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5. Blatt.

Druck 6<r Xxllttr Uditxitxemi ix 5x1*«.

Fuldaer Zeitung ♦ ♦**

M 242.

»emslag 18 Skioder 1913.

Wochen-Nllndschau.

[:] Fulda, 17. Oktober 191».

Große Ereignisse stehen nicht zur Besprechung, so beschäftigte sich die Presse immer noch mit der W e l. f enfragc. Ter Kampf zwischen den Freunden und den Gegnern eines „Verzichtes" wogt in unver­minderter Heftigkeit hin und her und es wäre wirk­lich eine Erlösung und befteiendc Tat, wenn Prinz Ernst August mit der Kaiserwchter endlich den braun- schweigischen Herzogsthron besteigen würde, um durch die Tat dem nutzlosen Gerede ein Ende zu machen. Gerade in dieser Frage hat es sich wieder einmal gezeigt, welch schweren Erschütterungen heute schon das monarchische und Legitimitätsprinzip ausgesetzt sind. Obwohl die Frage der braunschweigischen Thronbesteigung verfassungsgemäß ausschließlich dem Bundesrat zur Beurteilung und Entscheidung vor- kiegt, haben doch gerade diejenigen Blätter, die sich sonst gern ihrer über alles nationalen Gesinnung brüsten, einen Ton gegen Kaiser und Bundesrat an­geschlagen, der von Sozialdemokraten bisher kaum übertroffen worden ist. Bon amtlicher Stelle mußte es scharf gerügt werden, daß dem Kaiser der Bor­wurf gemacht wurde, er ließe seine Hauspolitik vor Reichspolitik gehen. In den Wirrungen der Welfen- frage hat sich nur die Zentrumspartei unentwegt zu den verfassungsrechtlich ui dieser Frage allein zustän- dlgen Instanzen gehalten und hat dadurch erneut bekundet, daß sie ein treuer Hüter nicht nur der Ber- fasiung, sondern auch des gefährdeten Legitimitäts­prinzips ist.

Eine Thron- und Königsfrage steht auch in Bayern auf der Tagesordnung. Obwohl Prinz Ludwig im Dezember vorigen Jahres in der Kund­gebung an den Ministcrrat es als feinen bestimmten Wunsch bezeichnet hat, „daß zurzeit von irgend welchen Maßnahmen zur Beendigung der Regentschaft abge­sehen werde", tft die Frage, ob Regent oder König, doch immer wieder gestellt worden. Jüngst hat sich nun die Regierung zur Bekanntgabe des Gutachtens veranlaßt gesehen, auf Grund dessen inT letzten De­zember die Lösung der Königsfrage erfolgen sollte. Dies Gutachten und die dasselbe begleitende Erklä­rung hat die Königssrage insofern geklärt, als von einer Proklamation jetzt nicht mehr die Rede sein kann. Man muß jetzt abwarten, ob ein anderer Weg ausfindig gemacht wird, ob etwa der Landtag an den Regenten eine Adresse richtet mit der Bitte um Annahme des Königstitels. Die Zweifel dürf­ten demnächst gehoben werden, wenn im Landtag die Aussprache über die Erhöhung der Zivilliste erfolgt.

In Leipzig haben die Jungliberalen ihre 15. Tagung abgehalten. Man war mit Recht ein wenig erstaunt darüber, daß dort augenscheinlich der Versuch gemacht wurde, zu den Altliberalen hinüber wieder festere Brücken zu bauen. Von besonderem Interesse war auf der Tagung die Behandlung des Themas: Kirche und Staat. Man sah davon ab, in das Programm die Forderung der Trennung von Kirche und Staat aufzunehmen, verlangte Gleichbe­rechtigung aller religiösen Gemeinschaften, gleich dar­auf aber auch die Auftechterhaltung des Jesuiten­gesetzes unter allen Umständen. Sehr konsequent war das allerdings nicht, wahrscheinlich aber „liberal".

Auch die freideutsche Jugend hat nun {Irren ersten Kongreß abgebalten und zwar auf der Burg Hanstein und auf dem Hohen Meißner. Biel ist dabei natürlich nicht herausgekommen; vielleicht sollte auch gar nichts dabei herauskommen. Man könnte btefen ersten freideutschen Jugendkongreß wohl ganz übergehen, wenn die Veranstalter es nicht für nötig befunden hätten, auch eine politische Note hineinzutragen. Da wurde für politische Wahlen der Grundsatz proklamiert, daß allezeit der Kandidat die Stimmen erhalten müsse, der sich zur Bekämpfung des Alkohols und dergleichen bekenne, einerlei ob er schwarz ober blau, rosa ober rot sei. Es scheint bies boch eine recht originelle unb merkwürdige Jugend­erziehung zu sein.

Zwei Nachwahlen zum Reichstag haben kein überraschendes Ergebnis gezeitigt. Im badischen Wahlkreis Rastatt-Bühl wurde der Zentrumsmann und in Dresden-Neustadt der Sozialdemokrat ge­wählt. Der Stimmenrückgang war prozentual über­all der gleiche und dürfte wähl kaum einen Grund zur Beunruh-gung bieten.

Auf dem Balkan ist die Lage heute ungefähr noch die gleiche, wie in der vorigen Woche. Griechen­land ist mit der Türkei noch nicht zu einer Verstän­digung gelangt, aber es scheint doch, als ob die ver­antwortlichen Stellen beider Staaten sich Mühe

Unpolitische Zeitiäufe.

kl. Berlin, 16. Oktober 1918.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Bor hundert Jahren! Da rangen die Völker aus den Feldern um L c i p z i g. Die verbündeten Trup. Pen aus der östlichen Hälfte Europas gegen das napo­leonische Heer aus dem Westen des Festlandes. Ströme von Blut und Berge von Leichen markierten den Wen­depunkt in der europäischen Weltgeschichte. Das Joch des französischen Zwingherrn wurde gebrochen. Frei­heit hieß die Frucht von Leipzig. Es hat freilich noch lange, lange gedauert, bis die Fürsten und Völker von der wiedererrungenen Freiheit den vernünftigen Gebrauch machen lernten. Doch der Sämann kann nicht dafür, wenn Frost ober Dürre das Wachstum seiner Saat hemmen. Seien wir dankbar den wacke­ren Männern, die den Acker mit ihrem Schwerte ge­pflügt, mit ihrem Blut- gedüngt und mit dem Saat­korn des nationalen Bewußtseins bestellt haben. Sie hatten die Not und die Last: ihre Nachkommen das Brot und die Lust.

Ja, ich bewundere die Kämpfer von 1813. Allen Respekt vor unseren Kriegern von 1870; doch werden die Ueberkbenbe» von Metz, Sedan und Paris selbst zugebcn, daß noch erheblich viel mehr Kühnheit, Opfermut unb Zähigkeit bazu gehörte, bie verzweifelt schweren, wechselreichen Kämpfe gegen ben gewaltigen ersten Napoleon burchzuführen, als ben glücklich begonnenen Siegeszug gegen bie Armeen bes dritten Napoleon unb gegen bie nachträglichen Aufge­bote Gambettas fortzusetzen In ben Helben von 1813 steckte eine ungeheure Willens- unb Tatkraft, bie von einem festen Eottvertranen getragen unb gestählt würbe.

Ich betounbere auch das ganze Volk, unsere Vor­fahren vorn Anfang bes vorigen Jahrhunberts. Was haben bie Leute aushalten müssen in diesen Jahren, wo ein Krieg sich an dem andern entzündete und im­mer wieder Aushebungen, Steuerlasten, Kontributio­nen, Durchmärsche, Brandschatzungen, Plünderungen, alle Greuel des Krieges und alle Hemmnisse der Er» Werbstätigkeit über sie hereinbrachen! Nachträglich haben ja Klugredner gesagt, die geknechteten Deutschen Hätten sich eher ■" ay eiuiolMen Widerstand aufraffen

gäben, eine friedliche Erledigung der noch vorhande­nen Streitfragen zu finden. Allerdings macht sich in der Presse der beiden Länder eine feindselige Ton­art laut und nach den gemachten Erfahrungen darf man sich noch lange nicht in Sicherheit wiegen. Die Mächte bemühen sich jedoch auch redlich, die fried­liche Erledigung der die Friedensaussichten auf dem Balkan noch trübenden griechisch-türkischen Differen- zen zu fördern, lieber serbisch-albanische Kämpfe kommen jetzt spärlichere Nachrichten; eS scheint, daß die Serben durch rücksichtsloses Vorgehen die Auf­ständischen inzwischen niedergezwungen haben und nicht beabsichttgcn, bie festgelegte Grenze zu über­schreiten. Die Sübgrenze Albaniens wirb jetzt von einer Kommission festgesetzt. Die internationale Kontrollkommission, bie am 15. b. M. zusammen- getreten ist, wird weiter zur Ordnung der albanischen Verhältnisse betragen. An dem gleichen Tage sind die Funktionen erloschen, die von dem Kommandan­ten der Jnternatiotralen Marinedetachements in Skutari ausgeübt wurden.

Tage lang hat der Präsident der französi­schen Republik beim spanischen König als Gast geweilt. Poincars erwiderte dadurch den Besuch, den König Alphons kurz vor Abschluß des französisch-spanischen Marokkovertrags in Frankreich abgestattet hatte. In einem Trinkspruch hat Präsi­dent Poincars im besonderen des Heeres und der Flotte Spaniens gedacht unb von der friedlichen Union Spaniens und Frankreichs gesprochen, die im Mittelländischen Meere ungeheure Vorteile zeitigen werde. König Alphons gab in seiner Antwort für die Zukunft der Erwartung Ausdruck, daß die Bande, die das französische und das spanische Volk schon einigen, immer enger gezogen werden, und daß ein bereits herzliches Einverständnis immer intimer und fruchtbarer gemacht werde. In dem Comnniquß über bie Unterrebungen ber spanischen unb franzö­sischen Staatsmänner wird bie vollkommene lieber» einftimmung in ben Anschauungen ber Vertreter beiher Länder festgestellt, deren Politik sich immer leiten lasse von den Gefühlen der Entente und der herzlichen Freundschaft.

Von weittragender Bedeutung ist die Anerken- nung der chinesischen Republik durch die Mächte, nachdem Juans chikai verfassungsmäßig zum Präsidenten Chinas erwählt worden ist. Die neue Regierung und das chinesische Parlament stehen jetzt von der Aufgabe, eine endgültige Verfassung aufzustellen, eine Aufgabe, von deren Lösung für die Zukunft unermeßlich viel abhängt. Am zweiten Jahrestag des Ausbruchs der Revolution, die zur Abdankung der Mandschu-Thnastie und zur Aende- rung der Staatsform des chinesischen Reichs geführt hat, ist Juanschikai feierlich in sein neues Amt ein­geführt worden. In seiner Antrittsrede hob er her­vor, daß er eine feste und stete Politik führen werde, er irrte für ben Fortschritt ein, doch begünstige er keine extremen radikalen Methoden, zu einer Politik schrittweiser Reformen sei er jedoch entschlossen; Kapital unb Unterricht seien für bie Erschließung Chinas von Wichttgkeit.

In Mexiko haben bie Aufständischen wieder einmal Erfolge zu verzeichnen. Sie haben bie Stabt Toreon eingenommen und wie bie Vandalen dort gehaust. Für bie Regierung ist dieser Erfolg ber Rebellen um so empfmblicher als die Präsidenten­wahl vor der Tür steht. Der Präsident hat durch einen Staatsstreich das Parlament aufgelöst und eine Anzahl oppositioneller Parlamentarier gefangen ge­setzt.

Japan hat dilrch den Tod des Fürsten Kat­sura einen schweren Verlust erlitten, denn Katsura war einer feiner bedeutendsten und einflußreichsten Staatsmänner, zugleich auch uns Deutschen ein guter Freund. Katsuras Leben und seine Leistungen sind mit der Entwicklung des modernen Japans so eng verbunden, daß mit Recht gesagt worden ist: Sein Leben erzählen, heiße die 'Geschichte Japans erzählen.___________

Deutsches Reich.

* Staatssekretär Sols hatte bekanntlich auf einem Festmahl der Südkanieruner Handelskammer zu Kribi eine Rede gehalten, bie nichts weniger als eine Festrebe war, ben Kaufleuten vielmehr berb bie Wahrheit sagte. Der Wortlaut ber Rede liegt jetzt vor. Dr. Sols hat danach offen ausgesprochen, daß es in unseren Kolonien durchaus nicht so glanzvoll K, daß aber die Schuld nicht der Regierung, son- den Farmern selbst zufalle. 'Am meisten

und einigen sollen. Aber das war einfach unmöglich gegenüber ber erbrürfenben Uebermacht, bie ber erste Napoleon bis nach Tilsit hin besaß. Die Leute muß­ten aushalten, bis bie Stunbe ber Widerstandsmög­lichkeit für sie anbrach. Und durch ihr geduldiges, zähes Aushalten haben sie die Volkskraft gerettet, welche die bessere -nationale Zukunft begründen mußte.

Ob unser Volk von heute auch so viel Geduld und Ausdauer in so schweren Jahren der Drangsal und des Elends bewahren würde? Es kommt mir vor. als ob wir sehr wehleidig geworden wären. Wir führen gern ben Spruch im M it n b e: Lerne leiben, ohne zu klagen. Aber man handelt heutzutage ganz an­ders. Oft scheint der Spruch umgekehrt zur Anwen­dung zu gelangen: viele lieben zu klagen, ohne ernst­lich zu leiden. Wenn dem modernen Staatsbürger ein Läuschen über die Leber läuft, so erhebt er ein großes Lamento gegen die Verwaltung und gegen die Gesetze, gegen die Könige und die Minister, gegen Staat und Gesellschaft, gegen die ganze Welt und sogar gegerf Gott im Himmel. Wenn unsere Vorfahren von 1813 wieder aufftänben, was würden bie sagen angesichts ber Nnzufriebenheit, bie gegenwärtig aus der Begehr, lichkeit unb Weichlikeit ber Menschen emporsprießt unb von geriebenen Hetzern noch künstlich gesteigert wirb. Ach, würben bie Alten seufzen, wenn wir keine anbere Lasten zu tragen hätten, als bie ihr so gewaltig bestöhnt, bann würben wir Gott auf ben Knien ^ge­dankt unb uns im Paradiese gefiihlt haben! — Wir tnb viel begehrlicher geworden, aber leider nicht tat­kräftiger. Der moberne Mensch hängt sich wie ein ver­zogenes Kinb an bie Rockschöße bes Staates. Der Staat soll alles besorgen, was er wünscht, er soll alles beseitigen, was ihm lästig ist. Der Staat kann noch o viel tun, er tut niemals ger :g. Jeder verlangt hohe Einnahmen und niedrige Preise bei möglichst eichter Arbeit. Wenn es da in einem Punkte hapert» o taugt die Politik unb die ganze Staatsordnung nichts. Es sieht fast so aus, als ob Goethe recht hatte mit dem Spruch: Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen! In der Tat, unsere Tage sind gut im Vergleich zu den schlimmen Tagen und Jahren, die unse e Vorfahren durchmachen muß­ten. Vielleicht mug wieder einmal eine Zeit der schwe­ren Nat über das Volk hereinbrechen, um wieder Ge* Fügsamkeit unb Zufriedenheit ins Land zu brinaen.

ärgerte er sich über die schlechte Gummiproduktton. „Es tft unter Ihnen," so führte Dr. Sols aus, „das Wort gefallen: Warum sollten wir denn nur guten Gummi verkaufen, wenn uns der Dreck abgekauft wird? Jetzt haben Sie — fit venia verbo — den Dreck. Er wird Ihnen aber nicht abgekauft. Sie werden mit den anderen Ländern, die guten Kautschuk liefern, in Zukunft nicht konkurrieren können!"

* Zum Kapitel der Inferiorität" der Katholiken. Ein angesehner Geistlicher schreibt der „Köln. Vztg.": Für einen Kulturhiswriker dürfte es eine inteeffante Aufgabe sein, einmal gründlich und allseitig nachzu- sorschen, welchen Einfluß und welche Bedeutung die S ä k u l a rifation im Anfänge des 19. Jahrhunderts in Deutschland für die Katholiken gehabt hat. Alle die reichen Stiftungen der katholischen Kirche wurden mit einem Federstrich aufgehoben, ihre Güter zu reich­lichen Entschädigungen oder Bereicherungen bestimmt; denn die Kirche war ja machtlos und eine le'chte Beute. Insbesondere wurden auch die adeligen Frauenstifte des Deutschen Reiches in Mitleidenschaft gezogen, soweit sie katholisch waren. Unseres W'st sens ist kaum in einem Teile des Deutschen Reiches für Töchter katholischer adeliger Familien ein Stift erhalten gehlieben, während die evangeli­schen Stifte nicht alle eingezogen sind. Es darf uns bas nicht wnnbern, ba ja auch ein^ Reihe evanaelischer Domstifte nicht säkularisiert sinb unb noch bis zur Stunbe eine stattliche Reihe von evangelischen Dom­herren aufzuweisen haben. Sie werben bekan"tlich meift nicht aus ber Reihe ber evangelischen Geist­lichen genommen. Wie getagt, es würbe eine lohnende Aufgabe für einen Kulturhistoriker „mit voraussetz­ungsfreier Wissenschaftlichkeit" sein, einmal bie Sach­lage zu beleuchten.

(*) Düsseldorf, 11. Okt. 1913. Wie bie „Deutsche Reichsztg." mclbet, ist über das Vermögen der (katho­lischen) Düsseldoisser B ü r g e r g e s e l l s ch a f t, Ä.- G., auf Antrag des Vorstandes das Konkursverfah­ren eröffnet worden. Das ist eine Blamage, die sich bei mehr Opfersinn der Düsseldorfer Katho­liken wohl hätte vermeiden lassen. Wohl ist es rich­tig, daß das Grundstück zu kostspielig erstanden und daß das Haus zu teuer gebaut war, auch daß es bis zum 1. Januar 1913 zu wenig Pacht einbrachte und deshalb bie Hausverwaltung aus bem Weingeschäft ben Berbienst verschlang. Richtig ist aber auch, daß sowohl das Hans selbst, als auch bas Weingeschäft zu wenig von ben Katholiken unterstützt worden ist Hätten mehr katholische Vereine und Privatpersonen ihre Festlichkeiten in ben schönen Räumen des Hau­ses abgehalteu unb hätten sie nur teilweise ihren Weinbebars bei ber Gesellschaft gedeckt, so hätte diese bestehen können. Aber an diesem Zusammengehörig­keitsgefühl der Katholiken und an dem Bestreben zu unterstütz-n, hat es in Düsseldorf gemangelt. Waren­schulden, Schulden an Handwerker und sonstige Lie­feranten sind nicht vorhanden, auch die zum 1. Ok­tober fälligen Hypothekenzinsen konnten noch gedeckt werden. Der Grund der Konkursanmeldung liegt daran, daß der „N o r d st e r n", der Inhaber der ersten und einzigen Hypothek von 800 000 Mark, seine Hypothek, für die er die Zinsen feit 12 Jahren regelmäßig pünktlich am Quartalsersten gezahlt er­halten hatte, gekündigt oder für die Belassung derselben Forderungen gestellt hat, die nicht zu er­füllen waren. Hinter diesen Maßnahmen des „Nord- stern" scheint, so meint die „Reichsztg.", wenn nicht alle Anzeichen trügen, noch etwas anderes zu stecken, von dem später noch vielleicht die Rede sein muß. Geld, etwa ,eine zweite Hypothek, war von keiner Seite, erst recht nicht von katholischer Seite aufzutrei­ben. Die darum angegangen sind und es muhelos gekonnt hätten, haben nicht einmal geantwortet und denjenigen, die bei dieser und anderen katholischen Unternehmungen gerne Geld gegeben haben, — das sind immer dieselben —, konnte nicht mehr zugemutet werden, weitere Geldopfer zu bringen. An Opfer­st» n der Katholiken, b. h. dem Sinn für wirklich praktische Zwecke, fehlt es hier und an vielen Orten immer noch und wird auch leider so bleiben. Geld für kirchliche Ausstattung kostbarster Art, für Stif­tungen usw. ist immer mobil zu machen. Aber für praktische katholische Zwecke sind diejenigen am we- nigsten zu haben, die das Geld in anderer Weise oft nutzlos zum Fenster hinauswerfen.

Ausland.

** Für die Förderung des Fremdenverkehrs in Frankreich wurde in der Sorbonne zu Paris unter dem Vorsitz des Arbeitsministers Thierry ein von

Ja, die Zeit der Drangsal unb Not kann wieber- kommen. Denn trenn auch bie Verhältnisse auf Er­de» feit 100 Jahren sich in ganz verblüffender Weise geänoert haben, — ein Vater des Unheils geht heute noch ebenso in der Welt herum, wie damals: ber Krieg mit Jammer Elend unb Not. Wir haben ja soeben in einer Ecke von Europa ein Schicksals­drama sich abspielen sehen, das den mitteleuropäischen Ereignissen vom Anfang des vorigen Jahrhunderts verzweifelt ähnlich sah. Auch auf bem Balkan reiht sich ein Krieg an ben andern; auch dort der Wechsel in ber Gruppierung ber kämpfenden Armeen, ähnlich wie in jenen Kriegen, als bald bie Preuße» mit ben Franzose» gegen bie Russen kämpfen mußten, bann toieber bie Preußen mit bey Russen sich gegen bie Franzosen wandten und inzwischen Deutsche gegen Deutsche geführt wurden, bis bet Uebergang auf bie nationale Seite möglich würbe. Bei ber Jahrhundert­feier unserer Befreiungskämpfe richten wir natürlich ben Blick auf bie herrlichen Erscheinungen jener Zeit. Wen» wir aber bie jüngste» Ereignisse auf bem Balkan betrachten unb die bitteren Klage» ber dorti­gen Bevölkerung vernehmen, bann brängt sich uns bas mitleibige Gefühl auf. Sc haben unsere Vorfah­ren einst auch leib»» unb jammern müssen in ben Kriegsjahren. Unb baran fchl'cßt sich ber weitere Ge- banke: Möge uns der Himmel bewahren vor einem neuen Krieg, beim auch in ben sog. Kulturländern wird ber Krieg ungeheure Opfer an Gut unb Blut, an Wohlstanb unb Gesundheit, an zeitlichem unb ewigem Heil verschlingen!

Es gibt nur eine Rechtfertigung für den Krieg: baß er notwendig ist, um den Frieden zu sichern. Und wen» wir ben Frieben genießen, so sollen wir stet? daraus bedacht sein, ben Krieg zu verhüten. Da hilft sich nun mancher leicht mit ber alten Lehre, daß bie stärkste Rüstung bet beste Schutz für ben Frieden fei. Also wenn recht viel Kanonen unb Solbaten be­willigt sinb, so glaubt ber kurzsichtige Staatsbürger das feinige für die Sicherung des Friedens getan zu haben. Das sind politische P h a r i f ä e r. Die Zahl der Soldaten unb Kanonen tut's nicht allein. Wen» die Nation so wehrkräftig dastehen soll, daß kein Feind sich an sie herantraut, so müssen im Volke elbst die Tugenden leben bie 1813 unsere Väter zur Ueberroinbung ber "rafften Gefahren befähigt

3000 Vereinsbelegierten beschickter Kongreß eröffnet. Der Minister, ber besonbers bie große wirtschaftliche Bebeutung bes Frembenverkehrs betonte, erklärte, baß bie wichtigste Angelegenheit in bieser Hinsicht bie Reform bes Hotelwesens sei, unb betonte hierbei, baß bie Hotelinbustrie Frankreichs sich zum großen Teil in ben Hänben von Auslänbern befinbe.

△ Der spanische Klerus und bie Bauern. Der spanische Klerus beschäftigt sich bekanntlich sehr eifrig banrit, bie traurige Sage ber meisten kleinen Bauern Spaniens zu bessern unb sucht zu biesem Zwecke überall soziale, zu biesem Beginnen nützliche Organi­sationen einzuführen. Der Diözesanrat von Mabrid hat ben p. Correas beauftragt, bie Diözese zu be­suchen unb bie Bauern aufzufordern, sich gegenseitig zu helfen und die Gründung von Unterstützungs- Vereinen auf Gegenseitigkeit in die Hand zu neh­men. Obwohl bie Ausgabe bei bem Rückstanb unb ber schwierigen Lage ber Lanbwirtschaft gerade int zentralen Spanien nicht leicht ist. hat P. Correas doch schon einige gute Erfolge errungen. Besonders in Torres und Valdevilla wurden mehrere Bauern- unb Winzergenosscnschaften gegrünbet.

♦ Der erste britische Ueberdreadnought „Queen Elizabeth" würbe am Donnerstag in Ports- mout h, bem Krieashafen an ber Sübküste Engla-bs- vom Stapel gelassen. Es ist bas erste mit lözölligen Geschützen ausgerüstete Kriegsschiff unb wird mit Oelfeuerung betrieben. Es ist bas größte Schiff ber britischen Flotte unb hac eine Länge von 600 Fuß unb bei vollständiger Armierung eine Wassern erd än- gung von 27 000 Tonnen Das Schlachtfchisf kostete 47 Millionen Mark.

vermischtes.

* Tas Ende des Zirkus Busch. Am 1. April kommenden Jahres wird voraussichtlich der Zirkus Busch in Berlin zu bestehen aufhören. Kommis­sionsrat Busch, der über 30 Jahre lang sein ausge­dehntes Unternehmen geleitet hat, will sich ins Privat­leben zurückziehen unb ben Zirkus vollkommen auf» lösen. Damit würden nicht nur bas Berliner Unter­nehmen, sondern auch bie gleichen Etablissements in Wien, Hamburg unb Breslau zu existieren aushören. Sei» Entschluß, bereits am 1. April bas Unterneh­men aufzugeben, würbe burch bie Lustbarkeitssteuer herbeigesiibrt. Diese Steuer, bie ben Berliner Zirkus pro Abend mit etwa 700 Mk. belastet, verleidete ihm die Tätigkeit.

Literarischer.

Der „Jäger aus Kurpfalz". Es tft soviel „Poetisches und Romani sches" über de» „Jäger aus Kurpfalz " geschriebeu worden, — teils für, teils wider ibn, — daß es oxdentlich roobl tut, endlich einmal etwas sachlich- biographisches von dem, durch einen Denkstein im Soon- wald (Hunsrück) als „Jäger auS Kurpfalz" geehrten Friedrich Wilhelm Utsch zu Hören. In seinem Buch „der Jäger auS Kurplatz" (mit zahlreichen Abbildungen und Beilagen, geb. Mk. 3.50, bei Max Kellerer's Berlag- München), bat der Ururenkel deS Obigen, der in München lebende Maler und Leutnant a. D. Friedrich Wilhelm Utsch die Traditionen seiner Familie und des Eoon- walds gesammelt und stellt diese, an der Hand des Nachweises streng historischer Dokumente und glaub­würdiger Begründungen, — den mancherlei Anfeindungen gegenüber über den „Entenpiuhler Jäger a. Km Pfalz" gelchütlet hat. Liest man dies Buch, fo hat man die wohltuende Empfindung, daß hier absolut objektiv und ohne naheliegenve Eitelkeit die Gründe geprüft wurden, welche die Annahme zur Ueberzeugung werden lassen, daß auf dem Forsthaus Entenpfuhl in der Tat weit eher (und zwar im 18. Jahrhunder) die Entstehung des reizenden deutschen Volksliedchens zu 'uchen ist, alS in irgend einem andern Teil der jetzigen Pfalz. Das reich illustrierte Weilchen bietet auch, ohne weitschweifig zu werden, neben bet sachlichen Behandlung des Stoffs, fo viele freundliche Einblicke in die Zeit der zweiten Hälft, des 18. Jahrhunderts. W.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Wenn Sie Ihr Kind^

gesund, munter und geistig frisch sich ent- ja wickeln sehen wollen, so geben Sie ihm Dr. E Hornrnel'S tzaemarogen. Warnung! Man |

verlange ausdrücklich den Namen Dr. Q»mmel

habe». Woher soll ber Respekt bes Auslanbes kom- men, wenn unser Volt bas Schauspiel ber Zwie­tracht unb Zersetzung bietet? Wer ben äuß e- ren Frieben sichern will, bei muß ben inneren Frieben pflegen. Daher fort mit ben konfessionellen Kämpfe», ben Sprachcnkämpfen, ben Stanbeslämpfen unb ben sonstige» inneren Zwistigkeiten! Die Vor­fahren habe» uns durch ihre Tüchtigkeit zu einem gemeinsamen Hause verhalfen; jetzt ist es unsere Pflicht und Schuldigkeit, in biesem Hause bie B r ü- derlichkeit heimisch zu mache».

Gerabe bie Gedenkfeier des glorreichen Krieges muß die Nachfahren friedlich stimmen. Denn wofür haben jene gestritten und gelitten? Zunächst für bie Freiheit. Aber wo bleibt bas mühsam errungene Gut ber Freiheit, wenn nun ber eine Bruder den andere» zu verfolge» unb zu bebrüden sucht?

Als hoffiungsfroher Jüngliig habe ich im Jahre 1863 das 50jährige Jubiläum der Schlacht bei Leipzig mitbegangen. Damals lagen bie Verhältnisse in Deutschlanb »och sehr ungünstig. Der alte deutsche Bund war auf den Hund gekommen, Preußen und Oesterreich tonnten sich nicht vertragen, in Preußen herrschte die beängstigende Konfliktszeit. Wir haben doch frisch und froh die Halbhundertfeier begangen, weil wir zuversichtlich hoffte», Deutschland werde sich mit Gottes Hilfe schon auf raff en, um bie Früchte des Leipziger Sieges endlich in die Scheune zu bringen. Bald darauf brach die neue Kriegsepoche an. Aber bas war kein verberblicher Orkan, sondern eher ein Früblingssturm, ber bas Eis bricht. Wir sinb mächtig vorwärts gekommen auf bem politischen Gebiete. Auch auf dem wirtschaftlichen Gebiete. Aber wie steht e§ mit bem moralischen Fortschritte, mit der religiös-sittlichen Entwickelung? —■ Bei*dieser Betrachtung fallen Schatten auf bie Fest- stimmnng. Gehen wir mit bem ernsten Vorsätze heim, daß jeder für sich unb seine Familie möglichst viel zu wahren und pflegen sucht von bem guten Geiste, der.die Vorfahren von 1813 beseelt: Treue Christen unb wackere Deutsche zugleich — bie kalben ben Hort des Friedens und des Heiles. Sterben sie aus, so ist diese Jahrhundertfeier bie letzte.