$uföaer Zeitung
Erstes Blatt.
Donnerstag den 2* Oktober 1913
Nr. 228
40. Jahrgang
erwähnt, in
sich trennen muß- ~ :it!
Man sieht daraus, daß der Hansabund mit seiner berechneten Zweideutigkeit und Unklarheit das Ver» trauen der Rechten nicht gewonnen und das iliet- «rauen der Linken gesörderl hat. Es geht nickt mit ver hinterhalligen Taktik; Wahrheit und Klarheit muß sein!
Je? Der Hansabund
gibt wieder ein Lebenszeichen von sich. Das Direk- torium des Hansabundes beschäftig: sich in einer Er. klärung mit der Leipziger Tagung, auf welcher hervorragende Vcrtrerer von Industrie, Mittelstand und Landwirtschaft für ein Zusammengehen der verschiedenen Erwerbsständc zur Aufrechterhaltung des Schutzes der nationalen Arbeit eintraten. Die Kundgebung zeichnet sich mehr durch Länge als durch Klarheit aus.
In einem Punkt allerdings herrscht Klarheit und Entschiede heit: der alte Haß gegen den Bund der Landwirte besteht noch fort, die Ansage des Kampfes bis auf's Messer wird erneuert. Aber unklar bleibt es, ob und mit welchen andern Vertretern der Landwirtschaft der Hansabund verhandeln will, wenn er die Herren vom Bunde der Landwirte unbedingt ablehnt. U n k l a r bleibt vor allem die Stellung des Hansabundes zum S ch u tz z o l l; denn was darüber in der Kundgebung gesagt wird, ist berechnete Zweideutigkeit.
Offenbar fühlte das Tirekwrium das Bedürfnis, denjenigen Industriellen und sonstigen Gewerbetreibenden, die im Jnteresie an der Schutzzollpolitik haben, etwas beruhigendes zu sagen, um möglichst den Abmarsch zum „Kartell der schaffenden Arbeit" zu verhindern. Daher der Versuch, den Dock als Gärtner und den Hansabund als Hort des Schutzzolls hinzustellen, mittels der verklausulierten Erklärung:
„ba6 brr Hansabund unter den heutigen nationalen »nb internationalen Berhältniflen sowohl ber Industrie roie ber Lanbwtrtsckaft ben ihnen notwenbigen Zollschutz, unter Ablehnung jeber Erhöhung ber bestehenden Agranölle und des lückenlosen Zolltarif?, zu gewähren bereit ist, wie immer die politischen Parteien sich zu diesen Fragen stellen mögend
Auf den ersten Blick sieht das recht hübsch aus. Wenn man aber genauer zusieht, so merkt man die Vorbehalte und Unklarheiten, die den Wechsel wertlos machen. Das Mißtrauen wird erst recht lebendig, wenn man sich erinnert, daß die Leitung des Hansabundes früher viel weniger schutz- zollfreündlich sich ausgesprochen itnb auch die grundlegenden „Richtlinien" nicht die Aufrechterhaltung, sondern die Einschränkung der Schutzzollpolitik in Aussicht genommen haben.
Demgemäß wird denn auch von rechts und von links gleichzeitig jkritik geübt an dieser Kundgebung: sowohl von den agrarischen Gegnern des Hansabundes. als von den linksliberalen Gönnern. I
Die „deutsche Tageszeitung'" bemerkt: die Erklärung gelte nur für die „heutige n" Verhältnisse, der Hansabund werde also im entscheidenden Augenblick saaen können, die Verhältnisse hätten sich geändert: ferner spreche die Erklärung nicht von dem bestehenden, sondern nur von dem notwendigen Zollschutz, man könnte also zu geaebener Zeft behauv- ten, daß nur die Hälfte der bestehenden Agrarpille noch „notwendig" sei. — In der Tat wird nur die Erhöhung unbedingt abgelehnt, aber nicht die Ermäßigung.
Dem „Berliner Tageblatt" aber geht die unverbindliche Höflichkeit gegen die' Schutzzöllner schon zu I weit. Es meint, die Stellung des Hansabundes zur I Zollfrage werde gewiß mehr Sympathie auf der I Rechten, als auf der Linken finden, und führte wört- I sich aus:
In feinen früheren Ricktlinien drückt stck ber Hanfa- I bitnb etwas schärfer äus. Er Wrack von feinem Eintreten I für ben Abfckluß solcher Hanbelsverträae, die auf einer j gereckten Abwäauna ber lanbwirtichaftlichen und ben I gewerblichen Fnteresfen beruhen; er forbert bie Unter« I laffung aller Maßregeln, welche bie Entwicklung unterer Exportinbustrie unterbinben. Daß er barnit nichts weiter I hätte lagen wollen, als bas Forthalten an unterer I „bewährten" Zollpolitik, bas tonnte nur schwer heraus- I gelefen werben."
endjetm »glich mit Ausnahme 6er Sonn- und Feiertage. Mertel- I « - TDodjtn-Beilage: S S f S S THonctls-Beilage: - -
K Ä 'SXK’Ä I 3ttu|trierte Sonntagszeihmg | Sulbaer Ge|d)id)t,blätter
8 8 Sulbaer flctienbruckerei bi $ulba. Zemfprecher Nr. S. ss s Ziebungsliflen 6er preutzifch-fvbdeutschen Klaffen-Eotterie. — halbjährlich Laschenfahrplan. u
bin mit aam Satz zur Tür hinausgesprungc — wie ich awer in die Scheuer kam, do hatte Sie schon unfern junge Herr festgepackt un die Frucht Hot lichterloh gebrennt! Demnooch muß es doch so sein, wie unser junger Herr behaupt: er war's nit — en An- nerer Hot den Brand angelegt!"
Der Gendarm betrachtete den Sprecher mit einem zweifelnden Blick und sagte dann zu dem Bürgermeister gewendet:
„Lassen Sie die Aussage des Mannes zu Prowkoll nehmen, Herr Bürgermeister! Viel Gewicht ist Wohl ebenfalls nicht darauf zu legen, denn der Zeuge steht bei dem Beschuldigten im Dienst und ist demselben bekanntlich mit Leib und Seele ergeben. Es ist Sache des Gerichs, darüber zu entscheiden! Und sich zu dem Gefangenen wendend, der wortlos vor sich zu Boden starrte, fuhr er fort:
Also Sie beharren darauf, daß Sie unschuldig sind und bleiben bei Ihrer Behauptung, daß ein Unbekannter einige Augenblicke, vor dem Sie die Scheuer betreten haben, das Feuer angelegt hat?"
„Mein Sohn is unschuldig, so gewiß wie en Herr- ll?tt int Himmel is — zu so was is mein Ernst nit fahtg!' klang es da mit Hobler Stimme aus dem Hintergrund der Stube. Dort stand Frau Rother, bleich wie em Marmorbild, den rechten Arm erhoben — ein lebenoer Protest gegen die hier erhobene schwere Anschuldigung. „Tun Sie Ihr Pflicht und Ihr Schul- dtgkert, Herr Wachtmeister, aber des sag' ich Ihne: Wenn der Kerl, der des Feier werklich angelegt Hot, mt gefunne werd, dann sinn Sie dran schuld, weil Sie sich vom falsche Schein täusche losse! Sie hätte unbedingt die ganz Gegend hinner der Scheuer absuche müsse, so lang'« noch Zeit war! Anstatt defle hawc Sie sich druff -verrennt, daß mein Sohn unbedingt der Brandstifter sein müßt —"
„Es ist nicht Ihre Sache, Frau Rother, mir Vorschriften darüber z.i machen, was ich zu tun und zu lassen habe!" erwiderte der Wachtmeister gereizt. „Da Ihr Sohn absolut nicht eingesteht, überlaste ich alles Weitere dem Gericht und schließe das Verhör!"
„Und ich dank' dir, Mutter, daß du an mich.
wir gegen bie uns drohenden Gefahren tot Zentrum n‘ nchtet haben, ,argen wir . afür, daß der Wall nirgendwo Riffe erhält. HaU.n wir unverbrüchliche Tteue bem Zentrum. — Aus der geschlossenen Dersamntlung botn Montag heben wir eine Abrechnung mit den Ouertrei. bem hervor, die Abg. Marx vornahm. Er führte auf: In einem der Quertreiberblätter erschien ein Artikel, der es dem Zentrum als Fehler anrechnete, daß es die Rückberufung der Jesuiten und die Aufhebung der den Orden auferlegten Beschränkungen nicht zur Voraus, setzung für die Zustimmung zur Militärvorlage gemacht habe. _ Man kann es nur als Mangel jedes politischen Verständnisses bezeichnen, wenn solch maßlose, unser, nünftige Forderungen gestellt werden. Das Zentrum mußte, nachdem es die Berechtigung der Militärvorlage erkannt hatte, ihr zustimmen, unbeschadet ber Tatsache, daß die Regierung in manchen Punkten den Katholiken unrecht tut. Es durfte nicht Unrecht gegen Unrecht setzen, es durfte nicht der Obrigkeit verweigern, was ihr zu. stand. Und bann, welche Konsequenzen würde eine solche wahnwitzige Politik gezeitigt haben? ES wäre zur Reichs, tagsauflösung gekommen, und die Gegner hätten eine Parole gegen das Zentrum gehabt, die letzterem gerade, zu verhängnisvoll hätte werden müssen. Eine überaus große Gefahr liege in solcher Minierarboif, und eine schwere Verantwortung laden diejenigen auf sich, die in solcher Weise das Vertrauen zur Leitung des Zentrums untergraben und die Geschlossenheit der Partei zu spxen. gen suchen. Die Zentrumspartei muß in aller Entschiedenheit gegen ein solches Treiben protestieren. Den Ausführungen folgte stürmischer Beifall.
Deutsches Reich.
** Berlin, 1. 2kl. 1913. Der Kaiser hat zu der Hofjagd in der Göhrde für den 7. und 8. November den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand eingeladen. — Der Kronprinz und die Kron- I Prinzessin sind am Mittwoch früh über Nürnberg und Augsburg nach Immcnstadt im Allgäu gereist, von wo sie sich im Automobil zu längerem Jagdaufenthalt nach Hopsreben begeben werden — Der Reichskanzler wird sich, wie schon im Vorjahre, am Sams- I tag auf Einladung des bayerischen Prinzregenten zur Hirschjagd nach Lmderhof begeben. Aus der Durch- I reise wird der Reichskanzler wenige Stunden in München im preußischen Gesandtschaftsspalais weilen I und dem bayerischen Ministerpräsidenten von Hert- ling einen Besuch abstatten. — Zum Bundesratsbe- I vollmächtigten für Elsaß-L erbringen ist nach I Berliner Blättern der kaiserliche Ministerialrat im elsaß-lothringischen Ministerium des Innern Cronau ernannt worden. — Ter frühere freisinnige Reichstagsabgeordnete Dr. Heinrich T o h r n ist in der Nacht zum Mittwoch in Florenz im Alter von 75 Jahren am Herzschlag gestorben. — Der deutsche Veterinärrat und der Ausschuß der Preußischen Tierärztekammern haben gemeinschaftlich am 1. Oktober d. I. ein Zentralbureau mit dem Sitze in Berlin unter der Bezeichnung „tierärztliche Zentra lg e sch ä f t s st e l l e" errichtet. — Der Pool- Vertrag der nordatlantischen Dampferlinien, und zwar sowohl für den Passagier- wie den Frachtverkehr, ist gestern von der Hamburg-Amerikalinie und dem Norddeutschen Lloyd gekündigt worden. — Der Walfische l* ( -taasabg. Colshorn erklärte in einer Rede, die Welfen hätten keinen Verzicht auf Hannover geleistet und würden ihn auch nicht leisten.
4- Der nationalliberale Landtagsabgeordnete Engelsmann ist in Kreuznach im Alter von 70 Ähren gestorben. Er war einer der bekanntesten Weingutsbesitzer des Nahegebietes und wurde 1893 von seinem Heimatskreis Kreuznach-Simmern-Zell zum ersten Male in den preußischen Landtag entsandt; er bat chm bis zu seinem Tode 20 Jahre lang an- gehört und besonders in landwirtschaftlichen Fragen öfters das Wort ergriffen.
)( Mr die Erweiterung des Erbrechtes des Staates, wie es der Justizrat Bamberger in Aschersleben propagiert, wird jetzt wieder ein Aufruf versandt, der die Bestrebungen der Reichsregierung nach der Richtung unterstützen soll, die in dem Gesetzentwurf über das Erbrecht des Staates vom 28. März 1913 eingeschlagen worden ist. Die wachsende Ausdehnung der Aufgaben des Reiches mache es recht und billig, wenn im Grunde herrenlose'Erbschaften nicht mehr als unverdienter Gewinn lachenden Erben, die mit dem Erblasser nur ganz entfernt verwandt seien, zufielen, sondern dem Reiche zugewiesen würden. Diese Erträgnisse sollen indes nicht zur Deckuyg von laufenden Ausgaben, sondern zur Erhöhung des Stammvermögens des Reiches verwandt werden, also zur Tilgung der Schuld oder zur V e r st ä r- kuvg des Schatzes. — Bei den 15 Millionen, btc diese gesetzgeberische Maßnahme aünstiqenfalls — alfo, wenn erbenlose Reiche kein Testament gemacht haben, was sie denn aber ganz sicher tun werden — einbringen kann, wird diese Bewegung vom finanziellen Gesichtspunkte eine größere Bedeutung nicht erlangen können.
* Karlsruhe, 30. Sept. 1913. Die National- liberalen von Rastatt habe» aus die Entschließung des engeren Ausschitsses der nationalliberalen Partei, die Kandidatur Niederbühl, die entgegen bem Blockabkommen aufgestellt worden ist, als nationalliberale Kandidatur anerkannt und beschlosien, diese Kandidatur trotzdem aufrecht zu erhalten ' Wrr haben am Dlontag die Versammlung erwähnt, in toelcher der fortschrittliche Reickstaqsabg. Haas 'und der nationalltberale Abg. Kölblin den Rastatter Na- tionalsiberalen ins Gewtsien redeten, ihre Antiblockkandidatnr Niederbühl zurückzuzichen. Die beiden Parlamentäre mußten unverrichteter Dinge Wiede, obziehen, weil die Anhänger Niederbühls beschlosien hatten, unter keinen Umstanden in dieser Versamm» lung das Wort zu ergreifen und es infolgedesien zu keiner Aussprache kant. Die nationalltberale Partei, leitung warf nun eine weitere Sprengbombe ins Rastatter Lager, indem sie offiziell erklärte, Niederbühl nicht als naitonalliberalen Kandidaten anerkennen zu können und ihre Anhänger-zur Wahl des fortschritt, lichen Kandidaten Bogel aufiorderte. Aber auch die, ses letzte Geschoß versagte. Der nationalltberale und der jungliberale Verem Rastatt erlasien jetzt eine öffentliche Erklärun g, worin sie in scharfen Worten öffentlichen Einspruch erheben gegen das Auftreten des Herrn Kölblin und seine Ausführungen. Die Art dieses Auftretens könye bei ihnen ebensowenig Eindruck machen, als es selbst den Gegnern, wenig- stens innerlich imponiert haben mag. „Trotz Herr» Kölblins Vergehen ist und bleibt unsere. Kandidatur eine nationalliberale und wir wissen die Verantwortung für diese Kandidatur mit all dem Ernst zu tra« gen, den wir andernorts manchesmal vermißt haben." Die Kandidatur bleibe aufrechterhalten. Das ist eine glatte Niederlage der Parteileitung: Nieder-r bühl bleibt Kandidat und wird,, wenn "er die Stim-
samen Sorgen während des letzten Jahres nicht zustande gebracht hatten — das Unglück führte die Herzen von Mutter und Sohn zusammen. Stumm hielten sie sich umschlungen, bis ein ungeduldiges SÄei-- klirren sie daran mahnte, daß sie sich ten — trennen vielleicht für lange Zei
glaabst!" rief der Gefangene erschüttert und machte eine Bewegung, als wolle er sich der Mutter nähern. Mit raschen Schritten trat ihm diese entgegen und schloß ihn bewegt in die Arme. Was die gemein.
4- Von einer neuen sozialdemokratischen ,Zof- gängerei" wird aus München berichtet. Der so- zialdcnwkratische Gemeindebevollmächtigte W i t t i, 2. Vorsteher des Gemeindekollegiums, nahm an dem Imbiß teil, den der P r i n z r e g e n t von Bayern au der Oktooerfestwiese genoß und war auch Teilnehmer an der Hoftafel in der Residenz.
)( Die Einschränku"g der Zulassung der Ausländer an den deutschen Hochschulen scheint sich nach allem, was man bisher hörte, auf die Universitäten zu beschränken. Tas wäre aber im Interesse des nationalen Wirtschaftslebens sehr zu bedauern. Tenn der Kern ber Klagen gegen das Aus- länderstubium liegt boch auf dem Gebiete ber technischen Hochschule. Die Auslänber, benen wir dort unser auf dem Boden deutscher Kultur gewachsenes Wissen nahezu unentgeltlich zur Verfügung stellen, gründen mit dem ihnen von uns geschenkten Wissen in ihrem Vaterlande Fabriken und i n- duftrielle Unternehmungen, die unserer deutschen Industrie und deren Arbeiterschaft das Brot rauben. Und daneben treiben diese jungen Leute die Indnstrae-Spionage im großen, und die Exkursionen der Professoren mit ihren Schülern in große Betriebe ebnen ihnen die Wege dazu.
)( Die Pflanzungen in den Kolonien, besonders in Ostafrika, machen gute Fortschritte. Tie deutschostafrikanische Pflanzungsgesellschaft erntete an Kautschuk 5900 Kilogramm und verkaufte davon 3323 Kilogramm anfänglich bis zu 9 Mk. herab bis zu 6,40 Mk. pro Kilogramm. An Kaffee wurden 1912 verkauft 17 581 Pfund zum Preise von 1,20 bis 1,55 Mk. pro Kilogamm. Der Anbau von Baumwolle wurde bis auf die besten Teile der Caranovia- Pflanze wegen seiner Unrentabilität aufgegeben und dafür mit der Anlage einer Kaffeepflanzung begonnen. Gepflückt wurden 17 858,5 Kilogramm Cara- vonica, 11540 Kilogramm Abassi und 10 574 Upland. Verkauft wurden außer 244,5 Kilogramm aufgekaufter Baumwolle 32 Ballen im Nettogewicht von 7987 Kilogramm zum Preise von 1,25 bis 1,55 Mk. per Kilogramm und 24 Ballen im Nettogewicht von 588,75 Kilogramm zum Preise von 1,36 Mk. per Kilogramm.
** Wittlich, 29. Sept. 1913. Am Sonntag fand hier der diesiährige Zentrumsparteitag für den Regierungsbezirk Trier statt. Die rheinischen Abgeordneten waren zahlreich vertreten. — Abg. Hartrath-Trier erstattete Bericht über die reichSgesehliche Tätigkeit der Zenlrumspartei. In begeisternden Ausführungen behandelte dann Abg. Dr. Brockmann -Düsseldorf die kulturellen und ideellen Fragen, die den preußischen Landtag beschäftigen. Als ein starker Mithelfer um di- kulturellen Güter unseres christlichen Volkes empfahl Redner^ die katholische und die Zentrumspreffe, deren Unterstützung doppelte Pflicht sei angesichts der großen Verbreitung der sozialdemokratischen und kirchenfeind- I lichen Blätter. Abg. Trimborn führte zum Schluß aus: was noch zu wünschen übrig sei auf dem Gebiete I ber Freiheit der Kirche, ber Volksrechte, der Schulfrage, der Ordensfrage, der Duellfrage, und in Angelegen- I beiten der Parität könne nur erreicht werden durch den I Fortbestand eines starken Zentrums. Wenn der Lide- I ralismus mit Hilfe des Rotblocks zur Macht kommt, I Bann wirk» lein eines Ängrifssotuetl bie Schule lein. Die I Simultan sch ule ist und bleibt das Ideal des Liberalis- I mus. Gelingt die getüiie Niederringung der Sozialdemo- I fraiie nicht, bann bat bie letzte Stunde der Hohenzollern I geichlagen und grobe Umroähungen stehen bevor. Bon I einem Bewch in Frankreich turücffommenb, berichtete I Redner, wie dort noch tiefe Frömmigkeit in Familien herrsche ro e diele große Opfer |ür ihre Religion bringen, I wie aber die fatbolildie Kirche in der Oeffentticbkei nieder- | getreten fei, weil es an einer geschlossenen Ve'tretung I ihrer Interessen in ber Oeffentlichkeit fehlt. Gebe Gott, daß rotr in De tschlanb nie Aehnliches erleben; daß wir I ein starkes Zentrum behalten. Wer an ber Geschlossenheit des Zentrums rüttelt unb bas Vertrauen ber Wähler I zu den Führern erschüttert, ber ladet ein- schwere Ver- I antirortuna auf fit. Stärken wir ben Sckutzwall, ben I
Steht aus den Armen der Mutter lösend, umarmte Ernst die in heißes Weinen ausqebrochene Schwester, drückte dem alten Lcnhard die Hand und stammelte: „Leb wohl, Mutter, leb wohl, Schwester, leb wohl, du alter Treuer! Wenn's en Herrgott im Himmel gibt- dann bringt er mei Unschuld an's Tageslicht — er kann mich nicht im Stich losse!"
Tann folgte er festen Schrittes den Gendarmen nach dem von diesen bestellten, draußen vor der Türe harrenden Wagen, der ihn nach dem Gefängnis der Amtsstadt führen sollte.--->
Draußen auf dem Brandplatze herrschte noch immer ein reges Leben. Immer wieder schlugen die Flammen aus den znsammengestürzten Scheunen und leckten gierig nach den bis jetzt verschont gebliebenen Nebengebäuden, sodaß es noch stundenlanger Aufmerksamkeit der Feuerwehr bedurfte, um das Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Der Tag begann bereits im Osten -u dämmern, als endlich alle Gefahr beseitigt schien und die Leute sich nach und nach ver- • loren, tun entweder noch während einiger Stunden die entbehrte Nachtruhe nach^rholen, oder das neue Tagewerk zu beginnen.
Auch Heinrich Kayser, der mit seinen Knechten emsig beim Loschen geholfen hatte, schritt an der Seite seiner Tochter, die gleichfalls nach der Brandstätte geeilt war tmd sich, in eine der das Wasser herbeischaf- senden Ketten eingerecht hatte, seinem Hause zu.
„Wo steckt bann nur dein Mann, Klärche?" fragte er eben. „Den hab ich jo mit kaam Aage uff bem Brandplatz gesehe! Hot er dann schon im Bett gelege, wies anaefanae bot zu stürme?" ‘
Der Brandstifter.
29] Eine Bauerngeschichte au8 dem Taunus von Fritz Ritzell
( „Ich kann nix eingestebe un kann Ihne nur wid- derhole, daß alles so gewese is, wie ich Ihne gesagt hab! Daß Sie den Brandstifter nit gesehe hawe solle, des iS mir e Rätsel — kaum e Minut war jo drüber hingegange, seitdem bei bie Hinnertür hinaus is, die Sie un Ihr Kolleg herein sinn komme! Er muß Ihne begegnet sein, wenn et nit in de Bachgrabe gesprunge is — des wär die aanzig Möglichkeit —"
„Die aber sehr unwahrscheinlich ist!" unterbrach der Beamte. „Ich unb mein Kamerad, wir waren nahe genug, daß wir den Menschen hätten unbedingt sehen oder das Geräusch hören müssen, wenn er in den Graben gesprungen wäre! Ich rate Ihnen nochmals: Lassen Sie alles Leugnen und gestehen Sie!"
„Mein Bruder kann nix eingestehe, was er er nit getan Hot!" mischte sich hier Gustel in das Verhör, bie bleich unb mit weit aufgerissenen Augen am Schenktisch stand. „Fünf Minute vor dem Ausbruch von dem Feuer war ber Ernst noch hier in ber Werts' ftub - wo soll er bo uff aamol bie Wergbündel herkriegt batoe, mit bene bie Scheuer eingesteckt is wor'n? Des war en Annerer, Herr Wachtmeister — gewiß ber nämlich', der im vorige Johr aach den Heuspeicher angeftccft bot!"
„Bei Ihrer nahen Verwandschaft mit dem Beschuldigten kann ? Zeugnis nicht in Betracht kommen!" erwiderte der Wachtmeister gemessen. „Wo er die Wergbündel herbebommen hat, meinen Sie? Er kann sie ja vorher zurechtgelegt haben! Damit Helsen Sie ihm nicht heraus!"
„Awer ich kann bezeuge. Herr Wachtmeister", warf hier der alte Lenhard ein, ber gleichfalls mit in bie Stube gekommen war, „ich kann bezeuge, baß unser junger Herr, wie er noch im Hof gewese is, uff aamol laut gekrische hot: „Lenhard zu Hilf, es brennt!" Ich
men des Zentrums erhält, woran nicht zu zweifeln ist, auch gewählt. Denn er prfteut sich nicht nur in Rastatt, sondern im ganzen Lande als Präsident der Handwerker- und Gewerbevereine einer großen Popularität, und gerade in Rastatt ist die Mißstimmung gegen das jetzige nationalliberale Parteiregiment im. Lande lehr groß.
* München, l. Okt. 1913. König Otto leidet, wie ber „Bayerische Kurier" erfährt, seit längerer Zeit an Furunkeln, bie in jüngster Zeit an Häusiqkeft zu- aenommen haben. Auch zur Nahrungsaufnahme versteht sich ber Kranke noch schwerer als früher. — Im bayerischen Lanbtage sinb bie beiden Gesetzvor-
„Im Bett gelege — der Jakob?" fragte bie Tochter gedankenlos entgegen. ■ .<
„Ja. wer bann sonst? Du mußt doch wiffe, wo er gewese is!"
„Ach so — ja, dehaam war er nit! Vielleicht iS er noch im Stall gewese, wie ich fort bin!" erwidert« die Befragte.
„So — no des iz awer korioS, daß er nit uff de Brandplatz komme iS! Er ik doch bet der Feuerwehr — bo muß er Strof bezahle!"
„Do muß er Strof bezahle!" wiederholte die jung« Frau mechanisch. Ihre Gedanken weilten ganz wo anders. Sie batte gesehen, wie die Gendarmen Ernst Rother weggeführt batten, wie die Menge den Ge- fangenen mit Schmährufen überhäuft und ein heißes Erbarmen mit dem Unglücklichen war über sie getont, men. Konnte Ernst Rother des Verbrechens fähig sein, dessen man ihn Beschuldigte? Mmmerl-br! Sie hätte daraus schwören mögen, daß er unfc^l rbtg war, dafür sprachen seine wdestraurigen verachtuugS. vollen Blicke, mft welchen er die ibn Umtobenden ge' mustert hatte, dafür zeugte die Erinnerung an den gutherzigen Ernst Rother der Knaben- unb Jüng- lingsiahre, an bem aber auch nicht eine falsche Ader gewesen So konnte sich sein Charakter nicht verän- bett haben! Allerdings hatte et ihr die Treue ge» brachen, aber auch da war er ihr offen und ehrlich entgegengetreten und hatte.sie von der Unhaltbarkeft ihrer gegenseitigen Beziehungen zu überzeugen ge- sucht. Nein — einer hinterlistigen Tat war Ernst Rother nickt fähig — nie und nimmer!
„Der Jakob werd doch nit am End Widder fei Koppweh batoe?" unterbrach der Vater ihren Gedan- lengang, als sie eben am Hause angekommen waren. „Du bätt’ft doch entöl nooch ihm sehe muffe, Klärche! No — auck jetzt emol nooch ihm —ich leg mich noch sor e Stund uff's Ohr!"
Mit diesen Worten öffnete der Alte die Tür und schritt nach seinem zur ebenen Erde gelegenen Schlafzimmer. während die junge Frau die Treppe nach ihrer, in dem ersten Stock gelegenen Wobnung empor, sttea-
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