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w Zuldaer Zeitung♦
Mo«1ag 29. September 1915.
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Lokales. ; -
Fulda, 29. September 1913.
* Militärpersonaliea. Zur Dienstleistung beim Großen Generalstabe bis 31. März 1914 kommandiert wurde Oberleutnant König im 2. Kurheff. Feldart.» Regiment Nr. 47. , .
(!) Der Verband der katholischen Männer- und Arbeitervereine der Diözese Fulda hielt gestern in der „Harmonie"' den diesjährigen Delegiertentag ab. Herr Stadtpfarrer Gramm führte als DiözesanpräseS den Vorsitz. Von den angeschlossen:n 59 Vereinen hatten 32 Vertreter entsandt. Außerdem waren zahl- reiche Präsides und sonstige Freunde der katholischen Arbeitersache erschienen. Die Verhandlungen am Vormittage waren der Abhörung der Jahresberichte und den Fragen der äußeren sowie der inneren Organisation gewidmet. Für die Gewinnung neuer Mitglieder wurde namentlich auf den Nutzen der Belehrung und Beeinfluffung der Frauen hingewiesen. Schließlich wurde noch in interessanter Weise die Gewerkschaftsfrage erörtert und als Ergebnis der Besprechung vom Versammlungsleiter der Grundsatz aufgestellt, daß jeder katholische Arbeiterverein den Rednern der christlichen Gewerkschaftsbewegung unbedingt offen stehen müsse. In der Nachmittagsversammlung sprach Herr Kaplan Thiergart - Hanau über die idealen Aufgaben der katholischen Arbeitervereine.
Diese Aufgaben bestehen darin, die Arbeiter wirtschaftlich, geistig, religiös-sittlich zu heben und zur Betätigung einer christlichen Ueberzeugung im öffentlichen Leben heranzuziehen. Die Arbeitervereine sollen sein einmal Schutzvereine nach der Seite der religiös- sittlichen Lebensführung hin (apologetische Schulung, tiefgehende Einführung in die Lehren der Glauben?, Anteilnahme am religiösen Leben durch Gebet und 'Eakramentsempfang). Die Arbeitervereine sind weiterhin Bildungsvereineim besten Sinne (allgemeine, besonders aber staatsbürgerliche Fortbildung). Schließlich haben die Arbeitervereine auch auf die Befferung der wirtschaftlichen Lage des Arbeilrrftandes hinzuarbeiten. Deshalb sollen sie mit allem Nachdruck darauf hinwirken, daß ihre Mitglieder christlich organisiert sind. (Lebhaftes Bravo.) In ihrem gesamten Wirken sollen bi« katholischen Arbeitervereine das ergänzen, was die Seelsorge auf der einen Seite, die wirtschaftlichen Verbände auf der anderen Seite nicht in jeder Hinsicht erreichen können.
Diese Grundgedanken, in begeisternder Weise im einzelnen ausgeführt, fanden den lebhaftesten Beifall der Versammlung. Darauf sprach Herr Volksvereins- Sekretär Frank über die modernen Volksoersicherungsbestrebungen. .
Sie sind bekanntlich angeregt worden durch die Erkenntnis, daß den breitesten Masten des Volkes di« ; Wohltaten einer Lebensversicherung usw. zuteil, werden - müssen, ohne den privaten Versicherungsgesellschaften Gelegenheit zu geben, auf Kosten der Versicherten un- - heimlich große Geschäftsgewinne zu erzielet. Für die moderne Bolkssürsorge wirken heute in erster Linie folgende Einrichtungen: 1. die gemeinnützige VollSversiche- cung des Verbandes christlicher Gewerkschaften Deutschlands; 2. die Versicherung des Verbandes öffentlich rechtlicher Lebensversicherungs - Gesellschaften Deutschlands; 3. die sozialdemokratische Volkssürsorg«; 4. die Zentralsterbekasfe „Leo". Der Redner machte es sich zur dankbaren Aufgabe, die beiden letzteren Institute besonders gründlich zu kennzeichnen. Die Träger der sozialdemokratischen Versicherung sind die sozialdemokratischen Gewerkschaften und Konsum«1 vereine, beides überaus machtvolle Organisationen. Wer sich der Volksversicherung anschließt, vielleicht getäuscht durch die harmlose Ausmachung des Institutes, schwebt in der größten Gefahr, sozialdemokratischen Zwecken dienstbar gemacht zu werden. Auch der Mittelstand ist nicht davor sicher, über den Weg der Kapitalvergebung durch die Versicherung in die Netze dieser sozialdemokratischen Schöpfung zu geraten. Desbasb ist Aufklärung ' dringend notwendig und die Erörterung dieser Frage soll auf dem Winlerprogramm keines Arbeitervereines fehlen. So gefährlich aber nun die sozialdemokratische Bolkssürsorge ist, so nützlich, ja notwendig erweist sich in unserer Zeit die Volksversicherung an sich. Deshalb muß für die Verbreitung dieser Versicherung unter den Arbeitern mit aller Kraft gewirkt werden. Als geeignetste Stelle, die Versicherung zu bewirken, muß die „Leokasse" in Köln, das Institut des Verbandes kath. Arbeitervereine, bezeichnet werden. Der Redner setzte in sehr einleuchtender Weffe di« Vorteile auseinander, die diese Kasse bietet, auch im Vergleich mit den vielfach noch bestehenden Verein'skassen. Mit einem warmen Aufruf zur Mitarbeit an den hochwichtigen Einrichtungen der katholischen Arbeiterschaft schloß er feine gehaltvollen Aussührungen, die lebhastesten Beifall hervorriefen. . , . „•
In der Diskussion ergab sich, daß eine Anzahl Verbandsvereiye in der letzten Zeit der Leokasse Eingang verschafft haben. Der Versammlungsleiter gab dem Wunsche Ausdruck, es möge die Leokasse immer weiter verbreitet werden. Vor allen», wurde die Wichtigkeit der Aufklärung über diese VersichrrüngS- frage wiederholt betont. Schließlich nahm?-man einstimmig eine Entschließung an, welche die im Vortrag und Diskussion zum Ausdruck gelangten Gedanken züsammenfaßt. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten wurde die Tagung durch Herrn Stadlpfarrer Gramm mit einem herzlichen Wort des Dankes und dem Ausdruck der Hoffnung auf eine gedeihliche Wirkung der Beratungen geschloffen.
8. Zn der Sitzung der hiesigen Verkehrsvrreinignng am Samstag wurde über die Förderung bestehender Bahnpr oje kte, über die zu erstrebende Verbesserung vor Zngverbindungen und die Ein- sührung neuer Autoliniest eingehend beraten und wurden die hierzu nötigen Schritte ins Auge gefaßt. Es dürfte von Interesse sein, zu hören, daß die.Vor- arbeiten für die Krei sbah n (Vogclsbergbahn) soweit gediehen sind, daß dieselbe in Angriff genommen werden könnte, wenn nicht noch Schwierigkeiten wegen des Anschlusses in Großenlüver beständen.
△ Das jüdische Neujahrsfest fällt dieses Jahr an» den 2. und 3. Oktober. Die Juden treten damit m das 5674. Jahr ihrer Zeitrechnung ein. Das Vers föhnungsfest sällt auf den 11. Oktober.
(!) Der St. JosephSverem kath. Arbeiter hatte zu seinem 26. Stiftungsfeste, das gestern abend im Stadtsaale begangen wurde, zwar kein ausacrkaufles Haus gesunden, doch war in Anbetracht der für solche Veranstaltungen noch etwas frühen Jahreszeit eine recht stattliche Anzahl Festgäste crjchlcnen. Der Präses, Domkaplan Dr. Müller, b.A‘ ihnen einen warmen Willkomm und begrüßte insbesondere den derzeitigen Diözesanpräses der kath. Arbeitervereine, Herrn Stadtpfarrer Gramm, den früheren Diözesanpräses, Herrn Domkapitular Herbener, den Bezirks
präses, Herrn Pfarrer Rübsam-Petersberg und den Freund und Berater aller sozialen katholiswen Organisationen, Herrn Prof. Dr. Thielemann. Die Festrede hielt alsdann Herr Weingroßhändler Ed. Schmitt.',., , . .
Ausgehend von dem Wunsche der Veranstalter, das StistungSfest gleichzeitig zu einer Gedächtnisfeier der großen Zeit vor hundert Jahren zu gestalten, entwarf der Redner «in fesselndes Bild der Zustände und Persönlichkeiten jener Tage, da Deutschland aus Not und Schmach durch Männertat und Gottver- träuen gerettet und ihm die Freiheit wieder geschenkt wurde. Die große patriotische Aufgabe, die ünsiren Vorfahren gestellt war, ist auch uns, wenn auch in anderer Form, nicht voreuthglten. Sie heißt: nationale FriedenSarbeit, geistiger Kampf gegen die gewaltige Armee, die sich um die rote Fahne des Umsturzes geschart hat. An dieser Aufgabe nimmt auch der St. JosephSverem rühmlichen Anteil, vor allem dadurch, daß «r Religion und Sittlichkeit, die Grundpfeiler der staatlichen Autorität, fördert und pflegt. Auch durch die neuangegliederte Jugendabteilung, den „Leobund", sucht er diese Ziele zu erreichen. Er beschränkt sich dabei nicht auf eine.Pflege der Muskelkraft, sondern berücksichtigt auch die Ausbildung von Herz und Gemü . Und er tut recht daran, denn die Jugendpflege, von der heute soviel die Rede ist, muß auch den religiös-sittlichen Forderungen gerecht werden, damit der Schaden nicht größer wird als der Nutzen. Im Sinne der Freiheitskriege muß auch hier das Wort, so schloß mit begeisterndem Ausruf der Redner, gelten: Niem rls gegen Gott, niemals ohne Gott! Stets mit Gott für König und Vaterland!
Der patriotischen und religiösen Begeisterung, die der Festredner, von stürmischen Beifall belohnt, wachgerufen hatte, gab der Präses durch ein wohl- begründetes Hoch auf Papst und Kaiser noch besonderen Ausdruck, worauf die Kaiser- und Papsthymne von der Versammlung stehend gesungen wurde. Ein sehr reichhaltiges Programm schloß sich nun an. Musikoorträge der Artilleriekapelle wechselten mit Männerchören, die von der GesangSabteilung des festgebenden Vereins unter Leitung des Herrn. Lehrer Kalb exakt und schwungvoll zu Gehör gebracht wurden. Alles war auf den patriotischen Gedanken abgestimmt. Auch die Theaterstücke, die zur Aufführung kamen, riefen durch ihren Verfasser, Theodor Korner, die Erinnerung an die glorreiche Zeil der Befreiungskriege wach. In dem Drama „Joseph Heyderich" oder „Deutsche Treue", das mehr erzählende und rednerische Momente als dramatische Vorgänge ausweist, war den Darstellern das Ringen um ‘ben Erfolg vom Dichter nicht leicht gemacht. Gleichwohl gelang eS ihnen, durch ihr hingebungsvolles Spiel rauschenden Beifall zu erzielen. Weit dankbarer war daS artige Verslustspiel „Der Vetter aus Bremen". Die Mitwirkenden nahmen diesen Vorteil wahr uyd holten sich durch eine flotte und srische Darstellung einen stürmischen Applaus. Zuletzt zwar, aber als mit daS Erfreulichsteseien die turnerischen Vorführungen und die Pyramiden am Barren genannt, die von den Zöglingen des Leobundes dargeboten wurden. Sie bewiesen in ihrer Eleganz und Sicherheit, daß die Turnsache auch in unseren katholischen Jugendvereinen eine würdige Pflege findet, an der niemand nörgeln darf.
!! Einrichtung knnftgrschichtlicher Vorträge. Der Wunsch, in Fulda allgemeinverständliche, gediegene kunstgeschichtliche Borträge zu hören, ist in letzter Zeit verschiedentlich aufgetaucht, ohne daß es möglich war, ihn zu verwirklichen. Es dürfte daher alle Kreise unserer Bürgerschaft interessieren, daß nun- mehr infolge der Bemühungen einiger Fuldaer Kunstfreunde die Einrichtung eines kunstae. s ch i ch t l i ch e n Kursus, der die Freude an edler Kunst fördern und anregende, vielfältige Belehrung bieten soll, für das kommende Winterhalbjahr bevorsteht. Als geeigneten Vortragenden hat man den Dozenten der Kunstgeschichte Herrn Prof. Dr. I. Hülsen aus Frankfurt a. M. in Aussicht genommen, dessen langjährige Lehrerfahrung an der Großherzoglich Technischen Hochschule zu Darmstadt, an der Kunstschule des Städelschen Institutes zu Frankfurt, an. der König!. .Zeichenakademie zu Hanau, und dessen praktische künstlerische Tätigkeit Gewähr bieten für eine ernste und gediegene Behandlung künstlerischer Dinge. Wie verlautet, ist Prof. Hülsen nicht abgeneigt, einen Chklus von zehn bis zwölf Vorträgen zu übernehmen, falls sich eine genügende. Anzahl von Zuhörern zusammenfinden sollte. Er würde zunächst einmal das Thema wählen: „Grundlagen Der antiken Kunst in Aegypten, West asten und Griechen- l a n d". Die gewaltige Kunst des Wunderlandes der Pharaonen, der assyrisch-babylonische Kunstkreis, die glanzvolle Baukunst des alten Persiens, ein Exkurs nach Phönitien und Judäa, dann die Ergeb- > niste bet großen Ausgrabungen der mykenisch-kre-' tischen Epoche und schließlich die griechische Baukunst sollen als fast überreicher Stoff im Laufe des Winters in gemeinverständlicher Weise zur Anschauung gebracht "werden. Alle Vorträge werden durch zahlreiche Lichtbilder illustriert. Die neuesten Forschungen und Ausgrabungen haben gerade über diese Epochen der alten Kunst neue, ungeahnte Aufklärungen gebracht; die Gebiete der Architektur, Plastik und Malerei werden möglichst gleichmäßige Berücksichtigung finden, ferner werden an geeigneten Stellen jene" alten Werke mit entsprechenden neueren gegenübergestellt weiden, um so im Spiegel neuerer Kultur den. Anschluß an die uns umgebende lebendige Kunst ebenfalls nicht unberücksichtigt zu lassen. Pros. Hülsen gedenkt dann vielleicht in den folgenden Jahren die Blütezeit der griechischen und römischen Kunst, das Mittelalter, die "Renaistanee und die neueren Epochen folgen zu lassen. Man hofft, einen genügend großen Saal unentgeltlich zur Verfügung gestellt zu bekommen, um möglichst allen Kreisen der Bürgerschaft, auch den Schülern höherer Klassen, die Teilnahme zu ermöglichen. Siehe auch die Anzeige.
4« Mariamsche Tienstmädchen.Ksngregation. Gestern, am Feste der hl. Lioba, dem Titularseste der hiesigen Marianischen Dienstmädchenkongregation, wurden eine Anzahl neue- Mitglieder ausgenommen. 17 konnten ihr 25 jährige? Jubiläum der treuen Zugehörigkeit zu der Kongregation begehen. Der Präses des Verein?, hochw. Herr Domkapitular Stoff, nahm in der St. Severikirche nach einer Ansprache die feierliche Aufnahme vor. Nach Beendigung der rttchltchen Feier fand in dem Vereinslokal, dem Mauenheim, ein froheS geselliges Zusammensein bei Kaffee und Kuchen statt. Einige theatralische, humorvolle Darbietungen (trugen sehr zur Erhöhung der munteren Stimmung bei. Bemerkenswert ist, daß sämtliche Jubilarinnen, 1 soweit sie noch in Stellung sein können, auch fast
ebenso lange bei ein und derselben Herrschaft bedienst et sind.
(::) Knegsjpiel. „Wohlauf Kameraden auj's Pferd, aus's Pferd, ins Feld, in die Freiheit gezogen!• So lautete am Sonntag nachmittag die Parole für den Jugendverein Stadtpfarrei und die Lehr- lingsabteilung des K. K. V. Es sollte eine richtige großzügige Fe^ddienstübung werden. Drei Herren vom Offizierkorps des kiesigen Feldartillerie- Reg. Nr. 47, Leutnant Korte, Nippraschk und Schack hatten die Führung übernommen, denen sich vier Unteroffiziere als Meldereiter anschloffen. Zwei Mitglieder Der Sanitätskolonne sowie einige andere »gediente Leute" leisteten wertvolle Dienste. Mit klingendem Spiel ging? zur Stadt hinaus. 9(n der Laugen- brücke teilten sich die Parteien, „Blau* marschierten auf Maberzell; „Rot" auf Sickels. Um 4 Uhr setzte die Hebung ein; ein manövermäßiges Bild entwickelte sich. Radfahrerpalrottilleir sausten über Die Straße, Meldereiter galoppierten durch das Gelände. „Blau* besetzte alsbald die beherrschende Höhe des Schulzenberges. „Rot" marschierte vor und verdrängte durch geschickt anöesehten Flankenangriff ,'-Blau' aus seiner Stellung. In der Kritik wurde „Rot' der Sieg xug - sprachen. Dann hieß es „Binden ab!' Friedensmäßig ging’? zllm Biwak bei Haimbach. Die einen warfen Kochlöcher aus, die anderen holten Wasser, andere Holz. Bald brodelte die Manöversuppe; dazu ein Stück Kommisbrot mundete den jungen „Kriegern' ausgezeichnet. Nach einem von Herrn Leutnant Korte ausgebrachten, mit Begeisterung aufgenommenen Kaiserhoch ging's unter Fackelschein „zu Sluttern'. Ein Parademarsch beschloß die Uebung. Die Führer verkehrten mit Den jungen Leuten in der liebens-, würdigsten Weise, so daß sie wiederholt die Frage hören mußten: „Herr Leutnant, wann machen wir wieder ein Kriegsspiel?" Das sonnige Wetter hatte zahlreiche Angehörige der Jünglinge mit hinausgelockt. Wir bemerkten auch den Herrn Landrat unter den Manövergästen am Biwakfeuer.
(?) Eine neue Laufbahn im Forstdienst. Die seit kurzem geltenden neuen Vorschriften des Landwirt- schastsministers über die etatsmäßige Anstellung und Ausbildung der Forstschreiber und Forst- schreibergehilfon haben den staatlichen Forst- beamten eine neue Laufbahn eröffnet. Die etats- mäßigen Forstschreiberstellen können endgiltig nur Förstern verliehen werden, deren Befähigung zur Abgabe rechnerischer Bescheinigungen anerkannt worden ist. Die Besetzung Der neu überwiesenen oder frei gewordenen etatsmäßigen Forstschreiberstellen erfolgt auf Grund besonderer ministerieller Ermächtigung für jeden Fall durch die Regierung. Förster, denen Die Befähigung zur Abgabe rechnerischer Bescheinigungen noch nicht zuertannt worden ist, können zu etatsmäßigen Forstschreiberstellen ein Jahr auf Probe angestellt werden. Durch die Ernennung zum Förster unter Verleihung einer etatsmäßigen Forstschreiber- stelle sind die Versorgungsansprüche Der Anwärter des Forstschutzdienstes im Sinne der Bestimmungen über Vorbereitung und Anstellung in diesem Dienst in gleicher Weise wie durch die Ernennung zum Förster ohne Revier als erfüllt zu betrachten. Die Einberufung Und Uebernahme eines nicht etatsmäßigen Forstschntzbeamten in den Schreibdienst als Forstschreibgehilse soll erst nach bestandener Försterprüfung erfolgen. Die Dienstbezüge des als etatsmäßigen Forstschreiber angestellten Försters sind i in jederBeziehüng denen des Försters mit Revier gleich.
Fernsprech-Anschlnß erhielt unter Nr. 444 Herr Zahntechniker Hom mens, Bahnhofstraße.
■= Von unserem Artillerie-Regiment. Seit Freitag machen beim hiesigen Artillerie-Regiment eine größere Anzahl LanDwehrleute eine 14tägige Uebung. — Heute vormittag erfolgte auf dem hiesigen Bahnhof die Ausladung vonHanbitzen, womit bekanntlich eine Batterie unseres Regiments ausgerüstet werden soll. — In Der Nacht zum 1. Oktober um 1 Uhr trifft von Wandersleben ein Militärsonderzug hier ein. Er bringt 12 Offiziere, 168 Mann, 150 Pterde, 16 Geschütze und Fahrzeuge unserer Artillerie zurück, die an der Nachübung in Thüringen beteiligt waten.
Ans dem Natzbargediete.
;; Michelsrombach, 29. Sept. 1913. In der Nacht auf Samstag wurde hier in der Wohnung Der Witwe B. ein geb roch en. Es wurden 6 Mk. in bat und ein Paar Schuhe entwendet. Man vermutet, daß der Täter möglicherweise mit dem entflohenen Kirchenräuber Müller identisch ist.
o. Bad Orb, 28. Sept. 1913. Wie groß der Wildschaden in den städtischen Waldungen ist, erhellt aus der Zalfadje, daß in den 15 000 Mark umspannenden Forsthaushaltungsplan allein 4450 Mark für Wildschäden eingesetzt wurden.
* Göttingen, 28. Sept. 1913. Der Schneidermeister Kulte gab drei Revolverschüsse auf seinen Schwiegervater, den Glasermeister Bauer, wegen eines Familienzwistes ab. Er fehlte aber zwei Schüffe. Tie dritte Kugel jedoch traf die 15- Mrige Tochter des Lokomotivführers Henze, die daneben stand, in die Schläfe. Sie war sofort tot. Der Täter wurde verhaftet.
k. Fraulfurt, 28. Sept. 1913. Der italienisch e Unterrichtsminister Prof. Baecel^li ist feit einigen Tagen Gast bei Geheimrat Ehrlich, um dir Einrichtungen der städtischen Krankenhäuser und der von Ehrlich geleiteten Institute kennen zu lernen. Baeeelli ist in der ärztlichen Welt als glänzender Mediziner begannt, der u. a. als erster die Einführung von Medikamenten in die BlrUbahn erprobte. Auch den Wundstarrkrampf bekämpft er durch eine besondere Methode. — Für Die durch Bürgermeister Luppe sreigewordene Stadtratsstelle sind 152 BeWerbungen eingelaufen. Zunächst haben sich sämtliche bei der Stadt beschästigieu Syndici und Assessoren gemeldet, sechs an der Zahl. Dann stellen Richter, Regierungsräte, Rechtsanwälte, Assessoren in reicher Auswahl, darunter manche bekannte hervorragende Persönlichkeit, ihre Kräfte der Stadt zur Verfügung. Auch ein städtischer Steuersekretär gab seine Bewer bring in dcr Ratsstube ab. — Der wegen seines schnellen Fahrens in Der ganzen Umgebung gefürchtete Aulomobitbesitzer Rentier ' Wolf-Statt ery fuhr kürzlich bei Groß-Gerau ein Gespann an unD.fügte dem Pferde eine arge Verletzung zu. Die hiesige Strafkammer diktierte dem schon bestraften Auio- sahrer eine EntschädigungSstrafe von 1200
Mark zu, ferner die Bestreitung von 120 Mark Apotheker- und Arztgebühren für das Pferd und die recht erheblichen Gerichtskosten. . '
r Darmstadt, 28. Sept. 1913. Auf den setzt stattfindenden Dekanatssynoden wird in fast allen Bezirken ein rasches Sinken der Geburten- zifser beobachtet. Selbst in den Kreisen, Die ein durchaus ländliches Gepräge tragen und noch von einer reinen Bauernbevölkerung besiedelt sind, tritt die Erscheinung scharf zu Tage. So sank im Dekanat Büdingen die Geburtenziffer von 36,2 pro Tausend im Jahre 1876 auf 22,5 Prozent im Jahre 1909, trotz einer Bevölkerungszunahme um 10 Prozent. In einer Gemeinde ging die Ziffer sogar von 43,7 auf 15,2 pro Tausend herab. Daß Hessen schpn feit etlichen Jahren nicht mehr imstande ist, den Bedarf des heffischen Kontingents an Rekruten allein zu decken, ist eine den Volkswirtschaftlern bereits längst bekannte Tatsache.
* Wiesbaden, 28. Scvt. 1913. Der Fabrikbesitzer Freimnth von Winkel im Rheingau hat einem jungen Mann, der frühmorgens von der Kirchweihe in Rüdesheim heimkehrte, eine volle Schrotladung in den Rücken gejagt. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung erhielt er von der Strafkammer 50 Mark Geldstrafe. _____
Amt Geisa und Umgebung.
△ Geisa, 23. Sept. 1913. In der in Dermbach abgehaltenen Sitzung d e s B e z i r k s a u s s ch u s s es wurde u. a. die Festsetzung der WohnnngsentschäDi- gung für festangestellte Lebrer in Geisa in Abänderung des Beschlusses vom 7. August d. Js. auf 300 Mart vorgeschlagen. — Ferner wurde dem Gesuche Des Tierzuchtinspektors Dr. Eornelius in Eisenach um Unterstützung für eine zu errichtende Muster-Viehweide für den 4. Verwaltungsbezirk ftattgegeben und aus der gemeinnützigen Stiftung ein Beitrag von 40 Mark bewilligt. — Für die vom 1. Januar 1914 neu einzurichtenden allgemeinen Ortskrankenkassen werden die vom Referenten vorgetragenen Satzungen nach dem von diesem vorgetragenen Muster mit den Darin eingetragenen Abänderungen angenommen. — Den Kaliwerken Großherzog von Sachsen, Ä.-G. in Dietlas wird Die Erlaubnis zur Errichtung einer Schlächtereianlage in der Nähe ihrer chemischen Fabrik in Dorndorf unter den vom Großh. Landbaumeister vorgeschlagenen Bedingungen erteilt.
**'Aus dem Amtsgerichtsbezirk Geisa wird uns geschrieben: Vom 29. September bis 4. Oktober findet in den hiesigen katholischen Kirchen und Schulen eine Revision durch die Großher- zogl. Sächsische Jmmedialkommission statt. Aus diesem Grunde sind die Herbstserien an den Volksschulen, welche sonst immer vor Michaelis begannen, in die Zett nach Der Revision verlegt worden. Nun sind in dem Ueberschwemmungsgebiet die Landleute mit vielen Arbeiten int Rückstände, und infolge des naßkalten Sommers stehl noch viel Getreide auf dem Felde. Die Kartoffeln müssen notgedrungen End« September ausgenommen werden, damit Die Felder zur Herbstsaat hergerichtet und be< stellt werden können. Durch das Hin ans schieben der Herbstferien auf eine so späte Zeit wird den Landleuten di« bei Der herrschenden Leutenot auf dem Lande nicht zu unterschätzende Mithilfe der Kinder entzogen, was namentlich in ärmeren Familien sehr unamtenebm und schwer empfinden wiro.
♦ Bacha, 28. Seist. 1913. Unser Stadtsekretär, Herr Döbler, ist zum B ü r g e r m e i st e r von Tannroda gewählt worden. — In der letzten Ge- memdercttssitzung wurde bei Verpachtung der Rats- kellerwirtschaft dem derzeitigen Pächter, Herrn A.' Wenk, unter den Bietern der Zuschlag erteilt, trotzdem z. B. die Vereinigten Meininger Braue- ninger Brauereien ein höheres Pachtangebot abgegeben hatten.
* Oechsen, 28. Sept. 1913. Die Straße am Dorfwasser wird um das doppelte verbreitert. Es ist dies möglich, indem der Bach überdeckt wird. Zunächst wird eine Betondecke darüber gelegt, die später chauffiert wird.
Ans Gberheffen n. den Hess. Aemtern.
* Marburg, 27. Sept. 1913. In der heute im Fürstenhaus abgehaltenen Sitzung des Kreisausschusses gaben bei der Bercttunv der Frage der Versorgung des Kreises a r b u r g mit Elektrizität die Vertreter Marburgs die Erklärung ab, daß die Stadt bereit fei, die Versorgung des ganzen Kreises mit Elektrizität zu übernehmen. Der Kreisausschuß beschloß deshalb, von weiteren Schritten Abstand zu nehmen und die genauere Offerte der Stadt abzuwarten.
A Marburg, 27. Scpl. 1913. Gestern beging Die Oberrealschule nebst Realgymnasium durch einen Festalt in bet Aula der Anstalt die Fe:er des 75jährigen Bestehens. Die von Prof. Hauck verfaßte Festschrift enthält eine Zusammenstellung Der Lehrer und Abiturienten Der Marburger Oberrealschule von 1901—1913. — Der hiesigen Polizei gelang es gestern, einen schon lang gesuchten, steckbrieflich verfolgten Hochstapler festzunehmen. Der Mann trug gewöhnlich Försternniform.
* Fijhlar, 29. Sept. 1913. Dem Proviantamtsinspektor und Amtsvorstande Leopold Bohle in Fritzlar wurde der Königlich: Kronenorden vierter Klasse verliehen.
Handel tt»d Industrie.
$ Berlin, 27. Sept. 1913. Ungünstige Industrie- «Berichte und ernste politische Dteldungen vom Balkan 'verstimmten Die Börse. Von deutschen Anleihen zogen 3>/,prozentige Reichsanleihe 0,10 Prozent und Kon- sols 0,20 Prozent cn; es gaben Sprozent. Reichsan. eihe 0,30 Prozent und Konsols 0,20 Prozent nach. Der Privat-Diskont emiebtigte sich für kurzfristige Sichten auf 51,'» Prozent, für langfristige Sichten 51/» Prozent.
Literarisches.
Quvntin-Maö'-n'S grauer Tafchrnsoktplan für Winter 1913-14 ist soeben im Verlage von Mahlau u. Waldschmidt. Frankfurt a. M., Gr. Gallusstr. 3, in der bekannten reichhaltigen und gediegenen Ausstattung zum Preise von 30 Pf. erschienen.