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bin- Kirchweihen wurden 79 595 Mk. und bei anderen

Kleines Feuilleton

— Das Grammophon als Lebensretter. In dem Landhaus einer Baronin von Paris, so berichtet das bekannte Familienjournal „Das Buch für Alle" wurde vor einiger Zeit ein Einbruch verübt Nach dem Bericht, den die Baronin der Polizei erstattete erwachte sie etwa gegen Mitternacht durch ein leises Geräusch im Nebenzimmer, und als sie horchte, ver­nahm sie ein Scharren und Kratzen, wie wenn irgend jemand etwas gewaltsam erbräche. Zu ihrem Ent­setzen drang auch durch die Wrspaltc Licht. Vorsichtig erhob sie sich von ihrem Bett und erspähte, wie zwei Männer eifrig bemüht waren, ihren Schreibtisch, der viele Wertpapiere und Schmuck enthielt, zu öffnen. Beide Männer waren mit Revolvern versehen, und ihrer ganzen Erscheinung nach zu urteilen, durften sic wohl zu allem entschlossen sein. Die Baronin war vor Schreck halb ohnmächtig, und zu ihrem Ent­setzen fiel ihr ein, daß sie mittels der Glocke nur ihr Kammermädchen, aber weder den Kutscher noch den Diener erreichen könne. Hätte sie Alarm geschlagen, so konnte das ihr sicherer Tod sein. In ihrer Ber- iweiflung geriet sie auf einen höchst merkwürdigen Ausweg. Sie hatte nämlich in chrem Zimmer ein großes Grammophon stehen, aus dem an demselben Abend die wunderbare Stimme Carusos mit beinahe natürlicher Stärke gesungen hatte. Vorsichtig schlich sie sich zum Apparat, zog die Kurbel auf, und sie hatte sich nicht verrechnet: kaum scholl die mächtige Stimme des Tenors aus dem Apparat laut und schal­lend in die Nacht hinaus, als die Verbrecher, die in ihrem Schrecken den Unterschied zwischen künstlichem und natürlichem Klange nicht erkannten, alles stehen und liegen ließen, um das Weite zu suchen. Ja, der Schrecken der überraschten Einbrecher war so groß, daß sie sogar einen Teil ihrer Werkzeuge und einen Hut zurückließen, Dinge, die der Polizei die Auf- finduna der Täter Binnen drei Taaen ermöalichten.

Telegraphenanstalt des Reiches oder der Bahn zur Weiterbeförderung. Jedenfalls ist diese Einrichtung eine bedeutende Erleichterung für die Reisenden.

(!) Eine neue Stätte der Lichtspiel. Kunst wird sich morgen hier austun. Da? Zentral-Kmo, das bisher im Bahnhosshotel untergebracht war. wird in das Traul iche Haus in der Bahnhofstraße verlegt, wo ihm em ganz modernes Heim bereitet ist. Tas Er- offnungsprogramm ist mit besonderer Sorgfalt aus- gewählt worden. Im Mittelpunkt steht die vielbe. sprochene Film.Biographie „Richard Wagner". Nlan kann zwar der Meinung sein, daß dem An- denken des großen Meisters durch die Verfilmung semer Biographie nicht der größte Gefallen geschieht- es läßt sich aber nicht in Abrede stellen, daß Wagners Leben reich genug an dramatischen Momenten ist, um einen modernen Kinotechniker zu großartigen Schöp. fangen der Lichtspiel-Kunst zu begeistern. Das ist hier geschehen. Wir hatten Gelegenheit, den Film in Augenschein zu nehmen und konnten feststellen, daß er in moralischer und ästhetischer Hinsicht besser ist, als die modernen Kinoerzeugnisse durchschnittlich zu sein pflegen. Einige Stellen, die mit der historischen Wahrheit nicht im Einklang stehen und anderwärts zu bcrechtig'er Kriiik Anlaß gaben, sind hier bereit- willigst beseitigt worden.

△ Ebender verhaftet? Der wegen Mordes an dem Förster Romanns seit zwei Jahren gesuchte Zigeuner Ebender soll wieder einmal festgenommen worden fein. In einer Wirtschaft in Kassel waren vorgestern abend zwei fremde Gäste in Streit ge­raten, in dessen Verlauf der eine dem anderen, seinem angeblichen Schwager, vorwarf,' der lange gesuchte Ebender zu sein. Dieser bearbeitete darauf seinen Gegner mit einem Messer und einem Schlagring, bis die zu Hilfe gerufene Polizei dem Kampfe ein Ende machte. Der Täter w irde festgenommen und der Verletzte auf einer Sanitätswache verbunden. Er bleibt bei seiner Behauptung, daß dec andere sein Schwager, der steckbrieflich verfolgte Ebender oder Steinbach sei, auf dessen Ergreifung 5000 Mark Be- I lohnung ausgesetzt sind. Wahrscheinlich ist es wohl I auch diesmal wieder nicht der Richtige.

l Kriegsgericht der 22. Division. Wegen Dieb- st a h l s in drei Fällen stand der Kanonier W. der I 5. Batterie des Feldartillerie-Regiments Nr. 47 in I Fulda vor dem Kriegsgericht in Kassel unter Anklage. I Ter erste Fall betrifft ein Hemd, das er einem Käme. I reiben entwendet haben soll. SEB. ist geständig. Des I Angeschuldigten Vorliebe für fremde Kleidungsstücke I betätigte sich auch in beA beiben anderen Fälle». Das I Gericht bestrafte ihn wegen militärischer Unterschlagung I in einem Falle mit drei Wochen mittleren Arrest. I Von der Anklage deS Diebstahls in zwei Fällen wurde I er sreigesprochen.

rt Eine Ente für eine Taube anzusehen, dieses I Mißgeschick ist dem 32jährigen Arbeiter H- H. von hier I wid.rfahren, als er an einem schönen Hochsommer« I tag durch den Schloßgarten wandelte. So erzählte I wenigstens H., als er sich heute vor der Strafkammer I zu verantworten hatte. Er ließ nämlich damals den I zweifelhaften Vogel, der im Gebüsch saß und in Wahrheit eine der Stabt Fulda gehörige Ente war, I nicht etwa sitzen, steckte ihn vielmehr in die Rocktasche I und schlug das Tier bald darauf für 60 Reichs. I Pfennige an einen Jungen los. Als dieser zu Hause von seinem Kaufe erzählte, erkannte man, daß es I eine Ente aus dem Schloßgarten war, veranlaßte den I Jungen, daß er die Ente an einen Feldhüter ab- lieferte. Der Dieb war heute geständig. Das ®e« I richt verurteilte ihn mit Rücksicht auf seine 11 Vor- strafen, darunter 3 wegen Eigentumsoergehen, zu s e ch s I Monaten Gefängnis.

Aus Gderheffen u. den Hess. Remtern.

A Marburg, 7. Okt. 1913. Auf Anregung des Vorstandes der gewerblichen Fortbildungsschule be- schästigten sich die Stadtverordneten mit einem Antrag, in den oberen Klassen der Volksschulen Hand­arbeits-Unterricht für Knaben und zwar in einer Schreinerei und einer Papparbeiten-Werkstelle einzurichten. Als die Stadtverordneten, besonders die Handwerksmeister und ein Lehrer, sich dagegen er­klärten, zog der Oberbürgermeister die Vorlage zurück.

# Marburg. 7. Okt. 1913. Das unter der Diretlion des Herrn Hermann Steingoetter stehende Stadt-Theater begann heute seine diesjährige Spielzeit in den Stadtsälen mit Heinrich v. Kleists »Prinz v. Homburg'.

* Marburg, 9. Okt. 1913. Mit einer tiefen Stichwunde im Leibe wurde in der letzten Nacht gegen 12 Uhr in der Lutherstraße ein Herr aufge­funden. Ein sofort herbeigerufenes Sluto brachte den Schwerverletzten nach der Klinik. Es handelt sich um einen Dr. Spieß, der in Begleitung anderer Herren von einem geselligen Zusammensein zurück- gekehrt war. Auf welche Weise er zu der Verletzung gekommen ist, konnte bis zur Stunde noch nicht fest' gestellt werden.

# Treysa, 9. Okt. 1913. Im benachbarten Frankenh nn ist ein Veteran aus den Kriegen von 1866 und 1870, der Schmiedemeister Joh. Georg Schmidt, im 71. Lebensjahre verschieden.

+ Allenlors (Kr. Kirchhain), 8. Okt. 1913. Die zweite Lehrerstelle an der hiesigen Knabenschule wurde dem Schulamtsbewerber Herrn Joseph Fickert aus Großauheim übertragen.

Niederklein, 8. Okt. 1913. Ter Schulamtsi bewerben Herr F. Röhrig aus Homberg m Ober­hessen wurde mit der Versetzung einer Schulstelle tzierselbst beauftragt.

®m ^schenk für bic Jugendbüchereien. An- laKIrch dcr Jahrhundertfeier des 18. Oktober sind aus dem Kultusministerium der Königlichen Reaie- rung zu Kassel 140 Stück Gedenkbücher an die Völ­kerschlacht bei Leipzig übersandt worden, die zur Ver­teilung an die Iugendbüchereien imReoierunas- bezirk Kassel bestimmt sind

t Ein brqunnrr Weg narb Kleinheiligkreuz. Man schreibt uns: Die Kunde, daß die traute WallfahrtS« kirche Kleinheiligkreuz nun wieder in einen würdigen Zustand versetzt ist und kommenden Sonntag feierlich konsekriert werden wird, ist mit viel Freude im Ful- daer Lande vernommen worden, und auch mancher Bewohner Fuldas möchte Sonntag gern mit dabei sein, wenn dcr Weg nur nicht so weit wäre. Da ist gewiß der Hinweis willkommen, daß Kleinheiligkreuz sehr leicht und bequem von der Eisenbahnstation Oberbimbach aus zu erreichen ist. Der Weg führt von der Bimbacher Torflinde aus an der viel­besuchten, bei lieben Muttergottes geweihten Schnepfen- kapelle vorüber in l1/« Stunden durch herrlichen Wald nach Kleinheiligkreuz. Er ist nicht zu ver- fehlen, da von der Schnepfenkapelle ab von einem Naturfreunde Wegzeichen in weißer Oelfarbe angebracht sind.

. d 3m Reichspostgebiet ist die Zahl der Konto- Inhaber im Postscheckverkehr Ende Sept, aoo? °m gestiegen (Zugang im Monat Sept. 822). Auf diesen Postscheckkonten wurden im Sept, gebucht 1435 Millionen Mark Gutschriften und 1438 Millionen Mark Lastschriften. Das Gesamt- guthaben der Kontoinhaber betrug im September durchschnittlich 183,4 Millionen Mark.

Postalijches für Reisende. Es ist unter den Reisenden nicht genug bekannt, daß man Brief- marken und Postkarten auch i m Ba hnpo stw ag en erhalten kann und daß auch Telegramme von den Bahnposten angenommen werden. Die m diesen Wagen zur Auslieferung kommenden Tele- gramme sollen, wie wir dem »Waren-Agent" entnehmen, in der Regel mit Freimarken beklebt fein, beten Betrag der Telegrammgebühr entspricht, und sollen durch den Briefeinwurf an den Postwagen aufgegeben werden. Das Telegramm kann aber auch auf eine Postkarte geschrieben werden. Der Absender muß zedoch deutlich den Inhalt als Telegramm bezeichnen. Der Wert der Postkarte kann bei der Verrechnung der Telegramme in Ansatz gebracht roerben. Außerdem werden Telegramme auch durch das Fenster oder die Tür des Postwagens angenommen, sofern die Dauer des Aufenthalts dies gestattet. Dann sind die Gebühren in bar zu entrichten und womöglich vorher genau abzuzählen. Die Bahn- posten übergeben diese Telegramme der nächsten

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ilug 10. Oktober pn

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Tanzmusiken 173 844 Mk. vertanzt. In den zehn Städten des Landes gingen durch das Tanzen 50 733 ! Mark und in den übrigen Orten des Landes 202 706 Mark ein. Gegen das Vorjahr bedeutet diese Ein­nahme ein Mehr von 15 655 Mk. Eine solche TcU- | fache deutet gewiß nicht auf schlechte Zeiten hin, umso mehr, wenn man noch bedenkt, daß doch bei diesen Tanzvergnügen ohne Zweifel einige Millionen ansge- geben worden sind, da doch allein die Stempclabga- bcn 253 439 Alk. erbrachten.

* Riidesheim, 9. Okt. 1913. Unweit des Ratio ualdcnkmals auf dem Niederwald in der Erenmage wurden auf einer Bank ein 30jähriger Mann und ein 24jähriges Mädchen erschossen a u f g e f u n d e n. Wie die Untersuchung ergeben hat, handelt es sich um den Kaufmann Hermann Freund und eine Auguste Becker aus Barmen. Aus einem hinterlassenen Brief geht hervcr, daß der. Mann erst das Mädchen und dann sich selbst erschossen hat.

s. Usingen, 9. Okt. 1913. Ter inmitten Der Stadt belegcne schöne Schloßplatz ging vom Besitz Der Do- mänenverwaltang in den Der Stadt über.

* Ans Franken, 9. Okt. 1913. Ein echter Rubens soll auf der Feste Rosenberg entdeckt worben sein. Es handelt sich um eine Landschaft, die Weinlese darstellend; bas Bild hing bisher unbeachtet im kleinen Wirlschastszimmer. Ein Kenner will untrüg­lich das RudenSfche Zeichen uno die Jahreszahl 1612 in einer Ecke des Bildes gestniben haben. — Die durch den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche hervorgerusene Viehmarktsperre jm Jahie 1912 hat der Stadt Bamberg eine Mindereinnahme von übet 15000 Mk. gebracht. Die Viehhoskasse hat ein Tefizit infolge der Einschränkung des Betriebes von etwa 9000 Mk. zu verzeichnen. — Der Bauer und Jagdpächter Alois Schuler in Fuchsstadt, der sich auf dem Anstand befand, stürzte von der Leiter herab. In diesem Moment entlud sich das Gewehr und die Kugel traf den Mann in den Unterleib. Sein stand ist besorgniserregend.

Lokales

• Fulda,

-städtische Wahlkinpkrschaft, t>aS sind die .oerorDnetenversammlung und die unbesoldeten ^-iitfllieder des Magistrats, tritt am Montag, den 13 Okt. 1913, abends 7xh Uhr zu einer Sitzung zusammen. Nach der Kenntnisgabe eines Schreibens des Oberbürgermeisters Dr. Antoni wird zur Neu­wahl des Ober», ürger meisters geschritten. Tann folgt eine Sitzung der Stadtverord^ neten-Ler samin liing mit folgender Tagesord­nung: 1. Erklärung des Stadtverordnetenvorsteher. Stellvertreters über Annahme der Wahl zum Stadtver„rdnetenvorsteher. 2. Kenntnisgabe einer Mitteilung des Magistrats (Weber). 3. Bereitstellung eines Kredits zur Beschaffung von Multipler- Fernzündern (Eickenscheidl). 4. Bewilligung einer SetWfe an die Turngemeinde für Errichtung einer Madchcnlurnadleüung (Fritz). 5. Antrag Avam und Schwarz: Aufhebung der Grundsteuerordnung vom 3. Januar 1907 und Erlaß einer neuen ©teuer« ordnung. In geheimer Sitzung: 6. Bewilligung einer tortlaufenden außerordentlichen Unlerftützung an zwei städtische Beamtenwitwen lWehner).

❖ Tie Angestellten«Versicherung in Wirksamkeit. Das Heilverfahren bei der Angestellten.Versiche- rung, das rn den ersten fünf Jahren die einzige Leistung der Versicherungsanstalt an die Versicherten bildet, rst bereits in größerem Umfang in Anwendung getommen. Auch aus dem Kreise der Versicherten in Fulda ast einem Versicherungsnehmer eine Badekur ^gesprochen worden. Eine gesetzliche Pflicht zum Heilverfahren besteht nicht, sondern nur e ne fouak »Nb wirtschaftliche Nötigung. Es ist aber aus obigem Falle zu ersehen, baß man bei ber AuS. legung be§ § 36 des Angestellten-Versichernngsgesehes, der nur tagt: . . kann die Versicherungs-An« ftalt em Heilverfahren einleiten", mit größtem Wohl- rocllen vorgeht. Für das Heilverfahren sind 5 Pro« ^c»?er Beitrage, jährlich zirka 7xh Millionen Mark tn Aussicht (Wommen.

Ans dem Nachbargelnetc.

! Bad Orb, 9. Okt. 1913. In der letzten Stad t- I verordneten «Versammlung wurde in dcr I Angel eg en he it des Waldoerkaufes an den I Militärfiskus das Obergutachten des Forstrats Mndra- I Bad-Orb zur Kenntnis gebracht. Danach hat das I an den Wiili'ä-siskus abrntrelenbe Waldaebiet eine I Größe von 1040 ha 6 ar 29 qm. Davon sind 75 ha I mit Eichen-, 80,4 ha mit Buchen-, 863 ha mit Fichten-, I 22,1 ha mit Kiefern-Bestand; der BoScnwert beträgt I 774 534,60 Mark. Der Waldwcrt ist aus 2064537,20 I Mark festgesetzt. Die Nebenentschädigungen I betragen: 1) für die neu anzufertigende Betriebsregu- I lienmg 12 835,80 M.; 2) Mehrausfall für Verwaltung I 1331 Mk.; 3) für erhöhte Fenersgesaht 93 150 Mk.; I 4) Jnsektenschutz 37500 M.; 5) Sturmgefahr 12880 I Mark, Verhagelung 8460 Mk, Weaeverlegung usw I 5136 Mk., zusammen 26476 Mk.; 6) Entschädigung I für Nebennutzungen (Heidelbeeren usw.) 23070 M.; I 7) desgleichen für Iagdpacht 200000 Mark; 8) des- I gleichen für den Basaltsteinbruch 100000 Mark. Die I Nebenentschädiguiigen betragen insgesamt 517 281,80 I Mark. Tas Gesamt-Gutachten schloßt mit einer I Schätzung von 2581819 Mark ab.

-> Wächtersbach, 9. Okt 1913. Verunglückt ist in I der benachbarten „Kinzigmühle" das 2i/2 jähr. Kind I des Sägewerkbesitzers F K. Das Kind hatte sich I an einem unbewachten Augenblick in der N ä h e d e r iTransmissionswelle zu schassen gemacht, I wurde von derselben erfaßt und mehrmals so heftig I herumgeschleudert, daß der Tod sofort eintrat.

* Hanau, 10. Okt. 1913. Vor dem Hanauer I Schöffengericht hatte ein Frankfurter Arzt einen Arzt I aus Hanau wegen Beleidigung verklagt. Eine I Patientin des Hanauer Arztes hatte sich hier bei dem I Frauenarzt operieren lassen. Diese Operation be- I zeichnete der Hanauer Arzt als „reinen Mord", I da man mit einer anderen Behandlung des Leidens I genau so weit gekommen wäre. Das bestritt der I Frankfurter Arzt vor Gericht und behauptete, die I Diagnose, feines Hanauer Kollegen sei falsch gewesen. I Das Gericht verurteilte den Beklagten wegen Belei- I bigung zu 50 Mark Strafe.

* Frankfurt, 9. Okt. 1913. Die IIL Zivilkammer erklärte heute die Ehe bes Giftmörders Karl Hopf mit seiner letzten Frau geborene Siewice aus I Dresden für geschieden. Hopf hatte die Ehe ein- I gegangen, um die F an zu töten, nachdem er sie mit 80000 Mark versichert hatte. Hopf hatte ihr Arsenik in Getränke getan und gleichzeitig Bazillen gefährlicher Krankheiten auf Bulterbrob verabreicht. Wegen seiner früheren Mordtaten wird er sich demnächst zu I verantworten haben. — Der in ber Eisenbahnhaupt- ! werkstätte Nr. 1 beschäftigte Hilfsarbeiter Philipp I Kohl aus Frankfurt wurde in einem stationären Kesfel tot aufgefitnben. Kohl hatte den Kessel behufs Reinigung kurz vorher betreten. Die Todes­ursache ist noch nicht aufgeklärt. — Der Kriminal­polizei ist ein guter Fang geglückt. Sie stattete der Wohnung des Spenglers und Installateurs Jakob Derfchug in ber Vogelsbergstraße 6 einen uner­warteten Besuch ab, wo eine Spielergesellschaft von 15 Personen sich eifrigst mit Tempeln beschäftigte. Der Einsatz betrug in ber Regel ein Goldstück. Die Kriminalpolizei konnte 89 Mark, die noch auf dem Tische lagen, beschlagnahmen. Die Spieler waren einige der Polizei bereits bekannte gewerbsmäßige Glücksfpieler und andere Personen, die hier ihr Geld los wurden. Nachdem die Polizei die Namen ber I Spieler festgestellt haste, gcticlcn sich bic Spieler I noch in bie Haare, beim als die Polizei auf ber Bildfläche erschien, hatten verschieden- der Spieler I mit Erfolg versucht, die Bank in „Sicherheit* zu bringen, und nachher wollte keiner etwas von I den Goldfüchsen erwischt haben.

h Griesheim a. M., 9.Oktober 1913. Die Bürger­meistereigeschäfte haben einen solchen Umfang angenommen, daß für die Unterbringung der einzel­nen Verwaltungen außer dem Rathaus noch vier Mietshäuser zugezogen werden mußten.

g. Königstein, 9. Okt. 1913. Beim Hantieren mit einem Gewehr schoß ein junger Mann un­vorsichtigerweise einer Fran eine Kugel in die Schulter. Die Verletzungen sind nicht gefährlich.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa. 9. Okt. 1913. Die schon seit vielen Jahren im Großherzogtum erwartete neue Gemeinde­ordnung wird nun nicht mehr allzulange auf sich warten lassen. Der Gemeinde Marksuhl, die ein Ortsstatut beschlossen bat, wonach nicht nahe Ver­wandte gleichreitig Mitglieder des Gemeinderates sein dürfen, ist jetzt amtlich mitgeteitt worden, daß in Kürze eine neue Gemeindeordnung den Landtag beschäftigen werde, die die diesbezüglichen Be­stimmungen mit enthält. Die neue Gemeindeordnung in vom Ministerium saft fertiggestellt und wird nun den Landtag in feiner nächsten Sitzung beschäftigen. Ter neuen Gemeindeordnung sieht man im Groß- herzogtum mit großer Spannung entgegen.

* Breme» b. Geisa, 9. Okt. 1913. Als bie mt., sie» Leute int Felde beschäftigt waren, standen Plötz­lich die aneinander stehenden Scheunen der Land­wirte Seiler und Kircher in Hellen Flammen. Da an den brennenden Baulichkeiten nichts mehr zu retten war und die nächstliegenden Gebäude wegen herrschender Windstille nicht gefährdet waren, so wurde ein Eingreifen der Feuerwehr kaum nötig. Beide Scheunen waren mit Getreide, welches teilweise noch nicht gedroschen war, gänzlich angefüllt. Neben den Besitzern hatten auch noch andere Leute dort Vor­räte, die zumteil nicht versichert sind, untergebracht, lieber die Entstehung des Brandes läßt sich nichts Bestimmtes sagen.

* Torudorf, 9. Okt. 1913. Ein bei dem Fuhr­unternehmer H. Gerlach bediensteter Knecht ist seit vorgestern verschwunden. Leider mußte G. die Entdeckung machen, daß er ihm 50 Mark in bar ge­stohlen hatte. Außerdem hat er ans einem Neubau verschiedene Kleidungsstücke entwendet. Bisher konnte man feiner noch nickt Habhast werden.

* Unleralba, 9. Okt. 1913. Gestern fand die be­hördliche Abnahme des katholischen Schul­neubaues Hierselbst statt. Erschienen waren Bezirks­birektor Baron v. Groß, Schulrat Heiland und Baurat Jaenisch, sowie der Schulvorstand und eine Anzahl Handwerker. Baron v. Groß äußerte sich in befriedigender Weise über ben Bau und konnte allen Beteiligten namens des Schulamts seine Anerkennung zum Ausdruck bringen.

vermischtes.

* Stenographisches Einheitssystem. Am 1. und 2. Dezember finden im Kultusministerium unter dem Vorsitze ber Geheimräte Klatt und Thiele neue Be­ratungen des Ausschusses ber deutschen Stenographen­schulen über die Schaffung eines Einheitssystems für)

* Cronberg i. T., 9. Okt. 1913. Der Aufenthalt der Königin von Griechenland ist vorläufig bis zum 20. d. Mts. ausgedehnt worden.

* Darmstadt, 9. Okt. 1913. Welche Sum­men das Tanzen verschlingt! In Hessen erbrachten im verflossenen Jahre-die Tanzerlaubuis- traf schon das Richtige. Würde cs uns auf die Dauer nicht etwas langweilig werden, wenn wir nur immer Süßigkeiten naschen müßten und nicht auch mal etwas Hartes zu beißen hätten, das unsere Kräfte bean­sprucht ? Leute ohne Sorgen — 's ist eigentlich komisch — werden am ehesten verstimmt; sie jammern darüber, daß bie arbeitsame, lärmende Welt schon ihr Tage­werk beginnt, wenn sie noch schlafen wollen, sie ärgern sich über jede Fliege an der Wand, sie werden mürrisch, wenn lebhafte Kinder vor dem Hanse sich tummeln, und sie werden nervös, wenn ein Hemdenknöpschen sich ohne Erlaubnis in bie Freiheit begibt. Wie anbers ber Mensch, ber Sorgen bat, ber seinen Geschäften nachgehen muß! Wie oft könnte und möchte er nervös werden und verzweifeln; der Ursachen gibt's im Be­rufsleben wahrlich genug. Dem Beamten fehlen 2 Pf. an der Abrechnung, stundenlang muß er suchen, um ben Fehler zu finden; der Geschäftsreisende weiß aus Erfahrung, baß er durchschnittlich 15 Besuche machen muß, um einen Auftrag zu erhalten, nun muß er also laufen und immer wieder laufen. Jeder hat fein Leid, aber nicht jeder wird gleich verstimmt. Ter Kluge machl'S am besten: er würde sich höchst ärgern, wenn er sich dabei ertappt, daß er sich ärgert! Für ihn ist wirklich ber Kampf ber Vater alle Dinge. Er gebentt ber großen Lebenspro nbleme: Schuld und Schicksal, Ideal und Wirklichkeit, Wollen und Können! Ge­täuschte Liebe, getäuschtes Vertrauen, Zwang in edle Frondienste — das alles kann lief verstimmen, aber es brancht's nicht; denn es nützt nichts! Wenn nur bas Vertrauen zu uns selbst keinen Knacks erfährt, wenn nur bie innere Harmonie nicht verloren geht! Das Leben ist nun einmal ein Kampf, ein schöner Kampf! Wozu also über jeden spitzen Pfeil, der im Kampfe geflogen kommt, sich auf regen ? wo.

— Beweis. Zecher (sieht, wie eine Fliege in sein Bierglas fällt): „Ta heißt's immer, die Viecher bab'n keinen Verstand, warum is nacha die Muck'n grab in's Bier eini g’fprungen, wo doch neben dran a Glas Wasser steht?"

1*1 Die mißlichen Verhältnisse ihres EtternhanseS batten wesentlich dazu beigetragen, daß das frühere Dienstmädchen A. G. von hier, erst 15 Jahre alt, wegen Diebstahls vor ber hiesigen Strafkammer er­scheinen mußte. Die G. ist jetzt in Fürsorge und wurde durch eine evangelische Schwester aus dem Magdalenenstift in Frankfurt a. M. vorgeführt. Durch bie sehr mißlichen Verhältnisse (ber Vater führt einen bösen Lebenswanbel, bieMutter ist schon lange tot) wurde bas Mädchen sozusagen aus ber elterlichen Wohnung vertrieben. Es suchte Unterkunft bei ber Witwe B. hier, bie sie auch ans Mitleid aufnahm und für eine Stellung bei einer hiesigen Familie sorgte. Jedoch lange hielt es die A. dort nicht aus. Am 23. Juni machte Frau B. die Entdeckung, daß ihr aus einem Schrank 34 Mark bares Geld und ihrer Tochter A. eine weiße Taille fehlte. Der Verdacht lenkte sich auf die G., die sich abermals einige Tage bei B. auf« gehalten hatte. Inzwischen wurden für 17,80 Mark Schuhe, Hut u. bergt angeschafft und nach Frank­furt a. <Dl. gefahren. Der Erste Staatsanwalt hatte wegen schweren Diebstahls eine Gefängnisstrafe von drei Monaten beantragt. DaS Gericht billigte bet Angeklagten mit Rücksicht auf bie unerquicklichen,

— Eine Fahrt im Luftballon. Vom Luftballon aus einmal auf die liebe Erde hinabschauen zu kön­nen, mag in unserer Zeit der Luftschiffe und Flug­maschinen gewiß der Wunsch vieler Menschen sein. Doch gibt cs jedenfalls noch mehr Menschen, die um nichts in der Welt zu bewegen sein würden, einmal mit aufzusteigen. Sie machen sich ganz andere Vor­stellungen und beurteilen die Empfindungen eines Üuftschiffers von ihrem Standpunkt auf Erden aus, wenn sie so einen Ballon einige Meter hoch dahin­schweben sehen. Die Empfindungen sind aber ganz anders. Zunächst hat man überhaupt nicht das Ge­fühl, daß man „aufsteigt", sondern daß die Erde in die Tiefe sinkt, während es einem vorkommt, als ob man ruhig bleibt, wo man ist und nun die Erde unten vorbeizieht, lind ferner, der Wind, der da unten die Bäume bewegt, erscheint plötzlich ganz ver­schwunden. Das ist leicht erklärlich, denn der Wind treibt der Ballon und der Ballon fliegt dorthin, wo­hin auch der Wind hinwebt. Nichts ist da, wie etwa ein Mensch ober Baum oder Haus, das dem Winde Widerstand bieten könnte. Der Ballon selbst tut's nicht, denn er schwimmt ja eben in und mit der Luftströmung. Sehr merkwürdig ist nun aber der Anblick von oben. Die photographischen Aufnahmen aus dem Luftballon, wie sie gewiß jeder schon in I Zeitschriften abgebildet gesehen hat, geben kein rechtes I Bild, weil sie nur kleine Teile darstellen. Die Erde aber erscheint keineswegs wie eine große, slache Land- I karte oder gar wie eine Kugel, sondern, da man den 1 Horizont immer in gleicher Höhe mit dem Auge er- I blickt, auch wenn man noch so hoch steigt, wie eine I ungeheure Schüssel, deren tiefster Mittelpunkt direkt unter der Gondel liegt, und deren Rand der Horizont ift- vs-

- Verstimmungen. Wer wollte leugnen, daß er nicht manchmal verstimmt ist! Man empfindet, baß I irgendetwas einem bas Lebensglück zerstören will, baß I eine Hoffnung verloren ging, baß nicht alles so geht, wie man gern möchte. Je nun, der alte griechische Weife, der den Kamvf ben Vater aller Dinge nannte, I

Verhältnisse, die in der elterlichen Wohnung herrschten scheine dem Staat 253 439 Mk. Stempelabqaben. Auf weitgehende Milderungsgründe zu und erkannte wegen '■ *- —— — '

Diebstahls auf rur eine Woche Gesängm"