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2. Blatt.

druck dir Selbe« Zctientrettrei i« Selbe.

Zuldaer Zeitung .

Vo»nerrtag 25. September 1913.

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* Eine Antwort auf verschiedene Anfragen.

Zentrumsabgeordneter Dr. Heim schreibt:

Ach erhalte fast täglich Anfragen von Eltern, tvas sie zu tun hätten, um die vom Reichstag be­schlossene und durch meine Broschüre „Um der Ge­rechtigkeit willen!" angeregte Aufwandsent­schädigung zu erhalten, an welche Behörden man sich wenden müsse usw. Der Briefschreiber teilt mir mit, das, weder das Bezirksamt noch die Gemeinde einen Aufschluß geben konnten.

Hierzu bemerke ich folgendes: Im Nachtrag zum Etat für das Reichsamt des Innern auf das Rech­nungsjahr 1913 wurde als Kapitel 7 A Titel 17 neu bewilligt ein allgemeiner Fond. Es heißt wörtlich:

„rfu Lujwanosenllchävlgunien an luktje F »ml.en, von denen bereits bret Söhne ihrer gesetzlichen zwei- oder dreijährigen Dienstpflicht rm Reichs­heer oder in bet Marine als Unteroffizier oder Gemeiner genügt haben oder noch genügen uno zwar in Höhe von 240 Mark ,iir das Jahr während der gleichen gesetzlichen Dienstzeit eines jeden weileren Sohnes in benre'ben Dienstgrad."

Die Erklärung hierzu ist eine sehr einfache. Alle jene Familien, die jetzt im Herbst, also Oktober, den 4. Sohn in die Kaserne schicken, erhalten während der ganzen Dienstzeit dieses 4. oder 5. Soh­nes oder weiteren Sohnes eine jährliche Entschädi­gung von 240 Mk. in bar. Die Familien, die zwei Sohne, also z. B. einen 4. und 5. gleichzeitig in die Kaserne schicken, erhalten für jeden Sohn 240 Mk. Auf Gtund einer weiteren Anregung, die ich ge­macht habe, wurde ferner zugesagt, daß in diesem Etat, der jetzt dem Reichstag vorgelegt wird, eine wei­tere Summe vorgesehen werden soll zu dem Zweck, daß diese Entschädigung schon bei dem 3. Sohn dann platzgreist, wenn "beispielsweise zwei Söhne drei Jahre gedient haben.

Bis zur Stunde ist noch keinerlei Verordnung er­gangen, auf welche Weise und wann diese Beiträge an die Familien erstattet werden. Selbst- verständlich müssen erst diesbezügliche Erhebungen vorausgehcn, die den Nachweis erbringen, daß die be­treffenden Familien die erforderliche Zahl von Söh­nen für den Militärdienst gestellt hatten. Sicher ist, daß die Entschädigung für die jetzt im Herbst ein­rückenden Rekruten solchen Familien gewährt wird. Nur der Zei 1 pun kt der Auszahlung ist noch nicht feststehend. Jedenfalls ist es gut, wenn alle jene Famtlien, bei denen die Voraussetzungen zutref­fen, ihre jetzt einrückenden Söhne hierauf aufmerksam machen. Auch jene Eltern, bei denen ein 4. Sohn jetzt sein 2. Dienstjahr abdient, erhalten für dieses 2. Tienstjahr diese Aufwandsentschädigung von 240 Mark.

Gleichfalls ab 1. Oktober tritt in Kraft, daß der Staat die Kosten der Beförderung von verstorbenen Mannschaften oder Unteroffizieren in die Heimat übernimmt, weiter, daß den Eltern und nächsten An­gehörigen, die zum Besuch eines schwer erkrankten Familienmitgliedes, Unteroffizier oder Gemeiner, in dessen Garnison reisen, im Falle der Bedürftigkeit Bergütuna der Reisekosten gewährt wird.

totales.

Fulda, 25. September 1913.

(—) Verband der katholischen Männer- und Arbeiter, vereine der Diözese Fulda. Nächsten Sonntag, den 28. September, findet im Saale bet „Harmonie" zu Fulda der diesjährige Diözesan-Delegiertentag der katholischen Männer-und Arbeitervereine statt. Am Vormittag von x/211—1/el Uhr werden organisatorische und geschäftliche Fragen erledigt, am Nachmittag von 3—6 Uhr werden zwei bedeutsame Vorträge gehalten werden. Herr Kaplan Thier- gart-Hanau spricht über die idealen Aufgaben der katholischen Arbeitervereine und Herr Sekretär Frank-Fulda wird tue. wbernen Volksversicherungs- beltrebungen mit besonderer Berücksichtigung der Leo- kaffe behandeln. An letzteres Referat schließt sich eine Aussprache an. Einladungen sind an alle dem Diözrsan- verband angehörigen Vereine ergangen; diese entsenden einen oder mehrere Delegierte, die sich durch Legiti­mationskarten auszuweisen haben. Gelegenheit zur Erfüllung der sonntäglichen Pflicht bietet sich lür die Auswärtigen tm Dom und der Stadtpsarrkirche um 8 und 1/»10 Uhr.

4« Die Rojenkranzaudacht in der Stadtpfarrkirche soll wegen der hl. Million für dieses Jahr nicht im Oktober, sondern erst im November abgehalten werden.

4- Der Rekruteukursus findet Freitag abend seinen Abschluß. »Laden unb sickern!" lautete die Parole

Au Fräulein Anna Maier.

Humoristische Skizze von Thesi Bohrn.

Paul Maier stud. jur. stürmte ins Zimmer.

„Sapristi! Ah, ah, puh! fein, fein! Hier muß man buchstäblich Augen, Mund und Nase aufsperren! Dieser köstliche Duft! Diese Farbenpracht! Höre. Mädel, man bekommt ordentlich Respekt vor dir — alle Achtung!"

„Bekommt, Pauli? Bekommt? Ich will dir's nicht raten!"

„Also, hat Respekt, Pardon. Der Tisch biegt sich ja förmlich von Duft und Süßigkeit, alles Namens­tagsgeschenke — nein, wte dich die Menschheit liebt! Komm her. kriegst von mir auch was." Er faßte die Schwester um die Taille, gab ihr einen schallenden Kuß und wirbelte ein paarmal mit ihr im Zimmer herum.

„So, anderes erlaubt mir meine schmale Börse Nicht Aber jetzt lass' gucken, wer da alles gratuliert. Sieh', sieh', von meiner speziellen Flamme Mizzi Kuhn eine köstliche Torte — Eigenfabrikat natürlich. Von Onkel Gottfried die obligate Bonbonniere selbst­redend, und der Blumenkorb, ei, sehr geschmackvoll - von?"

„Na, kannst dir's doch denken."

„So, so, von deinem alten Anbeter Otti — rüh­rend, was?"

„Gewiß, ich freue mich, daß er immer noch an mich denkt; leine Frau hot übrigens auch ein Billett beigelegt."

„Ei? Weiß sie, daß er dir seinerzeit die Cour schnitt, und daß du ihn abgewiesen hast?"

„Natürlich."

„Großdenkende Dame! — Hier, von Mama die unvermeidlichen Handschuhe, und von Papa?"

„Noten."

„Noten."

„'.Koten? Noten? Gesangs- oder — Banknoten, Annale?"

Annale lachte.

„Aha. gut, daß man's weiß — wer hat übrigens dies entzückende Weiße Nelkenbukett gestiftet?"

d«S KursuSleiters P. Kaffiepe am Eröffnungsabend. Unsere jungen Leute halten Parole; zu ihrer Ehre sei es gejagt: Sie kommen mit jedem Abend zahl­reicher, sodaß die Räume zu klein werden. Am Er- öffn'tngSabend 53 davon au5 Fulda 25) Teilnehmer, Dann 60 (36), 86 (39), gestern gar 101 (47) Teil­nehmer. Mö.en sie auch für einen glänzenden Ab­schluß ihreS Kursus am Donnerstag und Freitag abend 81/* Uhr sorgen I — Herr Weingroßhändler Ed. Schmitt-Fulda, Leutnant der Landwehr, stellte 40 Mark zur Verfügung, sodaß jedem Rekruten daS Soldatenbüchlein von Volmar als religiöser Führer durch die Militätzeit überreicht werden kann. Für diese patriotische und religiöse Tat auch an dieser Stelle ein .Vergelt's Gott!"

? Der Meistertitel ein Ehrentitel. Die Regierungs­behörden führen Klage, daß von vielen unteren Ver­waltungsbehörden und Polizeiverwaltungen, Standes­ämtern usw. jedem selbständigen Handwerker der Meistertitel beigelegt werde, ohne zu prüfen, ob der Hand verker zur Führung dieses Titels auch berechtiat ist. Es ist deshalb daraus hingewiesen worden, daß die Behörden verpflichtet seien, gegen jede unbe» fugteFührung des Meistertitels einzuschreiten. Der Meistertitel soll für jeden Handwerker, der sich ihn rechtskräftig erworben, ein Ehrentitel sein und nicht mißbräuchlich Handwerkern beigelegt werden, die zur Führung desselben kein Recht haben.

£ Kathol. ka«sm. Verein. Die Eröffnung des Wrnterseme ers, die Dienstag abend im kath. kaufm. Vereine anstand, brachte nach einem flotten Marsche der VereinSkapelle einen Vortrag des geistl. Beirats Herrn Oberlehrer Goebel über das Thema: „Sollen die kaiHoffschen Laien die Bibel lesen?" Ausgehend von Aeußerungen de« hl. PetruS dis auf Autoritäten unserer Zeit wies Redner nach, daß daS Bibellefen unter der väterlichen Wachsamkeit der Kircke stets erlaubt, ja empfohlen worden sei. Erst kürzlich habe der hl. Vater Pius X. das Lesen der hl. Schrift in den vom hl. Stuhl genehmigten und von den Bischöfen approbierten Ausgaben als täglicke Lekiüre empfohlen, weil das Buch der Bücher die Quelle sei, „alles zu erneuern in Christo". Die Vorwürfe, die uns von Andersgläubigen gemacht werden, als bestehe in der katholischen Kirche ein förmliches Bibelvrrbot, wurden an Hand der kirchlichen Bestimmungen zurückgewiefen. Redner empfahl sodann noch verschiedene Bibelaus- gaben und wies auch hin auf die in der Fuldaer Actiendruckerei erscheinenden Biblischen Volksbücher von Dr. Leimbach. ..Tolle lege — Nimm und ffeS!" Die Versammlung spendete dem Redner reichen Bei­fall. Der nächste Vortrag fin et am 7. Oktober statt. Herr Stadtpfarrer Gramm, der die Ver­sammlung mit seinem Besuche beehrte, bekundete seine Sympathien, die er dem K. K. V. entgegenbringe und dankte dem Redner für die Unterstützung in der Seelsorge, die er als geistl. Beirat des K. Ä. V. seiner Pfarrtätigkeit gewähre. Herr Oberlehrer Goebel dankte für diese anerkennenden Worte und bat den Herrn Stadtpfarrer auch um ferneres Wohlwollen. Diese Bitte wurde mit einem Hoch auf den Herrn Stadt­pfarrer bekräftigt. Nach Erledigung einiger internet Angelegenheiten, Krankenkasse, Sprachkursus :c. er­freute die Vereinskapelle die leider nicht seht zahlreich erschienenen Mitglieder mit vor reiflichen Darbietungen.

-7- Die hiesige Pädagogische Gesellschaft veranstaltet heute abend eine Feier zu Ehren ihres früheren lang­jährigen Vorsitzenden und jetzigen Ehrenpräsidenten, des Königl. Seminarditektots Herrn Dietrich zu Münstermaifeld, der am 1. Oktober 50 Jahre im Schuldienste tätig ist und am 3. Oktober sein 70. Lebensjahr vollendet. Der Jubilar, früher Lehrer ,am hiesigen Königl. Lehrerseminar und Mitglied der Stadtverordneten-Verfammlung, steht in Fulda wegen feiner segensreichen Wirksamkeit in bestem Andenken. Möge dem rüstigen Schulmanns noch ein langer, glücklicher Lebensabend beschieden sein!

O Unterstützungen an leistungsschwache Kreise. Der Landesausschuß hat in seiner letzten in Kassel abge­haltenen Sitzung u. a. auch den Plan über die Ver­teilung von 90000 Mark Unterstützungen an leistungs- fchwache Kreiie des Regierungsbezirkes Kassel nach § 3 des Reglements vom 18. Mai 1908 genehmigt. Es erhalten hiernach der Kreis Gers'e ld 7930 M„ Hünfeld 6372 M., Kirchhain 6324 M., Hom- berg 4486 M., Melsungen 4476 M., Wolfhagen 4351 Ri., Ziegenhain 4228 M., Schmalkalden 4226 M., Graffchafl Schaumburg 4110 M., Schlüchtern 4072 M., Rotenburg 3664 M., Gelnhausen 3552 M., Hofgeismar 3532 M., Kastel (Land' 3389 Ri., Hersfeld 3375 M., Eickwe e 3328 M., Fulda 3291 M., Witzenhausen 3275 M., Fritzlar 3210 M., Marburg 2728 Mark. Die Kreise Kassel 'Stadt), Hanau (Stadt) und Hanau (Land) fallen aus. Das Soll an kreisabgabenrflichliger Staatseinkommensteuer

„Rose Habermann."

„Hm, sehr reizvoll — die kandierten Früchte sind natürlich von Tante Sette, und der geschmacklose Busch aus Reseden und Georginen ist von meinem Freunde Lichtwitz — desparater Kerl das."

„Lass' nur, jeder wie er's versteht — habe trotz­dem meine Freude daran."

„Edles Herz!" Er küßt ihn die Hand, sie gibt ihm einen schwesterlichen Nasenstüber. „Prosit!" Er be­wundert noch einige Handarbeiten nach neuen Mu­stern und ein Füllhorn mit duftenden Rivieraveilchen, läßt einige Dutzend Ansichtskarten, Briese und par- sümierte Billetts durch die Hände gleiten, nimmt dann eine von den weißen Nelken und einige Veil­chen und steckt sie sich vorm Spiegel ins Knopfloch. „Na, Annale, großartig ist der Rummel, alle haben an dich gedacht, nur einer nicht —hätt's nicht ge­glaubt, aber--"

„Wen meinst du?"

„Geh', tu' nicht fo unschuldig, als ob dir dein Herzerl nicht weh' täte — weißts schon, wen ich meine — ihn, deinen unwiderstehlichen Tänzer in der ver­flossenen Saison, ihn — deinen Dragoner."

Anna fuhr auf.

„Pfui, Paul, welche Ausdrucksweife!"

„Ach so. verzeihe, ich meine Hans von Knotzer, Rittmeister beim xten Dragonerregiment, sogenannter verslirter Kerl --

»Du bist unverschämt, Paul."

„Danke, recht habe ich aber trotzdem."

„Womit hast du recht?"

„Na damit, daß bb- 's Herzerl weh' tut, aber tröste dich, der Tag ist noch nicht zu Ende, noch ist nicht alle Hoffnung verloren." Anna hatte keine Zeit, auf diesen Trost gebührend zu antworten, denn eben tönte wieder, wie heute schon so oft, die Flur­glocke. Mit der Rote des Unmutes in den Wangen lauschte sie mit, gespannter Erwartung.

„Na, tagte ich's nicht!" rief Paul triumphierend, „jetzt kommt die süße Botschaft von ihm, von ibm, von ihm!" Er öffnete die Türe.

„Aha, Pepi kommt schon angegondelt.

für den Kopf der Zivilbevölkerung in diesen Kreisen beträgt nämlich mehr al8 den Durchschnitt für den Regierungsbezirk Kastel von 5 24 '"'ort

(!) Die Mari en sänke auf dem Frauenberg. Zu diesem Thema wird uns geschrieben: In der Notiz in Nr. 217 2. Blatt der Fuldaer Zeitung ist ein Irr­tum unterlaufen Die Mariensäule beim Frauenberg ist mit der am Tomplatz errichteten Fnedenssäule nicht identisch Ter gewissenhafte Geschichtsforfcher P. Michael Brhl, 0- F. M-, s. Zt. auf dem Frauen- berg hier, feit April 1907 Mitherausgeber der be­rühmten Franziskanctzcitschrist „Achivum francis- canmn historieum" im Collegio S. Bonaventuras zu Brozzi-Ouaraechi bei Florenz, schreibt in den „Fuldaer Geschichtsblätter", 6. Jahrgang 1907 Nr. 2 S. 23 in einer Abhandlung „Dre Pestsäule am Frauenberg bei Fulda .

So steht demnach fest, daß 1561 diese »Pest"- und „Friedenssäule" c n ebendiesem Orte von Joachim von Gravenegg errichtet worden ist. Sie ist keineswegs identisch mit einer anderen, beim Dome 1647 angetan« gencn und von demselben Abte 1648 vollendeten Säule, welche beim Neubau des Domes auf den Frauenberg ge­schafft sein soll DaS Errichtungsjahr beider Säulen ist verschieden. Verschieden ist auch die Form der Säu­len, da bei der ehemaligen Säule auf dem Domplatze das Postament ganz fehlt. Ein Maler, selbst einer, der sich der ungenauesten Arbeitsweise befliß, durfte doch ein solches Stück nicht auslassen. Der Chronist Har- hing berichtet nichts über die Statue, welche die 1648 vor dem Dome vollendete Säule abschloß. Zweifellos stand die Mariensäule oder die mit Fug und Recht so­genannte Pestsäule auf dieser Stelle des Frauenberges vor dem Neubau des Domes, da schon 1671 die Wall­fahrten der Stadt auf den Frauenberg an der Marien­säule vorüberzogen und damals die Franziskaner bis zu dieser Säule („usque ad columnam B. Virginis") eini­gen Prozessionen entgegen gingen. Die erhaltene Hand- schrift (Handschrift im Guardianatsarchiv des Frauen, berger Klosters) führte nicht- Neues ein, sondern legte die herkömmlichen Gebräuche fest. Im Jahre 1729 wußte der in der fuldischen Geschichte überaus bewanderte Schannat nichts von einer Uebertragung der Pestsäule, sondern er läßt sie von Joachim von Graden- egg „auf dem in nächster Nähe gelegenen Marienberge" 1651 errichtet fein.

Eine weitere Zuschrift besagt:

Auf den alten Karten der Stadt Fulda bildet eine Linie Miesenmühle, Domkuppel und Mariensäule den amtlichen Meridian (Nord-Südrichtung) von Fulda. Schon aus diesem Grunde dürfte sich eine Versetzung der Säule nicht empfehlen. Damit man die Säule aber wieder besser findet, so wäre doch die Entfernung her hohen Bäume sehr zu empfehlen,

!! Bankbeamte und Teuerung. Man schreibt uns: Nachdem bereits die vor wer igen Monaten abge­haltene Hauptversammlung des Deutschen Bank­beamtenvereins sich eingehend mit der Teuerung und den hiermit nicht tm Einklang stehenden Gehalts« verbäl nfffen der Bankangestellten befaßte und hierzu auch eine Resolution annahm, welche dem Zentral- verband des Deutschen Bank« und Bankiergewerbes überreicht wurde, beschäftigte sich auch die Vorstands« konferenz des Gaues Südwestdeutschland b efer Organisation, welche am letzten Sonntag in Karlsruhe stattfand, mit dieser Frage. Emsttmrn'g wurde folgender Entschließung zugestimmt:

«Angesichts der erneut in die Erscheinung tretenden Verteuerung aller Lebensrnittel und Bedarfsartikel, und nadhbem für den bevorstehenden Winter eine weitere Preissteigerung zu erwarten ist, richtet die am 21. Sep­tember 1913 in Karlsruhe tagende, von Vertretern aus Württemberg, Baden, Elsaß-Lothringen, Hessen, H e f - sen -Nassau und der Pfalz zahlreich beschickte Vor. standskonferenz des GaueS Südwestdeutschland im Deutschen Bankbeamten-Vexein die dringende Bitte an die Bankleitungen und Inhaber der Bankgeschäfte, ihren Angestellten die Ueberwindung der so schweren Teue. rungszeiten durch Gewährung einmaliger oder dauern- der Gehaltszulagen erleichtern zu helfen. Umso mehr hält es die Vorstandskonferenz für dringend geboten, die Aufmerksamkeit der leitenden Kreise im Bankgewerbe auf die Teuerung hinzulenken, als die Einkommensver» hältnisse der Bankangestellten weit hinter der allge­meinen Preissteigerung zurückgeblieben sind.

--- Die Bahnhofswirtschaft Fulda ist dem Ver­nehmen nach dem Restaurateur K r e y, zurzeit In­haber der Bahnhofswirtschaft in Elm, zugeschlagen worden. Wie verlautet, beträgt der Pachtpreis ein­schließlich der Nebenabgaben zirka 12000 Mk. Bei der Verdingung batten sich wie wir seinerzeit mel­deten, ein Mindestgebot von 6000 Mk. und ein Höchst­gebot von 18000 Mk. ergeben. Die Zahl der Be­werber betrug 64.

-X- Der Bayuhoffumbau macht gewaltige Fort­schritte. Ter verlängerte Waidesvurchlaß ist in seiner Länge von ungefähr 30 Meter fertig« gestellt. Enn Baggermaschine in jetzt eifrig beschäftigt, den Erbboven hinter bem Fabrikgebäude der Firma Karl Kramer abzutraoen. An der Küniellerbrücke ist

Er nahm dem Dienstmädchen ein umfangreiches Paket aus den Händen.

„Bon wem ist's, Pepi?"

„Weiß, nicht, junger Herr, ein Dienstmann hat's gebracht.

Paul legte mit komisch feierlicher Umständlichkeit das Paket auf den Tisch; es war mit rotem Faden zusammengebunden und auf der weißen Pa­pierhülle prangte in roter Tinte die Adresse: An Fräulein Anna Maier.

„Darf ich offnen?"

Anna nickte. Das konnte unmöglich von ihm kommen, er durste im strengsten Falle doch nur Blu­men schicken. Ruhig sah sie zu, wie Paul'den Faden löste und die Papierhülle auseinanderschlug; dann standen die Geschwister minutenlang sprachlos und starrten einen großen Rciteismann an aus braunem, derbem Kuchenteig mit allerlei Schnörkeln aus far­bigem Zucker verziert. Am Sockel des Pferdes aber stand in roter Zuckcrschrif: zu lesen: „Der süßen Anna von ihrem Dragoner Hans."

Paul brach in unbändiges Lachen aus.

„Ha, ha, ha, exotischer Gusto das! Ha, ha, ha, passendes Namenstagsangebinde für die „süße Anna", ha, ha, ha, kapitaler Dragoner der Rittmeister Hans von Knotzer! Ha, ha, ha!"

„Schweig! Schweig doch, das ist nicht von ihm!" schrie Anna zornesrot. „Tas gehört doch gar nicht mir!"

„Aber Mausi, schau, es steht doch die ganz genaue Adresse darauf: An Fräulein Anna Maier. Gaffe, Hausnummer, Stock - stimmt alles."

„Dann macht sich jemand einen schlechten Scherz mit mir."

„Na, das werden wir doch herauskriegen", sagte Paul, plötzlich ernst werdend, da er die Wirkung sah, welche die Sendung auf seine angebctete Schwester ausübte. „Nein, nun fängst du gar noch zu weinen an, das ist der Mühe wert, und wenn's selbst der Knotzer ist--"

„Aber Pauli", unterbrach ihn Anna schluchzend, „was fällt dir ein. der feine Männl"

mit den Betonarbeiten zu den 2 Pfeilern begonnen worden. Die Erweiterung ber neuen Bö chung tm Schinber«Tälchen geht zuse'.ens von statten. Ihre Verlängerung ist bereits bis kurz vor ber Ebelzeller« firaße vorgeschritten. Diesseits biefer Straße ist jetzt eine Baggermalchine mit bem Erbabhub ber alten BÜ chung btschäittgt. Tie neue Ebelzellerbrücke zeigt sich jetzt in ihrer ganzen Länge in Holzverichalung. Mil den Betonarbeiten auf der Brücke st auch bereits ber Anfang gemacht. Auch der Erbabhub für bte Fortsetzung bes neuen Evelzellerweges schreitet rüstig voran. Auch ber jetzige Lanbweg zwiscken Ebelzell und Kodlhaus erfährt durck bte Er­weiterung des Bahnkörpers eine Verlegung. Oberhalb bes Kilometersteins 0,5 von Koblbaus wirb ber Weg t'nks abzweigen unb burch iine größere neue Unter« fübronq, deren Herstellung in Angriff genommen ist, geleitet .

t£s Zu der Riesiger Straße zwischen Adalbert« und Parkflraße ro.rb gegenwärtig auf ber t üb liehen Seite ein Bürger st eig heraeftellt. Zu biesem Zwecke mußten die alten städtischen Ob st bäume, die zwar reichlich trugen, aber in ihre neue Umgebung nicht mehr paffen wollten, gefällt werben. Zubern sollen bte Bäume auch stark von der Blutlaus befallen ge­wesen fein.

= Zu einer Reserveübung auf dem Truppenübungs» platze bei Darmstadt wußten gestern beim Melbeantte Fulba 55 Mann antreten, die alsbald abtransportiert wurden.

<65- Postalischer. Anfang Oltober erscheint eine neue Nummer des ,Postblatts', bas eine Beilage zum,Reichsanzeiger' bilbet, aber auch für fick bezogen werben kann. Im,Postblatt', bas im Reichs-Post­amt zusammengestellt wirb, stnb bie wichtigsten Ver« sendungsbebingungen und Tarife für Postfenbunaen aller Art sowie für Telegramme enthalten. Der Be­zugspreis bes,Postblatts' beträgt für bas ganze Jahr 40 Pfg., für bie einzelne Nummer 10 Pig. Be­stellungen werden von den Postanstalten entgegen« genommen.

X Kinder, die auf der Reife 10 Jahre alt w-rden. Kinder vorn vollenbeten vierten bis zum zehnten Jahrs zahlen auf ben deutschen Eisenbahnen bekanntlich bett halben Fahrpreis. Hierzu ist jetzt bestimmt worben, baß das Alter bei Antritt der Reife maß ebenb ist. Daburch wirb klargestellt, baß Kinber Fahrpreis­ermäßigungen auch für ben Rest bet Reife behalten, bie ihnen nach ihrem Alter beim Antritt der Reise zustand. Sie haben aber keinen Anipruch auf bie Ermäßigung, wenn die Fahrkarte für sie zwar vorher gelöst, jedoch beim Antritt der Reise bie Altersgrenze schon überschritten ist.

Q «in frecher Diebstahl. Von dem Automobil eines Magdeburger Kauimanns, bet in ber Ftiebrich- straße hielt, wurde roährenb bet Abwetenheit des Besitzers ein wertvoller Zeitmesser gestohlen. Der Befestigungstiemen war zeifchntlten worben. Ter Täter konnte bald in ber Person eines Bäckerlehrlings ermittelt werben. Et hatte die Uhr in feinen Slroh- sack versteckt.

# Schießstand-Eröffnung. Nachdem die Schützen« gesellschaft Fulda im vorigen Jahre den Schietzstand am Neuenberg infolge der Herstellung des Sportplatzes der Fußballvereins Borussia räumen mutzte, wird der in der Gemeinde Horas neu errichtete Schietzstand am nächsten Sonntag eröffnet. Die Anlage, ausgestattet mit allen Sicherheitsvorrichtungen, liegt in der früheren Sandgrube, umgeben von hohen Wänden, und gewährt mit der geräumigen Schietzhalle einen imposanten An­blick. Mil der Eröffnung sind ein grohes Preisschietzen, an dem sich mehrere hiesige und auswärtige Vereine beteiligen, und sonstige Festlichkeiten verbunden. Wir verweisen auf die Einladung im Anzeigenteil.

Aus dem Nachbargebiete.

•|‘ Kerzell, 24. Sept. 1913. El» Unglücksfal i hat sich heute morgen beim hiesigen Kuchenneubau zugetragen. Der Maurer Karl Kiah aus Tot botn stürzte aus einer Höhe von ungefähr 11 Nietet ab, wobei er eine Btustqueiichung unb erhebliche Arm­verletzungen erlitt. Herr Dr. Brtllerty aus 'Neuhof, bet schnellstens zur Stelle war, brachte ben Schwer­verletzten mit feinem Auto in bas Lanbkrankenhans nach Fulba. Der Zustanb des Abgekürzten ist nicht lebensgefährlich. Em gleichfalls milabgestürzter Ar- beilsgenosse konnte sich zum Glück noch an einem Träger fefthalteu unb kam so mit bem bloßen Schrecken davon.

* Brückenau, 24. Sept 1913. Das Anwesen des Buchdruckereibesitzers und Schreibwaienhänblers Ernst Wols dahier ging mit dem Verlage des Brücke­nauer Anzeigers und allen Warenvorräten an Karl Nikolaus, Buchdrucker aus Weingarten, käuflich über. Als Kaufpreis werden 54 000 Mark genannt.

„Ach was, feiner Mann!" Er hat halt einen Schwips gehabt, gestern war llnterhaltungsabend im Kasuw. Einige feinet Kameraden sind gesehen wor­den, wie sie heute nacht mit Kohle auf die Pflaster­steine vor Anna Almers Haus, weißt du, der Sänge­rin, in großen Buchstaben „Hoch Anna!" malten, da wat Knotzer wahrscheinlich auch dabei."

„Das ist nicht wahr, ist nicht möglich", schluchzte Anna.

„Herr Gott, toanttn sollte das nicht möglich sein? Und was wäre auch dabei? Ein Ulk, wie ihn An­geheiterte oft aussühren."

„Ein feiner Mann ist auch im Rausch fein."

„Das verstehst du nicht — ich finde darin nicht? Unfeines, mit Kohle auf Pflastersteinen zu malen."

„Nicht?" Nun, und der Kuchenreiter?"

Paul lachte wieder.

„Na also, du hältst es doch für möglich, daß et von ihm kommt?"

Anna hob zürnend ihre kleine Faust und wollte sic vernichtend auf des Reiters Kopf herabsausen las­sen, aber Paul fing sic noch rechtzeitig auf.

„Halt halt, das Kunstwerk darfst du nicht zer­stören, das muß er unversehrt zurückoekommen — horch, es läutet schon wieder!"

„Ich bitte, die Doftor-Netti steht draußen mit einem herrlichen Blumenkorb und will durchaus mii dem gnädigen Fräulein selbst sprechen", meldete Pepi.

„Die Doktor-Netti? Na, lassen Sie sie herein", sagte Paul und öffnete weit die Türe, um die korpu­lente Köchin Doktor Aumanns, der Tür an Tür mit Maiers wohnte, ein-iilasscn.

Ei, ei, Ncttchen, was bringen Sie denn noch, der Herr Doktor war doch schon am frühen 'Morgen hier gratulieren."

„Ach ja, der Herr Doktor schickt mich auch gar nicht", sagte Netti knixend, schob ihre dralle Gestalt völlig zur Türe herein und tnirte mit Heftigkeit. Sie stellte den Korb mit weißen Teerosen und Chklamen auf den Tisch und ging zu Anna hin, die eben ihre Tränen getrocknet hatte-