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Fuldaer Zeitung.

2. Blatt? /

Druck der $ttlbcer Xtfieitbießtrei tit Selbe.

= Die Bildungs Milliarde.

Drei Etat? rechnen mit Riesensummen: der Wehr-, Schul- und Armenetat. Man hat von dieser Dreiheit wohl gesagt, daß sie allein im­stande fei, einen Staat so radikal aufzufressen, daß trat noch die geschichtliche Erinnerung an ihn übrig bleibe.

Bei dem Tribut für den Kriegsgott ist es uns KticE) lange Hebung schon gelungen, von Millionen- o^ern zu sprechen, ohne dabei mit der Wimper zu im'en. Wenn wir nach einem alten Wort auch das Lard der Schulen unb Kasernen sein sollen, so wird es Vn deutschen Landen doch schon' etwas schwerer, die Geldbeutel zu öffnen, wenn cs sich um Bil­dung sz wecke handelt. Vor allem fehlt es noch immer an einer einheitlichen und zusammenfassenden deutschem Kultnrstatistik, die uns auf Heller und Pfennig vorrechnet, was das Heer der deutschen Bik- dungsberfissenen und Bildungsträger vom Hosenmatz mit der Fibel unterm Arm bis zum grundgescheiten Forscher listet. Ansätze zu einer deutschen Kultur­statistik bittet das küizlich erschienene Statistische Jahrbuch. Eine weitere Ausdehnung des Materials 'st in Aussicht gestellt.

Das Jahrbuch bringt vorläufig die Aufwendun­gen für die d'utschen Volks-, Mittel- und höheren Schulen, die rund 877V, Millionen ergeben. Preu­ßen allein brauchte für' seine Volksschulbau­ten 1911 fast B? Millionen Blark. Man geht also sicher nicht fehl, wenn man annimntr, daß die deutschen Schiss w vom ABC-Schützen an bis zur ghmnasialen „höheren" Tochter und dem Gymna- sialabiturienten au. 1 Milliarde kosten. Aller­dings war das 19L auch ein stattliches Heer von insgesamt 11 404 00b Schülern. Unsere Volksjchü- ler verzehren davon mit gutem geistigen Appetit rund % Milliarde pr» Jahr. Tasür rückten sic aber 1911 auch in einer Stärke von 10 333100 Jungen und Mädeln an. Wenn die nun noch übrig bleibende eine Million der geistig höher versorgten deutschen Jugend sich in dic'letzic Viertelmilliarde teilt, so ist deren Appetit doch noch immer mehr als dreimal so groß als der eines Volksschülers.

„Vater Staat" hat cs verstanden, die Gemeinden ganz gehörig vor seinen Kulturwagen zu svannen. Er selber zahlt eine gute Viertelmilliarde 1267 Mil­lionen). Zwar muß man Schulgeld, Stiftungen, patronatrechtliche Verpflichtungen u. a. m. in Rech­nung stellen, aber einer Gesamtleistung von rund % Milliarden für die Schulen dürfen sich die deutschen Gemeinden rühmen. Der Schwerpunkt liegt selbstverständlich auch liier bei den Volksschullasten, tber auch die höheren Schulen beanspruchen von den Gemeinden rund 50 Millionen Mark, fast auf den Pfennig genau so viel, wie der Staat für denselben Zweck ausgibt.

£ofaks.

Fulda, 26. September 1913.

•/■ Der Landesausschnß bewilligte zu den Unicrhal« kungs-Kosten von ländlichen Wander-Haus- Haltungs-Schulen den Kreisen Eschwege/ Fran- skenberg, Fritzlar, Gelnhausen, Gersfeld, Hersfeld, Hofgeismar, Hünfeld, Kirchhain, Melsungen und Schlüchtern Beihilfen im Gesamtbeträge von 4000 Mark. Ferner hat der Landesausschuß dem Verein sür Geflügel- und Vogelzucht zu Staffel für die im Oktober zu veranstaltende Allgemeine Geflügel-Aus­stellung eine Beihilfe von 60 Mark und dem Verein für Naturkunde eine Unterstützung von 300 Mark be­willigt. Weiter beschäftigte sich der Landesausschuß dieser Tage nochmals mit der im vergangenen Jahre geschloffenen Anleihe von 500,000 Mark zur Be­legung der Landstraßen des Bezirts-Ter« band es mit Kleinpflaster. Die Anleihe hat die ministerielle Genehmigung nicht erhallen, da der be< schlosserte Tilgungssatz zu gering sei. Ter Bnndesans- schnst beschloß demgemäß einen höher ui T chnim^otz

* Neuer Landes-Assessor. Der seitherige Hilss- iarbeitcr bei der Landesvcrlvaltung, Gerichtsassessor D. Schellmann, ist laut Beschluß des Landes- ousschusscs zum Landes-Assessor gewählt worden.

# Bezirk-konjervator. Der Kömginue Bau ot Dr. phil. Dr. Jng. H o ltm eycr, :urzeit in Magdeburg, ist vom 1. Oktober 1913 ab zum Bezirkskonservalor des Regierungsbezirks St asset bestellt worden.

# Personalien. Der Landesausschuß hat den Buch­halter Feuerrohr von dem Leih- und Piandhaus in Fulda mit der Verwaltung der Landeshospttal- centerei Haina beauftragt.

= Versetzt ist der Postlekretär Schäfer hier Hom 1. Oktober ab an das Postamt 11 in Hamburg.

Kleines Feuilleton.

— Jesuit und Schneider. Der Jesuit Pater Roh, ■ein berühmter Kanzelredner, sprach in einer Gesellschaft einst über die Aonrendigkeit und Nützlichkeit der hl. Äeichte. Ein zufällig anwesender Schneidert der in feinem Geschäft viel Glück gehabt und reich gcwor. Len war, dabei aber auch an seinem Glauben Schiff­bruch gelitten hatte, wagte die dumme Bemerkung: >Das kommt mir doch gar zu einfältig vor und unver­träglich mit meiner Ehre, wenn ich sagen sollte: Ich ernter, sündiger Mensch." Pater Roh, immer schlag­fertig gegenüber Einwürfen schaute den aufgeblasenen Mann scharf an und sagte daun mit freundlichster .Miene: „Wenn Sic keine weitere Scheu vor dem Deichten haben, so will ich Ihnen einen guten Rat ge­ben. Sagen Sic statt der Ihnen mißliebigen Worte iganz einfach: „Ich reicher, hoffärtiger Schneider". — Die ganze Gesellschaft lachte und dec abgefertigte dün­kelhafte Mann hielt es für gut, die Gesellschaft rasch zu verlassen.

__ WaS ist deine Pflicht? Der Altmeister Goethe hat sich einmal in trüber Stimmung diese Frage gestellt und auch gleich die Antwort gegeben: Die Forderung des Tages! Und er drang nun tiefer ein in diese For­derung und fand, daß sie nicht immer angenehm sei. Nur zu oft bestand sie in grau in grau gemalten Bil- £ern voll tötenden Einerleis und ließ die Seele sich sehnen nach ein wenig Abwechselung und Farbe. Ar­beit, immer gleichmäßige Arbeit, manchmal vermischt mir Sorgen, mit Slergcr — ein Alltagsbild des Lebens. Sollte man ihm nicht ein verändertes Ansehen geben können, wenn man'S in eine andere Beleuchtung bringt, in das Helle, klare Licht der Sonne? Wie schön ist die Ilatur da draußen, jedoch wie verschieden wirkt sie bei Wind und Wetter und bei Licht und Sonnenglanz! Sie ist aber immer dieselbe Natur! Rücken wir also unser Alltagsbild, unsere Alltagspflichteit nur in das rechte Sonnenlicht, bann sehen auch die Forderungen des Ta­ges ganz anders ans, das häßliche Grau wird vergoldet und das ewige Einerlei verklärt. Und wenn nun die Sonne nicht scheint? Ei nun, du Menschenkind, hast du nicht Sonnenlicht und -kraft und -wärme im eige-

(!) Die Zuauffhuchnahme bt8 LaudkrankenhauseS in Fulda wächst von Jahr zu Jahr. Während im Rech­nungsjahr 1911 im Landkrankenhaus insgesamt 2754 Personen verpflegt wurden, betrug diese Zahl im letzt abgelaufenen Rechnungsjahre 1912 2780 Per­sonen. Dagegen betrug die Durchschnittszahl der täglich belegten Betten letzthin 224 gegen 226,7 im Vorjahre. Auch die durchschnittliche Dauer des Aufent­haltes ist von 30,1 Tagen im Vorjahre auf 29 Tage im letzten Rechnungsjahre heruntergegangcn. Von den behandelten Kranken sind im letzten Jahre 159, int Vorjahre 166 gestorben! ><■

? Die ländlichen Fortbildungsschulen. Auf Ver­anlassung des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten finden in diesem Jahre iviedernm in jeder Provinz besondere Lehrgänge zur Aus­bildung von Volksschullehrern für b!e Aus­gaben der ländlichen Fortbildungsfchulen stalt. Die Teilnehmer sollen mit der Einrichtung deS ländlichen FortbildungsschulwescnS vertraut gemacht und in die Gestaltung deS Fortdildungsschuluntcrrichts eingeiührt werden. Der Unterricht wird von erfahrenen Forl- bildungSschulwänncrn, LanbwirtschastSlehrern und Verwaltung?beamten erteilt.

(*) Di« Herbstsrrien nehmen an den hiesigen Schulen am Saniktaz ihren Anfang. Die Ferien dauern bis zum 13. be w. 14. Oktober. Dte Aussichten auf schönes Ferienwetter sind sehr günstig. Dte Wetter- kundigen stellen eine längere Periode heiterer und trockener Tage in Aussicht. Allerdings wird man güt tun^ nicht die frühen Morgenstunden zum Aufenthalt im Freien zu wählen. Denn da ist es empfindlich kalt. Heule früh war die Quecksilbersäule aus den Nullpunkt gesunken.

§ Viehmatkt und Eisenbahn. Anläßlich des gestrigen Viehmarktes, der gegen den vorigen be deutend schwacher befahren war, wurden auf "hiesiger Station 90 Waggon Vieh verladen.

Umzug und Steucrpflicht. Nach den gesetzlichen Bestimmungen beginnt die Pflicht zur Zahlung der Gemeinde-Einkommensteuer mit dem ersten Tage des auf die Begründung des Wohnsitzes folgenden Mo­nats und endet mit dem Ablauf des Monats, in dem der- Wohnsitz tatsächlich aufgegeben ist. Wenn aber bis zu diesem Zeitpunkte der Gemeindebehörde eine Anzeige hiervon nicht erstattet ist, so erlischt dieSteuer- pflicht erst mit dem Ablauf des folgenden Monats. Ist eilt steuerpflichtiger Mieter am 30. September verzogen und seine Abmeldung vom Verzugsorte er­folgt «st nach dem Umzugstage, also am 1. Oktober, so würden nicht nur bet neue, sondern auch der alte Wohnort die Gemeindesteuer für den Monat Oktober beanspruchen. Daher versäume es niemand, spätestens aut Tage des Umzugs die Abmeldung bei der zuständigen Behörde zu bewirken, um sich beim Fortzug in einen anderen Ort vor doppel­ter Steuerzahlung zu schützen.

(!) Rechnungen ansschrciben! mutz man jetzt, an­gesichts des bevorstehenden Quartalswechsels, allen Gewerbetreibenden znrufen. Denn nur so kann dem B o r g u n w e s c n, das für den mißlichen Stand un­serer Mittelstandsbewegung mit in erster Linie ver­antwortlich ist, einigermaßen entgegengearbcitet wer­den. Allerdings muß der Mahnung an die Geschäfts­leute, mit der Ausstellung der Rechnungen nicht zu säumen, die weitere Mahnung an die Verbraucher folgen: R echri tt u g c n bezahlen! Vielfach sind es Bequemlichkeit, niangelndc Einsicht für daS Wohl und Wehe des kleinen Geschäftsmannes und in selte­neren Fällen Böswilligkeit und betrügerische Absicht, welche einen Teil der Kundschaft Anspruch auf über« mäßige, für den Geschäftsmann höchst ungesunde K r e d i t g c w ä h r u n g .machen läßt. Die Be­obachtungen und Erhebungen Dr. Schoppens über das. Borgunwestn werfen ein interessantes Licht auf die.Kreise.der Borglundschaft. Die Kundschaft eines Damenschneiders, der gleichzeitig mit der Abgabe des angcfertigtcn. Gegenstandes Rechnung sendet, wies in der Art dcr Zahlung folgende Abstufungen auf: Nach 1—30 Tagen zählten Geschäfts- und Kauf- manuSfrauen; nach etwa 90 Tagen zahlten niedere und mittlere Beamtenfraucn; noch 6—12 Monaten zahlten höhere Beamtenfrauen und Offiziersfrauen. Wenn aber bei jedem Ouartalswechsel eine ' Heine Mahnung an die Zahlungspflicht erfolgt, kann an die' sen mißlichen Verhältnissen doch Wohl manches geän­dert werden.

(0 „Wlnn vermutet stark." Von Fukda aus wird in auswärtigen Zeitungen ^Frankfurter Zeitung' re.) folgendes gemeldet: . .

Bei den von Professor Vonderan geleiteten Aus­grabungen auf dem biesigen Domvlatz wurde ein Stein­sarg freioelegt, von dem man stark vermutet, baß in ihm der König Konrad IV 0254). der in ftitloa br» nen Herzen? Hole das alles heraus aus dir, vergolde und verkläre du selbst deinen Mtag mit Arbeitslust und Freudigkeit, sieh nicht auf Einzelheiten und Klei­nigkeiten, richte den Sinn ins Weite, ins Große, inS Ganze — freue dich der Stunden, da du nach getaner Arbeit wieder daheim bist im trauten Port des Frie­dens, wo Frau und Kinder dich mit neuem Sonnen­schein umgeben, auch wenn § draußen finster ist! 1$.

— Zalmkrankheften als Ursache von Haaraüssall. Man hat shon wiederholt die Beobachtung gemacht, daß irgendeiner Wirkung ganz oder teilweise eine wesentlich andere Ursache zu wunde lag, als man ver­mutete, wie es ja auch nicht selten umgekehrt der Fall ist. Der Ausfall der Kopfhaare beruht zweifel­los ruf verschiedenen Ursachen, oft aber kann man sich die Ursache durchaus nicht erklären, und so be­kämpft mau das Uebel mit ganz salsten Mitteln.- Schcn vor Iahten behauptete der Pariser Arzt Tr. Jaequet, daß auch Zahnleiden einen intensiven Haarausfall zur Folge haben können und daß viele Leute nist schlechten Zähnen so etwas wie einen Kahl­kopf besitzen oder mach und nach einen solchen be­kommen. Diese Beobachtungen.sind verschiedentlich nachgeprüft und durchaus richtig befunden rodtben. So stellte Dr. Rousseau-Decelle in Pari? fest, daß in 70 Fällen von Haarausfall 25 anf Zahnkrankheiten znrückmsühren waren, insofern nach Behebung dieser Krankheiten der Haarausfall schnell aufhörle und bo8 Wachstum der Haare wieder in normaler Weise vor sich ging. Selbst ganz veraltete Fälle, in denen keine kosmetische oder ärztliche Kunst den Ausfall der Haare aushalien konnte, trat nach einer geregelten Zahnbehandlung eu.e vollständige Gcsundurzg auch cs Haarschmuckes ein. Diese wissenschaftlichen Fest­stellungen verdienen sicher allgemeine Beachtuno. gf.

— Amtsgeheimnis. Ein junger Regftrungs-Affessor kritisiert in Beianntcnkrcifen emc vielbesprochene Be­kanntmachung der Regierung. In der Hitze der De­batte nennt er die betreffende Minister-Gxzellenz, seinen Vorgesetzten, einen Esel." .Wenn er oas er­führe!" llagt er später einem alten Regirrungsrat, der zugehört hatte. „Dann kommen Sie in Dtszip- linar-Unterfuchttng wegen Verrat eine» Dienstgeheim­nisses", antwortete dieser.

erdigt ist, eingebettet fein dürste, und zwar in der ©ruft der Königskapelle beim Dom.

Wir vermuten stark, daß bet Mann, der das ge­schrieben hat, von der deutschen Geschichte nicht die geringste Ahnung hat. Konrad IV. war der Sohn Friedrichs II. und gehörte nach dem Tode seines Vater? zu den zahlreichen Bewerbern um den deutschen Königsthron, deren Anstrengungen keinen dauernden Erfolg halten, vielmehr das Interregnum, die kaiser- lose Zeit, cinleitetcn. Konrad ist, 26 Jahre alt, im Lager bei Lavello in Süditalien gestorben, ohne.zum König gekrönt worden zu fein. Co kann man über­haupt nur mit Vorbehalt von einem König Kon­rad IV. reden. Daß er in Fulda begraben fei, ist natürlich völlig ausgeschlossen. Ter König, dessen Sieb in Fulda vermutet wird, ist Konrad I, ge­storben 918 Ob ter gefundene Steinsarg die Leiche diefes Konrads birgt, ist uns unbekannt. Vielleicht äußern sich jetzt aber die zuständigen Stellen über diese Angelegenheit, nachdem sie gesehen Haden, welche .Vermutungen" man ihnen unterschiebt.

-y- Ter Kirchenräuber Müller eutflohen. In der heutigen Straskammersitzung sollte sich der wiederholt schwer vorbestrafte Zuchthäusler Müller aus Berlin wegen d's Einbruchs in der Kirche zu Obcrbimbach verantworten. Müller, der kürzlich von dem Schwur­gericht Hanau wegen Totschlagsoerfuchs auf den Schutzmann Crost hier zu 4 Jahren Zuchthaus ver­urteilt wurde, war dieser Tage nach Fulda überführt worden. . In der heutigen Rächt riß M. in seiner Zelle den Ofen um und schlug ihn in Stücke. AIS heute morgen der Gefängnisaufseher L. die Zelle betrat, warf ihm Müller das Bettuch über den Kops und bearbeitete ihn durch Schläge ins Gesicht und auf die Arme, bis der Wärter blutete. Tann ergriff er — nur mit dem Hemd bekleidet — schleunigst die Flucht. Er überkletterte die hohe Plauer nach Reuenbexg zu und fonntc trotz sofortiger Aufnahme der Verfolgung durch Schutzleute noch nicht ergriffen werden. Hinter dem Flüchtling wurde sofort ein Steckbrief erlassen.

Ans dem Uachbaraebiete.

" Petersberg, 26. Sept. 1913. Am kommenden Sonntag beginnt hier die Lio b a-O ktav. Allabent- lich ist um 8 Uhr in der Gruft eine Andacht zu Ehren der hl. Lioba. Nach jedem Gottesdienst werden die Reliquien der Heiligen den Gläubigen zur Verehrung aufgelegt. Am letzten Tage der Oktav (Sonntag, den 5. Oktober) ist um Vi3 Uhr Schlußpredigt, danach wird von dem Sängerchor der Franziskanersratres vom Kloster Frauenberg eine lateinische Vesper gesungen. Unsere altehrwürdige, weith-n die Umgegend beherrschende Kirche wird in diesen Tagen von den ©laubigen aus nah und fern viel besucht. Auch das kleine Museum in der Gruft üb! große Anziehungskraft aus.

c) Lahrbach i. d. Rhön, 24. Sept. 1913. In den benachbarten Orten Esparsgrabcn und Ncustädtges herrschte bis vor kurzem der Typhus in hohem Maße. Dcr heimtückischen Krankheit fielen in beiden Orten mehrere Kinder zum Opfer; gegenwärtig befin­den sich noch einige Glieder einer Familie aus letzt­genanntem Orte im Krankenhaus zu Fulda. Die an- gestellten Untersuchungen lassen daraus schließen, daß die Thphusfällc auf schlechtes Brunnenwas­ser zurückzuführen sind. Nachdem die meisten Orte in der Rhön die Annehmlichkeiten einer Wasserleitung haben, hat man nun auch hier eingesehen, daß es an der Zeit ist, für Erttmung einer Wasserleitung Sorge zu tragen. Der Herr Sanbrot von Gers­feld wird in diesen Tagen hier eintreffeh, um die nötigen Verhandlungen mit den Gcmcindcräten der betr. Orte zu pflcoen, sodaß dann die Wasserleitung erbaut werden wird.

Tann t. d. Rhön, 24. Sept. 1913. Zur Er­richtung eines Krankenhauses und Erholungs­heimes in unserem Städtchen stiftete die Generalin Rudolph von und zu der Tann die Summe von 100 000 Mk. mit der Bestimmung, daß 80 000 Mk. zum Krankenhaus und 20 000 Mk. zum Stift Ver­wendung -finden sollen. Geeignete Grundstücke hierzu wurden bereits in der Annenstraßc, neben dem Kin­derheim, dazu bestimmt. Sobald ciniae Formalitäten mit dem KrankcnbauS in Fulda erfüllt sind, dürfte der Bau in Angriff genommen werden.

>j< Kreuzberg (ütbö.n), 26. Sept. 1913. Das letzte Stationsfcst wird dahier am nächsten Sonntag, den 28. Scntewbl-r nefeifr*.

* Hcrsseld, 26. Sept 1913. Die Hecresvermeh- rung hingt auch eine Vergrößerung dcr Kriegsschulen mit sich Wie man hört, schweben schon seit einiger Zeit Verhandlungen zwischen un­serer Stadtbehörde und der Militärverwaltung, in denen cs sich um die mietweise Ueberlassung des Ge­bäudes der höheren Töchterschule in der Hainstraße an die hiesige Kriegsschule handelt. Das Krieqs- schulgebäude reicht bei der bevorstehenden Vergröße­rung nicht aus. wird die Zahl der Fähnriche von dem im März nächsten Jahres beginnenden Kur­sus doch etwa 140 betragen gegen 80—90 seither. Auch wird von diesem Zeitpunkt ab das Offizier­korps vermehrt werden und die Zahl der nach hier kommandierten Mannschaften größer. Tas neue Mannschaftsgebäude, das vor einigen Jghren erbaut wurde, wird ebenfalls zur Unterbringung von Fähn­richen Verwendung finden während die ^Mannschaf­ten in dem an das Königliche Amtsgericht angrenzen­den staatlichen Gebäude untcraebrocht werden.

. ? Bad Orb, 25. Sevt. 1913. Tie Stadtverordne­tenversammlung bat beschlossen, 99 größeren Dasser- konssmnmtcn Wossermcsier setzen zu lassen. In Be- tracht kommen alle Hotels, Pensionen, Restauratio- nen, größere gewerbliche Betriebe, Viehhändler, Milchhändler l!) und alle über 5 Stück Vieh besitzende Landwirte. . ..

' Gelnhanlen, 25. Sevt 1913. Heute morgen ist nach langem, schwerem Leiden im Alter von erst 39 Jahren Lehrer Ernst Schreiner verschieden. Seit dem Jahre 1900 wirkte er an der hiesigen Bürger­schule und übernahm spater auch den Zeichenunter­richt in der Fortbildungsschule. Sein Lehrerberuf ge­nügte ihm nicht zur Betätigung seines regen Geistes: eifrigen Anteil nahm er am öffentlichen Leben, be­sonders an den Bestrebungen, dem Kleingewerbe und besonders auch unserer Siadt Geltung zu verschaffen. Bei der.Hcjmarbcstausstellnng in Frankfurt a. M. sorgte er für eine reichhaltige Vertretung der hie­sigen Gegend.

j. Bitbkl, 25. Sep'. 1913. Die Frau Göpfert ist zu ihren Kindern- zuriickgekehrt; sie wollte nicht, wie sie angibt, flüchtig achcn, sondern nur in Frank­furt rne Wömmm suchen.

• Offenbach a. N>„ 26. Sept. 1913. Die Polizei warnt vor B i l d e r s ch w i n d l e r n hier unh in der Umgegend im Auftrag der Berliner Vevschönerungs- gesellschaft Arkadia, die Bestellungen auf Bildervcr- größcrungcn zu erhalten suchen. Die Bilder cntspre-

JVs 223,

Zreitaq 26. September 1915.

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chen nicht den Erwartungen und sind Unverhältnis-« mäßig teuer und schlecht ausgeführt.

* Kassel, 26. Sept. 1913 Prinz August Wrl« Helm, der als offizieller Vertreter des Kaisers an den Festlichkeiten der Stadt Kassel während der Tau­sendjahrfeier teilnehmen wird, trifft am Freitag abend in Kassel ein und wird beim Prinzen Reust Wohnung nehmen.

* Aus Thüringen, 24. Sept. 1913. In die durch Berufung des Professors Dr. Wilckens nach Straß­burg zur Erledigung kommende Haeckelprosessur für Geologie und Paläontologie in Jena ist der Pro­fessor Dr. v. Seidliy-Straßburq berufen worden. — Ein junger Landwirtschaftsgehilfe in Camburg scheint Freude an Bränden zu haben. Weil er im Frühjahr einige Strohdiemen niedergebrannt hatte, erhielt er eine Gefängnisstrafe zuerkannt, wurde aber wegen feiner Jugend der bedingten Begnadigung em­pfohlen. Ter Gnade zeigte er sich wenig würdig, denn kur; darauf brannte er in Utenbach wieder einen Feimen an. Als er gerichtlich vernommen werden sollte, war et verschwunden. — Der Schulze in Seebergen hat die Jagd auf Wasserflöhe im Dorfteich verboten. Wer Flöhe jagen will, kann aber einen Jagdschein erhalten, der eine , Mark kostet. Darüber sind die Aguaricithesitzer iin Gotha sehr ver­stimmt, die bisher ihren Bedarf an Flöhen aus dem Teich in Seebegen kostenlos deckten.

h. Riisstlzhkitn, 25. Sept. 1913. In den Opel» merken sind die Diebstähle von Metall, Leder usw. trotz der denkbar schärfsten Aufsicht und jede-, maliger Anzeige bei Gericht an des Tagesordnung. Infolgedessen bat das Großgcraner Schöffengericht in fast jeder Sitzung einen Dieb oder mehrere Diebe abjuurteikn. Auch die nächsten Termine werden fick ro'eber mit zahlreichen „Opelbieben* beschäftigen.

Dritter Internationaler Kongretz für Luftrecht.

* Frankfurt a. M., 25. Sept. 1913. Unter starker Beteiligung aus Deutschland, Oesterreich,Zier Schweiz, Italien, Belgien, Frankreich, Holland, Spanien und England begannen heute die Verhandlungen des drit­ten internationalen Kongresses für Luftrecht durch eine vom Staatssekretär Maye r (Berlin) geleitete Eröffnungsfeier. In Vertretung des erkranften Staatsministers a. D. von Heutig eröffnete Justiz­rat Niemeyer (Essen) den Kongreß mit einer An­sprache, in der er sich über die Arbeiten desselben eingehend äußerte. Es folgten sodann Begrüßungs-^ anfprachen. Alle Redner betonten die Bedeutung des Kongresses für die Besserung der Beziehungen der Völker zu einander, deren letztes Ziel die Erreichung des Völkerfriedens sein wird und muß. Sodann sprach, von Beifall empfangen, Geheimrat Zitel - mann (Bonn) über „Das Luftrecht" im Krieg und Frieden. Das Problem des Kriegsrechts er­streckt sich u. a. auf die Bestimmungen der Genfer Konvention, der Beschießung der Festungen, die Ver­teidigung der Grenzen, das Recht der neutralen Staa­ten. Beim Friedensrecht sind bemerkenswert die pas­sive und aktwe Spionage, Beleidigungen, Testaments- erriebtungen u. s. w. in Luftfahrzeugen. Das völker­rechtliche Problem beruht auf dem Prinzip, welcher Staat die Gesetze zu geben und welcher sie anznwen- dcn hat: dcf Reserent behandelte ferner die Personal- unb Gebietshoheit des Staates beim Luftrecht. Die Gcsetzgebungsarbeiten des Kongresses sind internatio­naler Art, weil sie die Abmachungen regeln und weil sie die Schaffung der einzelnen nationalen Rechte so lenken wollen, daß sie internationalen Charakter tra­gen müssen. Allein eine völkerrechtliche Bindung eines gemeinsamen Weltluftfahrrechts ist vorerst nicht zu erwarten. Dem Redner wurde reicher Beifall zu­teil, den Staatssekretär Wagner in herzliche Dankes- toorte kleidete. Die Kongreßteilnehmer traten daran' unmittelbar zu Sektionssitzungen zusammen

Amt Getsa unö Umgebung.

' A Geisa, 26. Scpt. 1913. Unser Rathaus hat sich bereits seit Jahren als unzulänglich erwie­sen. Das Bedürfnis nack Abänderung hat sich je­doch besonders nach dem im Oktober v. Js. erfolg­ten Brand der Nebengebäude des Rathauses als un­bedingt erforderlich herausgestellt. Architekt Mahr aus Fulda ist mit der Ausarbeitung eines Pro­jektes zur Errichtung eines neue u Stadtsaales betraut worden. Der jetzige Saal soll zur Un­terbringung verschiedener Bürozweige Verwendung finden. — Die durch das Hochwasser im Juni d. Js. stark b e f d)ä b i g t e n beiden Brücken in der Nähe von Geisa, und zwar die Ulsterbrückc und diejenige über den Ecisbach, werden gegenwärtig auf Kosten der hiesigen Gemeinde neu betoniert.

? Termbcch, 20. Sept. 1913. Die Landwirt- f ch a ft s k am m c r des G r o ß h c r z o g t u in s hielt hier eine Versammlung ab, an der fast sämtliche .Kammermitglieder teilnahmeu. Im Anschluß an diese Tagung fand ein Ausflug bebufs Besichtigung der Hüten ' von Brunnhartshausen, Ande n- h a it s e n und Zella statt Die Hilten wurden be­sonders für Weidecmlagen als ausgezeichnet befunden. Es wurde seitens der Landwirtschaftskammer emp­fohlen, den Landwirten durch Anlage von Versuchs­feldern anf den Hüten den Beweis zu erbringen, daß die letzteren wesentlich besser als seither ausgcnutzt werden könnten. Diese Anregung für bessere Ver­wertung der Hüten kommt von Sr. Kgl. Hoheit, Großherzög Wilhelm Ernst, der gelegentlich seines Besuches, im Hochwassergebiet die entsprechenden Wahrnchmnngen machte.

* Dulilar, 26. Sept. 1913. Gegen die Wahl des Gastwirt Winter, der. wie wir s. Zt. meldeten, mit 4 Stimmen Mehrheit zum Bürgermeister gewählt wurde, ist Beschwerde eingelegt worden.

* Gehaus. 26. Sept. 1913. Weg'" guter Führung sind dem Insassen dec Strafanstalt zu Ichtershausen, Karl Faulstich von hier. 1 Jahr 8 Monate von fei­ner Strafe c r l a f f e n worden. Er hatte 6 Jahre Zuckthaus bekonimen wegen einer Schlägerei, in welcher er dem Polizeidiener Eiche in Wölferbütt solche Verletzungen durch Messerstiche beibrachte, daß er daran starb. Während seiner Abwesenheit hat F. seine Eltern verloren.

* Stadtlengsfeld, 26. Scpt. 1913. In der Ver­sammlung des Rhönklub-Zwcigvereins wurde für dii Verhandlungen zu dem in Kürze auszuführenden Baierturmbau eine Kommission gewählt.

♦ Günthers i. d. Rhön, 24. Okt. 1913. Tas be­kannte G a st h a u s B l u m c n ft e i n, dessen Be­wirtschaftung zuletzt Gastwirt Picsewetier inne hatte, ist durch Kauf in den Besitz des Herrn Bräuning von hier übergegangen.

ilns Gderhsffen u. den Aemtern-

* Marburg, 25. Sept. 1913. Nach fast 18wöchent- licher Dauer konnte aestern der Marburger