Fuldaer Zeitung
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~ “ wochm-VeNage: s s | e x IHonats-Beilnge: z 2 Illustrierte Sonntagsztifung | Fuldaer Seschichtsblätter
s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Kleffen-Eotterie. — halbjährlich Laschenfatzrplan. s
Nr. 237» Erstes Blatt. W" Montag den l3. Oktober §9l3.
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40. Jahrgang.
+ Unsere Wirtschaftspolitik.
. Man schreibt uns aus Berlin: Je mehr sich Industrie, Handel und Verkehr vervoMommnen, um so mehr Neigung zeigt die heimische Produktion, die Grenzpsähle des Heimatlands zu überschreiten und auf dem Weltmarkt Absatzgebiete zu erobern. Es liegt nun auf der Hand, daß bei der Vielgestaltigkeit der Produktionsart und der Produktionsvorbedingungen in den verschiedenen Ländern ein schrankenloser Wettbewerb in manchen Ländern diesen oder jenen Produktionszweig zum Absterben bringen müßte. Zumal die geographische und politische Lage Deutschlands ist nicht 'dazu angetan, dies Land im Wettbewerb auf dem Weltmarkt zu begünstigen; eine schrankenlose Konkurrenz der deutschen Produktion mit der ausländischen müßte zweifellos für manche Produktionszweige im deutschen Reich verhängnisvolle Folgen haben.
i Diese Erkenntnis, die reiche Erfahrung geschärft und bestätigt hat, hat in Deutschland der Schutz. Zollpolitik zum Siege Verholfen, nachdem freihändlerische Experimente sehr zum Schaden unserer Volkswirtschaft ausgeschlagen waren. Die Frage des , Schutzzolls für unsere heimische Produktion wird jetzt wieder aktuell, da das Reich sich anschickt, feine mit den anderen Ländern abgeschlossenen Handels- jdertrüge zu erneuern.
Was im deutschen Parteileben links steht, hat von jeher sich bemüht, alle Zollschutzschranken niederzureißen und Industrie und Landwirtschast dem wilden Wettbewerb des Auslands preiszugeben. Mit großem i Behagen wird seit einigen Jahren die Teuerung von den Linksparteien im Reichstag ausgenutzt, um gegen unsere Schutzzollpolitik Sturm zu laufen, und unermüdlich schallt es aus den Versammlungen und der Presse der Sozialdemokratie und der fortschrittlichen Volkspartei, daß unsere Wirtschaftspolitik der Ruin unseres Volkes wäre. Die Leute aber, die es zuletzt angeht, und die wissen können, ob unsere Wirtschaftspolitik ihr Gewerbe schädigt oder fördert, wollen sich in ihrer Mehrheit von dem sreihändle- rischen Phantom nicht beirren lassen, und so tst es jüngst für die Anhänger unserer Wirtschaftspolittk eine freudige Genugtuung gewesen, als auf der Tagung des reichsdeutschen Mittelstandsverban- des in Leipzig maßgebende Gruppen der Industrie und der Landwirtschaft sich mit dem Mittelstand zu einer Verständigungspolitik vereinten.
Der Leipziger Zusammenschluß, der übrigens keine Verbindlichkeit für die zur Erreichung gemeinsamer Ziele Zusammengetretenen bedeutet, ist nicht nur im volkswirtschaftlichen Interesse freubig zu begrüßen, sondern auch im Interesse unseres Parter- lebens, das dadurch auch wieder eine gewisse Stetig- *«it und Zielstrebigkeit erhält.
Bei der heutigen Zusammensetzung des Reichs- ftäqs waren die Befürchtungen nicht unbegründet, daß eine Mehrheit der Linken zum Sturze unserer Zollschranken sich finden würde; nachdem aber die nationalliberale Reichstagsfraktton in Wiesbaden ein offenes Bekenntnis zu unserer Schutzzoll- polittk abgelegt hat, ist die Hoffnung berechtigt, daß die schutzzöllnerischen Parteien auf der mittleren Linie sich bei dem Abschluß der neuen Handelsverträge zu einer Mehrheit zusammenfinden werden. Gewiß wird um manchen Posten heftig gestritten werden, aber das realpolitische Verständnis der dem Freihandel abholden Parteien wird die Klippen zu umschiffen wissen, die einer endgültigen Verständigung trn Wege stehen. Einen lückenlosen Zolltarif darf sich niemand erträumen, aber viel ist schon gewonnen, wenn die bisherigen Grundlagen gerettet und besondere be- rechttgte Wünsche, vor allem aus den Kreisen der Landwirtschaft, berücksichtigt werden. Die nationalliberale Reichstagsfraktion hat sich in Wiesbaden mit der wirtschaftlichen Sammlung auf der mittleren Linie einverstanden erklärt; es kommt jetzt darauf an,
Der 'Brandstifter.
38jt ■< Eine Büuerngeschichte aus dem Taunus
* von Fritz Ritzel.
„Wie der Vrgroßvatter aber den schwere Kaste grab' an die Stell gebracht hot, des is mir e Rätsel!", warf hier der alte Lenhard ein. „Grad unner dem Tragballe Hot er gelege, der des Gebälk gestützt Hot! Der Sandstaa, uff dem der Tragbalke geruht Hot, war grab drüber! Es kann rnt annerst sei, als daß der Urgroßvatter von nebe her en Gang gegrabe un den Kaste unner den Tragbalke geschobe Hot. Des is e hart Stickelche Arbeit gewese, die er do allaans geschafft Hot! Alle Respekt vor dem Mann mit seiner Bärekraft und aach vor seiner Schlauheit! Kaan Mensch is gewahr wor'n, daß der Boddem in der Scheuer jemals uffgegrawc gewese is — der war so glatt wie en Spiegel un wenn der Großvatter aach in der Scheuer herumgegrabe Hot — an die Stell kormt er nit komme, die war zu schlau gewählt!"
Jetzt kam auch Gustel aus der Wirtsstube herüber, um zu erfahren, aus welchem Grunde sich denn niemand bon den ihrigen drüben sehen. ließ. Als ihr Ernst das unerwartete, ihrem Hause widerfahrene Glück mitteilte, wollte sie zuerst gar nicht daran glau- ien und erst die auf dem Boden stehende Truhe bewies ihr, daß das Unglaubliche wftklich Tatsache sei. Da brach der in den letzten Jahren stets zurückgehaltene Frohmut der Jugend bei dem Mädchen siegreich hervor -r- in Hellem Jubel umarmte sie die Mutter' und den Bruder und wurde nicht müde, den reichen Schatz zu bewundern und sich die einzelnen Umstände j#s*er Entdeckung immer wieder erzählen zu lassen.
Nachdem sich der erste Sturm der Erregung bei den so plötzlich aus allen Sorgen Gerissenen etwas gelegt hatte, nahm man den Fund, vor allem die demselben beigefügten Papiere genauer in Augenschein. Es waren Kaufatte von Ländereien, Geburts-, Trau- und Tauffcheine, sämtlich den Namen des Urgroßvaters oder eines Familienangehörigen tragend, wo- ^rmt, war- daß dos
daß die beteiligten Kreise gerecht abwägend, und die Verhältnisse berücksichttgend, ihre Forderungen formulieren, damit nicht unnötig viel Pulver verschossen und die Einigung auf der mittleren Linie erschwert wird- .
Deutsches Reich.
♦♦ Berlin, 12. Okt. 1913. Der Kaiser gebellt am Montag seine Reise nach Trier, Lieser, Gerolstein, Bonn und Leipzig anzutreten.
+ Gras Lerchrnfeld. Der bayerische Gesandte in Berlin, Graf Lerchenfeld, feiert h «te seinen 70. Geburtstag. Seit fast 33 fahren vertritt Graf Lerchenfeld den zweitgrößten Bundesstaat des deutschen Reiches am preußischen Hose. Als Vertreter Bayerns am preußischen Hofe und im Bundesrat, dessen Vizepräsidium er führt, hat er stets mit Geschick und Loyalität das Interesse des Reiches in gleicher Weise wie das seiner engeren Heimat vertreten. Graf Lerchenfeld erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und großen Vertrauens; er hat sich in seiner langen Tätigkeit sowohl in der Diplomatie wie auch in der Gesellschaft der Reichshauptstadt eine erste Stellung erworben und genießt auch im Reichstag, wo er des öfteren rednerisch hervorgetreten ist, Ansehen und Beliebtheit. Den Glückwünschen, die dem Grafen zu seinem 70. Geburtstage dargebracht werden, fügen wir unsere gern und freudig hinzu.
* Krankenkasse und Aerzte. Der Aerzteverband meldet: Die vereinigten Kassenverbände haben den vom Aerzteverband und Leipziger Aerztever- band gemrinsam gemachten Friedensvorschlag rundweg'Ä'h'tzelehnt; sie wollten weder mit den Organisationen der Aerzte verhandeln, noch zeigen sie hinsichtlich der freien Arztwahl und der Bemessung des Honorars irgendwelches Entgegenkommen. Die den beiden Aerzteverbänden angeschlossenen Unterorganisationen müssen hiernach den Abschluß von Verträgen mit Krankenkassen ablehnen, bis ein sofort einberufener Aerztetag endgültig Stellung genommen hat.
)( Weibliche Angestellte sollen in Zukunft mehr als bisher bei der preußischen Eisenbahnverwaltung angestellt werden. Insbesondere hat man junge Mädchen zu einfachen zeichnerischen Arbeite» angestellt. Auch in den Betriebsbureaus sollen sie zur zeichnerischen Darstellung von Fahrplänen und Zug- Verbindungen mehr als bisher Verwendung fiaben. — Natürlich handelt es sich hierbei nur um eine recht kleine Zahl von Stellen.
** Gegen bas Hausierergewerbe verlangen kaufmännische Kreise Maßnahmen. Insbesondere verlangte man das Verbot des Hausierens nach Ladenschluß. Die Regierung glaubt nichts unternehmen zu können, da die Polizei einzugreifen hat, sobald gesundheits- oder sicherheitspolizeiliche Bedenken bestehen. — Dahingegen soll das Wand er läger- wesen von der Bedürfnisfrage abhängig gemacht werden.
)( Zur Bekämpfung des ländliche« Arbeitermangels will Preußen im nächsten Etat Gelber auswerfen, die zum Ausbau der ländlichen Arbeitsnachweise, Förderung des ländlichen Wohlfahrtswefens und Ausbildung von Landarbeitern in ihrem Beruf dienen sollen. — Bei der Gelegenheit wird alsdann hoffentlich'auch unterjucht werden, inwieweit diese Staatsmittel zur Rückverpflanzung arbeitsloser Großstadt- arbeitet aufs Land zu verwenden sind.
)( Eine neue Lohnordnung für Eisenbahnarbeiter wird seilens der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft geplant. Wie es heißt, sollen vor dem Er- Seinen der Lohnordnung gewählte Vertreter ber beiterschaft zur Beratung des Entwurfes dieser neuen Lohnordnung in einer Lohnkommission unter Leitung des Eisenbahnministeriums baldigst zusammen-
ber Tat von bem alten Christian Rother herrührte, ben bie Franzosen in Idstein erschossen hatten. „Die Papiere beweise unser Eigentumsrecht an bes Gelb unbestreitbar!" erklärte Ernst. „Weder be Staat noch irgenb en Mensch uff be Welt Hot Anspruch uff ben Fund, weil der uff em Gebiet gefunne is wor'n, des von unfern Vorfahre her in unferm Besitz ge- wese is! So viel ich des Geld schätz, reicht's aus, um uns von dem alte Herrsche! ftei zu mache, ohne des Anerbiete von dem Onkel Kayser zu benutzen. Un gewiß bleibt aach noch en hübscher Brocke übrig, sor Neuanschaffung von Vieh unb for die Aeppelwein- kelteret! Juchhe!"
Gustel, bie trotz ihrer Freube ihre Pflichten gegen bie noch in der Wirtsstube sitzenden Gäste nicht vergaß, war wieder hinübcrgegangen und Ernst wollte eben unter der Beihilfe der Mutter damit beginnen, die Geldstücke zu ordnen, als die Schwester erregt zurückkehrte und ausrief:
„Es stürmt — drunne im Ort brennt's!"
Gleichzeitig hörte man draußen im Flur die Stimmen und Schritte der sich eilig entfernenden Gäste, wie auch das abgebrochene Schlagen der Sturmglocke. „Schon Widder e Feuer?" rief Ernst — „do muß ich vor alle Dinge hin un helfe!" Unb ohne noch ein Wort hinzuzufügen, eilte er nach seiner in ber nämlichen Zimmerflucht gelegenen Stube unb kehrte gleich barauf in Messinghelm, Joppe und mit Feuerwehrbeil zurück.
In allem Glück schien es wie eine trübe Ahnung über Frau Rother zu kommen, als sie ben Sohn so gerüstet, ein Bild von Kraft unb Tatenlust vor sich sah, denn rasch trat sie auf ihn zu, ergriff ihn am Arm und mahnte besorgt:
„Ernst, Paß mir um Himmelswille uff, daß Dir nix passiert — fei nit waghalsig!"
" „Hab faa Angst Mutter — ich nemm mich schon in Acht! Awer die Seit solle sehe, daß der, den sie all for en Brandstifter gehalle hawe, aaner von de erste am Platze is, wenn's gilt zu lösche!"
Damit eilte er die Türe hinaus unb stürmte bie Straße zwischen durcheinanber hastenden und schreiende». ss '■fffeen nach, bem Dorfe hinab, ou Mi«1»
treten, und zwar sollen diese Vertreter von den Arbeiterausschüssen gewählt werden.
** Das Land politisch zu erobern, daran arbeitet die Sozialdemokratie mit beachtenswertem Eifer. Diese Frage ist auch eingehend besprochen worden auf dem außerordentlichen Parteitagder bayerischen Sozialdemokratie am 4. und 5. Oktober in Nürnberg. Das ist zu entnehmen aus den Ausführungen von Auer (München). U. a. sagte er:
Bayerns Bevölkerung ist zu drei Mertel katholisch. Von 100 erwerbstätigen Einwohnern sind in Bayern nur 39,4 in Industrie, Handel und Verkehr tätig. 41 Prozent der Bevölkerung wohnen in Städten. In der Rheinprovinz, die hinsichtlich der Konsession mit Bayern ungefähr gleich ist, beträgt die Jndustriedevölkerung 65 Prozent und die städtische Bevölkerung 77 Prozent. Im deutschen Reich sind von 1000 Arbeitern 80 Mitglied der Partei, in der Rheinprovinz 35, in Bayern 81. Wir haben also den Reichsdurchschnitt überschritten. Aus 100 sozialdemokratische Stimmen bei der Reichstaqrwahl kommen in der Pfalz 20,4, in Nordbayern 29,9 in Süddayern 44,4 organisierte Parteimitglieder. Aus der Beobachtung der Binnenwanderung können wir lernen, daß die Erziehungsarbeit, welche die Sozialdemokratie auf dem Lande leistet, zum großen Teile der Organisation der Städte zugute kommt. Wenn wir richtig arbeiten, dann haben die Zugereisten bereits so viel von dem sozialdemokratischen Gift in sich ausgenommen, daß sie für die bürgerlichen Kreise un» widerruflich verloren sind. Dazu kommt, daß rund 20000 Dienstknechte bei den Landtagswahlen jetzt stimmberechtigt sind.
Diese Ausführungen stoßen uns auf zwei wichtige Aufgaben: 1. intensive Volksvereinsarbeit auch auf dem Lande; 2. gründliche Besprechung der Frage der Fürsorge für die vom Lande Abwandernden.
+ Genosse Borchardt. Gegen den ehemaligen sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Julian Borchardt, der nicht wieder als Kandidat aufgestellt wurde, weil er seine Wahlpflicht bei der Ersatzwahl versäumt hatte, ist das beantragte Verfahren auf Ausschluß aus der Partei tatsächlich eröffnet worden. Borchardt dürste sich bereits im Laufe der nächsten Woche vor dem Parteigericht zu verantworten haben.
:: Die Konservativen und die sog. Welfenfrage. Die Scharfmacher, bie bas Versöhnungswerk burch unmögliche Forderungen zum Scheitern bringen wollen, richten ihre Agitation im letzten Ziele gegen ben Kaiser und König. Sie erheben Einspruch gegen bai» „persönliche Regiment" unb bie Entscheibung ber Angelegenheit nach „bhnasti- s ch e n" Stimmungen, Abmachungen unb Interessen. Ja, es wirb öffentlich gedroht mit einem neuen November st urm, gegen den der von 1908 ein Kinderspiel gewesen sein soll. Im Novembersturm von 1908 stellte sich die konservattve Partei vor die Krone. In der gegenwärtigen Bewegung zieht die konservative Presse am Strange der Opposition. Die „Deutsche Tageszeitung", das Organ des Bundes der Landwirte, machte freilich bisher eine rühmliche Ausnähme. Doch scheint sich jetzt auch in der Haltung dieses Blattes eine Schwenkung nach links hin vollziehen zu wollen. Denn in der neuesten Stummer nimmt die „Deutsche Tageszeitung" zu der Welfenfrage „nochmals Stellung" und bringt eine nachträgliche „Forderung" vor, die wie eine Rückzugskanonade klingt. — nämlich zum Rückzug in's Lager der Scharfmacher. Das Blatt meint, es würde bei Fortdauer der „antipreußischen Agitation" nach der Thronbesteigung des Prinzen Ernst August „ein für Preußen wie für das Reich schlechthin unmöglicher Zustand geschaffen, wenn in dem Gebiet eines Bundessürsten in dieser Weise für den Anschluß an einen andern agitiert werden dürfte! Deshalb müsse Sicherheit dafür geschaffen werden, „daß sich in Zukunft eine derartige Agitation auf keinen Fall mehr auf ben Erben des w elfisch en Hanfes berufen kann". Wir verstehen nicht, warum bie bereits gegebenen Sicherheiten ungenügenb sein sollen. Nach den Erklärungen bes Prinzen unb nach seinem Ein
unterm Enbe eine mächtige Feuerfäule zum Himmel loberte, _
14.
Ein Heldenstück.
Es war am Abend des nämlichen Tages, als Klärchen Eicher von einer Reife zurückkehrte unb den Eltern über das Erlebnis derselben Bericht erstattete. Wie in der letzten Zeit allwöchentlich war sie auch heute in ber Nervenheilanstalt Friedrichstal gewesen, um ihren daselbst befindlichen erkrankten Gatten zu besuchen Tröstliches hatte die junge Frau leider nicht nach Hause gebracht. Das erste Gutachten der Aerzte, welches nach der Ausnahme des Kranken in die Anstalt vor drei Monaten abgegeben worden war, schien sich in allen Punkten zu bestätigen. Die Art der Erkrankung Jakob Eichers schloß jede Hoffnung auf Genesung aus und wäre seine Uebersührung in die Irrenanstalt schon erfolgt, wenn nicht wegen der von dem Kranken verübten Brandstiftung vom Gericht aus eine bestimmte Beobachtungsfrist borge» schrieben gewesen wäre. Erst nach Ablauf derselben sollte es sich entscheiden, ob Jakob Eicher vor das Schwurgericht kam ober ob das Verfahren gegen ihn wegen vollständig geistiger Unzurechnungsfähigkeit eingestellt wurde, in welch letzterem Falle Dann die dauernde Ueberwcisung in die Irrenanstalt erfolgen mußte. Naturgemäß befand sich die Frau in niedergedrückter Gemütsstimmung. Sie hatte soeben erzählt, daß sich bei ihrem unglücklichen Manne noch bie nämlichen Krankheitserscheinungen wie bei Beginn ber Krankheit zeigten. Tobsuchtsanfälle wechselten mit tagelang bauernbem dumpfen Hinbrütcu ab unb stets mußten einige handfeste Männer bereit sein, um zu verhüten, daß der Kranke bei seiner ungeschwächten Körperkratt Unheil anrichtete. Schon zu verschiedenen Malen, so erzählte Klärchen unter Tränen, war bei dem Aermsten die Zwangsjacke zur Anwendung gekommen und der Direktor war heilsroh, daß die gerichtlich anberaumte Frist in den nächsten Tagen berstrichen war und daß er von dein aum zu bändigenden Pflegling befreit wurde. Nur wenn laitie. . lam _ hon» W . h®* llnpIüJ'lchc in
tritt in die kaiserliche Familie kann doch die „antv preußische Agitation" sich auf ihn nicht berufen, Wenn die „Deutsche Tageszeitung" noch weitere „Sicher, heit und volle Klarheit" fordert, fo kommt das auf das Verlangen nach dem Gebrauch des Wortes „Ver- zicht" hinaus, und das ist eben bie Dhnamttpatrone mit ber man bas ganze Versöhnungswerk in bie Luft zu sprengen sucht Die konservative Partei neigt er» fahrungsgemäß sehr zur Kraft- unb Gewaltpolitik; baher bie Versuchung, auch in biefem Falle auf bem Kampf bis zum äußerften zu bestehen. Aber bie kon- servative Partei ist boch nach ihrem Programm und ihrer Natur auf den Schutz der Autorität, namentlich auf die Pflege ber monarchischen Interessen gerichtet. Darum sollte sie es sich zwei- und breifach überlegen, ehe sie sich an Bestrebungen anschließt, bie ausgesprochener Maßen das „dynastische Moment" ausschalten unb bie Parteipolitik gegen die Willensmeinung des Monarchen ausspielen wollen.
** Die Unruhen in Neu-Kamerun. Die Nachrichten über Unruhen, bie im Sembe- Bezirk, der östlichen Ecke des neuen zu Kamerun hinzugekomme- nen ehemaligen französischen Bezirks, ausgebrochen fein sollen, erhalten jetzt ihre amtliche Bestätigung. Indes ist diesen Unruhen keine sonderliche Bedeutung beizumessen, sie beschränken sich übrigens auf ein Gebiet von wenigen Quadratmeilen. Die nötigen Maßregeln zu ihrer Unterdrückung sind getroffen. Amtlich wird darüber gemeldet:
In Les Rapides am Sembe und in Symbot am Majembe wurden die Faktoreien der Konzeistonsgesellschaft Ngoko—Sauaa Anfang September r ' ändert und niedergebrannt. Die Warenverlufte sollen erheblich sein. Eine Abteilung der französischen Grenzexpedition unter Führung des Oberleutnants Karcher wurde auf dem Marsch nach Ngoila am 19. September 5 Stunden von Sembe entfernt, angegriffen. Zwei Farbige wurden getötet, einer verwundet, zwei Lasten gingen verloren. Oberleutnant Karcher konnte jedoch mit 50 Trägern von Sembe und 15 Mann Begleitkommando nach Ngoila weitermarschieren. Für den Posten Semba besteht keine Gefahr. Er verfügi über 29 Gewehre und ist zur Verteidigung eingerichtet: Der Bezirksleiter von Jukaduma, Assessor Heym war mit einem Büchsenmacher, Maschinengewehren und 50 Polizeisoldaten bereits auf dem Wege von Jukaduma nach Sembe und muß inzwischen seit längerer Zeit dort einaetroffen sein, desgleichen Assistent Kehm, der mit 14 Soldaten unterwegs war, und weitere 15 Soldaten, die folgen sollten. Die Unruhen beschränken sich offenbar auf «in Gebiet von wenigen Quadratmeilen, in dem die Autorität des Europäers sich noch nicht genügend durch- geseht bat.
Darmstadt, 12. Okt. 1913. Zur Hebung ber schweren Krisis, welche seit bem Zusammenbruch ber Haasen'schen Genossenschaftskasse über ben hessischen Genossenschaften bieses Ver- banbes lastet, würbe bekanntlich vor einem halben Jahre mit finanzieller Unterstützung ber Preußischen Zentralgenorenschaftskasse eine neue Zentralkasse "ber hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften hier in's Leben gerufen. Sie richtete an bie Regierung unb Landtag das Ersuchen, ihr Barmittel aus ber Staatskasse zur Verfügung zu stellen. Die- Zweite Kammer gab biefem Ersuchen insofern Folge, als sie an bie Regierung bas Ansinnen stellte, ber neuen Kasse ein Darlehen von einer Mil lion unter ber Bedingung zu gewähren, baß bie. Kasse für die Verzinsung unb Amortisation bes Kapitals bestimmte Garantien leiste. Hiermtt erklärte sich auch bie Regierung einverstanden. Man wartete auf bie Entscheidung ber Ersten Kammer, bie lange auf sich warten ließ. Was aus eingeweihten Kreisen bar» über verlautete, berechtigte nicht zur Hoffnung, baß ber von ber Zweiten Kammer vorgesehene Weg bie Billigung ber Standesherren finden werbe. Nunmehr haben sich biese Vermutungen bestätigt. Seitens ber Herren Fürst Jsenburg-Birstein, Freiherrn von Heyl unb Graf Stolberg-Roßla ist ber Ersten Kammer ein Antrag zugegangen, ber eine völlig neue Art ber Hilfsaktion für bie Krisis bes Genossenschaftswesens vor
sanft wie ein Kinb; es war, als über ber Klang ihrer Stimme eine erlösende Wirkung auf ben unheimlichen Bann aus, ber sein Denken umnachtete unb es gab Augenblicke, in welchen er ganz vernünftig über Familienangelegenheiten, gewesene Vorkommnisse und alltägliche Dinge sprach. Allerbings waren diese lichten Momente in der letzten Zett immer seltener geworden, wenn auch die Gegenwart ber jungen Frau noch immer beruhigend wirkte — ber Kranke weinte bei ihrem Besuche meist still vor sich hin,, klagte, baß nur in seinem Herzen baS Feuer ber Siebe- brenne, aber bas Herz Klärchens nicht entzünben könne. Das Feuer spielte in seinen Phantasien immer noch bie Hauptrolle unb feine Gier nach bem- selben schien im Verlauf seiner Krankheit noch zu wachsen, benn wenn nur bie Flamme eines Licht? in seinen Gesichtskreis kam, schrie er entzückt auf unb oftmals schon hatten ihn bie Wärter bamit beruhigt, inbem sie eine brennenbe Kerze vor ihn hinstellten, an bereu Flackern er sich bann, fortwährend verwirrtes Zeug vor sich hinmurmelnd, anscheinend im höchsten Grad« ergötzte.
Der Direktor ber Anstalt hatte bie junge Frau bringen!) gebeten, anwesend zu fein, wenn bie lieber^ führung bes Kranken nach ber Irrenanstalt erfolgen sollte. ' Dieselbe war auf ben nächstfolgenben Tag festgesetzt unb hatte Klärchen selbstredend zugesagt, da sie es für ihre heilige Pflicht erachtete, Alles zu tun, um einem gewiß zu erwartenden erneuten Tobsuchtsanfall bei ihrem unglücklichen Mann? vorzubeugen. Sie wollte den Armen selbst — so hawe sie es mit bem Direktor ber Anstalt vereinbart — mtt zwei Wärtern in einem geschlossenen Wagen nach bem Eicbberg geleiten.
Mit gefalteten Händen hatte der alte Kayser wortlos dem Berichte seiner Tochter zugehört, wahrend eine Frau still vor sich hinweinte, anstatt, tote es sonst ihre Gewohnheit war- durch Einwurfe bes Inhalts, baß bies unb jenes klüger gemacht hätte werben können, ihre eingcbUbete geistige Ueberlegenhett zu betonen. Sie war überhaupt in der letzten Zeit ciüo finhgro- aPtoorbctt Das Unolück da-> blirdi die.