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2. Blatt.

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n* Fuldaer Zeitung.

M 242.

öamslag (8 Oktober 1915.

totales.

Fulda, 18. Oktober 1913.

(!) Der 103. Jahrestag frir Leipziger Schlacht.

Wie allüberall, soweit die deutsche Zunge klingt, wird auch in F u r d a die Jahrhundertfeier der Leip­ziger Schlacht, des wichtigsten Ereignisses der Befrei­ungskrieges, in geziemender Festesfreude begangen. Schon gestern nachmittag zeigten eine Reihe "von Privathäusern F l a g g e n s ch m u ck. In den Mor­genstunden des heutigen Tages hat sich die Zahl der Fahnen schnell vermehrt. Den Auftakt zu den Ver­anstaltungen bildete gestern nachmittag

bas Eintreffen der Turner-Stafette.

Zu der im Programm festgesetzten Zeit, gegen 4ä Uhr, langte die Silberkapsel, die vom Schlachtfeld bei Gravelotte am Donnerstag abgesandt worden ist, hier an und wurde durch die Mitglieder der hiesigen Turnvereine im flinken Laufe weiterbefördert. Den Eilbotenläufern war in Frankfurt bei ihrem Eintreffen um 11,10 Uhr vormittags ein besonders herzlicher Empfang zuteil geworden, indem in der Paulskirche ein kurzer Festakt vor sich ging. Auch auf dem Schlachtfeld bei Hanau fand nach der An­kunft der Läufer ein Festakt statt. Als die Saufet l)ter ankamen, wurden sie von einem Automobil be- gleitet, das den Herren von Weinberg in Frankfurt

Wendelinusglöcklein.

Zum 20. Oktober.

Milde Glockenklänge ziehen am 20. Oktober ins $utternb tonen sie aus schwankem Türmlein über Berg und Tal, pochen an klopfende Menschen­herzen und laden zum lieblichen Wallfahrtsorte des heiligen Wendelinus auf dem Wertcsberqe über Steinhaus. Stehe einen Augenblick still und lausche, daß es in deiner Seele widerhalle und auch dir sich erfülle, was bei der Weihe des Gwckleins im Gebete erfleht ward:

»Wenn das Geläute der Glocke an das Ohr de? Volkes dringt, möge in ihm wachsen die Andacht des Glaubens, mögen weil vertrieben rverden alle Nach- üellungen des Feindes, Hagelschlag, Unwetter, mögen heftige Gewitter gemäßigt iverden: mög- die Rechte deiner Krast die feindlichen Gewalten in der Lust über- wälligen, daß sie, wenn sie diese G ocke hören, erzniern und fliehen vor dem Banner des heiligen Kreuze-, das an ter '«locke anaebr"ck,t m "

Doch das sanfte Glockenklingen, da§ sich unwider­stehlich in die Seele singt, will nicht allein zum Feste laden, es will die traute Wallfahrtsstätte, um welche Sage und Geschichte ihre Ranken ineinanderschlangen, auch den Herzen näherbringen und erzählen, was die alte Linde aus vergangenen Tagen leis ihm zuge­flüstert, die Linde, die hier das erste Kirchlein noch gesehen und länger als ein Jahrhundert hindurch mit ihrer Schwester beschützt hat, bis diese 1876 im Früh- llngssturm zusammenbrach.

Tas erste von Hans Schwarz aus Steinhaus er­baute Wendelinukkapcllche» stammte aus dem Jahre 1761. Es war überaus klein, 2 Meter breit, 3 Meter lang und 2 Meter hoch, hatte einen hölzernen Turm mit einem geschnitzten Glöckchen darin, war hinten im Halbachteck geschlossen und durch zwei Fensterchen erhellt. Ta Hans Schwarz Bildschnitzer war. stattete er e§ mit zahlreichen Heiftgenstatnen und Reliesbil- bern ans, von denen viele noch erhalten sind. Ein Teil davon har jetzt in einem besonderen Zimmer des Pfarrhauses in Steinhaus Aufstellung gefunden itnb zwar die schmerzhafte Blutter Gottes, Christo- öhus, Sebastian, Florian, Franziskus und Johannes Nepomuk. Von "^eudaielblt aufaehämften Re-

'* Religion als Grundlage der Jugendpflege.

Zur Ergänzung bet Gebanken, die in bem Ar- titelVom freideutschen Jugendtag" (Nr. 240) bär­gelegt sinb, möchten wir aus einer programmatischen Ansprache bes Herrn Erzbischofs v. Hauck auf bem süddeutschen katholischen Jugendtage zu Bamberg folgende Ausführungen nachtragen:

Doch eine gewaltige Organ,Ial,an zur Sammlung der Jagend finden wir auch außerhalb der katholischen Jugendpflege . Was der katholi­schen Jugendpflege ihren eigentlichen Wert gibt, ist dies, daß sie ihre Arbeit aufbaut auf die Religion, ja sie zum Zentrum all ihrer Bestrebungen für daS Wohl der Jugend macht, ausgehend von dem richtigen Gedanken, daß das Wichtigste in der Jugendpflege f ei, die Jugendlichen zu erziehen zu tüchtigen und charakterfesten Männern, daß die Erziehung getragen sein muß von der Religion, sofern sie Erfolg haben soll.

Was andere Organisationen leisten in der Jugend­pflege, das leisten auch wir; ja wir leisten mehr. Wenn eine andere Organisation die Körperpflege in den Vorder­grund stellt, in den Jungen Smn für die Natur zu wecken sucht, sie durch Wanderungen in Wald und Feld zu stählen und abzuhärten strebt, Spiel und Sport ihnen bietet, ja oft nur int Uebermaße, so kann die katholische Jugendpflege mit vollem Rechte sagen: diese Mittel ge­brauchen auch wir; auch wir erkennen die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Körperpflege, die Stählung und Abhärtung des LeibeS, und geben hierzu Gelegenheit in Spiel und Sport; wir wissen jedoch, daß eine einfetlifle Leibespflege zur Heranziehung eines tüchtigen Ge­schlechtes nicht genügen kann; wir wissen, daß die Ju­gendlichen eine Seele haben, die genährt und aus­gebildet werden muß, be unter der übertriebenen Pflege des Körpers nur zu leicht verkümmert und verdorrt.

Auch wir erkennen, daß es eine gute Tat ist, den Sinn für die Natur zu wecken und zu beleben; auch wir führen die Jungen hinaus in Feld und Wald, aber wir vergessen darüber nicht, unsere Jugendlichen zu lehren im Buche der Natur, das Gottes Hand beschrieben hat, auf daß sie die Spuren der göttlichen Macht und Weis­heit, der ewigen Schönheit in der Natur sehen und den Schöpfer erkennen und anbeten.

Mit einen, Worte: wir erkennen, daß das Aller- wichtigste in der Jugendpflege ist. die Religiosität der Jugendlichen zu erhalten und zu stärken, sie zu festigen int christlichen Glauben und m der christlichen Welt­anschauung.

Und darum bestreben wir unS, die Jugendlichen zu sammeln in konfessionellen Vereinen, weil nur in diesen eine wirklich erfolgreiche religiöse Einwirkung, eine religiöse Erziehung denkbar ist.

Mag es angehen und erlaubt fein, daß zur Er- strebung materiellen Fortschrittes die Erwachsenen sich zusammenschließen in den interkonfessionellen Ver­bänden, aber wo es sich handelt um die Er­ziehung der Jugend zu tüchtigen, gottesfürchtigen und königsireuen Männern, da muß ein interkon­fessioneller Verein versagen, und ein Versuch, in einem solchen Verband die Jugend zu retten, wird totsicher nut einem ganzen Mißerfolg enden. Nur jene Jugendpflege wird wirklich imstande sein, die Jugend zu retten vor dem Verderben, in das man sie mit taufend Netzen zu ziehen sucht, welche die Religion in den Mittelpunkt ihrer Bestrebungen für die Jugend stellte, allo die Jugendpflege, rote sie betrieben wird in eiferen konfessionellen Vereinen.

| gehörte. In Fulda wat eine halbstündige Pause I an der Hauptwache. Dort war schon etwas vor bet I Hauptstafette bie über bie Maberzeller Straße kom- I ntenbe Nebenstafette Ems-Nassau-Fulda eingetroffen.

Die Fuldaer Turner brachten die Stafette bis nach I Hünfeld. Von dort wurde sie während der Nacht über

Vacha und Eisenach nach Leipzig weitergetragen. In l unserer Stadt werden, folgende

festlichen Veranstaltungdn

vor sich gehen. Heute morgen fand für die hiesige I Garnison feierlicher Gottesdienst auf dem Frauen- I berge statt, an den sich die Vereidigung der Rekruten I anschloß. Um 12 Uhr mittags setzte festliches Glocken- I geläute von allen Kirchen ein. Heute abend wird I die Bevölkerung zum Watsche! (Anhöhe hinter dem I Domänengut Ziehers) eilen, wo das Freuden- I feuer auflodern soll. Gewaltige Holzmassen sind I schon aufgetürmt. Die Teilnehmer haben sich vorher I in zwangloser Gruppierung daselbst anfzustellen. I Ein gemeinsamer Hinmarsch findet nicht statt. Mai, I gelangt am besten durch die Eisenbahnuntersührung I heim Kasino ober über bie Leipzigerstraße-Lazarett I zum Feuerplatz. Die Musik spielt einen Choral, dann I richtet der Kreiskriegerverbandsvorsitzende eine An- I spräche an die Jugend. Hieran schließt sich der ge- I meinsame Gesang des Liedes:Deutschland, Deutsch- I land über alles." Nunmehr ordnet sich bet Zug, I währenb die Musik den Choral:Nun danket alle I Gott!" spielt, in Gruppenkolonnen zu vier Rotten in I folgender Reihenfolge. Trompeterkorps der . Jüng- I lingsvereine, Feuerwehrkapelle. (Beide Korps sind I den festgebendtzn Vereinen unentgeltlich zur Verfü­gung gestellt.) Volksschulen, Jünglingsvereine, Ghm- I nasium, Seminar, Oberrealschule (Reihenfolge durch I das Los festgestellt), Trommlerkorps des Krieger- I Vereins, Artilleriekapelle, Gäste, Festleitung und I schließlich die Kriegervereine und die.Sanitätskolonne ohne Fahnen, alle Vereine durcheinander angetreten mit den Veteranen am rechten Flügel. Der Zug geht I am Lazarett vorbei zur Leipzigerstraße und Kur- I fürstenstraße und wendet am Offizierskasino rechts zum Einmarsch in die Heinrichstraße, Bahnhofstraße, Kaiserplatz. Dort umzieht er bett Platz von rechts nach links, baß hie Spitze an ben Bürgerverein kommt. Nach dem Festakt bort Niederländisches Dankgebet, Kranzniedelegung, Zapfenstreich mit Gebet geht der Zug am Bürgerverein weiter nach bet Harmonie unb über ben Schweinemarkt, Buttermarkt, Markt­straße, Friedrichstraße zum Domplatz. Dort ziehen die Jugend mit ihrer Musik nach rechts und im Vier­eck um den ganzen Platz, bis die Spitze wieder am Ansgäna angelangt ist. Dann ist die Jugend ent­lassen. Die Kriegervereine und die .Sanitätskolonne haben-inzwischen ihre Fackeln abaeworsen und ziehen zu den Stadtsälen, die erst mit Eintreffen itzeS Zuges geöffnet werben. Die Fackeln werden an dxr Feuer­stätte unentgeltlich, abgegeben. Um halb 9 Uhr be­ginnt der K 0 m m.e r S, der hoffentlich aus allen Schichten der Bevölkerung recht gut besucht wird. Er ist natürlich nur für Männer bestimmt. Um dem Kon'merS den Charakter der freiwilligen Betei­ligung nicht zu nehmen, sind offizielle Einladungen nur an das Offizierkorps, den Herrn Landrat und den Magistrat ergangen. Die Begeisterung der Ju­gend ist groß. Die Oberrealschule bat ihren Schülern die erforderlichen Lampions gestiftet. Hoffentlich findet der Gedanke, die Häuser zu illuminie­ren, allgemeinen Anklang.

F.r eubenfeuer

werben am Nachthimmel sicherlich zahlreich zu sehen fein. Unter andern sind für Feuerstätten in Aussicht genommen die Dalherda er Kuppe, der Kirschberg bei Hünfeld, der Hoherad bei Schlitz, her Lauschern bei Großenlüder, der Schulzenberg, die Anhöhe beim Neitenberger Schiehstand usw.

Am Sonntag finden die anaeorbneten Festgot- t e s b i e n ft e statt. Nachmittags kommt bie Stadtstafette zur Ausführung, über bereit Ge­staltung wir schon berichtet. .

Eine Erinnerung.

Der letzte geborener Fuldaer, welcher Teilnehmer an ben Freiheitskriegen .gewesen war, Philipp Heu - pel (Großvater unseres Mitbürgers '.Ferdinand Heupel), segnete 1872, als er nochmals den Sieg über bie Franzosen miterlebt hatte, bas Zeitliche.

Laut uns vorgelegtem Auszug, aus ben. Grund- büchern des 3. Kurhess. Infanterie-Regiments (jetzt Regiment Nr. 83), von dem damaligen Obrist von Buttlar unterzeichnet, hat H?upel, am 4. Septbri.4794 in Fulda geboren, von 18111832 seinem Bater-

liefbildern stellen drei den -hl. Wendelinus.als Hir- I ten, bezw. als Pilger dar, und eines veranschaulicht I die Macht der Fürbitte Josephs und Mariä für die armen Seelen. Die Darstellungen sind durchweg originell und zeugen von ganz ausgesprochenem Ta­lent., Bei der zuletzt angeführten knieen Joseph unb I Maria belenb zu beiben Seiten des göttlichen Hei- lanbes, der in der linken Hand triumphierend daS Kreuz hält und die Rechte unter die Seitenwunde legt, aus welcher sein Blut fließt. Ein als Kind dargestellter Engel fängt es in einem Kelche auf, währenb ein anderer ebenso dargestellter Engel die linke Hand an den Kelch legt und die rechte ben armen Seelen reicht, bie zur Hälfte in Flammen ge­hüllt sinb. Eines der Reliefs zeigt den hl. Wendelinus als Hirten mit Hirtentasche und Schäferschippc. Zu feinen Füßen wacht, bet Hund unb »eiben Kuh, Pferd, Schwein, Schaf und Ziege.

Ein anderes Relief stellt ihn barhäuptig als Pil­ger bar, gegürtet, in der einen Hanb ben Stab, in der anberen ein Buch, lieber ihm schwebt als Sinn- bilb ber Erleuchtung unb bet ihm vom heftigen Geiste I eingegebenen Weisheit eine Taube im Strahlen- 1 glanz, währenb er mit bem Fuß in einen Kronreif I tritt, den er, ber erstgeborene Sohn bes schottischen Königs, aus Liebe zu Gott verschmähte, um ein armer Hirte zu werben.

Mit solchem unb ähnlichem Bildwerk war das .innere des ersten Wcnbelinitskapellchen geradezu überladen. Bor ihm beteten unb sangen besonders am 20. Oktober jedes Jahres Hunderte oft bis nachts 11 Uhr bei hellem Kerzenschein. Aus Dankbarkeit für bie Erhörung wurden nach glücklichem Vorübei- gang von Viehseuchen an ben Wänden des Kapellchens Huseiicn. Ketten unb Halsriemen aufgehängt.

Sie Kapelle wurde anfangs bon ber Geistlichkeit kaum beachtet. Als bie bischöfliche Behörde Gäter Kenntnis von ihr erhielt, verlangte sie, bie Subsistenz den eiben nachzuweisen, ober sie zu entfernen. Dar­aufhin übernahm bie Gemeinbc Steinhaus bie Pflicht, für bie Reparatur zu sorgen. Das ist aber der Ge­meinde nie zur Last geworden, da sich bie Kapelle vonJen eingehenden Opfern unterhalten hat.

Im Jahre 1881 konnte von dem bamafigen Kaplan von Maraktennaun. 7?rtmin. ber wöb»

Imtb gedient. Als 17jähriger wurde er 1811 in das Fuldaer Bataillon eingestellt. 1816 dem kurhess. Regi­ment Kurprinz und 1820 dem 3. Kurhess. Infanterie- Regiment (genannt Prinz Friedrich Wilhelm) einge­reiht. 1812, als Fulda unter französischer Herrschaft stand, mußte er mit der Armee Napoleons I. mit nach Rußland; am Rückweg war er bei ber Besatzung Glo- gaus. Der größte Teil bes Fulbaer Bataillons nahm 1813 bie Gelegenheit wahr, bei einem Ausfall zu ben beutschen Truppen überzugehen, half bann Glogau belagern unb nahm teil an ben Gefechten bei Luckau, Litzen u. a. in. 1814 unb 1815 machte er bie Feld- züge in Frankreich mit. Noch mancher alte Fulbaer wirb sich seiner aus ben sechziger Jahren erinnern, wenn er mit ben Kriegsbenkmünzen geschmückt, durch die Stadt ging. Vor 50 Jahren anno 1863 konnte er noch durch Beihilfe des hiesigen Kreises der Ge­denkfeier in Leipzig beiwohnen. 1846 mußte er seinen ältesten Sohn dem Vaterland opfern, indem derselbe als Dragoner (jetzt Husarenregiment 14) das Genick brach/ Heute lebt noch ber alte Patriotismus unb . Soldatengeist in seinen Urenkeln; die es noch einige Chargen weitergebracht.

** Tom. Morgen wird im Tom beim Bischöflichen 'Amt um 9Vi llhr sowohl die Erinnerung an den glorreichen Sieg in der Völkerschlacht bei Leipzig vor 100 Jährtn als auch die Eröffnung der Mission in feierlicher Weise begangen »erben. Es gelangt die PreisntesseSäive Regina sich vierstimmigen Männer» chor mit Orgelbegleüung von Stehle zur Aufführung. Zum Schluffe de? Pontifikalamtes wird das .Großer Gott, rotr loben dich" gesungen.

F Einspruch geigen die Berechnung des Wahlresul­tates ber Ausschutzwcchl der A l l g e m e i n e n Orts­krankenkasse der Stadt Fuld « hat der Soziale Ausschuß für Fulda und Umgegend erhoben. Es hat sich herausgestellt, daß dem Wahlvorschlage der sozialdemokratischen Gewerkschaften ein Vertreter zu­viel zugewiesen würbe. Nach zutreffender Berechnung des für die Wahlvorschläge des Sozialen Ausschusses und der sozialdemokratischen Gewerkschaften abgegebe­nen Gesamtstimmenzahlen entfällt der fragliche Ver­treter auf den Wahlvorschlag des Sozialen Ausschus­ses. Wenn der Einspruch begründet ist, was kaum bezweifelt werden kann, fo erhält der Soziale Aus­schuß 21 Vertreter und ebensoviel Ersatzmänner und damit bei von den Arbeitgebern getrennt vorzuneh- menbeit Abstimmungen bie absolute Mehrheit im Ausschüsse unserer Ortskrankenkasse. Es ist bas be­sonders deshalb erfreulich; weil von bem Zwölfer- ausschusse nahestehender Seite mit offensichtlicher Freude in ber Presse berichtet würbe, daß keine ber brei beteiligten Parteien eine absolute Majorität er­halten habe. Wenn bei ber demnächstigen Vorstands- . Wahl sämtliche Vertreter ber brei Parteien erscheinen unb, was doch selbstverständlich vorausgesetzt werden kann für die Kandidaten ihrer Richtung stimmen, so erhält der Soziale Ausschuß 4 und der Zwölferaus­schuß 2 Vorstandsmitglieder. Letzteres mag besonders jenen Anhängern des Zwölferausschusses die Freude verderben, die da schon triumphierend gesagt haben, daß der Soziale Ausschuß, um etwas zu erreichen, nun doch dem Zwölferausschusse kommen müsse unb wenn er bas nicht wollte, dieser dann mit den Roten ginge.

Pachtverträge der hesseunaffauischeu Staats­domänen. Die rasche Wertsteigerung des Bodens spiegelt sich in den Pachtverträgen ber hessen-nassaui­schen Staatsboiflänen während der letzten Jahre am deutlichsten wieder. Im S t a a t s d u r ch s ch 11 i t t stellte sich der Hektarertrag an Pachtzins im Jahre 1908 auf 38 Mk., 1912 dagegen auf 45 Mk. Die im vorigen Jahr pachtfrei gewordenen Domänen brach­ten von 187694 einen Pachtzins von 54,7 Mark wo Hektar, von 18941912 nur 51 Mark, dagegen von 19131930 einen Durchschnittsertrag von 63,5 Mark. Für die Provinz Heffen-Nasfau bedeutet das eine Steigerung von durchschnittlich 10,4 Mark aufs Hektar. Ganz anders unb »eit höher stellen sich die Zahlen -für die Provinz ohne den Staatsdurchschnitt bar. Es betrugen nämlich die Pachterträge für das Hektar in Heffen-Nasfau von 187795 83,4 Mark, von 18951913 schon 88,6 Mark und für 1913 bis 1931 gar 110,5 Mark. Das sind Summen, die nur von der Provinz Sachsen um 2 Mark für die letzte Pachtperiode überboten werden.

1*5 SiniMm««. otr gestrigen Sitzung wurde bet Verkäufer A. H. von hier wegen Ver­gehens gegen daS Nahrungsmittel- Und das Fleisch» bffchSugesetz zu einer dreitägigen Gefängnisstrafe oct» urteilt Wegen SütlicktteitsversetzeüS wurde der

renb des Kulturkampfs in Steinau im Hause des Bauern Schwarz wohnte, anstelle ber alten eine grö- ;ere Kapelle erbaut werben, bereit Umbau im Jahre 1908 von Pfarrer P. Natt in Steinhaus nach bem Plan des Architekten Mahr-Fulba im frühgotischen Stil, ähnlich der Linbaukapelle in Oberhessen, voll­zogen würbe. Ter Hochwürbigste Herr Bischof Wechte ie am 20. Oktober. besselben Jahres unb hielt nach ber Weihe bie Fxstprebigt. Das Jahr barauf erhielt bie Kapelle ihr schlankes Türmchen unb ihr Glöcklein. In ber Folge wurde die Kapelle mit ihrer inneren trächtigen Ausstattung versehen, die im Jahre 1912 durch oen Einbau des Tabernakels in den Altar vollendet wurde. Eine nähere Beschreibung der Ka- telle und ihres Inneren erübrigt sich, dt die vor- lährige Einladung zum Feste des hl. Wendelinus eine genaue Schilderung brachte.

Tie weiteren Arbeiten galten der würdigen Her- richmng des Kapellenplatzes. 1911 wurde gegenüber ter Nordseite ber Kapelle eine Lourdesgrotte errichtet unb tm folgenden Jakrc die Onelle hergeleitet, die etzt ihr zur Seite plätschert. Neuerdings mischt sich n das Plätschern ber Quelle das leise Rauschen eines unterhalb ber Grotte angelegten Springbrunnens, dessen mit gehauenem Saubstein eingefaßtes Bassin von Goldfischen belebt ist. Ten Kapellenplatz um­ringt eine junge lebende Hecke, unb Bäume unb Sträucher stehen an ben Wegen, die ihn umziehen und, butchquepen. Schöne Rasenplätze liegen dazwi- d)en unb Bänke laden zur Ruhe ein.

Aber bannt ist die würdige Herrichtung des Ka- tellenplatzez noch nicht zürn Abschluß gekommen; denn s soll hier eine Stätte werden, die von der grüßen Verehrung, die dem hl. Wendelinus hier zuteil wird, herrliches und beredtes Zeugnis gibt. Diesen hehren Zweck hilft jeder Verehrer des hl. Wendelin gerne verwirklichen.

Möge die Wallfahrt zum Wenbelinuskapellchen auf dem Wertesberg, über Steinhaus unb die Ein- brücfe, die sie hinterläßt, immer mächtiger werden!"

Verehrer des großen Heiligen in Stadt und Land, hört, das Glöcklein ruft aus schwankem Türm lein über Berg unb Tag und pocht an eure Herzen, baß recht viele kommen zum Feste!

e> .s * * -

18jährige Arbeiter A. E. aus Hainzell zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Zwei jüngere Mitangeklagte wurden freigesprochen, weil sie bei Begehung der strafbaren Handlung nickt die erforderliche Einsicht besaßen. Die Inhaberin einer Drogerie Th. F. hier war mit einer Geldstrafe von 15 Mark belegt worden, weit in ihrem Betriebe Waren vorgefunden worden waren, die sie nicht verkaufen durste. Die Strafkammer hatte als Berufungsinstanz die Strafe bestehen taffen. Daraufhin batte die Frau das Kammergericht cttgerufen und Ruckverweisung an die Strafkammer erzielt. Aber auch gestern entschied die Strafkammer wieder, daß die Berufung zu verwerfen fei. Gegen den Kaufmann und Schaufenster­dekorateur Brandenstein, früher hier in Stellung, sollte gestern wieder einmal verhandelt werden. Es war gegen ihn bekanntlich ein Haftbefehl etlaffen; er befindet sich auch in Coburg in Haft. Da B. noch nicht nach hier transportiert wurde, so ist neuer Verhandlungstermin auf den 31. Oktober festgesetzt. Die vom Ingenieur E. S. hier eingelegte Be- rttfung gegen ein schöffengerichtliches Urteil des Amts­gerichts Weyhers wegen Beleidigung wurde ver­worfen, cbemo diejenige des Kaufmanns I. W. hier, der wegen öffentlicher Beleidigung des Buchhändl rs F. P. hier vom Schöffengericht Fulda zu einer Geld- ftroe von 10 Mark verurteilt worden war.

An das hiesige Fetnfprcchnctz tst unter Nr. 270 Oberleutnant garnier. Parkstr. 11, angeschlossen worden. Ter Femsprechamchluß Nr. *267, Hermann Schishauer Bahnst>aße 19, erhält die Nr. 136 und rct Anschluß Nr. 303, Rudolf Bamberger Kanal­straße 44, die Nr. 113.

13 Eine Gehilfinnenprüfung für das Putzmacher­gewerbe in ben Kreisen Fulda- Hünfeld, Hersfeld unb Gersfeld finbet am 18. November in Fulda statt. Die hierzu nötigen Papiere sind spätestens bis zum 10. November an den Vorsitzenden der Prüfungs- kominission, Herrn Georg Bolender, Schneider­meister, in Fulda einzureichen.

-r- Eine un bet an nie mäiitiliche Leiche ist am 7. Oft. in Fran furt aus dem Main gelandet worden. Eine nähere Beschreibung ist nicht mehr möglich. Die Person war groß und kräftig. Die Kleider werden in Frankfurt ausbcwahrt.

Ans dem llachbarqebiete.

* Nnierbimbach, 18. Oktober 1913. Heule, a n 18. Oktober, kann Herr Bürgermeister Ritzel von hier, auf eine 25jährige Amtstätigkeit in ber hiesigen Gemeinde zurückbftcken. Er ist heute 25 Jahre Bürgermeister. Seit 25 Jahre, verwaltet er auch das Amt des Standesbeamten brr hiesigen P arrer.

;; Uttrichshausen, 17. Oft 1913. Die verderb­liche A btoanderu n g in die Großstadt yat .für ein junges Mädchen von hier ein verhängnisvolle^ Ende genommen. Wegen Kindesmord stand bas 20jährige, ans Uttrichshausen in der Rhön ge­bürtige Dienstmädchen M. gestern in Frankfurt vor den Geschworenen. Das Mädchen, das mit 16 Jahren die Heimat verlassen hatte, diente in einem Herr- fchastshanse. Tas Gericht verurteilte die Angeklagte, da ihre Schuld bewiesen, unter Zubilligung mildern­der Umstände, zu zwei Jahren Gefängnis.

/. Bnchsnroo itc. Fiuoa), 17. Uu. 1913. Gütern wurde der Grundstein gelegt zur neuen Schule. Die Schuler und ein großer Teil der Gemeinde hatte sich zu der flöneit Feier eingefunden. Am Schlüsse erhielten die Schulkinder aut Kosten bet Gemeinbe Kaffee und Brötchen. Die 'Diaurerarbeitcn des Neu­baues ftihrtBaumeister Schäfer vonHosenselb aus, dem gestern auch die Nebengebäude übertragen wür­ben. Die Zimme-er-Arbeiten hat Zimmermeister Möller von Flieden übernommen.

-T- Nu; der Rhön, 17. Oft. 1913. Dem Postrat Kuschen und dem Ober-Post nipeftor Schaar tn Er­furt, die sich um das Zustandekommen ber Automobilposten im Thürtngerwaide und in der Rhön verdient gemacht ha en, tst vom Großherzog von Meiningen-das Rittcrkreu; des Sachseu-Ernesttnt- ichcn Hausorde s verlieben roo*ben.

* Obersinn, 17. Oft. 1913 Hier wurde von Herrn Rich. Weismantel ein Geschäft für Werkzeug­fabrikation gegründet, wodttrch für manchen wieder Arbeitsgeleaenheit gefchaffen tst.

* Bischofsheim v. Rh., 17. Oft. 1913. Die A r- beiterkolonie Simonshof geht ihrem Ende entgegen, nachdem sie in segensreicher Weise ihren doppelten Zweck' Beschäftigung von ar­beitswilligen Männern und Kultivierung des Gutes erfüllt hat. Tic ältesten Nachrichten über das Gut datieren ans deut Jahre 1295. Es sind Beurkun­dungen über vollzogene Verkäufe an das Zisterzienser-

Kleines Kerülletori.

Das zweite Schnlhalbjahr hat nun seinen An- sanz genonim m! Die hebe Jugend suhlt cs in sich, baß jetzt vermehrter Arbeit bebarf, um zu Ostern bie Prüfungen mit Glanz zu bestehen. Frügliug und Sommer halten gar zu viel vom Ernst des Lernens abgelenft, die langen, l cklen Tage waren zu ver­führerisch, si.' lockten ms Freie,» zu Spiel und Sport, zu Wanderungen und Wanderfahrten aller Art. Tas alles hat nun ein Ende. Zwar tauchen andere ver­gnügliche Dinge aur, die reichlich Ersatz bieten, aber die Winterszeit ist doch nun einmal mehr der Arbeit gewidmet. Biel können die Eltern tun, um ihren Sprößlingen das Arbeiten zu erleichtern, ihnen bie Arbeit zur Freude zu machen: vor allem durch Konse- qitenz und Kontrolle bei Ausführung der Arbeiten, obann aber auch dadurch, daß sie beit Kindern einen Raum bitten, inoerti sie völlig ungestört schassen kön­nen. Am Familienkifch, i Gegenwart kleiner Ge­schwister sieh zu konzentrieren, ist selbst für E.wachsend eine Unmöglichkeit. Scijcue man bie Heizungskosten für ein anderes, ganz ruhig gelege >es Zimmer lieber Nicht, besonders wenn die Kinder höhere Schulen be­suchen und also tatsächlich ein tüchtines Stück zu tun und zu lernen und zu leisten haben! Nstnrnl man noch je nach Bedürfnis Rücksprache mit den Lehrern, ver- lolgt man die Fortschritte, bann werden die vielerlei Exerzitien auch wohl zum guten Ziele führen und die OsterzeNsuren befriedigend ausfallen. ns.

Tie Blätter, fallen 's ist Herbst geworden Wie alle Jahre liegt's auch diesmal wieder wie Ab- fchiedsstimmung in ter Natur. Ein bekanntes Bild und ein bekanntes Empfinden, teils trüber Art, teils poetisch, je nachdem Wind und Wetter den Tag regiert ober die liebe Sonne mit einigen wärmenden Strahlen die Menschen rod) einmal hinanstockt ins Freie. Je älter der Mensch, desto mehr neigt er nach der poetischen Seite und wirb nachdenklich. Droben rauschen die Bäume und schütteln ihr Laub, Blatt um Blatt fällt hernieder; noch eine Weile raschelt's auf dem Erdboden weiter. Taufende bunter Gesellen kommen dazu, achtlos läuft alt und jung darüber k;Bin.-3 mnk ü so feilt daß bie Blätter fallen