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2. Matt.

»rud »<r $n!bcer Aetiendruderei in Sulia.

t] Krankenversicherung

der Dienstboten.

Bei der Erkrankung eines Dienstboten galt bis­her § 617 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Danach War die Dienstherrschaft verpflichtet, für den erkrank­ten Dienstboten, der aber in die häusliche Gemein­schaft ausgenommen sein muß, zu sorgen.

Durch die Krankenversicherung der Reichsversiche­rung, die am 1. Januar 1914 in Kraft tritt, ist nun die Krankenversicherung für Dienst­boten neu geregelt. Durch diese Regelung sind die Dien st boten den übrigen Arbei­tern gleichgestellt. Sie müssen also einer Krankenkasse angehören.

Zwar kann der Dienstherr selbst die Berpfftch- stingen der Krankenkasse übernehmen, doch muß er den Antrag auf Befreiung von der Versicherungs­pflicht stellen. Diese Selbstversicherung dürfte aber nicht empfehlenswert sein, da die Herrschaft bei einer längeren Erkrankung des Dienstboten die ziemlich beträchtlichen Kosten zahlen müßte.

Die Leistungen der Krankenkasse erstrecken sich auf Krankenhilfe, Wochengeld und Sterbegeld. Als Krankenhilfe wird gewährt Krankenpflege vom Be­ginn der Krankheit an und Krankengeld in Hobe des halben Grundlohnes für jeden Arbeitstag. Sehr begrüßenswert ist die Ausdehnung der Krankcn- hilfe von sechs Wochen, wie es nach dem Bürger­lichen Gesetzbuch für die Dienstherrschaft vorgeschrie­ben ist, auf die Dauer von sechsundzwanzig Wochen. Der betreffende Paragraph der Reichs- versichcrungsordnung lautet:

' § 183. Die Krankenpflege endet spätestens mit Ab- lauf der 26. Woche nach Beginn der Krankheit, wird je­doch Krankengeld erst von einem späteren Tage an be­zogen, nach diesem. Fällt in den Krankengeldbezug eine Zeit, in der nur Krankenpflege gewählt roitb, so wird diese Zeit auf die Dauer des Krankengeldbezuges bis zu 13 Wochen nicht angerechnet.

Ist Krankengeld über die 26. Woche nach Beginn der Krankheit hinauszuzahlen, so endet mit seinem Be- zuge auch der Anspruch ans Krankenpflege.

Für die Ausbringung der Mittel gelten dieselben Bestimmungen wie bisher bei der Krankenversiche­rung der Arbeiter.

§ h80. Die Mittel für die Krankenversicherung sind von den Arbeitgebern und den Versicherten aufzubringen.

§381. Verstcherungspflichtigehaben zweiDrittel, ihre Arbeitgeber ein Drittel der Beiträge zu zahlen.

Einzuzahlen hat der D i e n st h e r r die Bei­träge, er haktet gesetzlich dafür. Er kann nach dem Gesetze, so wie es auch im Geschäftsleben üblich ist, die Krankenlassenbeiträge der Dienstboten vom Lohn abziehen.

Nur für die Dienstboten gelten die §§ 435440 der Reichsveasicherungsordnung. Die wichtigsten Paragraphen bestimmen:

§ 436. Der Dienstberechtigte kann das Krankengeld auf den Lohn anrechnen, den er dem Dienstboten während der Krankheit weiterzuzahlen hat.

§ 437. Auch wo die erweiterte Krankenpflege durch die Satzung nicht eingeführt ist, hat die Krankenkasse sie auf Antrag des Dienstberechtigten oder des Dienstboten den in die häusliche Gemeinschaft aufgenommenen Dienst­boten zu gewähren, wenn die Krankheit ansteckend ist, oder wenn er nach ihrer Art in der häuslichen Gemein­schaft nicht oder nur unter erheblicher Belästigung des Dienstberechtigten behandelt oder verpflegt werden kann.

Es ist unverkennbar, daß durch das Gesetz die Lage der Dienstboten bedeutend gebessert ist. Aller- dings sind die Beiträge sehr hoch, aber die erheb­lichen Leistungen der Krankenkassen bei Erkrankung der Dienstboten können für die Dienstboten wie auch für die Tienstherrschast, die ja die Leidtragende bei dieser Neuregelung ist, ein beruhigender Gedanke fein. Weniger unangenehm wäre es empfunden worden, wenn man die doch durchweg gesunden Dienstboten nicht in die allerungünstigsten Kassen, die allgemeinen Ortskrankenkassen gesteckt, sondern bei ihrer Versicherung die Berücksichtigung ihres ge­ringen gesundheitlichen Risikos beachtet hätte. Aber heute wird daran nichts mehr zu ändern sein.

Lokales.

Fulda, 21. Oktober 1913.

f-, Tie Stadlverordneten-ErgiinzungLwahlen finden vom 4.6. November statt. Die Aufstellung der Kandidaten für diese Wahlen ist gestern abend In-einer Versammlung der Vertrauensmänner der Zentrumspartei erfolgt. Es wurden folgende Herren aufgestellt: für die 3. Abteilung: Zahntechniker Joseph Kapp, Heizer Karl Reith, Bankvorstand Georg Singer und Elektrotechniker Benedikt Trabert; für die 2. Abteilung: Schlossermeister Joseph Fleischmann, Oberpostassistent Kuhn, Hofbäckermeister Simmer und Metzgermeister Franz Kramer; für die 1. Abteilung: Architekt Fritz Adam, Fabrikdirektor Gustav Dux, Wein­großhändler Ed.Schmitt und Fabrikbesitzer Franz Sauer. Von den Kandidaten gehörten, wie bekannt, schon bisher der Stadlverordnelenversammlung an die Herren Kapp, Reith, Singer, Trabert, Fleischmann, Simmer, Adam, Dux und Sauer. Mit den vorge­schlagenen Kandidaten glaubt die Verlrauensmänner- versammlungden ihrvorgetragenenWünschenumBerück- sichtigung der Gewerbetreibenden, Beamten und Mieter nach Möglichkeit und nach Maßgabe der verfügbaren Mandate cnlsprochen zu haben. Herr Geh. Sanilätsrat

Raabe, der dem Stadtoerordnetenkollegium jetzt 40 Fahre angehört hat, hatte dringend gebeten, mit Rücksicht auf fein Alter von einer Wiederwahl Abstand zu nehmen. Die Versammlung mußt: den "Wunsch als berechtigt gelten lassen, sie anerkannte durch den Muno mehrerer Redner warm das lang« jährige treue Wirken des Herrn Geheimrats im Dienste der Stadt und beauftragte den Vorsitzenden, Herrn Reichstagsabgeordneten Müller, dem ausscheidenden Stadtverordneten .hrer dankbaren Gesinnung noch besonderen Ausdruck zu geben.

Tas hl. Sakrament der Priesterweihe wird der Hochw. Herr Bischof am Dienstag, den 28. Oft., dem Diakon Joseph C i r ö aus Hofbieber erteilen. Ter steugeweihte wird sein erstes hl. Meßopfer am Feste Allerheiligen in der Pfarrkirche zu Hofbieber feiern.

L Im Herz-Jesu-Heim der Barmherzigen Bruder hat sich gestern eine Veränderung vollzogen: Vorsteher Bruder Benedikt, der 6 Jahre dies s Imt inne hatte, wurde auf Beschluß des Generalats in Montabaur in das dortige Mutterhaus zuruckbe­rufen, um ein anderes Ehrenamt zu übernehmen. Vorsteher Benedikt ist in weiteren Kreisen der Bür­gerschaft bekannt geworden als tüchtiger, liebenswur- oiger und zielbewußter Ordensmann. Zu jeder Zeit stellte er sich gerne in den Dienst der Krankenpflege zur Tag- und Nachtzeit; hier hat er manches -vergelts Gott! mit nach Hause genommen. Ein bleibendes Verdienst hat sich der Bruder-Vorsteher um den zeit­gemäßen Neubau des Herz-Jesu-Heims in der ver­längerten Buttlarstraße erworben. Hier scheute er feine Mübe und Arbeit, fein Weg war ihm zu Weit,

Amt Geisa und Umgebung.

-||- Geismar bei Geisa, 21. Oft. 1913. Sonntag nachmittag gegen 3 Uhr wurden die Bewohner des Ortes in Schrecken gesetzt. Von unbekannten Tätern waren nämlich einige Strohschober in der Nähe des Dorfes, die dem Besitzer Leonard Weber und dem Landwirt Joseph Weder Hierselbst gehörten, in Brand gesteckt worden. Noch einmal gegen 9 Uhr gingen weitere Schober in Flammen auf. Hoffentlich gelingt es der Polizei, die Täter zu ermitteln. Der Fall kann auch den Landwirten zur Mahnung dienen, künftig­hin ihre Schober zu versichern.

« Vacha, 20. Oktober 1913. Die zum Bau eines Sechsfamilienwohnhauses für Unterbeamte am Bahnhof Dorndorf erforderlichen Arbeiten wur­den vom Eisenbahnbetriebsamt Salzungen aus­geschrieben. Vom 22. 24. d. M. soll auf allen Thüringer Strecken, in den dem Personenverkehr dienenden Zügen eine Zählung ber Steifenben vorgenommen werden. Gleichzeitig wird auch bie Zahl der in ben Zügen vorhandenen Wagen und Plätze festgestellt.

Aus Oberhessen u. den »ress. Aemtern.

* Frankenberg, 21. Oft. 1913. In der letzten Stadlverordnetensitzung stand als einziger Punkt die »Beschaffung einer neuen Akkumulatoren­batterie für das städtische Elektrizitäts­werk" auf der Tagesordnung/ Es wurde beschlossen, zur Vermeidung größerer Störungen in einer Zeit der stärksten Inanspruchnahme des elektrischen Stromes sich vorläufig mit einer Reparatur der schadhaften Batterie zu begnügen und im Mai nächsten Jahres die jetzige unter Verwendung des jetzt eingefügten neuen Materials durch eine neue vergrößerte und verbest rte Batterie zu ersetzen. Die bei diesem Um­

wenn es galt, für die neue Anstalt etwas zu erwirken. Die besten Wünsche für fein ferneres Wirken im Mutterhause zu Montabaur folgen ihm nach. Bru­der Benedikt hat in Bruder Julian, feinem seit­herigen ersten Assistenten und treuen Mitarbeiter, einen würdigen Nachfolger erhalten, der mit den hiesigen Verhältnissen wohl vertraut ist und sich beim Konvent der barmherzigen Brüder und den Kranken großer Beliebtheit erfreut. Die Stelle eines ersten Assistenten erhielt Bruder Januarius, seither in Frankfurt und früher längere Jahre in Fulda tätig. Bruder Bardo, der treue Hüter der Pfleglinge, durch seine Liebenswürdigkeit und freundliche Zuvor­kommenheit in der Stadt und besonders auf dem Lande bestens bekannt, wurde die Stelle eines zwei­ten Assistenten übertragen. Wie wir hören, sind jetzt im Herz-Jesu-Heim außer sonstigen Insassen unge­fähr 3540 Pfleglinge untergebracht. Möge die charitative Anstalt sich immer günstig weiter ent­wickeln.

A Die Frau Landgräfin v. Hessen, Kgl. Hoheit, hat, tote dem Vorsitzenden des Rhönsängerbundes, Herrn Zirkenbach, mitgeteilt toorden ist, das Pro­tektorat über das am 5. und 6. Juli kommenden Jahres stattfindende Bundessängerfest über­nommen. t m ..

Rechtzeitige Verwendung der Beitragsmarken. Das Reichsversicherungsamt hat fick in seiner grund­sätzlichen Entscheidung vom 31. Juli b. Js. auf Grunb bet Bestimmung bet Reichsversicherungsorb. nung bahin ausgesprochen, baß bei langfristigen Arbeitsverhältnissen bie Beitragsmarken spätestens in bet letzten Woche jebes Kalenber- Vierteljahtes einzukleben finb, auch wenn bie Lohnzahlung in längeren Zeiträumen stattfindet. Für bie im Jahreslohn beschäftigten Dienstboten müssen also spätestens in bet letzten Woche jedes Kalender- Vierteljahres bie Beitragsmarken entrichtet werben. Für bie gegen Tage-, Wochen- ober Monatslohn Beschäftigten finb bie Marken wie bisher, bei bet Lohnzahlung einzukleben. , Im Interesse bet Arbeit- gebet machen wir auf biefe neue Entscheidung auf­merksam.

(?) Gefährliche Einbrecher an der Arbeit. In der letzten Nacht haben hier Einbrecher ihr Hand­werk getrieben und zwar gleichzeitig an mehreren Stellen. Gelungen ist ihnen ein schwerer Einbruchs- diebstahl in der Bahnhofstraße. Dort wurde in dem Waffengeschäft von Ignaz Traut eine schmale Schau­fensterscheibe zertrümmert, die zunächst mit Schmier­seife eingeschmiert toorden toar. Dann ist ein mit Lumpen umwickelter Pflasterstein gegen die Scheibe geschleudert toorden. Durch die dadurch entstandene Oeffnung tourden aus der Schaufensterauslage 7 automatischePistolen, darunter vier kleinere, gestohlen. Weiter tourden noch etwas Munition und einige Messer mitgenommen. Man vermutet, daß der Einbruch von fremden, hier beschäftigten Arbei­tern, die sich schon öfter vor dem Schaufenster auf­gehalten haben, ausgeführt wurde. Ein Ein­bruchsversuch wurde an dem Wohnhaus Nr. 64 (C. A. Arnd) am Künzellerweg gemacht. Durch das Klirren einer Fensterscheibe wurden die Bewohner im Erdgeschoß wach und verscheuchten die Lang­finger. Die Polizei entfaltet eine emsige Tätigkeit, um die gemeingefährlichen Gesellen dingfest zu machen. Es wäre überaus wünschens­wert, daß man alsbald die Verbrecher hinter Schloß und Riegel bekäme. ..

Sport. Die Fußballwettsptele um bie Meister­schaft der Klaffe B des Bezirks Fulda nahmen am vergangenen Sonntag ihren Anfang. Daran betei­ligen sich in dieser Spielzeit sechs Vereine, darunter der Fuldaer Fußballverein und SpielvereinGer­mania". Die 1. Mannschaft des SpielvereinsGer­mania" gewann in Hersfeld gegen ben bärtigen FußballklubViktoria" nach schönem Spiel mit 5:1 Toren unb konnte so bie beiden ersten Punkte mit nach Hause nehmen.

//". Museum. Die erste Abendunterhaltung der Ge­sellschaftMuseum", welche auf den 16. d. Mts. fest­gesetzt war, mußte wegen Verhinderung deS Orchesters verschoben werden und findet am nächsten Donners­tag, den 23. Oft. statt. Der Abend ist gedacht als Symphoniekonzert für großes Orchester und gleich­zeitig als Gedenkfeier des 100. Geburtstages Richard Wagners. Das entsprechend ausgestaltele Programm verspricht einen hervorragenden Kunstgenuß, als Sym­phonie itt Nr. 8 von Beethoven gewählt, während der zweite Teil nur Werke Wagners bringt, dessen einzige musikdramatische Kunst sich auf jenen größten Altmeister aufbaut. Das ausführende Orchester ist die Kapelle des 88. Infanterie-Regiments in Mainz, bie als eine -der besten Kapellen unseres Armeekorps bekannt und hoch- geschätzt ist. Das Museum besteht nun 38 Jahre in ünferer Stadt und kein Musikfreund ober -Kenner möchte es missen. Auch im kommenden Winter soll wie seither im Rahmen der verfügbaren Mittel möglichst das Beste geboten werden und zwar in zwei Orchester- und drei Künstlerabenden. Möge der Gesellschaft noch mehr als früher rege Unterstützung für ihre Tätigkeit zuteil werden.

bau unvermeidlichen mehrtägigen Störungen machten sich in der bedarfsärmeren Jahreszeit, in welcher Den Arbeiten auch der höhere Wasserstand zur direkten Stromabgabe zugute kommt, für die Abnehmer nicht so störend bemerkbar.

* Oberurff, 20. Oft. 1913. Tas hier gelegene, dem hier refibierenben Prinzen . Philipp von Hanau gehörige Rittergut, w.lches feit acht Jahren in Pacht des Rittergutspächters llecter m ann jft, bleibt auf eine weitere Pachlperiode in dessen Händen.

[:] Treysa, 20 Oktober 1913. Am vorigen Samstag fand hierselbst im Gasthaus zurBurg" eine Ver- sammlung des Eisenbahn-Vereins Treyfa statt. Dazu hatten auf Veranlassung der Direktion zu Kassel alle abkömmlichen Beamten Einladung und freie Fahrt erhalten. Herr Regierung "rat Van- hays sprach über Bestrebungen in der Jugendpflege und regte zur Gründung eines diesbezüglichen Vereins an, welcher auch zustande kam, da sofort gegen 100 Beamte beitraten. Der Verein wurde gegründet im Anschlüsse an die Turn- und Spielvereinigung des Kreises Ziegenhain. Vom Tirektionsvertreter wurden 200 Mk. zur Beschaffung von Turn- und Spielgeräten zur Verfügung gestellt. Wie schon erwähnt, hatten an dem kürzlich in Ziegenhain abgehaltenen Kursus für Jugendpflege mit Unterstützung der Direktion mehrere" Eisenbahnbeamte teilgenommen.

vermischter.

* Die Einführung der Schlafwagen dritter Klasse auf den deutschen Eisenbahnen, die verschiedentlich be­antragt toar, ist als endgültig abgelehnt zu betrach­ten. Das Verkehrsamt der rechtsrheinischen baye­rischen Staatseisenbahnen erklärte die Verhandlungen deshalb für aussichtslos, weil die kleineren Nachbar­verbände Württemberg und Sachsen, die ebenso wie Bayern keine eigenen Schlafwagen 1. und 2. Klasse besitzen, zur Vornahme solcher kostspieligen und we­nig aussichtsvollen Versuche nicht zu bewegen sein würden. Die preußische Eisenbahnverwaltung, die für die Vornahme solcher Versuche allein in Frage kommen könnte, habe sich aber bereits in ganz be­stimmter Weise gegen die Einführung von Schlaf­wagen 3. Klaffe ausgesprochen.

* Die Bescheinigung über die verweigerte Be­scheinigung. Tiejerngen, die zu Fuß eine Reise um d'ie 'W elt machen, lassen sich gewöhnlich von den Stadtverwaltungen bestätigen, daß sie die betref­fenden Orte passiert" haben. Zur Ausstellung solcher Urkunden haben die Städte wenig Anlaß. Da zudem die Fußreisen um die Welt überhand nehmen, ordnete der Oberbürgermeister von Dortmund an, daß künftig diese Bescheinigungen nicht mehr ausgestellt werden sollten. Als vor einigen Tagen eine junge Rumänin zu dem Rathause kam, sich als Weltreisende vorstellte und um die bekannte Bescheinigung bat, antwortete man ihr, daß diese Bescheinigungen nicht mehr ausgestellt würden. Da sagte die kluge Rumä­nin: Können Sie mir nicht bescheinigen, daß solche Schriftstücke nicht niehr ausgestellt werden? So ge- schah's. Man fitste nun ein Schriftstück folgenden Inhalts auf: Der Dame N. N. wird bescheinigt, daß sie auf dem Rathause toar und eine Bescheinigung wünschte. Da solche Bescheinigungen nicht mehr aus­gestellt werden, konnte dem Wunsche leider nicht ent­sprochen werden.

Konflikt zwischen Staatsanwalt und Gerichts­präsident. Daß ein Staatsanwalt den Gerichtspräsi­denten wegen Befangenheit ablehnt, die­ser in der Gerichtspraktik wohl einzig dastehende Fall, ereignete sich, dieser Tage vor der Strafkammer in S t o l P i. P. Unter der Anklage der Urkundenfäl- Shung und des versuchten Betruges hatte sich der aus ent Zuchthause vorgeführte frühere Besitzer von Skowronsky aus Recklinghausen zu verantworten, und zwar waren seine Straftaten auf zwei hintereinander folgende Termine verteilt. Vor Eintritt in die Ver­handlung der ersten Strafsache beantragte der Staats­anwalt, die zweite Strafsache als erste zu verhandeln, damit die Beweisaufnahme in der ersteren wesentlich erleichtert werde. Ter Vorsitzende, Landgerichtsrat Lang-Heinrich, erklärte darauf:Da kommt ja doch nichts dabei heraus!" Als nun der Staatsanwalt auf seinem Anträge bestand, um die Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen zu verstärken, erklärte der Vor­sitzende:Der Zeuge sei ein unsicherer Kantonist." Der Staatsanwalt beantragte nunmehr, eine Reihe von Zeugen aus einer Schwurgerichtsverhandlung gegen den Angeklagten zu laden. Als der Vorsitzende dies ablehnte, lehnte der Staatsanwalt den Vorsitzen­den wegen Befangenheit ab. > Die unter dem Vorsitz eines neuen Richters gebildete Spruchkammer wies aber den Antrag des Staatsanwalts als unbe­gründet zurück. Der Staatsanwalt legte sofort Beschwerde gegen den ablehnenden Bescheid ein. Die Sache selbst fiel nun der Vertagung anheim.

Vierfacher Mord eines Strafgefangenen. Ein furchtbares Verbrechen ist in Rovato bei Brescia be­gangen toorden. Der in seiner Jugend zu 25 Jah­ren Gesängnis verurteilte Giuseppe Basetti hatte während seiner Gefängniszeit seiner Familie Rache geschworen. Als er vor einiger Zeit aus dem Gesängnis entlassen wurde, drohte er, seinen Vater ermorden zu wollen. Daraufhin wurde er von neuem verhaftet und wieder verurteilt. Als er nun am Samstag abermals in Freiheit gesetzt worden toar, suchte er zunächst bei seinem Schwager Unterkunft und verschaffte sich später einen Revolver. Er ver­ließ heimlich das Haus seines Schwagers und schlich sich nach dem elterlichen Hause. Sein Schwager, der das heimliche Entfernen Basettis beobachtet hatte, rief sofort einige Leute zusammen, um mit ihnen nach dem Hause der Eltern Basettis zu eilen und ein Verbrechen zu verhindern. Leider kamen die Leute zu spät. Tie Tat war bereits geschehen, das Eltern­haus Basettis stand tn hellen Flammen. Bald nach der Feuerlegung erschien die Schwester des Täters am Fenster, die sofort Lärm schlug, als sie die Gefahr erkannte. Jetzt kamen nun die übrigen Familienmitglieder, um sich aus dem brennenden Hause zu retten. Der Mörder hatte vor der Haus­tür große Haufen Stroh angehäuft und diese entzün­det, sodaß die Familienmitglieder an ihm einzeln vorbei mußten. Er hatte nun hinreichend Gelegen­heit, seine Angehörigen, Vater, Bruder, S ch w e st e r und S ch w ä ge r i n, niederzuschicßen. Dem Unhold entkam nur das fünfjährige Kind seiner Schwester, das die grauenhafte Tat ansehen mußte.

* Neue Grubenexplosion in Sühtoales. Noch ist das Feuer in der Universalgrube bei Cardiff nicht ge­löscht, und schon kommt aus Südwales eine neue Un­glücksbotschaft. Diesmal fand in der Glyneagrnbe bei LlancÜY eine Explosion statt. Nenn Berg- ! I e u t e wurden s ch to e r verletzt; int ganzen haben etwa 15 0 M a n n Verletzungen davongetragen.

M 244.

Dienstag 2(. Dttober 1915.

Handel und Industrie.

Tf Berlin, 20. Oft. 1913. Die schwierige Beur­teilung der politischen Lage erzeugte an der Börse Nervosität, die sich in den Kursschwankungen der kitenDen Papiere funögab. Die Erleichterung des Geldmarktes und die optimistische Auffassung der Auslandsbörsen blieb ohne Einfluß. So zeigte die Börse eine matte Haftung. Privatdiskont unver­ändert.

Märkte.

* Frankfurter Getreidemaritbericht vom 20. Oft. 1913. Bei seht flauem Geschält waren die Preise in Land­ware heute stark rückgängig, während alle anderen Artikel ohne Preisveränderung. _ Es notierten je nach Qualität: Weizen, hiesiger und Wetterauer 19,0019.25 Mark, ans dem Lande abgeholt 18.40 bis 19.50 Mark, kurhessischer 19.0019.25 Mark, nord­deutscher 19.1019.25 Mark, Manitoba 22.50 bis 23.00 M., Kansas 22.7523.00 M., russischer Nieolajrff 22.7523.15 Mark, Saxonska 22.7523.00 Mark, Ulka 22.5023.00 Mark, Azima 22.2522.75 M., La Plata 22.5023.00 Mark, rumän. 22.7523.50 Mark, Sa- mara 22.5023.00 M. Roggen: hiesiger, 16.30 bis 16.40 M., auf dem Lande abgeholt 15.6015.75 M., lurhefsischer 16.6516.75 Mk., nordd. 16.9017.10 Mk., russischer 17.5018.00 M Amerikaner 00.0000.00 M., Walia Malta 00.0000.00 M. Gerste: hiesige 17.00 bis 17.35 Mark, Pfälzer 17.25-17.75 M., fränkische 17.25-17.50 M., Riedgerste 17.1517.50 M., ungarische 24.0024.50 M.Hafer: hieß u. Wetterauer 1625 bis 17.00 M., kurhess. 16.50-17.25 M.,bayer. 16.7517.25 M., La Plata 17.00 17.50 M., russischer 18.50-18.75 Mark. Mais sMixed) 15.0015.10 Mark, Donau- mais 14.7515.00 M., La Plata 14.8014.90 Mark, Cinqantin 18.50-19.00 M., russischer 00.0000.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. Mehl: stetig. Es notieren nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 31.5031.75 Mark, südd. Nr. 0 00.0000.00 M., hiesiges Nr. 1 29.50-29.75 M., süddeutsches Nr. 1 00.00 00.00 M., hiesiges Nr. 3 26.50-26.75 M., süddeutsches Nr. 3 00.0000.00 M hiesiges Nr. 4 22.5022.75 Mark, süddeutsches Nr. 4 00.0000.00 M. Roggenmehl,hiesiges, Nr.025.50 bis 26.00 M., do. Nr. 01 24.5025.00 M., do. Nr. 1 23.5024.00 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. Futterartikel: stetig. Weizenschalen 9.75-10.00 Mk., Weizenkleie 9.009.25 Mark, Roggen, {leie 10.9011.15 M., Weizen - Futtermehl 14.00 bis 14.50 M., Biertreber, getrocknet, 12.7513.00 M., Malz­keime 11.75-12.00 M., Rapskuchen 13.5014.00 Mk., Palmkuchen 14.7515.00 Mark, Futtergerste 13.75 bis 14.00 Mark. Weizenschale und Weizenkleie inklusiv Sack. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10000 Kilo.

* Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarft- preise vom 20. Oktober 1913. Auftrieb: 0000 Rinder c einschließlich 36 aus Oesterreich-Ungarn), darunter 469 Ochsen, 41 Bullen, 781 Färsen und Kühe, 310 Kälber, 111 Schafe, 2326 Schweine. Preise für 1 Zentner, Rinder: A. Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes 1. im Alter von 47 Jahren sLebendgewicht) 5357 Mark, sSchlachtgewicht) 95 bis 98 Mark, 2. die noch nicht gezogen haben (ungejocht) Lebendgewicht) 53 55 M., sSchlachtgewicht) 9598 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete sLebendgew.) 4952 M., sSchlachtg.) 8995 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere sLebendgew.) 4547 SOL, sSchlachtgew.) 8387 Mark, d. gering genährte jeden Alters [Sebenbgero.] M., sSchlachtgew.) M. 8. Bullen: ». voll­fleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes sLebend- gewicht) 5053 Mark, sSchlachtgewicht) 8388 Mark, b. vollfleischige jüngere (Lebendgewicht) 4649 Mark, sSchlachtgew.) 8084 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere sLebendgewicht! 40 42 Mark. Schlachtgewicht 7276 Mark. C. Färsen und Kühe: a. vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes sLebendgewicht) 5053 Mark, )Schlacht­gewicht > 8995 Mark, b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren [Sbgero.] 4750 M., sSchlachtgew.) 8789 M., c. 1) wemg gut entwickelte Färsen sLebendgew.) 4449 M., sSchlachtg.) 8594 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe uno wenig gut entwickelte jüngere Kühe sLebendgew. 4246 M., sSchlachtgew.) 7886 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen sLebendg.) 3440 SOL, sSchlachtgew.) 6880 SOI., e. gering genährte Kühe und Färsen sLebendgew.) 2832 Mark, sSchlachtgew.) 6473 M. D. Gering genährtes Jungvieh ^Fresser) sLebendgew.) 0000 M., sSchlachtg.) 0000 Mark. Kälber: a. Doppelender feinste Masi sLebendgew.) 0000 Mk., sSchlachtgewicht) 0000 Mk. b. fernste Mastkälber sLebendgew.) 00OO SOL, sSchlacht- gewicht) 0000 SOI., c. mittlere Mast- und beste e>aug< kalber sLebendgew.) 6468 M., sSchlachtg.) 108115 M., d. geringere Mast- und gute Saugkälber sLebendgewicht) 6063 M., sSchlachtgew.) 102107 M., e) geringe Saug, kälber sLebendgewicht) 0000 Mark, sSchlachtgewicht 0000 Mark. Schase: A. Weidemastschafe: a. Mast- lämnter und Masthämmel sLebendgewicht) 4546 Mark, sSchlachtgewicht) 9496 M., b. geringere Masthämmel und Schafe sLebendgewicht) 00 Mark, sSchlachtgewicht 00 Mark. B. mäßig genährte Hammel und Schafe !Merzschafe) sLebendgewicht) 00 Mark, sSchlachtgewicht) 00 Mark. Schweine: a. vollfleifchige Schweine von 80100 kg Lebendgewicht sLebendgewff 6264'/, Mark, sSchlachtgewicht) 8082 Mark, b. vollfleifchige Schweine bis 80 kg Lebendgewicht sLebendgewicht) 6264 Mark, sSchlachtgew.) 78-80 Mark, c. vollfleischige Schweine von 100120 kg Lebendgew. sLebendgew.) 6265 M., sSchlachtgew.) 7881 Mark, d. vollfleischtge Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht sLebendgewicht) 63 bis 65 Mark, sSchlachtgewtcht) 80 bis 82 Mark, e. Fetischweine über 150 kg Lebendgewicht sLedend- genncht) 00 Mark, sSchlachtgwtcht) 00 Mark, f. unreine Sauen und geschnittene über sLebendgew.) 00-00 M., sSchlachtgewicht) 0000 M. Bon den Schweinen wurden am 20. Oktober verkauft: a. Lddgew. zum Preise von 68'/, M. 0 Stück, von 66 M. 00 Stück, 65V, M. 50 Stück, von 65 M. 155 Stück, von 64-/, M. 54 Stück, von 64 M. 163 Stück, von 63V. M. 32 Stück, von 63 M. 102 Stück, von 62V, M. 68 Stück, von 62 M. 48 Stück, von 61V, M. 6 Stück, von 61 M. 0 Stück, von 60 Mk. 0 St., von 59 ML 0 Stück. b. Schlacht­gewicht zum Preise von 86 3)1. 0 Stück, von 85 M. 0 Stück, von 84 Mark 17 Stück, von 83 M. 195 Stück, von 82V, M. 0 Stück, von 82 M. 412 Stück, von 81V,: AL 0 Stück, von 81 M. 156 Stück, von 80 M 291 Stück, von 79-/, M. 0 Stück, von 79 M. 26 Stück, von 78-/» M. 10 St., von 78 M. 174 Stück, von 77 M. Stück, von 76V, Mark 96 Stück, von 75 M. 5 Stück, vo« 1A Mark 10 Stück, von 73 Mark 0 Stück, von 70 M. 10 Stü-L, Marltverlauf: Am Rindermarkt reger Geschäft-aang und unbedeutender Ueberstand. Kälber werden bei langsamem und Schafe bei ruhigem Handel ausverkauft. Der Schweins- markt verlief mäßig rege und hinterläßt Ueberstand. Marktverlegung: Der Markt vom Donnerstag, 23. Oktober, findet Mittwoch, 22. Oktober er. statt.

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