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Fuldaer Zeitung

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Hr. 246.

erstes Blatt Donnerstag den 23. Oktober 1913.

40. Zahrgang.

Die Landtagswahlen in Baden.

Nach den endgültigen amtlichen Ermitte­lungen hatten die badischen Landtagswahlen am Dienstag folgendes Ergebnis:

Es wurden gewählt: m ,

29 Zentrum, 5 Konservative, 8 Natwnalliberale, 1 Wilder, 1 Volksparteiler und 9 Sozialdemo­kraten, zusammen also 53 Abgeordnete, sodaß 20 Stichwahlen vorzunehmen sind.

Das Zentrum hat die früher schon in seinem besitz gewesenen Wahlkreise Ettlingen-Rastatt und Konstanz-Engen zurückerobert und neu gewonnen M e ß ki r ch - St o ck a ch von den Natio­nalliberalen und Offenburg von den Fortschritt­lern.

Für die anderen rechtsstehenden Parteien ist das Eraebnis noch erfreulicher als zuerst gemeldet war. Konservative und Bund der Landwirte haben nicht vier, sondern fünf Sitze auf den ersten Hieb gegen bisher drei: Mosbach und Ettlingen-Pforzheim haben sie gehalten und zwar mit starker Mehrheit, Lahr-Land, Eppingen und Adelsheim- Vox b e r g haben sie erobert; ersteres von den Fortschrittlern, die beiden letzteren von den Natio­nalliberalen. Auch diese Siege sind für das Zentrum erfreulich, weil das Zentrum sie mit erringen half.

Ferner darf, wie schon hervorgehoben wurde, die Rechte auf ihr Konto, weil auf chre entscheidende Mitwirkung, buchen, die Siege der nationalliberalen Kandidaten in Rastatt, in Heidelber g-S i n z- hei m und E b e r b a ch. Diese drei Erfolge find Erfolge der vielgelästerten Wackertaktik. Und wenn es je eine schneidende Ironie gegeben hat,, so ist es die, daß die Nationalliberalen "zur Stunde in Baden zwei Sieae ihrer Kandidaten jener Wackertaktik^ ver­danken, die sie von Parteiwegen so sehr verlästert haben. Denn diese beiden Kand'daturen waren keine Großblockkandidaturen und nur deshalb wurde ihnen Hilfe von rechts zuteil. Die Wahl des Rastatter Nationalliberalen Niederbühl ist ein Don- nerscblaa in die Großblockpolitik.

Die Nationalliberalen haben zwar vier Mandate gewonnen, davon zwei mit Hilfe der. Rech­ten. die eben erwähnten Kreise Heidelberg-Wiesloch und Eberbach. Niederbühl (Rastatts zählen sie ja nicht zu sich. Verloren haben sie aber fünf: Meß- kirch Engen an das Zentrum, Epvingen und Adels­heim an die Konservativen und Mannheim an die Sozialdemokraten. Es ist aber, bezeichnend, daß sie vier nach rechts verloren und nur einen nach links. Die Fortschrittler haben ein sage und schreibe ein Mandat gerettet, dagegen 3 verloren: Rastatt an die Rechtsliberalen, Offenburg an das Zentrum und Labr-Land an die konservativ Gerich­teten. Die Sozialdemokraten haben in Mannheim einen Sitz gewonnen von den National­liberalen, und außerdem 8 ihrer bisherigen Sitze ge­sichert, verloren haben sie Heidelberg-Wiesloch, Eber­bach. Ettlingen-Rastatt und Lörrach-Land.

Nach den vorläufigen amtlichen Ermittelungen haben Stimmen erhalten das Zentrum 316153 (gegen 1909 mehr 24 977), die National- liberalen 59 994 (gegen 1909 mehr 4900), die Fort­schrittliche Volkspartei 30301 (mehr 8191), die So­zialdemokratie 74 638 (weniger 11440), und die Kon­servativen, Bund der Landwirte, Reichspartei usw. 30 343 (mehr 3439). Die gesamte Linke (National­liberale, Fortschrittliche Volkspartei und Sozialdemo­kratie hat erhalten: 184 933 (gegenüber 1909 mehr nur 1651), die Rechte (Zentrum, Konservative, Bündler, Reichspartei usw.) 146 496 (mehr 28416).

Das Hauptorgan des badischen Zentrums, der Bad. geobachter, nennt das Wahlergebnis. einenglän- mden Sieg, wie ibn die Geschichte des Zentrums noch ie verzeichnet hat" und führt weiter aus:

Der Zug nach rechts kam zum Ausdruck mit einer unerhörten Wucht Ie weiter" links, desto schlimmer die

3n der Schule des Leidens.

41 Roman aus dem New-Aorker Leben.

Von Erich Friesen.

Eine fürchterliche Angst überfällt Felicie. Ihr ganzes Glück scheint vor ihr in Trümmer zu versinken.

Nein, nein!" ruft sie so laut, daß einige Vor- übergehende stehen bleiben und kopfschüttelnd dem Paar nachblicken.Du darfst ihr nichts sagen Bon ihrer Güte, ihrer Großmut darfst Tu nicht abhängig sein! Von Gerda Douglas nicht!"

Und wieder greift die wilde Eifersucht mit chren spitzen Krallen nach Felicies Herz und bohrt und sticht und zerfleischt es, so daß sie tief aufstöhnt.

Laß mich nachdenken!" murmelte sie halblaut, wie zu sich selbst.Es muß einen Ausweg geben! ;--Ha, ich hab's! Ich denke, ich kann Dir helfen."

Wie? Tu besitzest ja keinen Cent, Lieh!"

Wie? Das sollst Du gleich erfahren. Au! Laß meine Hand los, Norbert! Du tust mir weh!--

Entsinnst Du Dich noch meiner falschen Diamant- brosche? Tu ärgertest Dich gestern abend darüber."

Herbe Enttäuschung malt sich in Barringtons Zügen.

Gewiß. Dafür erhältst Du kaum einen Dollar, Lieh!"

Nein gar denn ich habe sie gleich nach­her vernichtet. Du keimtest sie nicht leiden das war für mich genug."

Ihr Ton ist so leidenschaftlich, daß Barrington mißbilligend den Kopf schüttelt.

Liebes Kind, Du mußt noch lernen, Deine Ge- ghle zu bemeistern", erwidert er ernst.Für die ühne war das Ding ja ganz gut! Du bist viel zu voreilig

Du.ärgertest,Dich über die unechten Diaman- lert", fällt sie, ohne von seinen tadelnden Wortkn llotiz zu nehmen, rasch ein;aber meine echten Dia­manten, die wirst Du nicht verspotten, wie?"

Echte Diamanten? Du. Siet)?"

Niederlage. Wenn die Nationalliberalen sich allgemein nach rechts äufgeschwssen hätten, die Linke wäre ganz in den Boden gehagelt worden. Aber freilich, die Natio« nall deralen unter Rebmanns Führung zählen sich zur Linken und gehören zur Linken und deshalb mußten sie auch tetlnehmen an der Niederlage der Linken. Sie haben es nicht anders gewollt. Und so, wie man sich bettet, fo liegt man. Der »roßblock ist zer- f chlagen. Größer hat noch kein Bund angefangen und kleiner noch keiner ausgehört, als > teser Großblock. Auch wenn er jetzt noch geschloffen werden sollte: die Rechte hat ihn nicht zu lürchten.

Ä'ian hat unteren Führer Wacker mit Spott behan­delt und geglaubt, mit ihm fertig zu sein. Der gestrige Tag war die herrlichste Genugtuung für unseren Führer und die gesamte Wähler,chaft jauchzt ihm zu. Er hat alle feine Widersacher, die Feinde des Zentrums, aus dem Sattel gehoben. Hochersreulich ist dieses Wahl­resultat. ES bat bewiesen, daß das badische Volk dem Radikalismus einbis hierher und nicht weiter" entgegenschleudert und nicht bereit ist, die Ver­antwortung für eine weitere Radikalisierung des Landes und Volkes zu übernehmen.

*

Das Organ der süddeutschen Reichspartet, die süddeutsche Zeitung" meint,

daß man einen unverkennbaren Zug nach rechts feststellen kann. Als Gesamtkindruck könne ge- >agt werden, daß der Rechtsblock aus Rechtsliberalen, Konservativen und Zentrum zustande kommt und der Großblock im zweiten Wahlgange ziemlich gegenstandslos geworden ist, weil die Sozialdemokraien wenig oder nichts mehr zu geben haben. Das Endergebnis fei: Naiionalliberale, Konservative und Zentrum gehen ge- stärkt aus dem Wahlkampse auf Kosten der Sozial­demokratie und Demokratie hervor.

Die .Deutsche Tagesztg/ widmet dem Ergebnisse der Badener Wahlen einen längeren Leitartikel und schreibt:

Jedenfalls hat schon der erste Wahlgang einen bedeutsamen erfreulichen Ruck nach rechts gebracht. Für die Wandlung, die sich in weiten Kreisen der süddeutschen Bevölkerung vollzieht, ist dieses Ergebnis umso bemerkens­werter, als Baden damit dem Beispiele folgt, das die letzten Landtagswahlen in Württemberg gegeben haben. Man kann wohl annehmen, daß das immer deutlichere und immer peinlichere Abhängigkeitsgefühl, in welches die Großblockliberalen der Sozialdemokratie gegen­über gelangt sind, namhafte Terle des Bürger­tums doch zur Besinnung gebracht hat; wenn selbst der rechte Flügel des Liberalismus sich so tief in dieses HörigkeitSverbättniS verstrickt hatte, daß er feinen eigenen Wählern in fünf Wahlkreisen den Kampf gegen die Um- sturzpartei verbot, um kein fozialdemokratischeS Mandat zu gesährden, dann mußte ja wohl eine gesunde Reaktion auf ein derartig elendes und unnatürliches Verhalten erfolgen."

Auch die.Kreuzztg/ freut sich über das Ende deS Großblocks in Baden und drückt ihre Be­friedigung darüber aus, daß die Wählerschaft sich endlich von der Großblockpolitik abgewendet habe. Weniger erfreut über den Ausfall der Wahlen ist die ,Tägl. Rundschau^, welche eS für wahrscheinlich hält, daß eine wenn auch ganz geringe Linksmehrheit durch die Stichwahlen bestehen bleiben wird. Das Blatt schreibt:

DerUmsturz" der Verhältnisse nach rechts, der von den Großblockparieien im Wahlkampf <J8 Menetekel und Schreckbild an die Wand gemalt wurde, die Herr, schäft derRitter und Heiligen" erscheint also nahe her. beigekommen und das Bild droht für die Linke Wahrheit zu werden, daß das Gewand Badens schwarz mit blauen Tupfen werde, wie das Ostelbiens blau mit schwarzen Tupfen. Die Dinge stehen auf des Messers Schneide und niemand kann genau sagen, wie sie ablaufen werden. Wir felber begrüßen das Ereignis und feine zu erwartende Vollendung mit einem heitern und einem nafsen Auge. Wir freuen uns der schwzeri. gen Lage und der Kraftverminderung der Sozialdemo­kratie und sehen mit schwerster Sorge auf die Macht- mittel des Zentrums (hu!) und die Abhängigkeit der Rechten von dem Siegeswagen des Zehringer Löwen."

Ganz und gar ma>l nut feinen Badenser Freun­den zufrieden ist selbstverständlich das .Berliner Tage»

Ja, ich!" Ihre Augen leuchten vor Stolz.Ich sollte Dir noch nichts davon sagen, meinte die Mut­ter. Aber unter diesen Umständen"

Sie macht eine kleine Pause und fährt dann hastig, sich überstürzend, fort:

Ich besitze nämlich ein Brillant-Kollier von mei­ner Großmutter her. Sie war eine berühmte Schau­spielerin und erhielt es einst von einer hohen fürst­lichen Persönlichkeit anläßlich einer Gastspiel-Tour- nee drüben in Europa. Mein Vater hob es für mich auf und nahm meiner Mutter das Versprechen ab, es nicht zu veräußern, auch in dringendster Not nicht. Erst mit meinem zwanzigsten Jahr sollte es in mei­nen Besitz kommen und zwar zu meiner freien Ver­fügung. Ich habe das kostbare Kollier noch nie ge­sehen, ja ich weiß gar nicht, wo es aufbewahrt ist. Aber ich werde es durch Schmeicheln und Bitten von der Mutter herauslocken und dann verkaufen oder versetzen wir es, Norbert und Geda Douglas hat ihr Geld wieder, und Du bist ihr nichts mehr schuldig, und wir heiraten, Norbert, und"

Das wolltest Du wirklich für mich tun, Lieh?" unterbricht Barrington ihren Redestrom.

,Jch würde alles für Dich tun, Norbert."

Aber h enr Deine Mutter es Dir nicht erlaubt?" So tue ich es ohne ihre Erlaubnis. Das Kollier gehört mir; ich kann damit machen, was ich will . . . Hier sind wir zu Hause angelaugt, Norbert. Küste mich noch einmal zum Abschied! Und dann leb wohl! Morgen abend hast Du das Geld!"

HL

Felicie Mackav's Natur ist eine überaus leben» schaftliche. Ohne jede Spur von Selbstbeherrschung ist sie doch einer tiefen Selbstentäußerung fähig. Für die Personen, die sie liebt, würde sie willig jedes Opfer bringen.

Ihr ganzes Herz ift augenblicklich erfüllt von der Liebe für zwei Perfonen von der Liebe für ihre Mutter und für Norbert Barrington.

Es gab eine Zeit, da hatte sie gekämpft für die jeliebte Mutter wie eine Heldin, da hatte das halb­

blatt'. Hatte es noch gestern morgen sich in sehr optimistischen Hoffnunaen einer angenehmen Täufchung des zu erwartenden Erfolges in Baden hmgegeben, |o ist natürlich in seinem gestrigen Abendblatt der Sturz aus heiterem Himmel umso rapider und unan- genehmer. Wie ein Ertrinkender glaubt sich das ,Berl. Tagebl/ an den Strohhalm der Stichwahlen klammern zu mfiffen und ruft patbettfeh aus:

ES geht um 3 Ganze! Diese Variation deS bekannten Hehdebrandschen Wortes muß den freiheit- lichen Wählern Badens für den zweiten Waffengang gegenwärtig fein. Die Großblockparteien sollten sicy sagen, daß jetzt viel mehr auf dem Spiele steht als die Mandatsstärke der einzelnen Großblockfraktionen. Die Tendenz ihrer Abmachungen muß darum vor allem da­hin gehen, keine Kandidatur für die zweite Wahl auf­recht zu erhalten, die einen Sieg des Großblocks auch nur im entferntesten gefährden könnte und in den Krei. fen, die gegen die anftürmenbe Reaktion zu verteidigen sind, müssen die Parteien, die ihre Kandidaturen zurück­ziehen, mit aller Kraft sich für den Sieg deS Grotzblock. kandidaten einsetzen."

Gerade als ob die Grobblockbrüder nach diesem Rezept nicht sowieso schon bei den ersten Wahlen ge­handelt hätten l Gründlich wie immer sucht das ,B. 27 dann nach einem Prügelknaben, dem eS die Schuld an dem unglücklichen Wahlausgang in die Schuhe fchieden könne. Daß ausgerechnet die .altnational­liberale Geheimg esellschaft" an der Nieder­lage des badischen Großblocks schuld sein soll, wird wohl außer dem ,Berl. Tageblck nicht so rasch jemand glauben können. ES ift ergötzlich, die ohnmächtige Wut des Blattes in folgenden epigrammatischen Zeilen ausaedrückt »u setzen:

Das aber muß nun heute ausgesprochen werden, daß die Hauptschuld an der Verstärkung des Ultramon- taniSmuS in Baden die altnationalliberale Geheimgesell. schäft trägt, die nicht nur die eigene Partei zer­rüttete, sondern auch den Gegnern die wohlfeilsten Waffen gegen die schwerringenden Parteifreunde lie­ferte. Wenn es jetzt Herrn Bafsermann noch nicht klar geworden ist, daß er zwischen der inneren Parteifäul­nis und einer herzhaften Operation zu wählen hat, bann wird ihm kaum zu helfen fein. Ob bie Altnatio- nalliberalen an ihren Herostratenstreichen viel Freube erleben werben, ist recht zweifelhaft. Herr Wacker reiht sie seinen Stipendiaten ein, von denen die Reichspartei ohne Mandate und nur mit dem Fluche der Lächer. lichkeit beladen aus dem Kampfe zurückkehrt."

Herr Basiermann wird sich zweiiellos freuen, daß die Basiermannschen Gestalten aus der Jerusalemer­straße so aufrichtig besorgt um ihn und feine Partei sind und wird sich jedenfalls beeilen, sich der an­empfohlenen herzhaften Operation möglichst rasch zu unterziehen.

'Deutsches Reich.

Kaiser und Kronprinz.

Eine Szene, die im Hinblick auf die Vorgänge der jüngsten Tage nicht ohne Interesse ist, ftüelte sich lautVossischen Zeitung^ unmittelbar vor der Trauerfeier für die Opfer der Marineluft, schiffkatastrophe ab. Als der Kaiser vor der neuen Garnisonkirche in der Hasenheide vorfuhr, be- rüßte er zunächst den Kronprinzen besonders erzlich mit einem Kuß. Dann reichte er seinen anderen Söhnen die Hand zum Gruß. Die Magdeburgische Zeitung" kann auf Grund von In­formationen an unterrichteter Stelle mitteilen, daß eine Disziplinaruntersuchung gegen Unbekannt an­hängig gemacht werden soll, um festzustellen, auf wel­chem Wege der Brief des Kronprinzen an den Reichs­kanzler in die Oeffentlichkeit gelangt ist.

Zur Entwickelung der braunschweigischen Frage schreibt derMcmnh. Generanz.", das Organ des Ab­geordneten Basiermann, daß für die nationalen Volkskreise trotz der Bekehrung des Kronprinzen kein Grund vorliege, die Bekämpfung der Politik des

wüchsige Kind die gute, aber schwache Frau beschützt vor den Rohheiten des Stiefvaters.

Wenn Thomas Mackah nachts betrunken nach Hause kam, war jede menschliche Regung in ihm er- storben. Wie ein wildes Tier schlug er um sich. Und wenn feine arme Frau schluchzend und weinend sich unter seinen brutalen Schlägen wand dann war es die kleine Felieie, die sich ihm furchtlos entgegen- stellte.

Und merkwürdig vor dem vorwurfsvollen, der. ächtlichen Blick der großen Kinderaugen schreckte der Trunkenbold zuftick. Er fürchtet diese Augen; aber er haßt sie auch zugleich, haßt sie mit der ganzen Wut des Bösen, der sich von der Unschuld bezwungen ieht. Dem Mädchen einmal einen bösen Streich Pielm, es recht unglücklich machen das ist einer einer größten Wünsche. . . .

In Felicies Adern pulsiert etwas von dem Thea- terblut der Großmutter. Kaum sechzehnjährig, trat sie bereits in einem Newhorker Borstadttheater auf.

Da hörte durch Zufall der Direktor desMetro- Pol-Theaters", daß die kleine Felicie Mackah die Enke­lin der einst berühmten Rahel Simson fei und enga­gierte sie für kleinere Partien.

Ihr frisches, natürliches Wesen, der kindliche Blick ihrer großen, schwarzen Augen, gewann ihr sofort die Herzen sämtlicher Kollegen und Kolleginnen.

Der kalte, sarkastische, etwas berechnende Norbert Barrington verliebte sich sogar auf den ersten Blick in das kleine, zierliche Persönchen, und bald war es hinter den Kulissen kein Geheimnis mehr, daß Felicie diese Liebe aufs Leidenschaftlichste erwiderte.

Felicie übertrieb nicht, wenn sie zu ihrem Bräu­tigam sagte, siewürde alles für ihn tun". Jede Fiber ihres Merzens, jeder Atemzug, jeder Gedanke gehört dem Geliebten aber sie beansprucht das­selbe auch von ihm. Deshalb ist sie eifersüchtig auf Jeden und Jede, .mit denen er in Berührung kommt . besonders auf Gerda Douglas, deren Geistesüber- legenheit und Eharaktergröße sie dunkel ahnt.

Es ist schon beinahe Mitternacht, als Felicie nach jenem ereignisreichen Gespräch mit ihrem Verlobten das Wohnzimmer betritt

Reichskanzlers in der braunschweigischen Frage auf­zugeben. DieBerl. N. N." bemerken dazu, daß man nach der jüngsten Erklärung derNordd. Allg. Ztg." keinen Grund zu der Annahme habe, daß der Kronprinz in der fraglichen Angelegenheit ande­ren Sinnes geworden sei.

** Berlin, 22. Oft. 1913. Ter Geburtstag bet Kaiserin wurde heute von den im Neuen Palais versammelten Mitgliedern des kaiserlichen Hauses in gewohnter Weise begangen. Prinz Ernst August von Braunschweig und Lüneburg überbrachte der Kai­serin seine und seiner Gemahlin Glückwünsche. An der Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph in Schönbrunn werden lautMünch. N. N." auch die beiderseitigen Bot­schafter teilnehmen. Beide Diplomaren, Herr von Tfchirschky und Graf Szögyeny, werden auch auf dem Gute des Erzherzogs Franz Ferdinand beim Jagd- besuch des deutschen Kaisers in Konopisch nicht fehlen.

** lieber das Ergebnis des Besuches Ssasanows in Berlin erfährt dieTägl Rundschau" von unter­richteter Seite: Der russische Minister des Auswär­tigen bat seiner Umgebung gegenüber in kräftigen Worten den befriebigenben Eindruck hervorgehoben, den er von seiner Unterhaltung mit dem Reichs­kanzler empfangen hat. Ssasanow hatte im Lause des Tages eine mehrstündige Unterredung mit dem Reichskanzler, die am Abend während des Diners in der russischen Botschaft im Beisein des russischen Bot­schafters und des Unterstaatssekretärs Zimmermann fortgesetzt wurde. Es wurden alle aktuellen Fragen aus dem Gebiete der äußeren Politik eingehend bespro­chen. Im Vordergrund stand der österreichisch- serbische Streitpunkt. Beide Staatsmänner brachten ihre Genugtuung über die rasche und fried­liche Beilegung des Falles zum Ausdruck. Minister Ssasanow war über das Gesamtergebnis seines Mei­nungsaustausches mit Herrn v. Bethmann Hollweg sehr erfreut. Es hat sich herausgestellt, baß beide Staatsmänner in ihren politischen Ansichten über die weitere Entwicklung der Dinge auf dem Balkan tn den hauptsächlichsten Punkten übereinstimmen. Der rus­sische Minister ließ auch im Verlaufe der Unterhal­tung die Gelegenheit nicht vorübergehen, Deutschlands Bemübungen zur Erhaltung des Friedens und zur Be­seitigung von Meinungsunterschieden unter den Groß­mächten während des Balkankrieges hervorzuheben, und gedachte in anerkennenden Worten des Verdien­stes der deutschen Diplomatie zur Herbeiführung des Bukarester Friedens. DieKöln. Ztg." meldet offi­ziös aus Berlin: Die Unterredungen, die der russische Minister des Aeußeren Ssasonow im Laufe des Dienstags nut dem Reichskanzle von Bethmann Holl­weg und dem Unterstaatssekretär Zimmermann ge­bäht hat, gaben Gelegenheit zu einer freundschaftlichen Aussprache über die schwebenden Fragen. Irgend­welche amtlichen Mitteilungen über den Inhalt der Aussprache herauszugeben, ist, wie wir erfahren, nicht beabsichtigt.

0 Bei den neuen Jägerregimentern zu Pferde ist versuchsweise das Infanterie-Seitengewehr 84/98 eingeführt worden. Es wird im Dienst an der rechten Seite getragen, während der bisherige Kavalleriesäbel nur außer Dienst angelegt wird. Es handelt sich um das früher bei der Infanterie ge- getragene kurze und leichtere Seitengewehr. Es soll beim Fußgefecht der Kavallerie gegebenenfalls aus den Karabiner aufgepflanzt werden, der eine ent­sprechende Einrichtung erhalten hat. Damit bekommt der zu Fuß fechtende Kavallerist außer der Schuß­waffe eine bei der Nahverteidigung wie beim Nah­angriff wirkungsvolle blanke Stoßwaffe. Von dem Ergebnis der Versuche wird die endgültige Einjüh« rung abtzängen.

+ Beleidigung eines Zentrumsabgeordnete«. Durch einen Artikel in der .Rheinischen Ztg/ vom 14. Mai 1913 waren dem damaligen Zentrumskandidaten,

Wie geivöhnlich erwartet die Mutter sie hinter dem Teetisch.

Guten Abend, Lich! Wo ist Barrington? Hat er Dich schon satt?"

Unwillig ziehen sich die feinen Brauen des jungen Mädchens zufammen. Wie kleinlich und lächerlich er­scheint ihr auf einmal die im Wimmertone hervor- gebrachte stereotype Frage der Mutter.

Stein, nein, Norbert liebt mich! Ich bin nur abgespannt und ein wenig nervös."

Dann nimm schnell eine Tasse Tee! Hier und den Apfelkuchen dazu! Wir sind ungestört; der Vater kommt heut abend nicht nach Hause. Ich erhielt vorhin ein Telegramm von ihm aus Brooklyn. Scheint dort wieder geschäftliche Unannehmlichkeiten zu haben. Ach, Kind, ich fürcht' mich jetzt schon vor bet Zeit, wenn Du verheiratet bist und ich mit ihm allein sein werde."

Felici» liegt mit gefalteten Händen zurückgelehnj in ihrem Stuhl. Der Tee steht noch unberührt vor ihr.

Wenn wir verheiratet sind, ziehst Du zu uns, Slutter. Norbert liebt mich; er wird mir diesen Wunsch nicht versagen besonders wenn"

Sie stockt.

Besonders wenn?" wiederholt die alte Dame fragend.

O, nichts, nichts, Blutter!"

Felicies Wesen ist so eigentümlich fo zerstreut und erregt, daß Frau Mackay besorgt wird.

Du bist krank, mein Kind; leg Dich bald nie­der!" bittet sie, den dunklen Lockenkopf sanft an sich ziehend.Du bist ja mein Sonnenschein, das ein­zige, was mir im Leben noch geblieben ist."

Zwei große Tränen rollen die welken Wangen herab. Ungestüm schlingt Felicie die Arme um den Hals der Blutter.

Liebste Mutter, willst Du mir einen großen, großen Gefallen'tun^" ...»

Wenn es tn meiner Macht steht gewiß!

Du'erzähltest mir früher einmal von einem kost- baren Andenken der Großmutter

(Fortsetzuna MatJ