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Zul-aer Leitung.
M 256.
Samstag U- Moder 1915.
g/.' *• totales.
* 5?ulDa, 11. Oktober 1913.
# Personalien. Verliehen wurde dem Direktor btt Landesbibliothek in Kassel, Professor Dr. Hugo Brunner, der Rote Adlerorden vierter Klasse, dem KorpSstabSveterinär a. D. Ernst Buß, bisher beim Generalkommando deS 11. Armeekorps und dem Ober- Zollinspektor a. D., Zollrat Andreas Peine zu Kassel, der Königliche Kronenorden dritter Klaffe, dem Schöffen Hermann Hildebrand zu Orferode im Kreise Witzenhausen, da? Allgemeine Ehrenzeichen.
# Provinzialschulrat Leist vom Kasseler Provinzialschulkollegium, der Leiter deS Seminar- und PräparandenwesenS unserer Provinz, und als solcher tauch in Fulda bekannt, wurde vor kurzem alS HilfS. arbeiter in das Unterrichtsministerium berufen. Nun- «zehr ist er als Nachfolger der in den Ruhestand getretenen Geheimrats Schöppe zum Vortragenden Rat ernannt worden. Schöppe bearbeitete im Ministerium besonders Lehrerbildung-- und Volks« schulangelegenheiten.
Dir kirchliche Feier des TageS von Leipzig. Das Bischöfliche General-Vikariat Fulda gibt folgendes bekannt: Einem Wunsche Seiner Majestät des Kaisers und Königs entsprechend, ordnen wir - an, daß zur Erinn erun g an die Hund er jährige Wiederkehr des TageS der Schlacht bei Leipzig am Samstag, den 18. Oktober, um 12 Uhr ein Festgeläute stattfinden und am Sonntag den 19. Oktober, in der Predigt der großen vaterländischen Erinnerung gedacht und anschließend an den Hauptgottesdienst ein lebe um abgehalten werden soll.
❖ Mission. Die heute verbreitete Nr. 3 der Zeitung .Wahrheit und Leben', Blätter zur Vorbereitung auf die Volksmission, enthält u. a. auch die Missionsordnung für die am 19. Oktober in den 3 Pfarrkirchen beginnende alkSmission. -
F Das Wählersc..tat der kürzlich getätigten Aus- schußwahl der Allgemeinen Ortskran- kenkassederStadt Fulda hat über die Grenzen deS Fuldaer Landes hinaus Beachtung gefunden. Die „Kasseler Allgemeine Zeitung" berichtete darüber in ihrer Nummer 276 vom Sonntag den 5. Okt., daß keine der drei eingereichten Listen eine absolute Majorität erhielt und daß „Liste 1' (liberal) 14, Liste 2 (sozialdemokratisch) 6 ■ und Liste 3 (schwarz) 20 Vertreter im Ausschuß" erhalten habe. Daß hier die Liste des Zwölferausschusses als eine liberale bezeichn net wird, ist sehr interessant. Da die betreffende mit Sch. gezeichnete Notiz in der genannten Zeitung an- scheinend aus der Feder eines hiesigen Mitarbeiters stammt, der selbst auf der Liste des ZwölferausschusseSx als Vertreter figuriert, so muß man annehmen, daß die Kennzeichnung dieser Liste als liberal annähernd richtig ist. Da aber der Zwölferausschuß, wie wir bereits mitteilten, seine Liste von einem waschechten sozialdemokratischen Gewerkschaftler unterzeichnen ließ und auch mehrere solcher Gewerkschaftler auf seine Liste setzte, so wäre vielleicht deren Bezeichnung alS linksliberal richtiger gewesen. Ueber den Geschmack des Berichterstatters der „Kasseler Allgemeinen Zeitung", die Liste des Sozialen Ausschusses für Fulda und Umgegend als „schwarze Liste" zu kennzeichnen, wollen wir nicht rechten; Tatsache ist jedoch, daß dem Sozialen Ausschüsse 6 christliche Berufsverbände mit einer namhaften Zahl evangelischer Mitglieder angehören. Es kann also von einer schwarzen Liste, wie sich der Berichterstatter auszudrücken beliebt, nicht die Rede sein. Die Liste ist vielmehr die der christl.-national gesinnten Versicherten. Bedauerlich ist, daß katholische Männer an der Spitze des Zwölferausschusses marschieren und anscheinend nicht merken, wohin die Reise geht. Um ihre Sonderbündelei vor der Oeffentlichkeit wenigstens in etwa zu rechtfertigen, unterschieben sie dem Sozialen Ausschüsse Absichten, die diesem völlig fremd sind und jeder re- alen Grundlage entbehren. Dadurch wird sich dieser aber nicht von dem als richtig erkannten Ziele ablenken lasten und nach wie vor die Vertretung aller nationalen Kastenmitglieder sein und bleiben.
?"Die Herbstferien gehen mit dem Sonntag für die Volksschulen zu Ende; sie nehmen den Unterricht am Montag wieder auf. Am Dienstag folgen ihnen die höheren Lehranstalten. Mit dem Beginn des Wintersemesters setzt der Schulbetrieb im.aUg»
Der Pirschgang.
Humoreske von G eorg Persich.
(Nachdruck nicht geiiattek)
Die beiden Herren, von denen der ältere eiye Flinte am Riemen über der Schulter trug, gingen durch das dürre Kiefcrngeholz, gefolgt von einem Sunde, den man für einen Hühnerhund hätte halten körnen, wäre nicht der rassenreine Pintscherkopf gewesen. - • - '
„Man wird ein anderer Mensch hier draußen, ein frischerer, gesünderer Mensch!" sagte der altern mit Nachdruck. „In der Stadt ist solche Luft nicht." «Nein, Herr Professor, den Unterschied merkt man schon." , , • . . . ; ,
„Und es stärkt auch das Selbstgefühl, zu wissen, daß man auf eigenem Boden steht und geht. Das heißt, den hier habslich ja nur gepachtet. Kaum hatte ich das Häuschen mit dem Garten gekauft, da,erwachten kühnere Wünsche in mir. Mein Reich war mir schon zu klein, es mußte größer sein. Und ich bewarb mich um die Jagdpachtung und erhielt den Zuschlag." „Ist Ihnen das Jagdglück bereits hold gewesen, Herr Professor?" ■
„Wir find doch erst am Anfang," lautete- die ausweichende Antwort. „Auch habe ich über em Men- schenalter. seit meiner Einjährigenzeit, kein Gewehr mehr in der Hand gehabt. Außerdem ist der Wildbestand hier nur schwach. Ich hatte mir was. von der Hühnerjagd versprochen, bin ober ganz leer aus- gegangen. Als ich mal zum Schuß kam, war ich der festen Meinung, gut getroffen zu haben, ab:r mein Hannibal apportierte keine Feder. Folglich wird's auch nichts gewesen sein."
Hannibal hob beim Klange seines Namens den stilwidrigen Kopf und blaffte, Wohl um zu bestätigen, baß es m der Tat nichts gewesen sei.
Der junge Assistenzarzt aber hatte so seine Gedanken und in Gedanken richtete er cm den Herrn Professor folgende Ansprache: 1
„Weil du dir einbildest, daß die Lust hier besser tft als in der Stadt, in der du doch alt und grau geworden bist, und weil dich der Haber sticht, Grund- unb Jagdherr zu sein, kann ich auf das Herzensbedürfnis verzichten, deine Tochter mindestens alle paar Tage einmal zu sehen! Heute habe ich glücklich einen Vorwand gefunden, um dir ins Haus zu fallen. Wann werde ich den nächsten finden? Und werde ich heute wenigstens eine Minute mit Trudel allein sein können? Tie eine Minute wäre mir bei aller Hochachtung vor dir lieber als zehn Stunden in deiner Gesellschaft." —
meinen ein ernsteres Gesicht auf. Denn gerade in der Zeit von Michaelis bis Weihnachten muß die Arbeit geleistet werden, die für eine Versetzung zum Ostertermin die Grundlage ist. Glücklicherweise war wenigstens in der ersten Hälfte der Herbstfeien das Wetter sehr günstig, sodaß die Jugend jetzt mit fri- scheu Kräften an ihre Arbeit Herangehen kann.
^ Israelitische Feiertage. Der Versöhnung s- tag, im Volksmunoe der „Lange Tag" genannt, weil er ein Fasttag ist, an welchem weder Speisen noch Getränke genoffen werden dürfen, fällt auf den heutigen Samstag, 11. Oktober. Das achttägige Laub- Hütt e n s e st beginnt am 16. Oktober; es gelten jedoch nur die ersten und letzten zwei Tage als ganze Feiertage.
1*1 Strafkammer. In der gestrigen Straskammer- sitzung wurde gegen die 30 jährige ledige Taolöhnerin Ka harma Z. von Theobaldshos und die 48 jährige Ehefrau Wilhelmina Ä. von Tann verhandelt, gegen die erste wegen Vergehens gegen § 218 des Strafgesetzbuches, gegen die zweite wegen Beihilfe. Die Z. erhielt 2 SJlonate Gefängnis, die W. wurde frei- gesprochen.— 44mal wegen BettelnS bestraft ist der 50 jährige Metallarbeiter W. Göbel, geboren in Langen (Kr. Offenbach) ohne festen Wohnsitz. Jetzt hatte er gegen ein Urteil des Amtsgerichts WeyherS, daS rhn abermals wegen Bettelns zu 6 Wochen Haft verdonnerte, Berufung eingelegt. Die Strafe wurde jedoch alS angemessen erklärt. — Ein Bruder, wie er nicht fein soll, ist der 21 jähr. Bergmann G. Sehr, von Grüsselbach (KrS. Hünfeld'. Er hatte Mitte November 1912 als Beauftragter fiineS Bruders Gelder außerhalb bei der Kundschaft njutftffieten. Er unterließ jedoch in mehreren Fällen bte Ablieferung der Beträge. Auch soll Schr. einer Witwe in Rasdorf für */t Zentner Mehl 50 Pfg. zuviel abverlangt haben. DaS Gericht verurteilte Schr. wegen Untreue und Betrug? zusammen zu einer Gesamtstrafe von 4 Wochen Gefängnis. — In einem Hause der Leipzigerstraße ist der Hausherr mit einer MietSpartie in langdauernde Fehde geraten. Eine daraus entstandene Privatklage hat wiederhol schon das Schöffengericht beschäftigt. Am 2. Sept, wurde der beklagte Hausherr Sch. vom Schöffengericht freigesprochen, die Klägerin Mieterin B. zu sämtlichen Kosten verurteil:. Bei diesem AuSgang beruhigte sie sich jedoch nicht und appellierte an die Strafkammer. Sie hatte Erfolg. Nachdem die geladenen 7 Zeugen vernommen, der Anwalt jeder Partei gehört war, verurteilte das Gericht den Hausbesitzer Sch. wegen Köt perverletzung, der er der Ehefrau B. zugefügt hatte, zu 10 Mark Geldstrafe.
D Regiments-Jubiläen. Die alten „Alexander" und „Franzer" in Frankfurt a. M. und Umgegend haben eine Vereinigung gebildet, um die gemeinsame Teilnahme an den 100jährigen Regimentsfesten, die im August nächsten Jahres in Berlin stattfinden werden, in die Wege zu leiten. Die Jubiläums- Kommissionen beider Regimenter sandten bereits nähere Mitteilungen, in welcher Weise die Feiern geplant sind. Alle ehemaligen .Alexander" und „Franzer" werden zu der am Donnerstag den 16. Okt. d. IS., abendS 1/,9 Uhr im „Brüsseler Hos", große GallnSgasse, stattfindenden Versammlung hierdurch eingeladen. AuSwärtS wohnende Kameraden, die sich anschfteßen wollen, werden gebeten, ihre Anmeldungen unter Angabe des Regiments, der einstigen Dienv. zeit, Dienststellung und Kompanie-Nummer au den Vorsitzenden der Vereinigung, Subdirektör Georg Voigt in Frankfurt a. M., Sternstr. 46, oder an einen der folgenden Herren bei Vorstandes der Vereinigung machen zu wollen: Fabrikant Simon Glauberg, Hermesweg8/12, Bauführer H.Hint el, Rödelheim«Landstr. 20,Kaufmann August Schoss, Taubenstr. 11, Professor Em il Schö nseld e r, Wil- helmshöherstr. 6, Ingenieur R. Soltaus, Liebig- straße 25, und Bahnbeamter H. Gottschalk in Griesheim a. M„ Backhausstraße 9.
X Beheben. Der Streit der Zimmerleute beim Bahnbau für die Bahnerweiterungsanlageu vwmag den Fortgang dieser Arbeiten nicht wesentlich zu stören. Diese Kraftprobe wird ein Schlag ins Wasser sein. Die Elsenbahnverwaltudg hat als Ersatz etwa 30 ihrer Arbeiter gestellt. Die Leute haben sich über- laschend schnell in diese Arbeit hineingefunden, sodaß das Ganze in dem bisherigen Tempo voranschreitel.
„Ich hoffe nun auf die Hasen," sagte der Professor. „Ein Hase bietet dem Schützen ein einigermaßen festes Ziel. Er läuft ja schnell, aber er bleibt auf der Erde. Das Hühnervolt flattert gleich auf und davon und ist, eh: man schießt, meist über alle Berge.
„Ganz recht, Herr'Professor,, meinte Doktor Seg- ner, Interesse heuchelnd. „Ein Hase ist immer etwas reelleres, in jeder Beziehung. Ich Wunsche aufrichtig, daß Ihnen auch mal ein kapitaler Hirsch vor den Lauf kommen möge."
. „Danke", erwiderte der Professor und errötet?. „Ein Hirsch, — nun ja! Rur wüßte ich nicht, was ich mit einem so großen Tiere anfangen sollte, wenn ich es zur Strecke gebracht hätte. Ich könnte es auch nur waidwund schießen und in die Lage verfitzt werden, ihm den Gnadenstoß zu geben, und das würde mich sehr viel Ue,Verwindung kosten."
Der alte Herr besaß Gemüt und (Segnet vermutete, daß es ihn wahrscheinlich schon Ueberwindung kosten würde, einem angeschossenen Lampe das Lebenslicht auszublasen. i 1 । • : :
1 Das' .Gehölz hörte auf und man. gelängte auf. eine kleine ' Anhöhe. Davor zog sich ein Streifen baumlosen Heidelandes hin, spärlich mit Gestrüpp bewachen, dann folgten Sturzäcker und drüben lag ein größerer Wald.
Segners Blick blieb an einem Punkte haften.
Ziemlich dicht vor ihnen, dort, wo, die Aecker an» ingen, bewegte sich etwas Hellgraues. Es sprang, hüpfte, verhielt sich ruhig, um sich alsbald wieder mtinter ,zu tummeln. '
Eben wollte er den Professor darauf aufmerk- am machen, als dieser ihm zuslüsterte: »Halten -Sie Hannibal zurück!", sich duckte und auf eines der Gebüsche zukroch. Hinter demselben in Deckung, nahm er vorsichtig die Flinte von der Schulter, legte an und (ieltc Ein Knall, ein zweiter
Hannibal zerrte an fernem Halsband, an den ihn der Doktor hielt, Und wollte sich tatendurstig auf den Feind stürzen, den er noch nicht gewittert hatte, dessen Anwesenheii ihm aber das mutige Vorgehen seines Herrn verriet..
Auf fein heiseres Gebell antwortete noch lauteres Gekläff. Der Professor rief, Segner verstand ihn nicht, er hörte aber eine andere männliche Stimme chreien: ~ ■
„Was machen Se denn? Was ham Se her zu cheeßen? He?"
Es war ein aufregender Moment. Unwillkürlich gab der Doktor Hanmbal frei, der stürmte vorwärts, aber sofort stürzten sich zwei muskulöse Köter, die er in seinem Eifer nicht bemerkt hatte, auf ihn und
(:) Lernt stenozraphieren. Ueber den Nutzen der Stenographie braucht man beute kaum noch ein Wort zu verlieren. Man sehe sich die Ausschreibungen offener Stellungen in den Zeitungen an und man wird finden, daß in den meisten Fällen der besondere Wunsch laut wird nach Stenographiekenntnis des Bewerbers. Stets werden die Stenographie-Kundigen den Vorzug vor denen erhalten, die die Kurzschrift nicht beherrschen. Nicht allein für Kaufleute, sondern auch für Handwerker und Arbeiter bietet die Kurzschrift viele Vorteile. Auch die allgemeine Auffassungsgabe wird durch das Erlernen dieser Kunst erheblich verstärkt. Ein Anfängerkursus in der Stenographie wird vom Gabelsberg er Stenographenverein Fulda veranstaltet. Er nimmt, wie aus einer heutigen Anzeige zu ersehen ist, am 15. Okt. seinen Anfang und findet im Vereinslokal „Evang. Gemeindehaus" statt.
~ Aus den Gefrierpunkt ist heute nacht die Quecksilbersäule gesunken. Dafür haben wir heute aber auch schöne- Wetter, das voraussichtlich einige Zeit anhält. •
(!) Die Frankfurter ,Bolksstimme' bei der Hetzarbeit.
Die Sozialdemokraten sind bekanntlich zurzeit in Fulda eifrig auf dem Gimpelfang. Jeden Samstag werden in dem neuen Heim flammende Reden gegen die bestehende Ordnung gehalten und den Zuhörern die Köp°e heiß gemacht. Namentlich wird auf die IZänbieutc geschimpft, die schuld fein sollen an Teuerung und Notstand und an allem Unglück auf der Welt. Diese neueste rote Aktion segelt, wie wir schott einmal mitteilten, unter der trügerischen Flagge eines Arbeiterbildungsausschusses Fulda. Es ist nun vielleicht einmal recht nützlich, weiteren Kreisen vorzuführen, welcher Art die Bildung ist, die aus sozialdemokratischem Munde zu triefen pflegt. Eine Funde be für solche Kostprobe ist die ,Volks - stimme', das Organ der Frankfurter Sozialdemokratie. In der Unterhaltungsbeilage dieser ,Volksstimme' (Nr. 80 vom Mittwoch, 8. Okt. 1913) haben wir einen Beitrag gefunden, der uns geeignet erscheint, gleichzeitig eine dreifache Wirkung zu tun: nämlich ein Musterbeispiel für sozialdemokra- tifdje „Bilduugs'- (richtiger Verdlödungs-) Arbeit zu bieten, ferner den so oft geleugneten, aber umso eifriger geübten sozialdemokratischen Religionshaß nachzuweisen und schließlich durch die unfreiwillige Komik und kindische Phrasendrescherei einen Lacherfolg auf Kosten der Sozialdemokratie zu erzielen.
Besagte Unterhaltungsbeilage bringt eine Skizze von Karl Petzold mit dem Titel: Konsequenz. Sie hebt also an:
Eine lanzengroße und dürre Nonne mit einem käsigen Gesicht und modergrünen Flecken unter den Augen und an den Schlägen steht unter dem geduldigen Kastanienriesen, hat die Hände" wie die Fan g- trallen eines Raubtieres, das eine Beute hält, verkrampft und rattert dazu ein Gebet um das andere herunter. Wie Blumen um eine Vogelschrecke trippeln die kleinen yßgltnge des Kindergartens nut den unruhigen Füßchen bachftelzengleich wippend vor der Nonne in den kühlen Kies hinein. Alle blicken angestrengt auf den klappernd en Mund des schwarzen Sackes mit der großen weißen Wmdmühlenflügel- haube, unter der der magere Kopf wie eine Stecknadel verschwindet, und plappern jedes Gebet papagetenarlig mit.
Man kenn nur sagen: ekelerregend ist diese verlogene und gehässige »Zeichnung" einer katholischen Ordensschwester. Wer in aller Welt hat eine Ordens- srau gesehen, die ein so sonderbares Aeußere gehabt hätte? Da muß man schon eine fuchsseuerrote Brille auf die Nase setzen, wenn mau solche Nonnen entdecken will. Herr Petzold besitzt eine solche Brille. Tas merkt man auch weiterhin. Tenn er erzählt nun, wie die Ki der an den Schönheiten der N-ttnr ihre Freude haben und fägrt fort:
Nur der fünfjährige Weber Karl denkt nicht an die Wunder der nahen Wiese. Die anderen Kinder sind schon längst beim fünften Ave Maria und dritten Glaubensbekenntnis angelangt, dieweil er sich noch immer mit einem Bers des Baterunser abgibt und in einem fort vor sich hin wüpelt: „Gib uns heute unser tägliches Brot — gib-uns heute unser tägliches Brot — iib uns heute unser tägliches Brot!"
lieber die Gebetspraxts tu katholischen Kinderbe- roabranftalten scheint Herr Petzold lehr „ziwerlä siq"
schon lag er besiegt auf dem Rücken und heulte um Gnade.
Der Besitzer des Hundepaares wurde nun gleichfalls, sichtbar. ■ Es war ein stämmiger, vollbärtiger Mann in graugrünem Anzug, mit einem Schießgewehr im Arm.
„We derfett Sc ber schceßen?" fragte er nochmals drohend. Ein Griff und er hatte dem Professor die Flinte tocggenontnien. „DaS »erb ja noch scheener! Wer send Se?"
■ „Wie dürfen, Sie sich unterstehen, in diesem Tone mit mir zu.reden und mir mein Gewehr zu entreißen ? Ich bin hier auf meinem Pachtgrund." Der Professor zitterte vor Entrüstung.
Der Vollbärtige lachte unangenehm. „Se send auf’m Grund vom Herrn von Beberfeld, mein Leber. Und nn hüt Se mer bloß nech so, als ob Se das nech wüßten! Das kennen mer schon. Ehr Name?"
„Obwohl ich mich gar nicht dazu verpflichtet fühle: Professor Gründler."
„Sehr gut! Ehre Segeiemation?"
„Ich brauche keine Legitimation, wenn ich auf meinem Jagdgebiet jage."
. „Aber auf fremdem können Se se brauchen."
Segner war berangetietcn.
„Ich verbürge mich dafür, daß dies Herr Professor Gründler ist."
„Wer send Se denn? Ein Gewehr ham Se nech — est Ehr Glück!"
„Mein Name ist Doktor Segner. Ich habe den Herrn Professor auf seinem Pirschgang begleitet." „Pcrschgang oft nech schlecht!" höhnte der Graugrüne. „Aber ham Se 'ne Segetemateon, Le Herr Doktor?"
Segner hätte zufällig damit dienen können und chon wollte er in die Tasche greifen. Da besann er ich eines anderen und erklärte wie der Professor, daß er nicht nötig habe, dergleichen bei sich, zu führen.
„Von Ehnen habe ech auch keine zu verlangen," meinte d-'r Bärtige. „Se ham nech geschossen und ham teilt Gewehr, Se können gehn. Aber Se" — zu dem Professor gewendet — „Se kommen met!"
„Ich? Wohin?"
„Zum Herrn von Beberfeld. Der werd's Ehnen chon eintrechtern, Se Weid er er!"
Und er hing sich des Professors Gewehr über den Rücken und möchte das {einige schutzfertiz. eine st'll- chweigende, aber nichtsdestoweniger beredte Handlung, und feine beiden vierbeinigen Genossen ließen auf einen Pfiff von dem angstkeuchenden Hannibal ab und umschnüffelten des Häftlings Waden.
„Womit kann ich Ihnen nützlich sein, Herr Professor?" fragte Segnev.
unterrichtet zu fein. Das sonderbare Gebet des kleine« Karl aber erklärt sich daraus, daß feine Mutter ihm gesagt hat, wenn sie heute keine Arbeit bekomme werde sie kein Brot kaufen können. Wer katholisch, Schwestern kennt, weiß, daß sie einem solch atmet Jungen mit liebevollster Sorgfalt reichlich Speis unt Trank spenden würde. Anders bet Karl Petzold. Do kommt es so, daß der Kleine in einem günstigen Augenblick ein paar Brote stiehlt und in seiner Tasche verbirgt.
Da wird er plötzlich von einer kalten, knöcherner Hand gepackt, mit hartem Griff auf die Knie niedergezwungen und eine Stimme, die ihm in den Ohren weh tut, wie die kantigen Kiesel den nackten Knien, schreit! „Du Mistdul>, du gottloser Fratz, du Klosterdieb, so eine Schlechtigkeit, so eine Verdorbenheit, schleich! sich der scheinheilige Kerl im Hause herum und stiehlt!" Es ist die lange, dünne, modergesichtige Nonne, die den Knaben beim Kuchennehmen ertappte uns nun ihrer Entrüstung durch alle möglichen Schimpfwörter und Püffe und Schläge auf den Rücken Les kleinen Missetäters Luft macht. . . . Die Nonne zerrt ihn durch den Gang in eine Ecke des Schulzimmers. ..Da kniest dich her, Bankert!" Sie verschwindet. Der riesige Kopsputz schwankt wie ein weißes Geierlier auf ihrem Stecknadelhaupt.
Allem Anscheine nach hat der Autor Gelegenheit gehabt, über den Gebrauch von Schimpfwörter! gründliche Studien zu machen bet Eckenstehern und Bouillonkeller-Gästen — von der Ausdrucksweise katholischer Ordensfrauen hat er eine „sonderbare" Vorstellung. Nun aber kommt der Schlußeffekt. Die Nonne kommt wieder mit den anderen drei Schwestern der Anstalt.
Alle vier Nonnen machen Gesichter wie bissige Katzen, sie ziehen den Knaben roh aus der Ecke, eine hält ihm die Hände, damit ihm die zweite die Kuchen wegnehmen kann, denn der Kleine wehrt sich gewaltig und schreit in einem fort:
„Dös Brol dürsts mir net wegnehmen, der liebe Gott hat mir's selber g'schenlt. Wart'ts nur, wann er über euch kommt!" Aber der liebe Gott kommt nicht, um ihm gegen die bösen Nonnen beizustehen. Die nehmen ihm alles weg, geben ihm eine Tracht Prügel und jagen ihn aus dem Garten auf die Straße hinaus. „Daß du ja nicht w überkomm st, du Brotdieb!" Er sitzt auf einem Meilenstein und meint um das schöne Brot, das ihm die schwarzen Nonnen genommen, und auch ein bissel um den lieben Gott, an den er nicht mehr glauben kann.
Rian muß, um die Komik dieser letzten Sätze voll zu würdigen, daran denken, daß der Held fünf Jahre alt ist. Welch greuliche Unkenntnis der lindlichen Seele zeichnet Herrn Karl Petzold aus, welcher giftige Haß gegen die katholischen Ordens», f atten und ihre Liebeswerke führt ihm die Feder, wie sehr aber — und das ist das Beachtenswerteste, nn dem Fall — sind die Leser der Frankfurter Volksstimme zu bedauern, die solchen — Unrat lesen müssen und sicherlich in ihrer Unwissenheit auch glauben werden. Diese Skizze „Konsequenz" besitzt alle Kennzeichen der gemeingefährlichen Schundliteratur.
Aus dem Nachbargebiete.
.|. Großenlüder, 11. Okt. 1913. Alle Versicherten werden dringend gebeten, sich an der morgen im Gasthaus von Hermann Ruhl stattfindenden Ausschuß», wähl der Krankenkasse zu beteiligen. Es wählen d e Arbettgeber von ’/s3—*/s4 Ubr nachmittags, die Arbeitnehmer von 4—6 Uhr nachmittags. Die Stimme wolle man abgeben für Liste Nr. 2, diejenige des katholischen Arbeitervereins.
!! Vciisteinbach (Krs. Fulda), 9. Oktober 1913. Ein im Zememwerk Elm beschäftigter junger Mann von 16 Jahren aus Oberkaibach stürzte vergangene Woche an der steilen Kurve der Straße nach Hutten, weil er uqolge allzu raschen Fahrens die Kurve nicht nehmen tonnte. Er ranrte gegen die Scheune des Brd. Möller und trug einen Schädelbruch davon, dessen Folgen er jetzt' erlegen ist. Es ist nicht der erste tödliche Unglücksfall von Radfahrern an dieser Stelle.
-t- Hünfeld, 11. Okt. 1913. Welche Bedeutung die Basalt-Industrie sür Hünfeld erlangen dürste, geht daraus hervor, daß nach einer neuerlichen Eintragung ins Handelsregister das Stamm kapi- t a I der Mitteldeutschen Basaltwerke, G. m. b. H. in Hünfeld 300 000 Mk. beträgt. Geschäftsführer sind bet
„Kehren Sie um und lassen Sie sich von meiner Tochter eilt Legitimationspapier aushändigen. Damit kommen Sie so rasch als möglich auf den Grtts- hof. Ist der Herr wie sein Diener, muß ich mich doch vor allen Dingen einwandsfrei ausweisen."
„Ter Herr est noch Deel schlemmer als fein Teert er", belehrte ihn der Graugrüne. „Darauf können Se sech verlassen. Wer auf seinem Grund scheeßt, den beengt er am lebsten unt Aber das Beweissteck ---! Such, Teana, such!"
Er zeigte dorthin, wo des Professors Jagdbeute etwa liegen konnte. Und die kluge Diana hatte das „Beweissteck" bald gefunden und schleppte es im Maule herbei. Ter Hase ■toar ein Kaninchen. —
Fräulein Trudel bestand darauf, den Doktor zu begleiten, unt ihrem Vater in seiner Bedrängnis bei* zustehen.
Es war ein langer Weg bis zum Bieberseldschen Herrenhause, aber den jttngeu Leuten wurde er nicht zu lang. Trieb sie zur Eile an. hielt er ihr eine Be- ruhigungsrede, und daß er sie dabei immer wieder in die Arme schloß und küßte, geschah jedenfalls auch nur in der Absicht, sie zu trösten
Bei ihrer Ankunft machten sie dann die erfreuliche Entdeckung, daß Herr von Bieberfeld den Gefangenen noch nicht umgebrachl hatte. Man saß vielmehr freundschaftlich bei einer Flasche Wein und trank auf die unter f) eigentümlichen Umständen geschloffene Bekanntschaft
„Es war Vernünftig von Ihnen, meine Herren, daß Sie beide keine Legitimation bei sich hatten", sagte der Gutsbesitzer. „Sonst hätte mein Pflichteifriger Beamter Sie doch am Ende laufen lassen rind ich hätte jetzt nicht das Vergnügen, Sie bei mir zu sehen."
„O ich hätte mich schon legitimieren können", gestand der Doktor. „Ich hätte schon--"
„Aber warum taten Sie es nicht und gingen, um meine Papiere zu holen?" wunderte sich der Professor.
„Wei! ich mir noch etwa? a d re? holen wollte. Ihre Papiere habe ich vergessen das andere habe ich mitgebracht. Es wollte auch mitg -vrnmen werden." Er blickte zärtlich auf Trudel.
Herr von Bieberfeld schmun- „Ein Brautpaar im Hause — ist ja ein pro vr Tag! Dars man gratulieren, Herr Profess-"
„Zum Jagdglücks
„Nein, zum Fanulienglucc zum nächsten Pirschgang sind Sie hiermit vo-- mir eingeladen. In meinem Revier und unter meiner Führung wird Ihne» auch das Jagdglück erblühen."