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L Biair.

Orud der Selbe et Actiendruoerei in Selbe.

*•* SülÄaer Leitung. •?

Freitag 24. Oktober 1915.

Lokales.

Fulda, 24. Oktober 1913.

** ®’ne Sitzung der Stadtverordnetenversammlung lindet am Montag den 27. Oktober 1913 abends */t8 Uhr statt mit folgender Tagesordnung: Mit­teilung von Eingängen. 1. Wahl des Stadtver« mdnetenvorsteher - Stellvertreters. 2. Erwerb des Geländes für die verlängerte Josephstraße, Ausbau derselben und Bewilligung der Kosten, sowie Ausnahme eines Darlehns zur Deckung der Kosten lKeil). 3. Beitritt der Stadt zu der Kommunalbank (Dux). 4. Aeußerung des Magistrats auf den Beschluß der Stadtverordnetenversamm­lung wegen arrverweitiger Regelung der »rund st euer (Schwarz). 5. Kenntnisgabe der Angelegenheit wegen Schaffung von Jsolierräumen -ür mir ansteckenden Krankheiten behafteten Personen (Fritz). 6. Bereitstellung eines Rte6it§ zur Be- lAaffung von Multiplex-Fernzündern (Eickenscheid'. f- Beschlußfassung über die Giltigkeit der stattge­fundenen Stadtverordnelen-Ersatzwahlen (Kapp). In Zedmer Sitzung: 8. Festsetzung des Besoldungs- dienstalters für die städtischen Beamten aus dem Mürtaranwarterstande. (Dux'.

-7- Gebt keinerlei Almosen an ortsfremde Wan­derer! Das preußische Wanderarbeit s-- stattengesetz vom 29. Juni 1907 ist in dem Regierungsbezirk Kassel seit dem 1. April 1909 ein- geführt und es sind an den Orten Kassel, Bebra, Hanau, Marburg und Rinteln Wanderarbeitsstätten eingerichtet worden, welche die Aufgabe haben, mit­tellosen arbeitsfähigen Männern, die außerhalb chres Wohnortes Arbeit suchen, Arbeit zu vermitteln und vorübergehend gegen Arbeitsleistung Beköstigung und Obdach zu gewähren. Damit die in den Bezirk zu­wandernden mittellosen Wanderer von den Grenzen des Bezirks zur nächsten Wanderarbeitsstätte gelan­gen können, sind in den Orten Obersuhl, Schlüch­tern, Gelnhausen, Fulda, Kirchhain und Treysa sogenannte Wandereingangsstationen eingerichtet. Diese Stationen haben dafür zu sorgen, daß die sich meldenden mittellosen Wanderer mit der Eisenbahn zur nächsten Wanderarbeitsstätte befördert werden. Die Beförderung der Wanderer von einer Wander­arbeitsstätte zur anderen erfolgt im Regierungsbezirk Kassel nach einem festgelegten Plan, der auf den mei­sten Strecken eine Kombinierung von Fußwanderung und Eisenbahnbeförderung vorsieht. Durch die E i - senbahnbeförderung, welche wenigstens die ernsthaft Arbeit suchenden Wanderer selbst als eine Wohltat empfinden, ist es erreicht worden, daß das Planlose Umherstreifen der Wan­derer innerhalb des Bezirks schon einen erheblichen Rückgang erfahren bat. Wer ohne Mittel ist, hat auf der Landstraße nichts mehr zu suchen, sondern soll den geordneten Weg von den Eingangsstationen über die Wanderarbeitsstätten nehmen, wo er gegen ent­sprechende Arbeit Unterkunft und Verpflegung erhält und die Möglichkeit hat, dauernde Arbeit zu finden, sei es in der mit der Wanderarbeitsstätte verbundenen Arbeiterkolonie selbst oder mit Hilfe des Arbeitsnach­weises in einer geeigneten Arbeitsstelle. Auch die Beförderung in die letztere erfolgt kostenlos mit der Eisenbahn unter Voraussendung der Paviere an den Arbeitgeber. Die Wanderer, welche e r n st - haft nach Arbeit suchen, haben es deshalb nicht mehr nötig, auf den Landstraßen herum­zuwandern und die Mittel «um weiteren Fortkommen zu erbetteln; sie brauchen nur einen der obenge­nannten Orte zu erreichen, sich auf der Wanderarbeits- stätte oder Wandereinganqsstation zu melden und cs wird von diesen weiter für sie gesorgt. Em Teil der Wanderer erkennt die Wohltaten der getroffenen Ein­richtung an und macht davon ausgiebigen Gebrauch. Ter andere Teil der Wanderer aber geht im Bogen um die mit strengem Arbeitszwang versehenen Wan- derarbeitsstöuen herum. Diese arbeitsscheuen Dl e n s ch e n dxucken sich vor der ehrlichen rechtschaf­fenen Arbeit und ernähren sich lieber vom Beitel Es wird behauptet, daß diese Wanderer auf ihren Bettel­wegen im Durchschnitt täglich 2 Mk. an barem Gelde zusammenbetteln. Aber ganz ab­gesehen von den nickt geringen Summen, welche die Bettler auf diese Weise Tag für Tag aus dem Lande herausholen, sie belästigen oftmals in unerhörter Weise das Publikum und machen bei ihrem vlanlosen und jede Kontrolle entbehrenden Umherwandern die Straßen unsicher. Das Publikum kann sich am besten vor der Bettelei schützen, wenn es Almosen an ortsfremde Wanderer überhaupt nicht mehr verab­reicht, diese vielmehr mit Bestimmtheit an die nächste Wanderarbeitsstätte verweist, wo feder mittellose Wanderer gegen Arbeitsleistung unentgeltlich Ver­pflegung und Unterkunft erhält. Solange die arbeits­scheuen Bettler wisien, daß ihnen Almosen gewährt werden, werden sie sich nicht dazu verstehen, töten Unterhalt durch Arbeit zu verdienen, sie werden es vielmehr vorziehen, die Einwohnerschaft nach wie vor durch Betteln zu belästigen, mühe- und sorgenlos ihr Dasein zu fristen und dem Laster des Müßiggangs und der Trunksucht fröbnen. Merken sie aber, daß die Bevölkerung ihrem Treiben durch Almosengeben nicht mehr Vorschub leistet, so werden sie ihre Bettel­

züge bald einstellen und entweder sich in die Dander- arbeitsstätte hegeben, oder aber unfern Bezirk ver­lassen.

kre. Sind die Eisenbahn-Hilskwerksührer (früher Vorarbeiter) Beamte? Diese Frage beschäfiigte jetzi in höchster Instanz das OvdtvnwaltungSgericht in einem Rechtsstreit, in dem der Kläger, der bei der Eisenbahnwerkstätte zu O. beschäftigte Hilfswerkführer G., seiner Wohnsitzgemeinde gegenüber das Steuer- Vorrecht der Beamten in Anspruch nahm. Er stützte seine Klage darauf, daß ihm eine Bestallung bei feiner Anstellung ausgehändigt worden fei, daß er durch Handschlag ah Eidesstatt verpflichtet wurde, daß er eine Tätigkeit ausübe, die sonst von Beamten (den Werkführern) auSgeübt werde, daß in den Dienstvor­schriften die Hilfswerkführer und die Werkführer immer als eine Gattung von Angestellten erschienen war, daß die Eisenbahnverwaltung in amtlichen AuS- lassungen die Hilfswerkführer auch als Beamte be­zeichnet habe. Die Eisenbahndirektion und die Werk­stätteninspektion äußerten sich im Verlaufe des Ver­fahrens dahin, daß nach ihrer Ansicht Hilfswerkführer n i ch t den Beamten zuzurechnen seien. In dem gleichen Sinne entschied der Bezirksausschuß, der aus dem amtlichen Material, das für die Beurteilung der Frag in Betracht kam, nicht die Ueberzeug>mg gewann, daß Hilfswerkführer die Beamteneigenschaft erlangten. Ihre Tätigkeit beruhe auf einem rein privatrechtlichen Vertrag. Gegen daS Urteil legte der Kläger Revision ein, der jedoch das Oberverwaltungsgericht den Er- folg versagte. Die Vorentscheidung lasse einen Rechts- irrtum nicht erkennen.

-T- Ehrenurkunden. Die Handwerkskammer in Hanau verlieh nachstehenden Iubilaren der Firma Franz Emil Berta hier Ehrenurkunden: dem Werk-- meister Jea» Cloos, dem Franz Joseph Neidert, Heinrich Schönhut, Emil Brühler, Georg Krämer, Christoph Medler, sämtlich aus Fulda, ferner dem Benedikt Brehler und Richard Ditzei, beide aus Horas.

L Fulda als Kongretzort. Wie wir seinerzeit mit« teilten, hakte auf dem außerordentlichen Derbandstage der Haus- und Grundbesitzervereine der Provinz Hessen-Nassau zu Homburg o. d. H. Fulda sich um die Abhaltung des nächsten Verbands- tageS beworben, war aber bann zu gunsten Hanaus zutückgetreten. Umständehalber kann nun Hanau den nächsten VerbandStag nicht übernehmen und der hiesige Grund- und Hausbesitzerverein hat sich auf Anfrage deS Derbandsvorstandes hin alsbald bereit erklärt, den am 29. und 30. November statlfindenden Verbandstag bei sich auszunehmen. In der gestrigen Vorstandssitzung wurde beschlossen, den hierher kommenden Delegierten die neue Werbe­schrift über Fulda, herausgegeben vom hiesigen Fremdenverkehrsverein, gratis zu überreichen. Als Lokal zur Abhaltung des Verbandstages wurde die „Harmonie" in Aussicht genommen.

A Die Provinz Hefsin-Naffau und die Maul- und Klauenseuche. Die neueste Statistik über die Maui- und Klauenseuche im Deutschen Reiche weist zur Zeit für den Regierungsbezirk Kassel nicht einen Fall von Maul- und Klauenseuche auf. Ta auch der Regierungsbezirk Wiesbaden vollkommen seuchensrei ist, so ist die gesamte Provinz Hessen-Nassau von der Seuche verschont. Die Statistik ist übrigen? sehr günstig, da nur 13 Streife mit 22 Gemeinden (hiervon 60 Gehöfte) im ganzen Deutschen Reiche von der Seuche befallen sind. — Bedenkend stärker tritt aber noch immer die Scheineseuche auf, die auch im Regierungsbezirk Kassel ziemlich stark ver­breitet ist.

= Der Bortrog mit Lichtbildern über die Fremden­legion verlpricht, n>:e uns der Vorstand des Evanget. Männervereins mtiuüt (der Vortra« ist von diesem Verein auf eigene Rechnung übernommen worden), recht stark besucht zu werden. Das Regiment beteiligt sich mit mehreren Herren vom OlfizierkorpS und einer beträcht­lichen Anzabl Mannschaften. Der Vortrag wird ge­halten von Herrn Dr. Max Arndl-Denart-Berlm.

Amt Geisa und Umgebung.

△ Geisa, 23. Oft. 1913. Die Herbstkontroll- Versammlung findet statt: auf dem Berge Frei­tag, den 7. November, nachmittags 21/« Uhr. Wegen Gestellung und Befreiung der Mannschaslen wird auf Abschnitt III der Paßbestimmungen aufmerksam ge­macht. Dringende Gesuche um Befreiung ober Teil­nahme an einer anderen cls der vorgeschriebenen Kontrollversammlung sind bei dem Meldeamt in Dermbach bis spätestens 5 Tage vor Beginn dei; Kontrollversammlung einzuretchen.

* Vacha, 23. Oft. 1913 Der Aussichtsrat des zweiten Vorschußvereins Vacha bewilligte in seiner gestern staltgeftinbenen Sitzung einen Beitrag von 100 Mark zu bet im Juli 1914 hier statlfindenden Gewerbe-, Industrie- und Landwirtschaft­lichen Ausstellung. Die Garantiesumme hat bis jetzt schon die stattliche Höhe von 4000 Mark erreicht.

;; Torudorf, 23. Oft. 1913. Die Verteilungs- Stelle für die Kali-Industrie hat in ihrer Sitzung vom 30. September 1913 entschieden: »Die Beleiligungs-Ziffer des Kaliwerkes Hei ligenroba I wirb gemäß § 17 Abs. 3 bes Kali-Gesetzes auf 9,8646 Tausenbstel vom 1. Oktober 1913 ab neu fest­gesetzt.'

Aur Oberhessen u. den Hess. Aemtern. I

[:] Kirchhain, 23. Oft. 1913. Gestern sand hier- ! selbst im Bahnhofs - Hotel eine Ko ferenz bes Leh- ' rer-Bezirks-Vereins .Oberhessen * statt. Nach einer her-lichen Begrüßung durch ben Vorsitzen­den, wobei derselbe auch des Geburtstages Ihrer Mas. der Kaiserin gedachte, wurde burch einen Delegierten eingehend Bericht erflattet über die Delegierten-Ver­sammlung sowohl als auch über die 40. Generalver­sammlung zu Bad Orb. Nach Einkassierung beifällige Vere-nsbeiträge wurde die Konferenz geschlossen. In bet nächsten Versammlung, welche im Januar statt­finden soll, wirb über „Tas Kirchenlieb* gesprochen werben.

* Fritzlar, 23 Oft. 1913. In bet letzten Sitzung der hiesigen ©tabtoerorbneten würbe beschlossen, daß die Kanalgebühren vom 1. Januar 1914 ab zur Erhebung kommen sollen. Das Kanainetz ist nunmehr fertiggestellt unb auch die Hausanschlüsse zum großen Teil schon bewirkt. Ter Kanal wirb bereits benutzt unb funktioniert sehr gut, namentlich scheint sich auch bie Kläranlage techt gut zu bewähren, bas abfließendc Wasser ist ganz flat. — Einem Teil bet Verträge über Neuverpachlung von stäbtischen Grunbstücken wirb zugestimmt, einigen, die gegen früher erheblich niedrigere Beträge ergaben, nicht. Es wird beschlossen, die am Eckerich gelegenen städtischen Grundstücke mit Obstbäumen zu bepflanzen unb teilweise alsWalbung herzustellen. Ebenso soll das städtische Grundstück an der Schießhalle als Fe st platz hergestellt und mit Bäumen unb Wegen versehen werben. — Schließlich genehmigte man einen Antrag des Magistrats, bet dahin ging, das Gehalt des Bürgermeisters auf 4000 Mark zu erhöhen, da man allgemein der Ansicht war, daß bas bisherige Gehalt unzulänglich sei unb der Stellung nicht entspreche.

vermischtes.

* Ein verhängnisvoller dummer Streich Während eine durchziehende Sci auspielertruppe in einer großen Scheune des Dorfes Oberenzen eine Vorstellung gab, brachte ein Arbeiter, um die Zuhörer zu erschrecken, durch ein Loch des Scheunentores eine Dynamitpatrone zur Entzündung. Dem Arbeiter wurde ein Auge ausgerissen, ein Mädchen ist im Gesicht schwer verletzt worden. Zwölf andere Personen erlitten leichtere Verlegungen.

* Bilderfchmnck in den badischen Staatsbahnwagen. Die badische Enenbahn-Verwaltung hat versuchsweise i* durchgehenden Wagen 1. und 2?Klaffe Landschafts, unb Städlebilder aus Baden aufhängen lassen. Die badischen Verkehrs-Vereine sinb nunmehr, wie mitge­teilt rob b, bei dem preußischen Eisenbahn - Minister vorstellig geworben, baß bie babischeu Bilder eben­falls in ben Wagen bet preußisch. hessischen Bahnen angebracht werben können.

* Selbstmordversuch mit der Schießmaske. Der Hausmetzger Weibert Kern in Furttvangen unternahm in der Trunkenheit einen furchtbaren Selbstmordversuch. Er wollte sich mit der Schieß­maske, die zum Töten der Schweine benutzt wird, erschießen. Der etwa 15 Zentimeter lange Bolzen war an bet Stirn bei der linken Augenhöhle in den Kops eingedrungen. Da es nicht gelang, den Schieß­bolzen zu entfernen, mußte Kern mit dem Eifenteil im Kops nach dem Krankenhaus transportiert wer­den. Es fft fast unglaublich, daß das Eindringen des Eisenbolzens ^nicht den sofortigen Tod zur Folge gehabt hat. Es ist möglich, daß Kern mit dem Le­ben davonkommt, doch dürfte das Auge verloren fein.

* MHitziverts als Ofenheizung. In den letzten WochM &* für die Sektion Jastrow der Orts- r t amrr'rrrtt f f e des Kreises Tt.Krone in West- vreußen bie, Wahl der Vertrauensmänner statt. Die Briefumschläge mit den Stimmzetteln wurden an das Versicherungsamt des Kreises Dt.-Krone einge­sandt. Doch vergebens wartete man in Jastrow auf das Wahleroebnis. Endlich kam de? Rätsels Lö­sung. Das Wahlergebnis konnte nicht bekanntgegeben werden, weil die Wablkuverts verloren gegangen waren. Der Kreisbote hatte in anbetracht der kühlen Witterung den Ofen damit angebeizt. Er war, wie man bet „Flat. Ztg." zufolge hört, der Meinung, daß es sich um alte Reichstagswahlkuvetts handelte. So mußten denn bie mühsam gesammelten Stimm­zettel verbrennen, ehe sie noch Kunde von ihrer Auf­schrift gegeben haften. Das Versicherungsamt hat nun für Jastrow eine neue Wahl anberaumt.

* Münzenfund. In der Nähe von Lautenberg (SSwarzburg-Rudolstadt) fetnb ein Einwohner beim Graben unter einer Baumwurzel ein Töpfchen mit Brakteaten (Okelpfennige). Da? find Münzen mit nur einseitigem Gepräge au? dein 11. Jahrhundert. Diese Brakteaten, ganze und halbe Pfennige, tragen den Saal- felfcer Fürsten, sitzend, als Münzzeichen. Prof. Dr. Pick, der Direktor des Münzkabinetts des Herzoglichen Hauses Gotha ist der Ansicht, daß die Münzen etwa um 1250 vergraben worden sind. Der größte Teil des Funde» ist an das Gothaer Münzkabinett verkauft worden.

* 97 200 Mark Entschädigung für einen Straßen- I bahnunfall muh die Stadt München nach einem eit । gangenen Urteil dem Münchener Redakteur Eyrainer I zahlen. Eyrainer wurde infolge eines Straßenbahn.

Unglück? erwerbsunfähig. Nach dem Urteil, das nav fast zweijähriger Prozehdauer gefällt wurde, muß bi Stadt München dem Redakteur die 97 200 Mark in Monatsraten bis zum Jahre 1925 ausbezahlt haben.

* Des Künstlers Rache. In München war ein Maler aus irgendeinem Grunde am 1. öltcber dieses Jahre? mit 40 Pfg. MietszinSrest im Rück­stand geblieben, woraus er dieser Tage von feiner Hausbesitzerin einen eingeschriebenen Brief erhielt, der ihm die außerordentliche Kündigung anbrohte, falls er den Rückstand nicht binnen drei Tagen begleiche. Diese Mahnung wegen einer Lappalie verdroß den Künstlet sehr, aber er wußte sich zu rächen. Bald bar uf sah seine Mietgeberin im Schauienster einet nahen Kunsthandlung ihren Mahnbrief wegen 40 Pfg. hängen mit dem Vcrmeck: „Interessantes Autograph einer Hausbesitzerin". Die Nachbarschaft und die Vorübergehenden hatten bas Dokument schon ge­bührend bestaunt und besprochen wurde es im ganzen Stadtviertel, so daß es bald einen Käufer fand. ES war die Hausherrin selbst, und sie hat etwas mehr v^ahlt, als sie von dem Maler im Brief reklamiert hatte.

* Die Spionage-Affaire, die in Zürich dieser Tage tufgebedt wurde, spielt auch in Die Rheinprovinz herüber. Nach Mitteilungen eines Agenten des Züricher BurcauS erhielt dieser den Auftrag, den Truppen­übungsplatz Elfenborn ander französisch-belgischen Grenze auf bas Genaueste zu überwachen. Um die nötigen Beziehungen zu erlangen, wurden die Agenten beauftragt, zunächst in Hotels der dem Truppen­übungsplätze benachbarten Städte als Kellner aufzu­treten, unb zwar vorzugsweise in solchen Hotels, in denen Offiziere verkehren. Die Agenten hatten ihre Beobachtungen direkt nach Paris zu melden. Diese Ueberwachung soll bereits feit längerer Zeit erfolgreich ausgeiührt worden fein.

* Ein neues Telegraphenkabel zwischen England und Deutschland wurde, wie aus London gemeldet wird, am Dienstag unter entsprechenden Feierlichkeiten dem Verkehr übergeben. Der deutsche Endpunkt ist Emden, der englische Noneffy.

* Ruffische Eisenbahnzustände. Nach dem soeben erschienenen Bericht des russischen Verkehrsministe­riums über die Betriebsergebniffe des letzten Rech­nungsjahres der russischen Staatsbahnen wurden, wie mitgeteilt wird, nicht weniger als 904 120 Reifende ohne oder mit gefälschten Fahrkarten an» getroffen. 18 000 Beamte und Eifenbahnarbeiter sind aus, diesem Grunde entlassen, degradiert oder mit Ordnungsstrafen belegt worden. Die Zugkontrolle soll deshalb nach deutschem Muster eingerichtet und bedeutend vermehrt werden und fo oft wie nur mög­lich stattfinden.

* Tie ins Meer abgetriebene Barke des Dampf­kutters „Tula" ist, wie aus Ochotsk gemeldet wird, auf offener See aufgefunden und mit der gesamten Mannschaft in Sicherheit gebracht worden.

* Newyork im Dunkeln. llnangcneume Folgen hafte eine schwere Explosion, die sich am Mittwoch in einer elektrischen Zentrale ereignete. Der Distrikt Newyork war lange Zeit infolge Aussehens des elektrischen Stromes in Dunkel gehüllt, unb auch ber Verkehr auf ben Straßenbahnen unb Untergrunb« bahnen war unterbrochen. Bei ber Explosion würben sechs Personen auf bet Stelle getötet unb zwei anbete tödlich verletzt.

— Auf dem Kasinoball. Frau v. A.: „Ich finde, Fräulein v. Z. tanzt heute sehr wenig." — Frau v. B.: „Ja, Sie gehört auch schon zur Reserve." — Frau v. A.: ,06er zur Landwehr?" — Frau v. B.: „Landwehr ist fe r gut! Köstlich! Welches Aufgebot?" — Frau v. A.: „Ach, Aufgebot! Bei der ist von Aufgebot überhaupt nicht die Rede."

Hansel uns Industrie.

$ Berlin, 23. Oft. P13. Die Verbindlichkeiten sind von einer Kurzlebigkeit, die die Nervosität der Spekulation deutlich erkennen läßt. Unfreiwillige Provinz - Verkäme trugen ;ut Verstauung ber Börse wesentlich bei. Ferner verstimmten schlechte amerika­nische Eilenberichte. Später gab bie Erleichterung bes Privat-Diskonts, an bie etwas vorschnell Hoffnungen auf eine Bankbiskont - Ermäßigung geknüpft würben, ben Anstoß zu einer Erholung.

Märkte.

* Gießen, 23. Oft. 1913. Beim Rindviehm ark» beftonD der Vorrat au? 800 Stück Großvieh, sowie 600 Jungtieren und Kälbern. Am Vormarkt wurde nur schwarzbunte Milchwaie gehandelt, die außergewöhnlich hoch bezahlt wurde. Der Kälberrnarkt wurde diesmal mit von Frankfurter Einkäufern beherrscht. Für de« kleinen Voerat von Fahrochsen fanden sich wegen z« hob« Trei$fo*emiig keine Liebhaber. Bezahlt wurde das Stück: Mtchkche 1. Qualitä 600-700 Mk., einige extra Stücke bis 730 Mk , 2. Qual. 600- 675 Mk., 3. Qual. 375- 475 Mk , Stiere und Rinder für Zucht- und Masizwecke 5-7 Monate alt 150—165 Mk., 8 bi8 10 Monate alt 190-230 Mk., IV.—l'/-iährige Ziere 250-800 Mk. Verkauft wurde ber Zent, er Schlacht- aewicht: Fette Rinder 93-95 Mk., fette Kühe zweite Qual. 85-87 Mk., 3. Qual. lWurstkühef. 78- 82 Mk., 1. Qualität fehlte am Markt ganz. Salbet 1. Qualität 93-97 Mk., 2. Qual. 83-92 Mk., geringere Kälber waren nicht am Markt. Nächste Markttage 11. und 12. November d. Js. __________

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