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totales.

gulbo, 23. Oktober 1913.

-Fulda, die alte Bonifatiusstadt*.

Der vor einigen Jahren gegründete Fremdenver- kehrsverem Fulda hat sich bekanntlich die Ausgabe gestellt, eine Werbeschrift über Fulda herauszugeben, die in kurzer Form die Schönheiten und mannigsachen Vorzüge unserer Vaterstadt schtldern soll. Wie bereits in Nr. 233 der .Fuldaer Zeitung' mitgetellt wurde, hat diese neue Publikation vor wenigen Lagen die Druckpresse verlassen. Inhalt und Ausstattung dieser Schrift verdienen es aber, an dieser Stelle etwas näher gewürdigt zu werden.

In der kurzen Besprechung der.Fuldaer Zeitung, ist bereits hingewiesen auf da? Vorwort von Fraulem Josephine Grau. Wer in dem schmucken Heftchen weiterliest, der wird auch sofort in den folgenden Kapiteln die Arbeit der genannten Schriftstellerin er- kennen, die hi-r auf engem Raume ein überaus fesselndes Bild der großen Vergangenheit unserer Vaterstadt entwirft. Man darf den Fremdenverkehrs­verein beglückwünschen, daß es ihm gelungen ist, eine derart berufene Feder für diese Schrift zu gewinnen. Di- Abhandlung über .das geschichtliche Fulda" be- ruht auf einer sehr eingehenden, genauen Kenntnis der fuldischen Geschichte und zeichnet sich aus durch eine einzigartige Schönheit der Sprache, die die Lektüre dieses Abschnittes zu einem wahren Genüsse macht. Die Verfasserin, die in ihrem »Lob des Kreuzes" das Kloster Fulda mit so viel Liebe und feinem Ver- ständnis geschildert bat, und deren größere oder kleinere Abhandlungen über dre Geschichte von Stadt und Land Fulda in der ,Fuldaer Zeitung' schon bei so vielen Lesern Interesse für Fuldas Vergangenheit geweckt haben, hat ihre Ausgabe in vollendeter Form erfüllt. Dadurch erhält das Heftchen einen bleibenden Wert. Wer sich über Fuldas Geschichte unterrichten will, findet hier auf wenigen Seiten einen trefflichen Ersatz ür eine noch fehlende ausführliche Beschreibung der Fuldaer Geschichte. Mit feinem Empfinden sind Fuldas Bauten geschildert, sowohl in dem Kapitel über die Geschichte Fuldas wie in dem folgenden Abschnitt: Gang durch die Stadt.

Nicht geringere Anerkennung verdienen Aus­führung und Auswahl der Illustrationen. Zahlreiche Abbildungen sind vollkommen neu und werden gewiß ungeteilten Beifall finden. Nur auf einige Auf­nahmen von besonders intimem Reize sei hier hin­gewiesen wie einzelne Partien aus dem Schloßgarten, Kastanienallee, Pauluspromenade, Lengsfeldergasse, Totenhojkapelle am Eichsfeld, Kreuzigungsgruppe auf dem Kalvarienberg und Stationswege auf dem Frauenberg.

Die geschilderten Vorzüge heben diese Veröffent­lichung des Fremdenverkehrsvereins Fulda hoch über das Niveau anderer Fremdenführer und der alltäg­lichen Reiseliteratur. Möge das Heftchen die Be­achtung finden, die es voll und ganz verdient! 8.

* Verleihungen. Die Role Kreuzmedaille 2. Klaffe wurde verliehen dem Wirkl. Geheimrat Hengsten- berg, Oberpräsident in Kassel, die Rote Kreuz­medaille 3. Klasse dem Generalarzt und Korpsarzt des 11. Armeekorps zu Kassel, Dr. Brügger, dem Oberstleutnant a. D. Karl Hock in Kassel, dem Fräulein Hedwig Moye und der Frau Landes­hauptmann Freifrau Martha Riedesel zu Eisen- bach, geborene Freiin von dem Busche-Jppenburg, genannt von Keffel, Kassel. Die erste Klasse der zweiten Abteilung des Luisenordens mit der Jahreszahl 1865 der Fürstin Pauline zu Benzheim und Steinfurth, Prinzessin zu Waldeck, Durchlaucht in Burg-Steiniurth.

(:) Der Ausschuß der Krankenkasse Fulda-Land ist nach der amtlichen Bekanntmachung des Kassen­vorstandes folgendermaßen zusammengesetzt: Es wa- ren 40 Stimmen abgegeben. Davon entfielen a) auf Wahlvorschlag 1 — 4 Stimmen, b) auf Wahlvor­schlag 2— 36 Stimmen. Nach dem Verhältnis der Stimmzahl entfallen A- Vertreter im Ausschuß a) auf Wahlvorschlag 1 = 2 Bewerber, b) auf Wahlvorschlag 2 = 18 Bewerber, B. Ersatzmänner a) auf Wahlvor­schlag 1 = 14 Bewerber, da auf dem Wahlvorschlag ö nur 44 Bewerber im Ganzen aufgeführt sind (§ 16 Mbf. 2 und 3 der Wahlordnung), b) auf Wahlvor­schlag 2 = 26 Bewerber.

hk. Holländisches Konsulat für den Regierungsbezirk staffel. Dem zum kgl. niederländischen Konsul in Kassel ernannten Herrn A. Pech mann ist vamens des

Rekruten.

Von Victor Helling.

Dian muß dem Sergeanten im achten Dienstjahr und stellvertretenden Zugführer Eitel Emil Kullin- g-r schon recht geben, wenn er behauptet und seufzt: „Wat der Dienst is, so reißt det Ding nich ab, bet iS wie 'ne Schlanje, wo sich in' Schwanz beißt!" — Kaum sind sie leichtbeschwingten Schrittes aus dem Kasernentore hinausgezogen, die „alten Leute", noch derbrannt vom Kaisermanöver, die Soldatenmütze schief auf dem Kopfe und den Reservistenstock mit der bunten Kompagniequaste in der Rechten, noch hat man sie, die in ihr vorläufiges Zivilistentum Zurückgesunkencn nicht vergessen, schon tun sich di- mächtigen Flügel des Kasernentores wieder auf, um eine neue Generation hereinziehen zu lasten.

Mit Koffern und Kisten kommen sie vom frühen Morgen an „daherjeschlicben" — denn laufen kann man das nicht nennen, wie Sergeant Kullinger sonstatiert. Laufen lernt der Mensch erst beim Mi­litär. Bis dahiu hat sich der Heranwachsende Sohn »es Vaterlands nur so dahinbewegt, seltsam und schimmerlos; ohne Verständnis, wozu der Mensch eigentlich seine „Spazierhölzer" hat. Gleich mit dem ichen Trupp, den das Transportkommando 'vom Bahnhof abgeholt hat, ist so ein Unglückswurm ein- oastiert unb' an ber sanften Hand von Sergeant Kul- lniger bem Kompagnierevier Kullingers zugcführt worben, bei bem sich der im Dienst ergraute Kor­poralschaftsführer die Frage nicht hat verkneifen können: „Nu sagen Se bloß, Mensch, Sie sinn woll bis bato auf alle Viere jekrochen? Det wirb ja 'ne Jötterlust werben, mit Ihnen Loosen zu lernen!" Ach, unb wie bieser eine, so sind deren gar viele, die dem kritischen Auge von Sergeant Kullinger eine verstohlene Zäbre 'entlocken! Längst ist er sich dar­über klar, daß ber Ersah jedes Jahr „doofer" wird. DaS ist seine Privatansicht, die er sich nicht rauben läßt. „Wat heutzutage die Aerzte durchlasten, det is mich zu flüstern! Wenn ick so überdenke, wie das früher war, wie w i r ankamen, schmuck und knusprig >— ober na ja, bet ville Kroppzeug, aus die Fabriken vn so. Sht, ick toer'e schon den Ünjeheuern die Flö- tendöne beibringen!"

Suldaer Zeitung.

Donnerstag 23. Oktober 1413.

aus Sbnheffen u. Öen Hess, »erntet«.

♦ Marburg, 22. Okt. 1913. Zur letzten Ruhe bestattet wurde gestern eia langjähriger Beamter deS hiesigen Landgerichts, Herr RechnungSrat Wilt- berger. Dem Verstorbenen, der in den letzten Jahren auch AmtSanwalt in Gladenbach gewesen war, erwies ein zahlreiches Trauergefolge, darunter die Vertreter des Studenten-Vereins „Thuringia" die letzte Ehre. Pfarrer Dr. Weber hielt eine zu Herzen gehende Grabrede.

g Neustadt, 22. Okt. 1913. Der von feiner Arbeiisstell^ng zu Kloster Hama entwicheneStraf- gefangene aus der Anstalt zu Breitenau, Wtlh. Ohle, wurde gestern abend in der Nähe von Eds- darf ergriffen und durch den Gendarm Bariton heute morgen dem Gefangenentransport auf hiesiger Station wieder zugesührt.

Ach, der toadere Kullinger! Er ist nicht halb so wild, wie er sich selber einredet. Das Aeußere rauh, aber sanft die Hülle, die sein Herz umgibt. Viel menschlicher, als die jungen Knaben ahnen, denen er mit bewölkter Jupiterstirn heute den Schrank und Schemel in der sauber zum Empfang der Gäste ge­scheuerten Kasernenstube anweist, schlägt chm das Herz im tiefen Busen. Er ist weich gewesen, als der Hauptmann und Kompagniechef den letzten Jahr­gang mit einer feierlichen Ansprache entlasten hat — ausgerechnet den Jahrgang, der ihm soviel Herze­leid gemacht und „ein Nagel zu seinem militärischen Leichenbegängnis" gewesen ist. Und er ist im ganz Geheimen auch heute nicht bösartig gestimmt, wie er die unfertigen und zaghaft ins militärische Dasein hineintappenden Menschenkinder in Empfang nimmt. Oder behandelt er sie etwa, der Weisung gemäß, nicht so individuell tote möglich? Hat er nicht bereits er­fahren und erfragt, daß der Vater von Karpinski gar kein Pollacke, sondern Flickschuster und gedienter Un­teroffizier in Golbap war? Daß Karpinski zwei Schwestern hat, die ebensolche Stuppsnasen haben, wie er, der gleich bei der ersten Stellung ausgehobene Bruder, und daß sie trotzdem bereits alle zwei einen Mann erobern durften? Oder hat er nicht im stillen schon Achtung gewonnen vor der Mutter von Matzer IV, die sieben unmündige Gören durchzufuttern hat und es sich trotzdem nicht hat nehmen lasten, daß ihr Aeltester mit einer Schlackwurst und mit Wäsche­stücken, die nur so nach Sauberkeit und Ordnung duften, in die fremde Welt der Waffen einziehen durste? Ja, wenn man der Sache auf den Grund und individuell um den Mann herumgeht, da finden sich immer wieder kleine Züge, die so ein militär- fremdes Individuum dem Herzen menschlich näher bringen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Mit dem Einjährig-Freiwilligen Mausebier aus A. z. B., der schon vor vierzehn Taaen mit ber neuen Ein­jähri gen-Ouote unb mit ben anderen Kanbibaten eingerückt ist, ist sich Sergeant Kullinger lange nicht ins Reine gekommen. Solche Einjährig-Freiwilligen sinb überhaupt stets Gcgenstanb besonderer Sorge — von der Dummheit noch gar nicht zu reden, mit der sich diese nie aus der Schulbank herausgekomme- nen, brillentragenden Jünglinge im praktischen Dienst betun! Na, und dann denken die Herrchen bei jeder Gelegenheit, es soll ihnen vielleicht eine Extratour^

gebraten werden. Da kommen sie freilich bei Ser- genant Kullinger an den Falschen!

Wenn der Rekrut sein „Krämchen" auf der Kam­mer gefaßt hat, nimmt ihn der Korporal, der die ersten Gehversuche des fürs soldatische Leben Neu­geborenen leitet und liebenden Auges überwacht, end­gültig in Empfang. Sergeant Kullinger Pflegt bei dieser seierlichen Gelegenheit in seiner den Neuen schnell verständlich werdenden Kasernensprache zu sagen: „Na, denn weis' mal dein Jelumpe her, mein Sohn, wir woll'n mal seh'», ob der Bettel richtig beisammen is und stimmt." Und dann kommt es unter Assistenz des Rekrutengefreiten, dem „im Pul- verdampf ergrauten, alten Kriegers", tote sich bei einem Reiterregiment die alten Mannschaften von den „Schnapphähnen" anreden ließen, zu einem in­timeren Verpassen der „Löwenhaut". An den Füßen hat der Rekrut jetzt keine Stiefel und Strümpfe mehr, sondern „Lappen" und „Trittchen". , Letztere heißen auch Kähne, Böte ober Botten. Die Schnürschuhe sinb bie Schnürbolten. Den „Kohlrabi" — da?, ist ber über bie ichwarze ober feldgraue Halsbinbe hin- ausrageube Teil, ben ber Zivilist mit Kopf zu be­zeichnen gewöb-t ist, ziert be- Zylinder, sonst Helm genannt, von bem man bett Beißkorb (sprich: Schup­penketten) herunterlassen kann. Das Verpassen beS Zylinbers ist nicht so einfach. Sergeant Kullinger pocht unb heult, dreht unb brückt und meint schließ­lich: „Da muß natürlich ein Festmeter Papier inn- gelegt werben, inbettt baß ihr Papser so bämliche Kohlrabis habt!"

Segen ist ber Mühe Preis. Steht bann enblich der neueinaekleidete Jünaling „in voller Kriegsbe­malung" da, so ist auch Sergeant Kullinger der ärgsten Sorge ledig. Jetzt sehen alle schon viel menschenähnlicber aus. als wie es zuerst scheinen wollte. Ter Schein hat, Gott sei Dank, auch hier wieder getrogen. Selbst Einjähria-Freiwilliger Mansebier beginnt sich allmählich zum Soldaten aus­zuwachsen. Sagte er nicht soeben zu seinem Kame­raden Lehmann: „Da quatschte mich vorhin so'n Zivilesel vor der Wache an . . ."? Ja, Sergeant Kullinger darf im stillen zufrieden lächeln: die Re­kruten sind — au fond! — besser, als man denkt, und mit frischem Mute darf er deshalb auch Heuer wieder an bie Arbeit gehen!

Ans dem Nachdargedlete.

* Aus der Rhön, 22. Okt. 1913. In Heu­bach sprang am Samstag abenb aus Begeisterung ein Bursche namens Kürst durchs Freudenseuer. lieber diese unangebrachte Aeußerung der Vaterlands' liebe wird er einige Zeit unter erheblichen Schmerzen im Bette Nachdenken müssen. — In Diebach bei Hammelburg geriet das Mädchen des Oekonomen Kilian Marx beim Aepfelbraten vollständig in Flam- men; es trug lebensgefährliche Verletzungen davon.

— °Jn Kaltennordheiin erpachtete die Schafhm um 1650 Mark Kaspar Wegner aus Zeil am Main.

* Ransbach, 22. Okt. 1913 Die im vorigen Win­ter begonnenen zwei Schächte der Gewerkschaft Raus' bach und Heimboldshausen in hiesiger Gemarkung sind schon seit einiger Zeit und anscheinend auf mehrere Jahre st i l l g e l e g i. Es hat dies seinen Grund in der allgemeinen Geldkalamitär auf dem Kalimarkt.

h Beienheim, 22. Olt. 1913. Beim „Kartoffel­feuer' gerieten die Kleider eines zehnjährigen Mäd­chens in Brand. Der Unglücklichen wurden schwere Brandwunden zugefügt, die eine sofortige Heber« nähme ins Friedberger Krankenhaus bedingten.

0 Bleichrnbach >Kr. Bild.), 23. Okt. 1913. (Tel.) Das 17 jährige Dienstmädchen des hiesigen Pastors ist infolge einer Explosion der Petroleumlampe heute nacht völlig verbrannt.

* Heiligknfiadl, 22. Okt. 1913. Ein Großfeuer ist in Osterhagen ausgebrochen. Es wurden 3 Bauernqe' orte einaeäickert.

* Aschaffenburg, 22 Oft. 1913. Im Hauptbahn­hof wurde gestern ber ledige Gehilfe Joseph Zöller beim Ueberschreiten ber Gleise des östlichen Ablauf- rücke.is von einer Rangierlokomotive erfaßt und schwer verletzt.

* Würzburg, 21. Okt. 1913. Eine ergreifende Trauerfeier fand heute auf dem hiesigen Fried­hof statt. Ein Opfer des Marineluftschiffes „L 2", die Leiche des Leutnants des Königin-Augusta-Garde- Grenadier-Regiments Freiherrn v. B l e u l wurde heute nachmittag auf bem hiesigen Friedhof zur letzten Ruhe in ber Familienbegräbiiisstätte beigesetzt. Sechs Gefreite bes 9. Infanterie-Regiments trugen ben Sarg zur Gruft. Die Kapelle bes 11. Feld-Artille. rie--Regimeuts spielte den Beethovenschen Trauer­marsch. Im Trauerkonduft befand sich eine Offi- ziersaboibnung des Königin-Augusta-Garde-Grena- dier-Regiments, die Offizierkorps ber Garnison mit bem Kommandierenden General Exzellenz von Mar- tini an ber Spitze, Bischof v. Sch lö r, Stabtvertreter usw Der Stadtpsarrer hielt bie Trauerrede. Zahl- reiche kostbare Kränze, so u. a. vom Grafen Zeppelin, vom Reichsmarineamt, den Garde-Regimentern in Berlin, den Herrenmeistern bes Schwarzen Adleror- bcnS, würben niebergelegt. Die Eltern bes Offiziers leben in Wiesbaben.

Amt Geisa und Umgebung.

♦ Dorndorf, 22. Okt. 1913. In Kürze wird sich hier ein Arzt niederlasfen.

♦ Ostheim, 23. Okt. 1913. Einen uneigen­nützigen Bürgermeister hat Ostheim. Nach« d m der Bezirksausschuß in seiner letzten Sitzung da» Gehalt des Bürgermeisters Streng erneut auf 2600 Mark festgesetzt Hal, erklärte letzterer, daß er sich nun- mehr mit 2200 Mark begnügen will, wenn die Über­schießenden 400 Mark seinem Stellvertreter, sowie den Beamten und Dienern der Gemeinde überwiesen werden. Der Gemeinderat ist mit diesem Vorschläge einverstanden. Die Verteilung der 400 Mark soll bei der kommenden Etatsberatung vorgenommen werden.

* Buttlar, 22. Oft. 1913. Ein Berliner Börsen­blatt meldet: Die Gewerkschaft Bnttlar be' antragi bie Aufnahme einer hypothekarisch zu sichern- ben Anleihe von 3 Mill. Mk., bie mit 5 Proz. verzinslich unb mit einem Aufschlag von 3 Proz. tilg, bar fein soll. Im Jahre 1911 hat bie Gewerkschaft bereits 1250000 Mk. Sproz. Obligationen ausgege- ben, bie von 1916 ab tilgbar sind. Die Gewerkschaft beabsichtigt ferner eine neue Zubusse in Höhe von 3000 Mark für jeden Kux einzuziehen. In den letz­ten bret Jahren sinb bereits Zubussen von je 1000 Mk eingeforbert worben.

Reichs da? Exequatur erteilt worden. Sein Amts­bezirk umfaßt den Regierungsbezirk Raffel und das Fürstentum Waldeck.

krc. Ein für WohltStigkeitSanstalten wichtige Ent­scheidung hat in höchster Instanz dar Oberver­waltungsgericht getroffen. Der Streit drehte sich um die Frage, ob der § 24 des Kommunal- abgabengesehes dahin auszulegen ist, baß wie bei milden Stiftungen auch bei den dort aufgesüdrten WohltätigkeitSanstalten nur diejenigen Räume ihrer Häuser von der Gemeinde-, Grund- und Gebäude­steuer freizulaffen sind, die unmittelbar für die An- staltszwecke benutzt werden oder ob ein Unterschied zwischen mittelbarer und unmittelbarer Benutzung nicht zu machen ist. Es kommt in der Praxis oft vor, daß WohltätigkeitSanstalten, die ein eigenes HauS haben, dieses nicht ganz für ihre Zwecke um mittelbar benutzen, sondern einen Teil der Räume zu Geschäfts- und Wohnzwecken vermieten und den Mietsertrag für die AnstaltS,wecke verwenden. Ter BezirkSauSichuß roar ber Ansicht, baß ein solcher Unterschied bei WohltätigkeitSanstalten nicht zu machen sei, baß also die Steuerfreiheit für alle Räume in Anspruch genommen werden könne, bie unmittelbar oder auch nur mittelbar den Anstalts­zwecken dienen. DaS Oberverwaltungsgericht bezeich. nete diese Auffaffung als r e ch t S i r r t ü m l i ch. Der Senat hat aus der Zweckbestimmung deS § 24 und aus dem Zusammenhang seiner einzelnen Vorschriften die Ueberzeugung gewonnen, daß auch bei den Ge­bäuden von Wohltätigkeitsanstalten zwischen unmittel­baren und nur mittelbarer Benutzung bet Räume für die Anstaltszwecke unterschieben werden müffe. Nur für erstere könne Steuerfreiheit in Anspruch genommen werden. (Urteil des 8. Sen. vom 21. Oktober 1913.)

h. Das alle Rathaus am Steintoeg erfährt zurzeit nach 36jähriger Ruhe (die letzte einschneidende Ver­änderung wurde 1877 durch den Ausbau zu Woh­nungen vorgenommen) wieder eine Veränderung, in. dem die Erdgeschoßräume umgebaut und zu modernen Läden eingerichtet werden sollen. Ehedem dienten die Erdgeschoßräume als Arsenal für das städtische Geschütz, dann seit — seit 1604 — bis 1876 waren die städtischen Fleischbänke zumteil (die größere An- zahl befanden sich an der Stelle, woselbst heute das Kaiserliche Postamt steht) hier untergebracht, weiter befand sich im südlichen Teil des Erdgeschoßes eine Zeit lang die städtische Garküche unb später bis zum Jahre 1774 eine Schule. Seit 1876 dienten diese Räume als Aufbewahrungsort der städtischen Feuer­löschgeräte. Manche bedauern diese — wenn auch nur teilweise — Umwandlung des altehrwürdigen Gebäudes, und hätten lieber gesehen, wenn man den prächtigen gotischen Fachwerkbau nach noch vorhan- denen älteren Plänen (Abbildungen) wieder herge­stellt und öffentlichen Zwecken dienstbar gemacht hätte, zumal von wirklich alten städtischen Bauwer­ken nichts mehr existtert. — Das alte Rathaus am Steintoeg wurde 1531, als der Friedhof der Stadt­pfarrkirche außerhalb der Stadt verlegt wurde, er­baut und in den Jahren 1561 unb 1566 burch An­bauten nach Süben unb Westen erweitert. Infolge Umbauten unb Veränderungen verlor ber Bau im Laufe ber Zeit fast ganz sein ursprüngliches Gesicht, Erker, Türmchen unb Altane verschwanden, ebenso unter bem Putz bas Fachwerk.

-y- SubmisfionSblüte. Für die Verlängerung der Zieherserstraße und Unterführung auf bieiigem Bahnhof (400 cbm ErdauShub, 1400 cbm Betonmauerwerk sowie Verlegung von 106 t Walzeisenl sind 20 Angebote eingegangen. ES ver- langen: A. G. Schmilt-tzermSdorf 20529 Mk., Ludw. Luckharbt • Kassel 21568 Mk., Paul Zürn « Kassel 21873,20 Mk., Bödicker-Eschwege 22356 Mk , Jakob. Bebra 22 502 Mk., Heinz - Wetzlar 24862,50 Mk., Gesellschaft für Eisenbeton - Gießen 26767 Mk., Rautenberg u. Co., Beton-Akt.-Ges., Ziehn 27 018,20 Mk., Ernst Kramer^Fulda 27 670 Mk., Alb. Wetterlein. Erfurt 27948,70 Mk., Zementbau A.-G. Hannover 28046 Mk., H. Widmann. Altenbecken 28134 Mk., Aug. Gäriner. Fulda 28177 Mk., Ph. Alberding. Fulda 29017 Mk., Gust. Grüber - Sondershausen 29106 Mk., Denkherrn u. Hubert » Braunschweig 29133 Mk., Herrn. HodeS. Fulda 29 719,60 Mk., 8ebr. Schäfer - Hünfeld 32 795,40 Mk., Clemens Hendler - Fulda 32859,20 Mk. und Jos. Kollmann- Fulda 32932 Mk. Die Differenz zwischen dem höchsten und niedrigsten Angebot beträgt demnach 12403 Mk.

vermischter.

♦ Verspäteter Frühling. Ein Landmann in ©ibelftcbt bei Hamburg konnte im Oktober von einem Baume zum zweiten Male reife Kir­schen ernten. Auf den Wiesen in ber Umgegend kann man heute noch aufgeblühte Feldblumen pflücken. In mehreren Gärten blühen noch Rosen, und sogar Erd- beerbliiten sind zu sehen. An der Alsterchaussee stehen im Freien Hunderte von Stiefmütterchen in voller Blüte.

* Schulkinder in Kinos. Bemerkenswerte Zahlen hat eine in Düsseldorf veranstaltete Rundfrage über den Besuch der Kinematographentheater durch Volksschsiftr ergeben. An der Rundfrage beteiligten sich die Seiler von 82 Volksschulen mit 42 700 Kindern im Alter von 6—14 Jahren. In Alt«Düsseldorf be« suchten von 30 868 Kindern im Zeitraum eines Jahres 59 Prozent das Rino, darunter 36,5 Prozent mehr« mals. Während 2498 Kinder das Smo monatlich besuchten, gaben 1175 Kinder einen regelmäßigen wöchentlichen unb 57 Kinder den täglichen Be. such des Kinos zu. In ben Vororten, wo die Ge- legenbett zum Besuch des KinoS seltener ist, wurden unter 12000 Kindern 104 Kinder ermittelt, die täg­lich, 125 die monatlich mindestens einmal das Kino besuchten. Zu erwähnen wäre noch, daß 2851 Kinder ermittelt wurden, die mehrfach die Ad end vor- st eilungen befahlen, obwohl auch in Düsseldorf die polizeiliche Vorschrift gilt, daß Personen unter 16 Jahren die Kmos nach 7 Uhr abends nicht mehr besncheu bürten.

* Eine schwere Kesselexplosion ereignete sich in Weißbach in Sachfen. Der Kessel ber Strumpf- warenfabrtk Bild explodierte. Der Heizer Pfoh wurde auf der Stelle getötet, vier andere Personen ftnb schwer verletzt.

* Tie vermißten deutschen Passagiere ber „Pol. fntno". Nach einer Mitteilung der Urantuvigr-efl. schuft werden von den Passagieren des verbrannten Tompiers „Volturno" 103vermiht. 10 Namen von Geretteten sind undeutlich Übermittelt worden, Unter den vermißten KajüttSpaflagieren befinden sich

X Vom Handwerk. Seitens ber Handwerker und Kleingewerbetreibenden hat man mit den (Sin* ziehung sämtern die besten Erfahrungen ge­macht. Sie werden immer mehr eingeführt, oder dort, wo bereits Handwerksämter bestehen, mit diesen verbunden. Zweck der Einziehungsämter ist die Ein­ziehung ausstehender Forderungen. Diese Aemter stellen ein Mittel der Selbsthilfe dar, das weit besser als vieles Klagen über Borgwirtschaft die Handwerker unb Kaufleute in ben Besitz der ihnen zukommenden Gelder zu bringen vermag, wie sie auch manche lästigen unb oft recht kostspieligen Kla­gen vor Gericht überflüssig machen. Wie hoch sich die bei einer gerichtlichen Einklagung von Forde­rungen entstehenden Prozeßkosten stellen können, zeigt eine Zusammenstellung, die der „Deutschen Richterzeitung" entnommen ist. Danach betragen z. B. die Kosten für eine Streitwertsumme von 5 Mark in ber ersten Instanz 550 Prozent, Be- rufungsinstauz 642 Prozent; 25 Mark in der ersten Instanz 152 Prozent, Berufungsinstanz 181 Prozent; 75 Marl in der ersten Instanz 68 Prozent, Be­rufungsinstanz 83 Prozent; 100 Mark in der ersten Instanz 51 Prozent, Berufungsinstanz 62 Prozent; 120 Mark in der ersten Instanz 43 Prozent und in der Berufungsinstanz 52 Prozent. Bei solchen Kosten ist es geradezu geboten, daß der Handwerker und Kleingewerbetreibende zum Mittel der Selbsthilfe eunb Einrichtungen schafft, die es ihm ermög- , Außenstände in einer tunlichst entgegenkom­menden und einfachen, aber doch wirksamen Form gegen mäßige Gebühren einzuziehen.

A Was einem auf der Eisenbahn passieren kann. Ein Arzt aus Berlin hatte vom Eisenbahnbetriebs­amt in Hanau eine Strafverfügung über 10 Mark ober 2 Tage Haft erhalten, weil er in dem D-Z u g e Frankfurt—B erltn eine Fensterscheibe einge­schlagen hätte. Dagegen erhob ber Arzt Einspruch unb 'würbe freigesprochen. Er behauptete, daß er an dem Zerbrechen ber Glasscheibe keine Schuld habe. Vor dem Einfahren in den Hanauer Bahnhof hätte ber Zug eine Kurve genommen und dabet so ge« schleiwert, daß er in die Glasscheibe geworfen worden wäre und sich die Hand verletzt habe. Diese Angaben wurden nicht nur von seiner Frau, die sich in feiner Begleitung befunden hatte, sondern mehr ober weni­ger auch von bem in Leipzig vernommenen Zugperso­nal bestätigt.

— Ein halsstarriger Arrestant erregte am Dienstag großes Aussehen. Zwecks Verbüßung einer zwanzig- tägigen Haft wurde zu seiner Verhaftung gescbritten. Von einem auswärtigen Gericht war der Verhaftete wegen Beleidigung zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt worden, die er nicht „blechen" wollte. Er setzte dem Schutzmann großen Widerstand entgegen, sodaß noch ein zweiter Beamter zur Hilfe gezogen werden mußte So erst gelang es, ben Widerspenstigen in das Amtsgerichtsgefängnis einzuliefern. Eine neue An­zeige wegen Widerstand ist gegen ihn erstattet.

-X-Fulda wird immer großstädtischer. Seit einigen Tagen ist am Uhrengeschäfte oes Herrn Backhaus in der Friedrichstraße eine große elektrische Uhr an­gebracht. Die Uhr wird abends bis 11 Uhr elektrisch beleuchtet. Zweifellos ist hierdurch dem öffentlichen Bedürfnis nach einer bequem sichtbaren Uhr mitten in der Stadt abgeholfen.

./-Submission. Für die Abbruch, und Maurer- arbeiten zu einer neuen Einfriedigungs. mauer hinter dem Orangeriegebäude im Schloßgarten wurden heute folgende Angebote eröffnet: Sturm. Grofch 3215 M, Herrn. Hodes 3127,90 M., W. Rützel 4609 Pt., Gr. Hautumm 3354 M., Joh. Schmitt 8247 M., H. Rommel 3725 M., Jos. Kollmann 3328,70 M., E. Kramer 3021 Mark, Jgn. Hillenbrand 2835,40 Mark.

= Mieterverein. Wir werden gebeten, auf die heute abend im Ballhaufe stattfindende Mitgliederversammlung hinzuweifen. Siehe Anzeige!