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Fuldaer Zeitung

öamstag 18. Oktober 1915.

4. oiatt.

Brud der §rUd«er üctientnucrei in 5«Ida.

erwirb es, um es zu besitzen!

ug, ohne

Preußen schrieb

- das ist die Mahnung der Vorzeit, die Was du ererbt von deinen Vätern hast,

zu pflegen, wir feiern.

Betrachten wir die politischen Folgen

Dynastie nicht früh auf dem Kampsplatze erscheinen, aber sie kamen doch nicht zu spät. Und sie haben durch die geschickte Führung Schwarzenbergs sowie durch d,e Tapferkeit leinet Truppen entscheidend mit- gewirkt. Besonders muß anerkannt »erden, daß der Kaiser von Oesterreich und seine Ratgeber den Versuch NapoleonS, unter Berufung aus seine Schwiegersohn.

Tic Schlacht bei Leipzig war so recht das Finale des großen Trauerspiele.; „Napoleon in Deutschland", bei dem nicht nur die Rache für die zwölf Jahre erduldeten Unbissen des großen Korsen genommen, sondern wo- auch so viele Schuld getilgt wurde, die deutsche Stämme auf sich geladen. In diesem Sinne schrieb schon wenige Taae nach her Schlacht, am 22. Oktober 1813, der Philosoph Schleiermacher:

„Bis die Helden des Kampfes den Namen der Schlacht bestimmt haben, wollen wir sie die deutsche Schlacht nennen, nicht darum allein, weil sie die Freiheit der deutschen Völker von französischer Politik crstreitet, sondern weil in dem Feuer derselben der deutsche Dalksgeist sich läuterte und zeigte, und das ewige Gesetz, das Völker einer Abkunft und Sprache verbündet, in dem llebergange der meisten deutschen Streiter zum deutschen Heere glänzend bewährt wurde."

Daß es sich bei Leipzig um die Entschewung in dem großen Volkerringen handeln werde, das emp­fand Jeder, vom Oberstkommandierenden bis zum letzten Soldaten, v. Reiche berichtet uns darüber in seinen „Memoiren":

„Erwartungsvoll und in wahrhaft feierlicher Stimmung sah man, zum Sterben bereit, erfüllt von Mut und Hoffnung und im Vertrauen auf Gott, der Stunde entgegen, wo im blutigen Kampfe.das Schicksal von Europa entschieden werden sollte. Es war eine regnerische Nacht. Beinahe fünfhundert­tausend Krieger waren auf einem engen Raune ver­sammelt. Hochgerötct war dr- Himmel, wohin man den Blick wendete, von einer unzähligen Menge von Wachtfeuern- dahinter finstere Nacht. Der unver­geßliche 16. Oktober brach an."

Drei Tage dauerte mit dem Blücher'schen Er- ösfnnngskampfe von Möcken am 16. Oktober und den Kämpfen um die Vororte Leipng's am 18. und 19. Oktober das blutige Schauspiel von der Befreiung Europa's. .

Welch edler Geist die Männer beseelte, die iene

Halt geboten werden, sonst geht eS an die Wurzel» der Volkskraft.

Die E i n t r a ch t zu wahren und die R e l i g i o r

mals brauchte man nicht den Notschrei auszustoßen: dem Volke muß die Religion erhalten bleiben. In den verflossenen hundert Jahren ist leider der christ­liche Glaube in weiten Volkskreisen und die Achtung vor der Religion in den „führenden" Schichten be­trächtlich zurückgegangen. Dieser Entwicklung muß

Mark ausgebracht wurden. 'Also soviel wie die Er­wachsenen in Mark spendeten, gaben die Kinder in Pfennigen: 5 Millionen. Die Stadt Leipzig stiftete den Platz für das Bauwerk und leistete einen jähr­lichen Zuschuß zu den Baukosten. Der größte Teil wurde durch die privaten Spenden der deutschen Bundesfürsten, Stadtgemeinden, Vereine, Schulen und Privatleute beftritien.

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Den Mittelpunkt brr ErinnerungSfeste wird die Einweihung des neue, Denkmals sein, das zum Gedächtnis der große, Völkerschlacht in Leipzig Nähe errichtet worden ist.

Mit einer Höhe von fast 100 Metern ragt dm Völkerschlachtdcnkmal hoch über den weiten Plan. Der 60 Meter breite Bau gliedert sich -in drei Teile, einen pyra- mivenartig ansteigenden Unterbau, den als Ruh- weshalle gedachtenMiltel- bau und darüber die Wölbung der Kuppel, die von einem Aufsatze gekrönt wird.

Der Unterbau tragt an seiner Frontseite eine ornamentale Skulptur, darüber steht in riesige, Lettern das Stoßgeb des Krieges: Gott m uns*. Im Innern b UnterbauS befindet fi die Krypta. Breite Trcr pen führen hinter de Relief zum Mtttelbc des Denkmals, in dess Mitte die RuhmeSha ihren Platz gesunden br An jedem der vier E wölbepfeiler steht e> 9si, Meter hohe Kolosfa figur, darstellend die v

Die Feier aber soll nicht nur ein Rückerinnern sein, sondern vor allem der Zukunft des Vaterlandes dienstbar sei , Es gilt nicht nur kalte Steine auf- einanderlurmen, sondern warme Herzen entflammen, mit dem Geiste, der ein Volk von Helden schuf, deren Kraft tiefe Wurzeln schlug in gläubigem Christen- tume, die ans diesem Goldgründe deutsche Stärke, Reinheit und Opferssendigkeit bis zum letzten Bluts- tropfen sog

Unsere Zukunft ober liegt vor allem in unserer Jugend, sie mag bei dieses Denkmals Stufen, er­schüttert von der Erinnerung der großen Tage von Leipzig, die Hand zum Schwur erheben: Mit Gott für Kaiser und Reich, für Volk und Vaterland!

„Durch wiederholte Siege mehren Sie Ihre Ver­dienste um den Staat schneller, als ich mit den Be­weisen meiner Dankbarkeit Ihnen zu folgen vermag. Empfangen Sie einen neuen Beweis derselben durch die Ernennung zum General-Feldmarschall, und be­kleiden Sie diese Würde noch recht lange zyr Freude des Vaterlandes, als Vorbild für die Armee, die Sie so oft zum Ruhm und Sieg geführt haben."

Die Stimmung Blüchers selbst, dieses urwüch­sigen Gesellen, zeigt am besten der Brief, den er am 25. Oktober an seine Frau richtete:

„liebes Kind Ich kann dich führ dieses mahll nichts besonderes schreiben, als daß wihr Sigreich Fort gehen, und ich hofte höchstens 12 tage, so wird die große armeh in Frankfuhrt am Mahn fein . . . auß den einlagen wirst du daß mehrere ersehen, als Frau Feldmarschallin mußt du nun anstendig leben und seh nur nicht geizig und laß dich was aogehen ich kriege nun doch ein ansehnlich Gehalt, aber wir haben leider in 2 Monate kein gehald gefügt weil von Berlin nichts zu uns kommen konnte. Schreib mich in ballde ich habe 4 Schöne Schimmel vor dich, auch 2 maull Esell wenn ich sie nuhr zu dich hin fügen fönte . . . immer dein bester Freund Blücher.

mit die erbene- weiß ich mich nur fein Raht mehr ich bin wie ein allt futtsch Perd behangen, abex der gebaute lohnt mich über alles baß ich berjenige wahr der beit übermüttigen tihrannen demütigte."

Hinter Leipzig, wo Napoleon sich mit seltener Zähigkeit festgesetzt, und von wo aus er Rache nehmen wollte an allen, die ihm die Freundschaft gekündigt, war für ihn kein Halten mehr. Hier brach der sonst auch im Unglück nicht gebeugte Mann selbst zusam­men und fand sich nicht wieder zu seiner alten Größe, so oft auch noch das alte Feuer aufflackern mochte-

„Der Staat ist gerettet, der Thron ist befestigt. Wir sind zwar arm geworden, aber jetzt reich an kriegerischem Ruhme und stolz auf die wieder­errungene Nationalunabhängigkeit. Diese Güter sind mehr wert als die unermeßlichen Reichtümer bei fremder Herrschaft."

In gleichem Sinne sind die Worte gehalten, die Frhr. v. Stein gleich nach der Schlacht an seine Ge­mahlin richtete:

„Da liegt also das mit Blut und Tränen so vieler Millionen gekittete, durch die tollste und verruchteste Tyrannei aufgerichtete ungeheure Gebäude am Bo­den. Von einem Ende Deutschlands bis zum andern Wagt man es anszurufen. daß Napoleon ein Böse­wicht und der Feind des menschlichen Geschlechtes ist; daß die schändlichen Fesseln, in denen er unser Vaterland hielt, zerbrochen, und die Schande, womit er uns bedeckte, in Strömen französischen Bluts ab­gewaschen. ist . . Die Vorsehung ist gerechtfertigt durch das große Gericht, das sie über das Ungeheuer ergehen ließ: seine Verstockung hat ihn zu politischen und militärischen Tollheiten verleitet, die seinen Fall beschleunigt und ihn zum Gespött des Volkes herab­würdigen.

. .. . Diese Resultate find hervorgebracht durch zwei blutige, talentvolle, lorbeer- und tränenreiche Feldzüge, durch viele blutige Schlackten: und bei Lützen, Bautzen, Teltow, Dresden, Katzbach, Kulm, Lennewitz, Blebdiu, Leipzig wurde der Same ge­streut zu der schönen Ernte, die uns erwartet und deren Ertrag wir mit Frömmigkeit, Dankbarkeit gegen die Vorsehung und Mäßigung genießen dürfen." . . .

Wenn man nun die Frage aufwirft, wem das größte Verdienst dieser siegreichen Tage zuzuschreiben sei, so. muß auch hier unumstritten Blüchers Namx an erster Stelle genannt werden. Er machte mit feinem trefflichen Korpskommanbanten N o r k den Auftakt, er war es aber auch, der sich hier selbst überwand und im weiteren Kampfe sich mit der Hauptmacht unter den immer zögernden Kronprinzen von Schweden stellte, um diesen zum endlichen Vor­gehen zu bewegen, so selbst auf eigene Lorbeeren verzichtend.

geblieben. ES ist nicht mehr als billig und recht, wenn wir jetzt treu zu Oesterreich stehen, — folidarisch auf Gedeih und Verderb!

[] Zur Jahrhimöertfeier öer Völker­schlacht bei Leipzig.

. (16.-19. Oktober 1813.)

Das eiserne Jahr, dessen hundertjähriges Ge­denken Deutschland in frohem Jubel gefeieü, näherte sich seinem Ende, aber noch einmal braust im ganzen Vaterlands die Begeisterung auf in ben Tagen, bie der Zentenarfeier jener großen lytb einzig in der Weltgeschichte dastehenden Völkerschlacht gelten die auf Leipzig's Fluren geschlagen wurde.

Hier sammeln fick nicht nur die deutschen Für­sten, sondern auch die Vertreter der Völker, welche mit Deutschland einst gestritten, um das geknechtete Europa von der Gvttesgeißel zu befreien, die so viele Jahre hindurch die Brandfackel des Krieges von Land zu Land getragen.

Um die Stufen des mächtigen Denkmals, welches für alle Zeiten der Welt verkünden soll, daß Deutsch­lands Volk jene großen Tage nie vergessen wird, sammelt sich vor allem auch die deutsche Jugend, und fie hat dort cmck vor allem mit Recht ihren Platz.

Unabhängigkeit. Der Kampf von 1870 war ein Ab­weh r f r i e g, der sich auf fremdem Boden abspielte- der Kampf von 1813 war im vollsten Sinne des Wortes ein Befreiungskrieg, der zunächst I auf deutschem Boden ausgetragen werden mußte, weil der gewaltige Korse den größten Teil Deutsch- lands unter seine Botmäßigkeit gebracht hatte. Den Feind aus den deutschen Landen zu vertreiben, das war die erste Ausgabe. Auf dem wieder befrei- ten Boden Deutschlands die nationale Einigung durch­zuführen, war die große und schwere Aufgabe der nachfolgenden Friedenszeit. Es bauetie noch über ein halbes Jahrhundert, bis das Deutsche Reich be­gründet wurde. Ein halbes Jahrhundert mit vielen Irrungen und Wirrungen. Schließlich stellte sich her­aus, daß dieses Friedenswerk, zu dem schon in Leip­zig der Grundstein gelegt worden, nicht ohne neue Schwerthilfe unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Es kam zu dem Kriege von 1866, bei dem I die Verbündeten von Leipzig sich als Geaner aeaen- überftanben. Der schnelle Verlauf u. der kluge Friede von Prag gestatten uns glücklicher Weise, diesen Krieg nicht zu den „Kämpfen auf Leben und Tod", sondern zu den klärenden Kraftproben hx rechnen. Die staats­rechtliche Wiedergeburt Deutschlands kam erst in den richtigen Fluß, als Napoleon - UI. Nord- und Süd- deutschland zu einem neuen Abwehrkamvf zwang und so -zu gemeinsamen Erfolgen verhalf. Sedan vollen­dete, was Leipzig angebahnt hatte.

Wenn wir von den geordneten Verhältnissen der Gegenwart auf das mühselige Ringen unserer Vor­fahren zurückblicken, darm dürfen wir nicht übersehen, daß die Dexxtschen vor 100 Jahren durch den Zu­sammenbruch des alten, längst schwindsüchtigen Rei­ches und durch die Gewaltherrschaft des Korsen in eine unerhörte Tiefe her Verwirrung gestürzt worden waren. Auch nach Abschüttelung der Fremdherr­schaft brauchte die Nation noch geraume Zeit, um sich aus diesem Sumpfe allmählich herauszuarbeiten. Doch der Grund zu der nationalen Sammlungspolitik wurde 1813, gelegt. Als die deutschen Kontingente der napoleonischen Armee anfingen, zu den Preußen und Oesterreichern überzugeben, zeiate der nationale Frühling schon die ersten Schneeglöckchen.

Was wir heute haben, soll uns nicht swlz und übermütig machen. Auch wenn wir bei der Sedan­feier uns freuen, wollen wir nicht vergessen, daß un- sere Vorfahren vor hundert Jahren es noch schwe­rer hatten, als die Kämpfer von 1870, und baß vol­lends die Last, und Anforderungen der G e g e n w a r t eilt Kinderspiel sind im Vergleich zu den furchtbaren Aufgaben, die im Anfang des vorigen Jahrhunderts zu bewältigen waren.

®a§_ Denkmal von Leipzig ruft uns zu: Zeigt euch würdig eurer tüchtigen Vorfahren und ihres Erbesj bleibt stark, einig und fromm !

Stark, — das ist nach Lage der Dinge am ersten zu erhoffen. Die Unabhängigkeit, die bei Leip­zig errungen wurde, werden wir Wohl zu wahren vermögen, nachdem sich soeben noch in der Annahme I des WehrgesetzeS die opferwillige Tatkraft der Nation I bekundet bat. ‘

Die Einigkeit gibt schon zu ernsteren Sorgen I Anlaß. Die staatsrecktliche Verbindung der deut- I scken Staaten und Stämme im Reick tut es nicht I allein: es muß für" die HerzenSgemeinschaft, für den I inneren Frieden gesorgt werden. Wenn doch die I Jahrhundertfeier dazu führen wollte, daß man endlich I den heillosen Sport der inneren Kämpfe (.Kultur­kampf, Polenkampf, Welfenkampft. re.) verzichten und I die Brüderlichkeit gelten lasten wollte.

F r ö m m i g f e i.t war der Grundzug der glor­reichen Freiheitsbewegung von 1813. Die Wort- I sichrer und die Schwertführer waren von religiösem I Geiste erfüllt und von Gottveürguen beseelt" Da- I

deutschen Nalionaltugcr

den: Tapferkeit, Opfc. Y?hsEä§S| - sreudigkeit, Glaubens-

stärke und Volkskrast. An

der Außenseite der Kuppel stetzxix aidou g.yauiiiaji:, gepanzerte Krieger in ruhiger, kampsdereiter Stellung, die Hände über dem Schwerte gefaltet. Innerhalb der Pfeiler des Mittelbaues führen Wendeltreppen Und rin elektrischer Aufzug zu d.n Umgängen der Kuppel und zu der etwa 112 Quadratmeter großen Plattform. Äon hier aus bietet sich ein prächtiger Ausblick über die weite Leipziger Ebene.

Die Gesamtkosten des Denkmals werden auf nicht weniger als dis 6 Millionen veranschlagt, von

Jungblut war cs vor hundert Jahren, das in froher Begeisterung zuerst zu den Fahnen eilte und das bis zum letzten alten Landwehrmann jenen opferfreudigen starken Geist in das Heer 1"1 den es nie gelungen wäre, ben mächtigen Feind

Sie MeimMW M Leipzig.

Die Jahrhundertfeier gipfelt in dem Gedanken an Leipzig, wie die Feier der Erfolge von 1870/71 in dem Gedanken an Sedan. Das Volk greift aus der Reihe der Schlachten und Eroberungen ein Ereignis heraus, das ihm als die schönsteVerkörperung des Siege?- gedankens erscheint, und feiert alles in diesem einen.

Noch eine weitere Zusammenziehung der Dinge erfolgt, indem für die Schlachten, die mehrere Tage gedauert haben, ein einzelner bestimmter Tag al? das Gedenkdatum hinaeftellt ro:rb. Tie Völkerichlacht bei Leipzig wahrte 4 Tage, vom 16. bis 19. Oktober einschließlich. Vollendet war der Sieg der Verbündeten am 19.; wir feiern aber den 18. als den Gedenk­tag, da bereits an diesem heißesten Kampftage die Niederlage Napoleon's entschieden war. Eine gewiste Vordatierung. Im Gegensatz dazu begehen wir das Sedanfest erst einen Tag nach der Vollen- düng des Sieges; am 1. September abends war nicht bloß der Kampf abgeschlossen, sondern auch das Er- gebungsschreiben Napoleon's III. bereits cingctroffcn.

Leipzig und Sedan warnt große, herrliche Erfolge von entscheidender Bedeutung, aber sie bildeten nur den Gipfelpunkt, nicht aber das Ende des blu­tigen Ruigens. 3ll§ die Kunde von Sedan durch die deutschen Gaue drang, da beglückwünschte man sich gegenseitig zu dem baldigen Friedens,chluß. Sehr erklärlich, denn es war ja der französische Kaiser mit samt seiner großen Armee gefangen genommen worden. Aber doch mußte noch 5 Monate lang weiter ge­rungen und gekämpft werden, da die französische Nation mit dem höchsten Aufgebot von Kraft und Kunst den Äerzweiflungskampf fortsetzte. Es wurden neue Armeen aus der Erde gestampsx, und wenn sie auch das Kriegsglück nicht wenden konnten, so trat doch eine Vermehrung der Kriegsopfer ein, wie man sie nach dem großen Erfolge von Sedan nicht i mehr erwartet halte. Der Sieg von Leipzig war j äußerlich nicht ;o vollkommen, wie der von Sedan. Denn es gelang den Verbündeten wohl, den Feind zu schlagen, aber nicht, ihn einzuschließen und zur Kapitulation zu zwingen. Napoleon I. konnte sich die Rückzugslinie auf Weißenfels zu offen halten. Er ließ den Siegern das Schlachtfeld und die Hausen von Toten und Verwundeten, führte aber das Gros seines Heeres, soweit es marschfähig und treu ge­blieben war, nach Westen zurück. Die Verfolgung setzte zu spät ein und wurde nicht zielbewußt genug geleitet. Napoleon vermochte seiner geschlagenen Armee sogar den Rheinübergang zu erzwingen. Erst in der folgenden Neusahrsnacht vermochte Blücher, I der in seinem „Vorwärts" - Drange am meisten von dem Geist der modernen Kriegskunst betätigt, dem I weichenden Gegner bei Caub über den Rhein zu folgen. Dann nahmen die Kämpfe in Frankreich noch das Frühjahr 1914 in Anspruch, bis endlich nach dem Einzüge in Parts der Friedensfchluß erzwungen I weraen konnte.

Wenn man den Feldzug von 1813/14 mit dem von 1870/71 vergleicht, so zeigt sich deutlich, wie un- I geheure Vorteile die einheitliche Heerführung bringt, gegenüber dem Zusammenwirken von Verbündeten. I Die Einheitlichkeit war vor 100 Jahren auf der napoleonischen Seile, die Mannigfaltigkeit zeigte sich auf der Gegenseite von unten bis oben. Man hat I das drastisch so ausgedrückt: die Verbündeten hätten I bei Leipzig gesiegt, obschon drei Monarchen zugleich I auf dem Schlachtfelde waren. Nur die überlegene I Einheitlichkeit feiner Leitung ermöglichte es dem ersten Napoleon, mit tun frischen Truppen, die er nach der Vernichtung seiner „großen Armee" in Rußland schnell ausgehoben hatte, im Anfang des Feldzuges von 1813 mehrfache Erfolge zu erringen und nach der Kata­strophe von Leipzig noch so beträchtliche Widerstands- Fähigkeit zu entwickeln.

Auf die Schwächen und Fehler der verbündeten Heeresmacht kritisch einzugehen, ist in einem Festartikel gewiß nicht am Platze. Vielmehr wollen wir mit freudigem Stolze sagen: Die Tapferkeit der Soldaten und die Tüchtigkeit der Offiziere und Generäle er- I strahlt in um so hellerem Lichte, je mehr man die I Schwierigkeiten würdigt, die eine so buntscheckige Trupp-mmacht gegenüber der einheitlich vom großen Napoleon geführten Armee zu überwinden hatte. Darum wollen wir heute auch nicht mit dem schwedischen Kronprinzen Bernadotte richten, der durch seine Zauder­taktik die Kämpfe von 1813 vielfach erschwert hat, und wir wollen der ruf fisch en Beihilfe dankbar sein, obschon die russischen Truppen in den Volks- teilen, mit denen sie in Berührung kamen, sehr ge« mischte Empfindungen erweckt haben. Vor allem aber gebührt den Oesterreichern Dank. Sie konnten wegen der eigenartigen Lage ihres Reiches und ihrer

veutsches Reich.

* Die Flucht vor dem Wehrbeitrage. Durch die Presse war die Nachricht gegangen, daß reiche elsaß- lothringische Familien nach der Schweiz abwanderten, um dem Wehrbeitrage zu entgehen. Wie die „Magde- burgische Zeitung" sich schreiben läßt, wird die Nach­richt in Regierungskreifen mit einem „ungläubigen Lächeln" ausgenommen. Man meine dort, meistens würden die Ilmzugskosten sich höher stellen als der ganze Wehrbeitrag; außerdem müßten solche steuer- scheuen Familien sich doch vor der Auswanderung des ganzen inländischen Grund- und Betriebsvermögens entäußert haben, da andernfalls das Reich sich an die­ses Vermögen halten würde. Eher sei mit der Ge­fahr zu rechnen, daß beitragspflichtige Personen Ver­mögenswerte im Auslände unterbrächten und ver­heimlichten, ohne auszuwandern; dieser Möglichkeit suche das Gesetz ja durch scharfe Strafbestimmungen zu begegnen. — Gegen die Abwanderung von wohl­habenderen Gewerbetreibenden spricht auch der recht wesentliche Umstand, daß diese Personen in der Schweiz trotz, des dortigen Milizsystems vermutlich nickt viel weniger Steuern, sicher dagegen aber in den meisten Fällen erheblich weniger Verdienstgelegenheit haben würden als in der deutschen Heimat.

* Bür Jllusiünm von einer nicht mehr gefährlichen SoziülSemokratle warnt die Konservative Monals- schrsit, indem sie, allerdings etwas übertrieben besorgt schreibt:

„Die Sozialdemokratie war nie gefährlicher als in Jena, wo sie mit den diplomalifchen Allüren der künftigen Herrin aüstrat. Die ,Nordd. 4tUg. Zig/ r furnierte ihren

Eindruck vom Jenaer Parteitag: .Die relative Neuheit der Lage innerhalb der Soztaldemokratie besieht zuletzt in einer offenkundig gewordenen Ratlosigkeit". Aa, nein, bei der Sozialdemokratie herrscht diese Ratlosigkeit ganz und gar nicht. Sie wäre doch ein gar absonderliches Ergebnis der großen Erfolge, die die Sozialdemokratie in kürzester Zeit und keineswegs durch eigenes Verdienst errungen hat. Sie war niemals klüger geleitet als jetzt und hat alle Aussicht, Preußen-Deutschland ein inner- politisch katastrophales Jena zu bereiten, wenn ihre Klugheit von den Gegnern für ratlose Dummheit ge­halten wird."

Das soll für Herrn v. Bethmann ein Wink mit dem Zaunpfahl sein; er fönnte die Sozialdemokratie aber nicht unwirksamer bekämpfen, als wenn er die Waffen hierzu aus dem Arsenal der Scharfmacher nehmen würde.

* Wie die „Sünden" der Väter in der Pokenpolitik an den Kindern bestraft werden, zeigt sich an einem eklatanten Falle in der Strafversetzung eines Leh­rers, dessen Vater sein Besitztum an einen Polen verkauft hat Es handelt sich um den Lehrer Sag - n e r, der an der Ansiedlungsschule zu Schönherrn- hausen als erster Lehrer über vier Jahre gewirkt hatte und allgemein angesehen und beliebt war. Da kam der Verkauf des väterlichen Besitztums durch den Va­ter und der Lehrer wurde „im Interesse des Dienstes" an die einklassige Schule nach Neudorf int Kreise Kro- toschin, also nicht allzuweit von der russischen Grenze, belfert.. Eine Beschwerde an den Kultusminister blieb erfolglos. Daß in der Versetzung „im Interesse des Dienstes" im vorliegenden Falle eine Straf­versetzung zu erblicken ist, kann wohl kaum einem ZweifÄ unterliegen. Ebenso ist es erklärlich.

Nichts würdigt besser das Verdienst Marschall Vorwärts' als die Kabinetsordre, mit der ihn am

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