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Fuldaer Zeitung

Donnerstag 9. Moder 1915.

2. Statt.

»ruck srr $e!b«et 2(ctitKbtit<tr<i in Snlbo.

I keines Feuilleton

Der Sternenhimmel im Oktober.

schon

Lokaler.

Ar. 1 Fulda, 9. Oktober 1913.

A- Die erstmalige Feier der Völkerschlacht bei Leipzig im Fürstentum Fulda.

Im Anschluß an unsere Mitteilung über daS -fünfzigjährige Jubelfest der Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1863 in Fulda (Nr. 230 der,Fuld. Ztg/) sei hier auch eine Schilderung wiedergegeben, die uns erfahren läßt, wie die frohe Gedenkfeier zum ersten- male, nämlich am 18. und 19. Oktober 1814 in Stadt und Land bei uns begangen worden ist.

Der uns darüber vorliegende Bericht, den wir im Wortlaut folgen lasten, ist einem Buche entnommen, das den langatmigen Titel trägt:

»Des Teutschen Volkes feuriger Dank, und Ehren- lempel oder Beschreibung wie das aus zwanzigjähriger französischer Sklaverei durch Fürsten-Eintracht und Volks- kraft gerettete Deutsche Volk die Tage der entscheidenden Völker, und Rettungsschlacht bei Leipzig am 18. und 19. Oktober 1814 zum erstenmale gefeiert hat. Gesam­melt und herausgegeben von Karl Hoffmann zu Rödel- Herm-Offenbach 1815."

«Fulda überhaupt und Stadt Fulda.

Auf dem von dem sehr thätigen und ächtteutsch- patrwttfch gesinnten Landsturmsausschuß gemachten Bor- schlag wurde das Fest am Abend des 18. um halb acht Uhr damit eröffnet, daß in den Kirchen im ganzen Lande mit ollen Glocken in drei Absätzen geläutet und hierzu das Zeichen mit dem Donner der Kanonen in der hie­sigen Hauptstadt gegeben wurde.

Hierauf wurde unter Aufsicht der hierzu versam- melken Landsturmsmannschaft nicht allein auf den zwölf höchsten unbewachsenen Berggipfeln große Feuer an- gezündet, wozu die Oberforstverwaltung das Brenn- material angewiesen, sondern auch auf vielen kleineren Bergen und weit in's Auge fallenden Puntten wurde, unter Aufsicht der Polizei und der Eliten des Land­sturms, von einzelnen Dorfschaften Feuer angemacht, wozu die Einwohner das Brennmaterial zufammen- gebracht hatten. Diese Feuer, die bei dem Dunkel der Nacht überall den Horizont erleuchteten, wurden mit Ordnung bis Mitternacht unterhalten.

Den 19., Morgens um neun Uhr war in allen Kirchen des Fürstenlhums feierliche Gottesverehrung mit einem Te Deum, bet welcher die Landsturms-Mannschaft jedes Kirchspiels, von den Feldobristen und Feldhaupt­leuten angeführt, in Kirchenparade versammelt war. Von der Geistlichkeit wurden dabei überall paffende Reden gehalten.

Hier int Hauptorte wurde das Te Deum, bei welchem sich auch alle Landes-Autoritäten eingefunden, mit dem Donner der Geschütze begleitet. Nach dem Gottesdienste wurden überall Beiträge für die Armen gesammelt, welche auch alsbald an die dazu versammelten Armen edes Kirchspiels von den Geistlichen ausgeteilt wurden, ?amit auch diese Unglücklichen sich dieses hehren Tages reuen möchten.

Dasselbe geschah Mittags bei einer Tafel von mehr lls hundert Personen, bei welcher mehrere Lebehoch auf ne Monarchen und edlen Befreier Teulschlands unter Kanonendonner ausgebracht wurden. Nachmittags und klbends war überall Musik und Tanz, von allen Ab- ,aben frei, gestattet, und int hiesigen Musenvereine ein »roßer Ball, mit welcher Lustbarkeit zum allgemeinen vergnügen und zur Zufriedenheit der Einwohner dieser Lag, bet überall geherrschter Ordnung, beschlossen wurde."

Am nächtlichen Sternenhimmel, der nun hell leuchtet, ist die Orientierung nach den großen Firsternen leicht, wenn man bic wichtigsten Kon­stellationen dieser Jahreszeit kennt. Mitte des Monats, gegen 10 Uhr abends, nach Norden blickend, erkennt man linker Hand, mitten in der mattschimmernden Milchstraße, deren Bogen alsdann gerade ostwestlich am Firmament steht, das kreuzförmige Sternbild des Schwans", weiter nördlich dieLeier" mit der hel­len Fixsternsonne Wega, einem Doppelstern, der etwa 16 Lichtjahre oder rund 145 Billionen Kilometer

von uns entfernt ist. MitSchwan" undLeier" bildet das Sternbild desAdlers" ein gleichseitiges Dreieck, die Spitze nach Südwesten gerichtet, wo der hellste Stern intAdler", Atair, auch ein merkwür­diger Toppelstern mit starker jährlicher Eigenbewe­gung, liegt. Fast genau int Norden steht der Wagen desGroßen Bären" mit seiner tief nach Nordwesten gerichteten Deichsel, und hoch int Zenit strahlt setzt mitten in der Milchstraße die IV-förmigeKas- siopeja", lieben der man. die Milchstraße weiter nach Osten verfolgend, denFuhrmann" mit der Kapella, darüber dieZwillinge" mit den beiden Sternen Ka­stor und Pollux und darunter denStier" mit dem rötlich schimmernden Hauptstern Aldebaran, sowie den gerade jetzt in jener Konstellation bcsindlichen Planeten Saturn erkennt. Nördlich vom Fixstern Aldebaran, einem Doppelstern, an dem zuerst die Eigenbewegung der Fixsterne und zwar bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts wahrgenommen wurde, erblickt man das bekannte Siebengestirn der Hlejadcn", und tief int Nordosten endlich geht über­haupt die schönste Konstellation am ganzen Himmel, derOrion", auf, der im Schwert, unterhalb des Gürtels einen großen Nebelfleck, gleichsam eine Welt im chaotischen Entstehen mit durcheinander wirbeln­der heller und dunkler Materie, aufweist.

Von den großen, mit unbewaffnetem Auge sicht­baren Planeten ist der fonnennächstr Merkur Abeudstern, aber nicht ohne Fernrohr sichtbar, da ri sehr bald nach Sonnenuntergang in der Abenddäm­merung verschwindet. Dagegen leuchtet btc strahlende Venu 5 i nLöwen" gegenwärtig als Morgenstern mehrere Stunden vor Sonnenaufgang, und ziemlich hoch über dem östlichen Horizont. Unser rötlich schimmernder Nachbarplanet Mars in denZwillin­gen" leuchtet von lJV. Uhr abends an die ganze Nacht

s. Auknahmetarif für Seefische. Der bis zum 31. Dezember b. Js. gewährte Ausnahmetarif für frische Seefische und Seemuscheln, mit Ausnahme von grünen Heringen und Austern, ist bis auf Widerruf verlängert worden.

Prüfmtgs-Srgebnifse der Seminare. Die dies- jährigen Abgangsprüfungen an den Lehrerseminaren unseres Regierungsbezirks sind nunmehr beendet. Es bestanden am Lehrerseminar zu Homberg von 40 nur 35, zu Rinteln von 27 nur 25, zu Fulda (Neben« kursus) von 29 nur 27, zu Fulda (Hauplkursus) von 28 alle, zu Kassel von 3 alle, zu Frankenberg von 31 nur 28 und zu Schlüchtern von 37 nur 35. Die Gesamtzahl der in diesem Jahr hinzu gekommenen Schulamtsbewerber beträgt 181 (gegen 161 im Jahre

/. Kaninchenfleisch als Boltsnahrung. Alles Gute bricht sich mit der Zeil Bahn,, nur dauert es manch­mal recht lange. Wer hätte vor einem Vierteljahr­hundert wohl daran gedacht, daß unser Kaninchen, da? Spielzeug der Kinder, sich solche Beachtung er­ringen würde, wie es tatsächlich heute der Fall ist. Freilich unsere Nachbarn im Westen waren uns in dieser Beziehung weit über. In Frankreich und Belgien gibt es fast kein Speisehaus, in dem man nicht Gerichte auS Kaninchenfleisch hergestellt bekäme. Bei uns aber gibt es jetzt noch, obgleich die Kaninchen­zucht seit den siebziger Jahren einen ungeahnten Aufschwung genommen hat, Leute genug, die Kaninchenfleisch, welches gut zubereitet, an Geschmack keinem andern nachsteht und an Nährwert dem besten Ochsenfleisch gleichkommt, nicht essen mögen. Warum eigentlich, daS bleibt jedem, der sich von der Vorzüg­lichkeit einer saftigen Kaninchenbratens, einem schmack­haften Frikassee oder einer delikaten Pastete, einmal überzeugt hat, ein Rätsel. Gerade jetzt, wo allgemein Klagen über schlechte Zeiten und hohe Fleischpreise laut werden, sollte man annehmen, daß sich jeder, dem nur irgendwie Gelegenheit geboten ist, Kaninchen zu halten, mit dem Heranzüchten billigen, nahrhaften Fleischer befassen würde. Kaninchenzucht nutzbringend betreiben, kann fast jeder, besonders aber derjenige, welcher außerhalb der Stadt oder auf dem Lande wohnt, dem Grünfutter billig zur Verfügung steht und der seine Küchenabfälle nicht auf den Dünger­haufen werfen will. Abgesehen selbst von dem pekunierem Nutzen bietet die Kaninchenzucht, so viel des Anregenden, daß alle Glieder einer Häuslichkeit mit gleicher Befriedigung sich ihr hingeben werden. Allerdings muß man die Wartung und Pflege der Tiere etwas kennen, sich auch ein Bild von den Eigenschaften der einzelnen Rassen machen können, und dazu bietet die am 12. Oktober im Jägerhaus Bronnzell stattfindende Ausstellung (Siehe Inserat), zu der jedermann herzlichst willkommen ist, die beste Gelegenheit. Ein Besuch der Ausstellung ist warm zu empfehlen.

! Tie Schlachtungen sind im zweiten Vierteljahr 1913 fast durchweg hinter der Zahl der Schlachtungen in der gleichen Zeit des Vorjahres zurück­geblieben. Aus der im 3. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs, 1913, veröffentlichten Zusammenstellung des Kaiserlichen Statistischen Amts der im 2. Vierteljahr 1913 beschauten Schlachttiere ergibt sich, daß der Schlachtvieh« und Fleischbeschau unterzogen wurden: im 2. Vierteljahr 1913: Pferde und andere Einhufer 33285 (1912: 38649), Ochsen 125649 (129216), Bullen 136 965 (115652), Kühe 392305 (421820), Jungrinder über drei Monate alt 200837 (225650), Kälber unter drei Monate alt 1166259 (1309106), Schweine 4175 992 (4302862), Schafe 440973 (454938), Ziegen 175308 (204235), Hunde 1184 (1237).

! Balkonpflanzen in Töpfen, die man bis zum Herbst blühend erhalten möchte, sollte man schon jetzt ins Zimmer hercinne hmen. Wartet man mit dieser Maßnahme so lange, bis draußen die Nächte feucht und kühl werden, dann verträgt die Pflanze den plötzlichen Uebergang zur stets gleichbleibenden Zim­mertemperatur nur schlecht und wirft in wenigen Tagen alle Blätter und Blüten ab; nur ein kahler, leerer Strunk bleibt dann von aller Herrlichkeit zurück. Wer dagegen schon jetzt eine Umquartierung der Töpfe vornimmt, kann sich noch bis in den No­vember hinein an deren Blühen und Grünen erfreuen.

-7» Parole heißt Heimat. Heute, mit den Früh­zügen, wurden die zu einer Hebung beim hiesigen

am Firmament und steht am 22. dicht beim Monde, der zu jener Zeit gegen 914 Uhr aufgeht. Auch der größte aller Planeten, der imSchützen" stehende Jupiter, dessen Masse allein über dreimal die­jenige aller anderen Planeten zusammengenommen übertrifft, ist in den ersten Abendstunden allerdings ziemlich tief am südwestlichen Horizont sichtbar. Auf diesem noch seurigslüssigen, von einer achtfach ey Tra- bantcnschar umgebenen Planeten konnten in letzter Zeit wiederum deutliche, eruptionsartige Verände­rung m an der durch zahlreiche Steifenbildungen ge­kennzeichneten Oberfläche wahrgenommen werden. Die günstigsten Sichtbarkeitsbedingungen weist der letzte unter den mit bloßem Auge sichtbaren Plane­ten, dec imStier" stehende Saturn auf, der mit seinem Ringsystem und mit seiner Schar von 10 Monden eines der interessantesten Himmelsobjekte bildet. Schon um etwa 8i/> Uhr abends ausgehend, leuchtet dieser Ringplanet die ganze Nacht am Fir­mament. Am 19. Oktober steht Saturn ziemlich dicht unter dem fast vollerleuchteten Monde.

Aus der Welt der Kometen und Meteore ist zu berichten, daß in diesem kometenarmen Jahre bis­her erst drei Haarsterne entdeckt worden sind, die sämtlich nur lichtschwache, ausschließlich int Fern­rohr sichtbare Himmelsobjekte blieben. Sternschnup­pen können in diesem Monat zwischen dem 18. und 21. ans der Himmelsgegend desOrion" und der Zwillinge" kommend, erwartet werden. fJiaci) neue­ren Messungen steht fest, daß Meteore, die uns als leuchtende Sternschnuppen sichtbar werden, sich beim Eindringen in die Erdatmosphäre in Höhen von 100 bis 200 Kilometer entzünden, und daß ihre Geschwin­digkeiten zwischen 20 und 80 Kilometer in der Se­kunde liegen. Wir wissen ferner, daß die optisch wirksamen Schichten unferer Lufthülle nur etwa 80 Kilometer hoch sein können, und daß in darüberlic- gendcn Luftschichten, wo Sternschnuppen sich ent­zünden, bei einem Luftdruck von nur wenigen Hun­dertsteln Millimetern doch noch ein ausreichend dich­tes Mittel, vielleicht reines Wasserstoffgas. vorhanden sein nmß, damit die Meteore, die mit gewaltiger Ge- schwindigkei: in die hohen Luftschichten eindringen, durch Reibung leuchten können. In noch viel größere Höhen ber Erdatmosphäre als die Stern- fchnnppcncrscheinnngcn reichen nach den neuesten photographischen Pressungen die Phänomene der Po­larlichter. und es scheint, als ob die oberste Grenze der gasförmigen Hülle unseres Planeten in etwa 400 Kilometer Höhe zu suchen ist. Erst dort beginnt der eigentliche Himmelsranm, in dein die Gestirne reibungslos ihre ewigen Bohnen vollziehen.

# Verliehen wurde dem Stadtsekretär August Siebert zu Frankfurt a. M. der Rote Adlerorden »eiter Klasse, dem Hegemeister Eduard Kurtzleben zu Lelnhausen das Verdienstkreuz in Gold, dem Ge- neinderechner Georg Deiß zu Unterweisenborn im Kreise Hersfeld das Allgemeine Ehrenzeichen.

# Personalien aus dem Forstdienst. Der Reichs- enzeiger meldet: Es wurden versetzt: Rhenius, Regierungs- und Forstrat, Geh. Regierungsrat in Kassel zufolge eigenen Wunsches auf die Oberförster- stelle Grohnde im Reg.-Bez. Hannover. Demme, Oberförster, von Großenlüder nach Gnewau, Reg.-Bez. Danzig, Kaboth, Oberförster, von Fritz­lar nach Roßberg, Reg.-Bez. Kassel; Schiller, Ober­förster von Treten, Rcg.-lBez. Köslin, nach Gro­ßenlüder, Reg.-Bez. Kassel, und Wagenhoff, Ober- wrfter, von Königsthal, Reg.-Bez. Erfurt, nach Gre- oenstein, Reg.-Bez. Kassel.

Fahnen heraus! Durch eine kaiserliche Kabi- aettsorder ist bestimmt worden, daß am 18. Ok­tober, dem hundertjährigen Gedenktage der Völker­schlacht bei Leipzig, alle Reichs- und Staatsgebäude zu beflaggen' sind.

Feldartillerie - Regiment eingezogenen Landwehrleute wieder in ihre Heimat befördert, nachdem sie gestern vormittag ihre Scharfschieß-Hebung absolviert hatten. Am nächsten Mittwoch, den 15. ds. Mts. werden sich die Räume der hiesigen Kaserne mit den Re­kruten füllen.

= Zufolge deS Streiks bei Ways u. Freitag ruhen die Arbeiten am Brückenbau an der Künzellerstraße gänzlich. Um die Arbeiten an der Edelzeller-Brücke nicht auch vollständig einstellen zu müssen, sind aus- Hilfsweife Rottenarbeiter von der Eisenbahn heran­gezogen worden. Damit ernste Zusammenstöße zwischen Streikenden und Arbeitswilligen vermieden werden, sind an jener Brücke drei Schutzleute mit umschnalltem scharf geladenem Revolver postiert. Auf Wunsch der Eisenbahn-Bauabteilung wird die Bewachung auch des Nachts durchgesührt, um etwaige Beschädigungen der bisherigen Anlagen zu verhindern. Bei dem Streik, der von der sozialdemokratischen Organisation in die Wege geleitet ist, handelt es sich um die von den beschäftigten Zimmerleuten geforderte Heraufsetzung des Stundenlohnes von 67 Psg. aus 70 Psg.

Aus dem Nachbargebiete.

,4- Hünfeld, 9. Okt. 1913. Am nächsten Sonntag nachmittags %3 Uhr findet in Eiterfeld eine Hebung der vereinigten Sanitäts- Kolonnen des Kreises Hünfeld statt. Der Hebung ist folgende ganz nenzeitliche Jdee zu Grunde gelegt: Ein großes Militärluftschiff ist auf der Fahrt vom Luftschfffhafen in Gotha nach Frank­furt a M. von starkem Unwetter heimgesucht, nach dem Lichtberg bei Eiterfeld verschlagen worden und dort verunglückt. Die Sanitäts-Kolonnen rücken auf die Kunde hin mit Verbands-Material, Erfrischungs- mitteln und dem nötigen Handwerkszeug ausgerüstet, nach der Unglücksstelle ab, um die erste Hilfe zu leisten u. f. w.

d. Gedern, 8. Okt. 1913. Im nahen Burkhards ist nach einem vierjährigen Kriege um den Bürgermeister-Sessel der Kamps zugunsten des Ludwig Schäfer entschieden worden. Schäfer wurde 1909 zum ersten Male gewählt, wegen feiner Freibier- Spende aber nicht bestätigt; dann mäkelte man an seiner Person solange herum, bis er gerichtliche Hilfe in Anspruch nahm. Spätere Wahlen endeten stets mit seinem Siege; aber beständige Einsprüche verhin­derten die Bestätigung, jetzt hat nun der Provinzial- Ausschuß zu seinen Gunsten entschieden, falls das Ministerium nicht angerufen wird.

O Schlüchtern, 8. Okt. 1913. Dor der Straf­kammer in Hanau hatte sich honte der Trechslcr- meifter Otto Güitler aus Mottgers wegen schwerer Körperverletzung zu verantworten. Am ersten Sonntag des Monats Juni d. I. saß in einer Wirtschaft zu Mottgers der Landwirt Philipp Krank mit seinem Freunde beim Abendschoppen. Ihre Unterhaltung wurde öfters durch abfällige Bemerkungen des im Lokale anwesenden Drechslermeisters Gütt- ler gestört, was zu einem Wortwechsel und schließ­lich dazu führte, daß der Störenfried aus der Wirt­schaft hinausbefördert wurde. Güttler lauerte dem vom Wirtshaus heimkehrenden Krank auf und rannte ihm ein Messer mit solcher Wucht in den Unterleib, daß dieser lebensgefährlich verletzt wurde. Der Messerstecher, gegen den ursprünglich daS Verfahren wegen Mordversuchs eingeleitet war, ist Epileptiker, leicht reizbar und schon detz öfteren wegen Gewalt­tätigkeiten vorbestraft. Das Gericht verurteilte ihn zu 2 Jahren Gefängnis.

* Frankfurt a. M., 9. Okt. 1913. Der geschäfts­führende Vorstand des deutsch-französischen Wirtschaftsvereins tritt am 13. d. Mts. in Frankfurt a. M. zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stehen hauptsächlich die Beratung über die Beteiligung des Vereins an dem von der französischen Regierung im November in Paris ver­anstalteten internationalen Zollkongreß und an der im Anschluß daran statlfindenden Konferenz über deutsch-ftanzösis he Zollfragen. In einem Hoiel am Hauptbahnhof versuchte gestern ein zugereister Schneider, der sich als Tuchfabrikant eingeschrieben hatte, einen anderen Schneider zu erschießen, verletzte ihn aber nur leicht. Zwei Schüsse, die er auf sich selbst abgab, gingen fehl. Er behauptet, sich an dem anderen habe rachen zu wollen, weil er ihn ruiniert hätte. Er wurde verhaftet.

Wansried, 9. Oktober 1913. Eine wertvolle Stiftung für das städtische Museum machte der Altertumsforscher Herr Mosedach aus Bückeburg. Er schenkte eine Anzahl echter, noch ungeschliffener Topase. Da in Kürze ein bisher vermieteter Raum für das Museum in Aussicht genommen ist, kann nunmehr mit einer baldigen Unterbringung und Auf­stellung der Museumsgegenstände gerechnet werden.

g. Egelsbach, 8. Ott. 1913. In verein.eiten Fällen ist hier jetzt ebenfalls die spinale Kinderlähmung auf­getreten. Eine Erkrankung führte bereits zum Tode.

r. Rüffelsheim, 8. Okt. 1913. Der Gemeinderat beschloß die Ausnahme einer Anleihe von 100000 Mark zum Bau einer neuen Schule. Weitere 150000 Mark, die dazu erforderlich sind, sollen dem Erlös von verkaustem Gelände und der Opelstistung entnommen werden.

b. Vilbel, 8. Okt. 1913. Das Provinzialwasser­werk Inheiden bot der Gemeinde die Lieferung von Trinkwasser zum Preise von 6 Pfennigen pro Kubikmeter an. Ein vom Gemeinderat bestimmter 'Ausschuß wurde mit den weiteren Verhandlungen beauftragt.

* Aus Thüringen, 9. Okt. 1913. Wie int ganzen Reich, so macht sich auch in Thüringen eine be­denkliche Zunahme der Erkrankungen an Krebs be­merkbar. Es waren zu verzeichnen 1909: 111, 1910: 119,1911: 149 und 1912: 163 Fälle. Am Dienstag entstand in Georgenthal ein Schadenfeuer, dem das Elektrizitätswerk, eine Stockfabrik und eine Badeanstalt zum Opfer fielen. Ter ganze Ort ist jetzt ohne elektrisches Licht. Dem Landwirt Friedrich Münster in Wölfis wurde vor einiger Zeit von einer Kuh ein Auge ausgestoßen. Vorige Woche ereilte den Bedauernswerten das Geschick, aus gleiche Weise auch das Augenlicht auf dein anderen Auge zu verlieren. Das Schwurgericht inRud 0 l- t a b t verurteilte einen Arbeiter zu neun Monaten Gefängnis, der. an der Straße Schwerstedt-Buttelstedt ein Fuder Korn in Braud gesteckt hatte. Die Unter­suchung gegen den flüchtigen Baukdircktor Stock aus ZeuI e n r 0 d a hat ergeben, daß dieser sich tatsächlich bei oee französischen Fremdenlegion befindet. Er ist dem zweiten Regiment zugeteilt, das in Saida in der Provinz Oran liegt. Nachdem sein Aufenthalt jetzt eststcht, dürften nunmehr die Ausliefernugsverhcmd- lungcit eingeleitet werden.

Amt Geisa tntb Umgebung.

* Dermbach, 8. Okt. 1913 Die Herbsthaupt- ko n f e r e n ; der Lehrer im 4. Verwaltungsbe­zirk unter Vorsitz des Schulrats Heiland findet am Montag, den 20. Oktober, hier statt. In der G e- meinderatssitzung vom 6. Oktober d. Js. wurde ein Beitrag bis zu 80 Mark zur allgemeinen Nationalfeier am 18. Oktober bewilligt.

* Buttlar, 8. Okt. 1913. Wie van zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, werden die Abteufarbeiten auf Schacht Buttlar Mitte November d. I., spätestens aber am 1. Januar 1914, wieder aufaeotnmen.

* Ostheim v. d. Rhön, 8. Okt. 1913. Gestern fand im Beisein des Baurats Jaenisch aus Derm­bach eine gemeinschaftliche Sitzung des Gemeinderats und Schulvorstands wegen des Schulneubaues statt. Baurat Jaenisch soll einige vorläufige Skizzen ausarbeiten. Am vergangenen Montag abend wäre Ostheim beinahe der Schauplatz eines Groß- feuers geworden. Zwei 13jährige Schulknaben hat­ten in einer Scheune im sogen. Schlößchen, mitten in der Stadt. Stroh angezündet. Die Frevel­tat wurde glücklicherweise jedoch sofort bemerkt. Tic beiden Burschen haben nun eine gerichtliche Strafe zu gewärtigen.___

Aus Oberhessen n. den heff. Aemtern.

* Marburg, 9. Okt. 1913. Ein junger Mann der in einem hiesigen Gasthaus in Stellung war, ist mit 250 Mk., die er dem Wirt unterschlagen hat, nach Frankreich durch gegangen. Wie der Durchgänger in einem hierher gelangten Briese, mitteilt, hat er sich in Paris zur Fremdenlegion an- werben lassen.

* Kirchhain. 9. Okt. 1913. Der Umbau des hiesigen Rathauses schreitet rüstig vorwärts. Wie notwendig der Umbau war, ersieht man nun sehr deutlich, da die unterste Balkenlage völlig fret liegt. Teilweise sind die bis zu achtzig Zentimeter starken Eichenbalken durch und durch morsch und faul. Die schöne Außen-Architektur des historisch bedeut­samen Baudenkmals wird beim Neubau erhalten. Die Arbeiten erfordern einen Kostenaufwand von 40 000 Mk.

* Frankenberg, 9. Okt. 1913, In der letzten Sitzung erteilten die Stadtverordneten den Zuschlag für die Neuverpachtung der beiden städtischen Elgenjagd-Be­zirke Listenbach und Totenhöhe zum Pachtpreise von 360 refp. 625 Mark an die Herren Landes-R mlmeister Gatterdam und Gebrüder Bichmann.

# Anzefahr, 8. Okt. 1913. Als in der Nacht vom, Freitag auf Samstag und ebenso in der Sonntags­nacht starke Regenmengen hier nieberginger, da be­fürchtete manch' froher Kirmesburfch, es könnten alle längst gehegten Hoffnungen auf lustige Tage mit fort- geschwemmt werden. Toch die Befürchtungen waren überflüssig gewesen. Am Sonntag brachten die Züge von Marburg und Kirchhain hunderte von Gästen und es entwickelte sich bereits in den frühen Nach­mittagsstunden ein frohes Treiben. Als die herein- brechende Nacht die feuchtfröhliche Jugend in die Sälei drängte, tat dies der Stimmung leinen Eintrag; sie steigerte sich von Stunde zu Stunde und erreichte be­reits gegen 11 Uhr mit der Verteilung der offiziellen Kirmesdrezel ihren Höhepunkt. Der zweite Tag ver-^ lief wesentlich ruhiger. j

* Gilserberg, 8. Okk. 1913. In der hiesigen ®e< meinbe, in bet vorigen Herbst eine zweite Lehrerstelle errichtet worben ist, wirb nunmehr auch ein neues Schulhaus gebaut. Es wirb zwei Lehrerwohnungen unb zwei Schulsäle enthalten und von Spielplätzen! und Hausgärten umgeben sein. Der Kostenpunkt be­trägt etwa 35 000 Mark.

vermischtes.

* Die flugfreie Zone an der deutschen Grenze. In dem deutsch-sranzösffchen Abkommen über die Lustschissahrt hat sich jedes Land das Recht tiotbe«1 halten, eine Zone zu bezeichnen, in der die Landung aus Gründen der Landesverteidigung vollständig ver­boten ist. Dieser Bestimmung gemäß überreichte der deutsche Botschafter in Paris dem Minister des Aeu- ßern die entsprechende deutsche Karte, die vom Mi­nister des Aeußern an das Arbeitsministerium und den Aeroklub weitergegeben wird. Heute veröffent­licht derMatin" die 'Karte. Die Zone, in der es den französischen Piloten verboten ist zu landen, umfaßt das ganze Elsaß, die Geoeid um Mcnng, Koblenz, Köln und Wesel. DerMatin" übertreibt, wenn er meint, daß den französischen Fliegern über­haupt nur eine schmale Passage zwischen Gelsennr- chen und Wanne übrig bleibe. Das Blatt memr, es sei interessant zu erfahren, ob die französische Karte ebenso rigoros ausfallen weide wie die deutsche.

*Droben steht die Kapelle." Die durch Ludwig f Uhlands GedichtDroben stehet die Kapelle" wett! über die Grenzen des Schwabenlandes hmaus ve-! könnt gewordene, zwischen der Bischossstadt Rotten- \ bürg und der Musenstadt Tübingen auf steiler Ber- : geshöhe gelegene Wnrmlinger Kapelle durfte; am 1. Oktober, dem Feste des heiligen Remlgius,' des Schutzpatrons der Kapelle, frohe Auferstehung: feiern. Das altehrwürdige Bauwerk, gegründet tni 10. Jahrhundert vom Grasen Anselm von Calw, tut. Dreißigjährigen Kriege niedergebrannt unb 1682 dann wieder aufgebaut, hatte durch das Erdbeben: dom 16. November 1911 so schwere Beschädigungen' erlitten, daß man zunächst mit der unvermeidlichen Notwendigikeit der völligen Abtragung rechnen1 mußte. Der Kunst der Architekten und der liebevollen. Fürsorge des Landeskonservatoriums gelang es in-, dessen, die Wunden durch allerdings sehr umfang-! reiche Ausbesserungsarbeiten und teilweifen Neubau! zu heilen. Nun, da die Ausbesserungsarbeiten usw. vollendet sind, prangt die Kapelle stolzer denn je auf ihrem exponierten Standort; und die Auhen- mauern, die ehedem grau und verschlafen zu Tale schauten, lachen heute schimmernd weiß, in neuem Jngendgewand, ins Neckar- und Ammertal herunter.

Ein Welt-Radiummonopol. Wie dieBo- hemia" ersährt, ist ut London eine Gesellschaft in der Bildung begriffen, welche die Ausbeutung der be­reits bestehenden unb vielleicht noch zu erwartenden Nadiumvorräte der ganzen Welt zn monopolisieren bezweckt. Tie Gesellschaft werdeEuropean Radium Company Ltd." heißen und ein Aktienkapital von 15 Millionen Mark besitzet:. Als Zweck der Gesell­schaft wird bezeichnet, Besitzungen von Mineral­lagern, Patente unb Verfahren in der Meise zu er­werben, daß die Gesellschaft imstande sein wird, den Radi'nnmarkt der ganzen Welt zn beherrschen und zu kontrollieren. Tic" Gesellschaft stehe schon seit la­geret Zeit mit dem österreichischen Ministerium für öffentliche Arbeiten m Verhandlungen, doch seicu diese vorläufig noch nutzt zum Abschluß gelangt.

* Ei« schwim'n enter Riesensarg. "Pa- wenige'« Tagen erregten Müft.ii'mgen aus SchiffahrtskreiDM allgemeines" Aufsehen, in welchen von b?r