4. Blatt.
Drnd 6« 5»l»a<r Xclitn6r*«rti te Selbe.
Fuldaer Leitung. *$*
M 250.
Lamslag 4- Oktober 1915.
Wer also Lust hat, mag sich von diesem Quack, falocr das erlösende Pflaster aufschmieren lassen. Wrr glauben aber, daß sich wenige Bauern finden werden, die sich durch die „kunstgerecht" gedrechselten Redensarten des roten Doktor Eisenbart übertölpeln laifen. Wir glauben vielmehr, daß die Bauern es sich ganz entschieden verbitten, für so dumm gehalten zu werden, als wenn sie nicht merkten, was von den sozialdemokratischen Salbadereien zu halten ist.
Deutschland in den letzten drei Jahren von 1102 aus 1161, die Einfuhr von 767 auf 843, nach den Ver- einigtne Staaten von 633 auf 698 bezw. 1188 auf 1586 u. s. w.
Tiefe so außerordentlich günstige Entwickelung Deutschlands, die von keiner Seite angezweifelt wird, und uns ja die feindliche Haltung Englands zugezogcn hat, wird nicht verfehlen, bei den künftigen Debatten anläßlich der Erneuerung der Zolltarife eine Rolle zu spielen, da sie als kräftiges Beweisstück für die Güte unserer Wirtschaftspolitik herangezogen wird.
in dcn Zähren, die sie miteinander unter einem Dache wohnen. Und der kluge, herzensarme Verlobte, dem die zärtliche Liebe zu dem Bräutchen aus den Augen sieht unb der mutig mit ihr dem arbeits- und entbehrungsreichen Leben entgegengeht, hat dem alten Fräulein auch gefallen.
ru ?um späten Abxnd sitzt die gebeugte, kümmerliche Gestalt im tiefen Sessel, in schwere Gedanken versunken.
| jährlichen Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands liefern den Beweis für das stetige Anwachsen des Katholizismus, seiner religiösen und I sozialen Tätigkeit in allen Klassen der Bevölkerung im ganzen Kaiserreiche. In Holland gab es im Jahre 1800 nur 300 000 Katholiken, keinen Bischof I und nur wenige Priester. Die Zählung von 1907 ergab 1822 000 Katholiken mit 3758 Priestern, einem Erzbischof, vier Bischöfen und 18 825 Qrvens- angchörigcn. Im Jahre 1901 verfügten die Ka- I tholiken Hollands in dem acht Mitglieder zählenden I Ministerium über drei Minister, ferner über 25 Deputierte und 13 Senatoren; außerdem zählte man 42 katholische Tageszeitungen und Wochenblätter und I 43 Zeitschriften. . Im Jahre 1800 gab es in den nordischen Ländern, wie in Dänemark, Schweden und Norwegen fast keinen Katholiken.
I Jetzt gibt cs in Dänemark 2940 Katholiken mit I 30—40 Konversionen jährlich. Von den letzten Ueber- tritten sind die des Dichters Jürgensen und des Grafen Holstein zu erwähnen. In Schweden zählt man 2800 Katholiken und inNorwege n 2500 mit etwa 100 Konversionen jährlich In den Jahren 1800 bis 1907 ist die Zahl der Katholiken in England ohne Irland, das fast ganz katholisch ist, von 120 000 auf 2180 000 gestiegen. Außerdem gibt cs 21 Bischöfe, 4166 Priester und 2071 Kirchen. Die meisten Konvertiten stellt bezeichnenderweise der anglikanische Klerus sowie die gebildete Gesellschaft. Seit dem Jahre 1899 traten zum Katholizismus über: 417 Mitglieder des Parlaments, 205 Marineoffiziere, 162 Schriftsteller, 129 Rechtsgelehrtc, 60 Doktoren der Medizin, 66 Mitglieder des Adels. Es gibt jetzt einschließlich der Irländer 82 katholische Abgeordnete im englischen Unterhaus, 41 Katholiken im Oberhaus und 20 Kronräte. Die Statistik weist in den letzten 66 Jahren durchschnittlich 10 000 Konversionen jährlich auf.
Wunderbare Fortschritte hat der Katholizismus in Aitstralien und den Vereinigten Staaten aufzuweisen. Kurzum — einem etwaigen Abfall in manchen katholischen Ländern steht eine Zunahme an Gläubigen in protestantischen Ländern gegenüber, die eine Folge des Studiums und der persönlichen Ueberzcugung sind, und nicht nur durch ihre Quantität, sondern auch durch ihre Qualität wiegen.
□ Deutschlands Stellung im Welthandel.
lieber die Stellung Deutschlands im Welthandel werden einige interessante Mitteilungen veröffentlicht:
Nach der Statistik über dcn Welthandel im bergan- I gelten Jahre nimmt Deutschland wiederum wie seit langem unter den elf wichtigsten Handelsländern die zweite Stelle ein. Es wird int Jahre 1912 nur noch von Großbritannien um 6,1 Milliarden Mark über
troffen, ist aber andererseits dem drittgrößten Handels- lanbe, den Vereinigten Staaten, um 5,1 Milliarden Mark überlegen. Ein- und Ausfuhr der drei Länder zeigen seit 1900 folgende Entwicklung: Die Einfuhr Großbritanniens stieg von 10,7 auf 15,2 Milliarden Mark, Zunahme 42 Prozent, Deutschlands von 6,1 auf 11,6 Milliarden, Zunahme 90 Prozent, der Vereinigten Staaten von 3,5 auf 6,9 Milliarden Mark, Zunahme 97 Prozent. Die Ausfuhr Großbritanniens stieg von 7,2 auf 12,2 Milliarden, Zunahme 69 Prozent, Deutschlands boit 5 auf 9,7 Milliarden, Zunahme 94 Prozent, der Vereinigten Staaten von 5,9 auf 9,3 Milliarden, Zunahme 58 Prozent. Währenh der britische Gesamthandel feit 1890 sich um 79 Prozent, der der Vereinigten Staaten um 135 Prozent gehoben hat, weist Deutschland in der gleichen Zeit eine Zunahme von 160 Prozent auf. Es hat seit langem Frankreich überflügelt, das früher int Welthandel die zweite Stelle einnahm, jetzt aber hinter Deutschland und den Vereinigten Staaten zurucksteht. Der Vorsprung, den der britische Anteil am Welthandel vor dem deutschen gr. habt hat, ist int Laufe der Jahre immer geringer beworben. Seit 1890 ist der Anteil Deutschlands von 10,8 auf 12,5 Prozent im Jahre 1911 gestiegen, während derjenige von Großbritannien von 20,2 auf 16,4 Prozent zurückgegangen ist.
Betrachtet man die Einfuhr und Ausfuhr nach den einzelnen Ländern, so ergibt sich, daß sic, entsprechend dem Gesamtanwachsen, auch gestiegen ist. ifiitt einige Staaten in Südafrika und Japan sind in den letzten drei Jahren bezüglich der,, Einfuhr aus Deutschland um eine Kleinigkeit zurückgegangen. Letztere in den drei Jahren von 113 auf 111 Millionen. Dagegen hat die Steigerung allgemein gleichmäßig eingesetzt. Nach England stieg die Ausfuhr aus
Nach einem halben Jahr haust in der Giebelwohnung ölten Hauses in der Vorstadt ein glückseliges junges Ehepaar — Lottchen und ihr Erwählter! Das ge- wutlrche Wohnzimmer mit den Rokokosesseln, den alten r>en zierlichen Nippsachen und Kissen, Decken und Bucherspindchen ist ihr eigen.
Fräulein Hallers gesamtes geliebtes Besitztum ward wre Hochzeitsgabe für das junge Paar, unter der Bedingung, jetzt zu heiraten und dort eine Wohnung zu suchen, wo Fräulein Haller int selben Hause ein Zim- mer mieten könnte. Bei den jungen Leuten wollte sie auf keinen Fall wohnen. Das ungläubige Staunen, und Sträuben des jungen Paares half nichts, ber Wille der alten Dame war unbeugsam.
3iun wohnt sie ein Stockwerk tiefer, in einem mit fremden Sachen freundlich möblierten Zimmer bei ein» suchen -.euten. Jeden Tag zur Dämmerzeit steigt sie zu per jungen Frau hinauf zu hochwillkommenem Plauderstündchen. Tas alte Gesicht hat einen friedlich strahlenden Ausdruck, eine tiefe Ruhe ist über ihr früher oft angstvoll rastloses Wesen ausgebreitet.
Mit stillen, leisen Schritten wandert sie im Raum auf und nieder. Sie schaut die Möbel und Geräte, die 'lw in liebevoll gepflegtem Zustand entgegenblickew rnntg und froh. Sie nickt ihnen zu: Ja, der Entschluß war wohl erst schwer, es war doch immer eine Trennung. Aber es war das Beste so.
Und wenn die junge Frau ihr wieder und wieder kann es eigentlich noch gar nicht begreifen" unb bie welken Hände küßt, bann sagt bas alte Frau« fein mit stillem Lächeln: „Mein liebes Kind, ich bin glücklich so. Ich sehe meine Sachen, die ein Stück von mir sind, in liebevoller Obhut. Alles ist zusammengeblieben und wird es bleiben, das gibt mir ein tiefes Ruhcgcfühl. Ich kann jeden Tag abberufen werden und ich kann nun leicht unb ohne irdische Sorge gehen. Ich bin zufrieden bei den fremden Sachen unten und habe ja auch den Dompfaffen unb die Blattgewächse behalten," fügt sie mit fast schelmischem Lächeln hinzu.
„Laß mir für den Rest meiner Tage dies freie, ruhige Gefühl, um doch nicht die Letzte sein zu müssen!"
I sic, pflegte cs ordentlich, und dann — bann würden I doch Fremde darin kramen unb wühlen. Alles würde auseiuauderpcr ssen, ohne daß jemand wüßte, baß jeder Gegenstand doch seine Seele, feine Sprache habe, daß er erzählen konn- unb inneren Wert habe., Immer hastiger geht die kleine Gestalt hin und her. Run ist es jchon dunkel. Und die Unruhe bedrückt sie sehr. Mit zitternder Hand steckt das geängstigte Fräulein die vampe an und läßt den geliebten grünen Schirm darüber gleiten. Sie atmet doch etwas auf, als der milde Schimmer durch den Raum flutet, so beruhigend, so tröstend.
Alles aber scheint ihr zuzurufen: „Weißt du noch?" — „Denkst du daran?" — „Wir gehören zu dir!" — Wir haben alles gemeinsam erlebt!" —
Die kleine Gestalt hat sich müde in den tiefen Sessel geschmiegt und stützt das Haupt in die Hand. , Traurig unb besorgt schweifen die alten Augen durch das Zimmer, und die Gedanken wirbeln hinter der welke,i Stirne.
Ach, wie ist es schwer, die Letzte zu fein! — Man muß bann gleichsam einen Abschluß machen, während sonst Besitz und Wirken leise aus einer Hand in eine geliebte andere Hand gleitet zu pietätvoller Verwaltung und Wertschätzung. Aber bei ihr! Niemand gehört zu she,.steht ihr so dem Herzen und dem Blute nahe, daß fte über den Verbleib ihrer kleinen Schätze beruhigt die Augen schließen könnte. Aber sie muß einen Ausweg finden, sonst ist die friedliche Ruhe ihrer alten Tage einfach dahin.
Sie sinnt unb sinnt.
Ist niemand, der ihr wert ist? O doch, der alte Doktor und ein paar Jugendbekannte unb — Lottchen Stakl.
Lottchen Stahl ist ein liebes junges Mädchen, das mit der alten Mutter oben im Hause wohnt. Lottchen ist Telephonistin und kommt in freien Stunden öfters zu Fraulein Haller herunter, um in ihrer ernsten und innigen Art mit der alten Dame zu plaudern und von ihrer Liebe zu erzählen. Lottchen ist mit einem jungen Kaufmann verlobt, der wie feine blonde Braut ebenfalls ganz ohne Vermögen ist.
.. Nun sind die beiden seit einem Jahre verlobt unb müssen mit der Hochzeit warten, bis sie eine bescheidene kleine Ausstattung erspart haben. Wann das sein wird? Daran wagen sie kaum zu denken, da es in traurig weiter Ferne zu liegen scheint.
.Wie die Gedanken Pauline Hallers Bei dem jungen Mädchen angelangt sind, gibt cs dem alten Herzen ordentlich einen Ruck.
Wenn —? Lottchen ist ihr wirklich lieb geworden
, Die Letzte.
Skizze von Mary Holmquist.
isräuleiii geht auf weichen Hausschuhen im gemütlichen Zimmer auf unb ab.
Die frühe Dämmerung des Dezembertages ist schon beremgebrochen unb hüllt bie Stube in feine, graue Schleier em Der Dompfaff im Bauer hat sich schon auf sein Schlafeckchen auf ber obersten Sprosse zurück- gezogen und blinzelt mit müden Aeuglein nach feiner Pflegemutter, die da auf- und niederwandelt
Immer um diese Zeit, ehe sie bie altmodische Petro- leum-Stehlampe hervorholt, um sie zur Abendlektüre leuchten zu lassen, macht sich Fräulein Pauline Haller auf diese Weise Bewegung. Ihr „Abendspaziergang" bte große Wohnstube entlang ist ihr zu einer Gewohnheit ihrer einsamen Tage geworden, feit sie ihrer Kränklichkeit halber nur noch bei fchönem, warmem Sonnenwetter ausgehen darf. Und heute schnaubt unb faucht es um das HauS, daß das Daheimbleiben nicht schwer fällt.
Leise tickt die alte Uhr, im Ofen summt und knistert es geheimnisvoll, unb langsam toanbert bie kleine, dürftige Gestalt des alten Fräuleins auf unb ab, kaum hörbar.
Still, heimlich, traut ist's im Raum. Die Möbel einer vergangenen Zeit sehen so bertrauenertoedenb unb bieder drein, ernste Männer und sentimental schmachtende Frauen schauen aus ihren Goldrahmen von den Wänden herab in die Dämmerung. Im Spiegel blinkt schon der Widerschein einer draußen frühzeitig ange- steckten Straßenlaterne auf, und der helle chinesische Wandteller schimmert aus dem Halbdunkel wie ein freundlicher Mond hernieder.
Poll dem Veilchenstrauß am Fenster, den der alte Freund Doktor heute mitgebracht, zieht ein sehnsuchts- hotter Tust durch das Zimmer, wie ein schwerer Seufzer uac6 Kindheitsglück und Lebensfrühling.
Die Palmen und grünen Blattgewächse neigen ihre SBebcl über das Gläschen mit den dunklen Blütenkin- bern, als wollten auch sie den wehen Duft einatmen.
yraulein Haller ist in tiefes Sinnen versunken.
ürnrner, wenn sie ihren Dämmerungsgang macht, kommen Gedanken und Erinnerungen mit besonderer Macht über sie.
Sei jedem Möbel, jedem Gegenstand, an dem sie voruberkommt, den ihr Auge streift, steigt die Vergangcn- peit empor, quälend oder lächelnd. Wie liebt sie all ihre Sachen, wie hangt sie an jedem Stück, hängt doch ein jedes unlösbar mit ihrem Leben zusammen.
, Wie glücklich ist sie, all ihre Schätze so traulich beieinander zu haben, sich jeden Tag neu über alles freuen zu dürfen!
A Fortschritte des Katholizismus.
Die Freiburger „Liberte" veröffentlichte kürzlich einen tntereffanten Artikel über die Fortschritte des Katholizismus in den Ländern, die noch am Anfänge des vorigen Jahrhunderts feinem Einflüsse fast gänzlich entzöge» waren. Es handelt sich dabei vor- iutegettb um Staaten, welch? sich zur Zeit der Reformation ganz oder teilweise von der katholischen Kirche getrennt haben.
Wir entnehmen dem Aufsatze folgende Daten: d" Schweiz ist die Zahl der Katholiken von 9.0 000 im Jahre 1850 auf 1590 000 in unseren Tagen gestiegen. In Deutschland gab es im z»ahre 1800 kaum 10 Millionen Katholiken, im ^vhre 1904 zählte man deren 20. In allen Teilen
Landes entstanden neue Kirchen und Pfarreien, hauptsächlich aber in den Großstädten. In Berlin haben sie sich seit einigen Jahren vervielfacht. Die
In der Stadt schimpft die Sozialdemokratie in einem fort über die Preise und die Produzenten der Lebensmittel. Insbesondere wütet sie fortwährend gegen den Schutzzoll, weil dieser die Preise der Lebensmittel erhöhe. Infolge dieser fortgesetzten Hetze- rei ist die Sozialdemokratie bei den Bauern in einen ziemlich üblen Ruf gekommen, denn die Bauern sind die Produzenten der Lebensmittel und sie müssen voM-Verkauf ihrer Produkte leben. Trotzdem sucht die Sozialdemokratie auch die Bauern für ihre Partei zu gewinnen. Wie fängt sie das nun an? Ihre Schimpferei gegen dcn Schutzzoll und die Lebens- mittelpreisc kann sie nicht leugnen, und um an dieser unangenehmen Tatsache vorbeizukommen, behauptet sie keck und dreist auch bei den Bauern: „Auch für euch Bauern ist der Schutzzoll nur von Scha- d e n." Nun begreife mal einer diese Logik! Also den Arbeitern wird gesagt, daß der Schutzzoll die Preise der landwirtschaftlichen Produkte erhöhe, und den Bauern, also den Verkäufern der landwirtschaftlichen Produkte, sagt man, daß sie nur Schaden durch den Schutzzoll haben. Nach dem famosen Ge- dankengaim der Sozialdemokratie müßte man also folgende Schlußfolgerungen ziehen: Der Schutzzoll erhöht die Preise der landwirtschaftlichen Produkte — die Bauern erhalten als Verkäufer dieser Produkte infolge des Schutzzolls bessere Preise — ohne Schutzzölle wären die Preise bedeutend niedriger — die Schutzzölle sind ein großer Schaden für die dauern — der Bauer steht sich am b est e n, wenn die Preise möglich st niedrig sind und er möglichst wenig verdient. Wahrlich, einen prächtigem Doktor Eisenbart kann man sich nicht denken. Und dieses famose Rezept sucht der rote Quacksalber allen Bauern als das einzig richtige anzupreisen. Denn wenn die Sozialdemokratie sich auch immer nur gewisse Zölle für ihre „Beweise" heraussucht, so ist sie laut Programm doch gegen al le Schutzzölle, gleichviel welcher Art, selbst wenn die Schutzzölle ausschließlich denklcinenBauern zugute kommen würden.
Der rote Doktor Eisenbart will aber auch die Existenzgrundlage des Bauernstandes kurieren. Die Existenzgrundlage ist für den Bauern der Grund und Boden, wie für den Arbeiter seine Arbeitskraft, für den Kaufmann sein Geschäft, für den Industriellen sein Unternehmen. Würde nun vielleicht die Sozialdemokratie dem Arbeiter, dem Kaufmann, dem Industriellen sagen: Ihr steht euch am besten, wenn eure Existenzgrundlage nichts wert ist? Das tvürde sie gewiß nicht riskieren, denn sie würde dann kicher den Rat bekommen, solche Scherze lieber im Irrenhaus vorzutragcn. Die Bauern aber hält die Sozialdemokratie wieder für dumm genug, sich beit Unsinn Vorreden zu lassen: „Für euch Bauern 'st es am besten, wenn eure Existenzgrundlage m ö g- lichst wenig wert ist." Sonst behauptet die Sozialdemokratie in ihren städtischen Versammlungen immer: „Wie sehr die Zölle den Landwirten nützen, sieht man an der steigenden Rentabilität der landwirtschaftlichen Unternehmungen, was auch in dem steigenden Wert der landwirtschaftlichen Unternehmungen zum Ausdruck kommt. Die Steigerung des Bodenwertes ist das beste Zeichen für die Rentabilität." Wiederum eine köstliche Logik. Nach dem sozialdemokratischen Gedankengange müßte es also bei den Bauern heißen: die Schutzzölle steigern die Preise der Produkte — dies erhöht die Rentabilität der Landwirtschaft — dies zeigt sich in der Wertsteigerung der landwirtschaftlichen Unternehmungen — die Rentabilität und die Wertsteigerung ist für bte Landwirtschaft ein Unglück — jede Preiserhöhung
der Produkte bewirkt auch eine Preiserhöhung des Bodens — jede Preiserhöhung ber Produkte ist für die Landwirtschaft ein Unglück — die Landwirte stehen sich am besten, wenn sic möglichst niedrige Preise erhalten, wenn ihre Wirtschaft möglichst unrentabel ist und wenn ihre Existenzgrundlage möglichst wenig wert ist.
Man stelle sich einmal vor, jemand würde zu einem Kapitalisten oder zu einem Haus- und Grundbesitzer sagen: „Dein Geld oder dein Haus ober dein Stück Land ist für dich nur eine Last. Es wäre für dich viel besser, wenn dukein Besitztum hättest. Ich will dir deshalb den Gefallen tun und dir deinen Besitz abnehmen." Jedermann würde sich für dieses menschenfreundliche Angebot gewiß herzlich bedanken. Dcn Bauern aber macht unser roter Doktor Eisenbart allen Ernstes solche Vorschläge. So hieß es z. B. in der sozialdemokratischen „Neuen Zeit" (1912. Nr. 17): „Den bedrängten Kleinbauern kann nur auf dem Wege der Aufhebung des Privateigentums Hilfe gebracht werden. Das freie Eigentum ist den: Bauern eine Quelle steter Sorgen und Plackereien!" Nach diesem tiefgründigen Satz wäre also der Besitz und das Eigentum für die Bauern nur eine unglückliche Last, von der sie möglichst bald befreit werden müßten. Fürwahr, der S Doktor Eisenbart wird hier von seinem roten
•olger bei weitem übertroffen.
Aber cs kommt noch schöner. Denn nach der Meinung unseres Doktor Eisenbart wäre es für den Bauern am allerbesten, wenn er überhaupt vollständig zugrunde ginge. Die großen Führer der Sozialdemokratie, wie Marx, Liebknecht, Engels, haben cs oft genug ausgesprochen, daß unser | Bauernstand durch die ausländische Konkurrenz ruiniert werden müsse. Nur der Schutzzoll konnte den Bauernstand vor diesem Ruin bewahren. »Das amerikanische Getreide expropriiert (enteignet) den Bauern und stößt ihn ins Proletariat hinab", sagte Liebknecht. „Es ist noch übergenug Steppen- lanb vorhanden, um den ganzen europäischen großen Grundbesitz zu ruinieren und den kleinen (!) obendrein", sagte Engels. „Die Handelsfreiheit beschleunigt die soziale Revolution", sagte Marx. Trotzdem aber erdreisten sich die roten Bauernfänger, auf dem Lande den Bauern varzuschwindeln, daß der Schutzzoll immer nur von Schaden für sie gewesen sei. Hier- I nach hätten wir also schließlich noch folgenden famosen Gedankengang: Die schrankenlose Auslandskonkurrenz mußte unfern Bauernstand ruinieren — ber Schutz- I »oll konnte diesen Rum verhüten — ber. Schutzzoll toar von jeher ein Schaden für den Bauernstand — I es war ein Schaden für den Bauernstand, daß fein Rum verhütet wurde — der Bauernstand steht sich am besten, wenn er zugrunde geht.
In solchen Pferdekuren besteht also die „Heilmethode" des roten Doktor Eisenbart. Jedenfalls haben seine Rezepte das eine für sich, daß sie unfehlbar wirksam sind, denn auf jeden Fall bringen fte den Patienten um und befördern ihn auf schnellstem Wege in eine besseres Jenseits.
; * Der rote Doktor Eisenbart.
Hat schon einer mal sagen hören, daß cs einem Menschen dann am b-ftcn g.nge. wenn er möglichst wenig Geld reibter.f?, ober daß die Existenz bann am gesichertsten wäre, wenn die Grundlage der Existenz möglichst wenig Irrrt wäre! Man würde darüber lachen und sag-n, tit: Mann, der so etwas behaupte. gehöre ms Tollhaus. Und doch gibt es eine große Partei in Deutschland, die derartige Tollheiten allen Ernstes der Menschheit vorzurtzden sucht. Allerdings mit Unterschied. Ihren Anhängern in der Stadt wird die Sozialdemokratie cs nicht vorzu- flunkern wagen, daß ihre Lage dann am besten wäre, wenn ihr Einkommen möglichst gering wäre; da würde sie schön ankommen. Aber die Bauern halt die Sozialdemokratie für dumm genug, um ihnen solchen Unsinn vorzureden.
Hier der liebe alte Schreibsekretär, noch vom Großvater her: die Sessel mit den verblichenen Rokokoszenen auf den Polstern sind von ihrer Mutter, ein Geschenk Ber Prinzessin *** zur Erinnerung an die Hofdamen- geit. Ach, die lieben alten Sachen! Und dann die, an bercn llnBIicf sich ein nie zu verwindender Schmerz Bef» te., die sehnende Erinnerung an die teuersten Verlorenen. Aber sie möchte nichts missen. Auch die neueren Sachen machen ihr Freude, die sie sich selbst angeschafft hat, oder die Freundeshand ihr schenkten! ^<16 wunderschön ist ihr grüner Lampenschirm, den sie nachher wieder Überhängen wird!
Und das herrliche Bild da oben, die Meeresküste im , andschein. Und ist die kleine Porzellankatze nicht fünft» lertfaj vollendet in der Geschmeidigkeit ihrer Glieder?
Unb dies seidene Deckchen in seinem blassen Silber- grau mit gemalten Veilchen darauf! Nein, wie sind ihre Sachen alle so hübsch!
„ Das alte Gesichtchen lächelt glücklich und die welken Hande streicheln liebevoll über Tische und Kissen. Aber fte jchont auch alles und hält es so nett und sauber! Sie will alles in Ehren und sich zur Freude halten; sie ist dankbar, daß die Sachen in ihre Hände kamen. Ja, fte fatnen von Vorfahren in ihren Besitz oder fonslwie, und sie sind nun ihr Eigen. Ihr Besitztum.
Sie gingen von Hand zu Hand, bis sie ihr Eigen waren — und--
Tas alte Fräulein bleibt plötzlich stehen. — Von »anö zu Hand. — aber, — zu wessen Hand sollen sie *k^, e nicht mehr ist? — Oft, heimlich ist ihr <,r<cFr,a tc Gedanke schon aufgestiegen, aber (^1160. schnell hat sie ihn unterdrückt. Sie will sich ti)rc <age nicht durch unnütze Gedanken verderben. »5' beule lassen sie sich nicht verjagen. Sie hat fiil rief;merken und fühlt sich matt. Kommt eS daher, öaj5 Cs.- sich wie eine schwere, dunkle Hand auf ihr Herz !• <." :c der Gedanke atemlos macht: „Was totrb „dann aus meinen Sachen? Den schönen Sa- d;en? Alles, worüber ich so glücklich bin, wo bleibt es? ^ar7, n,l.r llh, keme Hand, in die ich sie legen könnte." pauhne Haller hm keine näheren Verwandten mehr. Sie ist die Letzte.
llnd dies Gefühl, das Endglied einer Kette -u fein, rft :hr nie so quälend aufgeftiegen wie eben jetzt. Hinter ihr. nach ihr ist nichts. 1 v %
„Es tji ja vielleicht erleichternd, zu wissen, man läßt durst w:n Scheiden von der Welt keine gebrochenen, verzweifelten Menschenherzen zurück, aber so — diese -.cere ffies Nichts! Ihre paar Freunde .oürden sie ja wohl eine Weil' vermissen, aber dann wäre das auch tiocoet. Abe- tfnie Sacken, lieber jedes Stückchen wachte
**Das Lügensystem der portugiesischen Freimaurer-Republik.
Francis Mac Cullagh ist einer ber tüchtigsten englischen Zcitungsjournalisten der Gegenwart. W. Steab, der bei der „Titanic"-Katastrophc umgekommene Herausgeber ber „Review of Reviews", hat ihn ben „größten Kricgskorresponbenten unserer Zeit" genannt. Nachdem Mac Cullagh seit einer Reihe von Jahren bie kriegerischen und andere wichtige politische Ereignisse aus nächster Nähe verfolgt hat, studiert er fetz an Ort und Stelle die kritische Lage, in der sich die portugiesische Frcimaurcrrepublik windet. Sein Urteil, das er in den „Daily News" ausspricht, ist für das schmachvolle Treiben der Portugiesischen Machthaber geradezu vernichtend. Er weist nach, daß die Lüge den republikanischen Ministern zur Gewohnheit geworden ist.
Als nach ber Revolution Ordensleute unb Geistliche in Lissabon verhaftet wurden, begründete die Regierung diesen Akt reiner Willkür durch eine offizielle Mitteilung, wonach die betreffenden Personen von einem Kloster herab Bomben auf bie Truppen ge- schleubert hätten. Es konnte indes leicht festgestellt toerj den, daß das betreffende Gebäude völlig unbewohnt unb geschlossen war. Damals erklärte auch Assonso Costa feierlich, unter bem Jesuiten-i kolleg in Campolibe gebe es weitverzweigte unterirdische/ Räume, was ebenso glatt erfunben ist. j
Nachdem es auf der Insel Trimor zu Reibereien; zwischen holländischen unb portugiesischen Truppen ge»' kommen war, erklärte ber portugiesische Minister beS- Aeußern in ber Kammer, ber holländische Minister habe ! wegen des Zwischenfalles um Entschuldigung gebeten.! Sofort wies letzterer nach, daß der portugiesische Staats-; mann grob gelogen habe. Im verflossenen Aprift behauptete der Direktor des Lissaboner Gefängnisses' Zeniteneiaria in einem Brief an die „Times", die ihnft anvertrauten Gefangenen seien die ersten, um gegen; die Beschuldigungen, daß man sie grausam behandle, zu protestieren. Zur selben Zeit gelang es einem j der betreffenden Gefangenen, Don Jose de Masearen-: haS, eine ergreifende Schilderung der dortigen ent«i festlichen Zustände an die Außenwelt zu bringen.;
In der schamlosesten Weise wird das Briesge-- heimnis verletzt. Voriges Jahr wurde der! frühere Minister des Aeußern unter der Monarchie,« Josä de Azenebo Castello Branco verhaftet, einzig unb allein auf Grunb eingeschriebener Briefe an bie Abresse von brasilianischen Freunben, in denen er die Republik kritisiert hatte. Mae Cullagh schreibt: „Ich kenne kein Land auf der Welt, wo die Privatkorrespondenz so schamlos verletzt wird, wie in Portugal. In dieser Beziehung sieht es hier schlimmer aus als in Rußland unb der Türkei mitten im Bürgerkrieg. Ich könnte verschiedene englische Untertanen namhaft machen, die bereit sind, solche Tatsachen eidlich zu bezeugen . .
„Klagt man die Regierenden an, in San Thomä die Sklaverei zu erlauben, so versickern sie sofort, nicht nur seien bie angeblichen Sklaven so frei wie bie Schriftsetzer in Lonbon, fonbern es sei gerabe heute — ein auffälliges Zusammentreffen — eine Aborbnung von Angestellten aus San-Thomä gekommen, um aufs ent» chiedenste dagegen zu protestieren, daß die englische Preffe aus ihnen Sklaven macht, und mit Tränen in den Augen den Schutz des Ministerpräsidenten gegen diese erniedrigenden Anklagen anzurufen. Ucbt man Tadel an ihrem Vorgehen gegen die Kirche, so lautet ihre Antwort, sie kämen den Wünschen von neun Zehnteln der Bischöfe und Geistlichen entgegen. Diese Methode des unverschämten Lügens und mag sich einige Wochen bewähren, bald jedoch müssen die Augen den besten Freunden aufgehen und diese zu erbitterten Feinden werden."
Sas war der Fall mit der portugiesischen Republik. Wahrend, diese anfangs von der gesamten englischen Preise, ausgenommen die „Westminster Gazette", unb der öffentlichen Meinung begeistert begrüßt würbe, hat ftd) fett einiger Zeit bas Blatt völlig getoenbet unb ber Alycheu vor ben Tyrannen ist allgemein.
Neulich verkündete Assonso Costa feierlich, es fei 19m gelungen, das Difizit im Staatshaus-