2. Blatt.
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Fuldaer Leitung.
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Itadtver»rdnek«-Versamml«ng.
(!) Fulda, 30. September 1913.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenver. fommlung nahmen 27 Mitglieder des Kollegiums teil. Später erschien noch ein weiteres Mitglied. ~er Magistrat war durch den Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten. Den Vorsitz führte der Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Rang.
Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt Stv. Schwarz mit, auf feine Beschwerde gegen den Be- schluß der Stadtverordnetenversammlpng bezüglich Erhöhung des Zinsfußes bei der Sparkasse sei ihm von der Aufsichtsbehörde in den letzten Tagen mitgeteilt worden, daß ein Grund zur Ungiltigkeitserklärung nicht vorliege. Weiterhin hat sich die Aufsichtsbehörde dahin geäußert, daß damals eine Teilnahme der Schuldner der Sparkasse an der Beratung und Abstimmung über die Vorlage durchaus zulässig gewesen sei.
Oberbürgermeister Dr. Antoni kommt auf eine Aeußerung zurück, die er in der letzten Stadtverordneten, sitzung bei Beratung der Vorlage zwecks Aufstellung von Lrinkbrunnen in der Stadtschule getan hat. Er habe damals seiner Verwunderung Ausdruck gegeben, daß die Deckung der Kosten aus den Ueberschüssen 1913 vor. gesehen worden sei. Er habe aber die Akten nicht gekannt und infolgedessen nicht gewußt, daß die P r o - batur den Vorschlag gemacht habe. Der Magistrar habe überhaupt keinen Beschluß über die Deckung gefaßt gehabt. Sein Vertreter im Magistrat habe, auf jener Aeußerung der Probatur fußend, lediglich einen Hinweis gegeben. Er wolle im Hinblick darauf, daß er von einem Versehen seine? Vertreters geredet habe, diesen Tatbestand feststellen, damit nicht die Meinung entstehen könne, daß im Magistrat über die Deckungsfrage verschiedene Meinung herrsche.
1. Wahl des Stadtverordnetenvorstehers. Es werden abgegeben 27 Stimmen, davon lauten auf den Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Rang 26, auf den Stv. Fritz eine Stimme. Stv. Rang ist somit gewählt. Er dankt für das Vertrauen, bittet jedoch hin- sichlich der Annahme der Wahl um Bedenkzeit bis zur nächsten Sitzung.
2. Wahl zweier Beisitzer und deren Stellvertreter für die Stadtverordneten-Ergänzuygswahlen im November b. I. Mit dem 1. Januar 1914 läuft die Amtsdauer folgender Stadtverordneten ab: in der dritten Klasse Zahntechniker Kapp, Heizer Reith, Bankbor. stand Singer und Elektrotechniker Trabert; in der zweiten Klasse Geheimer Sanitätsrat Raabe, Hofbäckermeister Simmer und Glasermeister Traut; in der ersten Klasse Justizrat Gegenbaur f, Fabrikdirektor Dux und Möbelfabrikant Sauer. Außerdem haben von den im Jahre 1911 infolge der Vermehrung der Stadtverordnetenmandate neugewählten Herren zwei auszuscheiden. Durch das Los sind die Stadtverordneten Architekt Adam (1. Klasse) und Schlossermeister Fleischmann (2. Klasse) dazu bestimmt worden. Der Magistrat hat als Wahltermin für die dritte Klasse den IC. November, für die zweite Klasse den 13. November und für die erste Klasse den 14. November vorgesehen. Als Beisitzer und Beisitzer-Stellvertreter für den Wahlakt schlägt Stv. Sauer die Herren Alfred Kramer und Karl Kalb, bezw. die Herren Edmund Sell und Robert Berta vor. Diese Herren werden gewählt. Stv. Reith bittet den Magistratsbertreter, dahin zu wirken, daß die Wahl für die dritte Abteilung auf Dienstag, den 4. November (Kirch lveihdienstag), festgefetzt werde. Vor zwei Jahren habe die Verlegung auf diesen für die Arbeiter freien Tag auf die Wahlbeteiligung fehr belebend eingewirkt, während die jüngsten Ersatzwahlen nur eine geringe Beteiligung auf. liefen. Auch möge die Wahlzeit, die setzt auf die Stunden von 10—1 Uhr und von 4—7 Uhr beschränkt fee ausgedehnt werden, um ein langes Warten der Wähler, zu vermeiden. Sehr zu begrüßen wäre es, wenn die Arbeitgeber ihren Arbeitern die Beteiligung an der Wahl ohne Lohnausfall ermöglichten.
3. Führung eines Rechtsstreites. Dieser. Punkt'wird in die geheime Sitzung verwiesen.
4. Legung eines Wasserrohrstranges zwischen Petersberger- und Künzellerstraße. Von den schon in einer der, letzten Sitzungen vorgetragenen drei Plänen wird derjenige ausgewählt, der eine Zuleitung von der Pe- terSbergerstraße mit totem Anschluß nach der Georg- straße vorsieht. Die Kosten sind höher als Bei den andern Projekten und belaufen sich auf 4000 Mark. Jedoch ist durch die AuSführuüg dieses Planes eine Versorgung für lange Zeiten sicher gestellt. Er wird von der Gas- und Wasserwerkskommission befürwortet und einstimmig genehmigt.
6. Verpachtung eines städtischen Geländestücks an der Rhabanusstrasie an die Dresdner Bank. Die Stadtverordnetenversammlung hat sich in ihrer Sitzung am 7. Juli unter gewissen Bedingungen bereit erklärt, den Geländestreifen zwischen der Turnhalle und dem Bank- gebäude an die Dresdner Bank zum jährlichen Preise von 500 Mark auf 10 Jahre zu verpachten. Die Dresdner Bank, die dort eine Erweiterung ihrer Geschäfts- raume plant, soll die Sorge für die Erhaltung ausreichender Belichtung der Turnlhallenräume übernehmen rc. In einem Schreiben hat nunmehr die Dresdner Bank mitgeteilt, daß die Zentralbaustelle in Berlin tue Hohe des Pachtzinses beanstandet habe. 300 Mark
Klei«E Feuilleton.
. — Die Düngung der Obstbäume. Zu der be. sonderen Pflege der Obstbäume gehört eine geregelte und richtige Düngung, die man" im Herbst und im milden Winter vornimmt. Pros. Wagner empfiehlt den Obstsreunden eine Mischung zu gleichen Teilen von fünfzigprozentigem Chlorkalium und zwanzig, prozentigem Superphosphat. Von dieser Mischung streut man für einen starken Obstbaum ein Kilo- gramm um den Baum herum, soweit die Krone reicht, und untergräbt diesen Kunstdünger mit gewöhnlichem Stalldünger. Anfang März streut man nochmals Kunstdünger, und zwar diesmal 1i» Kilogr. Chili- salpeter aus, untergräbt diesen aber nicht, da er durch sie Schnee« und Regenfeuchtigkeit genügend und gut serteilt in den Boden sickert. Zeigen die Obstbäume einen zu üppigen Holz- und Blättertrieb und nur geringe Fruchternten, so kann man den Salpeter weg. lassen, da es dem Boden bann vorzugsweise an den zuerst genannten Dungstoffen fehlt. Sind dagegen Holz- und Laubtrieb und auch Fruchtansatz schwach, io darf der Salpeter keinesfalls wegbleiben. Bei kleineren Bäumen, Sträuchern, Pyramiden, Kordons usw. nimmt man entsprechend weniger Düngesalze. Liese Salze eignen ftd) in dem angegebenen Verhältnis übrigens auch sehr gut für Zierbänme und Ziersträucher, die man in Hinsicht des Düngens meist gänzlich vernachläistgt. lg.
( — Die Anwesenheit der Kinder. Wie sehr oft haben die Eltern untereinander etwas zu sagen oder ju klagen oder zu beraten, wie manchmal auch gibt's -inen kleinen Disput streitenden Charakters, und ach, hin und wieder tauchen auch ernstere Mißverstäud- rrisie auf, die den Frieden verscheuchen und die Liebe umschleiern. Oder die Sache liegt anders: Es kommt Besuch ins Haus, der Aerger und Zwistigkeiten nut sich bringt: Lmte, die Geld einziehen oder die Geld borgen wollen, die etwas verkaufen wollen, Leute aus tz« Veyvandtschast, Tanten PP., die sich in die Fann-
trerben für zulänglich befunden. Sollte die Stadt auf der höheren Pacht beharren, so sei der Verzicht auf den Erweiterungsbau und Zuziehung des 1. Stockwerkes beS Hauses zu den Geschäftsräumen geplant. Der Stand- punkt, die Dresdner Bank könne infolge ihrer Leistungsfähigkeit einen höheren Pacht zahlen, könne nicht geteilt werden. Wolle man Unterschiede machen, so müsse man eher der Dresdner Bank, als einem der größten Steuerzahler besonderes Entgegenkommen zeigen. Stv. Laux, der Berichterstatter, meint, die Festsetzung des Pacht- preifek in der beanstandeten Höhe fei doch lediglich aus dem Grunde erfolgt, weil sich die Stadt für 10 Jahre ihres Verfügung-rechtes über da? Grundstück begebe. Er empfiehlt jedoch den neuen Magistratsvorschlag, wonach die Verpachtung für 300 Mark jährlich erfolgen soll, anzunehmen, da hierbei der Quadratmeter immer noch 76 Mark einbringe. Es seht eine längere D e- batte ein, an der sich zahlreiche Stadtverordnete beteiligen. Stv. Kircher: Wenn der Dresdner Bank nicht jo viel an dem Projekt gelegen ist, daß sie die geforderten - 500 Mark bezahlt, so . braucht der Stadt auch nichts an dem Scheitern des Erweiterungsbaues zu liegen. Ein Vorteil für die Turnhalle ist der Erweiterungsbau jedenfalls nicht. Stv. Trabert: Wenn die Zt ■eener Bank Rücksicht wegen ihrer hohen Steuerleistung verlangt, so muß ich doch bem-rken, daß sie doch n-ohl nur hier ist, weil sie hier Geschalte macht. Wenn jie viel Steuer bezahlt, so ist daZ eben ein Beweis, daß sie Geschäfte macht. Stv. Schwarz erwähnt die Möglichkeit, daß die Turnhalle innerhalb de: zehn Jahre abbrennen könne. Dann wäre die Sl:dt durch das Vor- handeniein des Vertrages in der Ausnutzung de? wertvollen Bauplatzes behindert. Stv. Dux wünscht Rück- sichtnabmr auf berechtigte Wünfche d-s Instituts. Denn das Vorhandensein der Bank sei für die Fuldaer Gewerbetreibenden von großem Nutzen. Derselben Ansicht sind, die Stadtverordneten Eickenscheidi und We - b e r. Oberbürgermeister Dr. Antoni gibt noch zu bedenken, daß mit dem Unterbleiben des Erweiterungsbaues den hiesigen Bauhandwerkern etwa 15 000 Mark an Baukosten entgehen würden. Stv. Trabert kann nicht verstehen, was 200 Mark mehr oder weniger für die Dresdner Bank bedeuten. Mit der Bausumme sei den Handwerkern nicht geholfen. Stv. M o d e st findet c5 unerklärlich, daß Handwerker, die immer klagten: wir gehe»: zu Grunde, so wenig Interesse für eine Verdienst- gelegenheit an den Tag legten. Stv. Dux teilt dieses Staunen und vermutet besondere Gründe. Stv. Sckultheis tritt warm für ein Entgegenkommen gegen die Bank ein. Stv. Kircher dagegen hat den Eindruck: die Dresdner Bank handelt kleinlich. Mit großer Mehrheit wird darauf befchloffen, den Geländestreifen für jährlich 300 Mark auf 10 Jahre zu verpachten.
Schluß der öffentlichen Sitzung halb 9 Uhr.
Lokales.
Fulda, 30. September 1913.
0 Die Ausschußwahl der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Fulda steht für morgen bevor. § 15 der R.-B.-O. lautet:
„Die Vertreter bet Unternehmet und anderer Ar- bettgeber und bet Versicherten werden nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Wird dabei die Stimmabgabe auf VorjchlagZlisten beschränkt, so bestimmt die Satzung, bis wann sie einzureichen sind; die Wahl ist, unbeschadet der Vorschlagslisten, geheim."
Wählern, welche «sich über dieses Wahlverfahren nicht recht klar sind, diene Nachstehendes zur Kenntnis. Die Ortskrankenkasse dahier hat die Stimmabgabe auf sog. ft r e h g gebundene Vorschlagslisten beschränkt. Diese Listen dürfen höchstens 80 Namen von Bewerbern aufweisen und müssen von 15 wahlberechtigten Versicherten unterzeichnet sein. Solcher Listen sind nun drei bei der Kasse und zwar der Zeit nach in folgender Reihe eingereicht und satzungsgemäß mit den Ordnungsnummern versehen worden. Nr. 1. Liste des Zwölfer-Ausschusses mit 76 Bewerbern, Nr. 2 Liste der vereinigten freien Gewerkschaften mit 26 Bewerbern, Nr. 3 Liste des Sozialen Ausschusses mit 80 Bewerbern. Da auf streng gebundene Listen gewählt wird, so kann der" Wähler nur für eine Liste stimmen. Da diese Listen im Kaffenlokal zur Einsicht offen liegen, so ist es unnötig, die 76, 26 und 80 Bewerbernamen auf die Stimmzettel drucken zu lassen. Aus . diesem Grunde hat der Kassenvorstand bekannt gegeben, daß auf dem Stimmzettel nur einzig die Or d n u n g s n u m m e r stehen darf. Der Wähler erhält im Wahllokal einen mit dem Kassenstempel versehenen Umschlag, begibt sich in eine Wahlzelle, wo er unbeobachtet den ibm beliebigen Stimmzettel in den Umschlag steckt. Sodann tritt er vor den Wahltisch, nennt seinen Namen und den Namen seines Arbeitgebers und übergibt dem Wahlvorsitzenden seinen Umschlag. Einer von den Wahlbeisitzern sucht den 9(amcn des Wählers in der Liste auf, versieht den Namen mit einem Vermerk und erff darnach wirst der Wahlvorsitzende selbst den
lienangelegenheiten mischen, die überall kritteln und tadeln — je nun, man kennt das ja! Und nun bedenk* man den Gesichtskreis und die Eigenheiten der Kinder! Das Haus ist ihre Welt, ihre geistige Entwickelung wird vornehmlich noch geleitet vom Nachahmungstrieb, und chre natürliche Wißbegierde wird gestillt durch alles das, was in ihrer kleinen Umgebung vor sich geht, was sie hören und sehen. Und zu alledem machen sie sich ihre Gedanken. Man denke doch nicht, daß „die Kinder noch nichts verstehen". Sie verstehen alles, natürlich nach ihrer Weise, und das ist eben das Schlimme. Das Verantwortungsgefühl der Eltern sollte in Gegenwart der Kinder nie harte Worte gebrauchen, nie einen Streit austragen, nie Nachteiliges über die anderen b erichten. Die Eltern sind es den Kindern schuldig, die Atmosphäre im Hause rein zu erhalten, zugleich zu ihrem eigenen Vorteil. Der Sonnenschein der Kindheit bleibt eilt Lebenlang im Gedächtnis, und ganz anders wird sich der junge Mensch entwickeln, wenn er frohen Herzens seines Vaterhauses mit den schönen Sitten gedenkt, als wenn er sich einer Jugend erinnern muß, in der keinerlei Zucht und Ordnung herrschte! ef
— Der chinesische Salomon. Da? chinesische Gerichtsverfahren hat sich unter der Herrschaft der Republik nicht wesentlich geändert. Es geht immer noch sehr patriarchalisch in Rechtssachen zu. Ein Fall, der, wie bte „Tsingtauer Neuesten Nachrichten" erzählen, kürzlich in Weishien zur Verhandlung kam, findet viel Bewunderung im Volk, weil nach alter gewohnter Weise ein schwieriger Rechtsfall listig be.tgelegt wurde. ES handelte sich um ein zartes Fräulein, das in frühester Jugend von den Eltern an einen Herrn Tschia verlobt worden war. Ihr Verlobter war aber sehr arm, und die Eltern hätten aus der frisch aufgeblühten Rose, wie ihre Tochter genannt wurde, gern mehr „herausgeschlagen." Deshalb hielt mau es mit zwei anderen Liebhabern der jungen Maid, die von Haus aus vermögend und angesehe- waren. Ping und Ji hießen die beiden reichen Herren, die in dem Haus der armen schönen Rose verkehrten. Als aber die Zeit, da man ans Heira-
Urnschlag in die Urne. Nach Schluß der Wahl wird auf Grund der Vermerke in den Wählerlisten fest- gestellt, wie viele Wähler zur Stimmabgabe rugelas- fen wurden. Alsdann werden die Wahlurnen versiegelt und dem Vorstande übermittelt. Die Verteilung der Stellen auf die Wahlvorschläge erfolgt nach dem sogenannten „Höchstzahlensystem", welches geeignet ist, selbst den kleinsten Wählergruppen eine Vertretung 'n ge reit. Es find dahier 40 Vertreter zu wählen. Nehmen wir an, es seien vier Vorschlagslisten eingereicht worden und es würden in Summa 1600 Stimmzettel auf diese abgegeben werden. Von diesen Stimmen würden entfallen auf Liste Nr. 1 — 800 Stimmen, Nr. 2 — 400, Nr. 3 - 200 und Nr. 4 — 200 Stimmen, so wären hiernach auf Liste 1 — 20, auf 2 —10 und auf die Listen 3 und 4 je 5 Bewerber als Vertreter gewählt. Die Namen der Bewerber müssen auf den Vorschlaglisten mit lausender Nummer versehen sein, die Stellen werden darnach von oben nach unten verteilt. In derselben Ordnung rücken nach Bedarf die Ersatzleute ein. Nach obigen Beispie' len begännen die Ersatzleute also mit den Nummern 21, 11, 6 und 6. Nur der Stimmzettel darf in den Umschlag gesteckt werden. Sind verschiedene Nummern in einem Umschlag, so sind sämtliche Zettel ungültig. Finden sich mehrere Zettel, welche, eine und "selbe Nummer aufweisen, so ist die Stimme gil wird aber nur einmal gezählt.
Der Soziale Ausschuß wird, wie, srüher, durch die „Fuld. Ztg." bekannt geben, mit welchem Prozentsatz sich die Mitglieder der 15 ihm angeschlos-' Jenen Vereinigungen an der Ausschußwahl beteiligt haben. Nach einem neuen Beschlüsse wird auch ben Vorständen der Bereinigungen mitgeteilt werden, welche von ihren Mitgliedern ihr Wahlrecht nicht aus- geübt haben.
X Landwirffchastskammer. Durch Erlaß des Staatssekretärs des Innern vom 8. Juli er. ist der Landwirtschaftskamme: zur Anstellung von Kalidüngungsversuchen statt wie bisher 6000 Mark für das laufende Jahr nur eine Beihilfe von 3000 Mk. bewilligt worden. Die Kammer ist hierdurch in die denkbar unangenehmste Sage gekommen, da die diesjährigen Versuche noch einen Aufwand von 3000—4000 Mk. erfordern, für welche Summe zu- nächst keine Deckung vorbanden ist. — Die Kammer beschloß beim Staatssekretär des Innern eine weitere Beihilfe von 4000 Mk. für das laufende Jahr zu beantragen und den Landwirtschaftsminister zu bitten, seinen Einfluß zugunsten der Landwirtschaftskammer geltend zu machen. Weiter beschloß die Kammer zwei Kalifelddüngungsversuche abzubrechen und drei weitere Versuche fortzusetzen, darunter einen bei Hrn. Bürgermeister Ilonas zu Rex im Kreise Fulda. Schließlich wurde beschlossen, mangels verfügbarer Mittel neue Wiesendüngungs- vcrsuche nicht einzuleiten, die bisherigen dagegen fort» zusetzen.
A An den Kaisermanövern 1914 nimmt den neuesten Mitteilungen zufolge auch das dritte bayerische Armeekorps teil. (Das dritte bayerische Armeekorps umfaßt die in Nürnberg, Regensburg usw. garnisonierenden Truppen).
* Beihilfen an Kriegsteilnehmer. Das Gesetz betreffend die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer ist nunmehr amtlich veröffentlicht worden. Es erhöht bekanntlich die Beihilfen für unter" stützungsbedürftige Kriegsteilnehmer aus dem Feldzuge von 1870-71 und aus den von deutschen Staaten vor 1870 geführten Kriege« auf den Betrag von 150 Mark jährlich. Den Witwen werden die Bezüge der Verstorbenen für die aus den Sterbemonat folgenden drei Monate belassen. Die Beihilfen werden bei Unterstützungsbedürftigkeit unabhängig von dem Nachweis der Erwerbsunfähigkeit gewährt. Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Sage sind Zuwendungen dritter "nur insoweit zu berücksichtigen, als sie auf rechtlicher Verpflichtung beruhen. Bei Fesfftellung der Fürsorgewürdigkeit hat das politische Verhalten der Kriegsteilnehmer außer Betracht zu bleiben. Das Gesetz tritt mit dem 1. Oktober 1913 in .ßraft.
* Ein Gedenkblatt für die jungen Wanderer. Auf ben Höben jubelt's, in den Tälern ettlinaen lustige Wanderlieber, Frohsinn und Scherz erfüllt unsere Jugend, die in ben Herbstferien hinauszieht, sich zu erfreuen an der schönen Natur, den Geist zu erfrischen und dem Körper neue Lebenskraft zuzuführen. Hohe Zwecke werden bei den Wanderungen erreicht, und den Natur- und Menschenfreund erfüllt'? mit Freude und Wonne bei dem Anblick der fröhlich dä- binziehenden sorglosen Jugend. Die sittliche Kraft wird gehoben, der Körper zu Widerstandsleistungen gestählt, und getrost kann Deutschland in die Zukunft schauen, bas eine entschlossene, tatkräftige und frisch- fröhliche Jugend sein einen nennen kann. Eines
ten dachte, nahte, machte der richtige Bräutigam seine Rechte geltend, und da er bei seinen Schwiegereltern nichts erreichte, ging er zum Gericht. Zu der Verhandlung erschienen auch die beiden Liebhaber und ließen von einem jungen Rechtskundigen ausführen, daß die alte Form der Eheschließung heute in dem neuen Reiche der Republik nicht mehr in Gültigkeit sei. Der Braut müsse die Freiheit gegeben werden, unter ihren Bewerbern zu wählen, und wen sie wähle, der könne sie als Frau himführen. Das umstrittene Mädchen war nicht verlegen und wählte flugs den reichen junge« Herrn Ji aus, ohne den sie nicht mehr leben wolle; alle andern sollten ihr fern bleiben. Der KreiSamtmann sah sich die erschienenen Leute eine Weile an, dann sagte er zu dem Mädchen: „Denke einmal nach, deine Eltern haben dich an Herrn Tschia verlobt und darüber einen Vertrag geschlossen. Herr Tschia hat jahrelang auf dich gewartet, bis du groß, geworden bist, und hat dich als die für ihn bestimmte Braut angesehen. Nun kommen zwei andre daher, die ihm seine Braut wegnehmen wollen. Deinetwegen sind drei Familien in einen Prozeß verwickelt und eine Einigung wird nicht erzielt. Es wäre besser, du folgtest keinem von den dreien, sondern zögest den freiwilligen Tod vor, dann werden hie Fa- milien wieder einig sein und keinen Haß gegeneinander hegen." AIS die Braut darauf einging und erklärte, sie wolle gern sterben, rief der Richter einen Bedienten. der eine Pille holen mußte, „die den sicheren Tod schmerzlos herbeiführt" Diese Pille nahm die bleiche Braut ruhig ein, worauf der KreiSamtmann fragte, wer nun die bald sterbende Braut Bee-bigen wolle, denn es sollte eine Feier stattfinden für ihre Heldentat. Die beiden reichen Brautwerber schüttelten den Kopf und lehnten ab; der arme Bräutigw aber führte seine zit. ternde Braut fort, um sie nach ihrem Ende zu bestatten, denn sie gehöre nun einmal zu ihm. In seiner Wohnung wartete man auf ihr Ende, allein sie starb nicht, denn die Pille hatte kein Gift enthalten und am siebenten Tag nach dem Gerichtsspruch feierte man die Hochzeit.
— Der Gipfel amerikanischer Reklamekunst. Die Amerikaner sind bekannt für Ähre Fähigkeit, alles zu
Vs 226.
Dienstag 30. September 1913.
möchten wir der fröhlich wgndernden Jugend drin< gtnb ans Herz legen: Schont die Natur, schont' Bäume und Sträucher und schont insbesondere die Feldfrüchte, das Ergebnis des saueren Fleißes unteres Sandmannes! ES werden tiefbetrübende Klagen laut über Beschädigungen, Zerstörungen und Obst- räubereien, die manchmal den atmen Mann recht hart treffen und ein ungünstiges Vorurteil gegen die, Wanderer, auch die solcher Taten nicht schuldigen, wecken. »Füllet daher euern Rucksack zu Hause und lasset jedem das Seine!"
1*1 Schöffengericht. Ein Fahrrad-Diebstahl beschäftigte heute zunächst das Gericht. Der 13 jährige Schüler A. V. von Hojbieber hatte im März d. Js. aus dem Spritzenhaus in Bieberstein ein Fahrrad gestohlen, es längere Zeit benutzt und dann im Walde abgesteüt. Seine Mutter M. V. ist der Hehlerei" angeklagt. Der Amtsanwalt beantragte gegen den Schüler A. V. wegen Diebstahls eine Gefängnisstrafe von 5 Tagen und gegen seine Mutter wegen Hehlerei eine solche von 14 Tagen. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Jugend des Angeklagten auf einen Verweis, die Mutter hat wegen Hehlerei 1 Woche Gefängnis zu verbüßen. — Der 26 jährige Fabrikarbeiter G. W. von hier soll seinen Bruder in einer Wirtschaft zu H. mit einem offenen Messer bedroht haben. Die Drohung konnte nicht erwiesen werden, folglich erkannte das Gericht auf Freisprechung. — Der 24jährige A. B. aus Horas hat aus lieber» mut in angeheitertem Zustande eine Fensterscheibe in der Wohnung der Witwe K. eingeschlagen. Er ist geständig. Das Gericht diktierte ihm wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung eine Geldstrafe von 5 Mark zu.
& Von ihrer Familie entfernt hat sich seit über acht Tagen die Frau des Arbeiters E. Alle Nachforschungen bei Verwandten usw. waren ergebnislos. Die Vermißte, eine tüchtige, arbeitsame Frau in den fünfziger Jahren, ist von kleiner Statur und ländlich gekleidet. Man fürchtet, daß sie in einem Anfalls von Schwermut sich ein Leid angetan habe.
Angeschlosskn unter Nr. 388 ist an das Fernsprechamt die Papier- und Schreibwarenhandlung von Oskar Schleicher, Marktstraße.
Aus dem Nachbargebiete.
* Eiterfeld, 29. Sept. 1913. Dem Karl Erbenich in Fulda ist vom Landgerlchtsprästdenten in Hanau die Erlaubnis zum mündlichen Verhandeln vor dem hiesigen Amtsgericht widerruflich erteilt worden.
h. Leihgestern (Prov. Oberhessen), 29. Sept. 1913. Betrunkene Mitglieder eines Vereins aus Ruttershausen schlugen gestern ohne jede Veranlassung den ihnen begegnenden Gemeinderat ©aber nieder, wobei diesem die Schädeldecke zerschmettert wurde. Saber kam in hoffnungslosem Zustande in die Gießener Universitätsklmik.
* Bebra, 28. Sept. 1913. Eine zweite 11 n- terführung wird gegenwärtig an der Südseite des hiesigen Bahnhofsgebäudes hergestellt. Sie soll den Reisenden Erleichterungen beim Ilmsteigen in den auf den jenseitigen Bahnsteigen haltenden Zügen verschaffen.
* Wächtersbach, 29. Sept. 1913. Ein Brandstifter treibt in unserem sonst so ruhigen Städtchen sein ruchloses Spiel. Vor ca. 8 Tagen brannte es im Anwesen der Fürstlichen Verwaltung, wo die Heu- vorräte lagerten und wurde der gesamte Vorrat ein Raub der Flammen. Samstag nacht stand plötzlich die andere Seite, die ganz mit Frucht gefüllt war, in hellen Flammen. Tie herbeieilende Wehr hatte einen schweren Stand und mußte alle Bemühungen darauf richten, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Es konnte nichts gerettet werden, auch sämtliche landwirtschaftliche Geräte sind mitverbrannt. Ter Schaden ist enorm.
* Gelnhausen, 30. Sept. 1913. Mit Schluß des Sommerhalbjahre? ist Herr Lehrer Karl D r u s ch e l von der hiesigen Mittelschule in den wohlverdienten Ruhestand getreten, nachdem er nahezu 40 Jahre an dieser Schule gewirkt hat. Fast 50 Jahre treuer Arbeit liegen hinter dem Scheidenden. Die Entlassung aus dem Amte fand in der festlich geschmückten Turnhalle der Augustaschule durch Herrn Mittelschul- Rektor Voos statt. Landrat Graf v. Wartensieben , überreichte mit freundlichen Worten Herrn Druschel den Kronenorden 4. Klasse.
fr. Frankfurt a. M., 29. Sept. 1913. Nicht weniger denn 12 Personen stürzten gestern infolge Schwäche oder Krampfanfälle auf offener Straße nieder und mußten durch die Rettungswache den Kranken-. Häusern zugeführt werden.
!! Frankfurt a. M., 29. Sept. 1913. Die Eröffnung der auf dem 30000 qm großen Gelände bei
Reklamezwecken dienstbar zu machen; sie sinv ftrnpel- lo8 in der Wahl ihrer Mittel. Es scheint wirklich, als diene ihnen jedes Ereignis nur zum Vorwurf einer .Reklame-Taf. In einem Warenhaus _ in Brooklyn ist ein Brand ausgebrochen; schon seit einer halben Stunde weiß man, daß memckliche Hilfe vergebens sein wird: höchstens die Mauern werden übrig bleiben. Wie untröstlich stürzt der Inhaber fort und die Feuerwehr arbeitet mutig weiter, um ein weiteres Umsichgreifen der Flammen zu verhüten. Am Spätnachmittag ist der Brand gelöscht; wie eine Ruine einer mittelalterlichen Burg sieht das Haus jetzt. Da bahnt Hch ein Mann den Weg durch die staunende Menge; Lnitleidig macht man ihm Platz. Der Abgebrannte ffts. Hinter ihm kommen Männe« und die heften Plakate an die Ruinen an, Plakate, die in aller Elle gedruckt wurden,, während das Feuer wütete, mit dem der Warenhausbesitzer doch nicht ringen konnte: .Unsere Firma ist bekannt für billigen Verkauf! Warten Sie aber ben Brand ab; dann zeigen wir Ihnen, welch besondere Gelegenheitskäufe wir für Sie auf Lager haben!" Und damit wurde das ganze halbzertrümmerte Haus an allen Ecken und Enden „geschmückt". sk.
— Fremdwörter aus der Tanzkarte. Zu dem Artikel in Nr. 21"> wird uns noch geschrieben: Die Ausführung sind lebhafter Zustimmung sicher^ denn was tut man heute nicht alles bei uns mit Fremd- Wörtern — man steht auf, man arbeitet, man lebt, man — tanzt mit Fremdwörtern. In letzterer Rubrik fiel mir kürzlich eine Tanzkarte auf — ausgegeben bei der Eröffnungsfeier eines öffentlichen Gebäudes —. Auf derselben interessiert mich neben den offiziellen und inosfiztellen Ausdrücken die Bezeichnung des Schlußtanzes „(Saloppabe*!! War hierfür nicht der richtige deutsche Ausdruck zu finden — aber, tch ver- aesse ja, daß sich die'Herrschaften auf einem ofstziellen Balle befanden, wo man eben nicht den gut deutschen Galopp, sondern wo man eben .Galoppade" tanzt.