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Fuldaer Gc(djidjtsblätter
— halbjährlich Tafchrnfohrplan. r.
40. Zahrgang.
Samstag den 27. Se tembet 1913
erstes Blatt.
Nr. 224
kaum mehr ztoeil
sie lebte, namenloses Unheil bringen müsse. Und machte sie sich auch selbst Vorwürfe über solche Vorstellungen und verwies sie in das Reich krankhafter Einbildung — stets kehrte das seltsame, atembeklemmende Gefühl wieder, wenn sie den Blick des Gatten auf sich gerichtet fühlte und stets war es ihr, als müsse einst die Stunde kommen, in welcher sie dem Bibelspruch folgen müsse, der auf ihrem über dem Bette hängenden Kommunionschein verzeichnet stand: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und und du sollst mick btetfenl"
)( Neuauspräguugeu von Fünsmarkstückm. Der Bundesrat hat beschlossen, m diesem Jahre Fünfmal!.
Een!
Woher kommt das? Wir fragen nicht als Richter, sondern als mitleidige Nachbarn, die sich selber vor dem gleichen Schicksal bewahren mochten. Und die Nutzanwendung lautet: HaltenwirdieErn- trachtun versehrt, auck die Einheit in der voli- tischen Betätigung/ und Pflegen wir nnsere Presse, damit nicht von der ungläubigen Presse der religiöse Sinn unseres Volkes ebenso untergraben werde, Wie es in Frankreich weithin geschehen ist.
,st uns einigermaßen befremdlich, da die Fünsmark- stücke durchaus nicht zu den im Volke beliebten Münzen gehören, viel mehr die Drclmarlstucke.
* Die tonsejsionelle Stenographie. Dre,Teutsche Stenographen - Zeitung' bringt die fast unglaubliche Nachricht, daß die preußische Regierungsbehörde zwischen einem katholischen Stenographiesystem „Gabelsberger und einem proteitantijchen iLteno- graphiesystem Stolze-Schrey" unterscheide und das „protestantische" System natürlich vorztehe. Wörtlich schreibt die genannte Zeitung:
Wie ost ist uns gerade in Preußen, und zwar von Regierungsbehörden, entgcgengehalten worden, Gabelsberger sei das katholische und Stolze-Schrey das evangelische System, deshalb habe man m Preußen nicht nötig, das Gabelsbergersche System zu er.
Der Brandstifter
25] Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.
tgen I „Ter will warscheins des Geld für die Feuerver- sich sicherung hole! Wenn der was zu kriege Hot, dann Ge- kimmt er, un wenn's Mühlstaa un glühend Eise
Deutsches Reich.
• Berlin, 26. Sept. 1913. Eine der ersten Vor. lagen, die dem Bundesrate nach der Wiederaufnahme feiner Arbeiten zugehen werden, wird das Gesetz zur Regelung des Verkehrs mit Luftfahrzeugen sein, das den Namen „Luftrecbtgesetz" führen wud. Der Entwurf ist inzwischen im Reichsamt des Innern unter Mitwirkung des ReichsjustizamtS und der Armee- und Marineverwaltung fertiggestellt Die /Braunschweigische Landeszeitung' meldet: Für den Ausbau des deutschen Flugwesens für Heer und Marine fordert der neue Reichsetat 22 Mill. M.
* Eine Reichstagsfahrt nach Deutsch-Oft-Afrika. Laut,Voss. Zta.' fall eine Fahrt von Reichstagsab- geordneten nach Deutsch-Ostafrika vorbereitet werden. Dort findet bekanntlich im August kommenden Jahres eine große Ausstellung in Dar- es-Sa la m statt Der gesebäftsmhrende Ausschuß dieser Ausstellung soll an den Reichstag eine Einladung zu einer Studien- reise dorthin gericht t haben.
* Staatssekretär Solfs Kamerunreise. Staatssekretär Dr. Sols hat feine Kamerunreise beendet. Wie aus Viktoria vom 24. September amtlich gemeldet wird, bot sich dem ©taatSielretär Dr. Sols gelegentlich seiner Fahrt mit der Nordbahn am 14. ds. Monats Gelegenyeit zur Besichtigung vielve'sprechender Tabakpflanzungen und reicher Oelpalmeu- bestände. Vom 15. bis 23. unternahm Dr. Sols emen Ritt über die Moorebene nad) Dschang. Hierbei wurden übertaicbenö viele und fruchtbare Enigeborenen- tultuien angelroffen. Am 24. fuhr der Staatssekretär mit dem Dampfer .Henny LVoermann" nach Lagos. Der Gesamteindruck, den der Staatssekretär von Kamerun gewonnen hat, ist em äußerst besriedigender. Allein die Oelpatme sichert die Zulunsl des Schutzgebietes. Dringend erforderlich ist ein sofortiger Ausbau des Euenbaknnetzes.
rj Verschärfung -es französischen Kulturkampfes.
Als bei bet letz en Präsidentenwahl in Frankreich die Abgeordneten der Rechten posurv mitroirtten, glaubte man hier und da auf etwas Entgegenkommen gegen die Katholiken hoffen zu dürfen. Wieder einmal eme Enttäuschung! Die Regierung des Herrn Poincars hat eme heillose Furcht vor der Nachrede, daß sie irgend weiche „Schwäche''gegenüber Religion und Kirche habe, und um es nicht mit den Macht- Habern der Freimaurerei und den roten Agitatoren u verderben, flogt sie geflissentlich die Katholiken an
Der^Ministerpräsident Barthou hat soeben zwei kulturkämpferische Erklärungen auf «nma losgelassen. Auf dem Kongreg des Volk sunt er. rich tsbundes, der in Aix-les-Bains eröffnet wurde, hielt Barthou bei der Eröffnungssitzung und spater bei dem Festmahle zwei Reden, m denen er zunächst über das Verhältnis zwischen Kirche und Staat eme Erklärung abgab, m der es heißt:
In religiöser Hinsicht bleibt das Trennungs» gesev von 1905 das Grundgesetz, das in unwiderruflicher (?) Weise die Beziehungen zwischen Kirche und Staat regelt. Man hat gesagt, daß Vorbesprechun- gen zwischen der Regierung und dem Vatikan begonnen hätten, um die durch das Trennungsgesetz ab- qe schafft en Beziehungen wieder anzuknupsen. Ich gebe mein Wort als Ehrenmann und re. publikanischer Minister, daß weder unter der Regierung Poincarös, noch unter dem Ministerium Briand, noch in dem Kabinett, dessen Leitung nur eme drückende Ehre und schwere Verantwortlichkeit auferlegt, in irgendeiner Weise, weder direkt noch i n d i r e kt, irgendwelche Verhandlungen begonnen haben, durch welche die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Kirche und Staat vorbereitet werden soll.
Barthou leugnet hier mit einet Umstanbuchkeit, die nur von schwerer Angst veranlaßt sein kann, unter Abgabe seines „Ehrenwortes", baß irgendwelche, direkte oder mittelbare Verhandlungen zur Annäherung von Kirche und Staat stattgefunden hätten. Aus diesen Versicherungen können die Kirchen, feinde entnehmen, daß die gegenwärtige Regierung Überhaupt nicht daran denkt, irgend etwas für die Besserung der kirchenpolitifchen Zostände zu tun. Es soll einfach bei dem Trennungsgesetz bleiben, das ein Verfolgungsgesetz ist.
Obendrein kündigt Barthou einen neuen Kampf aut dem Schulgebiete an. Er tagte:
Die Republik und die Weltschule sind nicht zu trennen. Wer die eine angreift, bedroht die andere, wer die eine verteidigt, dient der anderen. Es ist notwendig, den Schulbesuch zu erzwingen und die W e l t s ch u l e gegen die Verleumdung und Aech. hing zu verteidigen. Wo Ueberredung nicht genügt, wird Zwang und B e st r a f u n g zur Notwendigkeit. Wir müssen Strafen für jeden verhängen, der der Weltschule Hemmungen entgegensetzt. Diese Strafen müssen ähnlich jenen sein, die das Trennungsgesetz für diejenigen bestimmt, die auf irgendeine Weise die freie Ausübung einer Religion hemmen möchten.
Unter Den „strafbaren Hemmungen", Die Barihon nennt, läßt sich Die Propaganba für Die katholische Erziehung gewiß so wett unterbringen, baß tatsächlich die Eltern gezwungen werden, ihre Kinder Der „teil» gionslosen" Schule mit ihren religtonsfemdlichen Lehrmitteln unh Leh krä'ten vollends au^uliefem!
Was will es angesichts dieser drohenden Verschärfung des Kulturkan-pfes besagen, wenn der Marine- Minister den Befehlshabern der Kriegsschiffe gestattet, in den Häfen des Orients am Karfreitag auch die französifche Flagge auf Halbmast zu setzen, wenn das in dem Aufenthaltshafen von den anderen Schiffen geschähe? Gegen diesen Erlaß haben die Reli-
+ San Francisko.
Der Bürgermeister von San Francisco, James Ralph, hat an den Berliner Oberbürgermeister em Telegramm geschickt, in dem er dringend bittet, Herr Wermuth mochte bei den Bemühungen nnthelsen, da- Ausstellungsunternehmen bei Jemen Mitbürgern und Nachbarn „in das richtige Licht zu setzen .• Wermuth hat mit folgender Depesche geantwortet.
„Die Stadt Berlin dankt der Stadt San Franets o herzlichst für das freundliche Begrußungstelegramm und beglückwünscht sie zu dem Unternehmen der Weltausstellung im Jahre 1915. Die Stadt Berlin selbst hat keinen Einfluß auf die Beschlüsse der Industrie rnbezug auf die Beschickung der Ausstellung. Sie wird aber dw Frage einer Beschickung durch die deutschen Städte dem deutschen Städtetag in seiner nächsten Sitzung unterbreiten. Ihr Telegramm ist zu diesem Zweck der Geschäftsstelle des Deutschen Stadtetages übermittelt
chenzeit erfüllt.
Tort drüben fuhr eben der hochbeladene Erntewagen in das Tor des Gasthauses „Zur Linde". Von der ansteigenden, glänzend weißen Landstraße hob sich die schlanke Gestalt Emst Rothers wie eine Silhouette ab. Ein schmerzliches Zucken ginadurch das Innere de^ jungen Weibes. Bei diesem Manne da drüben hätte sie wohl nicht jenes unheimliche Bangen verspürt — dessen innerstes Wesen hatte nach ihrer Meinung wie ein aufgefchlagenes Buch vor ihr gelegen. Und doch hatte sie sich in ihm getäuscht! Ob er bereute, was er ihr angetan, nachdem sein Leben durch die Macht der Verhältnisse in ganz andere Bahnen gelenkt worden war, nachdem der Unterschied des Standes, den er als Grund der Trennung betont hatte, nicht mehr existierte? Fort auch mit diesen Gedanken! Sie durfte nicht mehr über die verlorene Liehe nachdenken, nachdem sie einem anderen an dem Altäre ewige Treue geschworen hatte — das war sie ihrem Manne und ihrer Würde als verheiratete Frau schuldig! Und mit erhobenem Haupte schritt sie dem väterlichen Hause zu.---
Als Ernst Rother an dem väterlichen Hause angekommen war, sah er an dem Fenster der Gaststube den Versicherungsbeamten Herrn Isidor Maler aus Camberg stehen, der ihm freundlich zunickte. Auch ! ienharb bemerkte den glakkövtiaen SSerrn und meiner
lernen. _ ,.
Also nicht die Tauglichkeit emes Stenographie, fystems ist für Die preußischen Behörden maßgebend, fonoern Die Tatsache, Daß Der eme Stenographie- Erfinder (Gabelsbergerf ein Katholik unD Der andere ein Protestant war. Um Aufklärung wird gebeten.
* Ein Briefkasten der Reichspoft in toter Beiklet- düng soll nach einer Mitteilung des,Berl. Tagebl.' auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Jena in der Wandelhalle des Volkshauses angebracht gewesen fein. Das wäre nun freilich kein großes Unglück, das die Reichspostverwallung und dann das Deutsche Reich ins Verderben ziehen könnte; aber angesichts des Entgegenkommens, das schon Die Stadtverwaltung von Jena durch die freiwillige Uebeilaffung der kleinen Marktdekorakion der Sozial- Demokratie erwiesen hat, wäre es gewiß nicht un- interessant, zu erfahren, ov auch Die Kaiserlich« Postverwaltung in Jena durch Zulassung roter Briefkasten der Sozialdemokratie und ihrer Lieblings- färbe Rechnung getragen bat. Einstweilen glauben wir. Daß Das ,Berl. Tagebl. bei seiner Muteilunz Das Op>er eines Sckerzes geworden ist.
— Der Evaug. Bund begann am Donnerstag in Görlitz seine 26. Gen er alver s ammlun g mit einer Vorstandssitzimg, in der die Gründung einer Schwesternschast des Evangelischen Bundes beschlossen wurde. Ter gcschästsfiihrende Vorsitzend- Direktor Lic. Everling (Berlin) gab diesen Beschluß in der gestrigen geschlossenen Abgeordnetenversammlung bekannt. Danach nahmen das Wort Archidiakonus Tr. Phil, et med. Krämer (Saal- feld) und seine Gattin, Frau Krämer, zu Vorträgen über das Thema: Die evangelische Krankenpflege, ein Mittel zur Förderung des konfessionellen Friedens.
cT München, 25. Sept. 1913. Am Algäuer Katholikentage, der einen starken Menschenstrvm nach Kempten brachte, nahm u a. auch'der Herr Bischof von Augsburg, der Abt von St. Ottilien, der Fürst von der Leyen und der Präsident der Reichsratskammer, Graf Fugger, teil. Die liberalen Rathaus- großen haben nun nicht nur die ganze Veranstaltung ignoriert, sondern der Bürgermeister hat auch noch ein übriges getan, indem er eine Eingabe: den Ehrengästen den Rathausbalkon zur Besichtigung des Festzuges einzuräumen, zurückgab, ohne sie an den Magistrat zu bringen. Im Gemeindekollegium protestierte Verleger Huber gegen eine solche rücksichtslose Behandlung und nannte den I ganzen Vorfall höchst blamabel und beschämend für Kempten. Daß man für den Diözefcm- I bischof und die Fürstlichkeiten nicht einmal den Rat- I Hausbalkon hergab, zeugt von einer Gehässig- k e i t, die bisher ihresgleichen nicht aufzuweifen hatte.
,..nd) Ausnahme der Sonn- und Feiertage, viertel- ‘"Xi Bezugspreis ohne vrMgerlohn anö BefkUgdb In $ulDa jährliche mark. •••• Rotationsbru* unD Verlag Der
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regnet! .
Ernst rief dem Agenten zu, daß er sich eine Weile gedulden müsse, und lenkte den Wagen in den Hof. Dort ging es recht lebhaft zu. Zwei ebenfalls mit Korn hochbeladene Leiterwagen standen vor der links nach dem Garten zu gelegenen Scheune, und mehrere Knechte schickten sich eben an, das eine der Gefährte in das weit geöffnete Tor einzufahren. In der Nähe stand ein hagerer, grauköpfiger Mann, der heftig mit jen Armen gestikulierte und den Knechten in ärger- lichem Tone zuschrie:
„Mehr rechts, Kaspar! Bist Tn dann schon am Helle Nachmittag vollgesoffe, daß Du den Eckposte nti siehst! Rechts mit der Deichsel! Wollt Ihr hawe, daß der Wage umschmeißt? Herrgott, Hot mer e Kreiz mit eich Rindviecher!" Das war der. wegen seines Geizes berüchtigte und wegen seiner Grobheit bei seinen Leuten gefürchtete alte Herrschei. Die Knechte schienen an die Art seiner Behandlung gewöhnt zu sein, denn ohne mit einem Wort ober mit einer unwilligen Miene zu erwidern, ließen sie die Grobheiten des Alten über sich ergehen und brachten
Ja, die milde Sonnenwärme — die wirkliche und wahrhaftige Zuneigung zu dem ihr angetrauten Manne, sie fehlte Frau Klara Eicher. Der Gatte war gewiß nicht schuld Daran, denn sein ganzes Sinnen und Trachten war nur darauf gerichtet, seinem von ihm vergötterten Weibe einen freundlichen Blick oder ein zufriedenes Lächeln zu entlocken. Jeder Wunsch, den sie äußerte, war ihm Gebot und wie ihr Schatten folgte er ihr auf Schritt und Tritt, den Blick stets wie m stummem Flehen um Gegenliebe auf sie gerichtet. Tas Herz mancher Evastochter wäre wohl durch diese zur Schau getragene innige Zuneigung, durch diese fast demütige Huldigung gerührt worden, wenn ihr auch der sie anbetende Mann im Anfänge gleichgültig gewesen wäre und die von dem Gatten angestrebte Harmonie der Seelen wäre zustande gekommen, — der jungen Frau des Jakob Eicher war es unmöglich, die ihr entgegengebrachten Gefühle zu erwidern. So sehr sie sich auch tn ihrem Gerechtigkeitsgefühle zwang, den braven Eharakter ihres musterhaft fleißigen und soliden Mannes an« zuerkennen und sich bemühte, an seiner schönen Gestalt und seinem ruhigen Wesen mit dem Herzen Gefallen zu finden — immer wieder wurde sie von einem leisen Bangen ergriffen, wenn der Blick Jakobs mit einem so verzehrenden Ausdruck auf ihr ruhte. Es war als glimme in diesen Augen etwas Unheimliches, etwas Wildes, das nur gewaltsam gebändigt wurde und das entfesselt, ihr und Allem was um cheil bringen müsse. Und Vorwürfe über solche Vor
alte Märchen von dem Werwolf fiel dem lungen Weibe ein, der in schöner, gewinnender Gestalt • seinen Opfern nähert und die vertrauensselig L. machten erbarmungslos erwürgt. Loderte hinter dem stillen Wesen des Gatten vielleicht verzehrende Lei- denschast, die, einmal entfesselt, fähig war, schonungslos zu vernichten? Fort mit diesen törichten Hirn- gespinnsten! Wie konnte sie nur ihrem braven Manne, der sie so innig liebte und ihre Eltern tote ein Sohn verehrte, so Ungeheuerliches auch nur m ihren geheimsten Gedanken andichten? Ein innerlich I n vollständig Fremder, war er ihr eben angetraut st morden — da mußte sie, als einmal für das ganze I b« Leben Gebundene, sich bemühen, den Gatten zu verstehen, sich ihm innerlich anzupaffen! Hann würde wohl im Laufe der Zeit, wenn auch nicht berauschen- des Glück, so doch innere Zufriedenheit ihr Dasein erfüllen — das wirkliche Leben spielt sich eben nicht int Paradiese ab, sondern ist ein recht nüchternes Ding, das keinen der beseligenden Träume der Mäd-
toorben.“ ,
Herr Wermuth hat, wie man steht, sich lehr zurückhaltend aeäußert, und wenn man zwischen den Zeilen zu lesen versteht, so kann man ruhig tn dieser Antwort eine Absage erblicken. Allerdings find die dem Deutschen Städtetao angegliederten Kommunalverwaltungen dahin übereingekommen, etnftroetlen nicht durch Svndermeinungsäußerungen herauszutreten, sondern die Frage erst gemeinsam auf einer für Mitte November anberaumter Vorstandssitzung zu erörtern. Das Resultat dieser Beratungen kann heute iselhaft sein, zumal auch der Verband südwestdeiitscher Industrieller auf Grund einer Rundfrage bei seinen Mitgliedern beschlossen hat, von einer Beschickung der Weltausstellung abzusehen. Wer die schikanöse Handhabung der amerikanischen Bollbei'ttmntunqen und die sehr extreme amerikanische Schutzzollpolitik kennt, wird sich über diese ablehnende Haltung nicht wundern können.
Trotzdem setzt Herr Ballin, der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, seine Bemühungen für eine umfangreiche Beteiligung der deutschen Industrie in der Weltausstellung tn San Francisco mit unvermiiidertem Eifer fort. Wenn Herr Ballin sagt- die am Absätze interessierten deutschen Industrien würden sich an der Ausstellung beteiligen, so hat er sich zwar sehr allgemein und vorsichtig ausgedrückt, aber doch wohl nicht vorsichtig genug. Denn nach der Sachlage, wie sie nun einmal steht, weiß man nicht, aus welcher Kompetenz heraus Herr Ballin die Berechtigung nahm, von einer Beteiligung der interessierten deutschen Industrie zu sprechen. Es liegt doch aus der Hano, daß jene Industrien, welche sich aus reiflich überlegten Erwägungen an der Weltausstellung nicht beteiligen wollen, an dem Absatz nach Amerika deswegen nicht weniger interessiert sind, weil sie eine Förderung dieses Absatzes von der Ausstellung sich eben nicht versprechen können. Nach der Ansicht eines großen oder heffer gesagt wohl des größten Teiles unserer deutschen Industrie würde eine Beteiligung an der Ausstellung bei der Skrupellosigkeit, mit welcher die Amerikaner solche Gelegenheiten zur Nachahmung der ausgestellten Erzeugnisse zu benutzen Pflegen, den Ausstellern nicht Vorteile, sondern nur Nachteile bringen. Wenn die Amerikaner wenigstens die dringendsten Wünsche der deutschen Industrie auf zollpolitischem und zolltechnischem Gebiete, wie hinsichtlich des Schutzes der ausgestellten Waren erfüllen würden, so wäre gegen eine Beteiligung im Interesse des internationalen Wettbewerbs schon weniger einzuwenden. Die deutsche Industrie braucht diesen Wettbewerb sicherlich nicht zu fürchten, aber es toärc doch etwas mehr als Gutmütigkeit, wenn sie dem Herrn Ballin zuliebe ihre Lebensinteressen aufs Spiel setzen würde.
„Klärche, willst Du's jetzt nit genug sein loste?" sagte jetzt die milde Stimme ihres Gatten neben ihr. „Ich will nit hawe, daß Du Dich in der Hitz so ab» quälst — die zwaa Mägd un die Knecht sein jo do!"
„Ich helfe gern!" antwortete die junge Frau. „Wenn Du atoer maanft, daß ich uffhöre soll —"
„Tu mir's zu lieb, Klärche!" unterbrach er sie. „Wir hawe's doch nit notwendig! Des wär mir noch schöner, wenn's am End haaße tät: des Eichers Jakob mut seiner Fraa zu, toie e gewöhnlich Magd uff dem Feld zu schassen!"
„Des wisse de Leit, daß ich's aus freiem Wille tu un daß Du mir nix zumut'st! Du tät'st mich am liebste in e gläsern Kästche setze un tät'st mich halte, tote e Prinzeß!"
„Un hab ich do nit Recht? Bist Du weniger wie e Prinzeß? Mir entöl ganz gewiß nit!"
Der Sprechende hatte die Sense fallen lassen, die herabhängende Rechte seines jungen Weibes ergriffen und fuhr in innigem Tone fort:
„Wenn ich's nur wüßt, tote ich's anstelle sollt, Klärche, daß Du Widder so lache tätst un so lustig wärst wie als jung Mädche! Zehn Johr von meim Lewe gäb ich brüht —"
„Awer Jakob, schwätz doch so kaa überspannt Zeug!" unterbrach ihn die junge Frau mit einem Anfluge von Ungeduld und entzog dem Gatten ihre Hand. „So was schickt sich doch nit mehr for Leit, die schon über e halb Johr verheirat sinn — noch dezu uff offenem Feld vor alle Leit!"
„Es schickt sich nit mehr?" sagte der Mann traurig. „Awer Du host recht — die Seit brauche nit zu sehe, wie gern wir uns hawe!"
Und einen forschenden Blick auf die abgetoenbet Stehende werfend, nahm er langsam seine Senfe wieder aus und fuhr in der unterbrochenen Arbeit fort.
Ohne noch ein weiteres Wort zu äußern, schritt die junge Frau nach der Landstraße und aus dieser dem Torfe zu. Ta war es wieder über sie gekommen, das bange Empfinden, als ihr Mann ihre Rechte ergriffen und sie bittend angesehen hatte. Sag in diesem eigentümlichen Glimmen des Blickes nicht etwas von dem Zauber der Schlange, mit dem diese das zitternde Vöglein bannt, daß es nicht die Schwingen zur Nettuna ru erheben vermaa? Das
~ - Wod)en-Beilage: - -
Illustrierte Sonntagsrettung
y Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaf[en-£otterie.
den Wagen in die geöffnet«' Scheune.
„Ja, des geht atoer doch nsi. daß Ihr Den Wage in der linke Scheuer ablade laßt!" sagte jetzig Ernst Rother hinzutretend, indem er sich an den Bauern wandte. „Die Scheuer rechts habt Ihr gemiet: in die link Scheuer hab ich jetzt schon angefange einzu- fahre un hab nach alles dezu Hergericht, daß wir die Dag do drinn dresche!"
„Ei der Ernst? No — seit Ihr schon do? Do habt Ihr eich atoer gehörig drangeballe!" erwiderte der Alte und lächelte dcm jungen Manne freundlich zu. lieber sein hageres, von unzähligen Runzeln durchfurchtes Gesicht, das mit seinen Scknelaugen durchaus keinen gewinnenden Eindruck machte, ging es wie ein Zug" von leichter Verlegenheit „Du maanft, wir Hätte in der anner Scheuer ablabe solle. No — bes kann Dir boch aanerlei sein! Warum laßt Tu Dich dann gar nit mehr bei uns sehe, Ernst? Mei Julch- Hot schon gemaant, Du Halt ft. etwas aege es! Komm doch am Sonntag emol Hinüber — bem Julche fein Geburtsbag is, ben will's feiern und hält Dich doch aach gern bebei!"
gionsseinde lärmend. Sturm gelaufen, und zwar mit
Erfolg Der Marineminister ^r weder religiös , ™-^;^2»Uionen gjUtt auSutpiägen.
Protektorat Frankreichs über die Katholiken des Orients nicht zii gefährden. Wenn Frankreich nun doch wieder auf eigene Faust für den Unglauben demonstrieren will, fo muß es sehen, tote weit das seinem „Protektorat" nützt. Schon ist es nicht, aber es bient ber Wahrheit und Klarheit. Was hat es für einen Wert, wenn die französische Regierung an einem christlichen Festtage draußen tut Osten flaggen läßt, aber zu Hause die Verfolgung der Kirche, die politische und gefellfchaftliche Achtung der Gläubigen, die religionsfeindliche Jugenderziehung zielbewußt mit unerbittlicher Schonungslosigkeit fortsetzt.
Herr Poincars und seine Minister tun, was die Loge und die verbündete Sozialdemokratie befehlen. Sie schütteln die christlich gesinnten Mitbürger nicht bloß von ihren Rockschößen ab, sondern versetzen ihnen noch obendrein Fußtritte.
Weich' ein trauriges, fammerliches Bild bietet die Ohnmacht ber französischen Katholr-
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