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Lrftes Blatt.

Nr. 245

«rscheim tflgM) mit Ausnahme der Sonn- und ?e>ertogr. üitrtcl- MrUcher Bezugspreis ohne Bringerlotjn und besiellgeld in Sulöa fooU eusoflrts 1.50 Mark. •••• RofationsbrutN und Verlag der S S Julboer flctienbrwkerei in Sulöa. Semfpredjer Nr. 9. ::

a rlehimgsUften der preußilch-svddeutschen Klaffen-Lotterie. — tzaldjShrlich Taschenfahrplan, e

Mittwoch Öen 22. Oktober 1913

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Illustrierte Sonniagszetfung

r. z rnonats-Beilage: z z

Zuldaer Seschichtsblätter

40. Zahrgang.

tlitjeigen: Der Raum dr.tr dr<!pultigcr Coior.eljelfe, 4t ereil, «oftci 14 Pf®. Rezlamtn: Der Reum einer Ccläicljsilr, T4 mm breit, ko fiel 40 Pfs bet (Dieberholungen Rabatt $ür Cfjcrt- unO fiuesunltenjelgen 20 Pf. extra. 3» Konkursfätlcn elrb ber bewilligte Rabatt tinlilhg. €r|Cllungi»rf für bas Eia­blagen oon Forderungen in julba. finjelgen-finnohms bis JO Uhr eormlttag«. u u Größere finjeigen erbitten wir uns tag* vorher» s st

□ Die Landtagswahlen in Baden.

W Karlsruhe, 21. Okt. 1918. (Tel.) Es sind als gewählt zu betrachten: 1 Wilder, 8 Nationallibe­rale, 9 Sozialdemokraten, 1 Fortschrittler, 29 Zen­trum, 1 Bund der Landwirte und 3 Konservative. 21 Nachwahlen sind erforderlich.

Von den 73 Mandaten der badischen Zweiten Kammer besaßen während der letztverflossenen Legis­laturperiode 1909/13; Zentrum 26, Konservative 2,, Bund der Landwirte 1, Nationalliberale 17, Fort­schrittliche Volksparjei 7, Sozialdemokratie 20. Die Linke verfügte formt im Landtag über insgesamt 44, die Rechte über 29 Sitze. Im neuen Landtag hat schon jetzt nach dem ersten Wahlgange die Rechte 33, die Linke erst 18 Sitze. Die Linke hat also eine schwere Schlappe erlitten. Der Rechten fehlen nur noch vier Mandate an der Mehrheit.

Die Stoßkraft des Zentrums war aus die Erobe­rung der drei oberbadischen Wahlkreise (M e tz k i r ch- Stockach, Konstanz-Engen und Donau­eschingen-Engen) gerichtet, die, fast ausschließ­lich katholisch, bei der letzten Landtagswahl den Na­tionalliberalen, in dem einen Bezirk sogar einem Jungliberalen zuaefallcn waren. Meßkirch- Stockach und Konstanz-Enge.i 11 nt nun das Zentrum gestern im ersten An türm er­obert. In Donaueschingen-Engen mi ß noch eine Nachwahl stattfinden, das Zentrum ist auch hier- mit 2723 Stimmen die stärkste Partei, doch fehlen ihm a.i der absoluten Mehrheit etwa 150 Stimmen. Man soll glauben, daß es ihm im zweiten Wahlgange ge­lingen wird, diese noch heraus zu holen. Gelingt es, auch diesen Bezirk noch zu erobern, dann wäre ganz Südbaden, mit Ausnahme der Stadt Konstanz, im Besitz des Zentrums.

Das Zentrum gewinnt ferner noch Offenburg, wo der Fortschrittler Muser unterlag. Außerdeni hat die Unterstützung, die das Zentrum den Konservativen und Rechtsliberalen augeoeihen ließ, gute Erfolge gebracht. In Boxberg-Adelsheim verdräng­ten mit Zentrumsunterstützung die Konservativen die Nationalliberalen, desgleichen in Lahr- Land die Bauernbündler die Fortschrittler. Auch in Ra­st a t t ist die vielbesprochene rechtsliberale Kandida­tur Niederbühl durchgegangen Nach dem Blockab­kommen mußte dort der fortschrittliche Kandidat Vo­gel aufgestellt werden; er sollte die Unterstützung der Nationalliberalen finden. Die Rastatter Natio­nalliberalen haben sich jedoch bekanntlich hiergegen zur Wehr gesetzt und einen eigenen nationalliberalen Kandidaten aufgestellt. Es Hat nichts genützt, daß der nationalliberale Parteichef, Geh. Hofrat Reb­mann, den nationallibrroien Kandidaten für Baden- Baden, Kölblin, nach Rastatt geschickt hat, es hat nichts genützt, daß er selbst alle Anstrengungen machte, die Zurückziehung des Rastatter national­liberalen Kandidaten auf das Drängen der Fort­schrittler hin zu erre'chen: die Rastatter National- liberalen hatten das Blvckelend satt, und der blind auf den Großblock emgeichworcne Parteichef hat bei ihnen keine Autorität mehr; Vogel fiel denn auch bei der gestrigen Wahl glatt durch

Von weiteren Einzelergebnisien ist bemerkens­wert, daß die Nationalliberalen Lörrach, Heidelberg- Wiesloch und Heidelberg-Eberbach von der Sozial­demokratie, diese Mannheim von den Nationallibe­ralen gewinnen. Der.Führer der Natio.ialliberalen Rebmann wurde in Karlsruhe wiedergewählt, ebenso wurden gewählt die sozialdemokratischen Füh­rer Kolb und Dr. Frank.

Der zweite Wahlgang findet in acht Tagen statt, Das badische Wahlgesetz kennt keine Stichwahlen. Hat keiner der in einem Wahlkreis ausgestellten Be­

werber die absolute Mehrheit, so erfolgt ein zweiter Wahlgang, an dem alle die Kandidaten teilnehmcn, die wenigstens 15 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt haben. Im zweiten Wahlgang ent­scheidet die relative Mehrheit, d. h., wer die meisten Stimmen erhält, ist gewählt.

Je? Die gepanzerte Faust.

Zweimal hat Oesterreich sie emporgehoben, und beide Male hat es seinen Zweck erreicht. Im Falle S k u t a r i gaben die Serben und Montenegriner nach, als sie sahen, daß Oesterreich zum Handeln ent­schlossen war. Jetzt macht Serbien die Besetzung von albanischem Gebiet rückgängig, nachdem Oesterreich sein Ultimatum gestellt hatte.

Auf die ersten freundlichen Vorstellungen wegen der Grenzüberschreitungen gab Serbien noch eine ausweichende Antwort, obschon diese Vorstellun­gen von allen Mitgliedern des Dreibundes ausgegan­gen waren. Die zweite Eröffnung ging von Oester­reich allein aus, aber sie hielt sich nicht mit gütlichem Zureden auf, sondern sagte klipp und klar, was inner­halb acht Tagen zu geschehen habe. Was die Bitte nicht erreichen konnte, bewirkte der Befehl. Serbien ließ es nicht auf die österreichische Zwangsvoll­streckung ankommen. Wenn auch das Ultimatum von Oesterreich allein gestellt war, so wußten doch die Ser- ben, daß die beiden Verbündeten Oesterreich den Rücken decken würden, wenn e§ zur Anwendung von Gewalt schritt. Man kann sogar sagen, eS macht einen stärkeren Eindruck, wenn eine einzelne Großmacht sich zur Exekution anschickt, als wenn man ein Kol­lektiv- Einschreiten androht. Denn bis eine ge­meinsame Aktion mehrerer Mächte in Gang kommt, pflegt eine Portion Zeit zu vergehen, und der bös­willige Gegner kann immer noch auf einen gegenwär­tigen oder künftigen Mangel an Einigkeit spekulieren. Nachdem aber Oesterreich sich mit seiner Ehre vor aller Welt für die Zwangsvollstreckung aus eigenen Mitteln eingesetzt hatte, konnte man in Belgrad an dem bitter» Ernst nicht niehr zweifeln. Belgrad liegt im Bereich der österreichischen Kanonen.

An einen Widerstand hätte Serbien höchstens dann denken können, wenn der Dreiverband ihm versprochen hätte, Oesterreich in den Arm zu fallen und wegen Nordalbanien einen europäischen Krieg zu riskieren. Diese Zusicherung blieb aus. Allerdings hatte man, wenn nicht alles täuscht, in Paris große Lust zur Unterstützung Serbiens. Die Pariser Presse hetzte aus allen Kräften gegen Oesterreich, und es wurde ohne Widerspruch berichtet, daß im französischen Mini­sterium dem österreichischen Botschafter eröffnet wor­den sei, die Durchführung der Londoner Beschlüsse sei Sache der gesantten Großmächte und nicht Oester­reichs allein. Stichhaltig war der Einwand nicht, denn Oesterreich hat als nächster Nachbar und Mit­begründer des neuen Albanien ein besonderes Interesse an der Aufrechterhaltung der in London getroffenen Abmachunaen, und es wäre schwächlich und töricht, wenn Oesterreich die Wahrung seiner Jnterellen davon abhängig machen wollte, ob die sechs Großmächte über die Ausführung der Beschlüsse einer Meinung sind oder werden. Der haltlose Ein­wand ist aber sehr bezeichnend für die unfriedliche Stimmung und Politik Frankreichs. In England hat man sich wobl gehütet, in den feindseligen Ton von Paris einzustimnwn und Rußland, das ja bei den Serben als irdische Vorsehung gilt, hat sich ebenfalls vorsichtig rurückqehalten, vielleicht sogar un­ter der Hand den Serben zu verstehen gegeben, daß man wegen des zwar nordalbanischen Bezirks nicht Vcbanque spielen könne.

Durch den blinden Eifer ^on Paris hat sich nun die Sache zu einem förmlichen Triumvh des

3« der Schule des Leidens.

3] Roman aus dem New-Iorker Leben.

Von Erich Friesen.

Wie eine kalte Dusche überrieselt es sie. Er denkt üugenscheiulich an ganz etwas anderes. Den Kopf in die Hand gestützt, stiert er finster vor sich hin.

„Norbert, was hast Du?"

Er fährt auf.

„Ich? - O. nichts!"

„Doch, Du bist so eigen."

„Unsinn, Närrchen!" lacht er gezwungen auf. „Aber ich muß jetzt gehen. Gute Nacht, mein Lieb! Auf Wiedersehen morgen im Theater!"

Verschüchtert hält sie ihm die Lippen zum Kuß hin.

Und er küßt diese frischen Lippen zärtlich. — Und es ist, als ob unter diesem reinen Kuß seine trübe Stimmung schwände und ein warmes Glucksgefühl in seinem Herzen aufleuchte.--

Die kleine Felicie aber träumt die ganze Nacht nur von der Zukunft — die so rosig ist — ach, so rosig. —

II.

Am folgenden Abend. ...

Der „erste Liebhaber" Frank Rüssel hat sich beim Begräbnis seiner Mutier erkältet und um einige Tage Nachurlaub gebeten.

Wieder übernimmt Norbert Barringwn seine Partie — diesmal in einem modernen Konversations­stück.

Und wieder steht Felicie, nachdem sie ihre kleine Rolle im zweiten Akt absolviert, hinter den Kulissen und folgt mit brennenden Augen dem Lause der Handlung.

Und wieder versichert Norbert seiner Partnerin seine heiße Liebe, wieder umarmt er sie innig, leiden' schriftlich; wieder brennen beider Blicke ineixmdcr.

Ach, Feli« weiß ja, daß alle» mir Spiel ist! dock —

Hart kämpft sie gegen ihre unbegründete Eifer­sucht an.

„Mich liebt er, mich allein!" sucht sie immer wieder die aufkeimenden Zweifel zu ersticken. „Ich werde feine Frau sein, nicht jene Gerda Douglas, der er jeden Abend auf der Bühne den Hof macht. Aber ich will mich nicht mehr gegen die baldige Hoch­zeit sträuben. Sie soll in acht Tagen stattfinden — am liebsten morgen schon, wenn er will.--Ja,

ja, so bald wie möglich!"

Da meldet der Inspizient ihr Stichwort.

Noch ganz erregt l-on ihren Gedanken eilt sie auf die Bühne. Jede Fiber in ihr bebt. Sie ist ganz Feuer, ganz Verve. . . .

Lauter Applaus folgt ihrem Abgang. Wahrhaf­tig ei» ausgesprochener Erfolg! —

Wie gestern abend geleitet Barrington auch heute seine Braut nach Hause.

Er ist noch schweigsamer als gestern und sucht vergebens, seine Mißstimmung zu verbergen.

Aus Felicies inständige Bitten rückt er endlich mit dem Grund heraus.

„Vielleicht ist e§ Dir möglich, mir zu helfen, Licy! Dein Vater verleiht Geld, nicht wahr?"

„Ja, manchmal. Aber — Du hast gehört, toaS die Mutter gestern sagte! Er ist selbst m Geldvcr- legenbeit."

»Ich weiß, ich weiß. Aber Geldverleiher haben stets Verbindungen. Vielleicht kau» er von jemand anders —"

Felicie bleibt stehen. Voll blickt sie ihrem Bräu tigam ins Gesicht.

„Du brauchst Geld, Norbert?"

„Ja."

„Wieviel?"

„Zweitausend Dollars,"

Sie erbleicht; doch sagte sie nichts.

Er sieht ihr Befremden. Zärtlich saßt rr i!y.t Hand.

»Licy, versprich mir, nicht eifersüchtig zu sein, und ich erzähle Dir alles!"

Felicie- Sand zittert in der seinen. Da? wird Ijte hören müssen?

Dreibundes gestaltet. Oesterreich, Italien und Deutschland zeigte sich einig und entschlossen; die Mächte des Dreiverbandes waren uneinig und unent­schlossen. Der Dreibund hat feinen Willen durch­gesetzt.

Was Oesterreich und seine Verbündeten auf dem Balkan erreicht haben, ist allerdings nicht viel: Den Ausschluß Serbiens von der Adria, die Rettung Sku- taris und die Sicherung des Nordens von dem neuen, leider sehr knapp zugeschnittenen Staate Albanien. Nicht viel, aber doch etwas. Ob durch entschiedenes Auftreten nicht noch mehr zu erreichen gewesen wäre, ist jetzt leider eine müßige Frage geworden. Manche haben ja gemeint, daß bei dieser oder jener Gelegenheit Oesterreich schon früher die gepanzerte Faust hätte aus der Tasche ziehen sollen. Namentlich wird es bedauert, daß die österreichischen Staats­männer denk Kesseltreiben gegen Bulgarien nicht rechtzeitig vorgebeugt haben. Es läßt sich aber schwer sagen, was ohne verwegene Gefährdung des euro­päischen Frieden? zu erreichen gewesen wäre und was nicht. An der Vergangenheit läßt sich ja aüch nichts mehr ändern. Es ist aber doch tröstlich, daß Oester­reich zum Schlüsse noch den dreisten Serben einen empfindlichen Denkzettel gegeben hat.

Die Befiirchtung, daß dadurch die Beziehungen Serbiens zu Oesterreich oder auch die serbisch-deut­schen Handelsbeziehungen leiden könnten, halten wir unbegründet. Mit Serbien wird nur auszukommen sein, wenn e§ R e s p e k t hat vor Oesterreich und des­sen Verbündeten. Solche dreiste Gesellen erzieht man nicht in Zärtlichkeiten, sondern nur mit der starken Hand.

Sonderbarer Weise sind in jüngster Zeit Zweifel laut geworden an der Festigkeit und Nützlichkeit be§ deutsch-österreichischen Bündnisses. Der jüngste Erfolg, der Dreibunds-Eintracht, wird auch in dieser Hinsicht aufklärend wirken.

ventscher Reich.

♦ Die Kaiserin

vollendet heute ihr 55. Lebensjahr. Sie kann an diesem Geburtstagsfeste mit Freude zurückblicken auf da? vergangene Lebensjahr, das ihr so manche Freude beschiedm, soviel« Liebe eines treuen Voltes bekundet hat. Auch ihr galten die begeisterten Huldigungen beim silbernen Jubiläum des Kaisers, und die innige Anteilnahme, als die einzige Tochter mit dem Prinzen Ernst August den Herzensbund fürs Leben schloß. Es gehört zry den wohltuenden Gewißheiten im deut­schen Volke, daß wir in der erhabenen Herrscherin stets ein leuchtendes Vorbild finden werden für die edle Aufgabe, stille Arbeit im Hause und in der Familie zum Heile des Vaterlandes zu pflegen. Was Kaiser Wilhelm als das Ideal einer deutschen Frau empfindet, und was er mehrfach darüber ausgesprochen hat: unsere Kaiserin verkörpert dieses Bild durch ihr Walten und Wirken, zur dankbaren Freude der ganzen Ration. Mögen fernerhin wie bisher die innigen Wünsche in Erfüllung gehen, die alle Schichten des Volkes der deutschen Kaiserin aus freudigem Herzen darbringen.

— Der Kronprinzenbrief.

Die „Nordd. Allgem. Ztg." hat halbamtlich be­hauptet, der Kronprinz habe in einem Schreiben aus Hopfreben vom 17. Okt. dem Reichskanzler sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß sein Privatbrief an ihn öffentlich erwähnt worden ist. Diese Erwähnung ist in den alldeutschen „Leip­ziger Neuesten Nachrichten" erfolgt, die die Aeuße- rüngen des Kronprinzen in Anführungszeichen wie­dergegeben hatten, also Kenntnis von dem Wortlaut haben mußten. Wir hatten die Mitteilung der „Nordd. Allgem. Ztg." dahin aufgestellt, daß die Ver-

Stumm nickt sie mit dem Kopf.

„Also" — beginnt er entschlossen, „als ich Dich Sern abend verließ, traf ich einen früheren Kol- ~ in. Er sah sehr reduziert und verhungert aus, so daß ich ihn einlud, mit mir in einem Restaurant der Vierzehnten Straße zu Abend zu essen. Der arme Kerl taute nach und nach auf. Ich ließ eine Flasche Champagner anfahren — wir kamen ins Auffrischen alte Erinnerungen — lachten, tranken dazu —"

Er stockt. Doch eine stumme Handbewegung Fe­licies läßt ihn sogleich wieder fortfahren.

„Der verwünschte Chanzpagner!" murmelte er zwischen den Zähnen. „Was darnach passierte, weiß ich nicht mehr. Aber als ich heute früh aufwachte und in meine Rocktasche fühlte, war sie leer. Mein Portefeuille — verloren ober gestohlen!"

„Sie enthielt boch nichts Wichtiges?"

„Das ist es ja eben — zweitausenb Dollars in Banknoten." n

Felicie fährt zurück.

„Zweitausend Dollars? Woher —" „Sie gehörten Gerda Douglas." „Gerda Douglas?"

Felicie ist sehr bleich geworden.

„Ja. Sie übergab mir die Summe gestern nach der Vorstellung Ich sollte dieselbe für sie auf ber Bank deponieren. Ich steckte das Geld in mein Por­tefeuille in ber Absicht, heut früh sogleich damit zur Bank zu gehen. Den ganzen Abend über nahm mir das verwünschte Geld die Stimmung. EZ brannte mich wie Feuer. Immer wieder mußte ich benfen. „W mn die Summe mein märe, könnte ich sofort meine kleine, süße Licy heiraten, ihr ein hübsches Nestchen bauen, sie hegen und pflegen--", Doch

die Anwandlung ging vorüber. Als ich gestern abend zum Abschied Deine Lippen küßte, als ich in Deine treuen Augen sah, da wußte ich: Wir werden glück­lich sein, auch ohne Reichtümer, nur mit unserer klei­nen Gage. . , In diesem G'ücksgefühl hätte ich die ganze Welt umarmen mögen: es tat mir weh, einen Unglücklichen zu sehen. Und als ich dem verkomme- neu Kollegen begegnete, trieb es mich dazu, ihm eine Freude zu bereiten. Er hat sie mir schlecht vergolten.

öffentlichung des Briefes nicht gegen den Willen des Kronprinzen erfolgt sei, andernfalls wäre das wohl ausdrücklich hervorgehoben worden. Daß wir damit recht hatten, bestätigten heute die „Leipziger Neuest. Nachricht."; sie schreiben:

„Daß der Kronprinz sein Bedauern darüber aus> gesprochen habe, daß sein Brief an den Reichskanzler überhaupt öffentlich erwähnt worden fei, ist wohl nicht gut möglich."

Das heißt, wenn diese Worte einen Sinn haben sollen, der Kronprinz habe die Uebermittlung feiner Acußerungen an die „Leipz. Neuest. Nachr." ber» anIaßt und gewünscht, er sei der Urheber der Veröffentlichung. Der Ausdruck des Bedauerns! in dem Schreiben vom 17. Oktober hat also die Be- deutung, daß der Kronprinz sich nachträglich von der Unzweckmäßigkeit des Schrittes überzeugt habe, den er getan hat, indem er der Oeffentlichkeit von seinem! Brief an den Kanzler Kenntnis geben ließ. Wie die „Voss. Ztg." erfährt, ist in der Tat der Brief des Kronprinzen an den Reichskanzler einem Vertreter, des Leipziger Blattes zum ZweckderVeröffent-' lichung zugegangen, nur daß der Kronprinz unliebsam überrascht war, daß sich die „Leipz. Neuest. Nachr." nicht auf eine Inhaltsangabe beschränkten, sondern einzelne Sätze im Wortlaut und in Anfüh- rungszeichen Wiedergaben. Die „Voss. Ztg." bemerkt weiter:

DaS Bedauern des Kronprinzen Über die Veröffent­lichung seines Briefes wird von der Mehrheit des Volkes geteilt werden. Man wird aber daraus schließen dürfen, daß die Einrichtungen am kronprinzlichen Hofe den politischen Bedürfnissen nicht entsprechen. Der Erbe der Krone weilt feit geraumer Zeit fern vom Mittelpunkt, des staatlichen Lebens, steht in keinem Zusammenhang mit den Kreisen, die ihm über die Forderungen des Tages Ausklärung geben könnten, ist auf ein paar Adjutanten und Hofmänner angewieien, die einfeitig auf den Kron­prinzen einroirfen. Er kommt in Berührung fast ausschließ­lich mit Personen von alldeutscher Gesinnung. Es gibt' niemand in seiner Umgebung, der für eine harmonischere, Gestaltung seiner Auffassungen, für eine Ergänzung feiner- Beschäitigung, die sich vorzüpsweile auf Militärdienst und, Sport richtet, durch die großen Aufgaben der staatlichen' Tätigkeit, der Wissenschaft, ter Kunst, der Kultur hin­reichend zu sorgen vermöchte, niemand, der den Beruf erfüllte, ihn von Kundgebungen wie der an die .Leipz., Neuest. Nachr.' abzuhalten. Ist doch nicht einmal der Hofmarschall dauernd beim Kronprinzen in Danzig, fonbern ■ in Potsdam! Daß in allen diesen Dingen gründlicher' Wandel vonnöten ist, hat nichts schlagender beweisen können als neben früheren Fällen, wo der Kronprinz volitisch hervortrat, fein neuerliches Vorgehen in der Welsensrage. Der Kronprinz fleht nicht mehr in einem Lebensalter, wo ihm die politischen Ereignisse fremd fein oder nur durch wenige Personen, die der umfassenden Befähigung ermangeln, vermittelt werden dürften. Er muß auf das hohe Amt vorbereitet werden, das ihm nach menschlicher Voraussicht einst zusallen wird. Er wird dann auch erkennen, wie unerläßlich einem zukünftigen' Träger der Krone Zurückhaltung und weife Be­sonnenheit ist. In der Welsenfrage stimmen sachlich weite Kreise mit ihm überein; Die Veröffentlichung über seine Stellungnahme wird kaum irgendwo gebilligt. Der Vorfall wird ihm zur Lehre für die Zukunft dienen können. Er wird auch allen Anlaß haben, reiflich zu prüfen, wem er fein Vertrauen zuwenden darf. ,

Die ,Köln. Ztg.' nielöet aus offenbar offiziös inspirierter Quelle aus Berlin:

.Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird vom Prinzen Ernst August nicht mehr verlangt werden, als was er bereits in" ben von ihm abgegebenen Erklärungen geleistet hat. Wie ichon vor einiger Zeit mitgeteilt, wird er bei seiner Thronbesteigung seine bisherigen Erklärungen bemi Sinne nach feierlich wiederholen unb jebetmann zu ver­stehen geben, was sich von selbst versteht, nämlich, daß er ein verfassungstreuer deutscher Bundessürst sein will. Ein formeller Verzicht auf Hannover wird von ihm nicht abgegeben werden. Wenn, was als felbstvernünb« lich vorauszüsetzen ist, der Prinz korrekt bunbesfürstlich regiert unb feine Regierung Welfen unb Nichtwelfen mit gleichem Maße mißt, bann mag die Wetfenagitation fonbauern, ober an Blutarmut eingehen. Für das Ge­deihen Braunschweigs wird es belanglos sein."

Fräulein Tougias' Geld ist weg —■ ihr ganzes er­spartes - Vermögen!" i

„Willst Du nicht bei der Polizei Anzeige machen?"

„Hab' ich schott getan. Aber wer kann in dem Gewühl in dieser Riesenstadt den Dieb herausfindeu? Und vielleicht habe ich das Geld sogar verloren! —< Hütt' ich mir nur die Nummern der Banknoten no­tiert! Aber ein armer Leusel wie ich, der nte viel Geld in Händen hat. versteht eben nicht, damit um- zugehen."

Mit einer verzweifelten Geste, die etwas Thea­tralisches an sich hat, diesmal jedoch direkt von Herze» kommt, fährt Barnngwn sich durchs dunkle Haar,

„Und Gerda Douglas?" fragt Felicie leise.

Die Kehle ist ihr wie mgeschnürt.

„Ja, Gerda Douglas'" wiederholt Barrington nervös. „Ich wage ihr nicht in die Augen zu sehen. Was mich kostete, heut abend mit ihr zu spielen ---Ich dachte immer, sie müsse es in meinen Zü­gen lesen, daß ich sie um ihr Geld gebracht habe. — Licy, Tu mußt mir helfen!" unterbricht er sich plötz­lich erregt. „Sprich mit Deinem Vater!"

„Ich kann nicht, Norbert. Ich fürchte mich vor ihm. Du weißt, er ist mein Stiefvater. Er behandelt meine arme Mutter schlecht, und mich hagt er sogar. Nie habe ich ein freundliches Wort von ihm gehört. Rur als ich ihm unsere Verlobung mitteilte, faßte er mich schmunzelnd unters Kinn und meinte: „Hol 8 der Kuckuck, Kleine! Tas hast Tu gut gemacht. Werd' Geld von Deinem Schatz herausziehen —• später wenn er mal ein berühmter Künstler ist!" — Der gibt D'.r nichts, Norbert. Und bitten kann ich ihn auch nicht."

Cchwe-aend schreiten beide nebeneinander her.

„So cicibt mir nichts übrig", sagt Barringtov endlich mißmutig, „als Gerda mein Mißgeschick zu erzuhl'n. Zch muß ihr sagen, daß ich ihr das Geld noch und nach zunickzahlen will Freilich, es wird fast mein ganzes Leben in Anspruch nehmen! Und was bann aus unserer Heirat rotrb, Licy «— Gott mag c5 wissen!"

(Fortsetzn—» folgt.)