baß dadurch das Gesamtbild em anderes Ansehen erlange« tonnte.
So ergibt sich den«, daß der als „kulturfeindlich" verschriene Katholizismus, weil er unzweifelhaft den Familiensinn in einer vom Protestantismus nicht erreichten Weise fördert, die Taten für sich hat und mit Recht stolz darauf sein kann.
Deutsches Reich.
♦ Berlin, 13. Oft. 1913. Dir Kaiser hat Montag abend um 6 Ubr 50 Mm. im Sonderzug die Reise nach Trier angelreten. — Zum neuen Präsidenten der Ansiedlungskommission ist Geh. OberregierunqSrat Ganse ernannt worden.
* Bon den sozialpolitischen Borlage«, deren Einbringung im Reichstage feststeht, ist gegenwärtig der Entwurf zur Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe endgültig fertiggestellt, so daß er dem Reichstag« schon beim Zusammentritt vorliegen wird. Zwei weitere Vorlagen, eine Novelle zur Gewerbeordnung zum Zwecke derEinschränkung des Hausierhandels und der Warenlager und eine groß« Novelle zur Gewerbeordnung betreffe, o das Gast- und GchankwirtfchaftSgewerde und damit im Zufammenhaug stehende Gewerbebetriebe werde» gegenwärtig in den AuSschÜffen des Bundesrats beraten. Man hofft, auch diese Vorlage bis zum Zusammentritt de- Reichstages fertigzustelle». Das ReichS-Theatergesetz ist in seinem Ent- wurf ebenfalls abgeschlossen und eS erübrigt nur noch, die Vorlage mit einer Begründung zu versehen. Es t -amit gerechnet werden, daß der Gesetzent- wüt' ) in diesem Jahr an den Bundesrat gelangen wird, ob er auch noch in der nächsten Tagung dem Reichstage zugehen wird, ist vorläufig noch nicht sicher. Die Neubearbeitung der Abschnitts der Gewerbeordnung über das Handwerk wird noch geraume Zeit in Anspruch nchmen, da zunächst noch Beratungen mit Vertreter» aus Interessenten- kreisen abgehatten werden müssen. Schließlich ist noch ein Gesetzentwurf zur Regelung der Unfallfürsorge im öffentlichen Dienst in Vorbereitung, über dessen Einbringung im BundeSrat noch keinerlei Beschlüsse gefaßt find.
** Sozialdemokratische Parteijustiz. Ein Sozialdemokrat ist es, Ernst Heilmann, der m einem sozialdemokratischen Organ, der neuesten Nummer der Sozialistischen Monatshefte, dem sozialdemokratischen Parteitag in Jena brutale Parteijustiz vorwftst. Genosse Herlmann schreibt über den Fall Radek u. a.:
„(88 ist eine llng-heuerlichkett, einen solchen Beschluß z« fassen (Radek wurde bekanntlich ausgeschlossen aus Grund einer neu« erst auf dem Parteitage gefaßten Beschlüsse?, Dem sofort rückwirkende Kraft gegeben wurde) und ich spar« mir jed«» Scheltwort darüber, weil das einfachste Rechtsempfinden genügen muß, um sich dagegen mit aller Leidenschaft aufzulehnen. Der Vergleich mit dem Königsberger Hochv«rratSproz«ß l egt nahe und trifft zu. Radek ist als Opfer einer müssen Stimmungsmache gefallen. Bisher hat sich die Barteüuehrheit damit getröstet, es sei kein Unglück, wenn einem einzelnen Genossen ein- mal Unrecht geschehe, es handle sich meist doch um anrüchige Elemente. Man hat Beschlüsse gefaßt, die un- gerechte Urteile geradezu provozierten. Man denke an das Schicksal der Erfuler Reservisten und man wird begreifen, warum in Jena beim Ausschluß Radek» der Zwischenruf erscholl: .Lieber vor dem Erfurter Kriegsgericht, al» vor Euch Angeklagier feinV*
Der Eindruck dieser an Deutlichkeit nichts zu Wünschen übrig lassenden Anklage eines Sozialdemokraten gegen die die Partei terrorisierenden Herren Revisionisten würde durch jeden Zusatz abgeschwächt werden.
vc. Der frühere Gewerkschaftsbeamte Rohling, her in einer Broschüre die Leitung des christl. Textilarbeiterverbandes und insbesondere den Verbandsvorsitzenden, Reichstagsabg. S ch i f- f e t,_ auf das schwerste unredlicher Manipulationen verdächtigte hat am 4. d. M. in einer von sozialdemokratischer Sefte einberuseneu öffentlichen Versammlung in Mülhausen i. Els. im Sinne nach erklärt:
. .Er (Röhling) halt« et für ausgeschlossen, daß Schiffer das Geld entwendet habe. Dazu sei di« Sache zu plump ourchgesührt worden/'
Am 9. Oktober erschien Röhling in der Wohnung des Berbandskassierers Schafftath zu Düsseldorf; als er hier hörte, daß die Zeugenaussagen des Kassierers für ihn (Röhling) nicht günstig fein würden, erklärte er wörtlich: „Dann muß ich die Geldfchrank- schlüsselgeschichte fallen lassen." Roh- ling veröffentlichte wefterhin in der sozialdemokra- tischen Düsseldorfer „Volkszeitung" (Nr 239) eine Er. klärung, wonach die sämtlichen mündlichen Aeuße- rungen des Geldschranffabrikanten dem Kassierer gegenüber in Wegfall kommen. — Wie uns vom christlichen Textilarbeiterverband erklärt wird, kann
am Gericht der Nachweis dafür Mpp und klar erbracht werden, daß auch die übrigen Behauptungen Röh- lings sämtlich entweder aus der Luft gegriffen oder die Tatsachen vollständig entstellt und verzerrt wiedergegeben sind.
11. Stuttgart, 13. Oft. 1913. Nach dem Ausfall der württembergischen Landtagsersatzwahl in Rottweil, die eine Verschiebung des Stärkeverhältnisses der Parteien in der Württembergischen Zweiten Kammer zugunsten der Linksparteien brachte, dreht sich in Württemberg augenblicklich alles um die Frage, ob es den Liberalen bei der bevorstehenden Landtagsersatzwahl in Gerabronn gelingen wird, das für ungültig erklärte Mandat gegen den Bund der Landwirte zu behaupten. In der in Gerabronn tagenden Wahlagitation war nun mit Fug und Recht gegen die nationalliberale Partei der Vorwurf erhoben worden, daß sie durch Annahme der sozialdemokratischen Unterstützung im Bezirk Rottweil den Großblock auch in Württemberg aufgerichtet habe und sich in ein Abhängig- keitsverhältnis zur Sozialdemokratie begeben habe. Das stimmt genau und schlägt bei den Wählern auch durch, und da die Wahl in Gerabronn mit ihrer so sehr großen Tragwette vor der Tür steht und dort selbst die schmutzigste konfessionelle Hetze nichts zu fruchten scheint, fährt wem die größte Parteikanone, den Parteitag, gegen diese Tatsache auf. In der Sonntag-Tagung der nationalliberalen Partei Württembergs in Göppingen erklärte der LandeSvorsipende der Partei, Reichstagsabg. S i st,
der Großblock sei und bleibe für die nationalliberale Partei Württembergs ein unmögliches politisches Gebilde. Die Unterstützung der Sozialdemo, kraiie, die der nationalliberalen Partei in Rottweil zum Siege verhalfen hatte, sei rein freiwillig gewesen und habe die Partei in keinerlei Abhängigkeit zur Sozialdemokratie gebracht.
Wenn die Herren das so hn Brustton der Ueber- zeugung verkünden, dann mutz man wenigstens annehmen., daß es ihre Meinung ist. Man muß dann freilich auch glauben, daß die Welt sich in ihren Köpfen sehr seltsam malt. Denn daß die Sozialdemokratie ihnen ihre Unterstützung lediglich aus warmer Zuneigung, aus durchschlagendem Verständnis für die liberalen Ideen zugewendet habe, das setzt doch einen Glauben voraus, der Berge versetzen kann. Im übrigen haben die „Genossen" sich bei ihren Erziehungskünsten cm den Liberalen noch nie verrechnet und werden das auch in Württemberg nicht tun.
** Karlsruhe, 13. Oft. 1913. Wie zuverlässig verlautet, findet die S t i ch w a h l zur Zweiten Kammer am 30. Oktober statt. Die Hauptwahlen find bekanntlich auf den 21. d. M. festgesetzt.
e? Mönchen, 12. Oktober 1913. Die Besprechung der Zentrumsinterpellation über den mangelhaften Vollzug der Steuergesehe ist am EamSrng nach fünftägiger Dauer beendet worden. Der letzte Tag war fast ausschließlich angehlOt mit heftigen Pole- miken der Rotblockmänner. Regierung und Zentrum waren der Gegenstand heftiger Angriffe. Es ist unerhört, wie die Zeit mit nutzlosem, nur Hetz,wecken dlenendem Gerede verschwendet wird. Charakleristiich war die Teilnahmslosigkeit des HauseS an den Ergüssen der Rotblockbrüder. Selbst aus den Gesichtern der eigenen Parteiftennde malte sich die Langeweile. Abg. Held widerlegte schlagend die haltlosen An- würfe der Linken, insbesondere hinsichtlib der glech- zeitigen Einführung der Vermögenssteuer und des angeblichen Drucks des Zentrums auf den Steuervollzug. Sehr angebracht war seine Aufforderung, die Sozialdemokra en sollten lier er die Beiträge für die Partei und die Gewerkschaften berabtetzen, statt über die Steuern zu schimpfen. Die Roten waren begreiflicherweise in großer Verlegenheit. WaS nun folgte, war eine köstliche Episode voll Humor und Heiterkeit. Dr. Casselmann fühlte das Bedürfnis, die liberale Fraktion von der Verantwortung für das Einkommensteuergesetz reinzu- wajchen. Er konnte selbstverständlich nicht leugnen, daß fast die ganz« Liberale Fraktion für da? Einkommensteuergesetz und die Mehrheit seiner Fraktion für die Enragsfteuern gestimmt hat; dagegen habe aber die liberale Fraktion gegen das Ernsührungs- geietz und damit ge-en das ganze Werk gestimmt. Die alte ÄuSrede. Casselmann vermied es dabei in feinet Rede, den N,men „Held" zu nennen, denn der Abg. Held wird ja von den Liberalen boykottiert. Nun nahm Abg. Held grausame Rache: er vermied nämlich nun auch seinerseils den Namen „Casscl- mann" und sagte immer nur: »Der Herr, der vor mir gesprochen hat". Diese Redewendung wiederholte Held regelmäßig, und man kann sich vorstellen, daß sie überall mit Heiterkeit ausgenommen wurde. Sachlich bemerkte Held, daß die Liberalen, nachdem sie das E'nkommenfteueraeietz bewilligt ' haben, .Mit.
Joseph v. Goerres
und die ErinnerungSfeier der Völkerschlacht bei Leipzig.
Niemand hat dem großen Weltsiege, der in den Tagen des 16.—18. Oktober auf den Fluren .Deutschlands erfochten wurde, begeisterter zuge;ubelt, als Joseph v. Goerres. Obwohl er selbst noch in Feindesland, im Bereiche des Corsen wohnte, erhob er seine Stimme für die Erhebung aller Deut- schen Stämme, um die Macht Napoleons niederzu- werfen.
Als danu aber das große Werk gelungen, da nahm er darauf Bedacht, das Erkämpfte auch zum wahren Besitz des deutschen Volkes zu machen. Dieses sollte sich vom Fürsten bis zum geringsten Bürger stets dessen erinnern, was er groß und stark gemacht. Darum trat er in seinem machtvollen „Rheinischen Merkur" dafür ein, daß in allen deutschen Gauen die Erinnerung an die große Völkerschlacht bei Leipzig festlich begangen werde. Am Rheine ' namentlich fand dieser Gä»anke freudige Aufnahme und Joseph v. Goerres selbst schildert uns diese erste erhebende ErinnerungSfeier im Jahre 1814. Er hatte seinen Standpunkt am Abend auf dem Siebengebirge gewählt und schildert nun ht seiner b geisterten, das warme, patriotische Empfinden verratenden Art das großartige Schauspiel, wie folgt:
„Nur dem Himmel, der alles überspann,, ist es vergönnt gewesen das Ganze in allen seinen Teilen zu begreifen, und er hat, um mtt hellem S-rge auf das wohlgefällige Derk herabzusehen, fich zuvor ge- kläret und geremet, daß die erwünschteste Witterung das Fest begünsttgte. Am Niederrhein, im Angesichte des alten Siebengebirges, wo der Rhein feinen Bergen sich entwindend, in die weit offene Ebene sich ergießt, hat der Herausgeber die Feier begehen helfen. WaS an den Tagen geschehen, wie die Glocken mtt beredter Zunge in allen Städten und Dörfern über Land und über alle Berge die ftohe Botschaft des Tages ausgerufen; wie man in den Kirchen zum Tanke sich versammelt. wie die Bewaffneten nach ihrer Art mit Kriegslärm und Daffenspie! die 'Tagesfeier begangen haben, soll, obgleich es durch die Weihe des Zages ungewöhnliche Bedeutsamkeit erlangt, nur im Vorbeigehen berührt sein. Auf der Höhe des Drachenfels, neben den Trümmern der alten Burg hatte der wackere Landsturm des Sieben-
gebirges seinem Anführer ©enger, der auf Rolandswerth vor dem Feinde gefallen war, eine Denkfaule errichtet. Die Weihe des Males war in schicklicher Weise der Feier des Tages verbunden worden. Der Landsturm der ganzen Gegend, eine treffliche Schar, vom besten Geiste belebt, zum größten Teile wohl bewaffnet und geübt, und mit Recht stolz auf die tätige Teilnahme, die er am Kriege schon genommen, hatte sich versammelt, und zog auf die Höhe an die Burg, die ihre Ritter, wie io viel andere am Rbein hinauf, in früher Zeit den deutschen Orden nach Ostpreußen gesendet hot. und nun von den Nachkommen eben dieser Gescklcchter, die von Norden herabqe- kommen, wieder dem Feinde abgeschlagen worden. Der Anführer der Schar bell eine Rede bei dem Denkmal, vom jubelnden Volk umdrängt, der Landsturm zog dann in guter Ordnung mehrmal um die Säule herum, und so erhebt sie sich den künftigen Jahrhunderten ein sprechender Zeuge, von der Be- geisterung der Zeiten, denen sie ihr Enfftehen ver- dankt. Tie darauf folgende Nacht war die heilige Freuden- und Feuernacht, und ganz eigentlich die Krone des Festes. Ganz einzig war der Blick, der sich von den Höhen in das weite Land hinaus eröffnete. Trachenfels selbst und gegenüber Godesberg standen wie zwei Feuersäulen am Eingänge des Rheintals, und darüber erhob sich die Löwenburg noch höher mft ihren Flammen gekrönt. Auch die Wolkenburg und die andern Bergeshäupter waren nicht zurückgeblieben und trugen ein jedes seine Leuchte in den Himmel. Nach Mittag und Morgen und nach dem NiÄiergang, so wett die Gebirge zogen, umgab den Gesichtskreis ein Kranz von Feuern, die tote eben ausgehende Gestirne zur Sichtbarkeit gelangten. Rheinaufwärts bis an die Aar hinauf loderten auf allem Rheingebirg die Flammen. Die Eifel, die stufenweise in vielen Gebirgsabsätzen ansteigend jene große Bergplatte zwischen Maas und Mosel bildet, war gleichfalls bis oben an mit dem Flammenkranz gefront; hintereinander bis an die weiteste Ferne brannten ihre Berge, die nächsten in Hellen breiten Lichtmasien, die ferneren allmählig erbleichend, die fernsten in einer Weite von sieben bis acht Meilen nur von Zeit zu Zeit aufblinkend wie die Nebelsterne am Himmel, die nur ein lichtstarkes Auge faßt. In Mitternacht lag vom Kreuzberg an, den die Freude der guten Bewohner von Bonn entzündet hatte, nun die weite Ebene auSaebreitet: bis
schuldige" an der Steuerreform seien, wenn es überhaupt Sckuldiae gibt.
V Straßburg, 13. Ott. 1913. Im Wahlkreis B r um ath, der auch für den Landtag vom Zentrum im letzten heißen Wahlkampf behauptet wurde, fand eine Kreistagswahl statt. Der Zentrumskandidat wurde mit etwa 2000 Stimmen gewählt, ein Kandidat der Genossen erhielt 1000 Stimmen. Ein liberaler Bewerber war nicht aufgestellt. Die Sozialdemokraten sind über letztere Tatsachen aufgehalten. Ihre liberalen Verbündeten können ihnen aber mit Recht entgegenhalten, daß bei der Landtagswahl der liberale Kandidat in bo» Stichwahl durchfiel infolge Umkippens des roten Hilfskarrens.
Ausland.
♦ Der dritte Kongreß der christlichen Gewerkschaften der Schweiz fand gestern in Luzern statt. 104 Delegierte vertraten 15 000 Mitglieder und beschlossen, am Programm von 1907 festzuhalten. Von Deutschland war Stegerwald (Köln) anwesend.
** Der neue Kurs in Holland. Schon über sechs Wochen segelt nun das niederländische Regierungsschiff im neuen Kurs. Eine ganze Reihe von Gesetzentwürfen, die der vorigen Regierung viel Arbeit, Zett, Mühe und Geld gekostet haben, sind in den letzten Tagen als überflüssiger Ballast über Bord geflogen. Dafür hat man aber neue Ladung eingenommen, neues Perfonal angeheuert und den Kompaß anders, d. h. nach der liberalen Richtung ein" gestellt. Es fragt sich nun, wird der neue Steuer- mann des niederländifchen Regierungsschiffes, Ministerpräsident C o r t van der Linden, die schwere Ladung, mft der er sein schwankes Fahrzeug durch die Thronrede vom 16. vorigen Monats befrachtet hat, glücklich an Land bringen? Die Aussichten dafür sind herzlich schlecht. Eort van der Linden will nämlich zwischen den gefährlichsten Klippen hin- und herlavieren und einmal seine Stammannschaft aus der Linken, ein andermal aus der Rechten ergänzen. Als Lobn verspricht er den Sozialdemokraten teilweise Erfüllung des Wahlprogramms: Staatspension, allgemeines Wahlrecht und Wegräumung der in der niederländischen Verfassung enthaltenen, gründ" sätzlichen Bedenken gegen das Stimmrecht der Frauen. Die christlichen Parteien will er sich durch eine tolerante (?) Lösung der Schulfrage dienst' bar machen; seine Freunde aber, die Liberalen, sollen an den großen Verbesserungen, die in der Marin e> im Heer und besonders in Niederländisch-J n d i e n geplant sind, erkennen, daß der Liberalismus in Holland noch immer lebens- und regierungsfähig ist, und keinesfalls den Sozialdemokraten nach den Äugen zu sehen braucht. Der arme Eort van der Linden; wie bitter wird er sich täuschen! Wohl ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß, wenn die Regierung wirklich die löbliche Abficht hat, die konfessionellen ibijzon" deren) Schulen mit den neutralen (openbaaren) Staatsschnlen gleichzustellen, die Parteien der Rechten mit sich reben lassen, beim auch im christlichen Heerlager macht sich neuerbings, bem Zuge ber Zeit unb den Verhältnissen Rechnung tragenb, ein merkbarer Umschwung zugunsten der in ber Thronrebe vorgestellten Wahlrechtsreform geltenb. Ob aber bie eigenen Freunbe bes Ministerpräsibenten für ben Vergleich zu haben sein werben, sst sehr zweifelhaft, febenfalls tun bie christlichen Parteien gut baran, sich vorzusehen unb nicht eher ihre Mitwirkung bei ber Berfassungsrevision zu versprechen, als bis bie in Aussicht gestellte „Gegenvergütung" auch wirttich erfüllt ist. Die anberen Punkte bes in b-»r bekannt gemachten Regierungsprogramms kennzeich- nen so recht ben beispiellosen Optimismus Corl van ber Linbens. Die Zuerkennung einer Staatspension an alle 70jährigen Arbeiter ist zurzeit ebenso unmöglich, wie eine Ausbreitung unb Erhöhung ber Jnva" liben- und Krankenversicherungsbezüge. Zu derlei kostspieligen Ausgaben hat die niederländische Regierung eben kein Geld, umsoweniger, als auch noch lange nicht sicher ift. daß bie bittere Pille: Einführung einer allgemeinen Einkommen- unb Erhöhung ber Erbschaftssteuer von ben betbett Kammern so ohne weiteres geschluckt wirb!
△ Der Notschrei eines Erzbischofs. Man macht Oesterreich von ttrcbenfeinblicher Seite oft ben Dorwurf, baß es bte katholische Kirche zum Nachteile anberer Religionen in unstatthafter Weise bevorzuge. Aus einer längeren Erklärung, bie ber Erzbischof von Sarajewo Dr. Stäbler veröffentlicht, geht nun hervor, baß bie katholische Kirche in Bosnien, also einem zu Oesterreich-Ungarn gehörigen Lanbe, in unglaublicher Weise behanbelt wirb. Der Erzbischof erklärt:
„Das bosnische Bekehrungsgesetz macht eine Bekehrung zum Katholizismus praktisch unmöglich, wäbrend es dem Abfall vom Katholizismus feine Schwierigkeiten
Köln hinunter unb darüber hinauf, und rechts bis Bensberg hinab und bas Bergische entlang lagen bie Sternbilder, als sei die Erbe ein Meer geworben, in bem sich ber Himmel spiegelte. Die Wackern Kölner hatten auf bem herrlichen gothischen Canbel ober ihrem Tomturm bas bengalische Feuer gezün- bet; ben Laus bes Rheines bezeichneten auf beiben Ufern Helle Lichtpunkte; an ben reichlich im bergischen Lanbe ausgesälen Feuern waren bte Scharen abzu- zäblen, bie sie bem Krieg gegeben, unb bazwischen zuckten Blitze vom Siebengebirge her, unb von Rheinbach herüber, unb von Köln herauf, unb ber Donner bes Geschützes unb bes Kleingewehrseuers hallte von ferne nach. Der ganze Anblick war herrlich unb herzerhebenb, unb haben bie Franzosen ihn aus ihrem Lanbe wahrgenommen, bann haben biefe Feuer ein warnenb Wort ihnen zugerufen, unb sie haben sicherlich erkannt, welch ein anberer Geist über bas beuffche Volk herabgekommen, unb seine Flammen über bte Häupter seiner Jünger ousgegossen, baß sie mit einem Male Begeisterung reben. Auch bie nichtige Eitelkeit all ihrer Besttebungen ist ihnen sicher babei klar geworben, ba von allen ihren Siegen unb Triumphen ihnen auch keine Spur geblieben, währenb bie Deutschen einen so herrlichen Tag unb eine so erhebenbe Erinnerung sich erhalten."
Ein Jahr ift kaum ins Lanb gegangen unb schon bat eine große Enttäuschung sich beseitigen bemächtigt, welcher baS bcntsche Volk zu seiner Befreiung nicht nur vom Joche bes flohen Eroberers, fonbern auch zu innerer wie äußerer Größe aufgerufen hatte.
Es zittert ehr tiefer Unwille aus ben Worten, bie Joseph v. Goerres ein Jahr später 1815 über bie gleiche Feier schrieb:
„Der Tag ber Bergfeuer ist zum zweitenmal an uns borbeigegnngen, unb nach Möglichkeit festlich vom deutschen Volke gehalten worben. Es ist aber nicht ber Helle Silberblick ber begeisterten Hoffnung vom vorigen Jahr gewesen; ber innere Himmel ber Nation war wohl viel getrübt, unb mit Nebeln überlaufen, ihre Freubenfeuer leuchteten rot unb matt unb bunfcl burch bie Dünste wie bie Sterne, wenn sie nach gemeiner Rebe Wasser ziehen. Bei ben lo- bernben Flammen auf einsamen Bergeshöhen hat bas Volk bebacht, was ihm von seinen Hoffnungen, bie es voriges Jahr an gleicher Stätte gehegt unb
in den Weg legt. Es könnte dies durch eine Reihe von Tatsachen, namentlich auch in Bezug auf Konversion vorn Islam zum Katholizismus, noch weiterhin illustriert werden, wenn dies notwendig wäre. Es ist überhaupt die Lage der katholischen Kirche in bezug auf Konversionen den übrigen Bekenntnissen gegenüber äußerst ungünstig, durch das Konversionsgesetz aber wird sie geradezu unerträglich. Wer vom Islam oder von der Orthodoxie zum Katholizismus übertritt, mutz gewöhnlich sein Vaterland verlassen. . . .“
Erzbischof Stäbler ersucht angesichts biefer traurigen Znstänbe bie österreichische Negierung in Ber- binbung mit bem hl. Stuhl ein neues Konversionsgesetz zu schaffen.
** Wider «eäullche Verhaftung eine» deutschen Kaufmann» in Rußland. Der Gladbacher Kaufmann Buttjer wurde in Warschau 4 Tage lang wegen gän lich unbegründeten SpionagevervachtS eingesperrt und in schmutzige Gesängniskleider gesteckt, schließ! ch wurde er entlassen. Builjer legte beim deutschen Konsulat in Warschau Beschwerde ein und verlangt von der russischen Regierung eine Entschädigung.
* Albanische Offensive gegen die Montenegriner. Während bie jüngsten Meldungen aus Belgrad erwarten ließen, daß die Albanier vollständig geschlagen worben sinb unb sich in ihre Gebirgsbörfer zurückge- jogett haben, sinb sie jetzt überraschenberweise gegen Montenegro zu einem heftigen allgemeinen Angriff vorgegangen. Sie haben mit überlegenen Kräften die ganze montenegrinische Front von Gu- sinje bis Djakowa angegriffen. Es entwickelten sich heftigeKämpfe, die noch andauern. Die Montenegriner erhalten beträchtliche Verstärkungen aus Gufirije. Nachrichten auS albanischer Quells melden, daß die Albanier mit Erfolg nicht nur gegen die Montenegriner, sondern auch gegen die Serben gekämpft haben.
* Gegen den russischen KriegSminister werden sehr schwere Anklagen erhoben. Vor einigen Jahren setzte der damalige Generalgouverneur von Kiew, jetziger Kriegsminister Suchomlinow, eS durch, daß während der Abwesenheit deS Gutsbesitzer» Pukowitsch dis Scheidung seiner Ehe ausgesprochen wurde, rootauj er Frau Pukowitsch sofort heiratete. Pukowitsch wagte: es erst in Kiew, eine Klage zu erheben, als Suchom» linaw nicht mehr Generalgouverneur mit absolutes Vollmacht war. Jetzt behauptet er, daß iml Scheidungsprozeß falsche Zeugen aufgetreten seien,' die ihn in Kiew deS Ehebruches beschuldigten zu einer Zeit, da er in Moskau in einem Prozeß Zeuge gewesen sei. Nachher sei ein Teil der Atten „verschwunden" gewesen! Die AdelSgesellfchast hat fich der Sache angenommen, et scheint also ein seh« ernster Prozeß bevorzustehen.
Der Staatsstreich in Mexiko.
Nach einem Telegramm aus Mexiko hat der Mi. nister Aldape erklärt, daß die verhasteten Abgeordneten ihre Freiheit nicht erhalten können, sondern vor Gericht gestellt werden sollen. Kein einziger sei freigelaffen. In einer Proklamation an die Bevölkerung erklärt Huerta, die Mehrheit der Deputierten habe beschlossen, ihm jede finanzielle Unterstützung zu verweigern, obwohl daS Land im Innern und nach außen Verpflichtungen habe. Wenn die Opposition von einer mächtigen Volksbewegung unterstützt würde, würde er zurücklreten, doch sei daS nicht der Fall. — Nach einem Telegramm der Köln. Ztg/ auS Berlin steht mit Rücksicht auf die Lage in Mexiko die Enlsendung eine» deutsche» Kriegsschiffes nach Mexiko bevor.
Aus Uirche und Schule.
* Limburg, 14. Ott. 1913. Ein Erlaß deS Hoch«) Herrn Bischofs Augustinus, der die äBiebettiu« sührung des Festes Peter und Paul alst gebotenen Feiertag in Erwägung zieht, wird in der neuesten Nummer be» Amtsblattes deS Bistums Limburg veröffentlicht. Die Wiedereinführung bei gebotenen Feiertages würde von dem katholische» Volke freudig begrüßt. (In der Diözese Fulda ist dieser Feiertag von vornherein btibebalten worden.)
* Münster, 12. Ott. 1913. Der Papst hat dem erwählten Bischof Johannes Poggenburg zu seiner bevorstehenden Inthronisation sein Bild mis einem eigenhändigen Glückwunschschreiben übersandt,
I
Aus dem Nachbargebiete.
-r- Bachrain, 13. Ott. 1913. I» der hiefigefi Gastwirtschast „Zur schönen Aussicht" war am gestrigen Sonntag Rettuten-Adschiedsseier für die 2 (zwei!} Rekruten von Bachrain. An diese .Feier" werden die Rekruten und viele Bachrainer noch lange denken, Auf dem Programm stand zwar nur: Mufik und Tanz! Es sand aber dazwischen auch eine regelrechte
gefaßt, wahr geworden, und es hat sich ihm gezeigt, daß es größtenteils taube Blüte gewesen, die abgefallen, wie die Blüten der Zweige um Weihnachten fallen, die man mit Wintersanfang abgeschnitten, und ohne Wurzel burch bes Wassers unb künstlicher Wärme Macht in bie Entfaltung hinausgetrieben. Was hat ber Kongreß von allem Versprochenem ihm geleistet? Er hat ben mit seinem Herzblut erkauften Besitz unter bie Fürsten verteitt unb ist baraus fortgegangen, oon bem rückkehrenben Kobolb auseinander gesprengt. Kein Verlaß, kein sicherer Grund, keine fröhliche Znversicht für den Bau der Zukunft ist daraus hervorgegangen, alles schwebt lose und wankend, schwimmend auf den ewig bewegten Wässern dieser Zeit, und alle Hoffnungen sind auf einen neuen Kongreß verwiesen, den der alte nach seinem Ebenbild gesetzt, und mit gebundenen Händen hingestellt, daß er ein kunstreich Werk auf morschen Grundvesten erbaue."
Nicht aber läßt der große Mann den Mut sin- ken. Er erhebt von den Sterblichen, den Blick zum Ewigen, ber bie Geschicke ber Menschen regiert unb sagt zum Schluffe:
„Das haben Alle, bie fich auf jenen Bergeshöhen in ber Feuernacht befunben. unb mit sin .igem Ernst hinaufgefchcn unb hinabgefehen, gar wohl verstan- ben, unb sie haben bie Zuversicht mit zurückgenommen, baß, was auch biesma! unb abermal versehen worben. Alles boch toieber sich ausgleichen werbe in jener höhern Willensmacht, unb baß an ben Flammen bes nächsten Jahres zum brittenmal berselbe Jehovah glorreich vorübergehen wirb, ber sich nur von hinten, bas ist im Erfolge seiner Ratschlüsse erschauen und erkennen lä "
Zum Hunbertsten mal ist in biesem Jahre bie Erinnerung an Leipzig'? Völkerschlacht wieberge- fehrt. Vieles von ben bamals gehegten Hoffnungen hat sich im Laufe ber Jahre nun boch enblich siegreich burdjgerungen. Vieles aber auch von ben Tugenben, bie bamals Teuffchlanbs Größe geschaffen, ist ver- loren gegangen. Möge bie jetzige hunbertjährige Erinnerung zugleich eine Erneuerung bes großen christlich patriotischen Geistes sein, in bem bie großen Männer, wie Arnbt, Stein, Goerres einst bas Volk aufriefen unb von bem beseel: bie wackeren Truppen unter Blücher unb Gneisencm usw. bei Leipzig ben schönsten unb benkwürbigsten Sieg ber Wett erfochten haben.