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2. Blatt.

Brad Oei fnlberr Sktieirdniäerri in 5nlda.

Fuldaer Leitung4 O

JW 231

Montag 6. Oktober 1915.

Kleines Feuilleton

Lokales.

Fulda, 6. Oktober 1913.

(!) Die jetzige Amtsdauer des Oberbürgermeisters Dr. Antoni, die am 1. April 1902 begann, läuft am l. April nächsten Jahres ab. Auf heute abend ist eine außerordentliche Sitzung der Stadt, oerordnerenversammlung anberaumt worden in der zu der Frage der Neuwahl Stellung genommen werden soll. Der Magistrat empfiehlt die Wieder- wähl. Die Wahl selbst wird demnächst in ge­meinsamer Sitzung der Stadtverordneten und der unbesoldeten Magistratsmitglieder getätigt werden. Heute abend erfolgt noch die formelle Beschluß­fassung über das Gehalt des Oberbürgermeisters.

□ Dem Magistrat der Stadt Fulva ist vom Regierungspräsidenten der Regierungs - Referendar o. Dewitz genannt v. Krebs zu einer dreimonatlichen Ausbildung überwiesen worden.

# Aus dem Reichsanzeiger. Der Regierungs­saumeister Hermann (Konrad) wurde von Kroto- schin als Vorstand des Hochbauamts I in Fulda ver­setzt.

? Erweiterung des hiesigen Landkrankrnhauses. Der L a n d c s a u s s ch u ß hat in seiner letzten Sitzung u. a. noch die Erbauung einer Klinik für Lxtrapatientcn beim Landkrankenhaus Fulda beschlossen. Dem im nächsten Frühjahr zusammen­tretenden Kommunallandtag wird eine dahingehende Vorlage unterbreitet werden.

(!) Tie Herbstkontrollversammlungen, die für Fulda und die umliegenden Ortschaften auf Mittwoch, den 5. November, anberaumt worden sind, finden nicht, wie bisher, im Giesel'schcn Saale statt. Als Ver­sammlungsplatz ist nunmehr der Kasernenhof des Feldartillerie-Regiments Nr. 47 be­stimmt worden. ...... j

-b. Der Männergesangvrrein „Winfridia' unter- nahm am gestrigen Sonntage seinen geplanten Aus­flug nach Hünfeld. Trotz der Ungunst der Witterung hatte sich eine stattliche Anzahl Damen und Herren eingefunden. Der Zweck des Ausfluges war ein Besuch des St. Bonifatiusklosters, dessen Besichtigung in liebenswürdiger Weise gestattet worden war. Unter sachkundiger Führung einiger hochw. Herren Patres wurde zunächst das Museum besichtigt. Man war erstaunt über die mannigfaltigen Gegenstände, die aus dem Missionsgebiete der PP. Oblaten hier ange­sammelt worden sind. Besondere Aufmerksamkeit erregte die sehr umfangreiche Bibliothek, die bereits 15000 Bände umfaßt. Sodann kam man zu der I geräumigen Hauskapelle und den einzelnen Studien- I >älen. Unter diesen war der Musiksaal von be- I sonderem Interesse. Die hochw. Patres verfügen 1 nämlich über ein tadelloses Instrumental-Orchester I und einen großen Männerchor. In einem der Säle trug der Männergesangverein „Wmfribia" zwei Chöre I vor. Man besichtigte nun den Park und die um- I fangreichen Wirtschaftsgebäude des Klosters. Zum Schlüsse wurde die schmucke St. Bonifatiuskirche besucht. Stimmungsvoll trug der Verein hier ein I Marienlied „Harfen des Himmels steigt hernieder" I vor. Mit Dankesworten für die so freundliche Auf- I »ahme und bereitwillige Führung nahm man sodann I hochbefriedigt Abschied von den hochw. Herren PatreS I und der ehrwürdigen Stätte. Auch an dieser Stege I sei der Leitung des St. Bonifatiuskloster für das 1 bereitwillige Entgegenkommen der aufrichtigste Dank I ausgesprochen.

<P Generalversammlung der Turngemeinde. Auf I Samstag abend waren die Mitglieder der Turn- I gemeinde zu einer außerordentlichen Generalversamm- I lung in das Gasthaus »Zur 'alten Post' eingeladen I worden und hatten dieser Einladung zahlreich Folge I geleistet. Als einziger Punkt stand auf der Tages- I ordnung die 65jährige Jubelfeier am nächsten Sonn- I tag im Stadtsaale. Es wurde ein großzügiges Pro« I gramm entworfen, das in seinem turnerischen Teil I vor allem mit vier Glanznummern hervortritt, ein I dem Feste entsprechendes Theaterstück wird zur Auf« I führung kommen und die gesamte Artilleriekapelle I konzertieren. Dann wurde dem Anträge des Vor- I standes zugestimmt, sechs Herren, die sich um die I Turngemeinde verdient gemacht haben, zu Ehren« I Mitgliedern zu ernennen, ebenso der besonderen I Ehrung derjenigen Mitglieder, die sich durch lang­jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet haben.

Eine Rekrutenabschiedsfeier veranstaltete gestern abend der katholische Gesellen verein für 18 I Mitglieder, die in den nächsten Tagen zum Militär I eintreten. Der Präses Stadlkaplan Kräh gab den Rekruten noch einige gute Ratschläge und Ermahnungen I mit auf Weg in die Kaserne und sprach die Hoffnung aus, daß die jungen Vaterlandsverteidiger nach zwei Jahren wieder zu den Kolpingsjüngern zurückkehren I

Aus dem Rachbargebiete.

D Schlüchtern, 5. Oft. 1913. Wie der Versamm­lungsbericht des Krcisausschusscs mittcilt, war die Kreisverwaltung auch im abgelaufcnen Berichts­jahre unausgesetzt bemüht, die gewerbsmäßige Güterzertrümmerung zu verhindern. Mit gutem Erfolge erreichte sic dies in den Gemeinden Breunings, Hohenzell, Niederzell, Mottgers, Schwar­zenfels, Uerzell und Züntersbach, während die Be­mühungen in einer Anzahl Gemeinden an dem ab­lehnenden Verhalten der maßgebenden Körperschaften oder daran scheiterten, daß die Fälle sich von vorn­herein nicht für ein Eintreten der Gemeinde eigne­ten. Gegenwärtig schweben Verhandlungen über mehrere Fälle.

* Birstein, 6. Oft. 1913. Die im Januar d. I. niedergebrannte evangelische Kirche ist jetzt so« weit hergestellt, daß der Rohbau vollendet da­steht. Mit den Arbeiten im Innern wird demnächst

e Aus dem Rheingau, 6. Okt. 1913. Wiederum kommt die Nachricht von der Entdeckung eines Unioersalmittels zur Bekämpfung bee Rebkrankheiten und Schädlinge. Das neue Mittel besteht aus einer Nikotinlösung in Ver­bindung mit Schmierseife und Kupferkalkbrühe. Die in diesem Jahre an verschiedenen Orten (Hochheim und Oestrich) augestellten Versuche sollen ganz überraschende Erfolge gezeitigt haben. Während in den Kontrollparzellen mit den unbehandelten Stöcken vielfach fast nur noch die dürren Wurmbeeren übrig geblieben, sind die behandelten Trauben vollständig gesund. Selbst dort, wo die Anwendung der Nikotin­schmierseife zu spät erfolgt war, konnte das weitere Umsichgreifen der Wurmschäden verhindert werden. Die Hochheimer Konlrollparzellen werden am 12. Oft- durch den Vorstand des Rbeingaucr Weinbauvereins besichtigt werden, um an Ort und Stelle sich ein Urteil über die erzielten Erfolge bilden zu können. In Hochheim ist der Erfolg großartig; die mit der Nikotinlösung behandelten Weinstöcke zeigen einen nahezu vollen Behang, der Sauerwnrm ist ver­schwunden und der Stock zeigt ein gesundes Aussehen.

* Aus Franken, 6. Oft. 1913. Eine direkte Schisfslinie Frankfurt - Bamberg mit Petroleum-Dampfschiffen zu errichten, hat die deutsch- amerikanische Petroleumgesellschaft in Hamburg be­schlossen. Das erste Dampfschiff wird le-.eils in aller Kürze nach Bamberg abgehen. Der !l nfchlag aus den Dampfschiffen wird in dem >c!,e günstig an­gelegten neuen Bamberger Peltolcumya^en erfolgen. Die erwähnte Linie ist die elfte Petroleum-Tampf-

> begonnen werden. Die neue Kirche, erbaut nach den Entwürfen des Architekten Faust in Frankfurt-Böcken, heim, dürfte nach ihrer Fertigstellung eine Zierde für Birstein und Umgebung werden.

* Bad Orb, 5. Ott. 1913. Ein Vorbereitungs kursns für die theoretische Meisterprüfung wird demnächst hier wieder abgehalten. Zur Erleb lung des Unterrichts sind die Herren Lehrer Henkel, I Schwank und Revier bestimmt.

* Hanau, 4. Oft. 1913. Das in einem hiesigen Krankenhaus bedienstete Dienstmädchen Roßhirt aus Schweinfurt, das angegeben hatte, von seinen Eltern eine Flasche vergiftete Limonade erhalten zu haben, hat jetzt eingestanden, die Salzsäure selbst in die Limonade geschüttet zu haben. Gegen das Mäd­chen wird wegen wissentlich falscher Anschuldigung vorgepangen werden.

* Bornheim bei Frankfurt, 4. Oft. 1913. Gestern abend gestaltete sich die monatliche Herz-Jestifeier in der Josephsfirche zu Bornheim zu einem überwältigenden Sühneakt für den Fall Alberti. Pfarrer Knödgen hatte zur Beruhigung seiner Pfarrgemeinde den Oberen der Frühjahrsmission, Pater Superior Sichle, hierher gebeten. Schon eine Stunde vor Be­ginn der Predigt war die Josephsfirche überfüllt. | Hunderte standen in der Eichwaldstraße, Hunderte vor dem weit geöffneten Kirchenlore auf dem Pfarr­hofe, um von dort die Predigt zu hören, Hunderte mußten wieder umkehrcn, da kein Platz mehr zu finden war. Pater Superior hielt eine rührende Trost- und Ermuntcrungspredigt. Er beruhigte noch über die Giltigkeit der gespendeten Sakramente und schloß mit einem warmen Appell an alle gläubigen Herzen zum Mitleid mit dem Schmerze Christi und der Kirche und forderte auf zur Sühne und zum Gebete für den Verirrten. Die Aussetzung des Allerheiligsten fand unter großer Assistenz statt. Sühnegebet, Abbitte und Weihe machten einen tiefen Eindruck. Die große I würdige Kundgebung schloß mit dem Liede: „Lasset Christen Gott nur walten"; sie war die ruhige und friedfertige Antwort auf die Herausforderung, die in dem Auftreten des Pater Alberti in der Stadt der I Frühjahrsmission lag. Damit haben auch „die maß- I gebenden Kreise" ihre Antwort gegeben, während sie den vorhergegangenen lärmenden Kundgebungen ferne standen und sie auch nicht billigen konnten.

b. Bad Homburg v. d. H., 5. Oft. 1913. Die vom Frankfurter Kunstmaler Mohr im Auftrage der Stadt gemalten Bilder mit Ansichten H ombur gs wur­den vom Magistrat seinerzeit nicht angenommen, weil sie künstlerisch minderwertig sein sollten. Im Prozeß- wege wurde die Stadt aber verurteilt, die Bilder ab» zunehmcn und dem Künstler 1450 Mark dafür zu be- zahlen. Darauf stellte der Magistrat die Bilder monate­lang öffentlich zum Verkauf aus, ein vergebliches Bemühen, denn bis jetzt hat sich nicht ein einziger Käufer für die Werke gefunden. — Trotz des regne­rischen Sommers kann die Stadt eine ausgezeich- nete Kur-Saison für 1913 verbuchen. Die Zahl der Kurgäste ist gegenwärtig auf mehr als 15,600 ge­stiegen, fast 2000 mehr als im Vorjahre. Diese hohe, seit langem nicht erreichte Ziffer ift wohl in erster Linie auf den zweimaligen Aufenthalt der Kaiserlichen Familie im hiesigen Schlosse zurückzuführen, der eine Menge vornehmer Kurgäste herbeizog.

o. Cronberg, 5. Oft. 1913. Mit der Untersuchung über das Ab st erben der Kastanienbäume in den hiesigen Anlagen sind nicht weniger denn fünf Sachverständige von Ruf beschäftigt. Trotzdem konnten diese bis jetzt zu einem abschließenden Urteile nicht gelangen. Man steht der Erscheinung bisher völlig machtlos gegenüber.

* Höchst a M., 6. Okt. 1913. Die Verhandlungen, die der Kreis mit dem Justizfiskus wegen Erwerbung des alten Amtsgerichtsanwesens geführt hat, haben sich zerschlagen. Nun will der Fiskus das Anwesen in den nächsten Tagen zur öffentlichen Versteigerung bringen. Das ea. einen Morgen große Anwesen kann int ganzen ober auch teilweise ersteigert werden.

* Mainz, 6. Oft. 1913. Im Stadtteil Mombach fiel ein achtjähriges Mädchen vom zweiten Stockwerk aus dem Fenster auf das Straßenpflaster. Die bei dem Sturz erlittenen Verletzungen waren derart schwer, daß das Kind nach einer halben Stunde starb. Als die Mutter, in deren Abwesenheit das Unglück passiert war, davon hörte, verfiel sie in Herzkrämpfe. Ihr Zustand ist besorgniserregend.

* Aus Thüringen, 5. Oft. 1913. Im Hostheate, zu Weimar konnte dieser Tage nicht gespielt wer­den, weil eine Sängerin nicht zur Stelle war. Man konnte weder Ersatz beschaffen, noch eine andere Vor­stellung einrichten und das erschienene Publikum mußte abziehen. — Der in Eisenach wegen Kon­kursvergehens zu Gefängnis verurteilte Teilhaber Rensch von der verkrachten Firma Strauß u. Heber­lein war Offizier und hatte wegen eines Herzleidens den Abschied genommen. Kaufmännische Kenntniffe fehlten ihm ganz, er hat nicht einmal gewußt, daß die Firma schon seit 1903 faul war. Man sieht hieran das Bedenkliche, Offiziere ohne weiteres als für Handelsgeschäfte geeignet zu bezeichnen. — In Weida haben die Lehrer des Großherzogtums Sach­sen ihre Hauptversammlung abgehalten/ — Wie in anderen Städten will man jetzt auch in Rudo l- stadt gegen das Unwesen der Aufläufer Vorgehen^

। möchten. Große Heiterkeit erregten ein militärischer I Schwank und die verschiedenen komischen Vorträge. I Auch die vorzüglichen Leistungen der Turnabteilung I an dem Barren erzielten andauernden Beifall. Die I gediegenen Musikvorträge trugen nicht minder zur I angenehmen Unterhaltung bei.

△ Für die niichstjährrzen Kaiscrmanöver, die be- I kcmntlich in unserer Gegend stattfinden, wird I die Manöveranlage in ihren zeitlichen Bestimmtingen I derjenigen von 1912 nachgebildet sein, d. h. mit g r ö - I feeren Reiterzusammenstöfeen am 8. und I 9. September einsetzen, denen sich in kriegsmäßiger I Entwicklung das eigentliche Kaisermonöver vom 10. I bis 12. September anschließen wird- Die Berichte I der Truppen über die diesjährigen Manövererfahrun- I gen behandeln in besonderer Weise die Frage, wie Iden überhandnehmenden Zuschauer- I matten zu steuern ist. Nicht allein im schlesischen I Kaisermanöver, sondern auch bei den Divisions- und I Korpsübungen in anderen Landesteilen wurde durch I das Publikum vielfach die Kriegsmäßigkeit völlig nn- I möglich pcmadjt. U. a. litt die Befehlsübermitteluna I stark. Ein: Geheimhaltung von Umgehungen oder Plötzlich auszuführenden Führerentschlüssen war un- I möglich gemacht durch den Zufchaueranhang jedes Trupps, der sich im Gelände irgendwo bewegte. Unter diesen Umständen verlieren die kostspieligen Hebungen stark an ihrem erzieherischen Wert für Offizier und I Mann. In Verbindung mit den maßgebenden Stel­len im Genera lstabe der Armee wird das Kriegs­ministerium auf Mittel und Wege sinnen müssen, um dem Heberhandnehmen der „schwarzen Partei" I (als im Gegensatz zu der roten und blauen) grund- I sätzlich zu steuern. Die nächsten Riefenkaisermanöver I werden die Heeresverwaltung in dieser Hinsicht vor I schwierige Aufgaben stellen, für die eine angemessene I Lösung auch dahingehend gefunden werden muß, daß I man möglich st d er Soldatenfreudigkeit Iber Bevölkerung gerecht wird.

# Der öffentliche Wetterdienst im Winter. Der öffentliche Wetterdienst, der sich, wenn auch langsam, I so doch sicher die Anerkennung aller vom Wetter I abhängigen Berufskreise erwirbt, gibt bekanntlich I täglich um die Mittagszeit eine öffentliche Prognose I heraus, die an den Postämtern zum Anschlag ge- I langt. Leider geschieht dies bisher nur inden I Sommermonaten. Diese Maßnahme rührt noch davon her, daß man zuerst glaubte, daß nur in der Erntezeit Bedarf für die Wetterprognose vorhan­den sei. Mittlerweile hat sich der öffentliche Wetter­dienst aber weit über die landwirtsckmftlichen Be- I rufskreise hinaus Anhänger erwoben, die nicht nur im Sommer, sondern in vielen Fällen gerade im I Winter auf richtige Vorherkenntnisse des Wetters j angewiesen sind; B. alle Bauhandwerker, Versand- I geschäfte für Wein und andere Lebensmittel, die vom I Frost leicht beschädigt werden, alle mit der Fluß- unb Seeschiffahrt zusammenhängenden Berufszweige, ! Brauereien, Tuchfabriken und andere Berufszweige, I sodaß die Behauptung berechtigt ist, daß die Regie­rung in nicht allzu langer Zeit den öffentlichen An- I schlag bet Prognosen auf das ganze Jahr I verlängern wird. Das richtige Verständnis für die I Wetterprognose kann jedoch nur erworben werden I durch das Studium der Wetterkarte. Diese I ist daher in Volks-, Landwirtschafts-, Fortbildungs- I und höheren Schulen eingeführt. Biele Gemeinden I bringen sie zum öffentlichen Aushang. Das Stu- I dium der Wetterkarte hat gerade im Winter beson- I deren Wert, weil im Winter die Witterungsvorgänge I regelmäßiger und typischer erfolgen, sodaß es da'leich- I ter ist, sich einzuarbeiten. Jemandem, der sich mit der neuen öffentlichen Einrichtung vertraut machen I will, kann nur geraten werden, int Winter zu beginnen. Die Wetterkarten können bei allen Post- I anftalten zum Preise von 50 Pfg. monatlich abon- I ntert werden. Man erkundige sich jedoch auf der I Post, zu welcher Wetterdienststelle der betreffende I Ort gehört.

k Mit der Prägung der ersten 5-Markstucke mit I dem neuen Bildnis des Kaisers soll demnächst begon- I nen werden, sodaß die erste Rate dieser Münzen an j die Reichsbank möglicherweise noch im Saufe dieses I Monats abgeliefert werden dürfte- Es sollen zunächst | im ganzen 10 Millionen solcher Fünfmarkstücke von I der Berliner Münze geprägt werden. Die Reichs­bank wird einen Teil der neuen Silbermünzen in den I Verkehr gelangen lassen, sodaß das Publikum die neuen Fünfmarkstücke in Empfang nehmen kann.

Postalisches. Es empfiehlt sich, die Weih- I nachtspackete nach überseeischen Ländern, na- I mentlich nach den Vereinigten Staaten von I Amerika, möglichst schon Anfang Novem-I b e r bei der Post einzuliefern, damit die rechtzeitige Aushändigung dieser Sendungen an die Empfänger I gesichert ist.

= Großftlttr am Karlshos Heute nacht, kurz nach I * 1/i2 Uhr, nahm man in bcr Stabt wahr, wie sich I bcr westliche Himmel grell rötete. Die Vermutung, I baß ein Großfeuer ausgebrochen fei, bestätigte sich. | Die Brandstätte war der Karlshof in Maberzell. I Aus einer der gefüllten Scheunen schoß um Vs2 Uhr I plötzlich eine gewaltige Feuersäule zum Himmel I empor. In ben großen Erntevorräten, die meistens I noch ungebroschen aufgespeichert waren, sand das I verheerende Element reichlich Nahrung und alsbalb I bilbeten bie gesamten Oekonomiegebäube ein Feuer. I meer. Die Wehren von Maberzell, Horas und bie I Landspritze von Fulba, die alsbalb auf ber Brand- I ftätte eintrafen, konnten leibet nur wenig ausrichten.

Seit etwa 14 Tagen schon ist ein Teil von Maberzell ohne Trinfwaffer. So kam es, baß auch bie Löscharbeiten durch ben Wassermangel bebcutcnb erschwert würben. Das erforderliche Wasser mußte mittels mehrerer Jauchejässer herbeigeführt werden. Das Wohnhaus, in dem sich bas Restaurant befinbet, ist baut seiner freien Lage gerettet worben. In ben cingcäfdjettcn Scheunen hatten auch mehrere kleinere Landw rte ihre (Srnteerhägniffe untergebracht. Einige dieser Geschädigten sollen leider nickt versichert fern. Auch | zahlreiche landwirtschaftliche Maschinen wurden zer­stört. Trotz der frühen Morgenstunde waren zahl­reiche Einwohner von Fulda an die Branbstätte geeilt. Dir Entstehungsnrsache ist unbekannt.

L- Eine Gasexplosion, die glücklicherweise nicht sehr schlimme Folgen hatte, erfolgte am Samstag abenb in bem neuerbauten Wohn- und Geschäfts- Hause Ecke Leipzigerstraße-Buttlarstraße. In bem Baberaum war durch ein Versehen bie Leitung offen geblieben. Als man den Raum mit einem Licht betrat, explodierte das angefammelte Gas, sodaß eine Anzahl Fensterscheiben hinausgeschleu- bert würben. Ter im Hause beschäftigte Glaser- meister C. erlitt einige kleine Brandwunden im Nacken. Auch die Decke wurde durch Abfallen des Verputzes beschädigt. Der Explosion war eine Prüfung der Gasleitung vorausgegangen.

❖ Unfreiwilligen Aufenthalt mußte der v-Zug 130 am Samstag abend auf der hiesigen Station kurz vor 8 Uhr nehmen. Die Maschine war defekt geworben und mußte hier ausgewechselt werden. Mit etwa 15 Minuten Verspätung konnte der Zug seine Fahrt fortsetzen.

- Gestohlen wurden in der Nacht vom Samstag auf Sonntag aus der Kaninchenzuchtanlage des Frieb- hofsaufsehers Pfeiffer am städtischen Friedhof drei der schönsten Tiere. Der Dieb durchsägte die Draht­gitter der Käfige.

X Meteorologisches aus dem Bezirk Kassel. Das Königreich Preußen zählt insgesamt 2541 meteoro­logische Stationen, davon sind 153 solche höherer Ordnung. Die größte Dichte zeigt das Beobachtungs­netz in Hessen-Nassau mit 231 Beobachtungsstellen ldarunter 16 höherer Ordnung), von denen wieder I 126 (118 + 8; auf den Reg.-Bez. Kassel entfallen. Auf die einzelnen • Kreise verteilen sich dieselben: ! Gelnhausen 14, Fulda 10, Frankenberg 9, Hof­geismar und Schlüchtern je 8, Kassel, Witzenhausen, Eschwege, Rotenburg und Ziegenhain je 7, Melsungen 6, Wolfhagen, Marburg, Gersfeld und Grafschaft I Schaumburg je 4, Homberg, Kirchhain, Hersfeld, Hünfeld und Herrschaft Schmalkalden je 3, Fritzlar und Hanau nur je 2 Beobachtungsstellen. — Im Kreis Fulda bestehen Stationen zu: Fulda Stadt I. und II., Dietershausen, Dipperz, Ellers, Elters, Hosenfeld, Kleinlüder, Marbach und Salzschlirf. I

<? Fußballsport. Die Verbandsspiele im hessischen Kreis wurden gestern fortgesetzt. V. f. B. Gießen gewann gegen Eintracht-Kassel mit 3:1. Kasseler Fußballverein gewann gegen Borussia-Fulda knapv mit 3:2. .

— Eine interessante alte Verordnung gegen die Landflucht. Heute ist es eins ber schwierigsten Pro­bleme, wie man die Abwanderung vom äande auf­halten kann. Vom Bauer bis zum Gelehrten sucht alles an seiner Lösung mitzuarbeiten. Früher machte man sich weniger Kopfzerbrechen und löste die Frage auf die einfachste Weise, tote man aus folgendem er­sieht: Am 29. Mai 1647 erging ein Mandat des Herzogs Friedrich von Schleswig-Holstein an die ein­gesessenen Untertanen des Amts Kiel, wie er mit Un­mut vernommen, daß sie ihre Knechte, Mägde unb Kinder häufig in die Städte unb andere Derter ziehen ließen, wodurch nicht allein das Amt sehr erschöpft und entblößet, sondern auch ihre eigene Feldarbeit versäumt würde. Deshalb befiehlt er bei willkür­licher Strafe, bis nächsten Michaelis säickkliche Kin­der, die sich außerhalb des Amts aufhalten, wieder herbeizuschaffen.' ' dlk-

— Allerlei Weisheit. Eines der vorzüglichsten unb dabei billigen Nahrungsmittel ist die Rosine oder Corinthe, besonders bie kleine. Sie enthält nicht weniger als 80 pCt. reine Nährstoffe. — Die Sei- tungsgeschwinbigkeit der Elektrizität beträgt bei ober­irdischen Leitungen ea. 25000 Kilometer in bcr Se- funbe, bei unterseeischen Kabeln aber nur runb 10000 Kilometer. — Die Haut bes Walfisches ift an ein­zelnen Körperteilen bis zu 60 Zentimeter biet — Eines ber kleinsten Samenkörner ist bas ber Erdrübe. Sein Durchmesser beträgt wenig mehr als ein Milli­meter, unb doch entwickelt sich baraus binnen wenigen Monaten bie große Rübe mit noch einem Bündel kräftiger Blätter, zusammen ein Gewicht, bas 27 Millionen mal größer als bas des Samenkörncheus ist. — Tas durchschnittliche Gewicht des menschlichen Herzens beträgt 265 Gramm. — Die japanische Lan­dessprache hat vier verschiedene Ausdrucksarten: bas reine Japanisch, bas Japanisch-Chinesisch, bie ge­wöhnliche Umgangssprache unb einen besonderen Briefstil. —Die Hälfte ber ganzen Stahlproduktion ber Welt wirb für Eisenbahnbauten bezw. Erneue­rungen gebraucht. wo.

; Erfrorene Hände ober Finger sind ein Uebelftanb, der viele Tausende oft in der empfindlichsten Weise peinigt, und zwar auch schon zu einer Zeit, wo an I Frost noch gar nicht zu denken ist. Hebet die eigent- ftiche Ursache ist man sich noch nicht klar, doch soviel steht fest, daß bie merkwürdige Erscheinung mit bem f„Froste' eigentlich gar nichts zu tun hat. Viele i führen, aber eigentlich ganz zu Unrecht, ihre erfrorenen Hände darauf zurück, daß sie sie einmal in früher sJugenb erfroren haben. Das kann ja wohl bet Fall "ein, aber bie Ursache bes immer wirberkehrenden Leibens ist bas nicht. Die Ursache ist jebenfalls in schlechtem Blut unb mangelhafter Bftllzirkulation zu suchen. Man muß also bie Grunbübel beseitigen unb wirb bann auch halb Besserung bemerken. Die vielen empfohlenen Mittel helfen gar nichts, wie jeher be- (tätigen wirb, bet sie probiert hat. Regelmäßigkeit in ben Darmfunktionen, einfache gewürzlose Kost, Diät, viel Bewegung im Freien, dazu Fingetmassage, Be­klopfen unb Reiben ber Hänbe unb füglich auch bas täglich zweimalige wechselweise Dämpfen derselben übet einem Topf mit recht heißem Wasser mit nachfolgendem Eintauchen in kaltes Waffer, das sind die einzigen erfolgversprechenden Mittel gegen erfrorene Hände. Wer an solchen in ben bisherigen Jahren gelitten hat,' möge aber biefe Mittel schon von jetzt an zur An- wendung bringen, damit bie Schmerzen usw. gar nicht erst roieber auftreten. gf.

— Landfrau und Slabtftc-n. Das Leben der Landfrau mag manchem Wohl als zu arbeitsreich unb geplagt, bei dem Mangel an Zerstreuungen tote sie ,baS Stadtleben bietet, als öde und eintönig erschei- aten. Gewiß, ber Landfrau erwachsen erheblich grö­ßere unb schwerere Aufgaben als der Stabtfrau, ihr Wirkungskreis ist innerhalb und außerhalb der Fa­milie viel umfangreicher und verantwortungsvoller als der ihrer Schwester in der Stadt. Aber ge- gabe biefe Vielseitigkeit ist dazu angetan, die Schaf­

fensfreudigkeit zu erhöhen, sie macht innerlich reich, erhält die Spannkraft. Daß die Landfrau trotz der nach ber familiären unb sozialen Richtung sich er­streckenden Aufgaben nicht nur ein geplagter Mensch

I zu sein braucht, sondern auch bei diesen Arbeiten un­ter Verzicht auf städtische Vergnügungen fröhlich und lebenslustig bleiben kann, möge folgendes kleine Ge- schichtchen beweisen, das ein Leser der „Gutsfrau" mitteilt. Er hörte es von einem Buren, der durch Deutschland reist und Vorträge über sein afrikanisches Heimatland halt. Herzlich unbedeutend, aber lustig und lebhaft, erzählt er in schlechtestem Deutsch von drüben. Fesselnd war er besonders durch einige per­sönliche Züge, die er von den einsamen Farmen in jenem fernen Lande, für das wir uns einst so be­geistert haben, mitteilte. Er erzählte schlicht und drastisch ungefähr folgendes: Es kam einmal eine Tarne aus der Stadt auf eine einsam gelegene Farm. Sei all ihrer Verwunderung über die Einsamkeit schien ihr doch als das Trostloseste, daß die Farmer­frau, eine gebildete Frau, so ohne jede Zerstreuung, ohne jede geistige Anregung dahinleben müsse. „Kön­nen Sie es denn ohne Theater überhaupt aushatten?" Still lächelnd geht darauf unsere Farmersfrau ans Fenster und pfeift resolut einen scharfen Pfiff in die toeite Umgebung hinaus. Bald toirb’s rings leben­dig; eine Menge Kinder, Jungen und Mädchen, kom­men spornstreichs herbeigelausen und müssen sich ber Reihe nach aufstellen. Wie dreizehn Orgelpfeifen stehen sie nebeneinander. „Sehen Sie, das hier ist mein Theater. Das sind nämlich alle meine eigenen Kinder. Wenn ich die morgens geweckt, gewaschen und angezogen, tagsüber gefüttert, gescholten, gelieb” lost und geschlagen nabe, und sie am Abend alle heil und müb« im Bett liegen, dann danke« ich meinem Herrgott, daß mein Theater aus ist, das er uns olle treu behütet hat und daß ich noch eine ruhige Stunde für mich habe, in der ich etwas lesen, oder aber — was noch wichtiger ist — etwas nähen und flicken kann. Glauben Sie mir. ich brauche dann kein an­deres Theater mehr'. dlk-