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Irschen Bunde die Forderungen unseres Rechts zu vertreten; wenn aber aus dem deutschen Reiche „im Interesse des konfessionellen und inneren Friedens" eine Vereinigung verbannt zu werden verdiente, dann wäre cs der Evangelische Bund, dieser echt vaterländisch-deutsche Verein, von dessen Wirken gegen Umsturz und Anarchie man nie etwas vernimmt, wohl aber zum Nebcrdrutz von seinem Hetzen oegen alles, was katholisch beißt. Es ist ja dem Ev ige. lischeni Bund schon ost genug von evangelischer Seite selbst bezeugt worden, wie wenig seine Tätigkeit im Einklang steht mit evangelischem Geist, und immer mehr haben sich die überzeugungstreuen, Protestanten von dieser Vereinigung abgewandt, die eine Sammel­stätte der Liberalisierenden und mit der Landeskirche Verfallenen geworden ist.

Uns täte der Bundesrat leid, wenn er dem Be­fehl des Evangelischen Bundes in Sachen des Je­suitengesetzes wieder einmal kleinmütig nachgeben würde. Die Herren im bohen Bundesrat werden hoffentlich doch so viel Einsicht und Rechtssinn be­sitzen, um herauszufühlen, ob in Metz oder in Görlitz die Stimme des Rechts gesprochen hat, und darauf kommt es an!

nicht weniger a] der Abg. Hosfm der natioitaliibi

Deutsches Reich.

* Berlin, 29. Sept. 1913. Nach Blattermeldungen wird demnächst eine Konferenz von Vertretern aller deutschen Kultusministerien stattfinden, die untersuchen soll, ob sich nicht in einer Reihe von Fragen und Bestimmungen des Schulwesens eine größere Einheitlichkeit in den deutschen Bundesstaaten erzielen ließe. — Der Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück ist in dienstlichen Angelegenheiten nach München gereist. — Wie die «Dass. Ztgck er­fährt, hat Karl Für st en berg, der Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft, nunmehr den Vorsitz über die Diamantenregie der deutschen Schutzgebiete niedergeleqt. ,, ,

» Äerzte und Krankenkassen, Man schreibt der Köln. Vztg/: In den letzten Wochen'haben Ver- Handlungen zwischen den großen Kranken! ffsenver» bänden und dem deutschen Aerztevereinsbunde sowie seiner wirtschaftlichen Abteilung, dem Leipziger Ver- band, stattgefunden. Der Verlauf läßt einenFrieden in dem 'langjährigen Streit zwischen dem Aerzteverbande und ■ den Kassenverbänden erhoffen. Die Entscheidung wird in den nä bften Tagen fallen. Wir hoffen, daß sich alle an diesen Verhandlungen Beteiligten der Schwere ihrer Verantwortung bewußt iinD‘* Tie Klagen über den starken Besuch von Aus- ländern an den deutschen Universitäten, durch den die reichsdeutschen Studenten am zweuentjprechenden Besuch der Hochschulen verhindert werden, entbehren laut ,Nordd. Allg. Ztgck nicht der Berechtigung. Der preußische Kultusminister hat sich daher zur Fest, setzung einer Höchstzisser entschlossen, die von den Studierenden keines fremden Staates überschritten werden darf. Rückwirkende Kraft besitzt das Gesetz

nicht-

* Die Vielrcdncr im» Abgcordnetenhause. Wah­rend der letzten Laudtagsscssion hat der Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) im preußischen Abgeordnetenhause nicht weniger als 232 Reden gehalten, und außerdem ■ " tann (Soz.) 142 Reden. Dann kommt

... __________liberale Fraktioiisführer Dr. Friedberg

mit 117, der ireikonservative Frhr. von Zedlitz mit 112 Reden. Der 5. Abgeordnete aber, her über 100, nämlich 102 Reden gehalten hat, ist wiederum ein Sozialdemokrat, nämlich der Genosse Leinert. Die 7 Sozialdemokraten hielten zusammen 682 Reden, die 5 Führer der bürgerlichen Par­teien zusammen nur 341, also genau die Hälfte. In einem so unverhältnismäßig hohen Maße, schreibt

weiß! Er Hot sei Wort gebroche — do mogst Du des jetzt wenne (wenden) uit drehe wie Du willst, un eher kann ich nit Widder so recht e Herz zu ihm fasse, bis er des Widder gut gemacht Hot!"

„Dann kannst Tu in Ewigkeit kaan Herz mehr zu ihm fasse — denn gutmache kann er des nie! Des Klärche, dem er, wie Du sagst, sei ^ßort gebroche Hot, is doch verheirat!"

„Er kann's uff anner Art gut mache! Wär's mit Deim Bruder un dem Klärche richtig wor'n, dann wär'n wir aus alle Sorge heraus — so sitze wir drin bis zum Hals un das is doch nur sei Schuld! Do liegt doch nir näher, als daß er jetzt die Gelegenheit beim Wieckel kriegt un dem Herrsche! sei Julche nimmt — dann kimmt alles in die Reih! Und daß Du's nur waaßt — der alt Herrsche! hot schon klipp und klar mit mir über die Beschickst gereb!" —-

„So hot er des?" — Man sah es dem Gesichte des Mädchens an, daß es einen guten Teil der Ener­gie seiner Mutter geerbt hatte. „Dann muß ich Dir nur sage, Mutter, daß Tu do etwas von dem Ernst verlangst, was Eltern nie von ihr'n Kinner verlange sollte! Weil Tu aus de Sorge herauskomme willst, mufft Du meint Bruder zu daß er sich for sei ganz Lewe an en halbe Krüppel binne soll, an e Fraa, die er atoer aoch nit e bi§ck>e gern hawe kann — alles nur Wege dem liewe Geld? Naa --- do geb ich dem Ernst recht, wenn er sagt: Lieber e End mit Schrecke, als wie en Schrecke ohne End!"

Frau Rother hatte sich erhoben und maß ihre Tochter mit einem finstren Blick. „Des iS jo noch schöner, daß Tu Dich aach gege Dei Mutter stellst" sagte sie dabei in bitterem Ton. „No mcintwege — des kannst Du jo halte wie Du willst! Awer was »Du do maanft mit dem End mit Schrecke — des kimmt, do druff kannst Du Dich verloste! Oder maanft Du, es tät aaner vom Himmel herunner- falle, der uns das Geld for die Hypothek gibt, wenn sie uns de alt Herrsche! uffsagt? So gesche'id bist Du doch aach, daß Du waaßt, daß ewe von faant Mensch Geld zu hawe is! No — macht nur alles wie Ihr wollt, wie Jhr's in Eiern junge verdrehte Köpp for richtig halt — Ihr werd jo sehe, wie weit Ihr do- mit fommtl"

hierzu die „Deutsche Tageszeitung", läßt also das Abgeordnetenhaus die kleinste Fraktion zu Worte kommen, die gelegentlich noch die Unverfrorenheit besesten hat, sich über Beschneidung der Redefreiheit zu beschweren! Dabei soll noch ganz davon abgesehen werden, daß die sozialdemokratischen Reden an Länge den Durchschnitt der bürgerlichen meisten um ein Vielfaches zu überschreiten pflegen.

* Münster, 2' Sept. 1913. Der Vorstand der Westfälischen rntrumspartei bat beschlossen, von der Verannanung verschiedener Parteitage für die einzelnen Bezirke vorläufig Abstand zu nehmen und dafür einen großen Parteitag für die ge- famte Provinz Westfalen nach Münster einzuberufen. Ter Parteitag ist auf Mittwoch, den 19. November, festgesetzt.

* München, 29. Sept. 1913. Das von dem heute wieder zufammengetretenen bayerifchenLandtag vorgelegte Budget für 1914 und 1915 schließt in Einnahme und Ausgabe für jedes der beiden Jahre mit 785068 730 Mark ab. Unter den Ausgaben be- finden sich u. a. neu eingestellt 2110000 Mark zur Ausbesserung der Gehälter der Landlehrer und 1168976 Mark zur Erhöhung der Zivil liste. Die Zahl der Beamten soll abermals um 1995 vermehrt werden. Der Mehraufwand beträgt neun Millionen Mark jährlich.

— Aus Baden, 28. Sept. 1913. lieber eine Konferenz, die am Allerheiligentage 1912 zwi­schen linksstehenden Politikern Und Freidenkern statt- gesunden hat, um die bisher vom Staate gewährte Dotation der Geistlichen zu Falle zu brin­gen, ist ein Protokoll ausgenommen worden, das ft r e n g geheim gehalten werden sollte, da ja vor den Wahlen niemand wissen sollte, was man plante. Durch eine Ungeschicklichkeit ist es aber bekannt ge­worden, und nun wissen die Wähler, woran sie sind. Der Freidenker Dr. Mauren breche r, der Leiter der Konferenz, war darüber sehr erbost und hat im nationalliberalen Mannheimer Generalanzeiger eine Erklärung veröffentlicht, in der es hieß:

lieber die Art und Weise, wie das Protokoll zunächst in die Hände der katholischen Geistlichkeit gekommen ist und von ihr, um die Spuren zu verwischen, dem ortho­doxen Protestantismus in die Hände gespielt wurden, möchte ich mich heute noch nicht äußern. Es kann aber sein, daß darüber einmal Dinge veröffentlicht werden müssen, die für die Moral der katho­lischen Geistlichkeit und für das Geheim, nis des Beichtstuhls geradezu Vernich, tend sind.

Dr. Maurenbrecher ist darauf in der Zentrums- Presse aufgefordert worden, seine ungeheuerlichen Verdächtigungen zu beweisen, oder zuzugeben, daß er einer argen Täuschung zum Opfer gefallen fei. Beides geschah bis dahin nicht. Deshalb sah sich so­gar der nationalliberale Mannheimer Generalanzei­ger veranlaßt, auf die Sache zurückzukommen, und zu schreiben:

Wir möchten dazu bemerken, daß da? lange Schweigen Maurenbrechers nicht nur in Zentrums­kreisen Befremdung erregt. Hat er Beweise für seine schweren Anklagen, toarum bringt er sie nicht schleunigst vor, statt durch Schweigen den Anschein zu erwecken, er habe keine? Schweigt er aber weiter, statt zu bekennen, daß er irregeführt wurde, oder seine Be. weise zu veröffentlichen, so würden die ultramontane Presse und die ultramontanen Agitatoren landauf land, ab diesen „krassen Fall antikatholischer Vorurteile" her- umreichen und nicht müde werden, mit ihm das katho­lische Volk aufzupeitschen, damit es in seiner Bedräng­nis vor diesen Vorurteilen sich in die Arme des Zen­trums rette. Wir würden das sehr bedauern, wenn Maurenbrechers Behauptungen dem Zentrum zu einem willkommenen Agiiationsmittel würden. Also, er be. weise sie, oder gestehe, daß er allzu leichtherzig et. welchen Freunden Glauben geschenkt habe, und zerstreue jedenfalls auf die eine oder die andere Weise den von den Ultramontanen eifrig ausgebeuteten Wahn anti«

Gustel hatte während den letzten Worten der Blutter den Kopf gesenkt und starrte schweigend vor sich hin. Auf ihrem hübschen Gesicht mit den fest zusammengefireßten Lippen spiegelte sich augenfchein- lich ein heftiger innerer Kampf ab, denn fast schien es, als ob sie mit Gewalt einen Tränenausbruch unterdrückte. Jetzt trat sie der Mutter entschlossen einen Schritt entgegen und sagte:

„Eher, als daß der Ernst for sei ganz Lewe un­glücklich werd, eher tu ich Dir der Wille un heirate dem Borjermaaster sein Adam, wenn alle Sträng reiße!"

„Des wolltst Du tun, Gustel?" erwiderte Frau Rother sichtlich freudig überrascht. „Ja,.— dann wär' jo alles gut! Dann kämst Du in e gemacht Best un aach uns wär geholfe — der Borjermaaster läßt uns nit stecke! litt der Adam is doch wahrhaftig en Borsch, der sich sehe loste kann! Wie lang geht er Dir schon zn Gefalle un Du wolltst nir von ihm wisse!

„Mutter — Du waaßt, warum ich nix von ihm wisse wollt! Des Bremser? August Hot mei Wort un ewe noch host Du doch gesagt, daß mer e gegebe Wort unner alle Umstände halte müßt!"

„Och geh mir doch Haarn mit des Bremsers August! Wie ost soll ich Dir dann sage, daß aus bete Geschicht im Lewe nix wer'» kann! Was host Tu dann an dem August? Der kann doch nit dran denke zu heirate, wo er so arm is wie Hiob un sein Mutter und fünf Geschwister zu ernähre Hot! Nix un nix gibt Widder mx! So gescheidt Werst Du doch sein, daß Du Dir die aussichtslos Geschicht aus dem Kopp schlägst!"

„Wenn ich mir die Geschicht aus dem Kovp schlage, dann geschieht's nur, Weills sein muß! So hart mich's un den August ankimmt" — die Spreche­rin unterdrückte nur mit Mühe ihre Tränen — „er werd's einsehe, daß ich nit annerst kann! Awer des sag ich Dir Mutter: Nur wenn's zum Schliptrnste kimmt, sag ich dem August ab! Un bis bohin darf dem Borjermaaster keim Adam mit kaam Wörtche Hoffnung gemacht Wern — des mußt Du mir ver­spreche!"

Frau Rocher betrachtete das erregt vor ihr stehende Mädchen sinnend und etwas wie eine wei­

katholischer Vorurteile, die in Wirklichkeit weder bei ihm noch den st .fügen Gegnern des Klerikalismus vor. Händen sind.

Man sollte meinen, es sei nicht notwendig, Dr. Maurenbrecher mit der Agitation des Zentrums zu schrecken, um ihn zur Erfüllung einer Ehrenpflicht den katholischen Geistlichen gegenüber zu veranlassen, die er mit seinen Behauptungen in ihrer Priesterehre angegriffen hat. ^aß das nationalliberale Blatt kei­nen anderen Gedanken hat, als die Angst vor der Agi' tation des Zentrums, ist ja leicht verständlich bei der miserablen Lage, in die der Nationalliberalismus durch den Ervßblock gekommen ist. Daß ihm aber auch nicht einmal ein Gedanke an die angegriffene Priesterehre der katholischen Geistlichen kommt, ist ein recht hübscher Beweis für die antikatholischen Vor­urteile, die nach feiner Behauptung bei den Gegnern des „Klerikalismus" nicht vorhanden feien. Hätte sich das nationalliberale Blatt auch fo verhalten, wenn es sich um evangelische Geistliche handelte? Hafte es schon dem Angriff auf sie die Spalten geöffnet? Gewiß nicht! Auf diesen Angstruf des Mannheimer Generalanzeigers hin sieht sich nun 3)r. Mauren­brecher endlich veranlaßt, in einer Zuschrift an das­selbe Blatte die Möglichkeit zugegeben, „daß er sich geirrt habe. Und wenn das so sei, bedauere er den Angriff. Die Zentrumspreffe solle nun Nachwei­sen, d atz er sich geirrt habe, da er nicht feststellen könne, wie das Protokoll an die Oeffentlichkeft ge­kommen sei. Das ist aber doch die Höhe: Erst erhebt er gegen die Geistlichen den allerschwersten Vorwurf, der überhaupt erhoben werden kann, und da er ihn nicht beweisen kann, verlangt er vom Gegner, dieser solle nachweisen, daß der 'Vorwurf ungerecht­fertigt fei! Stur die A n g ft vor den nahen W a If I e n hat dazu geführt, Dr. Maurenbrecher durch ben Rippenstotz des naffonalliberalen Blattes zu einer bedingten Zurücknahme feiner Angriffe zu veran­lassen. Wie wäre die Sache gegangen, wenn nicht i» drei Wochen Wahlen wären?

Ausland.

* Sieg der Linke» im dänischen Verfassungskampf. Die Vorlage der dänischen Regierung auf Abände­rung des Wahlrechts wurde mit grotzer Mehrheit vom Unterhaus angenommen. Das Oberhaus, das die bereits vom vorbergehenden Kabinett Berntsen einge­brachte Vorlage schon einmal berwoften hat, wird sie wohl auch diesmal nicht unbesehen hinnehUien.

** Die französisch-spanische Annäherung. Frank­reichs Liebeswerben um Spanien hat bei den Spa­niern Erfolg, die für Schmeicheleien fehr empfindlich sind. Als Vorspiel zum Besuche des Präsidenten der französischen Rebublik, Herrn Poinears, in Madrid biente am Sonntag in San Sebastian die feier­liche Einweihung einer französischen Schule und die Eröffnung einer neuen, Frankreich zu Ehren „Avenue be France" genannten großen Straße, im Beisein des französischen Ministerpräsidenten Herrn Barthou, die als Anlaß zum Verbrüderungssest und zum Austausch po° ver Ansprachen zwischen dem Ministerpräsid und dem Maden der Hauptstadt der Provinz, Gu,pu;coa, diente. König Alfons, der bereits Samstag nach Madrid reifen sollte, blieb einen Tag länger in San Sebastian, um Herrn Barthon zu empfangen. Im französischen Schul­gebäude sagte der Bürgermeister Herrn Barthou: „Wir sind Zeugen einer Annäherung zweier großer Nationen. Wenn sie einander besser kennen, werden sie einander mehr lieben und einander gegenseitig eine ruhmreichere Zukunft sichern. Wir bahnen ein herz­liches Einvernehmen an.* In seiner Erwiderung sagte Barthou:

„Zwischen uns Spaniern und Franzosen kann und darf es keinen Zwiespatt geben. Das Einvernebmen ist möglich und es ist leicht. Angenäbert Haden wir uns

chere Regung schien sie zu übernommen. Sie wußte, wie das Herz ihrer Tochter an dem braven August Bremser hing und konnte Wohl ermessen, welche Selbstüberwindung für Gustel dazu gehörte, ihrer Liebe zu entsagen, um Rettung zu bringen. So klang auch ihre Stimme mild, als sie jetzt sagte:

„Du sollst Dein Wille hawe, Gustel — nur wenn's zum Aeußerste kimmt, nur wenn der Herrsche! uns Merklich die Hypothek uffsagt, dann red ich mit dem Borjermaaster!"

9 In schwerem Verdacht.

Die wimmernden Töne der Sturmglocke drangen durch die laue Augustnacht und schreckten die Bewoh­ner des Dorfes aus dem ersten Schlafe. In dem Gasthaus zur „Linde" brannte es. Eine mächtige Feuerfäule stieg von den hinter dem Hause gelegenen Wirtschaftsgebäuden empor und beleuchtete einen weiten Umkreis tageShell. Schon bei den ersten Glockenzeichen war die tüchtige Feuerwehr des Ortes zur Stelle geeilt und suchte das Feuer energisch zu bekämpfen "doch hatte dasselbe schon eine Ausdeh­nung erreicht, daß an ein Löschen des Brandes nicht mehr zu denken war und die mit der größten An­strengung arbeitenden Leute sich darauf beschränken mußten, das dumpf um Hilfe brüllende gefährdete ViM aus den Ställen zu ziehen und das Wohnhaus uird die demselben zunächst liegenden Nebengebäude vor dem liebergreifen der Flammen zu schützen. Glücklicherweise 'wehte der Wind von der entgegen­gesetzten Seite, sodaß die Bemühungen in dieser Hin­sicht Erfolg versprachen, umsomehr, als jetzt die Spritzen aus den Nachbardörfern angeraffelt kamen und tatkräftig in den Kampf mit dem wütenden Element eingriffen. Tie nach den Scheunen zu ge­legenen Wirtschaftsgebäude und die Scheunen selbst mußten aber aufgegeben werden und nur den helden­mütigsten Anstrengungen der jüngeren Feuerwehr­leute, die wie Katzen'auf das Dach kletterten und jedes herüberspringende Flämmchen im Keime er­stickten, war es zu verdanken, daß der dem Hause zu­nächst liegende Pferdestall und die darüber liegenden Geflügelhauser vor Vernichtung bewahrt blieben.

(Fortsetzung folgt.)

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40. Zahrgang.

Dienstag den 30» September 1A3.

Erstes Blatt.

Nr. 226»

+ Metz und Görlitz

Nie ist der Ruf nach konfessionellem Frieden so oft und so dringend gehört worden, wie gerade heute, aber leider ist auch selten mit einem solch guten Wort fo viel Falschmünzerei getrieben worden, wie es jetzt geschieht.

Niemand von uns verlangt die Anerkennung der Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der christ­lichen Bekenntnisse, das wäre ein Kirchhofsfrieden, eine Bankerotterklärung jeder Kirche, die beansprucht, von Christus gegründet zu sein, aber wir wollen ein friedliches Nebeneinander der Kon- fefsionen, Achtung vor der religiösen Ueberzeugung, staatliche Gleichberechtigung und paritä­tische Behandlung, damit Katholiken und Prote­stanten in wirklich gemeinsamer Front und auf glei­chem Boden die allen Christen gemeinsamen Inter­essen vertreten können.

Tie machtvollen Kundgebungen der Katho­liken Deutschlands bekunden alljährlich die freudige Bereitschaft und Entschlossenheit der deut­schen Katholiken, Hand in Hand mit den evangelischen Landsleuten die Sache des Christentums durchzu­halten. Geschweige, daß dort ein Wort fällt, das das evangelische Empfinden verletzen könnte, erfolgt doft regelmäßig auch die Aufforderung an die andersgläubigen Christen zum gemeinsamen Kampf gegen den Unglauben. Jüngst in Metz hat noch der Dominikaner Pater Bonaventura in feiner be­geisterten Rede über den Kampf. gegen das Anti- christentum freudig all jene begrüßt, „die, wenn sie auch nicht in unseren Reihen stehen, doch an den Flanken den gemeinsamen Feind bekämpfen".

i Ein Gegenstück zu Metz hat in diesen Tagen

Görlitz geboten, wo der Evangelische Bund seine 26? Generalversammlung abgehalten hat. Sßir sind gewiß weit davon entfernt, im Evangelischen Bund den berufenen Vertreter des evangelischen deut­schen Volkes zu sehen, aber er ist doch fein lautester Wortführer, und fein Einfluß bringt leider weiter, als der des andersgesinnten, evangelischen Volksteils. Wäre dies nicht feer Fall, hätten wir wahrlich keine Ursache, uns mit feem Wirken des Evangelischen Lundes zu befassen, denn eine Geistesmacht stellt er nicht dar. So aber müssen wir immer von neuem darauf Hinweisen, daß mit dem Wort und Wert fees „konfessionellen Friedens" niemand schlimmere und gemeingefährlichere Falschmünzerei treibt, als eben dieser Evangelische Bund. Mos ist in Görlitz über konfessionellen Frieden gesprochen worden! Da war kaum ein Vortragsthema, in dem nicht feer „konfes­sionelle Friede" prangte. Vernahm man bann aber feen Vortrag selbst, erhielt dieser „konfessionelle Frieden" erst seine Beleuchtung. Da wimmelte es nur fo von „ultramontancn Machtgelüsten", ultra- montaner Geistesknechtung", „ultramontan-jesuiti- schem Geist", klerikalen Dcachtansprüchen" und was sonst noch viel Derberes itnfe Gröberes feer echt deut­sche Manneszorn bervorfprnfeeln kann. Natürlich fehlte nicht feie „mannhafte" Attacke auf feen Ver­bannten und den Herren vom Evangelischen Bund vogelfreien Jesuitenorden. In dem Verlangen des Metzer Katholikentags nach völliger Bewegungs- und Betätigungsfreiheit des Jesuitenordens im deutschen Reich erblickt der Evangelische Bund „eine erneute Ansage verschärften konfessionellen Kampfes" und er­wartet darum vom Bundesrat, daß er „im Interesse fees konfessionellen und inneren Friedens weder einer Aushebung noch einer Abbröckelung des Jesuitenge- setzes zustimmt".

Wir sind vom Evangelischen Bund viel gewöhnt, aber es gehört doch schon eine merkwürdige Auffas­sung dazu, in unserer Forderung des Rechts für usfere Jesuiten „eine erneute Ansage ver­schärften konfessionellen Kampfes" zu erblicken. Wir Wn es wahrhaftig nicht nötig, vor dem Evange-

5>er Krandkifter.

27] Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.

„Warum bann nit? Er hot jo bes sauberste Mäd- che im Ort hawe könne un hot bem sei Wort nit gehalle — do muß er jetzt nemme, was for ihn übrig bleibt!"

„Mutter — so kannst Tu rebe? Wo Du doch waaßt, daß es dem Ernst sei Unglück wär!"

„Awer e Unglück wo viel Geld ins Haus bringt! Do druff kimmt's heitzutag vor alle Dinge an! Mich tounnert's nur, daß Du Dich uff aarnol so uff die Seit von Dei'm Bruber stellst? Serbien! Hot er's nit! En Mann, ber sei Wort bricht, ber muß sich aach bemit abfinne, was hinnerher kimmt — bobrin denk ich wie unser Mannsleit!"

, Auf bem Antlitz Gustels gab sich etwas wie schreckhafte Ueberraschung kunb unb mit einem vor­wurfsvollen Blick sah sie bie Mutter an. Dann nahm sie gleichgültig wieder ihr Wischtuch unb fuhr in ihrer Arbeit fort. „Allzu spitz sticht nit, un allzu scharf schneib nit, Mutter!" sagte sie habet ruhig. „Villeicht wär alles gut wor'n, wenn des Klärche nit Hals über Kopp en Annere genomme hätt — do scheint ihr Lieb zum Ernst doch nit so weit her ge- toefe zu sein! Ich verwett mein Äo«v druff, daß dem Ernst sei Herz noch heit an ihr hängt — des hab ich schon mehr wie aamo! an ihm gemerkt! Gut — er Hot domols am Klärche unrecht gehandelt, atoer mer muß doch aach bedenke, daß er in der Stadt bei bene vornehme Leit en ganz annerer Mensch is wor'n, daß et bes Lewe von erer ganz annere Seit aus be­tracht Hot, wie wir hier uff bem Lanb un wenn er geglaubt Hot, baß es bem Klärche mit ber Liebschaft nit ernst getoefe is, bann hatt er jo grab fo Unrecht nit, sonst hätt sich bes Klärche boch nit so schnell mit eme Annere getröft! Do darf mer ihm bie Geschicht doch nit so lang noochtrage, wie Du's tust, Mutter!"

„Du werfst Dich jo ganz gehörig for ihn in's Zeig!" entgegnete Frau Rother gereizt. „Des iS jo ganz schön von Dir, baß Du Dei'm Bruber beistehst, atoer deßwege machst Du boch nit ans schwarz —