Hulda
Wochen-Veilage:
Illustrierte Sonntogszelfung
s EiebwiflsUften der preußisth-silddeutschen Klaffen-Iotterie. — halbjährlich Taschrnfahrpla». s
40. Zahrgang.
Dienstag den 14» Oktober 1913
Erstes Blatt
Nr. 236
in der
Selbständige
100
sich hier also ganz, außerordentlich« Gunsten der Katholiken. SDlbgen ft«
das Feuer in der dicht an
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Selbständige 147,86 6.44 2,57
1,61
23,42
174,56
12,80
5,23
4,64
47,45
8,57
2,91
32,23
31,84
36,33
betrug der Anteil der Katholiken Gesamtbevölkerung im Dezember
O,S2 17,78 23,20 22.96
Monats-Vellage:
Zuldaer Seschichtsblätter
Es ergeben f "
Unterschiede zu < . r
auch von dem einen oder andern Umstande beeinflußt
Und mit der Kraft des Wahnsinns umschlang der Mann die vergeblich nach Hilfe Spähende und bedeckte chr Mund und Dangen mit glühenden Küssen, An der Tür wv'de heftig gerüttelt und die angstvolle Stimme des Vaters rief draußen:
,Flarche, um Himmelswillen mach uff un komm herunner! Es brennt in der Scheier! Jeden Auge« ö!icf kann des Feier herüberschlage - schnell, schnell!" „Vatter hilf, hilf!" konnte die junge Frau nur lallen, da der Wahnsinnige sie fest an sich gepreßt hatte und jeden Laut von ihr mit Küssen erstickte. In dem Getöse, das sich draußen aus der Gasse erhoben hatte, verursacht durch die zum Löschen herbeigeeilten Menschen verloren sich die Laut: und der von der ent« letzlichsten Angst um fein geliebtes Kind gepackte Vater raüe die Treppe hinab, um em Beil zu holen und die Türe zu zertrümmern, da er nicht anders annehmen konnte, als daß Klärchen irgend etwas ;U» gestoßen sei. das sie daran hinderte, der entsetzlichen Gefahr zu entfliehen.
(Fortsesuna folgt.)
-______ mit Ausnahme 6er Sonn- und Seiertogt Oiertel-
•JJgJ ohne Bringtrlohn and Bestettgeld In Hulda
Mn«)» eere# p Rotationsöru* und vertag der
l «n Suwa. Strntpreter Nr. 9.
miliensinnes hat.
Daß hier die katholische Religion durchaus voran steht, geht zunächst aus dem Umstande hervor, daß an den Ehescheidungen relativ viel weniger Katholiken als Protestanten beteiligt sind. Von der in Preußen geschiedenen Personen waren
das Feuer in der dicht an ihre Wohnung grenzen» den Scheune um sich gegriffen hatte, dann waren ft« hier auf das Aeußerste gefährdet und mufjten sofort die vordere Treppe nach dem Erdgeschoß hinab pnd in das Freie fluchten. Dies erwägend lief dis junge Frau nach der Türe, dem heraufeilenden Vater entgegen, als ihr der Wahnsinnige zuvorkam. Mil einem Sprunge wär er, als sich die Schritte auf der Treppe näherten, nach der Türe gestürzt, hatte den innen steckenden Schlüssel herumgedreht und fortgeschleudert und stand jetzt, ein leises gräßliches Gelächter ausstotzend, mit ausgebreiteten Armen vor der jungen Frau. „Sie wolle dich hole, Klärche", flüsterte er, „wolle dich von mir reiße, daß ich Widder mutterfeeallaans bin, ohne Licht, ohne Feuer, ohne mei lieb Klärche! Mein bist du un zu mir gehörst du! Wie sagt dein frommer Vatter? „Was Gott rufammenfügt, des soll der Mensch ntt sch-side!" Ich loß dich nit mehr von mir — mein bist du, mein!"
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Landwirtschaft
Industrie d. Steine u. Erden Metallverarbeitung
Jndutrie der Maschinen u.
Jnfttumente Textilindustrie Industrie der Holz- und
Schnitzstoffe im Baugewerbe im Handelsgewerbe bei den Bäckern bei den Fleischern
Verhältnis in Betracht. Das heißt: die Zahl der im Durchschnitt auf eine Haushaltung entfallenden Personen. Allerdings darf man Familie unt Haushaltung nicht gleichstellen, in der Mehrzahl der Fälle werden sie begrifflich zwar zusammenfallen, oft allerdings auch von einander abweichen. Trotzdem sind die Begriffe der Haushaltung und die sich aus einem Vergleich der Durchschnittsziffern, die hierbei zu gewinnen sind, ergebenden Tatsachen hier durchaus verwettbar. Da die Statistik eine Trennung nach katholischen und evangelischen Haushaltungen nicht vorsieht, so kann natürlich ein Vergleich nur in dem Sinne m Frage kommen, daß die durchschnittliche Größe der vorhandenen Haushaltungen in Beziehung gesetzt wird zu dem Maß, mit welchem dis Katholiken bezw. die Protestanten an der Gesamtbe- völkerung beteiligt sind. Für Preußen ergibt sich hier folgendes Bild: Für den ganzen Staats- umfang betrug die Durchschnittsgröße der Haus- halMngen nach der letzten Volkszählung vom Dezember 1910 4,56 Personen. Setzen wir zu dieser Größ« der Haushaltungen die Durchschnittsgröße der Haushaltungen in den einzelnen Regierungsbezirken in Beziehung, so ergibt sich, daß in den Regierungsbezirken, in denen die Katholiken mehr als die Hälfte der Bevölkerung stelleii, die durchschnittliche Haushaltungsgröße den Staatsdurchschnitt überall überholt. Sie betrug nämlich im Regierungsbe. ziick Münster 5,62 Personen (es ist dies die höchste überhaupt vorkommende Ziffer), Osnabrück 5,27 Personen, Trier 5,24, Bromberg 5.13, Marienwerder 5,10, Posen 5,6, Koblenz 4,83, Düsseldorf 4,83, Aachen 4,75, Oppeln 4,75 und Köln 4,63 Personen,
Die Regierungsbezirke, deren Haushaltungsdurchschnittsgröße unter dem Staatsdurchschnitt steht, sind, mit zwei Ausnahmen, stark „katholikenrein". Es kommen überhaupt in Betracht 14 Regierungsbezirke. In acht dieser Bezirke beträgt der Anteil der Protestanten an der Gesamtbevölkerung 90 Prozent und mehr, in vier weiteren Bezirken weniger als 90 Prozents aber mehr als 75 Prozent und den restliche« zwei weniger als 75 Prozent, aber mehr als 57 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Unzweifelhaft beweisen diese Zahlen, baß in deck preußischen katholischen Bezirken die Durch, schnittsgröße der Haushaltung mehr Personen aufweift als in den meisten protestantischen Bezirken. Da aber nun Familie und Haushaltung in überwiegendem Maße — wenn auch nicht immer —> identisch sind, so ergibt sich durchaus ein sehr gutes Zeugnis für den „Familiensinn" der Katholiken. Dieses Zeugnis steigert sich aber noch, wenn man die Berufsstatistik heranzieht und hier die bei den selbständigen der einzelnen Berufsarten gewerbe- tätigen Familienangehörigen zu ersteren in Beziehung fetzt. Nach der letzten deutschen Berufszählung ergib! sich hier, daß an (im Betriebe) mithelfenden Fami- lienangehörigen der betreffenden Konfession entfielen auf je 100 tathol. aut je 100 Protest.
Dem gegenüber an der preußischen 1910 36 305 Prozent "und der Anteil der Protestanten 61821 Prozent. Die Beteiligung an den Ehescheidungen würde allein noch nicht beweiskräftig genug sein. Es mag daher auch nach anderer Richtung das Voranstehen der Katholiken dargetan werden. Hier kommt in erster Linie das Haushalts-
hatte, als er sagte: „Eine Heilung ist bei dem Zustand Ihres Mannes ausgeschlossen, liebe Frau, doch liegt eme direkte Lebensgefahr nicht vor; im Gegenteil pflegen derartige Kranke gewöhnlich ein hohes Alter zu erreichen" — war das ein Trost gewesen? Demnach war sie dazu verurteilt, auf das volle Glück ihres Daseins, nach dem sie sich einst so heiß an der Seite eines anderen gesehnt hatte, für immer zu verzichten, verurteilt, denjenigen täglich zu sehen, nach dem ihre ganze Seele einst geschrien hatte, der trotz allem Sichdagegenwehren, trotz dem inbrünstigen Beten und Stärke gegen die Anfechtung, immer noch in ihrem Herzen lebte. „Uff die Knie möcht ich vor dir niederfalle un dich mit uffaehobene Hand um Verzeihung for des bitte, was ich dir angetan hab", — so hatte er an jenem Gerichtstage gesagt! Diese Worte brannten Wie Feuer in ihrer Seele — sie hatten ihr bewiesen, dast jetzt, nachdem alle Hoffnung auf gemeinsames Gluck geschwunden war, sein Herz sich wieder zu ihr zurückgefunden hatte.
Don der nahen Dorfkirche schlug es sieben Uhr. Da war es Zeit, hinunter zu gehen, um der Mutter beim Anrichten des Abendessens zu helfen, wie sie e? als Mädchen getan und auch in der letzten Zeit wieder zu tun pflegte.
Mit einem Seufzer erhob sich die junge Fran und schickte sich an, Sie Stube zu verlasien, als sie plötzlich wie gebannt stehen blieb und lauschte. Hatte die Diele in dem nebenan liegende.* Schlafzimmer nicht geknarrt, als schleiche ^on dort jemand heran? Deutlich hörte fie, jetzt ein scharrende? Geräusch, als streife ein Fuß über den Boden, und jetzt — der Herzschlag stockte ihr, um gleich darauf mit wildem Pochen wieder einzusetzen — dort, in der offenen Türe, von Mondlichi umflossen, stand Jakob, ihr Mann, die unheimlichen Blicke starr auf sie gerichtet und die Arme nach ihr ausstreckend. War das ein wirre? 'Gebilde ihrer Phantasie? Nein — deutlich sah sie das totenblasse Gesicht, um das die schweißgebadeten schwarzen Locken klebten, hörte das Keuchen seines Atems — allmächtiger Gott — ihr Mann war aus der Anstalt entwichen und hatte sie aufge- 'ucht'.
„Jakob", schrie die Entsetzte auf, „um himmelS- willen, wie kommst Du hierher?!"
q Die uationalliberale Jugend.
D-r jungliberale Bertretertag, di« Organisation -Ser nationalliberalen Jugend, war m btefen Tagen in Sefoxia zufammengetreten. Utbet groß« Dmge hat man K L unterhalten über Kirche und Staat, über Welfenfrag« unv ArbertSwllllgenfchutz. Am interrfsantesten war auf der Tagung da« Referat über da? Verhältnis von Staat und Krrche. Immer deutlicher tritt in Erscheinung, daß weite Krelse de? Volkes und auch stark« politische Kräfte sich bemühen, »wischen Kirche und Staat da« Einverständnis zu trüben, das deut« noch bestehl, und die Kirche dem S t a a t e dinst- bar »u machen. Die Jungllberalen haben den Reigen der politischen Parteien «röffnet, di« auf ihren Ver- tretrrta zen das Thema: Kirche und Staat in kirchen- feindlicher Tendenz abwandeln wollen, Fortschrittler und Sozialdemokraten werden im nächsten Jahre folgen. In Leipzig aber kam der Referent zu dem Resultat: daß ,,«S keine einfache Lösung gibt, die dir Fülle der Fragen und Probleme zur Ent- scheidung führen könnte, die in unserem Thema ver- steckt sind". Bemerkenswert war auch daS Eingeständnis, daß trotz des prinzipiellen Kampfes gegen di« katholische Kirche gerade bei ihr eine Trennung vom Staat« „nicht «in einziges der Machtmittel treffen würde, womit die autoritative katholische Kirche ihren Einfluß auf daS katholische Volk stützt."
Es kann nur gut sein, wenn dl« Trennung»- freunde, die den TrennungSgedankrn vor allem aus Haß und Abneigung gegen di« katholische Kirche befürworten, zu der Erkenntnis gelangen, daß die ka- thollfche Kirche die Trennung vom Staat sehr gut überstehen würd«; daß daS Wort von der „freien Kirch« im freien Staat" katholischen Ursprungs ist und daß di« katholische Kirche in erster Linie des Grundsatzes wegen eine Trennung von Kirche und Staat mißbilligt. Was hier für evangelischen Landes- kirchen der Todesstoß wäre, würde aller Voraussicht nach für die katholische Kirche zum Nutzen auSschlagen.
Also Furcht ist e» keineswegs, waS die Katholiken da« Auseinanderreißen von Kirche und Staat verur- teilen heißt. Der jungliberale Bertretertag hat eS sich in Erkennung des heiklen Problem» denn auch versagt, die Formel der Trennung von Staat und Kirche in fein Programm aufzunehmen; er verlangte aber nach dieser Richtung hin Reformen der staat- lieben Gesetzgebung, zunächst in der Durchführung der Gleichberechtigung aller religiösen Gemeinschaften im StaatSIeben, versetzte sich dann aber selbst eine klatschende Ohrfeige, indem er gleich darauf de- battete» einen Antrag annahm, der di« Parteileitung auffordert, „allen Versuchen zur Aufhebung und Milderung deS Jesuitengesetzes energisch entgegen- zutreten". Das ist jungliberale Logik! Daß für dre Befreiung der Volksschulen von jedem kirchlichen Einfluß eifrig plädiert wurde, ist bei dem sattiam bekannten Geiste der jungliberalen Herren selbstver- ständlich. Die konfessionslose Schul« ist von jeher das Ideal der sogenannten Liberalen gewesen.
In der W e l s e n s r a g e stellten sich die Jungen ganz auf den Boden der Entschließungen der kürzlich tn Wiesbaden versammelt gewesenen nationallibera- len ReichstaaSabgeordneten; auch sie wollen den Pnn' zen Ernst Äugust den Braunschweiger Herzogsthron nicht besteigen lassen, wenn er sich nicht zu einem ausdrücklichen Verzicht auf Hannover versteht. Nicht ganz einig ging die liberale Jugend mit der Wiesbadener Tagung in der Beurteilung des Arbeits- willige n schütze s, zu dessen Prüfung in Wies' baden bekanntlich eine Kommission eingesetzt worden ist. Man verstand nicht, wie die Fraktton vor einigen Monaten erst einstimmig gegen einen darauf hm- zielenden konservativen Antrag stimmen konnte und
„Hi, hi, hi!" lachte der Wahnsinnige, in das Zimmer tretend, „gelt, des hälfst Du nit geglaubt, daß Du mich jo bald wiedersiehst, Klärche? Die böse Mensche wolle mich von meim Klärche fernhalle — ich hab dem dumme Kerl atoer e Schnippche geschlage! Am Bettuch hab ich mich vom Fenster herunner in de Garte gelosse un bin über die Mauer geklettert. Die wer'n schön nach mir juche, die Affe; hi, hi, Hf
Mit aller Willensstärke überwand die junge Frau die furchtbare Angst, die sie überrieselte, und sagte, ihre bebende Stimme zu einem möglichst gleichgültigen Tone zwingend:
„Awer Jakob — du bist bloßkopps den weite Weg bis daher gelaafe? Du lüußt jo todmüd sein! Setz dich doch un ruh dich aus! Wart, ich steck Licht an und bring dir was zum esien!"
„Den weite Weg? For zu meim Klärche zu komme, is mir kaan Weg zu wett! Un Licht willst du anstecke, Klärche? Du brauchst kaa Licht anzustecke — ich hab schon e Feuerche gemacht, des leucht Heller, wie alle Lichter zusamme! An dem wolle wir uns wärme, Klärche!" Und mit der Hand rückwärts deu' tend, fuhr er mit irrem Lächeln fort: „Hörst du, wies? knistert? Gleich muß es obe herausschlage, hoch bis zum Himmel enuff!"
„Jakob was rebft du?" schrie das junge Weib entsetzt auf. „Was host du getan9"
E Feuerche hab ich gemacht, Klärche, mein lieb Klärche — e Feuerche for uns zwaa allaaus! Wo ich des Feuerzeug her halt, fctaanft du? Ei ich waaß dach wo's in der Futterkammer steht! Komm wir wolle emol gucke, ob's noch nit luftig zum Dach herausschlägt!"
In diesem Augenblick hörte man vom Hofe wildes Durcheinanderrufen! „Feuer, Feuer, es brennt!" und eilig Polterte jemand die Treppe aus dem Erdgeschoß herauf — wahrscheinlich der Vater, der heraufkam, um die Tochter auf die Gefahr aufmerksam zu machen.
Mit Blitzesschnelle drängte sich der zu Tode er- fchrockenen und an allen Gliedern bebenden jungen Frau die Gedankenfolge auf, daß ihr Mann durch die Scheune das Haus betreten und seinem unseligen Hange folgend, den Brand äugelest batte. Dann
Der Brandstifter.
39} Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.
„Uebermorje tarnt mich bann der Lenz zum erste xug an die Bahn fahre!" schloß die junge Frau jetzt ihren Bericht und erhob sich, um nach oben zu gehen und chre Kleider zu wechseln.
Still und einsam war es in den Räumen, in denen sich ihr kurzes Eheleben an der Sette ihres unglück- lichen Mannes abgespielt hatte. Durch die Fenster drang das Licht des Vollmondes und ließ alle Gegenstände genau erkennen. Hier an dem Tische hatte sie abends, wenn das Tagewerk beendet war, ihrem Manne gegenüber gesessen, über gleichgülttge Dinge plaudernd, immer ängstlich bestrebt, innigere Töne in dem gegenseitigen Gedankenaustausch zu vermeiden. Hatte sie nicht ein Unrecht damit gegen den Mann begangen? Wäre sie nicht verpflichtet ge- toefen, ihm, dem sie am Altäre Treue geschworen hatte, auch seelisch näher zu treten, ihr Herz zu zwin- gen, ihm in Liebe anzuhängen? Sie hatte sich niemals dazu überwinden können — ein unsagbares Grauen war stet? über sie gekommen, Wenn sie die dunklen Augen Jakobs auf sich gerichtet sah, bte Augen, in welchen es so unheimlich aufghmmte. und immer' war es ihr gewesen, als muffe sie burd; be» ständiges freundliches Zureden dies"? unheimliche Etwas beschwichtigen. Don Anfang der Stunde an war es in ihr tote ein Angstgefühl -»rwesen da? sie vor ihrem Mann empfand und über da? sie sich keine Rechenschaft geben konnte — die Errgnifle hatten ihr gezeigt, daß ihr dunkles Ahnen -lcht getragen.
Tief aufatm-no ließ sich die junge Frau auf dem an dem einen lenster stehenden Stuhl nieder und sah nachsinnend in bie volle, immer mehr emporstei- gende Mondscheibe. Trostlos und öde lag ihr kuus- tiges Leben vor ihr. Noch im Frühling des Lebens stehend, toat sie für ihr ganzes Dasein an einen Mann geschmiedet, der unheilbar geisteskrank, dem sie auch nicht mit einer Faser chre« Herzen» zugetan teer und an den sie nur mit einem, mit geheimem Grauen gemischten Mitleid denken konnte. Der Leost, den ibr der KBcfarxt der Anstalt heute gegeben
In dem Gutachten de? bayerischen Justizministers, auf das sich das bayerische Ministelium in seiner obigen Erklärung bezieht, heißt es u a.:
'Es kann sich nur darum handeln, den Weg der Gesetzgebung zu beschreiten und dafür die angemessene Form zu finden. Dabei kann, nachdem während der Regentschaft schon mehrfache Verfassungsänderungen vorgenommen worden sind, der Zweifel als überwunden gelten, ob während der Dauer der Regentschaft eine Verfassungsänderung zulässig ist oder nicht.
Diese offizielle Kundgebung der Regierung klärt die Lage insofern, als nunmehr zweifelhaft scststehr, daß an eine Proklamation ohne Mitwirkung deS Landtages niemals ernstlich gedacht wurde und auch nicht mehr gedacht wird. Ob und wann der zweite Weg, der durch die beiden Kammern führt, beschritten wird, muß man abroatten. DaS Zentrum in Bayern hält bekanntlich diesen Weg für weniger empfehlenswert. 9
Auffallend ist, baß die Kundgebung spricht von rechtlichen und politischen Gründen, aus denen der Weg der Proklamation nicht beschritten werden könnte. 'Entweder mußte man sagen: Der Weg der Proklamation darf aus rechtlichen Gründen nicht beschritten werden, oder man mußte sagen: Er darf beschritten werden, die rechtlichen Bedenken scheiden aus diesen ober jenen Gründen aus. Niemals ober durfte man, wie es geschehen, die rechtlichen Bedenken entscheidend ergänzen durch politische, die höchstens für eine Unsicherheit gegenüber den destruktiven Elementen im Staatswesen Zeugnis ablegen. Die politischen Motive, auf die das Gutachten sich stützt, lasten sich mit kurzen Worten kennzeichnen: Angst vor der Linken, Angst vor einer Art legitimistisch-aufgeputzten Anarchie im Staatsorganismus.
Das ist ein Standpunkt, von dem die Regierung in einer Monarchie, wenn sie ihn nun einmal ein» nehmen zu müssen glaubt, vor der breiten Deffent» lichkeit weniger offenherzig, als es geschehen ist, reden sollte. ________________
ae.^Som Familiensinn ver Katholiken
Es hat wohl kein Zeitalter gegeben, in dem die einsichtigeren Getsier die Familie nicht als die Grundlage eines geordneten Zusammenlebens und eines der Gesamtheit zuträglichen Zusammenwirkens der Menschen betrachtet hatten. Tie vorherrschende Anschauung von der Famtlie ist immer die gewesen, daß die F a m i l i e der e r st e und gr u n b I e g e n b e K u 1 fit f f a k t o r sei. So wichtig hiernach die Kenntnis nach den Dingen und Momenten fft, die den Familiensinn fördern, so wenig beschäftigt man sich mit ihr. Das kann uns aber nicht davon abhalten, auf die weittragende Bedeutung hinzuweisen, die gerade die Religion für die Förderung des Fa-
jetzt in derselben Frage eine Studienkommission ein- fetjt
In Anknüpfung an die Behandlung der Parlamentarischen Arbeiten des letzten Winters kam man auch auf bte Haltung der einzelnen Parteien zu spre chen Die Sozialbemokratie entwickle sich langsam von'einer „revoluttonären" Partei zu einer gewissen Realpolitik durch. Der Referent, Rechtsanwalt Kaufmann in Stuttgart, enthüllte feine fenfationeHe Entdeckung,
daß bte beginnende Erschütterung der Zentrumsmacht, die sich seit 1912 bet den Wahlen zeige, beweise, daß die Toleranz, die niemand so üben könne, wie eben der Liberalismus, diesem mehr und mehr Einfluß auch in gut katholischen Kreisen schaffe. Unterstützt werde diese Entwickelung durch dte zuneh. wende Zerklüftung im Zentrum, sowohl tn politisch-gewerkschaftlicher als in kultureller Hinsicht' So spielte sich, wie der Redner ausführte, jetzt auch der Kampf unserer badischen Freunde, denen wir vollen Er- folg wünschen, unter günstigen Aussichten ab.
Was für komische Leute doch diese mehr ober weniger jungen Herren der nationalliberalen Jugend sind. Sie haben noch nichts gelernt, und konnten auch noch nichts vergeffen, und darum können sie sich noch mit solchen Mätzchen unterhalten, wie es die Auslastungen des Herrn Kaufmann über die „Abbröckelungen ttn Zentrum" sind. Der Mann scheint ungewöhnlich gut zu sehen, aber nicht bloß das, was Tatsache ist, sondern darüber hinaus das, was er sich träumt _ _______
= Die bayerische Königsfrage
Der Vortrag, den der bayerische Ministerpräsident Freiherr v. Hertling am Sonntag dem Prinz- regenten ßubrotg in Berchtesgaden gehalten hat, betrifft, wie anzunehmen war, die Veröffentlichung einer Erklärung der Staatsregierung zur Königs- frage. Sie ist gestern in der Bayerischen Staatsztg. veröffentlicht worden und umfaßt vornehmlich ein Gutachten, das die Regierung dem Regenten nach dem RegentschaftSwechfel über die Königs rage erstattet bat. Es beißt darin:
Schon bei Lebzeiten des Prinzregenten Luitpold sei in der Abgeordnetenkammer angeregt worden, daß Prinz, regent Luitpold König werden sollte. Damals gab jedoch der Prinzregent seinen Wunsch dahin kund, es möge an den bestehenden Verhältnissen nichts geändert werden. Aber der Gedanke, daß Bayern wieder einen regierungsfähigen König erhalte, wurde auch später wiederholt er. örtert, lieber die Art und Weise, wie dies geschehen könne, wurden verschiedene Ansichten geäußert. Bon einer Seite wurde insbesondere vorgeschlagen, die Vor. m ü n d e r deS Königs Otto sollten auf die Krone verzichten. Von einer andern Seite wurde die Mei. nung vertreten, nach dem bayrischen Rechte sei Regierungsfähigkeit Voraussetzung der Thronfolgefähigkeit. Der Regent könne also bei einer lange dauernden Regent» schäft den König für dauernd regierungsunfähig er. klaren und sich selbst, ohne Mitwirkung des Landtags zum König proklamieren. Als mit dem nahen Tode des Prinzregenten gerechnet wurde, ersuchte der Ministerrat den Justizminister, zu prüfen, ob die Regentschaft beendet und der normale Zustand hergestellt werden könne. DaS hierüber erstattete Gutachtens wies nach, daß der Weg der Proklamation u n g a n g b a r ist. In seinem zweiten Teil schlug baS Gutachten dann den Weg vor, der nach der Ansicht beS Justizministeriums rechtlich zulässig ist. Tas Gut. achten war, wie bemerkt, nur für den Ministerrat bestimmt und fand die Billigung des Ministerrats. Nach dem Tode beS Prinzregenten gab die Staatsregierung einigen Mitgliedern der Kammer der Reichsräte von diesem Gutachten Kenntnis, ebenso Mitgliedern aller Parteien der Abgeordnetenkammer zur Information. Dadurch wurde zum Ausdruck gebracht, daß das Gut. achten die Grundlage einer etwaigen Vorlage an den Landtag bilden würde, die übrigens bereits ausgear» beitet war.
fein, so schwer kann bas nicht in bie Wagschale fallen, mußte er vom Hof aus bie kleine, nach ber am oberen Stockwerke hinlaufenben Galerie führenbe Treppe bat nutzt haben unb so in bie Wohnung gekommen sein, ba von dem hinter bem Schlafzimmer hegenben Raum eine Türe nach ber Galerie führte. Wenn wirklich
evangelisch
katholisch
1907
77,2
20,6
mos
77,2
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1909
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1911
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21,7