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Eieljtmgsliften der preußisch-süddeutsch« iitujsen-Lottrrie. — halbjährlich Laschenfahrplan, tz

40. Zahrgang

Zreltag den lO. Oktober 1913

Erstes Blatt.

Nr. 235

erschein« «glich mH Ausnahme der Sonn- und Zeiertoge. vletttt- jührllcher Bezugspreis ohne Bnngerlohn und Besiellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsbru» und Verlag der r = Zuldaer fldienbrudterd in Jul btt. Zemsprecher Nr. 9. ::

r. r. Wochen-Veilage:

Illustrierte Sonntagszeitung

Hiünats-Beilagt: z z

Fuldaer Seschichtsblätter

dnjtlgen: Der Raum einer dnfpeltlgen Colonehelte, 47 «reit, aaltet 11 Pfg. Reklamen: Der Raum einer Coloneljeile, 74 mm breit, kostet 40 pfg. Bet wieder Haiungen Rabatt. $ür Offert- und fluskunftan)elgen 20 Pf. extra. 3n Konkursfätten wird der bewilligte Rabatt hinfällig. ErfCIlungeort für dar ein» klagen ow Sortierungen ist Zulda. flnielgcn-Annahme bis JO Uhr oormlttag«. u u Größere Anzeigen erbitten Dir uns tags vorher. - 3

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hat tatsächlich von jeher auf alle Bestrebungen gegen den preußischen Besitzstand verzichtet; er hat sich stets friedlich verhalten; er ist trotz der Enttäuschung von 1907 in freundschaftliche und verwandtschaftliche Be­ziehungen zum Kaiserhaufe getreten; er hat seinem einzigen Sohn gestattet,' der Schwiegersohn des Kai­sers und preußischer Offizier zu werden, den Treu­eid zu leisten und die dadurch übernommene Ver­pflichtung auch für das politische Gebiet auf im­merdar anzuerkenncn. Man sicht, der Herzog tut alles, was den tatsächlichen Verzicht bedeutet und sichert: nur eines will er nicht oder vielmehr kann er nicht: eine förmliche Verzichterklärung aussprechen. Was er 1906 anbot, war die förmliche Verzichterklärung seines zweiten Sohnes. Für sich selbst und seine ganze Nachkommenschaft kann er das erlösende Wort nicht aussprechen. Ob ihn ein Versprechen in die Hand des Vaters oder ein anderer seelischer Zchmng daran hindert, braucht nicht weiter untersucht zu werden: denn es siegt auf der Hand, daß hier nichts weiter fehlt als eine Formalität, die gegenüber den sonstigen Handlungen und Wil­lenskundgebungen keine realpolitische Bedeutung hat.

Wer bcn Frieden liebt, muß dem versöhnlichen Welfenhause goldene Brücken bauen, aber nicht mit Hilfe von Formelkram und Wortklauberei ein kaudi- nisches Joch aufstellen, an dem das Versöhnungs- Werk scheitern würde.

Wie herrlich wäre es um das Reich und den preußischen Staat bestellt, wenn sie mit keinen an­deren Gefahren zu rechnen hätten, als mit der Re­gierung des kaiserlichen Schwiegersohnes Ernst Au­gust in Baunschweig!

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»61 Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.

Deutsches Reich.

: Berlin, 9. Ott. 1913. Der Kaiser hörte am Donnerstag im Jagdschloß Hubertusstock die Vorträge deS Kriegsministers Generalleutnants v. Falkenhayn und des" Chefs des Militärkabinetts General» der Infanterie Frhrn. v. Lyncker. — Die Kaiserin hat sich vom Neuen Palais nach Jagdschloß Hubertus, stock begeben. — Die Vermögensfeststellung für den einmaligen Wehrbeitrag soll zugleich die Grundlage bilden für die Ermittelung deS Vermögenszuwachses, der im Besitz st euer g es etz zur Besteuerung gelangt. — Aus Anlaß der Wahl des Präsidenten Juan- schikai und der Anerkennung der Republik China sind zwischen Juanschikai und dem Deutschen Kaiser freundliche Telegramme gewechselt worden.

)( Kaiserbesuch in Wien. Nach den neuesten Plänen wird bet Kaiser mit dem Jagdbesuch beim Erzherzog ssranz Ferdinand in Konopischt, der vom 23.-25. Oktober dauern soll, auch einen Abstecher nach Ai en verbinden, um dort den Kaiser Franz Joseph in seiner Residenz Schönbrunn zu besuchen. Wahr, schrinlich wird der Kaiser am 26. in Wien eintreffen. Wie lange der Aufenthalt dort dauern wird, ist noch nicht festgesetzt; es ist möglich, daß der Besuch nur einige Stunden dauern und der Kaiser noch an dem­selben Tage wieder abreisen wird.

)( Für die Altpensionäre wird im kommenden Winter etwas geschehen; Preußen und das Reich haben sich verständigt. In welcher Form die Sache sich vollziehen wird,"steht noch dahin. — In Preußen hat man sür die Deckung der Mehrlasten noch die aus Anlaß der letzten BeamtengehaltSrcsorm geschaffenen Zuschläge zur Einkommensteuer. Im Reiche hofft man es wohl auS Mehrerträgen der Ertragsverwaltung (Post nsw.j cinzubringen.

** Erzbischof Dr. von Hartmann beim Verband katholisch-kaufmännischer Vereine. Aus Essen wird bom Mittwoch gemeldet: Erzbischof Felix beehrte heute den Verband katholisch-kaufmännischer Vereine im Ver» bandsbureau mit seinem Besuche, um gleichzeitig das den Ehrenmitgliedern Lilotte und Graebing vom Hei­ligen Vater verliehene Kreuz „pro ecclesia et pontifice"

„Klärchc, wie soll ich Dir danken?" rief da Ernst Rother, der ohne auf die abwehrende Geberde des neben ihm stehenden Gefängniswärters zu achten, auf die junge Frau zugeeilt war und ihre Hand er­griffen hatte, die sie ihm willig überließ. „Mir is des Herz so voll, daß ich nit waaß, was ich sage soll, Klärche! Uff die Knie möcht ich vor Dir niederfalle un Dich mit uffgehobene Hand' um Verzeihung bitte for des, was ich Dir angetan hab! Feurige Kohle host Du uff mich gehäuft — Klärche, verzeih mir!"

Während die junge Frau das errötete Gesicht bei den Worten des einstigen Geliebten verwirrt zur Seite neigte, hatte stch der Untersuchungsrichter von der Ueberraschung über den unvorhergesehenen Auf- titt erholt und herrschte jetzt im Amtston den noch immer Klärchens Hand Haltenden an: „Besinnen Sie sich, wo Sie sind! Hier ist nicht der Ort, Ihren Gefühlen Ausdruck zu geben! Den Dank, den Sie der jungen Frau schuldig sind, können Sie zu ge­legener Zeit abtragen!"" Und sich zu der jungen Frau^wendend, fuhr er fort:

„Sie haben Ihre Aussagen zu beeidigen!"

Ohne Zögern trat Klärchen vor und sprach dem Richter mit fester Stimme die Eidesformel nach. Und als sie mit den Worten: „So wahr mir Gott Helf", geendet und sich langsam ihrem seitwärts stehenden Vater zuwendend, mit einem Blick den sie wie verzückt anstarrenden Gefangenen streifte, zuckte sie erschreckt zusammen und ein heißes Erröten flog über ihr Gesicht. Hatte sie recht getan? War es wirklich nur reines leidenschaftsloses Gerechtigkeits­gefühl gewesen, das sie gedrängt hatte, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen und einen Unschuldigen zu •eeficn oder sprach in dem Erbarmen für diesen Unschuldigen ein weniger lauteres Empfinden mit, das Verbot für sie fein mußte für immer? Die '»nigen Dankeswote Ernst Rothers hatten diese Zweifel in ihrem Denken ausgelöst und das be­freiende Gefühl, welches sie von der Ablegung ihrer Berichte erhofft hatte, wollte sich nicht einstellen — neue Seelenkämpfe, das fühlte sie, lösten die alten mühselig bestandenen ab — neue Seelenkämpfe, in denen ftt st den Worten des Vaterunser» ifc« Zu»

Und sie erzählte mit immer fester werdender Stimme w«iter, was sich an jenem Morgen nach dem Brande zugetragen hatte, schilderte das wahn­witzige unheimliche Gebühren ihres Mannes, den Zustand seiner Kleidung und gab an, was der Un­glückliche in seinen Fieberphantasien ausgerufen hatte. Zchre schlichte Rede, in welcher hier und da Wen­dungen. eingeflochen waren, die ein tiefes Mitleid tmt ihrem unglücklichen Gatten bekundeten, ihre Ilare Ausdrucksweise in Verbindung mit ihrer offe­nen feften Haltung ließen bei den zuhörenden Ge- vich/sbeamten jeden Zweifel an der Richtigkeit der angegebenen Tatsachen schwinden — mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die beiden Herren der Sprecherin und als sie geredet, entfuhr es dem Staatsanwalt unwillkürlich:

„Wenn diese Angaben sich bestätigen und ein Zweifel hieran ist wohl vollständig ausgeschlossen, dann zerfällt br ganze Anklage gegen den Inhaftier­ten in nichts und das Verfahren gegen Jakob Eicher wäre zu eröffnen!"

„Das aber nach allem nicht weiter verfolgt wer­den könnte, als bis zu der Feststellung, daß der wirk­liche Täter seines Geisteszustandes halber nicht zur Verantwortung gezogen werden kann!" setzte Landrichter hinzu und wendete sich dann zu jungen Frau mit den Worten:

„Ich mutz Ihnen alle Anerkennung zollen, daß Sie der Wahrheit die Ehre gegeben haben, trotzdem Sie selbst von den Folgen Ihrer Enthüllungen auf das Schwerste Betroffen werden! Ihre Hochherzig­keit rettet einen unschuldig Verdächtigten vor dem Verlust seiner Ehre und vor dem Ruin! Das Be­wußtsein, wirklich edel und recht gehandelt zu haben, möge Ihnen ein Trost in dem Ungemach sein, das Sie durch Ihre Eröffnungen fiir sich und die Ihren heraufbejchtvoren habe»!"

:: Noch immer die Welsensrage.

Wie die .Landeszeitung' für beide Mecklenburg uns „zuverlässiger Quelle" erfährt, ist dem zuständigen Bundesratsausschuß am Mittwoch der Antrag des vreußischen Slaatsministeriums zur Erledigung der braunschweigischen Thronfolgefrage zugkgangen. Ein anderes Blatt berichtet, der Bundesrat werde sich in der zweiten Hälfte deS Oktober mit dietzr Angelegen- heil belassen/ und es feien schon Anordnungen getroffen für den Einzug des HerzqSpaares zu Anfang November.

Die friedliche Stimmung wird lebet getrübt durch die fortdauernden Angriffe zahlrscher libe­raler Blätter gegen die Haltung Ls Welfen- haufes und die Versöhnungspolitik der Regierung. Von der konservativen Presse spricht auch iie „Kreuz­zeitung" Bedenken aus, während die „Dtttfche Ta­geszeitung" ein besseres Verständnis für das Frie­denswerk zeigt. Die Einwände gipfeln ii bei Be­hauptung, es liege kein „staatsrechtlicher Verzicht" vor, und der fei unbedingt notwendig für de Sicher­heit von Reich und Staat. Die „Boffijche Zeitung" hält es für eine Unterschätzung des deutsche» Volkes, wenn man ihm „statt einer bündigen und badenden Rechtserklärung eine nichtssagende Verheißmg des Wohlverhaltens bieten dürfe." Sie fügt bann den Ausruf: „Es wird mit Worten Fangball gspielt."

Uns scheinen vielmehr die Gegner dezVer - söhnungswerkesein Spiel mit Worten zu treiben. Sie machen das Heil Deutschlands aÜängig von dem Gebrauch des Wörtchens „V e r zi ch t". Wenn der Prinz Ernst August mit Genehmigung seines Vaters unter eidlicher Bindung erklärt daß er nichts tun oder unterstützen werde, was gege» den preußischen Besitzstand gerichtet sei, fo soll das „nifjtS” sagend" sein. Das bündigste und bindendste ver­sprechen des loyalen Verhaltens wird für bedeutungs­los erklärt, ebenso wie der Eintritt als Schwiexr- sohn in die kaiserliche Familie. Nur die Formel „ich verzichte" soll Gewähr für die Zukunft gehn können! Ms ob ein Mann, der den Treueid b«. chen wollte, an dem Wörtchen „Verzicht" Halt mil­chen würde?

Die „Magdeb. Ztg.", ein nationalliberales Matt gemäßigter Richtung, faßt die Sache so auf:

„Das Versprechen ves Prinzen enthält keinen aus drücklichen Verzicht auf Hannover, wohl aber den Verzicht darauf, Ansprüche auf Hannover i geltend zu machen oder Bestrebungen anderer, di« darauf hinauslaufen, zu unterstützen. Hier ist also nur die nochmalige Erklärung gegen die Welfen, die wir mit groben nationalen Kreisen forderten."

Dieses liberale Blatt verschließt sich also nicht der Erkenntnis, daß die Hauptsache nicht der aus­drückliche und förmliche Gebrauch des Wortes „Ver­zicht" ist, sondern der tatsächliche Verzicht auf die Geltendmachung der fraglichen Ansprüche. Die „Rhein.-Wests. Ztg.'", die gern Sensation und Scharf- madjeret betreibt, glaubt einen Trumps ausspielen zu können mit der Erinnerung an die Erklärung des Herzogs von Cumberland aus dem Dezember 1906:

„Wein jüngster Sohn Ernst August ist bereit, für sich und seine Nachkommen auf die Ansprüche meines Hauses auf Hannover zu verzichten, und deshalb ist die Ausschließung meines jüngsten Sohnes (vom braun­schweigischen Thron«) durchaus unbegründet."

Diese Erinnerung beweist zunächst nur, daß der da­malige Reichskanzler Fürst Bülow einen argen Feh­ler gemacht hat, als er den Bundesrat veranlaßte, das Entgegenkommen des Herzogs schroff abzuweifen. Hätte man den „Vorschlag zur Güte" damals ange­nommen, so säße der Sohn des Herzogs, der inzwi­schen sein letzter und einziger männlicher Erbe ge­worden ist, schon längst auf dem braunschweigischen Thron unter förmlichem „Verzicht". Im übrigen ßeigt die Bettachtung der Vorgänge von 1906 und 3907, wo das Hindernis für den Gebrauch des Wört­chens „Verzicht" liegt. Der Herzog von Cumberland

zu überreichen. Er wurde vom Vorsitzenden des Ver­waltungsrates, Herrn SB ei § m an t e I (Köln), begrüßt. Der Redner versicherte, daß diese Auzeichnung in allen Verbandsvereinen lebhafteste Freude Hervorrufen und mit goldenen Settern in den Annalen des Verbandes verzeichnet werde. Der Hochwürdigste Herr sei gekom­men, um zwei hochverdienten Männern die ihnen vom Heiligen Vater verliehene Auszeichnung zu überreichen. Der Verband erblicke in dieser Auszeichnung den Be­weis dafür, daß seine Organisation die berufene Or­ganisation zur Vertretung der religiösen und wirtschaft­lichen Standesinteressen der katholischen Kaufleute Deuffchlands sei. Der Redner gab das Versprechen, daß man, wie bisher, mit dem gleichen Eifer fortfahren wolle zu wirken für das Wohl des deutschen Kauf­mannsstandes, und zwar auf der bisherigen, der ka­tholischen Grundlage. Der Erste Vorsitzende des Vor­standes, Dr. T e w e s, legte die Tätigkeit des Verban­des dar, wobei er besonders auf dessen Wohlfahrts­einrichtungen : Sterbekasse, Familienkrankenversicherung, Stellenvermittelung, Stellenlosenunterstützung, Witwen- unb Waisenkasse und Unterstützungskasse für notleidende Verbandsmitglieder hinwies. Die gemeinsame Welt­anschauung der Verbandsmitglieder sei das einigende Band auch dort, wo die wirtschaftlichen Gegensätze aus­einanderstrebten. In herzlichen Worten dankte der Herr Erzbischof und führte dann aus: Ich brauche Sie nicht zu versichern, daß ich Ihren Bestrebungen mein wärmstes und lebhaftestes Interesse schenke. Mil vollem Ernst und mit beiden Füßen siebe ich auf dem Boden der Beschlüsse der Fuldaer Bischofskonferenz, die diesen Verband als die Vertretung der kaufmännifchen Interessen im katholischen Sager bezeichneten. Ich widme deshalb dem Verein meine lebhafteste Sympathie und wünsche, daß er auf dieser Grundlage, btefer siche­ren Grundlage, weiterarbeitet. Der Italiener fagt: „Semper abanti! Immer vorwärts!" Arbeiten auch Sie, trotz der Schwierigkeiten, mutig fort auf der bis­herigen Grundlage. Für die überreichte Auszeichnung dankte Herr S i I o 11 e zugleich im Namen des Herrn Graebing und bat den Herrn Erzbischof um den Se­gen für den Verband und alle seine Vereine. Gern erfüllte der Herr Erzbifchof biefe Bitte unb er­klärte, baß er in feinen Segen alles das hineinlegen wolle, was fein Herz fühle für das Wachsen, Blühen und Gedeihen des Verbandes, der in kaufmännischen Kreisen, die doch mancherlei Gefahren ausgesetzt seien, immer reicher seine Tätigkeit entfalten möge zur Ehre Gottes und zum Wohle seiner Mitglieder.

* Unsere Polen. In Hardens „Zukunft" ver­öffentlicht unter dieser Rubrik der bekannte Publizist Karl I ent sch einen eingehenden Artikel, in wel­chem er in geradezu unbarmherziger Weise mit den Hakatisten und der polenfeindlichen Politik der Re­gierung Abrechnung hält. In ungemein klarer und logischer Beweisführung legt er die völlige Nutzlosig­keit ^und die Verkehrtheit des preußischen Systems ge­genüber den Polen dar, und das von einem strikten deutschen Standpunkte aus. In Beantwortung der vonseiten der Hakatisten den Polen gegenüber gemach­ten Vorwürfe sagt Jentfch, daß die Polen nicht Men­schen, sondern Hunde, wert der Verachtung wären, wenn sie nicht auf die Verfolgung, welche sie erfah­ren, mit Haß und unbeugsamer Opposition antworten würden. — Eine schärfere Verurteilung des Hakatis- mus von kenffcher Sette ist wohl noch nicht erfolgt als dieser Artikel, welcher vielfach unter anderen Ge­sichtspunkten wie die jüngste Veröffentlichung der Schrift des früheren Landrats von Puttkamer zu den gleichen Ergebnissen gelangt.

** Die Zahl der sogenannten sozialdemokratischen Mitläufer bei der letzten ReichstagSwahl berechnet in der neuesten Nummer (18—20) der .Sozialistischen Monatshefte^ Genolle Robert Schmidt:

Gegenüber der Zahl der sozialdemokratischen Wäh­ler ist, so schreibt er, unsere Parteiorganisation noch immer sehr bescheiden. Bei der letzten Reichstagswahl wurden von 12 207 529 gültigen Stimmen 4 250 410 t>. h. 34,88 Prozent der gesamten Stimmenzahl, für die Sozialdemokratie abgegeben. Nach dem Bericht des Parteiborstandes haben wir aber nur 841 735 männliche Panevnitgttcder. Zieht man davon di? Ni htwähler ab, so dürften nahezu fünf Sechstel aller sozial-

flncht nehmen mußte: „Führe uns nicht in Ver­suchung!"

Stumm folgte das junge Weib dem voranschrei- tenben Vater, aus dem Gerichtszimmer und brach, auf dem Korridor angekommen, in eftt krampfhaftes Weinen aus.

13. Die Huld der Glücksgöttin.

Die Vorhersage des Landrichters Herrn Dr. Welz- Häuser bestätigte sich. Die infolge der Aussagen August Bremsers und des alten Lenhard angestellten Ermittelungen ergaben, daß das von dem erstere» aufgefundene Meffer in der Tat dem in der Nerven­heilanstalt internierten Jakob Eicher gehörte, und daß der vor einem Jahre aufgenommene und bei den Men sich befindliche Abdruck der Fußspur genau mit den Schuhen des Genannten übereinstimmte. Und bei dem Verhör, Has mit dem Gesinde Heinrich Kaysers vorgenommen wurde, stellte es sich heraus, daß der Stallbursche Lenz zugesehen, wie Jakob Eicher in der Futterkammer mehrere Bündel Werg geformt und mit Petroleum getränkt hatte. Dem Beobachter war bei seiner geistigen Beschränktheit über das seltsame Tun gar nichts weiter eingefallen und hatte er deshalb gegen niemand etwas verlauten lasten, außer gegen August Bremser, der ihm, wie wir wissen, eine diesbezügliche Frage vorgelegt hatte. Lenz war überhaupt ein verschlossener Bursche, der nach Art halber Idioten, aus Furcht geneckt zu wer­den, niemals von selbst eine Meinung kund gab oder eine Mitteilung machte, sondern nur auf gestellte Fragen Antwort gab So mußte ihm denn der feine Vernehmung leitende Landrichter jedes Wort abfra­gen und mit unendlicher Geduld dem Erinnerungs­vermögen des Burschen zu Hilfe konimen. Um besten Angaben auf ihre Wahrheit zu prüfen, mußte Lenz an Ort und Stelle genau zeigen, von wo aus er das Tun und Treiben seines jungen Herrn beobachtet, woher Jakob Eicher das Werg und das Petroleum genommen — der Bursche beantwortete sämtliche Fragen in einer Art, daß gar kein Zweifel an der Wahrheit seiner Aussagen aufkomme-' konnte. Er zeigte nicht nur in der Futterkanuner bas »ach dem

demokratischen Wähler unorganisiert fein. Dio unorganisierte 21 taffe spielt also bei den Wahlen eine, bedeutende Rolle. Nur ein kleiner Teil dieser Nicht.»! organisierten dürfte durch ihre Stellung als Beamte oder Geschäftsleute bor dem Beitritt zur Parteiorgani­sation zurückgehalten werben. Die übrigen sind M i t» laufet. Die Partei hat sich wohl bisher auf diesen Anhang berlaffen können; aber töricht wäre es zu glau­ben, daß diese Mitläufer ;.u jedem Opfer bereit sind, daß auf ihre Teilnahme Massenaktionen begründet wer­den können, daß sie eine Politik des rücksichtslosen Draufgängertums mitmachen würden.

Unter diesen Umständen kann man es verstehen wenn es den rechnenden und verantworllichen Partei« kreisen vor den Generalstreikrednern angst und bange wird, und der Jenaer Parteitag die ganze Maffen« streikfrage einmal wieder auf die lange Bank schob. Die obigen Ausführungen sind aber auch wieder ein deutlicher Beweis dafür, wie wenig recht die sozial«' demokratische Presse hat, wenn sie mit der Aufgeklärt« heit ihrer Wählermassen prunkt und glaubt, phari­säisch auf die Wähler anderer Parteien herabblicken zu dürfen. Fünf Sechstel Mitläufer — das besagt recht vieles.

+ Die Berliner „Genossen" gegen den Parteitag. Am letzten Dienstag haben die sozialdemokratischen Organsiatwnen Berlins zu den Beschlüssen des Je­naer Parteitages Stellung genommen und, wie zu erwarten war, scharfe Kritik geübt. Es ist ja selbstverständlich, daß die radikalen Genossen Ber­lins über den revisionistischen Sieg in Jena äußerst ungehalten sind. Man ist unzufrreden mit der Er­ledigung der Massenstreiksfrage und unzufrieden auch mit einer Dämpfung in der Führung der politischen Kampfe. So sprach im ersten Berliner Wahlkreis Duwell von der „konservativen Phrasiologie Bau­ers und Stadthagen erklärte im 2. Wahlkreis, °er/Parteitag habe „keinen erhebenden Eindruck ge­macht, feinen solchen, daß man sagen kann, es seien die Waffen geschäft und die Partei vorwärtsgestoßen worden". Jin 4. Wahlkreis wurde unter Beifall er­klärt: „Alles in allem genommen hat der Partei­tag einen Ruck nach rechts gemacht; ist doch bei allen Beschlüssen, die gefaßt wurden, die opponierende Linke unterlegen. Doch die Hoffnungen, daß die Sozial­demokratie einmal eine zahme Arbeiterpartei werden könnte, müßten zu Schanden gemacht werden." Liebknecht meinte im 6. Wahlkreis: „Die preu­ßische Wahlrechisfrage ist die Zentralfrage, um die wnc alles einzufetzen bereit fein müssen. Dazu ist es notig, den Willen zum Massenstreik zu wecken und Zu. stärken." Die wenigen Genossen, die sich bemühten,: mit den Ergebnissen des Parteitages einverstanden! zu erscheinen, Verschwanden vor der Menge derer, die am diesjährigen Parteitag nichts gutes ließen, und laut dem Vorwärtsbericht in nicht wiederz'.lgebender Weise gegen den Parte'- tag polemisierten. Armer Parteitag!

V Die wirkliche Sozialdemokratie. Der Kampf der Rechtsparteien gegen die Sozialdemokratie sei eine Maske, sagt Herr Geh. Rat Rebmann. Dieser nationalliberale Führer des badischen Großblocks kann sich also nicht denken, daß patriotische und christ­liche Männer die Bekämpfung der Sozialdemo­kratie als eine politisch-sittliche Notwendigkeit an- sehen. Die Sozialdemokratie ist antimonarchisch; sie will anstelle der Monarchie die durch Volksabstim­mung entscheidende demokratische Republik setzen. , Daran ist kein Zweifel. Und die Sozialde­mokratie ist durchaus ehrlich genug, diesen ihren Standpunkt bei jeder Gelegenheit unnachsichtlich zu betonen. Zum klaren Ausdruck kam diese Gesinnung in einer am vergangenen Sonntag zu Sandweier abgehaltenen sozialdemokratischen Wählerversamm­lung, in der der Landtagskandidat L e p p e r t aus Ettlingen sprach.

Lepper! meinte, der Großherzog hätte in Baben doch nichts mehr zu sagen, bas Regieren würde nicht durch ihn, sondern durch andere Leute besorgt Also sei baS Stalle zugehende kleine Fenster, hinter welchem er gestanden und seine Beobachtungen gemacht hatte, sondern verriet auch, daß Jakob Eicher während sei-, ner Beschäftigung fortwährend vor sich hingemurmelt, manchmal hell aufgelacht und gerufen habe: „Des gibt e schön Fenerche — e Feuerche, wie ich lang kaans gesehe hab!" — ein neuer wichtiger Beweis für die Schuld des Genannten. Jeder Zweifel an dieser Schuld war aber schon durch das Bekenntnis der jungen Frau Eicher gehoben, so daß jeder Ver­dacht gegen den inhaftierten Ernst Rother schwinden mußte. Schon wenige Tage nach jenem Verhör vor dem Untersuchungsrichter wurde Ernst Rother in Freiheit gesetzt und das Verfahren gegen Jakob Eicher eröffnet, beziehungsweise bis zu dem Zeitpunkt in Aussicht genommen, an welchem das endgültige Ur­teil über den geistigen Zustand des Genannten fest- gestellt war.

Ernst Rother war den Seinen wiedergegeben und gebrauchte seine wiedererlangte Freiheit vor allen Dingen dazu, um die nötigen Schotte zur Erlangung des Schadenersatzes für die zerstörten Gebäude und die verbrannten Frnchtvorräte, Jnventarstücke usw. seitens der Brandkasse und der Versicherungsgesell­schaft einzuleiten. Nach Lage der Dinge mußte ihm dieser Ersatz jetzt geleistet werden und schon zu Ende Oktober waren die Werkleute mit dein Aufräumen der Brandstätte beschäftigt, um dieselbe für den Neu­bau herzurichten. Dieser sollte im Frühjahr begon­nen werden, vorausgesetzt, daß es Ernst gelang, das Geld für die gekündigte Hypothek aufzuireiben,' wozu sich bis jetzt wenig Aussicht geboten hatte. UebcraQ. wo der junge Mairn anklopfte, fand er verschlossen« Türen; Inserate, die er in den Zeitungen Wies­badens, Frankfurts unb Limburgs erließ, hatten kei­nen Erfolg, da zu der Zeit, in welcher unsere Er­zählung spielt, die Kapitalisten ihre Gelder entweder nur in Jiidustriepapieren anlegten, ober nur in beit Städten gelegene Grundstücke bestehen. Im Dorfe selbst aber und in der Umgegend war niemand, der sich herbeisteß, eine Einschreibung auf ein Anwesen & übernehmen, das infolge der Ablenkung des Ber-

3 naturgemäß erheblich im Werte gesunken war