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2. Blatt

»r*< ler Seiltet SetitRtrxcerti i* Salla.

Sutoac-r Zeitung.

Dienstag 14. Vttoder 1915.

»reines Kenilleton

Aastver»rlmet«n<vtrsamml«n-.

(!) Fulda, 14. Oktober 1213.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenver­sammlung nahmen 30 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch den 2. Beigeordneten Arnd vertreten. Den Borsitz führte der Stadtverordneten. dorsteher-Stellvertreter Rang.

Der Fremden-LerkehrSverein Fulda hatte auf den Plätzen der Stadtverordneten je ein Exemplar der kürzlich' erschienenen neuen Werbeschrift .Fulda, d i e alte BonifatiuSftadt' als An. gebinde niederlegen lassen. Der Vorsitzende nahm später Veranlassung, den Herren Vertretern deS Ver- kehrSvereinS herzlich für die Gabe zu danken. Bilder und Text seien, wie er bereits habe feststellen können, ausgezeichnet. Möge der schmucken Schrift überall der gewünschte Erfolg beschicken sein.

Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt der Dor. sitzende mit, er habe die vorgesehene gemeinsame Sitzung der Stadtverordneten-De rsamm. lnng.und der unbesoldeten Magistrats. Mitglieder von dem Programm vorläufig abge. setzt. In dieser Sitzung sollte bekanntlich die Wahl des Oberbürgermeisters getätigt werden. Da jedoch die kürzlich vorgenommene Gehaltsfestsetzung vor der Wahl die staatliche Genehmigung finden muß, was bisher nicht geschehen konnte, erscheint eine Vertagung der Wahl rötlich, um jeden Verstoß gegen die geltenden Bestimmungen zu vermeiden.

1. Erklärung deS Stadtverordnete «Vorsteher» über Annahme der Wahl zum Etabtverordnetenvorsteher. Der Stadtverordnetenvorsteherstellvertreter Rang führt auS: Durch die auf mich gefallene Wahl zum Stadtverord. neten-Dorsteher fühle ich mich, wie ich schon früher ge­äußert habe, sehr geehrt. Daß ich die Wahl nicht sofort annahm, hatte lediglich darin seinen Grund, daß ich mit mir zu Rate gehen mußte, ob ich diese Verpflichtung zu meinen zahlreichen sonstigen Nebenämtern hinzunehmen könnte. Wenn ich Ihnen heute erkläre, daß ich die Wahl annehme, so leitet mich dabei ein gewisses Pflichtgefühl gegenüber meiner Vaterstadt und das Be­wußtsein, daß Sie mit mir die Nachsicht haben werden, die einem Anfänger gebührt. Ich werde jederzeit be. strebt sein, meine Amtspflichten auf das Gewissen­hafteste zu erfüllen. (Bravo!)

2. KenntniSgabe einer Mitteilung deS Magistrats. ES ist eine Mitteilung deS Magistrats eingegangen, wo» nach die zuständige Kommission bezüglich der städti. scheu Kläranlage beschlossen hat, die dort in Be- trieb befindlichen GaSmotore zunächst weiter z u benutzen und von einer Elektrisierung der Anlage abzusehen. Der Magistrat ist diesem Entscheid bei- getreten. Die Mitteilung dient zur Kenntnisnahme.

3. Berettstellung eines Kredits zur Beschaffung von Multtplex-Fernzünbern. Die Vorlage, worin 10 000 Mk. gefordert werden, um die für Beschaffung von Mul. tiplex-Fernzünder schon verwendeten 8000 Mk. zu decken und andere 5000 Mk. zur Beschaffung weiterer Fern. Sünder zur Verfügung zu erhalten, war kürzlich an die GaS. und Wasserwerks-Kommission zurückverwiesen worden. Wie der Berichterstatter Cickenscheidt auSführt, ist das Vertragsmuster, das zwischen dem städtischen Gaswerk und den Benutzern zur Anwendung kommt, durch den Gaswerksdirektor noch immer nicht vorgelegt worden. Dieses Vertragsmuster müsse aber die Versammlung vor der Beschlußfassung kennen ler. neu. Deshalb beantrage er Aussetzung der Beschluß, faffung, bis nach Beibringung des gewünschten Vectra, »es. Vielleicht würden gar keine Verträge mit den Kon. ’mnenten abgeschlossen und diese könnten die Apparate, ur die das Gaswerk große Summen auSlegen müsse, ,«derzeit zur Verfügung stellen, ohne daß an eine ent» prcchende Weiterverwertung zu denken sei. Im Gegen, atz zu dem Stb. Keil hat Stv. Sunkel in der Kom. Mission nur Gutes über die Apparate gehört. Da der Konsum des Leuchtgases sehr abgenom. wen habe, müsse aller geschehen, um da- GaS als be. <hieme Einrichtung erscheinen zu lassen. Die Fern. Sünder könnten dazu wesentlich beitragen. Deshalb sei schleunige Beschaffung anzuraten. Stv. Trabert hält die AuSagbe von 10 000 Mk. für bedenklich. Es fei schon ein schwerer Fehler gewesen, das Gaswerk in den letzten Jahren zu vergrößern, als man doch schon an die Beeinträchtigung durch das Elektrizitätswerk denken wußte. In neuen Häusern würden nur ElekrizitätS- ttnlagen geschaffen, zumal die Elektrizität von Tag zu Tag Fortschritte mache und jetzt wieder eine Lampe in Aussicht stehe, die den Stromverbrauch um die Hälfte herabmindere. Stv. Reith hält die Apparate nicht für so ganz vertrauenswürdig. Ein Monteur habe dem Der- »Wen nach 6 Wochen lang damit zu tun gehabt, etfioten auszubessern. Stv. Weber tritt für die Fernzrmder und namentlich für die Pflege deS städti.

Stv. Giez hat die Fernzünd. Einrichtung hn Gebrauch und ist sehr zufrieden tamit.

mochte sie nicht missen. Stv. E,ck«nscheidt: Haben Sie einen Vertrag, Herr Giez? Stv. Giez - Nein, durchaus nicht. (Heiterkeit.) Stv. Schultheis bat aus Gaftwirte-Kreisen nur Erfreuliches über den gehört. Stv. Neidert: Warum ist der GaS. Werksdirektor erst jetzt auf die Fernzünder verfallen, na^bem daS Elektrizitätswerk hier fernen Einzug ge. Knhll; Ä schon vor 10 Jahren

Dtadlen rm Gebrauch gewesen und schon melM wieder beseitigt worden. Der 2. Beigeordnete

— SSiebct ehr Krankheitserreger entdeckt. Ein Kruder, vorwiegend der im 1. rl 4 LebenSiahr stehenden, ist die „spinale Kinder- Chnnmg", wegen ihres mcht selten epidemischen Auf. tretens auch als „epidemische Kinderlähmung" be- S«chn-t. Wie der Name „spinale Kinderlähmung" — spina hier = Wirbelsäule be,w. Rückenmark — b^agt handelt e3 sich um eilte Krankheit, die durch entzündliche Borgange tm Rückenmark auSgelöst wird und zwar einen herdförmigen Entzündungsprozeß in' ganz bestimmten Substanzteilen deS Rückenmarks, den sogen, grauen Dorderbahnen des Rückenmarkes' mit ihren die Muskelbewegung beherrschenden Ner­venknoten (motorischen Ganglienzellen). DaS alle? war wissenschaftlich schon längst festgestellt, und man war sich auch darüber nicht im Zweifel, daß man eS mit einer Infektionskrankheit tu tun hat., o. h. mit einer durch die örtliche Einwirkung eines bestimmten Entzündungserregers auf das Rückenmark hervorge­rufenen, also übertragbaren bezw. ansteckenden Krank- hrrt. Nur diesen Entzündungserreger selbst, den Träger deS KrankheitSgrs'sS, hatte man trotz allen Suchens bisher n^cht aufttndcn können, und so waren die Abwehriuatznahmm gegenüber der Krankheit so. zu Men ein K^pf wgen einen unbekannten Feind. Um so p«er ist ialju die Genugtuung, daß es nun» ^6^ r'.yv^en ist, den so lange schon gesuchten Streit ntS*nfinden. Die Doktoren Flex »

91 •* hab^n kürzlich in der „Berliner

Klinischen Wochenschrift" daS hauptsächlichste Ergeb­nis ihrer in dem Laboratorium der Rockefeller Insti­tute for Medical ReScarde in Newyork durchgeführten Untersuchungen veröffentlicht, wonach eS ihnen ge­lungen ist, mittels einer besonderen, in ihren Einzel­heiten von ihnen mitgeteilten Methode einen winzig kleinen Organismus zu gewinnen und weiter zu züch­ten, der auf Affen verimpft wiederum die für die ge­nannte Krankheit charakteristischen klinischen Symv-

Arnd: ES ist empfehlenswert, wenn im Falle fehlen- den Materials, wie er hier vorliegt, die Kommission oder die Berichterstatter daS Fehlende gleich einfordern. Dadurch werden unliebsame Verzögerungen vermieden. Der Vorsitzende meint, man könne von vornherein die Akten etwas vollständiger gestalten. Stv. Eicken. tHeidt als Berichterstatter: Die Zweckdienlichkeit der nschosfimg weiterer Fernzünder-Apparate kann nicht bezweifelt werden. ES liegen 200 Aufträge vor, die vor­läufig nicht auSgeführt werden können. Von feiten der Firma ist eine zweijährige Garantie übernommen. ES handelt sich also nur darum, daß der Vertrag, der zwischen Gaswerk und Konsumenten abzuschliehen ist, von dem Herrn Gaswerksdirektor beigebracht wird. Des­halb soll die Vorlage an den Magistrat zurückverwiesen werden mit dem Ersuchen, diesen Vertrag vorzulegen. Letzterer Antrag wird angenommen.

4. Bewilligung einer Beihilfe an die Tnmgemeinde für Errichtung einer Mädchenturnabteilung. Der Be­richterstatter, Stv. Fritz, führt aus, die Turngemeinde Fulda habe, nachdem der Kultusminister neuerdings das Augenmerk auch auf die Fürsorge für die schulentlassene weibliche Jugend gerichtet und Mittel zur Verfügung gestellt habe, eine Mädchenturnabteilung ins Leben ge­rufen. Die Abteilung, die Turnen und Turnspiele pflegt, werde von einer staatlich geprüften Turnlehrerin geleitet. ES seien für sie besondere Geräte angeschafft worden, wodurch Ausgaben in Höhe von 326 Mark ver­ursacht wurden. Für weitere Anschaffungen stehen noch Ausgaben in Höhe von 132 Mark bevor. Ein Gesuch der Turngemeinde an daS Kgl. Äandratsamt um eine fi­nanzielle Beihilfe zu diesen Unkosten sei dahin beschicken worden, Mittel seitens der Kgl. Regierung würden nur dann gewährt, wenn die Gemeinden und Kreise bereits Beiträge bewilligt hätten. Um eine solche gemeindliche Beihilfe zu erlangen, ist die Turngemeinde an den Ma­gistrat herangetreten. Der Magistrat schlägt vor, die Stadtverordnetenversammlung möge der Turngemeinde dir Hälfte ihrer oben angeführten Un. kosten in Höhe von 230 Mk. bewilligen. Der Berichterstatter meint, man werde um diesen Betrag nicht herumkommen. Die Jugenderzieher müßten ja wissen, ob die Erziehung zum Sport besser sei als die früher beliebte Erziehung zur Arbeit. Es habe früher ja auch ohne Sport tüchtige, tatkräftige Frauen gegeben, die -ihren Mann" zu stellen wußten. Aber da hier in Fulda die Turnsache in guten Händen fei, so stimme er der Bewilligung zu. Er würde sogar, zumal im Hin­blick auf die frühere Bewilligung an einen Sportverein, für eine Erhöhung der Summe fein. Da aber nun wahrscheinlich auch der Turn- und Fechtklub um eine Unterstützung nachsuchen würde, werde er sich zu be­herrschen wissen. Stv. Reith warnt davor, einen Prä­zedenzfall zu schaffen. Im übrigen werde heute doch schon in der Volksschule an die Mädchen Turnunter, ridjt erteilt. Nach ihrer Schulentlassung wäre eS für Mädchen zweckdienlicher, Strümpfe zu stopfen und eine ordentliche Suppe kochen zu lernen als sich mit Klimm- zügen und Kopfrollen abzugeben. (Heiterer Beifall.) Stv. Axt: Die Stadt hat doch wirklich andere Aufgaben als solche Liebhabereien zu unterstützen. Die Mädchen der arbeitenden Klassen haben jedenfalls kein Bedürfnis für Turnsport. Sie haben bei der Arbeit Bewegung gerade genug. Stv. Trabert erkennt eine gewisse Berechtigung dieser Ausführungen an. Aber 230 Mk. seien doch schließlich eine geringe Summe, die man ruhig bewilligen könne. Stb. Axt: Wir haben andere, wich, tigere Aufgaben gemeinnütziger Art zu erfüllen. Man denke nur an das VolkSbad. Wenn diese Einrich. tung etwas beschleunigt würde, so liege daS auch im In­teresse unserer Arbeiterfrauen. Die jetzt in Fulda so eifrig arbeitende Sozialdemokratie hat in ihrem neuen Heim sogar eine Badeeinrichtung für Ar­beiter geschaffen. (Hört, hört!) Es ist wenig rühmlich für die Stadt Fulda, daß sie so etwas noch nicht fertig gebracht hat. Stv. ©immer begründet die Notwen­digkeit der Bewilligung mit dem modernen Zeitgeist. Diesen Zeitgeist, der uns das Mädchenturnen Bringt, können wir ja doch nicht aufhalten. Stv. Reith: Wir haben durchaus keinen Grund, alle sogenannten mo. hemen Sachen mitzumachen. Heute ist es vielleicht auch modern, daß die Frauen nicht mehr kochen können. (Zu­stimmung in verschiedenen Teilen der Versammlung.) Darauf wird der Antrag mit 18 gegen 12 Stimmen abgelehnt.

5. Antrag Adam und Schwarz: Aufhebung der Grunb- steuerordnung vom 3. Januar 1907 und Erlaß einer neuen Stenerorbnung. Der erste Berichterstatter, Stb. Schwarz, führt auS, daß die jetzige Grundsteuer, ordnung, die vom gemeinen Wert ausgeht, Härten ge. zeigt habe, die ihre Beseitigung nötig machen. ES sei ungeheuerlich, Werte zu besteuern, die gar nicht reali. sierbar wären. Der Stand der Gewerbetreibenden und Grundbesitzer fei an sich in keiner günstigen Soge. Er dürfe nicht noch durch diese Art der Besteuerung be. sonders belastet werden. Der zweite Berichterstatter, ®t6. Adam, meint, die besondere Besteuerung von Grund und Boden sei überhaupt ungerecht. Die Be. fteuerung deS Grundes durch mehrere Besteuerungsarten unerträglich. Und' doch sei sie jetzt vorhanden. Es müsse Wandel geschaffen werden, zunächst durch Beseitigung der Steuer nach dem gemeinen Wert. Als Ersatz fei denkbar eine Steuer von Gebäuden und Grundstücken nach dem staatlich veranlagten Ertrage, ober nach einem Wert, der gefunden würde durch ein Vielfaches des Rohertrages oder schließlich nach dem sog. Frank- furter System. Bei diesem System, daS sich in

torne und entzündlichen Herderscheinungen hn Rücken­marke der Versuchstiere hervorrief. Es handelt sich um kleinste kugelförmige Bakterien von etwa 0,1—0,3 Mikron Durchmesser (ein Mikron — ein hundertstel Millimeter). Auf Einzelheiten der von den genann­ten beiden Forschern angestellten Experimente kann an dieser Stelle nicht eiiigegangen werden. Wohl aber darf nach dem, was sie zur Sache veröffentlicht haben, angenommen werden, daß der Erreger der epidemischen spinalen Kinderlähmung (der medizi­nisch-wissenschaftliche Name der Krankheit ist Polio» myelitis epidemica) tatsächlich entdeckt ist. Damit ober wird der Kampf gegen die gefährliche Seuche auf eine ganz andere verläßliche Grundlage gestellt, al§ eS bisher der Fall war, und der Hoffnung darf Saum gegeben werden, daß es gelingen werde, nickt nur der Verbreitung des Ansteckungsstoffes wirksam Einhalt zu tun, sondern auch wirksame Gegenmittel zu finden, den erkrankten Organismus zu heilen.

— Die Anwendung wohlriechender Stoffe spielte schon hn Altertum eine große Rolle. Teils weil man Behagen daran fand, teils um üble Gerüche, beson­ders der Ausdünstungen der Haut zu verdecken, teils weil man sie für heilkräftig hielt. Die ältesten Völker Asiens und die Eghpter wandten die Riechstoffe in Unmenge an; bei den Juden waren Weihrauch und Myrrhen die beliebtesten, die Römer der Kaiserzeit trieben ganz außerordentlichen Luxus mit Riechstof­fen, sie hatten Salben, Schminken, Haar-, Mund- und Zahnwässer, Badeessenzen, Räucheressenzen und auch schon das, was wir „Taschentuchparfüm" nen­nen. Am meisten wurden Safran und Zirnmt be­nutzt. Alle Räume, die Zimmer, die Bäder, auch die Betten und Kleider, wurden mit Essenzen besprengt, ja sogar das Oel in den Lampen und selbst den Wein parfümierte man. Die Wohlgerüche, namentlich der Blumen, wurden später nach den einzelnen Ständen und besonderen Zwecken klassifiziert. So gab es Par­fümerien für verheiratete Frauen und solche, die nur jungen Mädchen zukamen. Man konnte sonach buch­stäblich „riechen", mit wem man es zu tun hatte, vs.

erster Linie empfehle, werbe von den Gebäuden 4 Proz. bes Rohertrages des dem Steuerjahre vorausgehenben Jahres erhoben. Hatte der Besitzer Mietsverluste, so kann er sie auf diese Weise von dem Ertrag in Abrech­nung bringen und eine Steuerermäßigung erzielen. Der Ausfall im Steuersoll werde bann gedeckt durch einen Steuerzuschlag, der alle Wohnungen mit mehr als 600 Mk. Mietzins treffe. Dieser Zuschlag könne ent­weder von den Hausbesitzern getragen werden (Zuruf: sehr wahrscheinlich) oder auf die Mieter abgewälzt wer­den. Für unbebaute Grundstücke steht die Frank­furter Ordnung eine Abgabe von 2 Proz. deS gemeinen Wertes vor, die allmählich gesteigert werden soll. Stv. Laux bittet, den Antrag abzulehnen. Es hätten zahl, reiche Städte die Wertsteuer eingeführt. Eine Stadt, die die Wertsteuer wieder abgeschafft habe, könne wohl nicht namhaft gemacht werden, obwohl doch überall die Hausbesitzer die Mehrheit hätten. Auch sei eine Mehr­belastung der kleinen Besitzer durch eine Neuordnung sicher zu befürchten. Denn da das Steuersoll einmal festgelegt sei, müsse es aufgebracht werden. Wenn nun, den Wünschen der Antragsteller entsprechend, die großen gewerblichen Betriebe und die Besitzer großer Mietshäuser entlastet werden sollten, so sei es doch unumgänglich, die anderen, schwächeren Steuerpflichtigen stärker heran- zuziehen. Stv. Trabert will das nicht gelten las­sen. Er hält eine Ueberschätzung des Gebäudewertes in Fulda für gegeben. Der früherer Steuerinspektor Müller habe hier lauter reiche Leute gemacht, allerdings nur auf dem Papier. Bei Zwangsverkäufen fei zu dem angenommenen Wert ein Käufer durchaus nicht auf­zutreiben. Stv. Fritz fit für den Antrag. Er bringt aus der Tätigkeit der Schätzungskommission Beispiele bei, in denen bei Festsetzung der Wertfteuer von unzu­treffenden Voraussetzungen ausgegangen werden mußte. Das Gesetz bestimmt nämlich, bei der Wertfest­setzung feiert Verkäufe, die in der Nachbarschaft ftatt- gefunden hätten, in erster Linie zu berücksichtigen. Als vor einigen Jahren das Waldnersche Haus in der Ka- nalstratze um 32 000 Mk. verkauft wurde, wirkte das auf die Bewertung der umliegenden Wohngebäude und entsprechend auf die Steuerbelastung der Besitzer maß­gebend ein. Jetzt hat das Haus im Zwangsverkauf nur 18 000 Mk. eingebracht. Es hat also, eine starke lieber- schätzung stattgefunden. Aehnliche Fälle sind zahlreich zu verzeichnen. Stv. Dux erinnert daran, daß im Jahre 1907 bei dem Erlaß der jetzigen W eristeuer starke Bedenken geäußert und nur durch den Hinweis, daß damit den Terrainspekulanten das Handwerk gelegt werde, beschwichtigt worden seien. Jetzt habe sich ge­zeigt, daß den Spekulanten auf diese Art nicht beizu­kommen war und nur die Gewerbetreibenden einen Schaden erlitten. Einer Aufhebung der Wertsteuer wi­derspreche er daher nicht, wohl aber habe er Bedenken gegen eine neue Steuermethode. Masi solle zu der alten zurückkehren. Der 2. Beigeordnete teilt die Ansicht des Stv. Fritz, daß durch die gesetzliche Notwen­digkeit der Berücksichtigung benachbarter Verkäufe häufig eine starke Ueberschätzung von Gebäuden herbeigeführt worden und so die Ordnung in Mißkredit gekommen sei. Sw. Schwarz: Der Antrag will im letzten Sinne weiter gar nichts, als daß ein Teil der Steuern auf die Inhaber von Wohnungen abgewälzt werden kann. Stv. Laux macht darauf aufmerksam, daß man doch in Fulda keinesfalls dem Frankfurter Beispiele folgen und die Wohnungen unter 500 Mk. Mietzins von der Ab. gäbe freilassen könnte.

Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wird der An­trag gegen eine kleine Minderheit angenommen. Danach soll der Magistrat noch vor der nächstjährigen Etatsberatung eine Vorlage unterbreiten, wonach die gemeine Wertsteuer vorn Jahre 1907 aufgehoben und eine neue Steuerveranlagung herbeigeführt wird, die im wesentlichen dem oben geschilderten Frankfurter System entfpricht.

Schluß Ser öffentlichen Sitzung halb 10 Uhr.

Lokales.

Fulda, 14. Oktober 1913.

# Personalien. Dem Havpikaffierer der Landes- hauptlasse in Kassel Wilhelm Quentin wurde der König!. Kronenorden 4. Klaffe verliehen.

*»* Priesterseminar. Nach v orausgegangenen fünf­tägigen Exerzitien, die gestern vormittag durch eine feierliche, vom Hochw. Herrn Bischof abgehaltene Andacht in der Bonifat iusgruft geschloffen wurden, wurde am hiesigen Priesterseminar heute das Winter­semester begonnen. Die Zahl der Studierenden beträgt 100. Hiervon entfallen auf die Diözese Fulda 46 Alumnen, auf die Diözese Limburg 52, auf Osna­brück und St. Gallen je einer.

O Die dritte diesjährige Schwmgerichtsperiode in Hanau nimmt am 10. November ihren Anfang.

□ Die diesjährige amtliche Lchrcrkonsereuz des Kreis- schutinspellionsbeztrkes Fulda I findet am Montag, d.n 27. Oktober von nachmittags 3.15 Uhr ab im Saale des hiesigen kalhol. Gesellenhauses statt.

-L Die Eröffnung der Landwirtschaftlichen Winter- schule ist vom 4. auf Mittwoch den 5. November, vormittags 10 Uhr verlegt worden.

△ Genehmigung einer HauSkollekte. Der Nieder­lassung der Barmherzigen Brüder zu Fulda hat der Oberprästdent die Genehmigung erteilt, bei den katholischen Einwohnern des Regierungsbezirks Kaffe! eine Hauskollekle abzuhalten.

2- Die Monatsvrrsammlunz des Gartenbauvereias am gestrigen Abend in der „Harmonie" wies wieder einen starken Besuch auf: 110 Mitglieder und 48 Damen waren erschienen. Nach der Begrüßung der Versammlung gedachte der Vorsitzende Rentner Sell in ehrender Weise der verstorbenen Mitglieder Jusfizrat Gegenbaur und Maschinenfabrikant Hartmann. Aus­gestellt waren von der Firma Breitenbvrn farben­prächtige Dahlien, von der Gärtnerei des Landkranken­dauses prachtvolles Gemüse und von Kunstgärtner Ries schöne Herbstblumen. Diese Gegenstände wurden zugunsten der Vereinskasse versteigert oder an die anwesenden Damen verteilt. Mit großem Interesse wurde ein Vortrag deS KnnstgärtnerS Deichmann entgegengenommen, der die Blumenpflege im Herbste behandelt:

Es gilt jetzt Fürsorge tu treffen, daß unsere Pflanzen- besiände mö fichst gut überwintern. Rosen können jetzt nm- und neugepflanzt werden, hochstämmige Rosen pflanzt man aber in unserer Geoend am besten im Frühjahre. Die Kronen der Hochstämmchen werben, nachdem sie entblättert sind, nieöergelegt und durch Bedeckung gegen Nässe und Frost geschützt: Buschrosen werden nur mit Erve angedäuseU und die Triebe stack eingelürzt, der eigentliche Schnitt aber geschieht tm Frühjahr. Zartere Rosen müssen eine Fichtendecke erhalten. Ins Freie, an den Ort ihrer Bestimmung fürs tommenbe Jahr, können setzt noch gepflanzt werden VergißmetnnichftSt te Mütterchen, Pnmel und Maßliebchen. Letztere müssen gegen strengen Frost durch Bedecken geschützt werden, während die übrigen Pflanzen winterh rt sind. Wmterlack und Winter- levkojen werden in einem sroftsrVen Raum sehr trocken Überwintert. Für bte Etaudengewächse, die jedes Jahr von geuem austreiben, ist jetzt die beste Zeit der Ver­mehrung durch. Wurzelteilung. Die Blumenzwiebeln: Hyazinthen, Tulpen, Narzissen, CroeuS ufro. werden jetzt in Töpfe gepflrnzt. Die beliebten D-thlten müssen bei flariem Froste eingerointert werden. Die auf Balkonen und Fensterbänken in Stiften stehenden Blumen ernzu- wintern ist meist nicht ratsam, lohnender ist es, Stecklinge zu ziehen, was aber möglichst schon im August geschehen soll Blumfn in Töpfen aber können nach kräftigem Rück­

schnitt sehr gut in frostfreiem Raum aufbewahrt werden. Dekorationspflanzen, wie Lorbeer ufro., stellt man in nicht zu dunkle Gänge. Große Aufmerksamkeit beansprucht die Ueberrointerung der Palmen und der anderen WarmhauSpflanten; sie muffen Licht, Wärme und genügende Feuchtigkeit haben. Eine Psta"^ m einem warmen Zimmer muß einen helleren Standort haben, als wenn sie in einem kühleren Raume steht, auch benötigt sie eine größere Luftfeuchtigkeit. Von ren Winterblumen kommen jetzt bald die Chrysanthemum und die Erika. Die dankbaren Blüten der Alpenveilchen und P'imeln begleiten uns durch den ganzen Wmter, wenn sie aufmerksam gepflegt werden. Azaleen und Ka­melien jedes Jahr zur Blüte zu bringen, ist nicht toroer, wenn man sie nicht nach dem Abblühen uernachläsngt, sondern sorgfältig behandelt. Die Calla, die einen nahr­haften Boden verlangt, blüht im Januar, sie muß aber hell und kühl stehen, sonst mißrät ihr Wuchs.

Allseitiger Bestall folgte den gediegenen AuS- führungen. Der Vorsitzende sprach über den Obst­baumschädling. den Frostspanner oder Nachtschmetter« fing. Zum Fangen dieser Schädlinge empfahl er dringend das Anlegen von Leimringen um die Obst­bäume. An den Staatsstraßen sieht man neuerdings den Raupenleim direkt auf di» Stämme der Obst* bäume aufgetragen. Der Kassierer des Vereins hat noch etwas Material für Klebringe, das er gratis an die Mitglieder abgibt. Herr Kunstgärtner Ries sen. sprach über die Dauer der Keimfähigkeit der wichtigeren Gemüsepflanzen. Es wurden stark mit der Blutlaus besetzte Zweige zur Ansicht herumgereicht. Mit der Ausnahme zweier neuer Mitglieder und bet' Verlosung von 140 Blumenstöcken ging die Versamm­lung zu Ende.

+ Hundert Jahr-Feier am 18. Oktober 1918. Der Vorstand des Kurhesfisch en Kriegerbundes spricht tm Anschlüsse an die Anregung, die er tm März d. I. gegeben hatte, in allen Orten unseres Hessenlandes eine einfache aber eindrucksvolle Er­innerungsfeier im Bunde mit Turn- und Gesang­vereine zu veranstalten, die Bitte aus, die Feuer­stöße, die am Abende deS 18. Oktober emporlohen sollen, überall um 7 Uhr zu entzünden, damit der Eindruck der zum Himmel aufleuchtenden Flammen ein gewaltiger wird.

S Die Versammlung der Schuhmacher-Zwangsinnung hatte sich gestern abend eines guten Besuches zu er­freuen. Der Vorstand erstattete zunächst Bericht über seine Tätigkeit. Die Versammlung genehmigte dann das Ausscheiden zweier älteren Mitglieder aus der Innung, beschloß aber 15-20 solcher Handwerker, die das Sckuhmacheraewerbe als Nebenbeschäftigung betreiben, zu veranlassen, der Innung beizutreten. Die Kommission, die mit der Ausarbeitung eines Mindeftpreis«Tarifs beauftragt war,legte einen solchen vor, der ohne Aenderung einstimmig Annahme fand und sokort in Kraft tre en soll. Die darin ein­geführten Preise entsprechen denjenigen, die andere Städte von der Größe Fuldas schon längst haben. Des weiteren wurde wegen des BorgunwesenS Klage geführt. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, wurde empfohlen, bei Ablieferung einer jeden Arbeit eine Hf ine quittierte Rechnung mitzuichicken, um so das Publikum zur sofortigen Barzahlung zu er­ziehen. Die Versammlung verlief sehr anregend und beteiligten sich fast alle Miglieder sachlich an der Debatte.

| Ein Ebender verhaftet l so lautete wieder einmal eine Meldung, die gestern von Magdeburg aus ein­lief. Demnach sollte am Samstag auf braunschwei­gischem Gebiet der Zigeuner Hermann Ebender verhaltet worden sein. Der ältere Bruder Hermanns sei entkommen. Die beisen Zigeuner, die als Kar« toffelarbkiter im Dienst eines Landwirts standen, hätten sich in der Trunkenheit ihres Verdreckens ge­rühmt. Wie wir festgestellt haben, ist diese Nachricht wieder einmal unzutreffend. An hiesiger amt­licher Stelle ist die telegraphische Meldung einge­gangen, daß der festgenommene Zigeuner mit dem so lange vergebens gesuchten Hermann Ebender durch­aus nicht identisch ist.

(:) Die Vereinigung ehemaliger 143 er hielt ritte monatliche Versammlung am Sonntag, den 12. Okt. bei Kamerad Stark (Gasthaus zum Hirsch) ab. _ Nach­dem der erste Vorsitzende die erschienenen Regiments­angehörigen begrüßt batte, gedachte er in kurzen Worten der stunnbeivegten Zeiten vor hundert Jahren und schloß mit einem Hoch auf unseren obersten Kriegsherrn. Die nächste Versammlung findet am 16. November ebenfalls bei Kamerad Stark statt.

iS Die Bedürfnisanstalt an der Niesigerstrahe am Auigang zum Frauenberge, nahe den städtischen An­lagen, ist seit einigen Tagen dem Verkehr über­geben worden.

Aspirant im Zug- und Ladedienst. Nach einte neuen Bestimmung des EisenbahnmimsterS führen die für den Zugbe-leitungsdienst einberufenen Militar- anwärter, die Inhaber des ZivilversorgungsscheineS find, fortan während ihrer Ausbildung, um sie von den übrigen Anwärtern zu unterscheiden, die Amts- b^eichnung „S pirant im Zug- und Ladedienst"; seither war die Amtsbezeichnung „Schaffner im Probe, dienst".

-SÄ- An das Fernsprechnetz angeschloffe« ist unter Nr. 543 Schloffermeister Andreas Kalb, PeterS- bergerwca Nr. 22.

y Kreis-Geslügel-Ausstellung. Zu der am 26. und 26. d. M. in den Stadtfälen stattfindenden, vom Go, flügelzuchtverein Fulda e. V. veranstalteten Kreis. Geflügel-Aus sie klung, welche unter dem Pro­tektorate des Herrn Landrats Freiherrn von Doemberg steht, sind seitens der Geflügelzüchter so zahlreiche An­meldungen eingegangen, daß auf ehre große Beschickung gerechnet werden kann. ES seien daher diejenigen Züch. ter, welche mit ihren Anmeldungen noch im Rückstände sind, daran erinnert, daß bte Meldefrist am DonnerS, t a g den 16. d. M. abläuft und Meldungen nach die. ser Frist nur dann angenommen werden können, wenn eS der vorhandene Raum gestattet. Für hervorragende Leistungen sind unS neben den bewilligten Kammer- und Verbands-Ehrenpreisen /ech eine große Anzahl weiterer, sehr wertvoller, von GHfilgelfreunden und hohen Gön­nern gestiftete EhrexHreise zur Verfügung gestellt, welche den Leistungen ntfprechend zur Vergebung ge­langen. Die Slnmeltw «n nimmt entaegen und erteilt gern weitere Vorsitzende des Vereins-

Herr Wilh. Knips. 41.

Aus tiibargebiete.

Grosj-mlüdec, 13?.?. Bei den hiesigen Kraltkrtrkassen hT, -len wurden insgesamt 199 Stimmen abaegebe-.-, wovon 170 auf die Liste des katholischen Arbeitervereins und 28 auf die Gegenliste entfielt. Auf die vorn kathol. Arbeiter­verein aulgestellte Litte der Arbeitgeber entfie­len 106 Stimmen, aus die Gegenliste 23 Stimmen. Aus die Liste der Arbeitnehmer, die vom katholischen Arbeiterverein ausgestellt war, kamen 64 Stimmen, auf die Gegenliste o Stimmen. Der kathol. Arbeiter­verein hat also bei den Kranken iaffenwahlen recht gut abgeschlossen