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Zuldaer Zeitun

„ , — «. ßnjelgen: BerRoum «iner «tnfBolflsen Colwiehell«, 4T BU.

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TTIonats-Beitage:

Zuldaer Seschichtsblätter

~ Ziehungslisten der preußisch-sLüdeutschen Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, c

40. Zahrgang.

Mittwoch den j. Oktober 1913

Erstes Blatt.

fir. 227

enchetnt ,»glich mit Ausnahme der Sonn- und Zelerlage. viertel- I S S Wochen-Beilage: S S

jShrllcher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Sul6a | Illustrierte 5oNNtügS2ettUNg fomk auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsdruck und Verlag der I ’ 3

s - $ulbaer flctienöruckerei in Zulda. Fernsprecher Nr. 9. ::

Anzeigen: Der Raum einer einfpoMgen (oloneizeile, 47 e* -rett, topti Pta, Reklamen: Der Raum einer Colonel)eile, 74 mm breit, kostet 40 Pfg Bel Wiederholungen Rabatt. $Ür Offert- und fluskun|tcn3eigcn 20 Pf at*a. Jn Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig, trftoiunpsort für bas An­klagen von Forderungen ist Zulda. ßnidgen-finnabme bis )0 Uhr vormittags. u u Größere Anzeigen erbitten wir uns tags vorher. u «

= Die neuen Heeressormationen.

Am 1. Oktober dieses Jahres wird das deutsche Heer in einer bisher noch nicht dagcwesenen Werse verstärkt und vermehrt. Es werden eine ganze Reihe neuer Stäbe und Truppenteile errichtet und zugleich die Etatsstärkcn der bestehenden Truppen außer­ordentlich erhöht. Die Erhöhung tritt in diesem Jahre allerdings nur teilweise in Kraft, da das Heer nur über einen erhöhten Rekrutcnj ahrgang verfügt. Erst im nächsten Jahre wird die Verstärkung voll durchgeführt sein.

An Stäben und Ko m ma n d o b e h ö r d e n werden jetzt neu aufgestellt: die achte Armee-Inspek­tion in Berlin — je ein Gouvernementsstab in Kö­nigsberg und Graudenz, die schon bestehenden Kom­mandanturen bleiben als solche bestehen — eine Kommandantur der Ober-Rheinbefestigungen mit dem Standorte Freiburg i Br. — Kommandanturen für die TruPpen-NebungSplätze Heuberg (Standort Sigmaringen), Orb, Zossen und Gruppe mit dem Standort Graudenz — Landwehr-Jnspektwnen tn Insterburg, Bromberg, Halle a. S., Posen, Düssel­dorf, Hannover, Erfurt, Straßburg i. E., Metz, Grau­denz, Allenstein, Saarbrücken, eine sächsische in Dres­den — eine Inspektion des Maschinengewehrwesens in Berlin — vier Brigadekavalleriestäbe in Trier, Gumbinnen, Gleiwitz, Saarlouis — zwei Pionier- Regimentsstäbe in Posen und Koblenz — die dritte Inspektion der Telegraphentruppen in Danzig (vor­läufig Berlin), je eine Inspektion der Luftschiffer­truppen, der Fliegertruppen und des Festungsver­kehrswesens — ein Sanitätsamt der militärischen Institute — alle diese in Berlin.

An Truppenteilen ist zunächst die Errichtung der fehlenden 15 dritten Infanterie-Batail­lone bei den sogenannten kleinen Regimentern zu erwähnen und zwar: 5. Garde-Regiment zu Fuß Spandau, 5. Garde-Grenadier-Regiment Spandau, die Infanterie-Regimenter 152 Stützm, 153 Merse­burg, 154 Striegau, 156 Tarnowitz, 157 Brieg, 158 Truppen-Nebungsplatz Senne, 159 Geldern, 162 Eu­tin, 164 Holzminden, 167 Mühlhausen i. Th,, 168 Friedberg i. H., 169 Villingen, 170 Donaueschingen — dazu drei Bataillone in Sachsen: 178 Kamenz, 179 Leisnig, 181 Glauchau. Vom 1. Oktober ab be­sitzen also alle Jnfanterieregimenter drei Bataillone, kleine Regimenter mit nur zwei Bataillonen gibt es nicht mehr. Bei jedem Infan­terieregiment ist. eine 13. Maschinengewehr- Kompagnie vorhanden. Bisher hatte nur die Hälfte aller Regimenter eine solche. Bei allen Jäger-Ba­taillonen wird je eine R a d f a h r- und eine Ma­schinengewehrkompagnie aufgestellt. Die Jäger-Bataillone sollen den Kavallerie-Divisionen zu­geteilt werden. Mit den Radfahrkompagnien, bie.sich tn diesem Kaisermanöver wieder sehr gute bewährt haben, erhält das Heer eine ganz neue Waffengattung, die in anderen Armeen schon längst vertreten ist.

Von den 498 preußischen Jnfanteriebataillonen steht ungefähr die Hälfte auf dem hohen Etat (69 Prozent der Kriegsstärke), die andere Hälfte auf dem niederen (62 Prozent). Diese hohen Etats sind das weitaus wichtigste Ergebnis der Wehrvorlage 1913. Sie gestatten eine kriegsmäßige Ausbildung von Truppe und Führer und geben im Kriegsfall ein festes Gerippe junger geübter Mannschaft, in das sich die Reservisten ohne Schwierigkeiten eingliedern las­sen, während früher die aktive Mannschaft gerade bei unserer schlachtencntscheidenden Waffe, der Infante­rie, unter der lieberzahl der im Mobilmachungsfall hcrang^ogenen Mannschaft einfach verschwand und so auf Gust und Disziplin geringen oder gar keinen Einfluß Mte.

fyer ^Brandstifter.

28] Eine B^uerngeschichte aus dem Taunus rvn Fritz Ritzel.

Das ganze Dort war auf den Beinen und be- /eiligte sich nach Krotten an dem Rettungswerk, in­dem die Leute, Männer, Weiber und Kinder, nach dem in der Nähe vorrchcrfließenden Bach und nach den in den benachbarten Gehöften befindlichen Brun­nen lebende Ketten bilde en, in welchen die mit Was­ser gefüllten und wieder geleerten Zeugeimer unauf­hörlich hin und her ginmn. Mit dem Knistern der Flammen, dem Zischen der in die Gluten gesandten Wasserstrahlen und dem unaufhörlichen abgemessenen Läuten der Sturmglocke mischten sich das laute Ge­schrei der Menge, die Kommandorufe der Feuer­wehrführer und das Brüllen des auf einem benach­barten Wiesenplan nnicrgebrachten Viehs — war ein Durcheinandcrloben und Lärmen, als wäre die Hölle losgelösten.

Aus dem Stimmengewirr ließen sich mitunter laute Verwünschungen und Entrüstungsrufe verneh­men, die sich an Heftigkeit steigerten, wenn zwischen der hin- und herflutcnden Menschenmenge die im Feuerschein glänzenden Helmspitzen der beiden Gen­darmen erschienen. Die Beamten führten einen Arrestanten in der Mitte, mit welchem sie an der Brandstätte verblieben, um, sobald das Feuer ein- gcdämmt war, an Ort und Stelle das erste Verhör vorzunehmen. Sic hatten den Verhafteten bei ihrem Dienstgange gerade dabei betroffen, als er in der einen Scheune mit pctrolcumgetränkten Werqbündeln den Brand angelegt hatte, und wenn cs den beiden wackeren Beamten auch nicht gelang, das mit Blitzes­schnelle in den aufgestapelten Fruch'vorräten um sich greifende Feuer durch rasch herbeigeholtes Wasser zu löschen, wobei ihnen der Brandstifter mit einer ge­radezu wilden Energie geholfen, so war cs ihnen doch zu verdanken, daß die Feuerwehr sofort alarmiert wurde und in der denkbar kürzesten Zeit aus der Brandstätte erschien.

„Des könnt wer sich denke, wer des geschafft Hot! ;— Ter Lump! Der Brandstifter! — Diasmol hawe sw dich awer verwischt! —- De? •' des Le*' ^uercste,

Diese Etatserhöhung bedeutet auch für die Fel d- artillerie einen wesentlichen Fortschritt. Wir haben nicht mehr das unwürdige Schauspiel, daß eine Batterie von sechs Geschützen im Frieden nur vier davon bespannt hat, und so bei jeder Uebung außer­halb der Kaserne ein Drittel ihrer Leute unbeschäftigt lafseit mußte. Von den 600 fahrenden Batterien ha­ben 255 an der Grenze garnisonierende den hohen Etat von 100 Pferden, so daß bei diesen alle sechs Geschütze, drei Munitionswagen und der Beobach- tungswagen schon im Frieden bespannt werden kön­nen, während die anderen 345 Batterien mit niede­rem Etat wenigstens alle sechs Geschütze und den Beobachtungswagen bespannen und somit für jeder­mann zweckdienuche Gefechtsübungen abhalten kön­nen, ganz abgesehen davon, daß eine Batterie, deren Geschütze mit zahlreichen Ankaufspferben im Mobil­machungsfall erst bespannt wird, in ihren Leistungen gegen die anderen erheblich zurückstehen wird.

Sechs Kavallerieregimenter werden neu gebildet. Es ist erinnerlich, daß sich gerade über diese Forderung im Reichstage ein lebhafter Streit entwickelte und daß anfangs nur ein Teil bewilligt wurde. Erst bet der dritten Lesung wurde die For- derung der Regierung in ihrem vollen Umfang an- genommen. Die neuen Regimenter werden als Jä­ger zu Pferde (8—13) in Trier, Insterburg, Anger- bürg (1 Esk. Goldap), Tarnowitz (1 Esk. Lublinitz), St. Avold und Saarlouis errichtet.

An technischen Truppen kommen hinzu: drei Pionierbataillone (Nr. 2 Küstrin, 29 Posen, 30 Koblenz), Telegraphenbataillon Nr. 6 in Hannover und das Sächsische 9ir. 7 in Dresden, 2 Luftschif- ferbataillonc Nr. 4 und 6 mit folgenden Standorten: Mannheim, Men, Lahr, Friedrichsha­fen, Graudenz, Königsberg, Schneidemühl, — ferner eine sächsische Kompagnie in Dresden. Vier Flie­gerbataillone unter Fortfall der bisherigen Fliegertruppe, und zwar Nr. 1 Döberitz und Zeit­hain, Nr. 2 in Posen, Graudenz, Königsberg, Nr. 3 Köln: Hannover, Darmstadt, Nr. 4 Straßburg, Metz, Freiburg. — Funker-Kompagnien in Kö- nigswustcrhausen, Kottbus, Darmstadt, Freiburg i. Br., Schneidcmühl. — Sieben Festungs-F ern- sprech-Kompagnien und 15 Festungs-Ma­schinengewehrabteilungen in den wichtigsten Festun­gen der Obst- und Westgrenze

Jn Sachsen wird neuqetzildet das Fußartillerie. Regiment Nr. 19. Stab und 1. Bataillon werden in Dresden neu aufgestellt. Das 2. Bataillon bestand schon. Es verbleibt vorläufig in Zeithain und wird später nach Riesa verlegt.

Die bayerischen und wüttembergischen Truppen sind in Vorstetzender Aufstellung nicht berücksichtigt.

Tas deutsche Heer zählt nunmehr: 669 Bataillone Infanterie und Jäger, 550 EskadronS, 55 Bataillone Fußartillerie, 44 Bataillone Pioniere, 31 Bataillone Verkehrstruppen und 26 Bataillone Train.

§ Die Jesuitenverfolger von Görlitz.

Die Generalversammlung des Evangelischen Bun« des in Görlitz findet in der Presse wenig Beachtung; sie war auch nicht imposant, weder äußerlich noch innerlich. Wir möchten aber doch noch auf die Kund­gebung des Bundes zur Frage des Jesuitengesetzes besonders Hinweisen. Diese Kundgebung ist auch so ein mühsam gedrechseltes Pdrasenwerk. Man muß sich allerdings schon winden und drehen, wenn man zu gleicher Zeit sich als Friedensengel aufspielen und als Büttel gegen Andersdenkende betätiaen möttte.

Erster Kunstgriff: Der Evangelische Bund klam­mert sich an die Resolution des Metzer Katho­likentages. Tas soll den Eindruck erwecken, als

was du gemacht host! — Ins Feuer gehört der Hund hmemgeschniisse!" — So schrie es.txm allen Seiten auf den Unglücklichen ein, der bleich, mit starr auf den Boden gehefteten Blicken, zwischen seinen Wär­tern stand, die alle Mühe hatten, zu verhüten, daß der Gesungene nicht von der empörten Menge ge­lyncht wurde. Denn immer näher drängte diese heran und schien nicht übel Lust zu haben, den Vorschlag, den einer der Schreier gemacht hatte — es war der alte Herrsche! gewesen — zu befolgen und den liebel» tätet dem gierigen Clement zu überantworten. Wer weiß, wie sich die Sache gestaltet hätte, trotzdem die beiden Gendarmen blank gezogen hatten, wenn nicht gerade int kritischsten Moment eine der Feuerspritzen tn den Menschenhaufen hinein gefahren wäre, um von dieser Seite aus dem Feuer beizukommen und so die Tobenden zerstreit hätte. •

Ernst Rother wußte immer noch nicht, wie ihm geschah. Das war mit einer so überraschenden Schnelligkeit über ihn gekommen, daß er sich immer wieder fragte, ob er denn wache ober träumte, ob der Brand seines Anwesens, die rasende Menge da vor ihm, die ihn mit Schmähungen überhäufte und Brandstifter nannte, nur Ausgeburten einer tollen Halluzination oder Wirklichkeit seien. Aber nein — da loderten wirklich und wahrhaftig die Flammen — der Dachstuhl der einen Scheune sank eben zusammen und mit wilden Flüchen und geballten Fäusten trat der alte Herrsche! auf ihn zu.

„Hund miserabler!" schrie er. „Uff die Art host Tu mir aans auswische wolle? Und Du wollst mein Tochtermann wer'n! Unserm Herrgott sei Dank, daß er mich vor Dir betoabn hot'"

„Ich verbiete Ihnen, mit dem Arrestanten zu sprechen!" wars der Wachtmeister mit abweisender Geberbe ein.

„Dem Kerl, ber mich um mei ganz Sach gebracht hot, soll ich nit bie Meinung sage bütfe, Herr Wacht­meister? Des wär io noch schöner. Des ist bem Hunb nit geschenkt, dem verborwene Ferkelstecher — der soll sehe, baß —"

„Hier ist nicht ber Ort für Ihre persönlichen Aus­einandersetzungen!" unterbrach ihn ber Beamte kurz. „Verlassen Sie ben Platz — ich befehle es Ihnen im Namen des Eeie'sS!"

ob bie Herren vom Evangelischen Bunb in ahnungs­loser Ruhe gelegen hätten, bis bie Katholiken in Metz überraschenber Weise bie Streitaxt ausgegraben hät­ten! Eine boppelseitige — höflich ausgebrückt — Unwahrheit. Denn erstens hat ber Metzer Katholikentag keine neue Forberung ausgestellt, son­dern nur wieberholt, was immer unb überall von ben kacholischen Versammlungen geforbert worden ist und selbstverständlich gefordert werden muß, nämlich bie Beseitigung eines schänblichen unb fchäblichen Ausnahme- und Verfolgungsgesetzes. Also kann von einer „erneuten Ansage verschärften konfessio­nellen Kampfes" gar keine Rede sein. Zweitens ist es eine glatte Unwahrheit, baß ber Evangelische Bunb mit seinem Eintreten zu gunsten bes Verfolgungs­gesetzes bis zum Metzer Katholikentage gewartet habe. Die Führer sinb schon seit Jahr unb Tag an ber Arbeit, um durch Eingaben an bie Regierung unb burch mittelbare Beeinflussung durch bie Presse bie Verfolgung ber Jesuiten in voller Schärfe aufrecht­zuerhalten. Soeben bezeugt noch ein bunbesfreunb- liches Blatt, ber „91. Görlitzer Anzeiger", baß bie Borstänbe ber preußischen Hauptvereine bereits am 2 5. März in Eisenach eine große Aktion beschlossen haben unb baß bie „H a u p 11 ä t i g k e it" bes Ge- samtvorstanbes berselben Sache gewibmet gewesen. In Görlitz aber tat man so, als ob erst Metz bie Siesta gestört habe.

Ein weiterer Kunstgriff: Für unkunbige Ohren klingt es voll unb gewichtig, wenn man sagt, ber Metzer Katholikentag habe sich nicht bekümmert „um ben einmütigen Wiberspruch weitester evan­gelischer Volkskreise". Wer genauer zusieht, finbet einen Gegensatz zwischen ben beiben Eigenschafts­wörtern, die wir unterftrichen haben. „Einmütig" wäre ber Wiberspruch von evangelischer Seite nur bann, wenn alle betreffenben Volkskreise wiber- sprächen. Geht aber ber Wiberspruch eingestandener­maßen nur von einem Teile ber evangelischen Volks­kreise aus, so ist et nicht einmütig. Die gewundene Phrase ist offenbar so entstanden: Man wollte gern den „einmütigen Widerspruch des evangelischen Vol­kes" paradieren lasten; aber da entsann man sich, daß doch die Abstimmung im Reichstage gar zu deutlich bewiesen habe, wie zahlreiche Protestanten gegen das Ausnahmegesetz seien. Gar so grob durfte man doch die Wirklichkeit nicht leugnen. Also was machen? „Nun, lasten wir das „einmütig" keck stehen und spre­chen dann von den „weitesten" Kreisen. Die Masse hört doch das heraus, was wir ihr einreden wollen!" — Schließlich ist auch der Ausdruck „weitest" „eine Unwahrheit- Wenn wir bie protestantischen Wähler zählen, die hinter ben beiben Gruppen ber Reichs­tagsabgeordneten stehen, s» entfällt die Mehrheit auf die Gegner des Jesuitengesetzes. Was hinter ben Hetzern unb Henkern des Evangelischen Bunbes stehl, sinb nicht bie „weitesten" Kreise, aber bie wil­desten Kreise.

Als britten Kunstgriff kennzeichnen wir die heuch­lerische Verkündigung der gegenseitigen „Rücksicht- n a h m e". Klingt das nicht schön, wenn die Reso­lution sagt, die Volksteile müßten aufeinander Rück­sicht nehmen! Und zu gleicher Zeft erklärt in Görlitz ein offizieller Redner, das Jesuitengesetz müffle durch­geführt werden „ohne feige R ü cks icht". Der Bund hat seine eigene Logik: der katholische Volksteil muß Rücksicht nehmen, aber die protestantischen Eiferer haben das nicht nötig; die können ruhig die Jesuiten verfolgen und durch das Ausnahmegesetz die Katholiken schwer kranken und schädigen. Wenn aber die Katholiken Rechtsgleichheit verlangen, so sind sie „rücksichtslos" und stören den „Frieden". ®ie_ Sache ist doch höchst einfach und klar: es gibt doch kein bes-

Brummenb folgte der Alte der Aufforderung und verlor sich in ber sich toieber um bie Genbarmen unb ihren Gefangenen ansammelnden Menschenmenge, wo er laut zu schimpfen unb zu fluchen begann.

Mit bonnerähnlichem. Krachen fiel jetzt auch bie zweite brennenbe Scheune in sich zusammen unb aus ber hoch zum Himmel lobcrnben Feuersäule war ein schwarzer Qualm geworben, burch welchen nur hin unb wieder feurige Zungen emporzuckten. Von allen Seiten fuhren aus ben um bic brennenben Gebäube postierten Feuerspritzen in hohen Bogen geschleuderte mächtige Wasser strahlen in die immer heller werden- ben, vom Wasserbampf durchsetzten Rauchschwaden — die Kraft des Feuers war gebrochen, da seine Haupt­nahrung, die am gestrigen Dage eingefahrenen Frncht- vorrätc, von ihm verzehrt war.

Der Bürgermeister, der, den Feuerw^hrhelm auf dem Kopf, die Löscharbeiten geleitet hatte, trat jetzt, nachdem er den an den Spritzen Beschäftigten noch einige Weisungen zugerufen hatte, zu den Gendarmen und sagte:

„So, Herr Wachtmeister, jetzt steh' ich zu Dienst! Ortsdicner" -- wandte er sich an ben in seiner Nähe besinblichen Polizisten, — „sage Sie bem Gemeinbe- schreiber, er ;oll das Protokollbuch hole un in bie Wertsstub komme!"

Ein dichter Wensckcnkn"'iel drängte sich den nach der Wirtsstube Gebenden nach. Alle wollten hören, unter welchen Umständen .*r Brandstifter bei Ver­übung feiner Tat ertappt wurde, doch wurde ihre Neugierde nicht befriedigt, denn die Gendarmen ge statteten außer dem Bist rmeifter nur einigen dem Gemeinderat angehörigen Männern und den Ange­hörigen des Hanfes den Eintritt.

Der Gemeinbeschreiber setzte sich an einen ber in ber Mitte bere Stube stehcnben Tische, über welchem die Petroleumlampe brannte unb schlug sein Proto­kollbuch auf, toäbrenb ber Wachtmeister ben Verhafte­ten stchenb verhörte.

„Es ist wohl übcrffüfflig, baß Sie bie Tatsache be­streiten, den Branb in der Scheune absichtlich ange­legt zu haben," begann er. „Sowohl ich, wie mein Kamerad men auf unteren Diensteid nehmen, daß Sie mit uutem Bündel brennenden Wergs nach der Hinteren, nach dem Felde zu gelegenen Türe eilten, durch welche wst Ihnen entgegen kamen. Alles Leug-

seres Manier, den „Frieden" zu begrüßen, als dis Verfolgung und Ausrottung der Andersdenkenden.

Zum Schlüsse wollen wir nur noch erwähnen, daß die Phrase von der „völligen Bewegungs- und Betätigungsfreiheit" des Jesuitenordens tendenziös gedrechselt ist. Es soll dadurch den Anschein erweckt werden, daß wir für die Jesuiten etwas beson­deres und sehr gefährliches forderten. Wir wollen aber nur das Ausnahmegesetz besei­tigen; im übrigen würden bie Jesuiten unter bem allgemeinen Recht bleiben. Ist es männlich, seinem Gegner bie Rechtsgleichheit zu verweigern?

„Wir haben etwas mehr Vertrauen zu dem Ge­danken der reliaiöfen Freiheit, als die leitenden Personen des Evangelischen Bundes zeigen. Der konfessionelle Friede wird vielleicht besser gewahrt, wenn alles aus- geschaltet wird, was nach staatlichen Zwangsmabnahmer schmeckt."

So schreibt bas „Berliner Tageblatt" in einem Artikel, bas sonst bem Evangelischen Bunb die wärmste Sympathie bezeugt.

Und wenn der Wolf die schönsten Phrasen drechselt; er wird doch nicht als Friedenslamm »n* erkannt!

Deutscher Reich.

*♦ Berlin, 30. Sept. 1913. Die Kr onprinzef-i f in traf am Dienstag morgen in Berlin ein unb be­gab sich nach ihrem Palais, wo am Montag bereits der Kronprinz abgestiegen war. — Der hanseatische Gesandte und bevollmächtigte Minister Dr. Slüg* mann tritt am Mittwoch von feinem Posten zurück.

-p Aus der konservativen Fraktion ausgetreten ist der Landtagsabgeordnete Dr. Gaigalat. Nach Littauischen Blättern ist dies wegen tiefgehender Differenzen der Lütauer mit den Deutsch-Konser- vativen geschehen. Pfarrer Dr. Gaigalat war bisher Hosvitant bei den Konservativen und bat sich jetzt als rein-littauischer Abgeordneter eingeschrieben. j

* Die Berliner Universität und die russischen Studenten. Der neue Erlaß des Kultu-minrsteriumsi über die Beschränkung der Zulassung ausländischer Studierender an den preußischen Universitäten hat für, die Berliner Universität bereits zu einer Spezialver- sügung für die russischen Hörer geführt. Die amtliche akademische AuskunstSstelle hat den Auftrag erhalten russischen Studenten auf Befragen mitzuteilen, daß Neuimmatrikulationen vorläufig nicht vorgenommeg werden.

* Angebliche Unregelmäßigkeiten beim Ankauf von Militärpferden werden tn einer vom „Vorwärts übernommenen Zuschrift eines Augenzeugen an den „Ostdeutschen Grcnzboten" in Stallupönen behauptet. Der Gewährsmann des amtlichen Anzeigenblattes behauptet, daß am 17. September auf dem zum An­kauf volljähriger Pferde bestimmten Markt in P i l l- k a I l e n bie Pfcrbe von Landwirten vielfach von ber Remonteankaufskommission zurückgewiesen, aber her­nach zu erheblich höheren Preisen von einem Pfer- behänbler, an ben ein Mitglied ber Kommission, em Major, bie Besitzer ber Pferbe verwiesen habe, doch angekauft worben feien. Die Militärverwaltung wird natürlich nicht versehlen, zu bicsem Vorwurf Stellung zu nehmen.

II Stuttgart, 30. Sept. 1913. Die Grünbe für ben Sieg ber Liberalen bei ber Lanbtagsnachwahl in Rottweil sinb erstens in bem konfessionellen Haß, ber bis zur Siebehitze geschürt würbe, zu suchen — in Rottweil z. B. scheint kein einziger Protestant seinem Stabtschultheiß, bem Kandidaten bes Zen­trums, eine Stimme gegeben zu haben — unb so­dann in ben Umtrieben der liberalen und demokrati­schen Fabrikanten und in ihren großen Geldmitteln. Mehr als drei Dutzend Autos der Fabrikanten des nen nutz: Sie daher nichts und es ist Wohl am besten für Sief wenn Sie Ihre Schuld offen eingestehen!

„Un ick sage Ihne immer Widder: Sie sinn im Irrtum, Herr Wachtmeister!" erwiderte Ernst nut feste Stimme. „Ich war'S nit, der des Feier angelegt Hot — en Annerer is es gewese, en Annerer, der viel­leicht e Minnt vorher gus der Scheuer durch die Tür devongeloffe is, dorch bie Sie hereingekomme sinn! Sie müsse den Kerl doch gefeh? hawe — er kann doch nit im Erdbodden verschwunde sein! Ich hab die brennende Bündel, die der Kerl in der Scheuer an- gesteckt Hot, uffgepackt un hab sie in die Bach schmeiße golle — es war awer zu spät! Des wisse Sie jo —• ie sinn jo grab bazukomme!"

„Das haben Sie uns schon vorhin braußen be­hauptet, aber Sie werben bock nicht annehmcn, baß bas Gericht biesen Angaben ben geringsten Glauben schenkt? Wie kamen Sie benn um diese Zeit in bie Scheuer?"

„Wie ich tn bie Scheuer kam? Uff bte einfachst Art von be- Welt! Ick bin gewohnt, jeben Owenb, ch' ich Bett geh', noch en Runbgang borch bc Hof zu matrp. Wie ick an bic Scheuer komme, seh ich brin en Lichtschein — ich springe zu — reiße bie Tür uff un seh' in bem Aageblick, wie en Mann zu ber Hin- nertiir von ber Scheuer hincmsläuft. Schnell hab' ich bo, wie ich Ihne schon sagt, bie vrennenbe Bünbel uffgepackt, — des is Alles, was ich Ihne sage kann!"

„Sie berufen sich also auf den großen Unbekann­ten? Das wird Ihnen wenig Helsen! Wenn ein An­derer als Täter m Betracht käme, ber bic Scheiter burch bie Hintertüre verlassen bat, dann hätten wir — ich unb mein Kamerab — ben Mann unbebingt sehen müssen! Tas ist aber nicht ber Fall! Dagegen steht es fest, baß es Ihnen bewußt gewesen ist, bie Vorräte hoch versichert zn haben — ich selbst war Zeuge davon, wie Sie am Nachmittag mit bem Agen­ten Jsibor Maler ans Samberg über ben Punkt spra­chen — es steht ferner fest, baß Sie bei bieser Gele­genheit Redensarten gebrauchten, bie sehr wohl als eine Drohung gegen ben Bauern Anton Herrschet aufgefaßt werd n können, ber Sie kurz vorher be­leidigt hatte! Das alles belastet Sie so schwer, baß §hnen Jb^e Ausreden kaum etwas Helsen werben!

estchen Sie deshalb lieber!"

Fortsetzung folgt.