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Huldaer Zeitun

s Ziehungsliften der preußisch-süddeutschen Xlassen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, a

40. Zahrgang.

Dienstag den 21» Oktober 1913

Erstes Blatt.

Nr. 244

r. n IHonats-Beilage: z z

Zuldaer Seschichtsblätter

:: :: Wachen-Beilage: z S

Illustrierte Sonntagszeitung

Erichelra tflgttd) mit fiusnobme 6er Sonn- und Feiertage, viertel­jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie ausroflrts 1.50 Mark. •••• Rotationsdruck und Verlag der L S Zuldaer flctienörudrerei in Zulda. Semfpredjer Nr. 9. - -

flnjelgen: Der Raum einer dntpaltlgen Ceionelielte, 47 m» «re«, «alter H Pf#, Reklamen: Der Raum einer Coloneticile, 74 mm krelt, «ostet 40 Pf» Bei CDieöerholungen Rabatt $ür Offert- und tluskunflan)elgen 20 Pf. extra. J» Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig. CrfCllungsorf für da, ein- klagen »an Joröerungen ist Sulla. fln;eicen-Pnnahme bis 10 Uhr aormittag*. a :: Gröbere fln;elcer> erbitten wir uns tags vorher. S ■

ncralabjutanten die

Fahri nach Berlin sogleich sort- n Zweifel daran, daß der Kaiser

gekochte Käse —

„Ein fürstliches Mahl!" wie Felicie jubelnd aus- ruft.

„Wie war's heut im Theater?" fragt Frau Mackah boll Jnteresfe, während sie den aromatisch duftenden Tee in die zierlichen Tassen gicßi.

„Großartig!" Felicie klatscht in die Hände. „Ein einziger Triumphzug für Norbert! Sein Glück ist gemacht!"

In den müden Augen der alten Frau leuchtet es auf. Voll unendlicber Zärtlichkeit ruht ihr Blick auf dem lachenden Gesichtchen der Tochter und schweift dann forschend zu Barrington hinüber.

„Tann könnt Ihr wohl bald heiraten? Lange Verlobungen sind Unsinn!"

□ Die badischen Laudtagswahlen

finden heute statt. Ihrem Ausgang sieht man aller- wärts mit der größten Spannung entgegen.

Wie in den Jahren 1905 und 1909, haben auch diesmal sich die liberalen Parteien Badens mit der Sozialdemokratie zum Block vereinigt. Während aber früher die Vereinbarungen zwischen der rotbun­ten Blockbrüderschaft erst für die Stichwahlen in Frage standen und zustande kamen, mußte diesmal schon ein Abkommen für die Hauptwahlen ge­troffen werden.

Diese Aenderung wurde verursacht durch eine Ankündigung des bad. Zentrumssührers Wacker, daß das Zentrum bei den Wahlen die rechts­stehenden nationallibcralen und auch einige fort­schrittliche Kandidaten gegen die Sozialdemo­kratie unter st ützen werde, und zwar ohne irgendeine Gegenleistung zu verlangen. Ursprünglich war vereinbart, daß in jedem Wahlkreis nur ein liberaler Kandidat aufgestellt werden solle, und daß jeweils der nationalliberale die Unterstützung der fortschrittlichen Mähler, der fortschrittliche Kandidat

in ihrem abgeschabten, schwarzen Kleid hinüber und bleiben an Felicies Anzug hängen. Sein verfeiner- ter Künstlergeschmack empört sich gegen die überall zur Schau getragene Armut und Nachlässigkeit.

„Nimm das Ding ab, Lieh!" befiehlt er dem jungen Mädchen mit einem mißbilligenden Blick auf ihren schlanken Hals, an dem sich eine übergroße, un­echte, mit Simili-Diamanten verzierte Brosche brüstet — ihr Theaterschmuck. „Und nun zum Abendessen, Frau Mackah! Ich habe fürchterlichen Hunger!"

Bald sitzen alle Drei um den sauber gedeckten Tcetisch.

Hier wenigstens spürt man nichts von Armut und Entbehrung. Lustig flackert die Flamme unter dem kupfernen Teekessel. Zucker- und Salmennaps sind

„Laß mich, Norbert! Ich bin heut so glücklich — so glücklich —"

Burr'x.g^ns Augen übe,sth-gen die bärfrcr» Ein- .... ................... w .......

Mtung drb Ziaun«s, — der »’-cn u. Uü. — ein echtes, »jlüüverttärteS Mädchcnbitd.

aus echtem Silber — ein Zeichen vergangener, bes­serer Tage; auf weißen Porzellan-Platten thronen gekochte Eier, kaltes Fleisch, geröstetes Brot und

setzte. Es ist gar kein Zweifel daran, daß der Kaiser den Wunsch empfand, mit dem Kronprinzen eine ernste Aussprache zu halten. Die Tatsache, daß der gegen das Verhalten der Reichsregierung protestie­rende Brief des Kronprinzen an den Reichskanzler in seinem wesentlichen Inhalt ösfentlich bekannt wurde, mag den Kaiser tief verstimmt haben. Dem Kaiser kann es nicht gleichgültig sein, wenn so knapp vor der Entscheidung des Bundesrats über die braun­schweigische Thronsötgefrage der preußische Thronerbe Schritte unternimmt, die Unruhe schaffen und die öffentliche Meinung verwirren könnten. Die obige halbamtliche Mitteilung soll nun offenbar dem Aus­gleich und der Beruhigung dienen.

Der Kronprinz hat darnach auf das Schreiben des

Reichskanzlers geantwortet, und zwar aus Hopfreben am vergangenen Freitag. Ort und Datum werden ausdrücklich hervorgehoben, damit man nicht glauben soll, der Kronprinz habe sich zu diesen Erklärungen erst infolge der Besprechung mit seinem Vater ver­standen. Für diesen Zweck wäre es freilich noch wirk­samer gewesen, wenn der Reichskanzler bereits in der Sonntagsnummer des offiziösen Blattes, vor der Aussprache zwischen dem Kaiser und seinem Sohne, die Oeffentlichkeit von dem zweiten Schreiben des Kronprinzen unterrichtet hätte.

In dem Antwortschreiben aus Hopfreben hat nun der Kronprinz „sein lebhaftes Bedauern darüber ausgesprochen, daß sein Privatbrief an den Reichskanzler öffentlich erwähnt worden ist." Wenn die Veröffentlichung gegen den Willen des Kron­prinzen erfolgt wäre, so würde das aber gewiß er­wähnt worden sein. — Bezeichnend ist der Ausdruck „Privatbrief". Damit stellt der Reichskanzler öffentlich fest, und zwar allem Anschein nach unter Zustimmung des Kronprinzen, daß letzterer nicht in irgend einer Amtsausübung, sondern nur als Mit­bürger dem Reichskanzler seine Ansichten vorgetragen habe.

„Völlig falsch" — so hat der Kronprinz weiter er­klärt — „sei die Auslegung eines Teiles der Presse, als stelle er sich in Opposition zum Kaiser". Der Wortlaut des ersten Schreibens ist nicht bekannt geworden. Der in den „Leipz. Neuesten Nachr." er­

schienene Auszug ist jetzt sreilich bedauert, aber nicht als unrichsig bezeichnet worden. Darnach hatte der Kronprinz sich dahin ausgesprochen, daß Prinz Ernst August erst klipp und klar aus Hannover verzichten müsse, ehe er m Braunschweig zugelassen werden könne. Das war ein Widerspruch gegen die Politik, die der Reichskanzler als verantwortlicher Minister betrieb. Eine „Opposition zum Kaiser" lag f o r m e l l nicht vor. Aber in der Presse hatte sich schon eine scharfe Kritik gegen die „Hauspolitik und das per­sönliche Regiment" des Kaisers erhoben. Wenn der Kronprinz besonnene Ratgeber um sich gehabt hätte, dann würden sie ihn daraus aufmerksam gemacht ha­ben, daß unter diesen Umständen sein Eingreifen wie eine Gegensätzlichkeit zum Kaiser aufgefaßt wer­den würde. Der Ausdruck „völlig falsch" ist also wohl dahin aufzufassen, daß diese Auslegung seines Schrittes dem Kronprinzen bedenklich unangenehm geworden ist.

Schließlich bringt die halbamtliche Mitteilung ein sachliches Zugeständnis, das freilich sehr vor­sichtig abgemessen ist. Der Kronprinz hat „dem Reichskanzler erwidert, daß dessen Schreiben für ihn zur Klärung der Angelegenheit wesent­lich beigetragen habe". Die Klärung ist also gefördert worden, aber es wird nicht gesagt, daß sie v o l l e n d e t sei. Der Satz enthält eine Brücke, auf welcher der Anschluß an die amtliche Politik er­reicht werden kann. Es wäre erfreulich, wenn bald gemeldet würde, daß die Brücke benutzt worden ist. —

Wir müssen uns mit der halbamtlichen Beschwich­tigungsnote vorläufig begnügen. Was bei der Zu- sammeykunft am Sonntag zwischen dem Fami­lienoberhaupte und dem ältesten Sohne ge- sprachen worden ist, weiß man nicht; diejenigen, die sensationelle Meldungen in die Welt setzen, wissen es erst recht nicht. Nach der politischen Seite hin liegt in dem zweiten Schreiben des Kronprinzen eine gewisse Genugtuung, und wenn der unangenehme Zwischenfall noch nicht vollständig ausgeräumt ist, so ist doch seine bedenkliche Wirkung wesentlich gemildert. Hoffen wir, daß'die weitere Entwicklung der Dinge auch fernerhin „zur Klärung wesentlich beitragen" wird. Die Hauptsache ist, daß der Bundesrat u n- vorzüglich einmütig das Friedenswerk un­ter Dach und Fach bringt. Dann muß aber auf allen Seiten dafür gesorgt werden, daß keine wei­teren Störungen, Rückschläge und Aergernisse ein­treten.

Das gilt nicht allein für die alldeutschen Heiß­sporne und Eiferer,, sondern auch für die Freunde des Welfenhauses. Blinder Eifer schadet nur.

Zn der Schule des Leidens.

8J Roman aus dem New-Iorker Leben.

Von Erich Friesen.

„Natürlich komm' ich mit!" erwidert er freund­lich; doch liegt es auf seiner klaren Stirn wie eine Wolke. Also auch die Mutter teilt Felicies törichte Eifersucht! . . .

Hastig zieht er die Glocke am Eingang eines un­scheinbaren Häuschens in der Kanalstraße.

Sofort öffnet eine ältliche Frau. Man sieht sie hat die beiden schon erwartet. Ihr bleiches, vergräm­tes Gesicht drückt Sorge und Befriedigung zugleich aus beim Anblick des jungen Paares. Das grau- inelierte, dünne ^aar ist fast versteckt unter einer schwarzen Spitzenhanbe. Ter Ausdruck des ganzen Gesichts mit seinen unbestimmten, nichtssagenden Zü' gen lägt den Stempel des Unfertigen. Nur 'bie schwarzen Augen — Feliciens Augen — zeigen noch Feuer unb Willenskraft.

„Willkommen, Barrington!" ruft sie erfreut, bem jungen Manne bie Hand entgegenstreckenb. '„Ein guter Biffen erwartet Euch. Unb — Tee hab' ich gemacht — Tee! Niemand in ganz Newhi k weiß ben Tee so zu bereiten wie ich. Unb ber Kncb-n —"

„Ist ber Vater zu Hause?" unterbricht Felicie ben Redeschwall ihrer Mutter.

„Nein, mein Herzblatt. Unb er kommt auch heut nicht mehr — Gott sei Tank!"

Ein Seufzer ber Erleichterung hebt Felicies Brust. Hastig reifet sie sich ben kleinen, runden Hui vom Kopf, so daß das glänzend schwarze Loc'enge- ringel frei über Schultern unb Rücken lnrabwallt. Dann faßt sie ihren Bräutigam bei den Händen und tollt mit ihm im Zimmer herum, bis sic erfchöpft und außer Atem in einen Sessel sinkt.

„Aber Liev —"

„Das mein ich auch, Frau Mackah", stimmt Nor­bert bei, indem er behaglich ein Ei ausschlürft. „Ich lasse mich gern in Fesseln legen. Den Tag mag Siel) bestimmen!"

„O, ich hab' keine Eile!"

Fclieie blickt auf ihren Teller nieder. Ein reizen­der Ausdruck von Schüchternheit unb Zurückhaltung piegelt sich in ihren beweglichen Zügen.

” ein diesem Augenblick ist Felicie Mackav wunder-

§ Kaiser und Kronprinz.

Zum Schreiben des Kronprinzen an den Reichs kanzler wird in der,Nordv. Allg. Ztg/ halbamtlich erklärt:

Auf das von uns erwähnte Schreiben des Reichs­kanzlers an Seine Kaiserliche Hoheit den Kronprinzen in Sachen der Braunschweigischen Thronfolge hat, wie wir erfahren, der Kronprinz in einem Briefe aus Hopfreben vom 17. d. Mts. sein lebhaftes Be­dauern darüber ausgesprochen, daß sein Privatbries an den Reichskanzler öffentlich erwähnt worden ist. Völlig falsch sei die Auslegung eines Teiles der Presse, als stelle er ich in Opposition zum Kaiser. In der Sache jelbft hat der Kronprinz dem Reichslanzler erwidert, daß dessen Schreiben für ihn zur Klärung der Angelegenheit wesentlich bei­getragen habe.

Es ist schon gemeldet worden, daß der Kronprinz seinen Jagdaufenthalt in Hopsreben bei Bregenz vor­zeitig abgebrochen hat. Erst am Geburtstage der Kai­serin wollte das Kronprinzenpaar in Berlin eintref­fen, um der Kaiserin persönlich seine Glückwünsche auszusprechen. Vorher wollte es in München einige Tage Aufenthalt nehmen. Am Samstag aber fuhr der diensttuende Generaladjutant des Kaisers von Gontard dem Kronprinzenpaar entgegen, das bereits aus Hopfreben nach München unterwegs war. Er erreichte ben Kronprinzen in Jmmenstabi, bie Kron­prinzessin stieg in München allein aus, währenb ber Kronprinz ohne auszusteigen, in Begleitung bes Ge-

bte Unterstützung ber nationalliberalen Wähler finben solle. Da jedoch die Sozialdemokratie befürchtet hatte, daß durch die angekündigte Unterstützung des Zen­trums einige Rechtsnationalliberale schon im ersten Wahlgange zum Siege geführt werden könnten, unb zwar in Wahlkreisen, die bis jetzt,die Sozialdemokra­tie besaß, so hat sie die Liberalen gezwungen, den so­genannten liberalen Kleinblock insofern zu duichbre- chen, als in einigen Wahlkreisen zwei liberale Kandidaten ausgestellt werden sollen, so daß keiner den Sieg im ersten Wahlgange davontragen könne, und dann beide im zweiten Wahlgange zugunsten der Sozialdemokratie zurückgezogen werden können.

Diese Abmachung vom 1. Juni erregte in natio­nalliberalen Kreisen eine lebhafte Polemik. Am 22. Juni fanden dann gleichzeitig Landesversammlungen der drei Blockparteien statt (Nationalliberale in Karls­ruhe, Fortschrittler in Offenburg, Sozialdemokraiie in Freiburg). Die Abkommen (betreffend Kleinblock für die Hauptwahl bezw. Großblock für die Stichwahl) wurden von Fortschrittlern und Sozialdemokraten einstimmig, von den Nationalliberalen gegen 7 Stim­men gutgeheißen. Nationalliberale und Fortschrittler sprachen dabei die Erwartung aus, daß dem nächsten Landtag ein Entwurf betreffend Einführung der Ver­hältniswahl vorgelegt werde, wodurch man später solchen Blockabkommen enthoben zu sein hofft.

Das gegenwärtige badische Landtagswahlsystem ist aber noch so jung, haß die Regierung sich sehr hüten wird, zugunsten des liberalen Klüngels schon wieder ein neues Wahlrecht zu schaffen.

Im ganzen sind an Kandidaturen für die 73 Wahlkreise aufgestellt: 54 nationalliberale, 29 volks­parteiliche, 73 sozialdemokratische, 50 Zentrumskan­didaturen und 23 konservative, bündlerische, reichs­parteiliche.

Das Zent rum hat in mehreren Bezirken, die der Reichspartei, den Konservativen und dem Bund der Landwirte gute Aussicht auf Erlangung des Man­dats bieten, auf die Aufstellung eigener Kandidaten verzichtet und unterstützt die Kandidaten dieser Par­teien im ersten Wahlgang; so in Adelsheim-Boxberg, Sinsheim, Eppingen-Sinsheim-Wiesloch, Mannheim- Schwetzingen, Schwetzingen, Bruchsal-Durlach, Sur« lach-Ettlingen-Pforzheim, Pforzheim, Karlsruhe (42. und 44. Wahlkreis), Lahr-Offenburg und Emmen­dingen. Es unterstützt nationalliberale Großblockgeg­ner in Rastatt, Lahr, Heidelberg-Wiesloch und Heidel- berg-Eberbach. Die Aussicht, Rotblockgegner hier zum Siege zu führen, ist gut, in mehreren dieser Bezirke zweifellos sicher. Im eigenen Besitze sind die Zen­trumssitze in Bruchsal, Villingen, Freiburg I unb Freiburg-Emmendingen durch den Rotblock gefährdet. Aussicht auf Hllandatsgewinn für das Zentrum bieten die jetzt nationalliberal vertretenen Bezirke Meßkirch- Stockach, Engen-Konstanz, Donauefchingen-Engen, Freiburg ]J, ber Demokratenfitz Offenburg unb der von der Sozialdemokratie besetzte Bezirk Ettlingen- Karlsruhe-Rastatt.

Deutfehes Reich.

** Berlin, 20. Oft. 1913. Der Kaiser wird am Donnerstag abend Berlin verlassen und die Reise nach Konopischt zur Jagd beim Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand antreten. Am Sonntag vormittag kommt der Kaiser nach Wien und reist am Abend wieder nach Berlin zurück, wo die Ankunft am Mon­tag nachmittag gegen 2 Uhr zu erwarten ist. — lieber den Zusammentritt des R e i ch s t a g e s ist eine Ent- scheidung laut „Magdeb. Ztg." noch nicht getrof­fen worden. Das Hans ist bekanntlich bis zum 20. November vertagt worden. Die Angabe, daß es der Präsident zu diesem Tage bereits einberufen würde, erschien jedoch von vornherein fraglich, da der 20. der Tag nach dem Bußtag ist. — Eine stärkere Heran­ziehung der s ü d d e utschen Industrie bei Auf-

Auch Norberts Augen ruhen voll Begeisterung auf dem lieblichen Mädchen. Wie schön muß sie erst sein, wenn ihre schmalen Wangen sich runden, wenn die jetzt noch kindliche Figur an Fülle und Reife ge­winnt!

„Gewiß hat es Eile!" eifert die alte Dame. „Lieh ist nur bescheiden und schamhaft, wie es sich für ein junges Mädchen ziemt. Sie weiß auch, daß — war­um soll ich es Barrington nicht sagen?" unterbricht sie sich plötzlich, als Felicie eine ängstlich abwehrende Bewegung macht. „Einmal muß er es ja doch wissen —"

Felicie steht auf und schiebt nervös ihren Teller von sich fort.

„Aber noch nicht jetzt!"

„Warum noch nicht jetzt?"

„Wir haben schon so viel gelitten, Mutter! Ich fürchte, das Glück — entschwindet uns wieder!"

„Drum wollen wir es festhalten — gleich, sofort!"

Noch zögert Frau Mackah einige Augenblicke: bann toenbet sie sich entschlossen zu bem jungen Manne.

„Sie haben sich mit Lieh nicht verlobt, weil Sie glaubten, wir seien reich, nicht wahr, lieber Schwie- gersohn?"

„Olein, Fran Mackah. Wie fommeir Sie barrauf?"

„Hm, ich meinte nur —"

Wieder stockt sie. . . .

Felieie hält ihr Köpfchen tief gesenkt. Die ganze Haltung ihres Körpers drückt eine Spannung und Unterwürfigkeit aus, als erwarte sie soeben den Rich­terspruch über Leben und Tod.

„Mollen Sie damit andeuten, baß Lieh nichts mit in bie Ehe bringt?" fragt Norbert ernst.

Tie alte Dame nickt.

„Mein Mann ist in Gclbkalamitätcn —"

„Tas gebt säst allen Menschen so, Frau Mackah. Darum machen Sie sich keine Serben! Ich siebe Fclizie nicht um ihrer Msist't, forbevn um ihrer si.Est willen. Komm her -n mir, Lieh! Ich muß mit Dir sprechen!"

Er le./nt sich in seinen Stuhl zurück und schlägt ein Bein über ba3 andere. Die Bewcmun^

trägen für bie Marine soll erfolgen. Zwischen bem Reichsmarineamt unb ber Münchener Hanbelskammer haben bieser Tage biesbezügliche Besprechungen statt- gefunben. — Der Kommandant des zweiten See­bataillons Oberstleutnant v. Lettow-Vorbeck, wurde zum Kommandeur der Schutztruppen in Ka­merun ernannt.

* Der neue Marineetat für 1914 wirb sich um einige Millionen niedriger gestalten wie der Marineetat für das laufende Jahr, der 467 Mill. Mk. betrug. Die Erfordernisse belaufen sich zuzüglich der für das Jahr 1914 oorgeiebenen Mehrausgaben durch die letzte Marinenovelle und die zweite Rate für die neue „Hohenzollern" auf etwas über 460 Mill. Dazu treten noch Mehrausgaben, die durch die Erhöhung der Deckotfiuersgehäller verursacht werden. Das neue Kaiserschiff soll im Laufe des Jahres 1914 fertigge­stellt und 1915 seiner Bestimmung übergeben werden. — Der außerordentliche Etat, der die hauptfächlichsten Schwankungen zu verursachen pflegt, wird von dieser Nachricht offenbar nicht berührt.

)( Die Jesuitenfrage vor der Entscheidung. Der .Berliner Lokal-Anzeiger' meldet:

„Der Bundesrat dürfte sich noch vor dem Wieder» iufammentritt des Reichstages mit dem Jesuitenantrag beschäftigen. Es ist in der Sache eine kleine Verzöge­rung dadurch eiegetreten, daß der mit der Bericht­erstattung über diesen Antrag betraute hanseatische Bundesralsbevollmächtigte und Gesandte Dr. Klüg- rnann inzwischen aus dem Amt ausgeschieden und diese Aufgabe an seinen Nachfolger, Dr. Sieveking, übergegangen ist. Dieser beherrscht übrigens als lang­jähriger Vertreter Elsaß-Lothringens beim Bundesrat die Materie vollständig."

Die ,Tägl. Rundschau' druckt diesen Schlußsatz des,Lok.-Anzeigers' ab, und zwar, ohne ein Wort dazu zu sagen. Offenbar genügt ihr Herr Sieveking.

** Eine Novelle zum preußischen Beamtengesetz vom 21. Juli 1852 ist fertiggefteüt und dürfte in nicht ferner Zeit dem Landtag zugehen. In dem Entwurf soll nur die Reform des Wiederaufnahme­verfahrens im Disziplinarverfahren gegen nicht- richterliche Beamte enthalten fein, nicht aber eine Revision der Bestimmungen über die Ordnungsfrage.

)( Kein Erbrecht des Reiches. Berliner Blätter err fahren, es sei eine Regierungserklärung in der Bud­getkommission zu erwarten, bie daraus hinauslaufe, daß die Verbündeten Regierungen unter den ver­änderten Umstanden auf die Verabschiedung des Ent­wurfs über das Erbrecht des Staates keinen Wert mehr legen. — Das ist bei der Geringfügigkeit des Ertrages einer solchen Abänderung der Erbgesetz- gebung wohl zu glauben. Bei der Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches hatte man ermittelt, daß bei den heutigen Testamentsverhältnisfen das Reich daraus — 15 Millionen Mark erhalten würde. Ob aber nach Einführung eines solchen Erbrechtes der Fiskus sich wohl noch jemand finden würde, der nicht zugunsten seiner entfernten Verwandten ein Testament machen würde? Die „lieben Verwandten" würden stets schon sorgen, daß rechtzeitig ein Testament da wäre, und dann hätte das Reich das Nachsehen.

)( Der Verband der Unterbeamten deS Deutschen Reiches hat eine Eingabe an das preußische Staats- mimftertum gerichtet, in der unter Berufung auf bie herrschende Teuerung eine ganze Reihe von Wünschen zum Ausdruck gebracht werden. Die wichtigste Forde­rung ist die, es möge das Anfangs gehalt der gering besoldeten Unterbeamten auf mindestens 1400 Mark festgesetzt werden. Weiterhin wird be­antragt, ben Unterbeamten nicht in Zeiträumen von drei Jahren, sondern alljährlich bie festgesetzten Zulagen zu gewähren; solange eine solche Abänbe- rung aber nicht durchsührbar wäre, wird gebeten, die dreijährigen Zulagen auf mindestens 100 Mark zu bemessen. Es wird ferner vorgeschlagen, die jetzt be­stehenden zahlreichen Besoldungsklassen der Unkrbeamten in drei zusammenzufassen mit ben Gehaltsstufen von 1400—2100 Mark für Schaffner,

Hand, der Ausdruck seiner Augen, der Ton seiner Stimme — alles hat etwas Gebietendes, Ueber- legcnes.

Mit gesenktem Blick und tief geröteten Wangen nähert sich ihm Felicie.

„Hier bin ich, Norbert!"

„Sieh mich an, Kind!"

Langsam hebt sie die Augen zu ihm empor —* Augen, aus denen eine Welt von Liebe und Hin­gebung leuchtet. •'

„So! . . . Und nun will ich Deiner Mutter ant­worten. Ich liebe Dich um dieser herrlichen Augen­sterne, um ihrer Tiefe, ihrer Seele willen. Ich liebe Dich um Deiner roten Lippen, um Deiner herzigen Grübchen, um Deiner klaren Kiriderstirn willen.

Fast heftig drückt er Felicie an sich, um dann erregt fortzusahren:

„Unb Sie fragen mich, ob ich Lieh um ihrer Mit­gift willen heiraten will, Frau Mackah!"

Tiefe Stille, nur unterbrochen von den raschen Atemzügen des Mädchens, das, tief erglüh'nb, das Köpfchen an die Brust des geliebten Mannes schmiegt.

Frau Mackah bricht zuerst das Schweigen.

„So ist also alles tu Ordnung. Ich will Sie auch nicht mit Aufzählen der Kalamitäten meines Mannes behelligen. Tie meisten Menschen halten ihn für reich, weil er hie und da Geld verleiht. Er hat a^er in letzter Zeit Pech gehabt. Nichts wollte ihm glücken — so sagt er wenigstens. Es ist gut, wenn Lieh bald aus dem Hanse kommt, — sobald wie mcn- lich. Sehen Sie ihre Augen, wie sie strahlen! ähneln den meinigen — sagt man. Ja, ja, auch meine Augen strahlten einmal in Jugendlust —- 's ist lange her. — Aber nun will ich Euch ein bi^rn allein lasten. Kinder. Ich habe in der Küche su tun."

Mit müden Schritten ner'ä'-t sie tms

Felicie steht mit abzewmidiem Antlitz am Kamin, anscheinend sich die Hönde am Fru w wärmend — in Wirklichkeit jedoch, um ihre tiefe Erregung zu Verbergen.

Verstohlen wirst sie einen Blick auf den Gelieb­te» —

(Försternna folgte