2. statt.
vruck 6tr «iulbetr »cttendruaerei in
Zuldaer Leitung ♦ ***
Lokales.
c^ulba, 27. September 1913.
** Eine Sitzung der Statdvcrordnetenversamm- kunq findet am Montag den 29. Sept. 1913, abends 7% Uhr statt mit folgender Tagesordnung: 1. Wahl des Stadtverordnetenvorstehers. 2. <TRnij[ zweier Beisitzer und deren Stellvertreter für die Stadtverordneten-Ergänzungswahlen im November d. I. (Kapp.) 3- Führung eines Rechtsstreites. (Eickenscheidt.) 4. Legung eines Wasserrohrstranges zwischen Petersberger- und Künzellerstraße. (Modest.) 5. Verpachtung eines städtischen Geländestücks an der Rhabanusstraße an die Dresdner Bank. (Laux.) — In geheimer Sitzung: 6. Führung eines Rechtsstreites wegen Räumung. (Wohlgemuth.) 7. Ankauf eines Hauses an der Kronhofftraße. (Adam.) 8. Uebernahme einer Kanalisationshypothek auf die Stadtkasse. (Laux.) 9. Anstellung eines hauptamtlichen Leiters der gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungsschulen. (Fleischmann.)
** Tie Stadlverordnetenwahl. Der Vorstand des Evang.Männerverein Fulda bittet uns, zu dem unter vorstehender Ueberschrift gestern erschienenen Artikel Nachstehendes zu veröffentlichen:
Wir bemerken, daß die gemachten Angaben auf einer falschen Unterrichtung beruhen und erklären, daß der Evang. Männerverein bei dieser nochmaligen Kandidatur des gewählten Herrn Ed. Rühl nicht Beteiligt war.
Nach unseren Feststellungen erfolgte diese nochmalige Kandidatur des Herrn Ed. Rühl von anderer, uns und dem Evang. Arbeiter-Verein fern stehender Seite am Mittag des Wahltages. Zugeben tuen wir, daß nach dieser Bekanntgabe einzelne Mitglieder unseres Vereins Herrn E. Rühl unterstützten.
Der Evang. Männer-Verein hatte Herrn Ed. Rühl dem Zentrums-Wahlausschutz vorgeschlagen, und wurde dieser auch von demselben, nach uns schriftlich gemachter Mitteilung der Vertrauensmänner-Versammlung der Zentrumspartei als geeigneter Kandidat unterbreitet, und von dieser aus uns unbekannten Gründen abzelchnt.
Es ist die Anschuldigung', daß der Evang. Männer- Verein auf eigene Faust eine Hintertreibungs-Politik und Ueberrumpelung durchgeführt hat, unwahr; desgleichen, daß der Mieter-Verein, tbem Herrn Ed. Rühl als Vorstandsmitglied angehört, sich speziell für die Kandidatur Reichhardt entschieden hat.
Mit Vorgesagtem ist wohl zur Genüge bewiesen, daß dem Evang. Männer-Verein der Vorwurf nicht gemacht werden kann, datz er ein Paktieren mit der Zentrumspavtei nicht mehr will, und ist der Vorwurf, .daß er sich auf eigene Füße stellte, ganz hinfällig.
Zum Schluß möchten wir noch bemerken, daß den wenigen Mitgliedern des Evang. Männervereins, die Herrn Ed. Rühl ihre Stimme gaben, ihn deshalb wählten, da er ihnen als ihr 2. Vorsitzender geeigneter als Herr I. Reichhardt erschien, ferner, daß 60 Proz. der Wähler des Herrn Ed. Rühl als gute Katholiken und Zentrumswähler bekannt sind.
Dann noch eine Frage: „Wo haben die Herren ge« wählt, die Herrn I. Reichhardt dem Wahlausschuß vor« geschlagen haben?"
Evang. Männerberein. . Der Vorstand.
Wir nehmen gern davon Kenntnis, daß der Evangelische Männerverein nicht beabsichtigt, gegen die Zentrumsorganisation Opposition zu machen. Daß der Evangelische Männerverein offiziell die Kandidatur Rühl proklamiert habe, war übrigens von uns nicht behauptet worden; wir hatten festgestellt, daß „Mitglieder des Evangelischen Männervereins" diese Kandidatur betrieben hätten. Tatsächlich verdankt Herr Rühl einen großen Teil seiner Stimmen dem Evangelischen Männerverein, dessen Vorstandsmitglied er ist. Daß auch Katholiken und Zentrumswähler Herrn Rühl gewählt haben, ist richtig, ob es gerade 60 Prozent gewesen sind, möchten wir bezweifeln; in der Hauptsache waren es Arbeiter der Eisenbahnwerkstätte. Das deutet auf den eigentlichen Ausgangspunkt der Kandidatur Rühl hin.
"Ss Der Rekrutenkursus im katholischen Gesellenhause wurse gestern abend beendet. Außer zahlreichen Mitgliedern des Gesellenvereins waren über 100 Rekruten anwesend, sodaß der große Festsaal sehr gut besetzt war. Der Abend trug diesmal mehr einen religiösen Charakter. Vor der Bühne stand auf einem altarähnlichen Ausbau eine lebensgroße Statue des hl. Joseph, umgeben von Blattpflanzen, Blumen und Kerzen. Ein erhebender Augenblick war es, als die Versammlülig auf die Aufforderung des Kursusleiters P. Kafsiepe-Hünfeld hin sich erhob und laut und feierlich gelobte, als Soldaten neben ihrem Kriegsherrn auch ihrem himmlischen Herrn allezeit treu zu bleiben und in allem die Gebote Gottes zu respektieren. Mit Begeisterung sang hierauf die Versammlung das Bonifatiuslied. In einem Schlußworte lobte Stadtpfarrer Gramm die Ausdauer der Kursusteilnehmer, die zumteil allabendlich stundenweite Wege gemacht haben. An die schönen Abende würden sie noch lange zurückvtnken und die gebrachten Opfer seien nicht umsonst gebracht. Er dankte dem P. Provinzial Kafsiepe und den andern Vortragenden Dr. Schneider und Weingroßhändler Eduard Schmitt, besonders letzterem für seine hochherzige Spende, des Soldaten- Gebetbüchleins, das federn Rekruten überreicht wurde.
+ Zum Feste der hl. Lioba.
In der gestrigen Nummer der,Fuld. Ztg/ wurde schon darauf, hingewiesen, daß am Sonntag den 28. September die Lioba - Oktav beginnt, die ja seit mehreren Jahren auf dem nahen Petersberg so schön und feierlich begangen wird. So möge denn der „he'lige Berg", wie der namhafte Geograph Fr. Ratzel unfern Petersburg genannt hat, auch in der kommenden Woche roub-tum das Wallfahrtsziel recht vieler Verehrer und besonders auch Verehrerin' neu der hl. Lioba werden. Hat es doch etwas gar ehrfürchtig ErgrefienDes in der uralten Krypta, wo schon ein hl. Rhabanus Maurus das hl. Meßopfer dargebracht hat, bei dem Lioba«Sarkophag zu beten und die „Apostolin Deutschlands" um ihre Fürbitte anzurufen. — Bekanntlich ist ja unsere Diözeie nicht die Stätte von Lioba's apostolischer Wirkicunkeit gewesen, doch dürfen wir uns glücklich schätzen, ihr Grab, gewissermaßen als ein Vermächtnis des hl. Bonifatius, unser eigen* zu nennen. Darum ist auch bei uns zu allen Zeilen ihr Fest gefeiert worden und nie ihre Verehrung erloschen. Wie die Liobaglocke im hohen Tome die Liebe hinausrust — trägt sie doch die Umschrift: „Lioba vocos caritatis nomen gero caritatem cunctis clamo.“ (Aus Deutsch: „Lioba werde ich genannt, von der Siebe trage ich den Namen und allen rufe ich Liebe zu"), und bettelt sie doch allabendlich nach dem Angelus um ein Vaterunser als Liebesalmosen für die armen Seelen —, so steht auch in unserer Stadl als schönstes Lioba-Denkmal das aus warmer christl. Liebe gegründete Lioba-Siechenhaus, das in einigen Wochen sein silbernes Jubiläum begehen wird. Aber noch weitere Kreise zieht die im Namen
Volksmisfion. Zur Vorbereitung der Volksmission, die vom 19. Oktober dis 2. November in den drei Pfarrkirchen Fuldas abgehalten wird, erscheint eine Zeitung unter dem Titel „Wahrheit und Leben". Die erste Nummer ist heute verausgabt worden und allen katholischen Haushaltungen, auch Einzelpersonen, zugestellt worden. Die Missionszeitung erscheint in 7 Nummern und wird kostenlos geliefert. Wer sie nicht erhält, kann sich beim zuständigen Pfarrer oder bei der Fuldaer Actiendruckerei melden.
(!) Geflügelstallbefichtiqungen des Geflügelzucht-Vereins Fulda e. V. Zwecks Förderung der einheimischen Geflügelzucht, hat genannter Verein in den Monaten August und September d. Js. durch eine besonders hierfür gewählte Kommiffion, bei den Geflügelhaltern unserer Stadt und der Umgegend, soweit solche dem Verein bekannt waren, Stallbesichtigungen vorgenommen. Die Kommiffion hat erfreulicherweise gefunden, daß ein Teil von den 168 besichtigten Anlagen gut und zweckentsprechend angelegt ist. Teilweise wurden die Erwartungen sogar weit übertroffen. Jedoch zeigten aber auch manche Anlagen noch ver- schiedentliche Mängel. Die bett. Besitzer nehmen wohl gern Veranlassung diese abzustellen, wo sie auf solche aufmerksam gemacht wurden. Denjenigen Geflügelhaltern, deren Anlagen für am besten und zweckentsprechendsten befunden wurden, ist eine Auszeichnung zugedacht, die in einem künstlerisch ausgeführten Ehrendiplom besteht. Die Diplome werden durch obengenannten Verein in nächster Zeit zugestellt. Für sehr gut befunden wurden die Geflügelställe folgender Besitzer:
Bahnmeister Eckert, Adam Feuerstein, Landkrankenhaus, Otto Lellau-Neuhof, Architekt Mahr, Baltasar Mihm, Hotelbesitzer Aug. Müller, Direktor Mollenhauer, Rentner Adam Schultheis, Georg Weilinger.
Mit gut wurden bezeichnet die Geflügelställe folgender Geflügelhalter:
Jng. Alberding, Frau C. A. Arnd, Joh. Brähler- Neuhof, Aug. Döhler, Lud. Diegelmann, Direktor Dux, Frau Kath. Dietrich-Horas, Enders-Neuhof, Schutzmann Ehret, Landwirt Erb-Neuenberg, Jos. Feuerstein, Fink, Gefängnisaufseher Gaul, Werkmeister Guntrum, Harbach- Vetersberg, Wilh. Hammer, Maurermeister Hautumm, Domkapitular Herbener, Rich. Höfling, Oberamtmann Kersten-Maberzell, Rentner Aug. Kircher, Färbermeister Rud. Knips, Restaurateur Jos. Messe, Schutzmann König, Oberamtmann Klostermann-Johannesberg, Emil Kramer- Rothemann, Ferd. Kramer-Löschenrod, Karl Kräh, Polizeisekretär Kuhn, Thomas Lammeyer, Oskar Mahr, Ludwig Otto, Karl Pauly, Pfeiffer (Deutsche Eiche), Karl Roth- mann, Fabrikant Rübsam, Maschinist Rübsam, Maurermeister Rützel, Gutsbesitzer Souchay-Künzell, Lanoes- sekretär Schneider, Weingroßhändler Schmitt, Brauereibesitzer Schultheis, Otto Schneemann, Maurermeister Schmitt, Domkapitular Stoff, Gastwirt Vogel-Künzell, Dentist Walter, Weichensteller Wehner.
# Der 18. Oktober, der Tag der Erinnerung an das blutige Ringen fast sämtlicher Völker Europas bei Leipzig, kehrt in diesem Jahre zum hundertsten Male wieder. Die hiesigen drei Kriegervereine und die Kriegersanitätskolonne veranstalten an diesem Tage, mit Rücksicht auf die außerordentlich zahlreichen, dies- jährigen patriotischen Festlichkeiten, eine einfache ober würdige Feier. Dieselbe besteht in dem Anzünden eines großen Feuers auf einem erhöhten Punkte in der Nähe der Stadt. Daselbst eine ernste Feier mit einer Ansprache an die Jugend; alsdann Fackelzug durch die Stadt, Niederlegung eines Kranzes am Kaiser «Friedrich-Denkmal (anläßlich seines Geburtstages) und Kommers bei freiem Eintritt im Stadtsaal, zu dem die Behörden, die Bürgerschaft und die Vereine eingeladen werden. Die Mitglieder der fest- gebenden Korperationen beabsichtigen ihre Häuser zu illuminieren. ES dürfte der Würde des großen Gedenktages entsprechend sein, wenn eine allgemeine Illumination der Stadt veranstaltet würde. Mit der Feier im Stadtfaale soll die Geburtstagsfeier Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta Viktoria und das 40 jährige Stiftungsfest des Kriegervereins Fulda verbunden werden. Bei ungünstiger Witterung erhält das Programm eine kleine Aenderung.
j*l Strafkammer. Der 34jährige Reisende C. Sch. von Weidenau (Kreis Fulda), Vater von 6 Kindern, war bei dem Seifenfabrikanten M. W. in Schlüchtern mit einem Monatsgehalt von 50 Mk. und 5,20 Mk. Reisespesen den Tag angestellt. Von Dezember 1912 soll Sch. ungefähr 520 M. einkassierte Gelder veruntreut und für sich verwendet haben. Um diese Verfehlungen vorläufig zu verschleiern, machte Sch. in feinen Reise-Kassabüchern falsche Buchungen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Sch. unter Bewilligung mildernder Umstände 3 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf das unzulängliche Einkommen des Angeklagten wegen Untreue auf eine sechswöchige Gefängnisstrafe, auf die 12 Tage Unter« suchungshaft in Anrechnung zu bringen sind. — Der 24jährige Schneidermeister I. W. von Ried, jetzt in Offenvach a. M. wohnhaft, und fein Bruder, der 38jährige Leinenweber G. W. von R. waren der schweren Urkundenfälschung überführt. I. W. hatte im Juni 1909 eine Schuldurkunde über 50 M. durch Anhängung einer 0 in 500 M. verwandelt und außerdem statt feinem Namen den Namen seiner Mutter unterschrieben. Ferner haben die Gebrüder W. eine
der hl. Lioba geübte Liebestättgkett: alles, was Die eine Der beiden Konferenzen des hiesigen St. Elisabeth- vereins auf charitativem Gebiete wirkt, geschieht ja nnter ihrem Schutze. — Hoffentlich wird auch einmal in einem Gotteshause unserer Diözese, vielleicht in dtr geplanten Sturmiuskirche, der hl. Lioba ein eigener Altar geweiht werden, wie dies auch jetzt in Tauber- bischofSheim geschehen ist in einer zu Soren des hl. Marfinus und Der hl. Lioba neuerbauten Kirche, die am 15. August d. I. heneDijiert wurde und im nächsten Jahre vom Hochwürdigsten Herrn Erzbischof von Freiburg fonfefriert werden soll. (Eine Abbildung dieses stattlichen gotischen Gotteshauses sehen wir in dem trefflichen von Herrn Pfarrer Rübsam-Petersberg verfaßten „Liobabüchlein" (Fulda,Aktiendruckerei 1910s, das wir hier nochmals auf's wärmste empfehlen wollen )
Aber nicht allein in Tauberbischofsheim, wo einstmals daS berühmte Kloster der Heiligen stand, auch an einer anderen Gebetsstätte der Freiburger Erzdiözese tritt Lioba's Verehrung und Verherrlichung eindrucksvoll in die Erscheinung: in Lichtenthal bei Baden-Baden nämlich, wo die Heilige in der Klosterkirche der Cisterzienserinnen am Triumphbogen im Bilde dargestellt worden ist. — Erfreulich ist es auch, daß das Sonntagsblatt der Erzdiözese Freiburg den Titel , Lio bad lat t' trägt. Möge der Kultus der großen Wohltäterin des deutschen Volkes in den deutschen Landen immer weitere Verbreitung finden, damit sich mehr erfülle, was der alte Hymnus so schön verkündet:
„Weit wie Glockenruf erschallend. Wie ein Stern am Himmel wallend Ist dein Name Lioba!"
Bürgschafts-Erklärung gemeinschaftlich rechtswidrig angefertigt und mit einer gefälschten Bürgschafts- Unterschrift versehen. Die Verhandlung ergab, daß ®. geistig beschränkt und von seinem Bruder I. als Werkzeug benutzt wurde. Der Staatsanwalt bean- tragte wegen schwerer Urkundenfälschung gegen I. W. 3 Monate und gegen dessen Bruder 1 Monat Gefängnis. Das Gericht verurteilte I. zu der beantragten Strafe, erkannte jedoch gegen den Bruder G. mit Rücksicht auf seine geistige Beschränktheit auf Freisprechung. — Aus der Haft vorgeführt wurde der 18jährige Fürsorge-Zögling Karl Sowado, gebürtig aus Tangermünde, zuletzt untergebracht in der Anstalt Sannerz. Er ist ein Spezialist im Fahrradstehlen. Im Mai d. I. lieh er sich angeblich auf zwei Stunden bei einem Fahrradhändler hier ein Rad unter der Angabe, er sei Hausknecht im „Kurfürsten". Der Radler blieb fort, das Rad fand man fpäter herrenlos auf. Am 27. Mai erbeutete er mittels Einsteigens bei dem Landwirt K. in Sargenzell ein Fahrrad im Werte von ungefähr 150 Mark. Dem Bauunternehmer H. in Burghaun entwendete S. gleichfalls ein Stahlroß, als dieses unbeaufsichtigt vor einer Wirtschaft stand. Bei dem Kaufmann Sp. in B. versuchte S. durch Vorspiegelung falscher Tatsachen brieflich ein Darlehen von 150 Mark zu er» fchwindeln. Hiermit hatte er jedoch fein Glück. Das Gericht diktierte dem jugendlichen Fahrradmarder einschließlich einer noch zu verbüßenden Gefängnisstrafe eine Gesamtgefängnisstrafe von Monaten. — Zwei Berufungen in Privatklage-Sachen wurden vertagt.
Ä Bericht der Mitteldeutschen Arbeitsnachweise im August 1913. Von den 27 Arbeitsnachweisen des Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes, die im August 1913 an das Kais. ©tat. Amt berichteten (gegen 19 im August 1912) wurden 6431 (6978) männliche und 3754 (3699) weibliche Personen, zusammen 10158 (10 677) vermittelt. Hiervon enftallen auf Bebra 56 (—), Kassel 947 (1045), Frankfurt a. M. 4611 (4991), Gießen 153 (147), Hanau a. M. 72 (78), Marburg a. M. 8 (—), Offenbach a. M. 370 (463), Witzenhausen 10 (7). Nach Berufsgruppen getrennt wurden vermittelt: In den männlichen Abteilungen: Landwirtschaft 1065 (gegen 940 im August 1912), Metallgewerbe 480 (799), Holzgewerbe 409 (451), Industrie der Nahrungs- und Genußmittel 129 (124), Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe , 367 (377), Baugewerbe 439 (511), Maschinisten, Heizer und Fabrikarbeiter 90 (134), Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe 1157 (928), sonstige Lohnarbeit und häusliche Dienste 2058 (2490). In den weiblichen Abteilungen: Gelernte und angelernte Arbeiterinnen in Fabrikbetrieben 115 (63), Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe 46 (27), Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe 339 (333), sonstige Lohnarbeit und häusliche Dienste 3210 (3255). Von den an den Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband berichtenden nichtöffentlichen Arbeitsnachweisen wurden im August 1913 im ganzen 1240 Stellen vermittelt (gegen 805 im August 1912). Von diesen 1240 Stellen entfallen auf" Innungsarbeitsnachweise 296 (417), auf Arbeitnehmernachweise 385 (177), auf paritätische Arbeitsnachweise 51 (21) und auf Vereinsarbeitsnachweise 508 (190). Von den 13 an den Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband berichtenden größeren Ortskrankenkassen war der Bestand am 1. Sept. 1913: 299 914 (gegen 292 356 am 1. Sept. 1912); darunter waren 190 089 (190 829) versicherungspflichtige männliche Mitglieder, 75 934 (70 818) versicherungspflichtige weibliche Mitglieder, 10 808 (9754) freiwillige männliche Mitglieder und 23 083 (21 002) freiwillige weibliche Mitglieder.
A Die Versicherungs-Karten der Militärpflichtigen. Die im Oktober eintretenden Rekruten, welche der Jn- validitäts- und Altersversicherungs-Pflicht unterliegen, haben die Quittungs-Karte der zuständigen Ortsbehörde zur Aufrechnung vorzulegen, weil die Karte ungültig wird, wenn sie nicht innerhalb 2 Jahren nach dem Ausstellungs-Datum umgetauscht oder verlängert wird. Eine Unterlassung kann später Schwierigkeiten und bei einem Anspruch auf eine Rente große Nachteile zur Folge haben.
= Die Jagd nach dem entflohenen Kirchenräuber ist bis heute ergebnislos verlaufen, trotzdem sie mit Autos und Fahrrädern nach verschiedenen Seiten hin sofort ausgenommen wurde. Auch an zahlreiche auswärtige Polizeibehörden ging telephonisch das Ersuchen zur Festnahme des Flüchtlings. M. muß feinen Plan schon seit mehreren Tagen vorbereitet haben, denn man fand in seiner Zelle auch noch ein Eisenstück, dessen er sich wahrscheinlich als Waffe gegen den Gefangenen-Aufseher bedienen wollte. Natürlich soll der Ausbrecher nun schon in verschie- schiedenen Orten gesehen worden sein. ES handelt sich lediglich um Vermutungen, zumal M. in unserer Gegend keine so bekannte Persönlichkeit ist, wie die immer noch vergebens gesuchten Brüder Ebender; die auch überall und nirgend? festgenommen sind. Müller ist etwa 27 Jahre, mittelgroß, hat ein langes blasses Gesicht und einen richtigen Verbrecherausdruck.
•Y« Marine-Reservisten. Nahezu 170 Marinesoldaten, deren Parole „Nach der Heimat" lautete, trafen gestern abend spät auf dem hiesigen Bahnhof ein. Im Wartesaal wurden die Leute mit Speise und Trank erquickt und setzten heute früh gegen 0-5 Uhr ihre Reise nach Frankfurt a., M. und weiter fort.
--- Kricgsspiel. Der Jugendverein der Stadtpfarrei und die Lehrlingsabteilung des K. K. V. veranstalten Sonntag nachmittag ein größeres Kriegsspiel mit Biwak bei Haimbach. Da mehrere Offiziere und Unteroffiziere des hiesigen Artillerie-Regiments die Führung übernehmen, dürfte cS für unsere Jünglinge sehr in- teressani werd-n.
5* Die Ft -er Stadtstafette, die am Sonntag den 5. Oktober, nackm. %3 Uhr, vom Kriegerdenkmal ab- gclasicn wird, hat insofern eine Aenderung erfahren, als die Zahl der Teilnehmer auf 10 Personen herabgesetzt wurde, und die Wegestrecken, sowohl für die Starter über 17 Jahre als auch für die unter 17 Jahre verkürzt worden sind. Das Endziel ist die Friedenseiche in der Kastanienallee. Auch der Einsatz ist herabgesetzt worden. Da voraussichtlich fast alle sporttreibenden leistungsfähigen Vereine starten und besonders die Jugendabteilungen sich stark beteiligen, wird diese Veranstaltung aus Anlaß der Jahrhundertfeier ein interessantes Schauspiel bieten. Wertvolle Ehrenpreise sind bereits gestiftet und weitere sind in Aussicht gestellt.
(!1 Zirkus-Carree-Festspiele. In Gießen gastiert von Montag den 29. Sep-. ab der Zirkus Carree, der größte Pferdezirkus der Erde.
Ans dem Nachbarqebiete.
* Alsfeld, 26. Sept. 1913. Der beim Bahnbau nach Alsfeld an der Altenburger Brücke mit Schachtarbeiten beschäftigte Arbeiter Ruppel aus Alsfeld wurde von plötzlich nachgebenden Erdmassen ver"
JV§ 224.
Samstag 27. September 1913.
schüttet und konnte nur mit schweren inneren Verletzungen und einem Beinbruch geborgen werden.
A Hersfelv, 27. Sept. 1913. Dem in Den Ruhestand versetzten Gymnasial-Direktor, Geh. Studienrat Dr. Steiger, wurde vom Lehrer-Kollegium als ein äußeres Zeichen der Dankbarkeit uib Verehrung die Bronze«Nachbildung eines antiken Kunstwerkes Überreicht. Geheimrat Steiger hat 8 Jahre in Hersfeld gewirkt.
* Schwarzenfels (Kr. Schlüchtern), 26. Sept. 1913. Scheuer und Viehstall des Maurers Konrad Schnarr sind ein Raub der Flammen geworden. Die Feuerwehr mußte sich daraus beschränken, das anstoßende große Wohnhaus zu retten, was auch dis auf die stark beschädigte Giebelwand und einem Teil des Dachstuhls mit Hülfe der herbeigeeilten Feuerwehren von Mottgers, Weichersbach und Züntersbach gelang.
* Niederaula, 26. Sept. 1913. Auf dem hiesigen Elektrizitäts- und Dampfsägewerk verunglückte der 15jährige Zimmetlehrling Leitz aus Kleba schwer. Er geriet mit einem Bein so in die Säge, daß ihm der Oberschenkel fast ganz durchschnitten wurde.
n. Hornau, 26. Sept. 1913. Der Verkauf des luxemburgischen Hofgutes wurde gestern und heute vollzogen und ging dank eines allseitigen Entgegenkommens glatt von statten. Fast alle Bewerber um Ländereien in den Gemarkungen Schnaid- hain, Kalkheim und Hornau gaben angemessene Angebote ab, sodaß ihnen sofort der Zuschlag erteilt wurde. Das Hofgut umfaßt 208 Morgen Ack rland, Wiefen und Gärten und 30 Morgen Waldungen. Der Gefamtverkaufspreis war von der vermittelnden Firma auf 260000 Mik. festgesetzt.
* Hanau, 26. Sept. 1913. Mit einem Kostenaufwand von 50000 Mark ist' die Innenausstattung des hiesigen Stadttheaters nach den Plänen des Baumeisters Weiske vollständig erneuert worden.
* Frankfurt a. M. 26. Sept. 1913. Auf dem Hauptgüterbahnhofe wurde in der Feuerkiste einer Lokomotive der mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigte Schlosser Joseph Wiedinger tot aufge- f u n d e n. Es wird angenommen, daß er durch giftige Gase den Erstickungstod gefunden hat.
8. Holzhaufen v. d. H., 26. Sept. 1913. Beim Spielen an einer ungesicherten Häckselmaschine geriet die fünfjährige Tochter des Arbeiters Pfeifer mit den Händen unter das Schneidemesser! Sie wurde dabei so schwer verletzt, daß sie dem Friedberger Krankenhaus zugeführt werden mußte.
t. Vom Taunus, 26. Sept. 1913. Vor etlichen Tagen erwarb das historische Museum zu Frankfurt aus Privatbesih ein dem Jahre 1853 entstammendes Gemälde von Adolf Schmitz (1825—94), das eine entzückende Ansicht des großen Feldberggipfels darstellt, zugleich aber ein geschichtlich wertvolles Dokument dafür ist, wie sich das ehrwürdige Haupt des Taunusgebirges vor sechzig Jahren präsentierte. In außerordentlich schöner Perspektive baut sich der mit blühender Erika und mächtigen Steinblöcken übersäte Kulm auf; am Abhang erhebt sich ein leicht gefügtes, mit Seinen überspanntes Bierzelt, von dessen Giebel ein weitaus- gestreckter Kranz winkt; hinter dem Gipfel steigen weiße Wolken in den Sonnentag hinein. Eine ungemeine Belebung erfährt jedoch die Szenerie durch eine Gruppe bekannter Familien aus Frankfurts Kunstkreisen, die sich zwanglos aus der Höhe lagert.1 Das Bild ist so vortrefflich gemalt, daß man unschwer verschiedene Personen erkennt, besonders jenen Frankfurter, der vor dem Zelt sitzt und das Glas leert. Zweifellos bildet das bisher nicht bekannti Kunstwerk eine treffliche Bereicherung über die noch recht mangelhafte Kenntnis der Feldbergtouristik in alter Zeit. — Was die Besiedelung der Kupp« angeht, so wurde 1828 vom Frankfurter Physikalischen Verein die erste Unterkunft, eine Blockhütte^ geschaffen; 1851 entstand das oben erwähnte Zeltz dem 1853 ein zweites folgte. 1860 baute Bürgermeister Ungeheuer aus Oberreifenberg mit Unterstützung des Geographischen Vereins zu Frankfurt das alte Feldberghaus. Hier wurde 1882 di« Postagentur und später der Fernsprechverkehr eingerichtet. Der von Jahr zu Jahr wachsende Riesenverkehr auf dem Berge forderte dann den Bau zweie, weiterer Gasthäuser, die von den beiden Reifenbergei Bürgern Sturm und I. Ungeheuer 1895 und 1896 erbaut wurden. Und am 12. Oktober 1902 kam dann die Errichtung des Feldbergturmes durch den Taunusklub als vorläufiger Abschluß der Feldbergbesiedelung hinzu.
* Schierstein, 26. Sept. 1913. Heute früh brannte auf der Ziegelei von Weder u. Schmidt ein Ziegelofen vollständig nieder, obwohl die Wiesbadener Feuerwehr drei Stunden lang am Brandherd arbeitete. Ein gestern aus dem Betrieb entlassener Taglöhner soll den vollständig kalten Ofen in Brand gesetzt haben. m r
* Höchst a. M., 25. Sept. 1913. Um der Wohnungsnot zu steuern und die Bautätigkeit zu heben, hat die Stadt im Nordosten am Amtsgerichtsneubau und Oberfeldschule ein größeres Terrain käuflich erworben. Das Gelände soll zu Bauplätzen eingeteilt und unter günstigen Bedingungen abgegeben werden.
* Biblis (Riedbahn), 26. Sept. 1913. Gestern fuhr der nach Hof heim i. Ried abgehende Personenzug auf einen Rangierzug. Zwei Eilgüterwagen wurden zertrümmert und entgleisten. In dem einen Wagen befand sich eine größere Zahl Schweine, die totgefahren wurden.
* Mainz, 26. Sept. 1913. Die seit längerer Zeit zwischen den Ortskrankenkassen und Aerzten schwebenden Differenzen kommen jetzt auch in Mainz zum Austrag. Die Arrztevereinigung des Kreises Mainz hat sämtlichen Ortskrankenkassen per 1. Januar gekündigt. Die Aerzle hoffen, daß die Kassen die Forderungen der Leipziger Verbindung vor dem Per sektwerden der Kündigung anerkennen werden.
* Vom Eichsfelde, 26. Sept. 1913. Der amtliche Bericht des Beauftragten des geologischen Landesinstituts Dr. Siegert-Berlin über die Tropfsteinhöhlen bei Kalteneber kommt Auf Grund der vorläufigen Untersuchungen zu dem Ergebnis, daß aller Wahrscheinlichkeit nach weitere, umfangreiche Höhlen in dem Massiv des Gebirges vorhanden sein muffen und empfiehlt die Bereitstellung staatlicher Mittel, um wettere Untersuchungen zum,Zweck der Erschließung der Höhlen vornehmen zu lassen. Eisenbahn-, Kreis- und Kommunalbehörde wollen Schritte tun, um die erforderlichen staatlichen Mittel zu erwir ken, damit diese Angelegenheit — die für den Fremdenverkehr und die Rentabilität der Nebenbahn H e t» ligenstadt-Schwebda von äußerstem Interesse ist _ nachdrücklich gefördert werden kann.
* Aschaffenburg, 27. Sept. 1913. Die Gründung einer Genossenschaftsbank ist hier beabsichtigt