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Ar. 247. Erftes Blatt.

Sreitag den 24* Oktober 1913»

40. Zahrgang.

Zn der Lchllle der Leidens.

5] Roman aus dem New.Jorker Leben.

Von Erich Friesen.

Ueberrcsscht hebt Frau Mackah den Kops.

„Ja. Und was weiter?"

„Und daß ich es erst haben dürfte, wenn ich zwan. zig Jahre alt bin —"

Stummes Nicken als Antwort.

„Wie wär's, Mutter — könnte ich es nicht schon letzt erhalten —"

„Du bist erst siebzehn, Lwy!"

„Ich weiß, Blutter. Aber Du würdest mir eine so große Freude damit bereiten."

Ernst schüttelt Frau Mackay den Kopf.

„Das geht nicht, mein Kind. Ich Habs Deinem guten seligen Vater auf dem Totenbett versprochen u- und das Versprechen halt' ich!"

Der Ton der alten Dame klingt ungewohnt be­stimmt — Felicie senkt das Köpfchen.

„Aber sehen könntest Du es mich doch lassen?"

„Ein andermal, Licy. Heute sind wir beide müde. Jetzt gel?' zu Bett!"

Das Gesicht der alten Dame sieht so bleich uno eingefallen aus, ihre Lippen sind so schmerzhaft zu- sammengepreßr — Felicie wagt nicht, werter in sie zu dringen.

„Gute Nacht, Mutter'"

„Gute Nacht, mein Kind' Ich werde Wohl nicht viel schlafen; ich habe Kopfschmerzen."

„Soll ich Dir einen recht heißen Grog brauen, Mutier? Taim schläfst Tu gleich ein."

„Wenn Dir willst, mein Kind —"

Ein paar Minuten später liegt Frau Mackay rm Bett, und Felicie hantiert in der kleinen Speisekam­mer herum.

„Hier, Mutter, jeüt trinke!--So — immer

Weiter! — Recht so!"

Ein dankbarer Blick au? den eingesunkenen Augen, trifft die kleine Pflegerin.

Deutsches Reich.

Kaiser Wilhelm a«f Schloß Konopischt.

Der Kaiser traf gestern um 5.40 Uhr in Beneschau ein, wo er von dem Erzherzog Franz Ferdinand und der Herzogin von Hohenberg herzlich^begrüßt wurde. Im Automobil wurde darauf die ^zahrt nach dem Schloß Konopischt angetreten, wo dem Kaiser die Gäste des Erzherzogs vorgestellt wurden. In den Zimmern des Kaisers wurde der Tee eingenommen. Um 8 Uhr abends sand im großen Speisesaale deZ Schlosses ein Diner zu 26 Gedecken statt.

Die Wiener Blätter bringen alle herzliche Be­grüßungsartikel und legen fast durchweg der Begeg- nung von Konopischt große politische Bedeutung bei.

** Berlin, 23. Oft. 1913. Die braunschweigische Stadtverordnetenversammlung bewilligte in ihrer Sitzung am Donnerstag zum Einzug des Herzogs Ernst August die Summe von 25000 Mark zur Ausschmückuna der Stadt.

)( Einberufung des braunschweigischen Landtages. Der Herzog-Regent hat einen außerordentli­chen Landtag für Montag, den 27. Oktober, ein­berufen.

-|~ Steigende Fleischzufuhr und abnehmende Fleischteuerung. Berliner Blättermeldungen zufolge, ist der gesteigerten Zufuhr an Fleisch auf den bedeu­tendsten Schlachtviehmärkten Deutschlands nicht damit zu rechnen, daß in diesem Herbst wie in dem des ver­gangenen Jahres eine Verschärfung der Lage auf dem Fleischmarkt eintreten wird. Auf 40 dieser Märkte ist eine wesentliche Zunahme des Viehauf- t r i e b e s gegenüber dem entsprechenden Monat des vorigen Jahres festzustellen. Die Preisgestaltung auf Rindern und Schafen überwog eine rückläufige Preis­bewegung, während sie bei Schweinen ziemlich un­verändert war.

Ofsiziersmangel im Heere. Durch die am 1. Oktober neu aufgestellten Neuformativnen des Heeres ist der Osfiziersmangel wieder sehr fühlbar geworden, es fehlen namentlich bei den unteren Chargen sehr viele Offiziere in den etatsmäßigen Stellen. Im Durchschnitt kommt auf jede Kompag­nie nur 1 Hauptmann, 1 Oberleutnant, 1 Leutnant. Wird einer der Leutnants abkommandiert, so bleibt die Stelle unbesetzt. Man hilft sich zunächst durch Einstellung von Reserveoffizieren.

a Zulassung von Fachschülern zur Prüfung für Einjahrig-Freiwillige. Durch einen gemeinsamen Erlaß der Minister des Innern und des Krieges ist die Zulassung von Fachschülern zur erleichterten Prü­fung für Einjährig-Freiwillige erweitert worden. Es dürfen künftig nicht nur die Schüler der staatlichen oder staatlich unterstützten Baugewerkschulen und kunstgewerblichen Änterrichtsanstalte.r zur erleichter­ten Prüfung für den Einjährig-Freiwilligen-Dienst zugelassen werden, sondern auch die Schüler der übrigen staatlichen oder staatlich unterstützten gewerb­lichen Fachschulen (z. B. Maschinenbauschulen, Fach­schulen für Textil-, Eisen- usw. Industrie, Handwer- kcrschulen). Voraussetzung dafür ist die Erfüllung der allgemein bekannten Bedingungen, insbesondere der Nachweis besonders hervorragender gewerb­licher oder kun st gewerblicher Leistun- g e 7t in der Schule. Die gleiche Vergünstigung kann auch den Schülern anderer gewerblicher Fachschulen gewährt werden, sofern diese Schulen von dem Mini­ster für Handel und Gewerbe, dem Minister des In­nern und dem Kriegsminister als den staatlichen und staatlich unterstützten gewerblichen Fachschulen gleich­wertig anerkannt worden sind.

c Auf der Suche nach einem rassereinen Kandi­daten. Bei der Kandidatensuche im oberpfälzisck^n Wahlkreis Neumarkt haben die Liberalen „er-

schröckliches" Pech. Zunächst wurde der Bürgermeister Panzer als Kandidat aufgestellt, als sich aber heraus­stellte, daß Panzer Mitglied des Bunde? der Land­wirte war, mußte er als Kandidat zurücktreten. Die Liberalen verloren die Geduld aber nicht und glaubten nach langem Suchen, in dem Büttnermeister Dollin­ger ihren Mann gesunden zu haben und proklamier­ten ihn als den neuen Kandidaten. N:"i kamen die Herren Sozialdemokraten mit der allerliebsten Fest­stellung, daß Herr Dollinger kein Liberaler, sondern ein — Sozialdemokrat sei und vor kurzem noch Orts­vorsitzender der freien Gewerkschaft war. Doch das Schönste folgt zuletzt. Tie Zentrumspresse weiß zu berichten, daß die Liberalen vor dem Genosien Dol­linger einem Handwerksmeister die Kandidatur an­trugen, der als waschechter ZentrumSmann bekannt war. Werdings hatte sich der Kandidat für die Ehre höflichst bedankt. ES ist ergötzlich und sehr bezeichnend für die Urteilsfähigkeit der Liberalen, daß sie nach­einander zuerst einem Konservativen, dann einem Zentrumsmann und schließlich einem Sozialdemo­kraten ihre Kandidatur ouflialsen wollten. — Wie viel tüchtige Männer muß doch der Liberalismus in seinen Reihen haben!

+ „Konfessionelles Kino". Mit diesen Worten ift ein gehässiges .Eingesandt" der .Deutschen Kino- Wachll vom 18. d. M. überschrieben, das sich mii den Beschlüssen der preußischen Bischofskonferenz in Fulda beschäftigt. Dem ständigen Leser der zahl­reichen Kinofachzeitschriften fällt der abstoßende Ton dieses ^Eingesandt" nicht sonderlich auf, da die Fach­presse der Kincmatographenbranche schlecht geleitet und unduldsam ist. Doch die .Deutsche Kino-Wacht' ist das Organ des SchutzverbandeS der deutschen Lichttildtheater, Sitz Berlin. Im Jntrresse des An­sehens der Kinotheaterbesitzer und cer Fernhaltung von Schwierigkeiten für das Gewerbe könnte an­genommen werden, daß solch' ein Standesfachblatt umsichtig geleitet würde. Mit den Beschlüssen des preußischen Episkopats decken sich die Bestrebungen machtvoller interkonsessioneller und konfessioneller Laienorganisationen. Die Stellungnahme der Fuldaer Bischofskonferenz ist zielsicher, sachlich und gerecht im öffentlichen Interesse.

O Die feindlichen Brüder. Die .Leipziger Volks­zeitung' und der sozialdemokratische ReichstagSabg. P 8 us sind sich einander in die Haare geraten und sagen sich gegenseitig die schönsten Liebenswürdig­keiten. Dem Genossen Pzus wird „kindische Unter­stellung", „demoralisierende Entrüstung", „Unsinn", „Todsünde am Proletariat", „Lüge" usw. vorgeworftn und erklärt, daß man für einen Menschen dieses Schlages nur das Achselzucken der Verachtung habe. Bei dieser Gelegenheit netrnt die ,Leipz. VolkSztg.' die Redewendung von dem „Hinein wa chsen in den ZukunftSstaat" eine „verlorene S chr u l l e". Die Genossen werden ja selbst am besten wissen, was sic von sich zu halten haben.

---- Ludwig Matz Goldberger, der vor einigen Tagen vom Präsidium der Ständigen AuSstellungs-Kommis- fton zurückgetreten war, ist in Berlin an Arterien- Verkalkung gestorben. Geheimrat Goldberger ist der Verfasser des bekannten BuckieS »DaS Land der unbegrenzten Möglichkeiten", war Mitglied des wirt­schaft!. Ausschusses der deutschen Reichsregierung und vieler anderer Verbände.

4- Kirche und Sozialdemokratie. Das ..Komitee konfessionslos" macht der sozialdemokratischen Partei heftige Vorwürfe, daß sie sich bei der Agitation für den Massenauslritt aus der Kirche zu sehr zurück­halte und schreibt:

Kein ehrlicher Sozialdemokrat kann Mit- alied der Landeskirche sein, er sei denn ein zweizüngiger Lügner! Daß er's aber wurde, ist Schuld seiner Pariei, nicht seine. Und die Partei wird sich von dieser Schuld nur reinigen mit der Forderung: Austritt aus.derKirche oderAuss chln bau? der Partei!"

So ganz unrecht hat das Komitee nicht: mit der Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei ist tatsächlich die Zugehörigkeit zu irgend einer kirch­lichen Gemeinschaft nicht vereinbar. Die so­zialdemokratische Presse schweigt sich über diese An- zapsung aus. Der Satz »Religion ist Privatsache" hat ja in seiner bestechenden Fassung für die sozialistische Propaganda glänzende Arbeit geleistet, da er sehr viele Mitläufer, die durch die tatsächliche Gottlosig­keit der Sozialdemokraten und durch eine zu intensive Agitation zum Massenaustritt aus der Kirche ab­geschreckt worden wären, für sich gewonnen hat.

Ausland.

|A Drei Jahre portugiesischer Republik.

In Portugal sind erneut größere Unruhen aus­gebrochen, die den Sturz der Republik bezwecken. ES sollen Tausende von Bewaffneten an der por­tugiesisch-spanischen Grenze stehen, bereit, jede Stunde den Monarchisten zu Hilfe zu kommen. Die­sen gelang es bereits, Telegraphen und Essenbahn­linien zu unterbrechen und politische Gefangene zu befteien. Auch auf das Militär kann sich die re­publikanische Regierung nicht mehr ganz verlassen. Die portugiesische Regierung sucht natürlich die Vor­gänge der jüngsten Tage 'abzuschwächen, zuverlässi­gen Mitteilungen zufolge hat man es aber bei der gegenwärtigen Gegenrevolution mit einer zielbewuß­ten Leitung zu tun, sodaß es nicht ausgeschlossen ist, daß das gegenwärtige portugiesische Schreckenregiment ein jähes Ende findet.

Es hieß, daß der dritte Jahrestag der Republik durch eine Amnestie für die politischen Gefangenen gefeiert würde. Es kam aber nicht dazu, die Regie­rung darf sich das nicht erlauben. Alfonso Costa weiß gut, daß er seinen tyrannischen Despotismus nur halten kann, wenn ganz Portugal in ein großes Gefängnis verwandelt ist. Eines der republikanischen Blätter, der berüchtigte „O Mundo", hatte einen Artikel veröffentlicht, in dem der Prior von E r v e - daldeReiradeS Hochverrats angcklaat wurde; er sollte gesagt hoben, alle Akten vor dem Zivilstandes­register seien Verbrechen. Der Priester wurde sofort ohne Verhör einoekerkert. Die Zeitung „A Dia" brachte eine Abbildung deS Geschenks, das die Da­men Lissabons Dom Manuel — nur so dürfen sie ihren rechtmäßigen König bezeichnen — durch Ver­mittlung der englischen Regierung zu seiner Hochzeit gemacht habeyc Das Geschenk wurde lange Zeit an der Grenze zurückgehalten unter dem Vorwande, cs müßten Zollgebühren bezahlt werden. „Aa Dia" veröffentlichte diese Nachricht ohne Kommentar. Die Folge war, daß die Zeitung konfisziert wurde. Selbst die „Republika" meint gegenüber diesen ungerechten Bedrückungen, ein wenig mehr Takt und Duldung könnten der Regierung mehr nützen, als Berge von Haß um sich zu errichten. Viele Republikaner, sind durch diese Handlungsweise der Regierung in ihren Idealen irre geworden und fühlen sich davon abge­stoßen. Die Steuern sind wieder erhobt worden; die hohen Steuern und der traurige Zustand der Fi­nanzen waren aber gerade Gegenstand der heftigsten Angriffe auf die Monarchie von Seiten der Re­publikaner.

Die Anarchie ist so gewachsen, daß eine große Anrahl begeisterter Revublikaner ihren Unwillen nicht mebr verbirgt. Auf dem letzten Kongreß der kortschrittlichen Republikaner hat man dem vielge- baßten Diktator Joao Franco unter dem Beifall der Anwesenden Gerechtigkeit widerfahren lassen; ein Redner erklärte, daß Franco, wenn er energisch un­terstützt Wörden wäre, der Mgnn gewesen wäre, die Ordnung und den Wohlstand in Bortuaal wieder

„Danke, mein Kind! Ich fühle schon, wie ich müde werde. Gute Nacht, mein Herzblatt!"

Und der graue Kopf legt sich behaglich in den Kissen zurecht'

Noch ein zärtlicher Kuß auf die bleichen Lippen der Mutter — und Felicie nimmt den Leuchter, um ihr Kämmerchen anfzusuchen. — —

Ta fällt ihr Blick auf das kleine Schlüsselbrett, an welchem der Schlüsselbund der Frau Mackah hängt.

Sie stutzt. . .

Wie mit Blitzeseile sahrt es ihr durch den Sinn:

„Such' selbst nach dem Brillant-Kollier! Es, ist Dein Eigentum. Niemals wieder bietet sich eine solche Gelegenheit, und morgen muß Norbert das Geld haben!"

Wenn nur die Mutter nichts merkt! Furchtsam blickt Felicie sich um.--

Tie alte 2 ame rührt sich nicht. Schlaftrunken murmelt sie ein paar unverständliche Worte.

Eilig steckte Felicie den Schlüsselbund in die Ta­sche, ergreift den Leuchter und eilt in ihr Zimmer.

Bon Müdigkeit keine Spur. — Dazu die Erregung der letzten Stunden. — Denn nur die Mutter erst schliefe:

Auf den Fußspitzen schleicht sie zum Schlafzimmer der alten Dame. Leise, ganz leise öffnet sie die Tür.

„Bist Du's, Lieh?" fragt eine verschlafene Stimme hinter dem Vorhang. „Mir träumte eben, Du seiest — eine Prinzessin — und Barrington--"

Das Weitere erstirbt in undeutlichem Gemurmel.

Gleich darauf verkünden tiefe regelmäßige Atem­züge, daß Frau Mackav fest schläft.

Klopfenden Herzen« schleicht Felicie im Zimmer umher. Jede Schieblade wird geöffnet, jedes Käst­chen durchsucht. Vergebens. Ihre Wangen glühen, ihre Pulse fliegen. Wie, wenn sie den Schmuck nicht fände — und Norbert wüßte morgen Gerda Douglas sage:: --

Und mit frisch aufguellender Energie sucht sie weiter und weiter. . . .

Nicht einen Augenblick kommt ihr der Gedanke, daß sie ein Unrecht begehe. Das Kollier gehör, ihr; was sie '4gniit macht, ist gleichgükrtx »ch 6» I

sich etwas früher in seinen Besitz setzt — zu ihrem und des Geliebten Glück.

Jetzt ifffnet sie den Wäscheschrank. Vorsichtig! schiebt sie die Hand zwischen die Reihen sorgsam zu- sammenaefalteter Leinentücher. — •—

Nicht?!

Ta — hinter einem Stoß vergilbter Servietten — fühlt sic plötzlich etwa? Hartes. Sie räumt die Servietten hinweg und erblickt ein silberbeschlagenes Kästchen.

Mit zitternden Händen betastet sie dasselbe. Es ist fest verschlossen. ’

Eine furchtbare Aufregung bemächtigt sich ihrer. Eine Ahnung sagt ihr, daß das Gesuchte sich in die­sem Kästchen hefindet.

Doch wie es öffnen? Und wenn jetzt die Mutter erwachte?

Hastig nimmt Felicie den Kasten auf den Arm und eilt damit, immer auf den Fußspitzen, die kleine, schmale Treppe hinaus, in ihr Kämmerchen.

Hier stellt sie den geheimnisvollen Kasten auf das kleine Tischchen vor ihrem Bett und probiert jeden Schlüssel vom Schlüsselbund der Mutter.

Endlich paßt ein kleiner, ganz eigen geformter Schlüssel. Der Kasten springt auf.

Ta? erste Fach ist leer

Felicie hebt den Einsatz heraus. Ein paar ver­silberte, altmodische Messer und Gabeln kommen zum Vorschein — nichts weiter.

Schon will sie enttäuscht den Kasten wieder schließen, als sie an der einen Seite unter der rot­samtenen Fütterung eine kleine Erhöhung bemerkt. Sie hebt den Kasten ans Licht und merkt, daß der Boden unnatürlich dick ist.

Sie dreht den Kasten hin und her, rüttelt und schüttelt ihn, bis plötzlich eine unsichtbare Feder nach­gibt. Der Boden bewegt sich. Eine kleine Schieb­lade wird sichtbar.

Mit glühenden Wangen zieht Felicie die Lade her­aus und--

Ein Freudenschrei springt von ihren Lippen.

Vor ihr sirnkrlt und o'ot^r und glitzert es wie

herzustellen. Ein anderer Redner hatte den Mut zu sagen, er werde die Republik im Stich lassen, wenn er zur Ueberzeugung käme, daß sie der Ruin des Landes sei. Damit ist die Stimmung im Lande wohl am besten gekennzeichnet.

* Katholische Kandidaturen zur italienischen Kammer. Aus dem vollständigen Verzeichnis aller Kandidaten für die 508 Wahlkreise Italiens, das mehrere Blätter zum Abdruck bringen, geht hervor, daß 63 Katho Uten, Mitglieder katholischer Organisation neu, sich als Kandidaten stellen. Alle katholischer Kandidaten werden nicht durchdringen, obwohl dü Katholiken nur dort Kandidaten ausstellten, wo einiger« maßen Aussicht auf einen sofortigen Erfolg winkt. Von nichtkatholischen Deputierten sollen 260 das Mindest-Programm der Katholiken unterschrieben baden.

D. Tie Kriegserklärung der französischen Radikalen an die Regierung. Der Kongreß der radikal-soziali­stischen Partei in Frankreich wurde mit der Annahme einer Partei-Kundgebung durch die Kongressisten ge­schlossen. Diese Kundgebung bedauert zunächst, daß der Radikalismus im Niedergang begriffen ist. So-, dann weist sie auf die Notwendigkeit der Verteidigung der Lai en sch ule hin und besteht auf der Dring-, lichkeit einer Neubildung der Leitung der Armee,, die Persönlichkeiten anpertraut werden muß, die von wirklich republikanischem Geiste durchdrungen sind. Diese „Laicnrefornm soll nach dem Willen der Radi­kalen auch auf die Diplomatie und auf die Kolonial­verwaltung übergreifen, d. h. Generäle, Gesandte, Ko­lonialbeamte müssen in Zukunft von der radikalen Partei und von dem Großmeister der Freimaurerei anekannt werden. Zum Schluß wird dann der Re-^ gicrung offen der Krieg erklärt. Die in dieser Kund-! gebung gegen die Regierung enthaltenen Drohungen sind um so ernster zu nehmen, da vorher von dem Kongreß zwei Tagesordnungen angenommen worden, waren, deren erste eine Einladung an die radikalen, und radikal-sozialistischen Senatoren und Deputierten enthält, sich schon bei Beginn der Kammersitzung zu-^ sammenzuschließen, während die zweite Tagesordnung ein formeller Befehl an die Senatoren und Depu­tierten ist, jeder Regierung, die nicht ausschließ-, lich mit den Parteien der Linken unter Zurückweisung der Mitwirkung der Rechten und der Fortschrittlichen regiert, ihre Mitarbeit und ihr $er=' trauen zu entziehen. — Man wird jetzt sehen, was die Regierung dieser Herausforderung gegenüber tun will; Ministerpräsident Barthou hat kürzlich den Ra­dikalen „Taten" verfprochcn; er weiß nun, was er zu tun hat, wenn er sie zufrieden stellen will.

A Ei» konservatives Ministerium in Spanien." Das gegenwärtige liberale freimaurerische spanische Ministerium Romanones verliert immer mehr an Rückhalt. Die Parteigruppe der liberalen Dissiden. ten hat bereits ihren Führer Garcia Pietro zum Ministerpräsidenten vorgeschlagen. Allgemein rech­net man bereits mit einem kommenden konservativen (katholischen) Ministerium.

** Mexiko. Die Bestätigung des mexikanischen Präsidenten Huerta durch die englische Regie­rung hat in Washington verstimmend gewirkt. Die amerikanische Presse aller Parteirichtungen ver­urteilt die englische Haltung auf das schärfste und ist über die von dem englischen Gesandten in Mexiko Sir Lionel Carden an der amerikanischen Mexikopolitik geübten Kritik, Amerika verstände die Verhältnisse in Mexiko nicht, sehr erregt. Halbamtlich wird erklärt, Präsident Wilson habe in freundschaftlicher Weise in London angedeutet, daß es im allgemeinen Interesse wünschenswert sei, wenn Amerika freie Hand in der Behandlung des mexikanischen Problems habe. —, Der in Diaz' Gefolgschaft befindliche Leutnant B e l a s q u e z und dessen Sekretär wurden in Veracruz verhaftet, weil sie Huertas Befehl, in Havanna zu bleiben, mißachteten. Es verlautet, daß noch wei-

Millionen Tautropfen — das so brennend begehrte Brillanten-Kollier. •

Den Schmuck fest an die Brust gedrückt,, tanzt sie in ihrem Kämmerlein aus und ab. Dann eilt sie di« Treppe hinab ins Wohnzimmer, zündet die Lamp« an und hält die Steine gegen das Licht. Ha, wi« da§ glitzert! — —

Hurtig wirst sie ein altes, schwarzes Samtkleid, welches sie manchmal auf der Bühne trägt, über, be­festigt da§ Kollier an ihrem schlanken Hals, ergreift die Lampfe und tritt vor den Spiegel.

„Wie hübsch sie mich kleiden!" murmelte sie in verhaltener Freude. „Ach, wenn ich sie doch nicht verkaufen müßte! Noch niemals vorher habe id)_ be­merkt, daß meine Augen so leuchten, daß mein Hals so weiß ist. Wenn ich nur nicht gar so mager wäre! Mer Norbert sagt, das würde sich mit der Zett schon geben. Natürlich — ich bin ja erst siebzehn Jahre alt! — O Norbert, Norbert, wie glücklich hast Du mich gemacht! Wie froh bin ich, daß ich Dir mit diesem Kollier aus der Verlegenheit helfen kann — Tu mein Einzig-Geliebter, mein Alles, mein Leben!"

Felicie ist wie verzückt. Sie hört nichts, sie sieht nichts, sie denkt nichts — als nur Norbert, Norbert und immer wieder Norbert!--

Der Glockenschlag der kleinen Bronzeuhr auf den-. Kamin läßt sie plötzlich zusammenfahren.

Bim — bim — bim---

„Schon drei Uhr!" murmelt sie betroffen. _ „D« halbe Nacht habe ich mit dem. Kollier beriätiMt, Schnell fort mit dem Kasten, damit ich noch bis­chen schlafen kann!"

Rasch löst sie den Schmuck von ihrem H'aks, strefft ■ das Sommerkleid ab und steckt den kostbare,' Schatz in die Tasche ihres Hauskleides Dann schließt sie den silberbsschlagenen Kasten und sckick: sich an ibn wieder nach dem Schlafzimmer der Mutter itagea.

Leise, auf dm Fußspitzen, wie sie schleicht sie durch den Korridor, di» !£rt»ue und prallt plötzlich entsetzt zurück.

(Fortsetzung fychtO