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5. Vlatt.

»red »er Sxlbetr Zctteiierxttrtt in 5xlda.

Zuldaer Leitung. —

Lamztaq 27. September 1915.

wochen-Run-jchau.

[:] Fulva, 26. September 1913.

Im Vordergrund der innerpolitischen Geschehnisse standen noch immer die Erörterungen über den Aus­gang des sozialdemokratischen Parteitages in Jena. Die liberale Presse badete sich förmlich in Wonne über die großen Tinge, die in Jena geschehen sein sollen. Die sogenannte „Mauserung" der Genossen oder, tote man sich klassischer auszudrücken beliebt, der Sieg des Revisionismus über den Radikalismus gab den rosaroten Freunden der Sozialdemokratie ausgiebig Gelegenheit, sich und chren Anhang durch eine beneidenswerte Art von Selbsttäuschung für ihr Zusammengehen mtt der Umsturzpartei zu rechtferti­gen und sich den Ruhmeskranz einer weitsichtigen staatsmännischen Sehergabe auf das Haupt zu drü­cken. Man predigt in den liberalen Blättern zurzeit mit unermüdlichem Eifer die schöne Phrase, daß die Verhandlungen und Beschlüsse des sozialdemokrati­schen Parteitages einen weiteren Schritt auf dem Wege der Sozialdemokratie von einer Revolutions­partei zu einer auf dem Boden der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung praktisch mitarbeitenden Re­formpariei bedeuten. Man merkt die Absicht, ohne allerdings darüber besonders verstimmt zu sein. Die liberale Presse, die doch sonst das Monopol der Wis­senschaftlichkeit und Gerissenheit für sich in Anspruch nimmt, kann unmöglich, wenigstens wenn sie ehrlich sein will, daran glauben wollen, daß der Jenaer Par­teitag auch nur ein Jota von seinen parteipolitischen Grundtendenzen abgewichen sei, oder daß gar die So­zialdemokraten sich mit der bestehenden Gesellschafts­ordnung abgefunden hätte. Eine sehr beachtenswerte Rede zu diesem Kapitel hat der preußische Landwirt­schaftsminister Frhr. von Schorlcmer bei der Er­öffnung der landwirtschaftlichen Provinzialausstel­lung für Rheinpreußen in Essen gehalten, indem er unzweifelhaft auf die zerstörenden Tendenzen der So­zialdemokratie in Bezug auf die Frage des Eigentums hinwies. Daß Frhr. von Schorlcmer, der in gewissen Fragen und zu gewissen Zeiten gerade von der libe­ralen Presse bisher sehr gerühmt wurde, ausgerechnet in einer Zeit, wo man das Hobe Lied der Freundschaft zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie singen möchte, an solche fundamentale sozialdemokratische Programmpunkte erinnerte, die jedem monarchisch gesinnten Staatsbürger ein Zusammengehen mit dem Ilmsturz verbieten müssen, ist natürlich der liberalen Presse sehr peinlich, und sie läßt es an scharfen Zu­rückweisungen und höhnischen Randglossen zu der Rede Schorlemer's nicht schien.

Im Anschluß an den sozialdemokratischen Par­teitag fand in Jena eine öffentliche Volksversamm­lung statt, in der die Sozialdemokraten Peus, Adolf Hoffmann und Helene Grünberg (Nürnberg) über das Thema: „Heraus aus der Kirche" sprachen. Nach der Versammlung erklärten über 100 Personen ihren Austritt, aus der „Landeskirche". Bekanntlich hat der Abg. Heine vor einiger Zeit im Reichstage behauptet, es sei unwahr, daß die Sozialdemokratie religions­feindliche Aeußerungen tue, worauf allerdings der Reichskanzler ihm gehörig geantwortet hat. Daß Religion Privatsache sei, dieser sozraldemokratische Programmsatz bedeutet die vollendete Heuchelei zu dem ausgesprochenen Zwecke, damit bei der Agitation über die wahre Stellung der Sozialdemokratie zu Re­ligion und Kirche zu täuschen, also zu betrügen. Der Zehn-Gebote-Hoffmann hat schon seit Jahren seine Propaganda für den Austritt aus der Kirche unge­stört betrieben, und neuerdings hat auch der „Ge­nosse" Peus, ein früherer evangelischer Theologe, zum „Massenstreik gegen die Kirche" aufgefordert. Die Vorgänge in Jena lassen erkennen, daß nun die so­zialdemokratische Agitation für den Austritt aus der Kirche einen erhöhten Umfang annehmen wird — allerdings nicht in den Landesteilen und in den Krei­sen, in denen man noch mit dem Programmsatz, daß für die Sozialdemokratie Reliaion Privatsache sei, auf den „Bauernfang" auszuziehen gedenkt. Um so mehr muß aber dafür gesorgt werden, daß diese Kreise über die wahre Stellung der Sozialdemokra­tie zu Religion und Kirche rechtzeitig und ausgiebig aufgeklärt werden, sowie darüber, daß der sozialdemo­kratische Vrogrammsatz in Wirklichkeit heißen müßte „Religions- und Kirchenfeindschaft ist Parteisache".

Mit dem „Fall Schleinitz" hat sich die libe­rale Presse, an ihrer Spitze die „Tägliche Rundschau", keme Lorbeeren errungen. Die Behauptung eines Blattes, daß dem Kommandeur der ostafrikanischen Schutztruppe Frhrn. v. Schleinitz von der Kolonial­verwaltung nahe gelegt worden, er solle seinen Ab-

Unpolitische ZeMause.

N. Berlin, 25. September 1913.

(Nachdruck nickt gestattet.)

Es kommt die r a u h e Hälfte des Jahres. Wir wollen sie aber nicht als schlechte J-chreszeit schel­ten. Denn der Winter ist uns sehr gesund. Das ist ja das Unglück der tropischen Kolonien, daß sie keinen richtigen Winter haben, der die Natur und die Men­schen erfrischt und stählt.

Man redet viel von „Sommerfrischen" und be­zahlt das bischen Erguickung sehr teuer. Wirksamer und billiger ist die Auffrischung, welche uns in der Weihnachtszeit beschert wird, wenn der Frost die Luft klar, die Backen rot und das Blut lebendig macht. Daher halte ich es für einen richtigen Zug der Zeit, daß man jetzt recht viel Winterkuren ein­richtet und Wintertouren macht. Vorausgesetzt, daß man eine richtige Auswahl trifft und Maß hält.

Ob du den Winter liebst oder scheust, er kommt doch und stellt sich auch als Gast in deiner Behausung ein. Wer klug ist, der bereitet sich auf diesen. Besuch rechtzeitig vor. Wenn man es geschickt anfängt, so lassen sich die rauhen Seiten des Winters glätten und mildern, die guten Seiten recht behaglich und vor­teilhaft ausnutzen. In den Eisblumen steckt auch Honig.

Der Sommer drängt nach außen: der Winter wirkt zusammenziehend, befördert die Verinner­lichung. Im Sommer kommt man vor lauter Eindrücken kaum zum Nachdenken: an den langen Winterabenden ist Zeit zum seelischen Wiederkauen. Wenn wir uns im Sommer anziehen, so sehen wir bloß auf die Obcrklcider, die anderen Menschen ge­fallen sollen; im Minter aber pflegen wir die Unter­kleider, die uns warm halten müssen. Im Sommer fliehen wir aus den „vier Wänden" hinaus, so oft es nur geht; im Minter nisten wir uns gern ein in der warmen Häuslichkeit. Wenn du einen Men­schen in einem halben Jahre gründlich kennen lernen willst, so mußt du nicht den Sommer, sondern den Winter mit ihm zusammen verleben. Im Winter kannst du bald erproben, ob er Vernunft im Kopf, Ruhe im Getoisien, Gesundheit im Leibe und Ge- - mütlickkeit im Herren bat.

schied nehmen, weil man „vor dem Zentrum Ruhe haben wolle", stellte sich als eine grobe Mystifikation heraus. Da Frhr. von Schleinitz selber auf das Be­stimmteste erklärte, daß ihm etwas derartiges im Ko­lonialamte nicht gesagt worden sei, ist es offenbar, daß der Gewährsmann der „Täglichen Rundschau" in seinem Eifer, dem Zentrum eines anzuhängen, über alle Massen geflunkert haben muß. Man könnte eigentlich die liberale Presse bedauern, daß sie so vorurteilslos auf den Leim eines sensations­lüsternen Revolver-Journalisten gekrochen ist. Hof­fentlich werden die nächsten Wochen völlige Klarheft in diese Angelegenheit bringen und die Richtigkeit der Behauptungen des Abg. Erzberger im Reichstage bestätigen.

S r a n k r e i ch hat jetzt den König der Hellenen aste gehabt, und in einer Ansprache, in der er die Tüchtigkeit des französischen Heeres hervorgehoben hat, hat er Frankreich zu beruhigen gesucht wegen der Rede, die er bei den deutschen Manövern gehalten hat. Daß ist ihm allerdings nicht gelungen. Man wäre in Frankreich jedenfalls vollauf befriedigt gewe­sen, wenn nicht gerade Deutschland cs gewesen wäre» mit dem König Konstantin gegen Frankreich gesün­digt hat. Für diese Sünde gibts bei den Franzosen keine Absolution; sie hat unwiderruflich den Bann­spruch zur Folge. Darum ist auch König Konstantin jetzt von den Franzosen verfemt worden; die Er­regung über seine deutschfreundliche Gesinnung hat sich nach seinem Pariser Besuch eher noch gesteigert. Mcm darf wohl hoffen, daß die öffentliche Meinung in Griechenland durch die Aufnahme, die dem hel­lenischen König in Paris zuteil geworden ist, hinsicht­lich der französischen Freundschaft eines Besseren be­lehrt worden ist. Mit dem protzigen Hinweis auf seinen Geldbeutel wird Frankreich auf die Dauer in Griechenland auch keine Freunde mehr werben, denn das aufstrebende Griechenvolk erwartete von seinen Freunden mehr, als nur Geld und will sich in kein Lehensverhältnis zu Pariser Bankiers begeben. Wir Deutschen aber lernen aus dem Verhalten der Pa­riser Presse von neuem, daß wir heute von Verstän­digung und Freundschaft mit Frankreich ebensoweit entfernt sind, wie vor dem siebziger Krieg. Wir ha­ben aber auch erneut wieder gesehen, wo die Hetzer und Friedensstörer sitzen und haben daraus erkannt, daß wir auch bei der größten Friedfertigkeit und Frie­densliebe auf unserer Seite darum noch immer nicht in Frieden leben.

Auf dem Balkan ist der Friede noch lange nicht gesichert. Das zeigen die neuesten Meldungen, die aus dem zurzeit wieder einmal im Vordergrund stehenden Albanien zu uns gelangen. Anscheinend durch serbische Schuld, durch ungerechte und provo­zierende Maßnahmen der serbischen Okkupations­armee haben sich die Albaner gegen die Serben er­hoben und, wie es scheint, nicht ohne Erfolg. Es ist den Albanern, die nickt blos mit modernen Geweh­ren, sondern auch mit Gebirgsgeschützen und Mitrail- leusen bewaffnet sein sollen, bereits gelungen, nach heftigem Kampfe Dibra einzunehmen. Die Haltung der Großmächte, welche in dieser Frage von dem als die verfolgte Unschuld sich aufspielenden Serbien an­gerufen wurden, steht noch aus, es ist aber zu wün­schen, daß die Franc durch diplomatisches Eingreifen geregelt werden wird.

Kongresse.

n. Der deutsche Armenpfleger - Kongreß wurve in Stuttgart unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung Donnerstag eröffnet Der württembergftche Kultusminister Dr. Fleischhauer überbrachte die Grüße des Königs und der Regierung. Namens der Reickstegicrung begrüßte Geh.-Rat Jung den Kongreß. Die Tagung soll die Grundlagen eines einheitlichen Reichsarmengesetzes schaffen.. Es soll für das ganze Reichsgebiet Überein­stimmend festgelegt werden, welche Ausgaben der öffent­lichen Armenpflege zufallen, rote deren Organuation sei, wie die Regelung der Rechtsprechung erfolgen toll. Durch die geplante einheitliche Regelung sollen dem deutschen Volke jährlich Millionen erspart werden. Am Freitag stimmte der Kongreß einer Resolution zu, die den Erlaß eines Reichsarmengesetzes fordert. Es wird empfohlen, nur diejenigen Punkte durch ein Re chsgeietz zu regeln, in bereit ei> e Rechtseinheit im Interesse einer geordneten Armensürsorge unbedingt herdeiqesübrt werden muß, im Übrigen aber den Aussührunnsvorschristen der einzelnen Bundesstaaten einen weiten Spielraum zu lassen.

w Boni Naturforschertag in Wien. Unter einer Vortragszahl, die bei den Naturforschertagen zwischen einem halben und einem ganzen Tausend schwankt, den oft recht spärlichen Weizen von der stets überreichlich vorhandenen Spreu zu sondern, ist allemal schwer. Eine weitere große Schwierigkeit liegt darin, daß mancher der

Mancher srcilich betrachtet die rauhe Jahreszeit als eine lästige Heimsuchung. Nun, wenn es eine Heimsuchung ist, so unterscheidet sie sich doch vorteil­haft von vielen anderen Prüfungen, daß sie vor­her angemeldet ist. Wir kennen den Termin und können uns also darauf e i n r i ch t e n.

Wo der Winter am schärfsten auftritt, da pflegen die Menschen sich auf Grund ihrer Erfahrungsweis­beit am zweckmäßigsten auf ihn einzurichten. Alle Reisenden sind z. B. darüber einig, daß man zur Winterszeit in den italienischen Häusern mehr frieren muß, als in den russischen. Deutschland liegt so etwa in der Mitte. Es gibt bei uns noch Häuser und Wohnungen genug, die aus die Abwehr von Winter- stjjrmen und Frost fchlecht eingerichtet sind. Wer so eine zugige und feuchte Heimstatt erwischt hat, ist zu bedauern. Mancher trägt freilich die eigene Schuld; denn der kluge Mieter soll erst zusehen, ob die Woh­nung auch bei schlccktem Wetter brauchbar ist, und ' wer ein eigenes Haus hat, der soll lieber an Lupus­ausgaben sparen, um die notwendigen Reparaturen und Verbesserungen an seiner Heimstatt anbrinqen zu können. Auf jeden Fall aber müssen sowohl Mie­tet als Eigenwohner beim Herannahcn der rauhen Jahreszeit alle Kunst und Kraft aufwendcn, um ihr Familienncst recht widerstandsfähig und behaglich zu machen. Oft läßt fick da mit kleinen Maßrßegeln Großes erreichen. Wenn ein Fenster oder eine Tür schlecht schließt, so kann das nicht allein viel Kohlen kosten, sondern auch ein Stück Gesundheit der Haus­genossen, die andauernd an dem Zugloch sich aufhal­ten. Und solchen Uebelständen ist doch leicht abzu­helfen, entweder durch eine kleine Reparatur oder durch Einlegung von geeigneten Lückenbüßern. Erne derartige Verscklnßtakttk darf freilich nicht zur Feind­schaft gegen das Lüften ausarten. Zugluft und Lüf­tung sind zwei verschiedene Dinge. Die notwendige Erneuerung der Zimmerlnft erzielt man durch zeit­weiliges Oeffnen der Fenster und Türen auf einige Minuten. Eine 'olcke Lüftung ist keineswegs eine Verschwendung von Wärme oder Kohlen; denn die aufgefrischte Luft wird sofort wieder warm, und die Erfahrung lehrt, daß man in einem schlechtgelüfteten Zimmer mehr Heizung braucht, als in einem Zim­mer mit reiner Luft. Ein altes Scherzwort sagt, die Luft auf dem Lande fei deshalb so gut, weil die

gediegensten Mitteilungen 'n k-iner Werse für ein grö­ßeres Leserpublikum klar verständlich gemacht werden können. Wir wollen gleich wohl unfern bisherigen Mit­teilungen noch Angaben aus dem einen oder andern interessanten Vortrag folgen lassen. Aus den Sek- tionsoorträgen sei zunächst das Ergebnis von Unter» suchrmgen von Wilhelm Schmidt- Wien wiederge­geben über den unmittelbaren Einfluß meteoro­logischer Faktoren auf das Verhalten der Menschen. Bei den Untersuchungen ergab sich, daß im Sommer und in den Uebergangszeiten die kühlsten Tage am günstigsten waren, im Winter jene mit mitt­leren Temperaturen, am ungünstigsten, auch im Win­ter, die wärmsten. Im Sommer waren die besten Leistungen an den trübsten Tagen, sonst an den heiter­sten. Die niedrigsten Luftdrucke wirkten ausgesprochen schlecht, sie entfallen auf kühle und auf sehr trockene Tage. Im Sommer war ein Feuchtigkeitsgehalt von 60 bis 80 Prozent am förderlichsten, im Winter ein solcher von 80 bis 100 Prozent. Größere Trockenheit wirkt durchweg nachteilig. Im Sommer war mittlerer Luftdruck am günstigsten, im Winter hoher und tiefer Druck beide Male am ungünstigsten. — lieber Mine, ralstoffwechsel sprach Dr. Paul Grabley. Dr. Grabley hat sich speziell mit Untersuchungen über den Kalk-, Phosphor- und Eisen-Stoffwechsel beschäftigt. Kaninchen, die mit einem Zusatz von Glycerin, phos­phorsaurem Kalk und phosphorsaurem Mangan gefüt­tert wurden, haben im Verlauf von drei Wochen um ein volles Drittel ihres Anfangsgewichtes zugenommen, die Kontrolltiere dagegen nur um 10 %. Das gleiche Resul­tat hat Dr. Grosser in zahlreichen Fällen bei Säug­lingen erzielt. Dr. Grabley machte auch einen gleichen Fütterungsvcrsuch bei Hühnern und konstatierte, daß Bei den Versuchstieren sowohl die Legefähigkeit als auch Gewicht und Qualität der Eier eine erhebliche Steige­rung erfuhren. Dr. Grabley ging nach diesen Tier­versuchen dazu über, ein Mineralsalz-Präparat zusam­menzustellen, das hygienisch-diätischen Zwecken zu dienen bestimmt ist. In 24 Fällen wurde das Präpa­rat sowohl be> Kindern wie bei Erwachsenen angewen- det. J£ie Besserung des Stoffwechsels und der Gewichts­zunahme war erstaunlich. Diese ermutigenden Erfolge veranlaßten den Redner, fein Mineralsalzprävarat in die Diätetik der Kinder einzuführen. — Dr. Klein (Budapest) sprach über Holzzellulose. Nur mit Hilfe der Buchdruckerkunst und der Verbreitung der west- ländischen Zeitungen ist das Denken die Weltmacht ge- ivordcn. Qhne genügendes und billiges Papier wäre die heutige Zeitungsliteratur unmöglich. Erst die mechanisch, und chemisck veränderten Holzfasern, der Holzschliff und die Holzzelluose oder kurz Zellulose genannt, ermöglich­ten es, daß die Fabrikation des Papiers zur Groß­industrie wurde. Außer für Zwecke der Papierindustrie wirb Zellulofe für Textilzwecke verwendet, wobei sie zu Garnen usw. verarbeitet wird. Auch durch chemische Veränderung in Viskoseseide übergeführt, wird Holz- zellulose verwertet, ebenso als Filtermaterial u. s. w. Eine SiBtoanbcrung der Zelluloseindustrie in holzreichere Gegenden aus den jetzigen FaBrikationsländern ist Wohl wahrscheinlich, doch kann diese nur erfolgen, wenn auch die Transportmöglichkeiten dort günstig sind. — Ein­gehende Untersuchungen über den Unterschied zwischen der weißen und schwarzen Rasse teilt S t i g» I c r (Wien) mit. Es hat sich ergeben, daß die allge­meinen . Vorstellungen von den physiologischen Rassen- untersckieden übertrieben sind. Die Leistungsfähigkeit des Gefäßsystems und des Herzens der Schwarzen scheint bei außerordentlichen Strapazen besonders groß zu sein; doch stellen sich bei den Schwarzen durch Ueberanstren- gung gerade Gefäß- und Herzerkrankungen häufig ein. Auch an Muskelkraft sind die Schwarzen den Weißen nicht überlegen; ihre größere Ausdauer im Tragen von Lasten ist bloß ein durch Hebung erworbener Staffen» unterschied. Ter Schwarze /hack vor dem Weißen die Tiefe des Schlafes voraus und die Fähigkeit, sich von Uebermüdung oder Krankheit sehr rasch zu erholen. Der Schwarze altert rascher als der Weiße und wird im Durchschnitt sicher weniger als 40 Jahre alt. — Pro­fessor Dr. Röth -Wien berichtete über die Heilwir­kung des Stadiums bei Erkrankungen der oberen £ u f t to e g e. Er betonte, daß kleine Mengen Radium wachstumsfördernd und nur große heilend auf Krebsgeschwülste wirken. Vor der Hand soll der Krebs, wenn er noch operabel ist, nicht mit Radium behandelt, sondern chirurgisch angegangen werden. Der inoperable Krebs und die Rückfälle gehören in die Domäne der Radinmstrahlen. Korn (Eharlottenburg) demonstrierte kinematographische Aufnahmen, die auf tele- graphifchem Wege übermittelt waren; ein Klifchee gu vier Bildern werde in zwölf Minuten übermittelt. — Traut (Heidelberg) berichtete über die Ergebniffe einer Reise ins unbetretene Innere Islands. Die Landschaft zwischen Jökulsa und Kreppa ist fast aus­nahmslos leblose Wüste in einer Ausdehnung von 70 Kilometern.

vermischtes.

._ ** Tie Raubtiere auf der Stubalpe. Nach den jüngsten Berichten aus den durch Raubtiere gefährdeten

Bauern die Fenster nicht aufmachten. Hoffentlich hat dieser Spott jetzt zumeist seine Berechtigung ver­loren. Wir wissen doch allzumal den Wert der guten Luft zu schätzen und scheuen uns also nicht, zeitweilig die Fenster und unter Umständen auch die Türen aufzumachen. Mau muß sie freilich auch wieder zu­machen können, und zwar so, daß man ohne Gefahr von Erkältung und Rheumaftsmus am Fenster sitzen kann.

Die zweite Aufgabe ist die Sorge für die O e f e n. Ich kenne Leute, die eine Masse Geld für Kleider­staat und Vergnügungen übrig haben, ,aber sich immer weiter mit ihrem schlechten Ofen behelfen, obschon dadurch die Wohnung nicht bloß ungemütlich, sondern geradezu ungesund wird. Ueberdies frißt ein schlechter Ofen mehr Holz und Kohlen, als ein guter. Keine falsche Sparsamkeit in diesem Punkte! Jetzt ist es hohe Zeit, die Oefen in Stand setzen zu lassen. Bis zum Eintritt des Frostes zu warten, wäre verfehlt. Auch mit dem Heizen selbst soll man nicht zu lange warten. Wenn sich eine Reihe von Regentagen einstellt, so wird oft die Luft in den Wohnräumen zu feuckt und stickig; da tut eine kleine Anwärmung des Ofens sehr gut, indem sie die Zim­merlust trockener und bekömmlicher macht. — Neber die Kunst des Heizens ließe sich ja ein langes Kapitel schreiben, gegliedert in zahlreiche Abschnitte nach der verschiedenen Art der Oefen und des Heizmaterials. Ich möchte hier nur kurz sagen, daß diese Kunst, wie so manche andere, im M a ß h a l t e n gipfelt. Nicht zu wenig, aber auch nichl zu viel. Die Ueberhihung ist das größere von den zwei Nebeln. Man sieht heutzutage eine Maffe von angeblichem Zierrat in den Wohnungen strheu und hängen; aber vielfach vermisse ich das Thermometer. Das soll nicht nicht bloß in jedem Zimmer vorhanden sein, sondern auch fortwährend beachtet werden.

Im Kampf gegen die Rauheit des Winters ist als dritte Waffe die Lampe zu nennen und zu pflegen. Wir lesen immer wieder, daß die Beleuch­tungstechnik heutzutage zu einer ungeheuren Höhe gestiegen sei. Mag schon sein, nur merkt man in vielen Wohnungen verzweifelt wenig von diesen Kulturfortschritten. Auf den Gaslampen behilft man sich aus falscher Sparsamkeit mit mangelhaften Strümpfen, und wo Petroleum verbraucht wird, da

Gebieten der westlichen Steiermark stellen die Raub» tierjäger zwei Gruppen Raubtiere fest, und zwar zwei Wölfe ober zwei Hyänen und einen Wolf und noch ein altes katzenartiges Raubtier mit einem Jungen. Diese Tiere sollen einem Menagerie-Wagen entkommen sein. Daher auch die große Zahl der ge­rissenen Tiere, in runder Zahl 100 Rinder und 400 Schafe. Es ist jedenfalls sonderbar, daß bisher keine Behörde über die Angaben von den einer Menagerie entkommenen Bestien eine genaue und strenge Unter­suchung eingeleitet hat. Die eine Raubtiergruppe hat in den letzten zwei Wochen ihren Weg von der Stubalpe über die Koralpe bis in den Bezirk Mahrenberg genom­men, sich von da östlich gegen den Bezirk Eibiswald ge­wandt und dort durch Reißen einiger Rinder ihre An­wesenheit bewiesen. Diese Bestien haben die ganze Kor­alpe umwandert und dürften sich nun zwischen Kor-, Hand- und Hebalpe aufhalten. Das gefährdete Gebiet umfaßt beiläufig 1000 Quadratkilometer, ist sehr ge­birgig, reich an Baumwuchs, Bietet eine Menge Schlupf­winkel und ist derart wellig, daß TreiBjagden nahezu nutzlos sind. Um auf diesem Gelände mit Erfolg eine Jagd abhalten zu können, müßten außer zahlreichen Schützen einige Bataillone Militär aufgeboten werden. Die aufgebotenen Berufsjäger sind fast alle wieder ab­gezogen; den Jagdschützen wird die Gefahr immer offen­barer. Nach Art des Reißens der Tiere, nach der Fährte und Losung sind es umherstreichende Wölfe. Aber ebenso viele und sichere Zeichen weisen auch auf katzenartige Raubtiere hin, so daß die Annahme von zwei Raub­tiergruppen durchaus gerechtfertigt ist. Man glaubt, daß sich darunter auch ein männlicher Löwe befindet. Eine Löwin hat nicht die Vorgefundenen langen gebän­derten Haare, wohl aber der männliche Löwe in seiner Mähne, die ihm nach dem dritten Jahre wächst. Daß es sich nur um einen männlichen Löwen handeln kann, geht auch aus folgendem hervor: Die Haare wurden bei einem Rinde gefunden, welches etwa zwei Jahre alt und mindestens 240 Kilo schwer war. Das Raubtier hat das Rind eine .bedeutende Strecke weit geschleppt und dann fast ein ganzes hinteres Viertel gefressen. Der Fraß wog immerhin 40—60 Kilo. In einem anderen Falle wurde einem Rinde der ganze linke Schle­gel im Gewichte von mindestens 50 Kilo herausgeris- fen, und mit diesem ganzen Stück ging das Raubtier über einen anderthalb Meter hohen Zaun. Einen sicheren Anhaltspunkt lieferte auch der geübte Weidmann Ingenieur Hausmann in Graz, welcher den Einbiß des Raubtieres am Rücken des Rindes gemessen und die gegenseitige Entfernung der Eckzähne mit 10 Zentimeter, bann das Vorhandensein großer, rückziehbarer Krallen an den etwa 11—13 Zentimetern Breiten Pranken fest­stellte. Kein SiauBtier außer dem Löwen hat ein so mächtiges GeBiß. Alle üBrigen RauBtiere reißen auch nicht die großen Sünder. Die Behörde hat entschiedene Schritte zur Vertilgung der Bestien eingeleitet; die Lei­tung dieser Maßregeln besorgt ein von der Grazer Statt­hallerei abpefanbter höherer Beamter, dem Militär mit telephonischen Hilfsmitteln beigegeben ist. Je weiter aber die Jahreszeit vorrückt, desto schwieriger gestalten sich die Jagden nach den Raubtieren, und desto gefähr­licher wird die Sage der Gebirgsbewohner. Die Raub­tiere werden eben wenn sie auf den Höhen kein Weide- vich mehr finden, in den Niederungen streichen.

— Vor Gericht. „R evdauer, Sie geben also zu, dem Löffl Hics im »grünen Baum" im Streite einen Maßkrug an den Kopf geworfen zu haben! Was können Sie als straimilderndc Umstande angeben ?" — ,J' hab' chn z'erst mit ’ner Watschn (Ohrfeige) ge­warnt."

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nul Goldmundöl mit Hohlmundsl flach

spürt eine gesunde Nasc mit dem ersten Atemzug, daß die Hauslampe nickt in Ordnung ist. Entweder ist die Lampe schon invalide, oder sie ist nicht sauber gehalten, oder der Docht saugt nicht mehr, oder der Zylinder ist unpassend oder beschädigt. Solche Miß­stände wären mit wenig Mühe und sehr wenig Geld zu beseitigen: aber manchmal werden sie wochen- und monatelang sortgeschleppt zum Schaden der Lunge, zum Schaden der Augen, zum Schaden der häuslichen Gemütlichkeit. Eine gute Familienlampe ist eine Quelle des Behagens und des Segens, gleich­sam eine häusliche Sonne. Aber wenn die Lampe nicht imstande ist, so verpestet sie das Heim.

An die Lichtfrage schließt sich die weitere Mah­nung: Sorgt für gute Lesung an den Winter­abenden! Gute Zeitungen und Bücher bedeuten Därme und Licht für die Seelen. Die schöne Sitte des gemeinsamen Lesens und nachfolgenden Besprechens am Familientisch müßte Noch viel mehr in Aufschwung kommen. Da wird das seichre Ge­plauder mal unterbrochen in einer Weise, die zu­gleich nützlick und höchst angenehm ist. Der gemein­same Genuß schafft viel mehr Freude imb Anregung, als wenn jedes Familienmftglied seine Nase auf ein besonderes Papier steckt und der Familiengeist ver­zettelt wird. Tic klugen Eltern müssen freilich diese Lcscabendc so leiten, daß auch die jüngeren Teilneh­mer gern mithin Also nicht lauter ernste und schwere Sachen, sondern auch unterhaltende Schriften, die in angenehmer Weise gute Gedanken erwecken.

Nun käme noch die Kleidung in Betracht. Dazu möchte ich kurz sagen: Wenn du im Sommer der Mode Opfer gebracht hast, so stelle wenigstens im Winter die Kleidung nach deinen eigenen Interessen zusammen, und nicht vorwiegend zum Ge­fallen für fremde Augen. Sorge mehr für gutes, warmes und doch lockeres U n t e r z e u g, als für eine glänzende Außendekoration. Halte dich warm, aber mache dich nicht heiß! Die lleberhitzung ist immer schädlich. mag sic vom Ofen ober von schweren Kleidern herrühren.

Tie Tiere müssen sich wohl oder übel durch den Winter schlagen mit ihrem Instinkt. Der Mensch hat es besser, da ihm die Vernunft zur Seite steht. Aber ob er die Vernunft gebraucht, das ist die Frage.