zum Dienst in der Martne nicht berücksichtigt ist. Wenn man zur Errechnung der Belastung der Bevölkerung durch die Erfüllung der Wehrpflicht auch die Aus­hebung für Die Marine in Rechnung zieht, so ergaben sich auf ©runb Der letzten Vo kszählung für 1910 folgende Zahlen: Preußen 0,91, Bayern 0,90, Sachsen 0,96 und Württemberg 0,94. Die Belastung ist also in allen vier Kontinxentsbezirken tatsächlich nahezu gleich.

** Der frühere ReichstagZabgeordnete Karl Lucius, der das Alter von 80 Jahren erreichte, ist in Aachen gestorben. Herr Lucms war ein eifriger Anhänger des Zentrums und oertrat von 1871 bis 1877 den Wahltreis Geilenkirchen-Heinsberg-Erkelenz im Reichs­tage. Für seine Verdienste auf carttatioem Gebiete verlieh ihm der Papst im Jahre 1905 das Komtur« treuz des Greoorius-OrdenS.

4- Friedrich Brckh. Der konservative bayerische Landtags-Äbg. Friedrich Beckh, Landesvorsttzender des Bundes der Landwirte für das Königreich Bayern, vollendete am 24. Oktober sein 70. Lebensjahr. Von 1887—1905 unj da n wieder von 1907 an war und ist Friedrich Beckh Mitglied der dayerlfchen Kammer der Abgeordneten und hat sich hauptsächlich durch seine mannhaite Bekämpfung deS Rotblocks während der letzten bayerischen Landtagswahlen bleibende Ver­dienste erworben. Friedrich Beckh ist ein aufrichtiger königstreuer Patriot, em vorzüglicher Politiker, der mit einer reichen Sachkenntnis und Erfahrung und auch, wenn es not tat, mit beißendem und treffendem Witz oftmals in Die Verhandlungen der bayerischen Kammer eingriff. Seine zahlreichen Freunde in Bayern und im Reiche, zu denen auch wir gehören, wünfchen dem vorzüglichen Manne noch lange Jahre erfolg­reicher Tätigkeit.

+ Nachspiel zum Prozeß Knittel. Wie die »Schlesische Volkszeitung' erfährt, ist Hauptmann Kammler, der durch den Prozeß Knittel z t einer eigenartigen Berühmtheit gelangte, nach dem Rhein- lanbe versetzt worben. Warum Hauptmann Rammler immer noch nicht den „wohlverdienten" Abfchied bekommen hat, ist nicht recht ersichtlich, zumal man nach dem, maS man von diesem Herrn alles erfahren hat, kaum annehmen kann, daß er im Rheinlande eine ersprießlichere Tätigkeit ausüben wird.

* San FranziSko-Konserenz in Berlin. Das Komitee der deutschen Zentrale für die Weltausstellung in San Franzisko ist am Freitag zur ersten Sitzung in Berlin zusammengetreten. Den Vorsitz führt Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie Ballin. Bisher sollen, laut ,B. Z/ etwa 1400 deutsche Firmen sich zur Beteiligung an Der Weltausstellung gemeldet haben.

)( Kommt Sansibar an Deutschland? Die Insel Sansibar, vor Deutgch-Ostafrtka gelegen, sollte nach einer Reuter-Depesche aus Sansibar binnen kurzem von England an Deutschland abgetreten werden. Emer anderen Nachricht zufolge sollie auch die m englischem Bentz befindliche Walfif chbai demnächst an DeustchianS fallen. Beide Abtretungen hieß es, seien eine Ausgleichung für Vorteile, die Deutschland den Engländern angeblich in klelnasiatischen und persischen Bahnfragen sowie in Afrika gewährt habe. 'Aach Erkundigungen des ,Berl. Lok.-Anz.' an Stellen, die da über unterrichtet sein müßten, ist ;e»och die Meldung in ihrem ganzen Umfang als erfunden zu bezeichnen. Hätte sie sich bestätigt. Dann wäre die Insel, die bereits mit Dem ganzen Sultanat Sansibar 1885 unter deutscher Schutzherrschaft stand und 1890 auf Grund des deutsch«britischen Vertrages vom

1. Juli unter britisches Protektorat gekommen war, wieder unter deutsche Herrs ■ att »urückgekehrt.

♦ Maßregeln gegen die Arbeitslosigkeit. Wie der „Vorwärts" mitteilt, wird die sozialdemokratische Fraktwn sofort bei dem Wiederzusammentritt des Reichstags folgende Interpellation einbrin-, gen.

„Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um den schlimmen Folgen der Arbeits. losigkeit entgegenzuwirken, die durch die immer wieder-, kehrenden wirtschaftlichen Krisen verschärft werden? Ist er insbesondere bereit, eine alle Arbeiter und Angestell­ten umfassende reichsgesetzliche Arbeitslosenver. s i ch e r u n g in die Wege zu leiten, sowie zur Be­kämpfung der zurzeit besonders sich geltend machenden nachteiligen Folgen der Arbeitslosigkeit geeignete Ab- Hilfsmittel zu ergreifen?"

+ Stärkere Heranziehung von Gesangeueu zur Moorkultur. Infolge Der guten Erfahrungen mit Der Verwendung von Gefangenen bei der Moorkultur soll auch in Zukunft eine stärkere Heranziehung von Gefangenen zu derartigen Arbeiten beabsichtigt sein.

* Die Sozialdemokraten und das Kaiserhoch. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat es bekannt­lich einmal erlebt, als sie vor einer patriotischen Kundgebung schleunigst den Reichstagssaal verlassen hatte, daß sie einen Beschluß auf Vertagung vor­fand, dem sie infolge ihrer Abwesenheit nicht hatte widersprechen können. Auf dem Parteitag in Je.ta ist sie dafür gehörig gerüffelt worden. Zugleich wurde ihr klar gemacht, daß sie in Zukunft, um allen Möglichkeiten gewachsen zu sein, stets im Saale zu bletb en habe. Dem will sich die Fraktion auch fügen. Eine parlamentarische Korrespondenz meldet:

Die Sozialdemokraten werden ihre Praxis bei Kund­gebungen für den Kaiser mit dem Beginn der neuen parlamentarischen Session ändern. Die Angelegenheit wird in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion beim Wiederzusammentritt des Reichstages zur Erörterung kommen. Die neue Praxis verpflichtet jedes Mitglied/ auch bei solchen Kundgebungen anwesend zu sein, sich aber nicht an ihnen zu beteiligen. Bei Ansprachen und Hochrufen bleiben die Sozialdemokraten sitzen. Zum ersten Male wird dies in der Eröffnungs­sitzung des Reichstages geschehen.

Selbstverständlich muß nun noch ein sozialdemo­kratischer Tugendwächter angestellt werden, der genau darüber wacht, daß von den anwesenden Genossen während eines Kaiserhochs jeder sich in peinlichst ge- ”<uter Berührung mit dem Stuhlsitz hält.

** Wie die Sozialdemokraten die Krankenkassen auSzubeuten gedenken. Für den Stadt- unb Land­kreis Metz besteht je eine Ortskrankenkasse, Die Arbeitnehmer-Delegierten und Vorstände beider Kas­sen, fast alle waschechte Sozialdemokraten, hatten den Beschluß gefaßt, die beiden Kassen zu verschmelzen. Die Arbeitgeber-Delegierten erhoben aus guten Gründen gegen diesen Beschluß Einspruch. Die zu­ständige Behörde machte den Herren Genossen einen Strich durch die Rechnung und lehnte den Verschmel- zungsaittiag kurzer Hand ab. Es ist ebenso inter­essant wie lehrreich, die Gründe zu erfahren, welche für die Sozialdemokraten maßgebend waren, als sie so energiich für die Verschmelzung eintrat. Gelegent­lich des Verbandstages des elsaß-lothringischen OrtS- krankenkassenverbandes hat der Sozialdemokrat Fräs-z dors zu Straßburg die Katze allzu unvorsichtig aus dem Sack gelassen, indem er einem Herrn aus Metz, den er für einen Genossen hielt, folgendes ausplau­derte: ,,

„Lieber Genosse! Arbeiten Sie mit aller Energsi an der Verschmelzung der beiden Kassen. Das liegt iw Interesse der dortigen Partei. Die Arbeit wird dadurch auf dem Lande leichter und der Wahlkreis bleibt uns erhalten. Ferner müßt Ihr auch dafür forgen- haß Ihr die Einziehung der Beiträge zur Invaliden­versicherung erhaltet, dann behalten wir die Genossen beisammen. Vielleicht gibt uns die Landesversicherungs^ anstatt vier Prozent, dann können wir noch drei G e noff en auf der Kasse an st eilen. Wir müfferi: auch dafür sorgen, daß tüchtige Organisatoren (Sozia­listen) als Krankenkontrolleure angestellt werden."

Tas ist der beste Beweis, daß nicht die Interessen, der Versicherten bei diesen Arbeitervertretern bet ihrer Tätigkeit in den Krankenkassen maßgebend sind/, sondern das Interesse der Partei und der materielle Vorteil einzelner sozialistischer Führer, die ihre Brot­stelle zu agitatorischen Zwecken ausnützen. Der Reichstagswahlkreis Metz-Stadt und Land wird durch den Sozialdemokraten Dr. Georges Weill vertreten-

)( Eine Ledigensteuer in Oldenburg. Dem olden«' burgischen Landtage, der am 4. Noo. zusammentreten wird, sind die ersten Vorlagen zugegangen. Eine der Vorlagen enthält die lang erwartete Novelle zum Einkommensteuergesttz, und mit ihr soll als vornehm­liche Neuerung der Ledigenzuschlag eingeführt werden. ES sollen erhoben werden bei 2000—3000 Mk. Einkommen 20 Proz, bei 3000 —4000 Mk. 25 Prozent, bei 4000—5000 Mk. 30 Proz., bei 5000 bis 6000 Mk, 35 Prozent und bei Einkommen mit mehr' alS 6000 Mk. 40 Proz. Zuschlag zur Einkommensteuer, jedoch mit der Maßgabe, daß dieser Zuschlag 4000, Mk. nicht überschreiten darf. Bei der Verteilung Der öffentlichen Lasten nach Maßgabe der direkten Stacus- steuern ist die erhöhte Steuer in Ansatz zu bringen.

o Köln, 23. Oft. 1913. Der Augustinus- herein hielt hier heute eine sehr gut besuchte Ber' fammlung ab, zu deren Beginn der Vorsitzende der Erfolge des Zentrums bei den badischen Wahlen ge­dachte und ein Glückwunschtelegramm an den Geist!. Rat Wacker Vorschlag welchem mit großem Beifall zngeftimmt wurde. Aus den weiteren Verhandlun­gen sei noch eine Kundgebung des Vorsitzenden der Zentrumsfraftion des Reichstages Abg. Präsidenten Dr. Spahn, erwähnt gegenüber einer Äeußerung der Militärisch-politischen Korrespondenz zur Welfe n- frage. In derselben hieß es tote folgt:

DaS Zentrum hält mit seinem Urteil vorläufig zu- rück. Führende Mitglieder der Partei machen jedoch kein Hehl daraus, daß nicht etwa die Tradition Windi­horst sie zur Unterstützung der vom Reichskanzler in der Welsenftage jetzt eingenommenen Haltung veranlass«;' würde. Wenn einzelne Zentrumsblätter eine gegen­teilige Ansicht verträten hättet», so drücke das um sa