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2. Blatt.

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- Zuldaer Zeitung.

vonnMstag 16 eftober 1913.

Reklame», «nd Anzcigenlcil.

Tie eintönige Krankenkost kann man auf keine leichtere Weise verbessern, als wenn man sie nach dem „K u s e k e"-Kochbnch zubereitet, welches eine große Aus­wahl von Kochrezepten für die verschiedensten Krankheils- und Genesungszustände bringt. Die Broschüre ist in Apotheken und Drogerien oder direkt von der Fabrik in Lmniburg-Bergedorf gratis erhältlich.

Auf der Lengsfelder Straße scheuten die Pferde vor dem um 4V» Uhr hier eintreffenden Personenzuge. Die Pferde rasten zurück und der Wagen geriet so nahe an den fahrenden Zug, daß er ersaßt und um» geschleudert wurde. Der Wagen ist zertrümmert, die Jnsaffen blieben unverletzt. Dieser Vorfall zeigt wieder recht klar, in welcher beständigen Gefahr die Geschirre schweben, von der Feldabahn über den Haufen gefahren zu werden.

* Stadtlengsfeld, 15. Okt. 1913. Am 25. August ds. Js. hat die Frau Emilie CaniS in Stadtlengs- feld ein Kind vom Tode des Ertrinkens in der Felda gerettet. Für die bei dem Nettungswerk bewiesene Selbstverleugnung und Entschlossenheit wird ihr jetzt vom Ministerium in Weimar öffentliche An­erkennung ausgesprochen.

' Unstreitig sind Warners Korsels die besten Von Ihren Bekannten, die diese Marke bereits tragen, werden Sie dies bestätigt bekommen. Alleinverkauf David Roscnfeldcr. Fulda.

Amt Geisa und Umgebung.

!! Geisa, 15. Okt. 1913. Die erste Schneider- Meisterin im 4. Verwaltungsbezirk. Vor der Meisterprüfungskommission für das Schneider, gcwcrbe lcg'e Fräulein Marie Ruppel aus Vacha mit Erfolg ihre Prüfnng als Schneidermeisterin ab. — Für durch die Wassrrkata stroph e im Sommer ds. Js. geschädigte Kameraden in den zur Vachacr Gruppe gehörigen Orten Pscrdsdorf, Unterbreizbach und Völkershausen hat auch der Deutsche Krieger­bund eine Unterstützung von 275 Mark be­willigt.

* Vacha, 15. Olt. 1913. Unter den in diesem Jahre zum Militär eingezogenen Rekruten befindet si h auch der si e b e n t e Sohn des Wcgcbaukomimsjars Stran». 6 seiner Söhne haben schon des Kaisers Rock getragen.

* Dermbach, 15. Olt. 1913. In einer großen Ge­fahr schwebte gestern nachmillug ein Oechsener Ge­schirr, aus dem Pfarrer Krieg aus Gehaus sich befand.

Aus Gberhefsen u- Öen Hess. Aemtern.

△ Marburg, 15. Okt. 1913. Nachdem am 1. Okt. beim Jägerbataillon 55 Einjährige und 15 gelernte Jager zur Einstellung gelangten, traten heute weitere 400 Rekruten ein. Die Mehreinstellung ist bedingt durch die Einrichtung der Maschinengewehr- um Radfahrer-Abteilung.

A Marburg, 15. Okt. 1913. Der hiesige Ge- werbeverein und die Innungen beschlossen, gelegent­lich der I a h r h u n d e r t f e i e r am nächsten Sams­tag ihre Geschäfte nm 10 Uhr vormittags zu schließen. Der Kaufmännische Verein beschloß, um 1 Uhr La­denschluß eintreten zu lassen. — Der Samstag- Wochenmarkt wird bereits am Freitag abgehalten.

* Marburg, 16. Okt. 1913. Zu dem tragi­schen Schicksal des Lehramts-Kandi­daten D r. Spieß, der vergangene Woche infolge eines Unfalls auf der Straße zu nächtlicher Stunde zusammenbrach und in der Klinik starb, wird noch ge­meldet: Dr. Spieß hatte vor kurzem sein Examen gemacht und sollte am Gymnasium in Fulda dieser Tage in seinen Beruf eintreten. Gelegentlich einer Abschiedsfeier, die er seinen Freunden gab und zu der er auch den ihm befreundeten Sohn eines hie­sigen Sanitätsrats, einen Oberprimaner, eingeladen hatte, erhielt er von diesem gelegentlich einer Neckerei mit einem dolchartigen Taschenmesser, das letzterer gerade zum Essen benützte, einen Stich, der in die Leber drang. Dr. S. wurde später von seinem un­glücklichen Freunde in die Klinik gebracht, wo sofort eine Operation vorgenommen wurde. Leider war die Wunde tödlich und der hoffnungsvolle junge Mann ist seiner Verletzung erlegen. Er hinterläßt seine um den Verlust ihres einzigen Sohnes tief» trauernde Mutter. Die Staatsanwaltschaft hat sich der Sache angenommen.

* Frankenberg, 15. Okt. 1913. Das 214jährige Söhnchen des Bahnhofsarbeiters Bieber geriet in einem unbewachten Augenblick an die Ofenkachel, aus welcher es einen Topf mit kochendem Was- se-r hervorzog und den Inhalt über sich ergoß. Leider war die Verbrennung derart, daß das Kind gestern von seinen qualvollen Leiden durch den Tod erlöst wurde.

Handel und Industrie.

Berlin, 15. Oktober' 1913. Die Gefahr abermaligen Londoner Diskonterhöhung scheint ab« gewendet zu sein, nachdem es der Bank von England gelungen ist, ihre» Goldschatz erheblich zu kräftigen. Damit war der Börse eine schwere Besorgnis ge­nommen. Sie atmete auf, obwohl die Spannung am deutschen Gelomarkt unvermindert anhält. Bessere Nachrichten aus der Schwerindustrie gaben dem Montanmarkt ein besseres Aussehen. Gegen Schluß verstauten die Kurse auf Exekutionsverkäufe der Kanada-Aktien büi5 BrivatdisÄnl »».verändert.

sen zu den Verbündeten über und richteten ihre Ge­wehre gegen ihre bisherigen Kriegsgenossen, wodurch eine heillose Verwirrung entstand, die sich 'Napoleon selbst vergeblich bemühte, aufzuhalten.

Napoleon sah seine Sache an diesem Tage ver­loren und traf schon am Nachmittage die Anordnun­gen für seinen Rückzug, die Verteidigung der Stadt seinen Generalen Macdonald, Marmont und Ponia- towski überlassend.

'Noch einmal entbrannte am 19. Oktober um die Wälle von Leipzig ein erbitterter Kampf. Die hessische Division wap mittlerweile zu, den Verbündeten über- gegangen. Die Stadt wurde gestürmt und nun, da alles verloren war, entstand unter den Franzosen ein wahres Durcheinander. Ihre Nachhut geriet bei der Elsterbrücke, die gesprengt worden war, in die schlimmste Bedrängnis. Ihr Heerführer Marschall Macdonald berichtet darüber selbst in seinen Feld- zugserinnernngen:

„Das war zu viel für meine schon entmutigten Truppen. Alle Bande der bisher noch notdürftig er­haltenen Ordnung losten sich auf. Panik und Ver­wirrung rissen ein. Keinen Anstrengungen meiner­seits gelang es, diesem Durcheinander noch einen Halt zu geben. Ich wu-de mit fortgerissen. In tollem Drängen wälzten sich die Massen der Brücke zu. Doch das Unglück war noch nicht voll. Wre ein Lauffeuer verbreitete sich vlotzlich der Ruf: „Die Brücke ist gesprengt!" Tie Schreckensnachricht wirkte wahr­haft lähmend. Auf alle» Gesichtern malte sich Be­stürzung, Wut, Verzweiflung; ich selbst war nicht der am wenigsten Betroffene. Ich kochte vor innerem Grimm. Es ist unbegreiflich, bleibt aber geschicht­liche Tatsache, daß weder vor, während, noch nach der Schlacht irgendwelche Maßnahmen getroffen wurden, die.Elster an anderen Punkten als auf der Lindenauer Brücke überschreiien zu können, und doch wäre es ein Leichtes gewesen, de» schmalen Fluß nicht allein für die verschiedenen Waffen, sondern auch selbst für die einzelnen Korps in ausreichender Weise zu iiber- bricken. Ebensowenig war irgendeine Truppe auf dem linken Ufer ausgestellt, um den Rückzug über die einzig vorhandene Brücke zu schützen. Der Kaiser befand fick' zur Zeit der Sprengung mit seinem ge- j

[] Zur Jahrhundertfeier der Völker­schlacht bei Leipzig.

18. Oktober 1813.

Xie dreitägige Schlacht um Leipzig.

Leipzig mußte die Entscheidung fallen, das wußte Blücher ganz genau und er ließ sich von diesem Ziele durch nichts abbringen. Je mehr die anderen vor dem Zusammentreffen mit der Hauptmacht zit- terten und zögerten, umsomehr drang er mutig vor.

Von Böhmen her drängte endlich auch die unter österreichischem und russischem Kommando stehende Hauptarmee der Verbündeten 160000 Mann stark herauf und warf am 14. Oktober bei Liebertwolkwitz im Süden von Leipzig die Kavallerie des Königs Mu­rat von Neapel zurück. Einen Tag später traten die Bayern zu Napoleon in den Kriegszustand.

Napoleon hatte in und um Leipzig einen durch die vielen Flußläufe der Pleiße, Elster, Luppe, Parthe überaus begünstigte Stellung eingenommen, die aller­dings auch die Gefahr in sich barg, völlig umzingelt zu werden, welchem Schicksal er schließlich beim auch nur durch das mutlose Zögern des Hauptquartiers, bei dem sich die drei Monarchen von Preußen, Oester­reich und Rußland befanden, entging.

An vier verschiedenen Stellen zugleich entbrannte in der Frühe des 16. Oktober der Kampf los. Na­poleon selbst wußte dem Hauptkorps bei Wachau Stand zu halten. An der Pleiße wurden die Oester­reicher zerrieben. Bei Lindeiiau erfolglose Kämpfe. Einzig bei Möckern, wo Blücher stand, ein entschei­dender Sieg, der der Bahnbrecher für die weitere französische Niederlage wurde. lieber den Kampf berichtete der Feldniarschall an seinen König:

„Das 1. Armeekorps E. K. M. siegreichen Armee hat an diesem denkwürdigen Tage mit begeisterter Tapferkeit gefochten. Jeder einzelne hat tief gefühlt, daß in diesem verhängnisvollen Kampfe der Sieg,er­rungen werden müsse, und der Erfolg hat die Stim­mung bewährt, mit der sich E. M. brave Truppen geschlagen haben. Es hat an diesem Tage nicht das blinde Glück den Sieg an unsere Fahnen gefesselt, es Waren alte bewäbrte Bataillone der feindlichen Garde, die sich hartnäckig und mit Erbitterung schlugen;

samten, Hauptquartier schon in Markranstädt. Ich weiß wirklich nicht, wie ich diese verbrecherische Gleich­gültigkeit bezeichnen soll, die bar jeden Gefühls für das Wohl der Truppen, so viele Menschen auf einmal zu opfern vermochte. Infolge dieses sträflichen Ver­säumnisses geschah es, daß die beiden rechts und links aiif der Promenade und.die geradenwegs durch die Stadt abfahrenden Kolonnen, als sie fast gleichzeitig i:> der Nähe der Brücke eintrafen, beim Anblick bei» selben ein unsinniges Wettfahren begannen. Jeder wollte juerft hinüber. In wilder Jagd fuhr man auf und an der Brücke zu einem unentwirrbaren Knäuel ineinander hinein, der dann zumteil mit in die Luft flog."

Am Nachmittage zogen die drei Monarchen in Leipzig ein und liefen dabei noch Gefahr, getötet zu werden, v. Reiche berichtet darüber:

„Als der Zug den Fleischerplatz erreichte, fielen vom jenseitigen Ufer der Pleiße Kleingewehrschüsse und Granatwürfe. Es halten sich längs dieses Ufers noch einzelne feindliche Tirailleure anfgehalten. Na­türlich kam der Zug ins Stocken. Alles suchte die Monarchen zuriickzühalten und zum Umkehren zu bewegen. Geschütz und Truppen sollten vorgeholt werden, um den Feind gegenüber zu vertreiben. Das eine wie _ba§ andere war aber keine Kleinigkeit, in­dem die Straße durch die zahlreiche Suite zu Pferde dicht augefüllt war und sich rückwäts zusammen- drängte, um die Monarchen aus der Schußlinie zu bringen. Ties gelang mit vieler Mühe, und bald hörte das Schießen von selbst auf."

Ter König von Sachsen, der bis zuletzt zu Napo- leon gehalten, bemühte sich vergebens, von feinem Palais aus die einziehenden Sieger zu begrüßen. Tie Herrscher aber ließen ihn kalt stehen und ritten vorbei; später kam er in die Gefangenschaft nach Berlin. '

Die Riesenschlacht, an der über eine halbe Mil­lion Menschen mit 2000 Geschützen gegen überstanden, war zu Ende. 72 000 Franzosen, 42 000 Verbündete deckten die blutige Wahlstadt.

Schwer waren die Opfer, aber köstlich der Sicges- prcis, denn Tentschland war frei!

I Regierung, in deren Bezirk der Betreffende wohnt, ebenfalls bis zum 1. Januar k. Js. anzubringen. Die über Gesundheit, Führung und Lehrtätigkeit bei- zubringenden Zeugnifle müffen in neuerer Zeit aus­gestellt fein._________________

Ans dem Nachbargebiete.

— Dirlos, 15. Okt. 1913. Durch eine nach­trägliche Verschiebung der Buchstaben im Satz der gestrigen Nummer ist der Warne des Käufers des Heil'schen Hauses verunstaltet worden. Er heißt Hof« acker.

;;; Niederbieber, 14. Okt. 1913. Gestern fand die Einweihung unseres festlich geschmückten Schul- h aus e s statt. Nach beendetem Festgottesdienste be­gaben sich die Schulkinder mit ihrem Lehrer unter Absingen des Liedes: „O hl. Geist, ganz gnaden­reich" in Prozession zu dem neuen Heim, das nach feierlicher Einsegnung durch Herrn Pfarrer Noll- Hofbieber seiner Bestimmung übergeben wurde. Die neue Schule, am Fuße der Rhön in nächster Nähe der Bahn nach den Plänen des Herrn Regierungs- und Baurats H e u s ch - Fulda erbaut, ist in der Tat ein Prachtbau, der den Anforderungen der Neuzeit in jeder Beziehung entspricht. Die Wasserleitung ist be­reits angelegt, und demnächst soll sie auch mit elek­trischer Beleuchtung ausgestattet werden. Allen denen, die der Entstehung dieses Werkes ihre Kräfte liehen, fei an dieser Stelle gedankt. Möge das Haus stets eine echte Bildungsstätte und eine Quelle des Segens für Staat und Kirche fein!

~ Aus der Rliön, 15. Okt. 1913. Wie die Mo­natsschrift „Die Rhön" schreibt, soll der schöne Hoch­wald (Eichen und Buchen) am Schnittlauch- st e i n in der Rahe der Milseburg abgeholzt werden. Auch hier wird also die Axt an den Laubwald gelegt und das Mittelgebirge unserer Umgebung immer mehr seiner charakteristischen Schönheit beraubt. Da­bei soll, wie Naturfreunde und Kenner behaupten, diese Gegend sich außerordentlich gut für einen Na­turschutzpark eignen. — Die Kgl. bayerische Staatseisenbahnverwaltung hat für die Wintersaison 1913/14 wiederum zwei Wink er­spar t z ü g e in Strecke Neustadt a. S.-Bischofsheim (Rhön) genehmigt (15. Dezember er. bis 22. Februar 1914). In Strecke Neustadt a. S.-Bischossheim (Rhön) Verkehren außerdem noch 4 Zugpaare.

s. Langenselbold, 15. Okt. 1913. Tas Heinrich R o th'sche Ehepaar feierte das goldene Hochzeits- feft. Ihm wurde die vom Kaiser gestiftete Ehejubi­läumsmedaille überreicht.

* Hanau, 15. Okt. 1913. Ein Ausbrecher, der dem ans dem Fuldaer Untersuchungsgefäng­nis geflohenen und noch immer nicht eingefangenen Müller ebenbürtig zu fein scheint, ist der Former Heinrich Fichte aus Frankfurt. Er war von der hiesigen Strafkammer wegen Teilnahme an einem Einbruchsdiebstahl in Wachenbuchen zu 2 Jahren Ge­fängnis verurteilt worden. Als er sich mit mehreren Mitgefangenen im Hof des hiesigen Gefängnisses be­fand, bat er den Aufseher, einmal austreten zu dür­fen. Plötzlich schwang er sich auf den Abort, von dort auf das Dach, überkletterte die Mauer und ge­langte fo ins Freie. Auf seiner weiteren Flucht durchschwamm er noch die Kinzig und ent« k a m.

* Arolsen, 15. Okt. 1913. Ter Fürst hat den Kgl. Oberförster v. Ploetz aus Jellowa zum Fürst!. Oberforstzneister und Hosjägermeikter für das Fürstentum ernannt. Zugleich wird derselbe als stimm­berechtigtes Mitglied in die Domänenkammer berufen.

Lokaler.

Fulda, 16. Oktober 1913.

* Verliehen wurde dem Oberförster Dreßler « Bad Orb der Titel Forstmeister mit dem Range «r Räte vierter Klaffe. — Dem Hegemeister touatb Bode zu Forsthaus Hönebach im Kreise Rotenburg a. F. wurde da» Verdienstkreuz in Gold and dem Gememderechner Konrad Kaletsch zu Cappel im Kreise Marburg das Allgemeine Ehrenzeichen ver­liehen.

O Mit der Leitung der hiesigen städtischen Handels- schule ist nunmehr, da Herr Vogel dieses Amt auS DefundheitSrückstchten mit dem 1. Oktober niedergelegt hat, Herr Lehrer Ritzel beauftragt worden.

-x- Bon ben höheren Lehranstalten. An der Ober- Realschule wurden zu Beginn deS Winterhalb. jahreS vier Schüler neu aufgenommen. Die gesamte Schülerzahl beträgt zurzeit 294, in der Vorschule 54. 7. am König!. Gymnasium erfolgten emige Neuaufnahmen. Dem Pädagogischem Seminar wurden als Kandidaten deS höheren Schulamtes folgende acht Herren zugeteilt: Moritz Braun, Heinrich Ruez, Dr. Willi Schönwitz, Carl Aldag, Jost Michel, Franz Falkenstein, Max Gerstner uttb 5|of. Oft.

~ Bei dem Feld-Artillerie-Regiment Nr. 47 sind gestern 330 Rekruten eingerückt. Davon sind 240 Freiwillige und nur 90 Mann Ersatzleute.

-r- Ein Me.fierkursuS wird bei genügender Be­teiligung in Kürze in Fulda eröffnet werden. Da das llnterrichtShonorar nur 8 Mark beträgt, wofür auch die Lernmittel gestellt werden, so ist eine rege Beteiligung sehr zu empfehlen. Das Nähere ist aus einer Anzeige im heutigen Blatte zu ersehen.

. '! BolkSbildnngsabende. Der Verein VolkSlesehalle ist z«r Zeit mit den Vorbereitungen für die Volks- bildungSabende in diesem Winterhalbjahre beschäftigt. Redner über interessante und belehrende Themen haben sich gefunden, auch haben sich einige hiesige «esangoereine zu gesanglichen Vorträgen an den BolkSmIdungsabenden bereit erklärt. Der erste Abend findet am 9. November statt. Herr Rektor Rolle wird sprechen über die Freiheitskriege. Aus- gezeichnete Lichtbilder werden seinen Vortrag be- gltsten. — ES liegt im beiderseitigen Interesse, wenn Bereme bet Festlegung ihrer Veranstaltungen auf d.e BolkSbtldungSabende Rücksicht nehmen. Nachfragen Vnnen auf dem Bureau der Volksbildungsadende (Rathaus im Schloß, Zimmer Nr. 4) gehalten werden.

[•) Au 18. Oktober findet in allen hiesigen Unter« «chts-Anstalten (auch in den Fortbildungs- Schulen) auf ministerielle Verfügung hin eine Ge- J»««ffeter ber Völkerschlacht bei Leipzig statt. Der Unterricht fällt an diesem Tage aus.

---- Bei den Ausgrabungen aus dem Domplatz streß man in der Richtung nach dem Hauptportal des jetzigen Domes in nicht allzugroßer Tiefe auf ein sehr gut erhaltenes männliches Skelett. Es lag vollständig frei und hat eine Länge von etwa zwei Meter. Sämtliche 32 Zähne sowie der übrige Knochenbau sind noch tadellos erhalten. Das er­reichte Alter des Toten wird auf etwa 45—50 Jahre geschätzt. Durch den Umstand, daß bei dem Skelett L'cht irgendwelche Anhaltspunkte (Perqamentrolle, Tafelchen mit Inschrift oder dergl.) gefunden wurden, ist eS unmöglich, Genaueres -über den Toten festzu- stellen. Die weiteren vorgesehenen Ausgrabungen muffen mit Rücksicht auf die Mission vorläufig -ingefiellt werden. Daher wird die ausgehobene Flache wieder mit Erde ausgefüllt und geebnet — Dem Vernehmen nach ist beabsichtigt, das freigelegte Fundamentwerk der Teile der ehemal. Stiftskirche genau nach seiner Größe an der gleichen Stelle des Domplatzes durch Mosaikpflaster zu kenn- jerchnen.

Ei"e Reihe von Kraftwagen-Perfonenposten, die für die Rhon m Betracht kommen könnte, werden in der soeben erschienenen, sehr interessanten Rum- mer der Monatsschrift „Sie Rhön" einer Bespre­chung unterzogen. Bor allem wird der Ersatz jetzt bestehender unzeiigemäßer Postkutschen-Verbindungen dulch Kraftwagen-Posten befürwortet. Einer dieser Vorschläge geht dahin, den „vorsintflutlichen Rappel- kasten , der letzt zwischen Lütter-Weyhers- Poppenhausen verkehrt, in den Ruhestand zu versetzen und diese Linie unter gleichzeitiger Ber- !?V?suull »ach Bahnhof Hilders — durch die postalffch sehr vernachlässigten Orte Abtsroda, ®iet« ZA. Brand Wickers usw. - in eine Kraftwagen- »S°ft umzuandern. Zu begrüßen wäre die Einrichtung emer solchen verlängerten Linie auch in Ruckycht auf die Dörfer Reulbach, Tränkhof, Sieblos

I u. a Zumal da der Verkehr nach Weyhers, wo sich I das Amtsgericht befindet, und nach dem Marktflecken Poppenhausen mit seinen regen geschäftlichen und I touristischen Verbindungen derartig ist, daß man die I Verbesserung der Fahrposwerhältmffe mit Recht be- I anspruchen darf. Auf eine diesbezügliche Eingabe «des Rhönklub-Hauptausschusses bat je- I doch die Kaiserliche Oberpostdirektion in Kasse! zeant- I wartet:

I 1. Die direkte Straße über'AbtSroda fei wegen der I starken Steigungen tn der Nähe deS Ortes für I einen regelmäßigen Kraftwagenbetrieb ungeeignet; die I Kraftwagen müßten den Umweg über den an der Straße I Fulda—Hilders liegenden Grabenhof nehmen und könnten I Abtsroda nicht berühren. 2. Eine Rentabilität der Linie I ftl sehr unwahrscheinlich, da auf dem Personenkurse eine I lährliche Einnahme von 10000 auskommen I müßte. Diese sei aber bei Vermeidung von Abtsroda I nicht zu ermatten, weil der Kraftwagen zwischen Poppen- I Hausen und Dietges auf einer Strecke von 9 Kilometer I noch dazu durch unbewohnte Gegenden fahren müßte. I 3- Die Interessenten würden sich zur Gewährung eines I erheblichen Zuschusses zu den Kosten der Einrichtung I kaum bereit finden.

Unter diesen Umständen bedauert die Oberpost­direktion, diesem Plan vorläufig nicht näher treten zu I können. Doch hofft der Rhönklub-Hauptausschuß auf I eine spätere Verwirklichung des geschilderten Projek- I tes. Von einem anderen Projett ist, wie seinerzeit I gemeldet, in der letzten Versammlung der Rhönklub- I Sektion Fulda die Rede gewesen. Zurzeit führt eine staatliche Personenpost von Schmalnau nach I Brückenau. Sie wird anscheinend wenig benutzt. In der „Röhn" wird nun vorgeschlagen, eine Kraft- wagenpost zwischen Brückenau und Fulda ins Leben zu rufen. Der Vorteile für die Postbehörde selbst wären gar viele. Wer jetzt von Fulda nach der Brückenauer Gegend — z. B. Bad Bückenau, Kiffingen usw. will, muß den weiten und umständlichen Weg über Elm, Jossa ober Elm, Gemünden, Würzburg, Schweinfurt, Ebens­hausen machen, hat in vielen Fällen keinen direkten Anschluß und die Fahrtkoften sind eben dieses Um­weges halber größer als Diejenigen für eine direkte Kraftwagenstrqcke. Es liege außerdem ein geschäft­lich stark besuchtes Hinterland an der Strecke, abge­sehen von etwa 7—8 Ortschaften, die unmittelbar berührt werden. Zwischen den beiden Endstationen bestehe ein reger Verkehr, sowohl geschäftlicher, als auch namentlich touristischer Natur. Eine Rentabili­tät stünde ganz außer Frage. — Hoffentlich findet dieses Projekt bei den Behörden Anklang. Seine Vorzüge leuchten jedem ein.

;; Für die kmlstgeschichtlichen Vorträge des Herrn Professors Julius Hülsen aus Frankfurt a. M. sind erfreulicher Weise Anmeldungen bi? jetzt soviel ein­gelaufen, daß da? Unternehmen gesichert ist und mit den Vorträgen am 26. November d. J„ abends 7Vi Uhr, im „toten Saale" des Orangeriegebäudes (Stadtsälen) begonnen werden soll. Die weiteren Vorträge vor Weihnachten finden am 3., 10. und 17. Dezember d. I. statt, lieber die Festsetzung der Vortragsabende nach Weihnachten ergeht an die Teilnehmer demnächst besondere Mitteilung. Weitere Anmeldungen nimmt Herr Kreisbote Seelig (Land- ratSamt) entgegen.

<P Der Stadtstafettenlauf, den der Fuldaer Fus. balloerein am nächsten Sonntag veranstaltet au8 An­laß der Jahrhundertfeier, hat eine gute Besetzung ge­funden. Der Lauf beginnt um 2 Uhr am Krieger­denkmal und führt durch die Kurfürstenstraße, Vieh- martt, Lindenstraße, Franzosenwäldchen, Buseckstraße, Truchseßstraße, Schildeckstraße, Löhersgaffe, König- straße, Wilhelmstraße, nach der Friedenseiche. Tie Jugendstafetten enden bei der Molkerei. Die Melde­frist läuft morgen ab.

§ Einen „netten" Pastagier brachte gestern mittag ein von Frankfurt a. M. kommender U-Zug mit. ES wurde festgestellt, daß der Mann nut eine Fahr- karte 4. Klasse besaß. Außerdem hatte et sich im Speisewagen Speise und Trank gut munden lasten, ohne sich um das Bezahlen zu kümmern. Bei der Feststellung feiner Personalien auf der Station Fulda ergab sich, daß der Passagier gar keine Barmittel bei sich führte. Seine Zechschuld im Zuge sowie das noch nachzuzahlende Fahrgeld beträgt ungefähr 15 Mark. Die Eisenbahnbehörde wird Anzeige wegen Betrugs stellen.

* Turnlehrerpriisung. Für die im Jahre 1914 an der Königlichen Landesturnanstalt in Spandau I abzuhaltende Turnlehrerprüfung ist Sennin auf I Montag, den 9. März und die folgenden Tage an« beraumt worden. Meldungen der in einem Lehr- I amte stehenden Bewerber sind bei der vorgesetzten Dienstbehörde spätestens bis zum 1. Januar 1914, Meldungen anderer Bewerber bei der Königlichen

darum war auch die Schlacht nicht sobald entschieden, und die erneuerten gegenseitigen Angriffe veranlaß­ten, daß auch nicht eine Truppenabteilung übrig blieb« die nicht mit Anstrengung und großem Verlust ge­fochten hätte. Es macht mich glücklich, E M. sagen zu können, daß jede Brigade Batterien gestürmt und I genommen hat, alle Waffengattungen haben gewett­eifert, und der Unterschied zwischen alten Soldaten und junger Landwehr hatte gänzlich aufgehört. Bei einer fo allgemeinen gleichen Bravour, bei einem so allgemein gewordenen Geiste, der Offizier und Soldat zu gleichen Anstrengungen trieb, ist es mir unmög­lich, E. K. M. besonders die Verdienste einzelner Individuen anzugeben. So wie sich die Herren Ge­nerale, Brigadechefs und Brigadiers durch einsichts- volle Führung an der Spitze ihrer Brigaden auszeich­neten, so haben sich die sämtlichen Führer der Ba­taillone, der Eskadrons, der Kompagnien und der Batterien durch kühnen Mut und leuchtendes Bei­spiel verdient gemachi. Die Subalternoffiziere, die mit hoher Selbstverleugnung die außerordentlichen Ermüdungen dieser Kampagne gleich dem Soldaten trugen, haben sich auch am 16. wie bei allen Gelegen­heiten meine hohe Achtung erworben. Nicht minder der Soldat, der Landwehrmann, der mit so ausge­zeichneter Tapferkeit bei Goldberg, an der Katzbach, bei Watenburg, und besonders am 16. focht. . . Eine heilige Pflicht glaubte ich noch zu erfüllen, wenn ich E. K. M. Huld und Fürsorge für die Witwen und Waisen erflehe, deren Männer und Väter an diesem Tage einen fo ehrenvollen Tod starben."

Am 17. Oktober war es Sonntag und der Kampf ruhte auf beiden Seiten, man bereitete sich vor auf das blutige Ringen der beiden weiteren Tage.

Die Riesenschlacht des 18 Oktobers dauerte neun volle Stunden. Im Süden und Südosten vermochte Napoleon seine Gegner im Schach zu halten, aber im Cften brach sein Verderben heran. Blücher war es durch persönlichen Einfluß endlich gelungen, den Kronprinzen bo” Schweden zum Eingreifen zu bewe- gen, und so gelcäig es bei Propstheida den berühmten Marschall Ney zu schlagen und auf Leipzig selbst zn- riickzuwerfen. In diesem Kampse gingen die Sach-