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2. Statt.

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Zuldaer Leitung. -

M 230.

öamstag 4. Oktober M3.

Tafel, nieder. Der bekannte Breslauer Profeffor Steffens, der felbst dabei gewesen, erzählt uns über dieses Zusammensein u. a.:

„Bei oer Lasel waren wir alle heiler gestimmt, der Wein war vortrefflich, das Gespräch belebt: da nahm gegen den Schluß der Tafel das ganze feierliche Mahl eine bedeutende Wendung, es verwandelte sich durch den greisen Feldherrn in ein Trauermahl zum Andenken des verstorbenen Scharnhorst; Blücher nahm das Wort. Nie hörte ich eine ergreifendere Rede, nie eine Dar­stellung der Berdienste des großen Kriegers anschaulicher, herrlicher, lebendiger vorlragen; der fast unwillkür­liche Erguß seiner Rede war ein wunderbares Produkt dichierijcher Begeisterung. Er rief am Schluß derselben den Sohn des verstorbenen Helden zu sich; dieser, der es liebt, seine tiefsten Empfindungen durch ein ruhiges Aeußere zu beherrschen, mußte sich dem Greise und Redner gegenüberstellen und vermochte cs nicht seine Erschütterung »u verbergen "

_ Man darf diesen Sieg von Wartenburg den Schlüssel zn der bald folgenden großen Völker­schlacht von Leipzig nennen. Blücher batte Bahn gebrochen, die Andern mußten folgen, um den großen entscheidenden Kampf gegen Napplcon selbst auszu­kämpfen.

— Interessantes vom Abzug der Schwalben. Der Abzug der Schwalben nach dem Süden hat nun schon slaltgesunden, ein Zeichen mehr dafür, daß roh den herbstlichen Unbilden entgegengehen. Ein Herr Dörfler in Wien hat sich seit vielen Jahren mit dem Abzug der Schwalben beschäftigt und ruf Grund vieler tausend Beobachtungen, die ihm au' seine An­regung aus allen Teilen Europas zuging-.ii, festge- stellt, daß jedes Jahr genau am 26. Juli der Abzug zunächst der Segler» und Turmschwalben ziemlich gleichzeitig aus ganz Europa beginnt, mährend der Fortzug der Torf» und Hausschwalben am S. Sep­tember vor sich reht, wie ja auch der Landmann sagt: „Mariä ®clurt (8. > pinnber) fliegen die Schwalben turt." Für die a- ;■ lienD regelmäßige Erscheinung hat man noch keine Erüänina. Es wäre interessant, zu erfahren, ob die Schwalben auch in diesem un- ro.rtlichen, kühlen Sommer dis zum 8. September ausgehalten haben. as

| den äußeren Graben, die Wilhelmstraße, der Kanalstraß« entlang durch die Mittclstraße und Friedrichstraße aul den Domplatz, wo die Fackeln zusammengeworfen werden und die Feier durch die Lieder: „Bei Leipzig unler'w Donner der Kanonen", für den 18. Oktober gedichtet von I I. Mosen und „Was rst des deutschen Vaterland" von Arndt, geschlossen wird.

Fulda, am 13. Oktober 1803. Das Fest-Comite.

Ordnung des Festzuges: Militär-Musik, Geistlichkeit aller Bekenntnisse, Olsizier-Corps, Fahnen, Ciril-Behördcn, Lehrer des Gymnasiums, Lehrer der Realschule, Lehrer des Schullehrer-Seminars, Städtische Lehrer, Fahnen, die Veteranen der Befreiungskriege, I Stadtrat und Bürger-Ausschuß, Städtische Beamte, Sängerchor, Musikchor, Schützenverein nut Waffen, Turn­verein, Arbeiter-Forlbildungs-Bercin, Gesellen-Verein, I Fahnen, die übrigen Einwohner der Stadt.

Am Schlüsse dieses Programms steht die Be­merkung:

Die verehrlichen Einwohner hiesiger Stadt werden ersucht, die hehre Gedenkfeier der Leipziger Völkerschlacht durch Ausschmückung ihrer Häuser zu verherrlichen und bei der Ordnung der Züge sich nach den Anordnungen der mit Abzeichen versehenen Festordner den Zügen anzureiben.

!! Freudenfeuer am 18. Oktober. Im Einklang mit dem Beschluß der Tagung der 15. Abgeordneten- versammluna des Kreis-Kricgerverbandes Fulda vom 27. April ds. Js. über die Feier der lOOjäh- rigeu Wiederkehr der Befreiung des deutschen Volkes von der französischen Herr­schaft durch die große Völkerschlacht am 18. Oktober 1813 werden die Vereinsvorstände gebeten, die Freudcnfeuer am 18. Oktober 1913 in allen Vereinen zugleich um 7 Uhr abends aus einer sicht­baren Höhe ihres Ortes anzündcn zu wollen. Eine Bereinigung mit anderen patriotischen Vereinen und Verständigung mit den Herrn Lehrern ist erwünscht, damit sich letztere auch mit der Schuljugend an dieser Feier beteiligen können und durch Ansprachen und Gesänge auf die Bedeutung dieser Feier Hinweisen.

-y- Eit zchwrrer Transport. Ter für das hiesig« Elekirizilälswerk bestimmte dritte Kessel ist gesterr von der Firma R. Wolf-Magdeburg-Bückau hie: cingeliefcrt worden. Während die übrigen 2 Kesse! ferlig ausmontiert eintrafen, kam der gestrige mil Rücksicht auf seine Größe und Schwere in drei Teile zerlegt hier an. Zum Transport des Rohrventils, der gestern erfolgt ■, waren acht Pferde nötig. Heute, in früher Morgcnunnde, wurde die Hülle des Kessels auf einem eigens konstruierten Wagen der Fabrik vom Bahnhof nach dem Werk gefahren. Zehn Pferde zogen den Koloß. Der schwere Transport, der vom Hofspcditcur Wllh. Helmke hier ausgeiühct wurde, verlief ohne jeden Unfall.

§ Meister Lampe in der Pfanne. Nun ist auch die Zeit herangekommen, da der Hasenbraten die Spcizckartcn ziert. In Jägcrkreisen spricht man von einem guten Hasenjahr; selten habe man so viele Hasen auf den Feldern getroffen wie in diesem Jahre. Der erste Satz, der sog. Atärzhase, hat sich außer­ordentlich gut entwickel', auch der zweite Satz ist gut durchgckommcn. Heute vormittag wurden auf dem Vuttcrmarkt zahlreiche Hasen zum Kauf angeboten. Die Preise schwankten zwischen 3 Mk. und 3.80 Mk. je nach Qualität.

x Wo ist der Ausbrecher Müller? Von dem schweren Verbrecher, der vor nun fast 10 Tagen aus dem hiesigen Amtsgerichts-Gefängnis, nur mit dem Hemd bekleidet, entwichen ist, fehlt bis heute noch jede Spur. Es zeugt dies von der Abgefeimtkeit des Gesuchten, der sicherlich mit irgendwo gestohlenen Papieren sich der Festnahme zu entziehen sucht.

E Unfall. Gestern mittag gegen 11 Uhr kam em radsahrcnder Metzgcrbursche m der Allee am Dom­platz dadurch zu Hall, daß ihm ein kleines Kind vor das Rad lief. Der Radler, der bei einem Metzger- me.ster in der Hinlerburg beschäftigt ist, mußte dem Laudkrankcnhause zugesührt werden, da er durch der Fall ehren Beinbruch erlitten batte.

— Tie Frage der Grundwcrtsteuer. Allen Bürgern von Fulda bietet sich eine gute Gelegenheit, sich über die gerade in Fulda jetzt viel erörterte Frage der Grundwcrtsteuer, die voraussichtlich bei den kommen­den Etatsberatungen der Stadt Fulda zur Sprache kommt, Aufklärung zu verschaffen in einer Ver­sammlung, die der Mieterberein am Montag, den 6. Oktober, abend 8 Uhr, im Saale des evangelischen Gemeindehauses abhält. Herr Dr. Andler, ein bekannter Kommunalpolitiker referiert; es ist zu erwarten, daß er einen bollen Saal findet.

-t- Einen Vortrag über die Fremdenlegion wird auf Veranlassung des EvangcMännerveretins Fulda am Sonntag den 26. Oktober d. Js., abends punkt 8 Uhr im großen Stadtsaal von dem Jnternatio. nalen Völkerrechtsbund zur Bekämpfung der Fremden­legion, Leipzig, veranstaltet werden. Als Redner wird einer der bekanntesten Vorkämpfer in Sachen der Übel berüchtigten französischen Fremdenlegion auftreten. Dem Vortrage soll eine Serie von 64 interessanten L i ch t-

Blüchcr selbst würdigte biefert Erfolg in einem Briefe an seinen Freund, den Landschaftsdirektor v. Sonin, wie folgt:

„Gestern ist mich daß wigtigste unternehmen maß nur stadk haben fan, wen man jo brave Truppen Führt gelungen, der lronprintz von Schweden, General von Bulow und Tauenzien slandeir seit acht Tagen an der Elbe ich brach von Dreßen uf. marchieite mit forcierten merfdjen die Elbe hinunter bis Ellster, Schlug im angesicht einer Feindlichen armeeh unter den Schutz meiner Batterien zwei brücken über die Elbe, Vassiite den Fluß und griff den Feind in seine verschanhungew an und nach einen Gefecht von vier Stunden daß möhrdrisch wahr hatte ich einen völligen Sieg erfochten, es sind keine andern Truppen als meine Preußen zum gesechte ge- lommen, mein vertust ist nicht unbetregtlich, IG Canonen und 70 amunitzions wagen und ville gefangene sind in meine hende der Femd sliht auf Dessau und ich ver- wollge ihm die Tiosen sind bei weuten nicht» so be- beüttendt als un der K.rtzbach, aber die vollgen des sigs müssen groß sein, denn nun geht alles über die Elve und die große armeeh la , auß Boehmen Vordringen. — der große man soll in Leipzig lein und ich werde ihm in einigen Tagen aufwahneu meine landwehr hat mer- veille getban."

Auch bei Wartenberg hatte sich wie überall beson­ders die Landwehr ausgezeichnet Gneiscnau schrieb darüber an den Staatskanzler v. Hardenberg:

Die Landwehren spielten (bei dein ©turnt auf das Dorf Wartenburg) mit die vorzüglichste Rolle, nament­lich das Bataillon Sommerfeld, aus dem Hirschberger Kreise, großenteils aus Leinwebern bestehend. So bilden sich jetzt die jungen Truppen zum Krieg aus. Möge die Weisheit der Führer einen solchen Geist in den Truppen zweckmäßig leiten! Seht! dort rückt das Bataillon des Leib-Infanterieregiments an den Feind; die wollen was Besseres fein als ihr" redete der General Horn die Landwehrm^nner an. „Reit', nein, wir sind ebenso gut als sie" a t werteten die Landwehrmänner, und zugleich mit den a. eten setzten sie an den Feind.

Möchte^ Em. ExzeUenz diese braven, armen Leute sehen, wie sie b.r notdürftigsten Kleidungsstücke erman­geln und den Kranlheiten und der Ermattung erliegen, es würde ihnen das Her; pressen."

Blücher _ selbst war tief ergriffen. Er zog am Abend mit seinen Offizieren in das Schloß Warten- bura ein und liefe sich wie immer in ihrem Kreise rur

o Die Verschiebung der Bevölkerung zwischen Stadt und Land-

In einer Zeit, in der die Arbeitslosenftage eine so eifrige Beachtung und Erörterung wie heute fin­det, rst es von Interesse und Wichtigkeit, die Ver­schiebung der Bevölkerung zwischen Stadt und Land zu prüfen und zu verfolgen.

Die Arbeitslosigkeit nimmt allgemein in -erschreckendem Maße in den großen.Städten zu, hier nimmt sie ihre furchtbarsten Formen an, während -auf dem Lande und oft auch in den kleinen Städten

„• . . Wir haben nun andere Entwürfe gemacht und fangen an zur Ausführung zu schreiten, ehe wir die Genehmigung eingeholt haben. Bet der großen Armee nämlich entwirft man stets neue Pläne und kommt nie ;ur Ausführung, und nach zwei Siegen treibt sich der Kronprinz von Schweden zwischen der Ruthe und der Elbe herum.

Wir also wollen die Szene eröffnen und die Haupt­rolle übernehmen, da die anderen es nicht wollen.

Da, wo die Schwarze Elster in die Elbe sich ergießt, macht die Elbe einen einfpringenben Winkel. Dort denken wir ein verschanztes Lager anzulegen. Weiter oberhalb denken wir über den Fluß zu gehen und von preußischen Streitkräften an uns zu ziehen, was wir können . . . Graf Tauentzien ist mit uns einverstanden und wird gemeinschaftlich mit uns wirken. Ich hoffe, Bülow wird dieses selbst, aus wohlverstandenen per­sönlichem Interesse, gleichfalls tun, ohne sich viel um den ihn lähmenden Kronprinzen von Schweden zu kümmern."

Am 26. September brach dann Blücher von sei­nem Hauptquartier Bautzen auf und marschierte auf Wartenburg zu, um hier von den Franzosen den Elbübergang zu erzwingen.

Die schwierige Aufgabe des Tages, cs war der I 3- Oktober, war in erster Linie dem wackeren General I Aork zugedacht, der hier den Titel von Warten- oerg für immer seinem Namen als Ehrenbezeich- I nung errang. Auf ihn konnte sich Blücher verlassen, I was er sich vorgenommen, das setzte er mit nie wan­kender Zähigkeit durch.

Auf zwei Brücken brachte man die Truppen über I bte Elbe. Hier stellte sich Blücher selbst vor die Trup­pen, und auf Wartenburg deutend, rief er de.: Mann-

I $u „Jungens! Seht, da backen sich die verfluchten Franzosen Weißbrot zum Frühstück, das

I wollen wir ihnen wegnehmen, weil es noch warm ist, I Marsch!"

I Tie Franzosen wurden von dem ausgezeichneten I General B ertrand befehligt, der erbitterten Wider- I leistete u. seinen Gegnern empfindliche Verluste I betbrachte. Ter Bravour der preußischen Truppen aber, die immer wieder vorrückten, mußte er schlicß-

I lllh weichen und zog sich auf Wittenberg zurück. Es I war »in weitentscheidender Sieg, der iur mit preu- Ntzischem Blute erkauft worden war.

Lokaler.

Fulda, 4. Oktober 1913.

(!) Die Siadlbumdnkten-Ergäuzungswahlen sind, wie aus der amtlichen Bekanntmachung Hervorgeht, so anberanmt worden, roie cs einem in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung geäußerten Wunsche entspricht. Die Wahl der dr ikten Abteilung, in der 4 Mandate zu besetzen sind, findet am Kirch­weihdienstag statt. Die Wahlzeit ist um eine Stunde verlängert worden. Es kann vormittags von I 9 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 7 Uhr ge­wählt werden. Die zweite Abteilung hak ihre 4 Mandale am Mittwoch, den 5. Nov. zu vergeben und die erste Ableitung gleichfalls 4 Mandate am Tonncrstaa, den 6. Novemb r.

X Handwerkskammer. Auf Antrag des Schmiede- Bezirksverbandes für die Provinz Hessen-Nassau,'das Großherzogtnm Hessen und das Fürstentum, Waldeck hat der Vorstand der Kasseler Handwerkskammer in seiner Sitzung vom 3. d. M. die Ausdehnung des H aftpflich tver sichcrun g s an tr a- g c s auf d i c. P r ü f u n g s a u s s ch ü s s e der Innungen genehmigt. Der neue Vertrag soll am 1. April 1914 in Kraft treten und werden die Mittel für diese Ausdehnung im nächsten Haushalts­etat der Kammer eingesetzt. Danach werden ab 1. April n. I. bi» Mitglieder der Prü­fungsausschüsse der Innungen (in Fulda bestehen 7) während der Tauer dieser Tätigkeit gegen Haftpflicht versichert fein.

An der Landwirtschaftlichen Winterschule Fulda beginnt das diesjährige Wintersemester am I Dienstag den 4. November, morgens 10 Uhr.

Mission. Heule ist bte Nr. 2 der Mtffions- zeitung „Wahrheit und Leben" ousaegeben rooideu.

A Meisterprüfung. Vor der Prüfungskommission für das Schlosserhandwerk in Fulda haben die Herren Georg Kraus und Heinrich Siebert von Hünfeld die Meisterprüfung mit Erfolg abgelegt.

W. Arbutsjudilar. Der Tuchler Bcucbttt Rup­pert blickt heule auf eine 40jährige Tätigkeit in I der Eisenbahn-Hauptwerk st ätte zurück. Dem Jubilar wurde seitens seiner Mitarbeiter ein sinniges Geschenk überreicht. Von der Eisenbahn-Verwal- I hing erhielt er ein Geldgeschenk. Mögen dem Jubi­lar, der in den Jahren 1870,71 den Krieg für Deutschlands Ehre mitmachle, noch viele fotgenfreie Tage beschützen fein.

+ Von der siinfzigjähtigen Jubelfeier der Völker­schlacht bei Leipzig in Fulda. In der letzten Samstags- nummet fanden ’ die Leser der .Fuloacr Ztg/ das Programm der hiesigen Mililätvereine zum hunderl- I jährigen Jubiläum tzer Völkerschlacht bei Leipzig I mitgeteilt. Die eilten Fuldaer werden sich sicherlich noch alle erinnern, wie bie fünfzigste Wiederkehr dieses hochbedcutfamen patriotischen Gedenktages bei I uns gefeiert worden ist, behauch dadurch noch eine besonders eindrucksvolle Auszeichnung erhallen hatte, daß an ihm zum ersten Male unsere Stadt am Abend im Glanze der bewundernd angestaunten neuen Gasbeleuchtung erstrahlte. Das uns vorliegende gedruckte Programm aus dem Jahre 1863 lautet wie folgt:

Vorfeier am 17. Oktober 1863. 7 Uhr morgens: ! Gottesdienst, bann Feierlichkeit in den verschiedenen Bürgerschulen.

10 Uhr morgens: Gedächtnisfeier im Kursürstlichen I Gymnasium durch palriolüche Gesänge und Festrede.

6 Uhr abends: Einläuten des Festes durch alle Glocken.

7 Uhr abends: Festvorstellung im Thealer.

Am 18. Oktober. ’AG Uhr morgens: Weckruf druck, das Militär-Musikkorps und Böllerschüssen.

8 Uljr morgens: Feierlicher GoUesdienst in allen I christlichen Kirchen mit Predigt zur Verherrlichung der ©ebentjeirr, bann im Dome Hochamt mit Tc Deutn unter I dem Läuten aller Glocken und Bölleischüssen.

11 Uhr morgens: Abgang des Festzugs, welcher I sich vorher auf Dem Domplatze sammelt, von da nach dem Wahlersichen Saale. Daselbst Festrede, gehallen von I Gymnasiallehrer ® egen bau r. emgeleitet durch den Choral „Nun bautet alle Golt" und geschlossen durch das Lied „Tetuschland, Deutschland über Alles".

3 Uhr mittags: Festigtet im Wahler'ichen Saale.

6 Uhr abends: Fickelzug vom Schützenhaute aus durch die Pnersgasse nach dem 'Warft, d e Kailstraß-,

[| Handwerk und Sozialpolitik.

Tos Handwerk wehrt sich gegen die Sozialpolitik, besser gesagt gegen mancherlei Begleiterscheinungen des Gesetzgebungswcrkcs, bte ihm eine unerträgliche Belastung zu sein scheinen.

Wie die „Deutsche Parlamentskorrespondenz" mitteilt, liegt dem Reichstage eine Eingabe der offiziellen Vertretung des deutschen Hand- w c r k s vor gegen die Ueberspannung der Sozial­politik des Reiches, durch die Kleingewerbetreibende und Handwerker in ihrem Betriebe infolge tzer gro­ßen Zahl der im Laufe der Jahre ergangenen sozia­len Schutzvorschriften eingeengt und wirtschaftlich stark geschädigt würden. Es heißt dort:

„Die heutigen sozialpolitischen Tendenzen, die viel­fach zu einer übertriebenen fojialen Gesetzgebung geführt haben, bedeuten eine Belastung bez lelbitänbigen Unter­nehmer, der bie nicht kapitalkräftigen Kleinhantwerker schlechthin nicht gewachsen sind. Neben den direklen finanziellen Laüen her Arbeiterversicherungsgesetze kommt in dieser Hinsicht vor allem die immer mehr lorlsr rei­tende Einengung der Bewegungsfreiheit des gewerblichen Unternehmers in seinem Betriebe durch Arbeiterschutzmaßregel» in Betracht, wie sie bisher fast alljährlich zu Gewerbeordnungsnovellen und Spezial­gesetzen geführt hat. Wir gestatten uns daher, die Auf­merksamkeit des Reichstags auf die durch eine solche übertriebene Sozialpolitik hervorgerufenen Mißstände mit der Bitte hinzulenken, in geeigneter Weise Sorge tragen zu wollen, daß dieser Art einer sozialen Gesetz­gebung, wobei zugunsten eines Standes andere für den Bestand des Staates dringend notwendigeSchichten allmählich ruiniert werden, bei Zeiten Einhalt geten wird, und daß bie bestehenden sozialen Schutz- Vorschriften nicht mit bürokratischer Engherzigkeit ge­handhabt werden, sondern im Geiste dieser sozialen Ge­setzgebung, deren Absicht sicherlich nicht dahin gerichtet war, den Handwerkern bie Ausübung ihres Handwerks zu erschweren."

I In diesen Klagen kommt zunächst der Wider- I sPruch dcs Handwerks gegen die seine Bewegungs- I freihcit einengende Begrenzung. der Arbeitszeit und I zum zweiten gegen die die Anwendung von Maschinen I stark beeinträchtigenden llnsallverhütungsvorschriften I der Berufsgenossenschaften zum Ausdruck.

Daß die Begrenzung der Arbeitszeit I im Interesse der Vclksgcsimdheii nötig war, bestrei- I tct auch im Handwerk niemaild. Man wünscht sich I nur die Möglichkeit der Anpassung an die Verhält- I nisse des Handwerks. Der Fabrikbetrieb mit stets I gleichbleibender Produktionsart ha! cs nie mit Auf- I trägen zu tun, deren Dringlichkeit ficb nach Stunden | bemißt. Er kann daher größeren Anforderungen an I seine Leistungsfähigkeit gerecht werden durch die Ein- I ftellung vermehrter Arbeitskräfte. Das Handwerk I hat diese Anpassungsfähigkeit nicht, weil sich bei fei» I neu Arbeiten die Dringlichkeit oft von einer Stunde I zur andern cinstellt. Nun hat der Handwerker ja in I seiner persönlichen Arbeitskraft, die meistens doch I bei energischer Anspannung sehr viel mehr als der I Gehilfe leistet, eine erhebliche Möglichkeit des Aus- I gleichs. Aber schwer trifft es den Handwerker doch, I wenn er in der höchsten Arbeit seine Gesellen und I Lehrlinge abziehen lassen muß. Ob sich in bezug I auf die Ausgleichung der Arbeitszeit durch Verschie­bung von Arbeits- und Freizeit zwischen den ver- I schiedenen Tagen hier eine gewisse Erleichterung I schassen laßt, wird Gegenstand der an diese Eingabe anknüpfeudeu Beratung sein.

I Das gilt auch von dem heutigen Unfallver- hütnngsWesen der Berufsgenossenschaften. Wer im Leben steht, weiß, daß die Berufsgenossenschaften mehr und mehr Schutzvo, richtungen aller Art ange­ordnet haben, die kein Arbeiter an der Maschine läßt, weint er nicht dazu gezwungen wird. Der Arbeiter, den sie schützen sollen, weiß, daß sie ihn ni ch t schü­tzen, vielmehr unter Umständen eine Gefahr für ihn bedeuten. Tiefer seltsame Zustand ist darauf zurück­zuführen, daß die Benifsaeuoffenschaften als tech­nische Berater Ingenieure an stellen, denen vielfach die Erfahrung fehlt. Hier wäre leicht Abhilfe zu schaffen, wenn die BerusSgeuvssenschäften gezwungen

Der Elbübergang bei Wartenburg.

(3. Oktober.)

-,Es wird alles gut werden, — Napoleon ist in die Ltnte!" — Sv schrieb Baker Blücher von Herrnhut tn Schlesien aus am 15. September an fein liebes „Mahlchen". Gewiß hatte der große Korse durch seine Generale empfindliche Niederlagen erlitten, aber mit eigensinnigem Trotze wollte er sich nicht entschließen, ferne Stellung in der Elblinie zu verlassen. Gleich nach der Schlacht von Dennewitz (6. Sept.), schrieb der wrt ^geschlagene Marschall Ney'an Napoleon in cili-

„Jch bin gänzlich geschlagen, und noch weiß ich nicht, ob mein Heer sich wieder gesammelt hat. Ihre Flanke ist entblößt, seien Sie deshalb auf Ihrer Hut. Fch glaube, daß cs Zeit ist, die Elh c zu verlas- c n^und sich auf die Saale znrüLuziehen."

Der Franzosenkaiser schlug die Warnung in den Wind, wenn er auch das „Rückwärts" langsam ge­lernt hatte, so war er doch kein Freund desselben.

Zudem batte er auch im Lager seiner Gegner immer noch einen guten Freund und Helfer, das war die Uneinigkeit und das Zaudern der obersten Lei­tung. So schrieb v. Knesebeck am 8. September über die Zustande im Hauptquartier: — ewige Kon­troversen — niemand weiß, wer Kock oder Kellner 'st-" — Dazu war der Führer der Nordarmee, der chwedische Kronprinz Bernadotte, durchaus un­zuverlässig, selbst in der entscheidenden Stunde des Kampfes.

Auch Blücher wollte man zurückhalten und in die- fcs Netz des Zauderns vergarnen und mit der großen n Böhmen stehenden Armee verbinden. Es gelang ihm aber mit vieler Mühe, seine Selbständigkeit zu bewahren. Emc ftste Stütze fand er in G n e i 's e n au, der gleich ihm dachte. Derselbe schrieb am 26. Sev- tember: ' -

eher das Gegenteil eintritt: kein Arbeitsmangel, sondern ein Slrbcitcrmangel als Folge der starken Abwanderung in die Großstädte. Wie immer man auch schließlich die Arbeitslosenfrage lösen möge, ein wichtiger Punkt wird es immer blei­ben, dieses Abströmen von den Stellen, wo Arbeit in vollem Maße vorhanden ist, zu den Großstädten, aus denen die Klagen über Arbeitslosigkeit hallen, zu ver­hindern und die Bewegung der Bevölkerung in Ein­klang mit den Arbeitsverhältnissen zu bringen.

Eine gewisse Arbeitsverteilung hat auch die In­ternationale Vereinigung zur Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit auf ihrer Hauptversammlung in Gent vor kurzem befürwortet, indem sie fordert, daß die Verwaltungsbehörden aufgefordert werden, nicht­dringliche, große Arbeiten und Lieferungen auf die tote Saison zu legen, oder gar auf Krisen- getten zu verschieben, wobei besonders an die Trocken­legung von Mooren, Urbarmachung von Heiden, Forstarbeiteu, Verbesserung von Verkehrsmitteln und dergleichen gedacht wird. Abgesehen davon, daß der­artige Arbeiten aber zum großen Teile landwirt­schaftliche Arbeiten sind und für gelernte Fabrik- oder Werkarbeiter sehr große Schwierigkeiten bringen, sind derartige Maßnahmen, so nützlich sie natürlich auch fein können doch nur Mittel im Falle der schon ein- getretenen Not, während die gesunde Verteilung der Bevölkerung als vorbeugendes Mittel eine erhöhte Bedeutung hat.

Das ist freilich so leicht gesagt wie schwer getan. Eine wesentliche Voraussetzung für die Verteilung ist die Beobachtung der Verschiebungen. Man hat gemeint, daß die Abwanderung in die Städte bereits überwunden sei. Daß das nicht der Fall ist, ergibt sich aus den Mitteilungen des Kaiserlich Statistischen Amtes. Das Kaiserliche Sta­tistische Amt hat die Ergebnisse der letzten Volks­zählung verwertet, nm einen Vergleich zwischen der Einwohnerzahl aller Gemeinden von mindestens 2000 Einwohnern an den Zähltagen der letzten beiden Volkszählungen zu ziehen. Hierdurch besteht die Möglichkeit, die Verschiebung der Bevölkerung zwi­schen Stadt und Land innerhalb der einzelnen Bun­desstaaten und deren Provinzen festzustellen. Die Einwohnerzahl der Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern, die städtische Bevölkerung, ist in den fünf Jahren feit der vorletzten Volkszählung um 1,96 Prozent gewachsen, diejenige der länd­lichen Bevölkerung ist um 0,51 Prozent ge­wachsen. Es entfallen gegenwärtig auf die städtische Bevölkerung 60,62 und auf die ländliche Bevölkernna 39,98 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die städtiscke Bevölkerung hat mithin seit der vorletzten Volkszählung viermalso stark zugenommen als die ländliche.

Dieses Wachstum ist im wesentlichen durch den starken Zuzug zu erklären, den die städtischen Ge­meinden aus den ländlichen erfahren haben. In Preußen beträgt die Gesamtzunahme der Bevölke­rung 1 Prozent, die Zunahme der städtischen Bevöl­kerung 1,2 Prozent; aber immerhin macht die länd­liche Bevölkerung noch 55 Prozent der Gesamt- bevolkerung aus. Innerhalb der einzelnen Provin­zen ist die Verschiebung sehr verschieden. Die ge- rrngstc Zunahme haben die überwiegend agrarischen Provinzen und unter diesen wieder Ostpreußen und Pommern mit 0,3 bezw. 0,4 Prozent. Die höchste Zunahme hat Westfalen gehabt mit 2,5 Prozent

Lehrreich ist auch ein Vergleich zwischen diesen drei Provinzen in bezug auf die Verluste der kleinen Gemeinden an Bevölkerung; von sämtlichen pom- merjchen Gemeinden haben 35 Prozent, von sämt­lichen ostpreußischen 25 Prozent, von den westfälischen aber nur 3 Prozent eine Abnahme der Bevölkerung ruszuweisen. Zwischen . diesen äußersten Grenzen ben Zunahme von 0,3 Prozent in Ostpreußen und r;*' tn Westfalen haben eine- Zunahme unter einem Prozent Pommern, Wcstpreußen, Sachsen; darüber Posen, Schlesien, Schleswig-Holstein, Hannover, Heffen-Naffau und die Rheinprovinz. Bcrücksichtiqt hierbei ist nicht die Provinz Brandenburg, weil hier der Regierungsbezirk Potsdam, in dem die Berliner P?rorte hegen, ganz besondere Verhältnisse aufweist. Die Bevolkerungszunahme stellt sich hier auf 4 Pro­

zent gegen 0,5 Prozent im Regierungsbezirk Frank­furt an der Oder.

Unter den Vororten Berlins sind Gemeinden vorhanden, die eine Zunahme von 20 und mehr Pro­zent erreicht haben. Unter den übrigen größeren Bundesstaaten schwankt die Zunahme der Bevölke­rung zwischen 0,3 in Braunschweig und 1,8 in Olden­burg. Tie Abwanderung vom Lande in die Städte ist am stärksten in Elsaß-Lothringen, nämlich 2 Pro­zent, am geringsten in beiden Mecklenburg mit 0,5 Prozent.

Diese Zahlen beweisen, daß ein Stillstand in der Abwanderung auch in der letzten Zeit nicht eingetreten ist.

würden, keine Unsallvcrhütungsvorschriften zu er­lassen, die nicht zuvor von einer aus Arbeitern und Unternehmern zusammengesetzten Kommission erprobt und gebilligt worden sind. Heute wird dieses Schutzvorrichtungssystem vielfach als Schikane em­pfunden, gegen die es gegenüber der Allmacht der Berufsgenossenschaften ihren Mitgliedern ‘gegenüber keine Wehr gibt.

Ans jeden Fall läßt diese Eingabe des Handwerks im Reichstage eine lebhafte, klärende Aussprache er- wartcn.

Die Befreiung Deutschlands vor 100 Jahren.

(Nachdruck verboten.) Bon Jos. Binc. Grün au. VI.