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2. Blatt.

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5ut8aer Teilung. *** Mittwoch t Gttoder 1915.

[] Handwerk «nd Einjährigen- Berechtigung.

n Ti« Einrichtung be? .inmhria-lreiwilligen Mi- itrrdienstes, die im wesentlichen an den Besuch be- timmter Schulen oder an die Ablegung einer genau estgelegten Prüfung in den Lehrfächern der höheren Schulen vor einer besonderen Kommission geknüpft ist, hat schon mancherlei Vorschläge zu Abänderungen und Verbesserungen erfahren. Es ist nicht zu ver­kennen, daß die gewohnte Foru' sich der modernen Entwickelung mancher Betriebs- und Ausbildungs­zweige mehr anpassen könnte, als sie es tut.

Bekanntlich kann auch heute schor» jungen Leuten, die in ihrem Fache eine besonders hervorragende Lei­stung vollbringen, sei es als Künstler, Handwerker oder sonstwie, die Berechtigung zum einjährig-frei­willigen Militärdienst verliehen werden, ohne daß sie den üblichen Bildungsgang durchgemacht haben. Es ist nun von mehreren Körperschaften ersucht worden, diese Möglichkeit zu erweitern oder die Vorbedingun­gen zu dieser ausnahmsweise erfolgenden Verleihung zu ändern, eventuell selbst Einfluß darauf zu gewin­nen. Bekannt sind die erfolglosen Bemühungen der Turner, die abgewiesen wurden, weil eine hervorra­gende körperliche Tüchtigkeit, so schätzenswert sie auch sei, nicht die Vorbedingung für den einjährig-frei- wiillgen Militärdienst sei, sondern daß dafür auch ein gewisses Maß von Kenntnissen und allgemeiner gei­stiger Bildung unbedingt nötig und erforderlich fei.

Auch das' deutsche Handwerk hat verschiedentlich Wünsche auf Abänderung geäußert. Die Geschäfts­stelle des Deutschen Hdndwerks- und G e- werbekammertages hatte dem preußischen, bayerischen, sächsischen und württembergischeu Kriegs­ministerium seine Wünsche in einer Eingabe unter­breitet, und eine Reihe von Vorschlägen gemacht na­mentlich über die Auslegung des Begriffes „h e r- vorragende Leistun g", für welche die Be­rechtigung zum Einjährigendienste verliehen werden kann. Zu diesen Anregungen hat das preußische Kriegsmintsterium in einem Bescheide Stel­lung genommen. Darin wird ausgeführt:

Eine nach den Begriffen des Handwerks einwand« freie und saubere Arbeit kann als ausreichend für di« Zulassung nicht anerkannt werden, da eine solche Arbeit von jedem fachgemäß ausgebildeten Arbeiter verlangt werden muß. Durch die betreffende Bestimmung der Wehrordnung ist aber nicht beabsichtigt, alle Arbeiter zur erleichterten Prüfung zuzulassen. Es muß daher dem pflichtmLßigen Urteil der Ersatzbehörden dritter Instanz in jedem einzeln en Falle überlassen bleiben, ob eine Arbeit als herv orrag end im Sinne der Bestimmung der Wehrordnung anzusehen ist od«r nicht. In erster Linie bilden hierbei die Regierungs« und Glwerbeichulräte, nötigenfalls auch das Land­gewerbeamt und die Handwerkskammern die beratenden Stellen. Ein« einheitliche Regelung dieser Frage ist bei der Verschiedenartigkeit und der großen Anzahl der ein­zelnen Beruiszwe!ge nicht möalich.

Die Vertretung des Handwerks hatte beantragt, daß in jedem Falle die betreffende Handwerkskammer zur Beurteilung der Leistungen des Bewerbers um die Berechtigung zum Einjährigendienst herangezogen werde. Das ist nicht zugesagt worden, das Kriegs­ministerium hat sich nach dieser Richtung freie Hand gesichert, bietet aber immerhin die Möglichkeit, daß die Kammern herangezogen werden. Die vom KriegL- miuisterium erteilte Antwort beruht zweifellos auf einer Verständigung mit den anderen Kriegsministe­rien, denn das sächsische Kriegsministerium hat sich dem Bescheide des preußischen angeschlossen. Das bayerische Kriegsministenum bat erwidert, daß es in der Frage, ob eine Arbeit im Sinne der Wehr­ordnung als hervorragend anzusehen sei, im Einver­nehmen mit dem Staatsministerium des Innern von dem bisher eingenommenen Standpunkte nicht abzu­gehen vermöge, daß die Entscheidung für jeden einzel­nen Fall dem pslichtmäßigen Urteil der Ersatzbehör­den dritter Klasse überlassen bleiben müsse.

, Lokales.

Fulda, 1. Oktober 1913.

L Versetzt wurde vom 1. April u. Js. ab der königliche Landmesser Bünnecke von Treysa nach Fulda.

Fr. Tie Krankenkaflennnsschußwahl hat, wenn diese Zeilen unseren Lesern vorliegen werden, schon be­gonnen. Die Wahlzeit von 5 bis 9 Uhr abends ist so gelegt worden, daß alle Versicherten, Dienst­boten, kaufmännische Angestellte ufro., nach Beendi­gung ihrer TageSarbeit wählen können. Die günstige Wahlzeit sollte aber auch von allen Wahlberechtigten fleißig ausgenuht werden. Die Dienstherrschaften wollen ihren Dienstboten Zeit und Gelegenheit zur Ausübung ihres Wahlrechts geben und sie dazu an­halten; ist doch der Ausfall dieser Wahl von beson­derer Wichtigkeit für die Verwaltung der Kranken­kasse und der übrigen Versicherungsträger. Es wird bei dieser Wahl auch auf eine rein sozialdemokratische und aus eine mit sozialdemokratischen Gewerkschaftlern durchsetzte Liste gewählt werden. Die Liste des Zwölferausschusses nämlich enthält mehrere sozialdemokratische Gewerkschaftler, auch ist diese von einem solchen unterzeichnet worden. Derselbe figuriert auch in der sozialdemokratischen Liste ziemlich an erster Stelle als Vertreter, steht an der Spitze eines sozialdemokratischen Verbandes und hat sich schon seit Jahren in Fulda im Sinne der sozialistischen Gewerkschaften betätigt. Diese Tatsache beweist zur Genüge, daß sich der Soziale Ausschuß für Fulda und Umgegend bisher mit vollem Rechte gegen die Sonderbündelei des Zwölferausschusses, die doch nur die Position der Sozialdemokratie in Fulda 1 zu stärken geeignet ist, gewendet hat. Zur Stärkung der Sozialdemokratie hätten die an der Spitze des Zwölfer­ausschusses stehenden katholischen Männer wirklich I keinen Grund. Die Sozialdemokratie kann sich freuen, daß ihr hier von christlichen Männern in blindem Eifer solche Pionierarbeit geleistet wird. Möge vorstehende Tatsache, die eine schlagende Antwort auf tue durch Flugblätter verbreiteten Behauptungen 1 des Zwölftrausschusses sind, für alle christlich ge­sinnten Wähler ein Warnungsz-'chen sein, sich vollzählig an der Wahl zu i>#Lr.Ttigen uns nur einen Stimmzettel mit der Zrffer 3 abzu­geben. Es ist das der Stimmzettel trit Sozialen Ausschusses für Fulda und Umgegend, dem 10 katho­lische Standesveceme und 6 christliche Berufsverbände angejctiloflen sind.

* Der heutig« 1. Oktober Bringt wiederum eine ganze An^-chl rar. Gesetze n, B e st i r.t nt u n g e n und sonstigen Veränderungen, die für einzelne ErweÄ«gecstr:, prm Teil auch für dm Allgemeinheit von ^evnrhing sind. Da ist e’ zunächst die Aende- rtmg des R e i ch ü si e m p e l g c s? tz? s, das in der neuen Fassung vom 3- Juli h I GriNiNg erhalt und in 6wen Paukten twn bm bisherigen Bestimmungen MdWeiA. Die Beamten der

Reichspost treten in den Genuß der vom Reichs­tage bewilligten Gehaltsaufbesserungen, und für die Veteranen gelten ebenfalls günstigere neue Be­stimmungen über den Bezug der Beihilfen. Weit­gehend sind ferner die Aenderungen in der Organi­sation des stehenden Heeres, bei dem die Auf­stellung zahlreicher neuer Truppenteile erfolgt, die wieder die Versetzung einer Anzahl bereits bestehen­der Formationen notwendig macht. Hierzu gehört auch der großzügige Ausbau des Luftflottenwesens, das wesentlich verstärkt und neu organisiert wird. Die Angehörigen der Marine erhalten von jetzt an eine freie Urlaubsreise in jedem Jahre zum Besuch der Familienangehörigen; gleichzeitig treten auch die ver­änderten Bestimmungen der Friedens-Sanitätsord- nung in Kraft, wonach die Beförderung von verstor­benen Angehörigen der Armee in die Heimat auf Wunsch kostenlos erfolgt.

i!) In den „Mitteilungen des Deutschen und Oestcrreichifchen Alpruvereins" CJir. 18) lesen wir in einem Nachruf auf den verstorbenen ersten Vorsitzen­den der Sektion Fulda, Herrn Justizrat (Segenbaur folgendes:

Er war ein Mann von herrlichen Gesinnungseigen­schaften, ein begeisterter Anhänger und gründlicher Kenner der Alpen und ein einsichtiger und liebens­würdiger, langjähriger Vorsitzender, dessen Andenken die Sektion hoch in Ehren hallen wird. Auf dem Grat der Weißen Wand, über den der Fuldaer Weg vom Arhnlal in das Rheintal führt, steht als Stiftung des zu früh Verstorbenen ein Kreuz, das Zeugnis gibt von sei em tief religiösen Empfinden. Ein dauerndes Denkmal Hai er sich auch in den Herzen der Seltwnsmitglieder gesetzt und darüber hinaus auch bei allen Alpinisten, die ihn gekannt haben.

0 Die Dre-dner Bank macht durch Anzeige im heutigen Inseratenteil bekannt, daß ihre hiesige Niederlassung jetzt: Dresdner Bank, Filiale Fulda firmiert.

(!) Beim hiesigen Feldartillerie - Regiment Nr. 47 sind heute 25 Einjährig-Freiwillige em- getreten. In den beiden Vorjahren betrug die Zahl 17 und 1910 mir 12.

W Die Postschalter werden vom 1. Oktober ab erst um 8 Uhr vormittags geöffnet; ebenso nimmt der Fernsprechverkehr erst um 8 Uhr seinen Anfang

? Der Oktoberumzug hat in diesem Jahre sehr großen Umsang angenommen und schon in den letz­ten Tagen der vorigen Woche begonnen. Fast in allen Straßen sieht man Möbelwagen und Handwagen stehen, die mit Hausgerät beladen oder schon entladen werden. Das Wetter meint es mit den Umziehenden gut.

A Jubelfeier der Turngemeinde Fulda. Am 12. Oktober veranstaltet die Turngemeinde in den Stadt­sälen aus Anlaß ihre^ 65jährigen Bestehens, ver­bunden mit der Feier des Tages der 50jährigen Wiedergabe der alten Turnerfahne, eine größere Fest­lichkeit Die Turmgemeinde labet zu dieser Feier alle Freunde und Gönner des Vereins herzlichst ein. Die Turttgemeinde Fulda blickt bekanntlich auf eine ereignisreiche ruhmvolle Geschichte zurück. In zahl­reichen wichtigen Augenblicken unserer Stadtgeschichte haben ihre Mitglieder eine wichtige Rolle gefielt. In den Jahren 1848, 1850 und 1866 übernahmen sie den Mach- und Patrouillendienst; in 1870=71 dien­ten sie als Samariter dem Vaterlande durch Trans­port und Pslege der Verwundeten. So hat der Ju­belverein ein Anrecht darauf, daß feinen großen Ver­diensten um das öffentliche Wohl die gebührende Wert- schätzuna zuteil wird.

A Die amtlichen Wettervoraussagen werden von heute ab nicht mehr öffentlich bekanntgegeben. Doch kann man sie gegen Bezahlung auch im Win­terhalbjahr durch die Post beziehen.

Q Jagdkalender für den Monat Oktober. Hat uns der September mit dem Beginn der Hühnerjagd die Einleitung zu den mancherlei jagdlichen Freuden des Herbstes gebracht, so gestaltet sich das Programm im Ostober wesentlich abwechfelungsrcicher und man­nigfaltiger. Besonders in gemischten Revieren mit Feld, Wald, Wiesen und Wasser kann der Waidmann, der über die nötige Zeit verfügt, jetzt manchmal mit sehr bunter Strecke heimkehren. Mit Ungeduld wird der 1. Oktober von den Gekegenheitsjägern erwartet, die nicht über ein eigenes Revier verfügen, zumeist auf Einladungen angewiesen sind und für die der Hase das Wild schlechthin bedeutet. Sie haben bisher, von wenigen abgesehen, die Gelegenheit zur Enten- und Hühnerjagd hatten, lange Zeit auf alle jagdlichen Freuden verzichten müssen, und greisen jetzt mit doppelter Freude zu Gewehr und Rucksack. Denn vereinzelt und in besonderen Fällen werden jetzt schon ab und zu Treibjagden veranstaltet. Rationell ist das zwar nichts und zumal bei den augenblicklich sehr hohen Preisen, die für Winter­hafenbälge gezahlt werden, sollte man nur auf Ansitz oder Suche die nötigen Küchenhasen schießen. Treibjagden sollten erst im November söattsinden, wenn der Hase seinen Winterpelz angezogen hat. Unbedingt nötig zu jeder Hasenjagd ist ein guter Hund, der in erster Linie zuverlässiger Verloren- apporteur sein muß. Jeder angeschossene und ver­loren gegangener Hase ist ein Verlust von mindestens vier Mark und da ohne guten Hund die Zahl, zu Holze geschossener meist ziemlich hoch zu sein pflegt, so kann sich jeder Revierinhaber leicht ausrechnen, was ein sicherer Apporteur ihm einbringen kann.

! Vom Weiter. Wie in den Kreisen der Wetter- kundigen verlautet, ist in den ersten Tagen des Okto­ber trübes Wetter wahrscheinlich, jedoch wird auch dieser Monat eine Schönwetterperiode bringen, mut­maßlich kurz nach Mitte des Monats. Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, daß es in diesem Jahre schon vor Weihnachten richtig kalt wird, oh von längerer Dauer, läßt sich erst in einigen Wochen be­urteilen.

rt Unterschlagungen bei einer hiesigen Brauerei beschäftigte gestern das Schöffengericht tu dreieinhalb­stündiger Nachmittagssitzung. Der Unterschlagung angeklagt war der frühere Brauer L. F., gebürtig aus Oberbayern, wohnhaft in Horas. Er hat bereits icton eine Vorstrafe wegen Unterschlagung erhalten Ihm wurde zur Last gelegt als früherer An»', stellt er in einer hiesigen Brauerei Unterschlagungen von über 625 Mark (Kundeirgelder) begangen zu haben. Acht Zeugen und ein Sachverständiger für Buchführung wurden vernommen. Die Verhandlung ergab, daß F. stark dem Gerstensäfte zugesprochen haben soll, andererseits auch die Kontrolle seitens des Hauptbüros viel zu wünschen übrig ließ. Der An­geklagte soll wiederholt doppelte Quittungen für einen Flaschenbierhändler in hiesiger Stadt ausgestellt, bann wieder Buchungen nur im Kellerbuch und nicht auch im Flaschenbierbuch vorgenommen und außerdem zahlreiche Einnahmen ins Kaffabuch überhaupt nicht eingetragen haben. Der gerichtliche Sachverständige führte ans, daß die Eintragung»»- i«» ann»»--"gen

besonders in den letzten Jahren der Tätigkeit des Angeklagten nicht ordnungsmäßig erfolgt feien, und kritisierte die mangelhafte Art der Kontrolle durch das Hauptkontor. Entlastend für F. kam in Betracht, daß die verschiedenen Bierfahrer einkaffierte Kunden­gelder an verschiedene Angestellte abliefern konnten. Der Amtsanwalt erklärte F. nur in einem Falle der Unterschlagung von 154 Mk., die Ziegelmeister T. von H. persönlich an F. zahlte, sür schuldig. Der anderen Unterschlagungen sei F. nicht vollständig zu überführen. Er beantragte eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen. Das Gericht beschloß demgemäß, und er­teilte ferner F.'s Vorgänger, der jetzt in München in Stellung ist, eine Rüge, weil er über die von. ihm begangenen kleineren Veruntreuungen (47 Mk.), wo­für er ratenweise Deckung eiusandte, erst auf wieder­holtes eindringliches Fragen des Gerichts ein Ge­ständnis ablegte.

!! Ein großer Menschenauflaus entstand gestern mit­tag in der Rosenau, hervorgerufen durch das Gerücht, das 3ll,jährige Kind eines Lackierers K. sei in die Fulda gefallen und ertrunken. Zum Glücke beruhte diese Geschichte auf Erfindung.

Im gestrigen Stadtverordneten - BersammlungS- bericht, Nachtrag, ist zu lesen: Regierungsrat Röttger von der Handwerkskammer. Außerdem soll im Hauptbericht gesagt sein, daß die Jahrespacht von 300 Mk. für den Tu-uhallenwinkel einer Bewertung des Quadrat­meters mit 76 Mk. entspricht.

Aus Kirche und Schule.

(!) Seminardirektor Dietrichs goldenes Lehrerjubiläum.

Die katholische Lehrerschaft deS Fuldaer Landes gedenkt heute, am 1. Oktober, in Liebe und Dank­barkeit des Ehrenvorsitzenden deS Vereins katholischer Lehrer in der Diözese Fulda, des (Seminar . ireftorS Heinrich Dietrich in Münstermaifeld, der sein 50jähriges Lehrerjubiläum feiern kann. Am 3. Okt. 1843 zu Kallmerode, einem Dorfe des Eichsseldes geboren, in Heiligenstadt auf dem Seminar vorge- bildet, kam er am 1. Oktober 1863 als Lehrer an die Missionsschule zu Salzwedel in der Altmark, trat atio vor nunmehr 50 Jahren in das Amt eines Volksschullehrers ein. Im 5iriegsja.ire 1866 wurde er als Lehrer an die neugegründete Präpa- ranöenanftalt zu Heiligenstadt berufen, welche Stelle er am 1. Juli 1870 mit der eines Seminar- leh rers in Fulda vertauschte. Am 1. April 1888 zum Seminaroberlehrer ernannt, berief man ihn am 1. April 1898 zum Semmardircktor nach Münster- matj'elb, als welcher er heute Noch wirkt.

Während feiner Tätigkeit in Fulda hat sich Semi­nardirektor Dietrich als Lehrer und als Mensch die höchste Achtung aller derjenigen erworben, die mit ihm in Berührung kamen und namentlich unter den Lehrern, die er herangebildet hat, gewann er sich treue, begeisterte Freunde. Das kommt zum Aus­druck in den Jubiläumsartikeln, die die letzte Nummer Der .Katholischen Schulzeitung" veröffentlicht. Als Lehrer und Methodiker hat er vor allem auf dem Gebiete des Rechenunterrichtes Vorzügliches geleistet. Sein Rechenbuch ist heute noch in vielen Schulen in Gebrauch. Was Rektor Jakobi-Kassel in feinem Festartikel von Seminardtrektor Dietrich als Christ lagt, wollen wir hier wiedergeben:

Und wäre Dietrich der vorzüglichste Lehrer und beste Gesellschatter gewesen, niemals hätte er sich eine so über­ragende Stellung geichaffen, wäre seine ganze Persön- tichkeil nicht getragen gewesen von einer tieschristlichen lieber,eugungStreue des Glaubens, von einer geradem tindltchen Frömmigkeit un) nn Einklang damit von einem fleckenlosen, nachahmenswerten Lebenswandel. Nur der Mann, Der auf Dem eigenen Ehrenschilde kein Fleckchen duldete, der die Religion nicht bloß auf der Zunge, sondern auch tm Herzen trug und sie in die Tat alltäglich umsetzte, konnte der Lehrerschaft Muster uuj) Vorbild fein. „Ein Schulmeister bis auf die Knochen und ein Katholik bis ins Marl" — damit ist seines Wesens innerster Kern wohl am besten gezeichnet und der Schlüssel zu seinem Cbarakter gegeben. Und es war nicht immer leicht, die katholuche lieberzeugungstreue hoch zu halten. Der Kultur­kampf hatte gerade am Fuldaer Seminar Zu­stände geschaffen, die es schwankender Menschenfurcht und skrupellosem Ehrgeiz konnten geraten erscheinen lassen, den Katholiken einstweilen vor Fallenaugen zu verstecken und an der Staatskrippe Entschädigung für nagend« Gewissensbisse zu suchen. Da gerade stand Dietrich kerzengerade als gramtner Charakter, und ohne Konzesswnen an die herrschende Strömung iah er sie vorüberrauichen und ruhigeren Wassern Platz machen. So ist er geblieben fein Leben lang, und nur der sturm­erprobte Steuermann genießt Achtung.

In feiner Familie ist dem Jubilar, der jetzt an der Schwelle des 70. Lebensjahres steht, ein reiches Gluck beschiedcu. Seine Gattin teilt mit ihm die allgemeine Verehrung. Mit Stolz und Freude können die glücklichen Ellern sich ihrer Kinder erfreuen. Der älteste Sohn, Dr. Heinrich Dietrich, ist Oberlandes- gerichtZrat in Hamm, der zweite, Rudolf, ist Dipl • Jng. und Abteilungschef bei Krupp, der dritte, Dr. Franz Dietrich, Oberlehrer am Gymnasium zu Bocholt, der vierte, Dr. Beruh. Dietrich, widmet sich dem Berufe eines Irrenarztes und ist Assistenzarzt an der Provinzial-Heil- und Pflegcanstalt Bedburg-Hau bei Cleve. Die einzige Tochter, Maria, ist die Gattin des Seminaroberlehrers Dr. Hamacher in Wipperfürth.

Wie wir schon mitteilten, hat die „Pädagogische Gesellschaft* zu Fulda im Lause der letziver- gangenen Woche den Jubilar durch einen Festkommers im Parkhotel ge>hrt. Ferner haben die Fuldaer Schüler des Jubilars zwei prächtige Geftiälde des rühmlich bekannten Frankfurter Malers E. P. Müller erstanden, die in den letzten Tagen des September nach Münstermaifeld mit einem gemeiniamen Glück­wunschschreiben abgeschickt wurden.

Dem Jubilar, der sich als Mitglied be$ städtischen Bürgerausschuffes auch Verdienste um die Stadt Fulda erwarb, bringt auch die,Fuldaer Zig.' zum Jubiläum und zum 70. Geburtstag die aufrichtigsten Glückwünsche bar.

Ans dem Nachbargebiete.

--- Pilgerzell, 30. Sept. 1913. Heute hat unser erster Lehrer, Herr Brede, unsere Gemeinde ver­lassen, um in Rotenburg a d F. eine Schnlstelle zu übernehmen. Er war 19 Jahre in unserer Ge­meinde tätig und verstand es als echter Kindertreund, etwas tüchtiges aus den Kleinen zu machen und unsere Schule auf der Höhe der Zeit zu balteir.

:/: Kämmerzell, 30. Sept. 1913. Am Sonntag den 28. September sand hier int Volks verein eine „K o n st a n t i n f c i e r" statt, die sehr zahlreich besucht war. Herr Diakon Huhn von Kämmerzell hielt einen gediegen en. lehrreichen Vortrag über „Kaiser Konstantin und seine Verdienste um bai Christentum". Sodann sprach Herr Pfarrer Gat» beriet über „die Verfolgung der Kirche in unserer Zeit"« In beredten Worten legte er die Hauptur­

sachen dar, weshalb die Kirche ungerechterweise der folgt wird. Er begeisterte die Zuhörer für unser hl. Kirche. Als Hüterin der Wahrheit, Zucht und Sitte wird sie zwar stets von den Gegnern gehaßt werden, aber immer siegreich bleiben. Dann ge­dachte er noch der glorreichen 25jährigen Regierung«, zeit Sr. Majestät des Kaisers. Reicher Beifall wurde beiden Rednern zuteil. Mit einem Hoch auf Papst und Kaiser schloß Herr Pfarrer Gutberlet die schön verlaufene Feier.

F. Allmus (ßreiS Fulda), 1. Okt. 1913. De Schulamtsbewerberin Frl. Paula Birkenbach wurde vom heutigen Tage ab wegen Erkrankung des seitherigen Inhabers die Versetzung der hiesigen Schul­stelle übertragen.

* Schlüchtern, 30. Sept. 1913. In den letzten Tagen sand hier die Seminarentlassungs­prüfung statt. Ter Prüfung unterzogen sich 38 Prüflinge, von denen 36 bestanden. 7 waren auf Grund guter Leistungen in der schriftlichen Prüfung von der mündlichen befreit. Der Andrang zum Leh­rerberuf scheint abzuflauen. Zu der Aufnahmeprü­fung für die Präparandenanstalt des Schlüchterner Lehrerseminars, zu der sich sonst in der Regel 40 bis 50 junge Leute stellten, während nur 30 aufge­nommen werden konnten, haben sich heuer nur 19 junge Leute gemeldet.

— Oberndorf bei Bad Orb, 29. Sept. 1913. Der Hochwürdigste Herr Bischof von Fulda traf am 23. Sept, von Salmünster aus hier ein und spendete am folgenden Tage 283 Firmlingen das Sakra­ment der h l. Firmung. Erhebend und erbau­lich gestaltete sich am Donnerstag die Wallfahrt auf den Gottesacker, an der sich vor allem die Männer­welt sehr gut beteiligte. Nachdem der Hochwürdigste Herr die Religionsprüfung der Schulkinder vorge­nommen, erfolgte die Abreise über den Filialort Mer­nes, woselbst Visitation und Prüfung stattfand, nach Alsberg. Von da aus ging die Reise noch an dem­selben Tage nach Bad Orb, wo er 500 Firmlingen das hl. Sakrament spendete.

* Hanau, 30. Sept. 1913. Zum vierten Male hält heute und in den folgenden Tagen der Hes­sische Volksschullehrer-Verein seine Hauptversammlung in Hanau ab. Schon in den Jahren 1874, 1888 und 1897 versammelte der Verein hier seine Mitglieder.

a Frankfurt a. M., 30. Sept. 1913. Die groß­artige p a l ä o lit h i s ch c Sammlung, die W. Hauser in Südfrankreich ausgrub und dem hiesigen Bölkermuseum zu einem Vorzugspreise von 12 000 Mark zur Verfügung stellte, bleibt der Stadt Frank­furt erhalten, nachdem es gelungen ist, die Kauf­summen bei hiesigen Kunst- und Altertumsfreunden in letzter Stunde aufzubriugen. , Mit dem Erwerb dieser Sammlung erhält das städtische Völkermuseum eine in ihrer Reichhaltigkeit bis jetzt einzig dastehende Ausstellung paläolitischer Altertümer, deren Alter bis auf 750 000 Jahr geschätzt wird. — Wegen um­fangreicher Betrügereien wurde heute der Inhaber des weitbekannten Ambulatoriums von Dr. This- quent, Alfons W e inert verhaftet. Ihm wird zur Last gelegt, Stoffwechselpillen, die absolut wert­los waren, mit 50 Mark pro Schachtel verkauft zu haben. — Wie verlautet, ist gegen die Personen, die am Sonntag die Predigt des altkatholischen Pfarrers Dr. Alberti in der Nikolaikirche gestört haben sollen, Strafantrag wegen Störung eines Gottes­dienstes gestellt worden. — Nach dem Vorgehen an­derer Städte plant man auch in Frankfurt die Her­absetzung des Leuchtgaspreises. Diese soll aber erst dann eintreten, wenn die Untersuchun­gen über die verschiedenen Leuchtwerte abgeschlossen sind.

f Frankfurt a. M., 30. Sept. 1913. Ejnar Forch- hcunmers Nachfolger an der hiesigen Oper, Otfried Hage n, verläßt nach Schluß der diesjährigen Spiel­zeit Frankfurt, um nach Braunschweig zurückzukehren. Grund: zu geringe Beschäftigung. — Auch Karlheinz Martin, des Schauspielhauses künstlerischer Ret­ter aus der gegenwärtigen schweren Zeit, trägt sich mit Rücktrittsgedanken und wird jedenfalls auch 1914 seine hiesige Stellung aufgeben.

o. Flörsheim, 30. Sept. 1913. Die Diamant- Steinautroerfe haben ihren Betrieb nunmehr in vollem Umfange aufgenommen und sich mit einem Schlage zu einer der bedeutendsten Unternehmungen am Untermain emporgerungen. Sie stellen in erster Linie feuer« und säurebeständige ©teingulroaren her, besonders Klosett« und Waschschüsseln und hygienische Geräte. Das am Main erbaute Werk schmiegt sich mit seinen Kohlenförderanlagen und den sechs Oefen in wohltuender Welle in die Landschaft ein.

* Langenprozelten, 30. Sept. 1913. In der Fa­brik von I. Möller e r Plodierte d i e Acety- len-Gasanlage. Tie Glocke von etwa 2 Ztr Gewicht wurde ca. 50 Meter hoch durch die Lust ine Nachbargrundstück geschlendert; das Dach des Gas­hauses wurde vollständig mitgerissen, Ziegel. und Sparren in einem Um tri § von 20—30 Meter ver­streut. Außer einer ganz geringen Verletzung des Werkmeisters, der z. Zt. der Explosion gerade im Gashause war, ist niemand zu Schaden gekommen.

* Abterode, 30. Sept. 1913. Gestern früh ver­schied hier der frühere Kutscher Johannes Jnnghans nach einem Siechtum von einigen Monaten. Am 17 Juni er. war es ihm vergönnt, seinen 9 6. Ge­burtstag z u feiern. Er war der älteste Be­wohner unseres Eries und der Umgegend, jedenfalls auch des ganzen Kreises Eschrrege.

i. Friedbew Fauerbach, 30. Sept. 1913. Die schweren Belästigungen hiesiger Bürger durch re­volverschießende und messer stechende Polen hab-'n jetzt ihre Ahndung gesunden. Das Friedberger Schöffengericht verurteilte den Hanpt- rädelsnchre-' zu 2 Jahren 3 Monaten Gefängnis und die übrigen Friedensstörer zu je 4 Monaten.

* Gießen, 30. Sept. 1913. . Ter 27 Jahre alte Bahnarbeiter Wagenbach, der von 14 Tagen seine Fran durch Todesfall verloren hatte, wurde heute vormittag auf dem Gießener Bahnhof beim Rangie­ren überfahren. Der Schwerverletzte, dem die beiden Oberschenkel vorn Rumps abgetrennt wurden, ist in der Klinik gestorben. Err hinteeläßt zwei kleine Kinder.

* Ans Thüringen. 20. Sept- 1913. Am Montag sind in H c n e b c> ch sechs Wohnhäuser und sieben Stallungen, in Mar k am Sonntag zwei gefüllte Scheunen mit Nebengebäuden niedergebrannt. — In Woltershausen spielten zwei Kinder, allein ge­losten. mit Zündhölzern. Dabei hat ein vierjähriges Mädchen solche Brandnwnden brrnongetragen, daß -4 stvrb. — In Triptis wird jetzt ein neuer Baustoff au5 Holz bergest»,R, der für d-u Luftschiffbau von Bcd-nllv>rg werden versprich:. IRobre und Träger aus tzem neuen Material besitzen eine erstannl:ch< TrEöb'gkerj. — Wäh- '-d in bei: letzten Jahren außer 1915 in den Oo'denu beS Schwarzaletz- gebtefeS nußerordentlübir Pilzreichtum herrschte.