Fuldaer Leitung
Mittwoch 22. ©höbet 1913.
Druck d« 5«ld««r XctitKintfltrei in SnlU.
Lokales.
Fulda, 22. Oktober 1913.
△ Fahnenschmuck tragen heute die öffentlichen Gebäude aus Anlaß des Geburtstages der Kaiserin, die ihr 55. Lebensjahr vollendet.
* Justiz. Personalien. Landgerichts . Direktor RoSpatt vom Landgericht zu Torgau in Sachsen wurde als Landgerichtsdirektor an das Kasseler Landgericht verletzt. Er wird sein neues Amt am t. Dezember d. Js. antreten.
△ Militär.Personalien. Zum überzähligen Haupt, »ann befördert wurde der Oberleutnant Frey im •. Kurh. Feldart.-Reg. Nr. 47, kommandiert zur Dienstleistung beim Großen General-Stabe. — Im gleichen Regiment wurde zum Fähnrich befördert der Unteroffizier Strutz. — Auf sein Gesuch überge« führt wurde der Leutnant F a ck im 2. Kurhess. Feldart. Reg. Nr. 47 zu dem Res. Offizieren d. 1. Nassau. Feldart. Regts. Nr. 27 Oranten.
# Verliehen wurde dem Kantor und Haupt- lehrer a. D. Kaspar Wörner zu Schlierbach im Streife Gelnhausen, Den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern.
-X- Verseht ist zum 1. November der Eisenbahn- Assistent Major hier nach Bad Ems.
L Allgemeine Ortskrankenkasse Fulda-Land. Das Resultat der Vertreterwahlen in den Ausschuß der krankenkaffe Fulda-Land ist folgendes: Es wurden im ganzen 40 Stimmen abgegeben, davon entfielen auf die Vorschlagsliste des Vorstandes 4 und auf die Vorschlagsliste des Sozialen Ausschusses 36 Stimmen. Da insgesamt 60 Ausschußmitglie^er und Stellvertreter zu wählen waren, entfallen auf die Vorstandsliste 6 und auf die Liste des Sozialen Ausschusses 64 Vertreter bezw. Stellvertreter.
❖ Ein sozialer Diskusstonsabend sand gestern im kath. kaufmännischen Verein statt. Berichterstatter für das Thema „Angestellten - Versicherung" war der Schriftführer des Ortsausschusses für die Angestellten-Versicherung, Herr Buchhalter Stühler. Er verbreitete sich über die Tätigkeit des Rentenausschusses hinsichtlich der Versicherungspflicht und wie- an Hand vieler Entscheidungen und Auslegungen nach, daß in dieser Frage noch eine große Unsicherheit herrsche. In zweiter Linie galten seine Ausführungen den Entscheidungen der Renten-Ausschüsse hinsichtlich der Befreiung von der Beitragspflicht aus § 390 (Befreiung des Angestellten — nicht des Prinzipals — auf Grund einer Lebens- rc. Versicherung). Von besonderem Jntereffe waren die Darlegungen über die Leistungen der Angest.-Vers. in den ersten 10 Jahren. Diese Leistungen beschränken sich lediglich auf das Heilverfahren, das unter gewissen Voraussetzungen gewährt werden kann. Nach der bisherigen Gepflogenheit neigt der Referent zur Meinung, daß die zwangsweise Doppelversicherten (einmal in der Invaliden« und einmal in der Angestellten - Versicherung) sich nicht günstig ständen, weil bis jetzt sich beide Versicherungen noch weigern, den Anträgen auf das Heilverfahren stattzugeben. Das Gesetz weist hier eine Lücke auf, die unbedingt bald beseitigt werden muß, wenn nicht große Unzufriedenheit Platz greifen soll. Der Berichterstatter bat den Vererns- oorstand, er möge unverzüglich der Verbandsleitung Über diese Mängel Mitteilung machen und evtl, auch mit dem nahestehenden Reichstagsabgeordneten Rücksprache nehmen. An diese Ausführungen schloß sich eine lebhafte Diskussion an, die den Erfolg hatte, daß Herr Stühler gebeten wurde, unserem Reichstagsabgeordneten Herrn Richard Müller diese Mängel vorzutragen mit dem Wunsche, daß ein Beschluß dahin anzustreben sei, der bestimmt, daß Anträge auf das Heilverfahren auf jeden Fall nur an die Angestellten« Versicherung und nicht an die Jnvaliden-Versicherung zu richten seien, gleichv el, ob die eine oder andere Anstalt die Kosten ganz ober anteilweise zu tragen hat. In demselben Sinne soll auch an die Verbandsleitung berichtet werden. Für die anregenden Ausführungen des Herrn Stühler hatte die gut besuchte Versammlung reichen Beifall.
h Steigende Pelzpreise. Seitdem sich die Mode für die bisher verpönten roten Pelze entschieden hat, wird die Jagd aufden Fuchs mit noch regerem Sifer als sonst betrieben. Auch die Feldhasen sind mit in die „Konjunktur" einbezogen. Während aber in den Städten die Pelzpreise außerordentlich hoch sind und fortgesetzt steigen, spüren die Jäger auf dem Lande davon sehr wenig. Ihnen bieten die Händler für einen Hasenbalg augenblicklich 20—30 Pfennig. Für den Fuchsbalg bezahlen sie 12 Mark, höchstens 15 Mark, einen Preis, der zum tatsächlichen Wert des Balges oft in gor keinem Verhältnis steht. Vor etwa 20 Jahren war man im Taunus oder im Vogelsberg froh, wenn man für einen Fuchsbalg — 3 Mark erhielt. Um der Preisdrückerei durch die Händler begegnen zu können, plant man in Jäger- fretfen unserer Nachbargebirge die Schaffung einer gemeinfamen Verkaufsstelle für die Bälge der erlegten Tiere. Man hofft auf diese Weife dem Wert der Bälge angemessene Preise zu erzielen.
-r- Natnrhrilverein. Aus den Verhandlungen der letzten Monatsversammlung wird folgendes mitaeteilt: 1. Es wurden 7 Mitglieder aufgenommen. 2. Die Gärten am Oberstadtluftbad werden den bisherigen Pächtern aus drei weitere Jahre verpachtet. Der Pachtpreis beträgt für 1914: 1,50 Mk. und für die beiden letzten Jahre je 2 Mk. für einen Gartenanteil. Da noch mehr Mitglieder Gemüsebau treiben möchten, so wird der Vorstand versuchen, noch ein Grundstück zu pachten und roeüere Schrebergärten anzulegen. 8. Das achte Stiftungsfest wird am 16. November im Giesels Saal gefeiert. Der gewählte Festausschuß ist mit den Vorbereitungen beschäftigt. 4. Fräulein M. Richter-Klein-Schmalkalden wird am 12. Nov. einen Vortrag nur für Domen halten. Der Vortrag soll das Thema „Blutarmut und Bleichsucht, die Ursachen später auftretender Frauenleiden' behandeln und im Giesels Saal stattfinden. 5. Am 1. Dezember wird Herr Dr. med. Buchholt, Chefarzt des Sanatoriums Schledenhanwn b. Osnabrück, über „Magen- und Darmkrankheileo" sprechen 6 Der nächste Ausflug wird am 26 Oktober nach Dipperz und Finkenhain unternommen. Ter Abmarsch erfolgt ausnahmsweise schon um 121/s Uhr. 7. Zum Schluß Der Versammlung wurde auf Die vorliegenden Einladungen des Vereins „Volksiesehalle" und des evangelischen Männervereins empfehlend hingewlesen.
1*1 Schöffengericht. Schon zweimal hat die ledige Näherin Ak. V. m Poppenhausen Strafen wegen Beleidigungen daoongetragen. Aber sie ist dadurch nicht vorsichtiger geworden. Jetzt hatte sie einen Gendarmerie-Wachtmeister schwer beleidigt. Der Amtsanwalt wollte sie auf eine Woche ms Gesäng« nis schicken. Sie kam jedoch noch einmal mit 30 Mk. Geldstrafe davon. — Wie schon einmal mitgeleilt, war der Inhaber des Wach- und Schließ-Institute,
der Kolonialwarenhändler K. D. hier in den Verdacht geraten, dem Lageraufseher W. hier leere Bierflaschen entwendet zu haben. Der Verdacht hat sich bestätigt und der eigenartige Wachmann muß mit drei Wochen Gefängnis den Diebstahl büßen. — Bös hat der Gemüsehändler I. B. hier seinem früheren Hausherrn in der P.-Straße mitgespielt. Er hat ihn in gröblichster Weise beschimpft, sogar mit Totschlägen bedroht und im Hause auch noch zwei Fensterscheiben mit einem Steine eingeschlagen. Hierfür wird B. zu einer Gefamtgeldstrafe von 40 Mark verurteilt. — Der 27jährige Arbeiter A. M. hatte an einem heißen Julitage alles mögliche getan, seinen Durst zu löschen. Da er aber nicht Wasser, sondern wesentlich „an» greifende«' Stoffe dazu benutzte, überkam ihn die Radaustimmung. Er gröhlte mittags in der Bahn« Hofstraße, beleidigte den Schutzmann K. und benahm sich auch auf der Polizeiwache noch sehr gewalttätig. Da er augenblickl ch wegen sonstiger Delikte im Ge- sängnis Wohnung bezogen hat, wird seine „Sitzzeit' wegen Widerstands, Beleidigung und ruhestörenden Lärmen? von 4 Monaten auf 51/« Monaten ausgedehnt. — Der Metzgermeister F. Schm, hier, der im hiesigen Schlachthofe von einem Stere vor der vom Direktor angeordneten Verwiegung Fleisch abgefdmitten hatte, wurde wegen Uebertretung des § 2 Abs. 5 der Polizeiverordnung vom 2. Dez. 1906 zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt.
rt Ein böses Nachspiel hatte gestern der Fast- nachtsmontag dieses Jahres für eine Anzahl Leute aus Kerzell. Vor dem Schöffengericht standen der 32jährige Wagner Th. D., der 73jährige P. D., der 27jährige Bahnarbeiter L. K., der 25jährige Landwirt K. L. und der 28jährige Ackerknecht W. R. Ausgangspunkt der Anklage war eine große Seilerei, die an jenem Rosenmontag in der D.'schen Wirtschaft ftattgefunben hatte. 18 Zeugen waren zu der Vcr- Handlung berbeigerufen; ihre Vernehmung beanspruchte 31/» Stunden. Es ergab sich, daß der Mitangeklagte Th. D. damals ganz gefährlich mißhandelt worden war, teils mit einem Messer, teils durch Fußtritte. Th. D. lag vom 4. bis 15. Februar hier im Krankenhause und wurde dann noch ungefähr zwei Monate weiter ärztlich behandelt. Er hatte drei tiefe Schnittwunden und Verletzungen der Lunge davongetragen wodurch Blutspeien hervorgerufen wurde. Hinsichtlich des alten P. D., dessen Straflosigkeit sich ergab, wurde auf Freisprechung erkannt, ebenso gegen den verletzten Th. D. Die anderen Angeklagten, L. K., K. L. und W. R. wurden wegen gefährlicher Körperverletzung durch Stechen mit dem Messer zu Gefängnisstrafen verurteilt, die beiden ersten zu je 2 Monaten 3 Tagen, der letzte zu 5 Monaten 3 Tagen.
& Die Kapelle am alten vorstadtischen Friedhöfe, die der Dompfarrei gehört und jetzt für den Gottes- dienst des Königl. Schullehrersemmars und zu Orgel- Übungen der Seminaristen benutzt wird, erhält gegenwärtig eine Reubedacbung mit schwarzen französischen Ziegeln. Die Kapelle war seither noch mit alten Hohlziegeln gedeckt. Wie wir hören, wird die am Aufstieg zum Frauenberg gelegene Kapelle später am Aeußeren noch einen besonderen Schmuck erhalten
(*) Der „Altweibersommer", den wir in den letzten Tagen mit großer Freude durchleben konnten, wartet mit Gaben auf, deren man sich sonst nur im wirklichen Sommer zu erfreuen pflegt. Ein ganzer Strauch mit Heidelbeeren, ganz frisch gereifte zumeist, einige noch i n Vorstadium der Reife, wurden uns jetzt auf den Redaktionst sch gelegt. Sie waren an der Femelsruh gepflückt und malten tvot$ der nah bevorstehenden Nooemberstürme sommerliche Schwarzebeerkuchen-Freuden an die Wand gastronomischer Einbildungskraft.
(—) Vorsicht beim Annehmen von Geldstücken! Es ist uns ein Fall bekannt geworden, wo einem hiesigen Geschäftsmann ein österreichisches Kroirenstück als 10 Mk.-Stück in die Hände gespielt worden ist. Er hat dadurch einen Schaden von etwa 1 50 Mk. Da Die österreichischen Goldstücke den unieren sehr ähnlich sind und wahrscheinlich die fremden Arbeiter diese Münzen ausgeben, ist Vorsicht am Platze.
(..) lieber Die französische Fremdenl-gton wird am Sonntag Den 26. Oktober, abends 8 Ubr im Stadl- faal ein Lichtbilder-Vorlrag gehalten. Veranstaltende und ausführende Seite ist das Generalsekretariat des internationalen Völkerrechtsbundes zur Bekämpfung Der Fremdenlegion in Leipzig. Alle mit Der Legion zusammenhängenden Fragen kommen zur gründlichen Behandlung und zwar mit Hilfe von 64 photo- graphischen Aufnahmen, die durch daS modernste Lichtbildverfahren vergrößert auf die Leinwand geworfen werden. Gleichze tig ist Gelegenheit gegeben, sich dem Internationalen Völkerrechtsb>.nd zur Bekämpfung der Fremdenlegion anzuschließen. Dec Jahresbeitrag beträgt nur 1 Mk., ohne der Freigebigkeit ©thronten setzen zu wollen
— Militärkonzerte im Winter. Für die beliebten Abonnementskoniert Der Kapelle unseres Feldartillerie- Regiments Nr. 47 werden dieser Tage Einzeichnungs- liften in Umlauf gesetzt werden.
Aus dem Kachbargebiete.
o Aus dem Vogelsberg, 21. Oktober 1913. Die Krähen, Elstern, Dohlen, Raben und vor allem die Eichelhäher fügen leit Monaten den Feld und Forst- fulturen sowie Der kleinen Vogelwelt einen solchen Schaden zu. Daß d.e BehörDen einen allgemeinen Vernichtungskrieg gegen die Schädlinge ange- orDnet haben. Sie wiesen die Jagdpächter, Derrn Angestellten und die Feldschützen zu einem umfassenden Abschuß Der Tiere an und setzen für jedes erlegte Exemplar eine Abschußprämie von 15 Pfennigen ans. Auch ordneten sie Die Zerstörn ig Der Nester und im Frühjahr Die Atlieferung Der Eier gegen eine Prämie von 6 Pfennigen das Stück an.
(*) Schlüchtern, 22. Oft. 1913. Dem Postassistenten Holz hier routDe Der Titel Oberpoftassistent verliehen.
△ Bad Orb, 22. Oft. 1913. Nachdem Die Be- Dingungen für Die vom Kreistage beschlossene Ein- sührung Des Konto-K orrentv er kehr s (Kredit in lausender Rechnung) bei Der hiesigen Sparkasse vom Regierungs-Präsidenten in Kassel genehmigt worden sind, können nunmehr Anträge aus Eröffnung eines Kredits in lausender Rechnung bei Der Kasse gestellt und Die näheren Bedingungen von dieser beioaen werden.
* Frankfurt a. M., 21. Oft. 1913. Der Taglöhner 'Max Schremmel, Der am 31. August in Der Trunkenheit seine zank- und trunksüchtige Fran nach voronsgega.igencm Streit mit einem Dolchartigen Brieföffner erstochen hatte, wurde von Den Geschworenen sreigesprochen.
* Würzburg, 21. Oft. 1913. Zur juristischen Universitätspr ü f u n g im Oftober waren 24 Kandidaten zugelafsen, hiervon bestanden 15, durchgefallen sind 4 und zurückgetreten sind 5 Kandidaten. |
Amt Geisa und Umgebung.
* Termbach, 21. Olt. 1913. Die Herbstfon- t r o l l v e r f a m m l u n g e n im Meldeomisbezirf Dermbach finden in der Zeit von Dienstag den 4. bis Freitag, den 7. November statt. — Unter Vorsitz des Herrn Schulrat Heiland fand gestern die H e r b st- Hauptfonferenz der LehrSr des vierten Verwaltungsbezirkes in der Turnhalle der neuen Schule statt. Lehrer Döll aus Stetten sprach über den „8 iteraturkundlichen Unterricht an der Hand unserer neuen Lesebücher". Es war eine Fülle guter Forderungen, Die Der Vortragende aussprach. Eine lebhafte Aussprache schloß sich dem Vortrage an. Aus den geschäftlichen Mitteilungen seien folgende Zahlen wiedergegeben. Im Schuljahre 1912/13 betrug Die Zahl Der Schüler 8505 (gegen 8342 int Vorjahre), die Zahl der Schulorte 66, die Zahl der Klassen 178, die Kopfzahl jeder Klasse 50,6 (gegen 51,5 int Vorjahre und 55,1 vor 10 Jahren), die Zahl Der Stellen 139, aus einen Lehrer fommen durchschnittlich 61,2 Kinder (gegen 62,7 int Vorjahre). Die Zahl der Fortbildnngsschüler betrug 843. Selbständige Schulsparkassen waren 54 mit 4865 sparenden Kindern vorhanden. Die Einlagen betrugen 32 609,90 Mark, die Rückzahlungen 18 676 Mark. Das werbende Kapital betrug 113 174,33 Marf. Die Schü- lerbibliothefen des Bezirkes umfaßten 15 889 Bände. Damit fanden die Verhandlungen ihren Abschluß. Ein gemeinsames Mittagessen int „Sächsischen Hof" vereinte die größte Anzahl der Konferenzteilnehmer mit ihrem Schulinspektor.
* Vacha, 21. Oft. 1913. Gestern abend geriet die hinter dem „Deutschen Haus" nach den Bahngleisen zu liegende Scheune des Landwirts Anton Koch Hierselbst in Flammen. Alle Darin befindlichen Vorräte an Heu und Stroh, ebenso eine Chaise und die Mähmaschine wurden vernichtet. Das anfänglich sehr gefährdete angrenzende Stallgebäude fonnte gerettet werden. Die Scheune ist erst im vorigen Jahre erbaut worden und bet Besitzer wollte heute an bas Dreschen bes kürzlich eingebrachten Hafers gehen, ber auch mitverbrannt ist. Der Schaben ist nur zumteil burch Versicherung gebeckt. lieber bie Entstehungs- ursache bes Feuers ist noch nichts festgestellt. Bei ben Löscharbeiten erlitten zwei Feuerwehrmänner leichte Verletzungen.
Aus Gberheffen u- den Hess. Aemtern.
A Marburg, 21. Oft, 1913. In ber gestrigen Stabtverorbnetensitzung wurde nach langer Aussprache bie Bildung einer stäbtischen Verkehrs- f o m m i f f i o n beschlossen. Besonders wurde darüber Klage geführt, daß die Naturschönheiten Marburgs und feiner Umgebung noch viel zu wenig bekannt seien. Gerade im Sommer während der großen Serien böte sich bei ben vielen bann leerstehenden Stubentenwohnungen Gelegenheit, viele Sommer- g ä st e hier unterzubringen. Auch ber Schaffung sog. kleiner Industrie würbe bas Wort gerebet.
A Marburg, 21. Oktober 1913. Am nächsten Samstag begehen Die Eheleule Lohgerbermeister Dietr. Dern hier Das Fest Der golDenen Hochzeit. — Die beiden Wegelagerer, Die in Der Nacht zum 13. Oft. bei Der Nedbrücke mit Knüppeln und Steinen auf das mit sieben Personen besetzte Auiomobil Des Fabrikanten Rreuter aus Gießen einmaligen unD Dieses deschäDigten, finD Durch Den GenDarmen aus Fronhaufen sti Den Personen zweier Einwohner aus Argenstein ermittelt worden. Für Die AnsfinDig- machung Der Täter waren bekanntlich 300 Rif. Belohnung ausgesetzt. — Bei BetziesDorf Drangen zwei HunDe zur Nachtzeit in einen Schafpferch unD zerrissen 12 Schate.
# Kirchham, 20. Oft. 1913. Gestern hielt hier Herr Lanbcssefretär Gottharb im hiesigen Bahnhofshotel eine Versammlung ber Vertrauensmänner bes Volfsvereins ab, zu ber alle Ge- meinben bis auf zwei ihre Vertreter entsanbt hatten. Nach ben Berichten hat sich ber Völfsverem auf der bisherigen Höhe gehalten unb erreicht mit ca. 10 Proz. ber Bevölkerung annähernb ben Höchststaub in West- bentschlanb. Nur 3 Gemeinbeu stehen unter bem Durchschnitt bes Dekanats; mehrere, wie Bauerbach, Ginseldorf, Mardorf, Schröck, Rüdigheim, Erfurts- Hausen, Niederklein stehen bebeutenb über bem Durchschnitt. Cingehenber verbreitete sich ber Referent über bie Volks- unb Krankenkassen-Versichernng. Er legte es ben Anwese.iben einbringlich ans Herz, bei ben Wahlen mit aller Kraft Darauf hinzuwirken, baß Vertreter ber christlichen Weltanschauung gewählt werben. Do aus ben unteren Ausschüssen Die höheren unb höchsten Instanzen gewählt werben, gegen deren Entscheidungen in allen Versichernngsangelegenheiten es keine Berufung mehr gibt, forbert es bas persönliche Interesse jedes Mitgliedes, bafür zu sorgen, daß Leute in diese Stellen fommen, bie nach allen Seiten Recht unb Gerechtigkeit walten lassen. In ber heutigen Konferenz ber Geschäftsführer verbreitete sich ber Herr Sanbesfefretär über bie Zukunfts- aufgaben ber Volksvereinsarbeit. Besondere Aufmerksamkeit verdient bie Frauenorganisa- tion. 10 Millionen Frauen stehen heute außerhalb ber Familie im Erwerbsleben. Die Sozialbemokratie geht mit aller Macht unb ber bei ihr gewohnten ikruppellosen Agitation baran, diese Frauen für sich zu gewinnen. Daß sie Erfolg, hat, zeigt der eine Umstand, daß unter den 12 000 neuen Mitgliedern, die sie im letzten Jahre gewann 11000 Frauen sind. Diese Zahlen müssen wie ein Flammenzeichen auf jeden Vertreter des Christentunis wirken. Leider scheint es fast, als wolle man auf christlicher Seite bei alten, liebgewordenen Anschauungen Halt machen, über bie unsere ranhc, mobernc Zeit nun doch einmal kaltherzig hinwegschreitet. Fürchten muß man bald, daß bas Wort bes Pater Tur S. I schließlich sich erfüllt, bas er vor einigen Jahren in München sprach: Unsere Männerwelt haben wir verloren, verlieren wir auch noch bie Frauen, bann Abe Christentum in Mil Hotten von Familien. In ber baran anschließenben lebhaften Diskussion würbe besonbers das Bebauern ausgesprochen, baß man bem Volksverein von manchen Seiten ein solches Mißtrauen entgegenbringt, bas völlig unbegrünbet erscheint. Die gestrige unb heutige Kon seren- kann als erfreulicher Auftakt für bie tatkräftige Winterarbeit im Volksverein bes Dekanats Amöneburg betrachtet werden.
VA Kirchhain, 21. Oft. 1913. Seitens des Kgl. Landratsamtes wird beabsichtigt, im Saale des Bahnhofshotels vom 27. b. M. bis 19. n. M. einen vierwöchigen Ausbilbungsfursus für I n - genbps leger abzuhalten, lief« Zszeit ist Montag unb Mittwoch von i/>2 bis 6 Uhr? Währenb Herr Turnlehrer Fischer-Marburg ben turnerischen Teil, unb zwar hauptsächlich bie „Anleitung für bas Knabenturnen" theoretisch und praktisch behandeln wird, werden einige Freunde der Jugendpflege Vorträge
über diese halten. Zu gleicher Zeit sollen bie Kur- susteilnehmer mit ber Handhabung des von Herrn v- Goldammer bem Kreise geschenkten Lichtbild er-ApPa- rates vertraut gemacht werden.
[:] Neustadt, 21. Oft. 1913. Am vorigen Sonntage veranstaltete ber hiesige Kriegerverein im Anschlüsse an Die Hundertjahrfeier auf Dem Schießstande in Der „Lehmkaute' ein Preisschießen. Zu Demselben hatten mehrere VereinsmitglieDer wertvolle Preise gestiftet, von Denen Der begehrteste ein leckerer Schinken war, welchen Der SlaDtförster in Die „Struth" ent«' führte.
△ Gladenbach, 21. Oft. 1913. Die Ehefrau Jost Junk aus Sinkershausen, Die am 29. August ihren Gatten und ihre sechs unmünDige KinDer verließ, wurde von ihrem eigenen Mann in einem Wasserlache in Den hiesigen Schiefergruben als Leiche ge« funden.
# Lingklbach (Kr. Ziegenhain), 20. Oft. 1913. Dem hiesigen Kriegerverein ist ein F a h n e n f ch m u ck, bestehenD aus einem Bande in Den preußischen Farben und aus einem mit Dem preußischen Wappen versehenen Nagel, Allerhöchst verliehen und Durch Herrn Landrat v. Schwertzell behändigt worden.
* Fritzlar, 21. Oft. 1913. Zu ber Brustseuche, bie einen Teil ber Pferde der hiesigen Artillerie-Abteilung befallen hat, kommt jetzt noch bie Erkrankung eines Tieres, bie sich möglicherweise als Rotz herausstellt. Es sinb alsbalb strenge Absperr maß regel» getroffen worben.
Handel und Industrie.
,5> Berlin, 21. Oft. 1913. Die Börse erblickte in Der Nachgiebigkeit Serbiens Die Anregung zu einer zuversichtlicheren Beurteilung ber Geschäftslage und verlieh Dieser Ansicht durch Rückkäufe auf allen G« bieten Ausdruck. Ungünstigere Jndustrieberichte und Die erneute Ermäßigung Der belgischen Eisenausfuhr« preise machten keinen Eindruck auf die Montankurse. E n anregendes Moment bildete auch der flüssige Geldmarkt. Privatdiskont unverändert.
* * Banken und Sparer. In ber ,K. 83/ lesen wir: Die Machikoligleit des Einzelnen gegenüber bei großkapitalistischen Vereinigungen ist einem Depositen- gläubiger einer Berliner Bank in unzweideutiger Weis« zu Gemüte geführt rooiben. Es ist durchaus begreiflich, daß derjenige, bei sein Geld einer Bank — und fei es auch bie größte — anverlraui, ein gewisses Interesse daran hat, dieses Geld jederzeit, natürlich unter Einhaltung der vereinbarten Kündigung, zurückfordern zu können. Angesichts ber unruhigen Zeiten ist es ferner veri-iändlich, daß ein solcher Depositengläubiger sich einmal die gewiß nicht unbescheidene Anfrage erlaubt, ob er auch in Kriegszeiten auf schlanke Rückzahlung feines Geldes rechnen kann. Da fast jeder Sparer an dieser Frage beteiligt ist, tut ber bezeichnete Bankkunbe natürlich ein gutes Werk, wenn er der Oeffentlichkeit mitteilt, welche Antwort er auf feine Anfrage erhalten hat. Selbst wenn diese Antwort so gewunden und unklar wie nur irgend denkbar ist, wird sie jeder andere Bankkunde gern hören wollen. Ihre Verölfentlichung kann Der Bank nur ähnliche Anfragen und viel Arbeit ersparen. So tollte man meinen! Die Deutsche Bank dachte darüber anders. Sie kündigte Dem Depositengläubiger, der ihre Aniwort an bie Presse weitergegeben batte, einfach die Freundschaft unb bie geschäftlichen Beziehungen! Dieser Vorgang zeigt, welche Auffassung die Banken, denen wohlwollende Leute doch nachsagen, daß sie nicht von Krämergeist beherrscht seien, von bem Wesen und Aufgaben derPresse und der öffentlichen Memung haben. Was ist heute überhaupt der einzelne Bankkunde für bie große Bank? Dieses Kapitel wäre gewiß einer sehr eingehenden Untersuchung wert! Die llebermacht der großen Banken ist nämlich heute so groß, daß die Beziehungen zu ihrer Kundschaft recht einseitig geworden sind. Der Sparer vertraut der Bank sein Geld an, darf aber nicht nach der weiteren Verwendung desselben fragen und nicht darüber reden, ob sein Guthaben auch in Kriegszeiten flüssig zu machen ist. Er muß es sich auch gefallen lassen, daß die Bank ihm zur Anlage von Geld diejenigen Papiere empfiehlt, welche sie gerade an den Manu bringen will. Es ist be- fannt, daß man »mal den Deposttenkaffen verboten wird, aifbere, als die von der Leitung genehmigten unb für hinreichend „großbanksromm" gehaltenen Handelszeitungen und Fmanzzeiisckrisien in ihren Räumen auszulegen. Die „Tips" für die Börse werden den Vorstehern der Depo- silenkassen von oben erteilt und wehe bem, der die Kund- ichmt nicht im gewünschten Sinne berät. Den Wettbewerb der Privat bau kiers hat man ja glücklich fast völlig niebergefämp't. Das Publikum, das in Geldsachen Rat sucht, ist also auf die Depositenkassen fast angewiesen. Welche Dienste leisten nun aber die Depositenkassen dem Publikums Gewähren sie dem Handwerker unb dem Hausmann jenen Kredit, den er haben muß, um den Wettbewerb der inächiigeien Großgewerbe« und Handels- sirmen aushalten zu können? Keineswegs! Während man oewöhnlich zu Zwecken des Börsenspiels hohe Kredite emräumt, wenn es sich darum handelt, im Jniereffe der Bank das Wertpapiergeschäst zu beleben unb die Preise bestimmter Papiere in die Höhe zu treiben, hat man für die allgemeinen volkswirtschaftlichen Bedürfnisse des mittleren und kleinen Unternehmerstandes kein Verständnis.
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