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s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Toschenfahrpia». n

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40. 3abrgang.

Donnerstag den 25. September 1913.

Crstes Blatt.

Nr. 222.

t Die albanischen Wirren

Europa steht vor der Gefahr eines dritten Balkankrieges.

Der verstorbene Staatssekretär von Krderlen« Waechtcr, bekanntlich einer der hervorragendsten Kenner der Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel, hat öfter den Ausspruch getan, daß ein Krieg aus dem Bal­kan, wenn ec einmal begonnen habe, gar nicht mehr aufhöre. Die Ansicht Kiderlen's wird nur zu sehr durch die grausame Wirklichkeit bestätigt. Zuerst das blutige Niedcrwerfen der Türkei durch den Balkan­bund, dann der große Krach und der nicht weniger blutige Zwist unter den einstigen Verbündeten, dann neues Vordringen der Türkei und jetzt, nachdem dre vielen und verschiedensten Friedensprotokolle kaum unterzeichnet sind, unabsehbare Wirren in Al- bauten.

Die Serben haben mit der aus der Londoner Bot- schafterkonserenz ihnen zugestandenen Einverleibung gewisser Teile albanischen Gebietes den Hatz der Al­baner in noch größerem Maße, als jener seit undenk­baren Zeiten schon bestand, auf sich gezogen. Die Serben sollen durch Uebergriffe und allerhand harte Maßregeln gegenüber der notleidenden Bevölkerung in den okkupierten Gebieten die Albaner derart berausgefordert haben, daß es zu einem Auf- stand der Älbaner gegen die Serben gekom­men ist.

Das neue Staatswesen Albanien ist das einzige, was die österreichische Politik in den Balkanwirren erreicht hat. Es gehörte eine außerordentliche Kraftan- spannung dazu, um S k u t a t i für Albanien zu ret­ten. Dafür mutzten aber verfchiedene albanische Ort­schaften im Norden um des lieben Friedens willen den begehrlichen Nachbarn überliefert werden. Nun dachte man, daß endlick in Ruhe an den Ausbau des albanischen Staatswesens gegangen werden könnte. Aber da entwickelte sich aus dieser mühseligen Neuschöpfung plötzlich die neue Kriegsgefahr. Be­reits ist es zu ernsten Kämpfen zwischen Ser­ben und Montenegrinern einerseits und unzufriede­nen Albaniern andererseits gekommen. Serbien mobilisiert u. kündigt offiziell die Besetzung des „Grenzgebietes" an; die Malissoren greifen zu den Waffen^ um die Abtretung ihrer Gebiete an Monte­negro rückgängig zu machen, und der Abenteurer Essad Pascha wiggelt dar Land gegen die provisorische Regierung auf, indem er seine frühere Parole vom „selbständigen Albanien unter der Oberhoheit des Sultans" von neuem ausgibt. Albanische Rauflu st und serbische Hinterlist wirken da in bedenklicher Weise zusammen.

Sonst sagt man gern, die Balkanvölker möchten ihre Händel unter sich austragen. Im vorliegenden Falle läßt sich aber dieses Auskunftsmittel nicht an­wenden. Oesterreick; und Italien sind mit ihrer Ehre an dem Fortbestand ihrer albanischen Schöpfung gebunden, und wenn sie im Ehrenpunkte fünfe gerade sein lasten wollten, so dürsten sie doch ihre Ädriainte-essen nicht an Serbien und Montenegro auslic^ern Also wenn die Serben wie­der in die für Albanien reservierten Landstriche gehen, so müssen sie gun Rückzug gezwungen werden. Aber wie? Ob sie burdj gute oder schlechte Worte sich zum Rückzug bewegen lassen, ist mehr als zweifel­haft. Auch 'ms Gebot der Londoner Botschgsterkon- ferenz toürjen sie kaum respektieren, da die Miß­achtung brn „Europa" dort schon landesüblich gewor­den ist. llebrigens ist der Wiederzusammentritt die» ser Konferenz erst für den November vorgesehen. Die Wiederentfernung der eindringenden Serben und Montenegriner scheint also „Brachialgewalt" zu er­fordern, wie man in Wien sich ausdrückt, d. h. Oesterreick mutz entweder allein oder noch bester In Verbindung mit Italien die kritischen Gebiets-

Brandstifter.

23] Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.

Der Alte schlug Bei den letzten Worten mit der Faust auf das vor ihm auf dem Tische liegende Buch.

„Ich dank' Dir, Lenhard, für Deine gute Mei­nung!" sagte Ernst aufstehend und drückte dem Knecht die Hand. „Aber noch eins, Lenhard — und da muß ich Dir einen Vorwurf machen! Warum hast Du mir denn kein Wort davon gesagt, dah die Leute glauben, ich batte am ersten Abend meines Hierseins den Brand auf dem Heuspeicher angelegt?"

Der Alte war aufgesprungen und sah den jungen Mann mit einem Blick an, in welchem sowohl Ent­rüstung wie Teilnahme lag.

„Warum ich Dir nix gesagt hab? Weil mir die ganz Geschicht ;u dumm gewese is, um nur e Wort drüber zu vekliere! Des Schlichters Kunrad, der jo Jedem gern etwas anhängt, Hot die Dag so e paar Wort falle loste, die uff Dick gemünzt warn' — ich hab ihm aane hinner die Ohr'n gehage, daß er uff die zwaat (zweites nit gewart Hot! Zum Borser- maafter is er hingelaafe un Hot mich verklagt! Deß- wege bin ich gestern uff die Borjermaasterei gelaoe wor'n! Fünf Mark bot der Spatz gekost — meinet» Wege! Ich hab sie bezahlt un bab dem Herr Borjer- moafter un denen (i'emeinberät in's Gesicht gesagt, daß ich Jedem arnb so aane hinleuchte (Ohrfeige geben! tat, ber Dich, unfern junge Herr, nur mit eme falsche Wort andippt!"

Bewegt schüttelte Ernst nochmals bem Alten bie Hanb.

„Ich danke Dir von Herzen, Lenhard, daß Du Dich so um mich angenommen hast! Daran seh' ich, daß Du selbst fest an mick glaubst und mir nicht zu- traust, was die hämische Welt mir nachsagt!"

„Awer was babbelst Du dann so sor dumm Zeig, Ernst — nemm mir's nit for übel? Du Werst doch nit glaawe, daß ich Dir was Schlechtes zutraue könnt? Dofor kenn ich Dich doch zu gut von klaanem

teile besetzen. Mit einer solchen vorläufigen Be" setzung wäre auch zugleich die Möglichkeit gegeben, in dem befreiten Albanien die Ordnung herzuftel- len. Auch das ist unbedingt nötig. Denn was soll die Aufstellmig einer Verfassung und die Wahl eines Fürsten bedeuten wenn im Lande Krieg und Anar­chie herrscht? Ein ehr- und Pflichtbewuhter Prinz wird ja die Wahl zum Fürsten von Albanien nicht annehmen können, wenn er nicht die nötigen Macht­mittel zur Herstellung seiner Autorität und des Frie­dens im Lande zur Verfügung hat. Sollten Oester­reich und Italien aus Rücksicht auf Rutzland und Frankreich von einer unmittelbaren Besetzung des Landes absehen, so müßten sie wenigstens dafür sor­gen, daß der neue Fürst schnell gewählt wird und die nötige Truppenmacht mitbekommt auf dem Wege zu feinem dornigen Throne.

So hängen an dem „bißchen Albanien" eine Menge von Schwierigkeiten und Gefahren. Es wäre eine wahre Ironie d^s Schicksals, wenn der Friede unter den europäischen Großmächten, der mühsam aus den zwei großen Balkankriegen gerettet worden ist, bei diesem' dritten nachklappernden Konflikt in bie Brüche gehen sollte.

Oe st erreich stobt vor einer wichtigen Entschei- bung. Entweder mutz man sich zu schnellem unb kräftigem Eingreifen entschließen, ober man muß für das ganze albanische Unternehmen den Bankerott anmelden.

, > *

* Wien, 24. Sept. 1913. Nach den heute an un­terrichteter Stelle eingetroffenen Meldungen unter­liegt es keinem Zweifel mehr, bah int ganzen von ©erbten annektierten albanischen Gebiet ein Aufstand ausgebrochen ist unb daß vom autonomen Albanien sich nur jene Stämme am Aufstand beteiligten, die durch die serbische Sperrung ihrer Märkte bem Hungertod preisgegeben sind. Es liegen hier zuverlässige Meldungen vor, daß die se r- bische Mobilisierung nicht ohne Schwierig­keit vor sich geht infolge der großen Unlust ber Reser­visten, in einen neuen recht ungemütlichen Krieg zu ziehen. Oesterreich-Ungarn stehl Gewehr bei Fuß unb wirb nicht zugeben, daß Albanien noch weiter ver­stümmelt und ganz lebensunfähig gemacht wird.

W Wien, 24. Sept. 1913. Aus Skutari mel­det die Albanische Korrespondenz, daß die ältesten albanischen Stämme der Hoti, Gruda, Schkreli und Kastrati beschlosien haben, die Feind­seligkeiten gegen Montenegro zu er­öffnen und die Montenegriner aus den von den Al­banern bewohnten Gebieten zu vertreiben.

W Belgrad, 24. Sept. 1913. Ein königlicher Ukas hat die M o b i l i s i e r ü n g der f e r b i s ch e n M o. rawadivision angeordnet und die eines Teiles der Reservisten aller Divisionen. Die für die Operationen gegen die Albanefen aus acht Regimentern gebildete D r i n - D i v i s i o n befindet sich auf d e m M a r s ch e nach der albanischen Grenze.

) Berlin, 24. Sept. 1913. Der Berliner Ver­treter des serbischen Geschäftsträgers, Leaationsickre. tär Di. M. Bogbilschewitsch, hat am Mittwoch im Auswärtigen Amte eine Note seiner Regierung über­reicht, in der vom militärischen Vorgehen Ser­biens gegen Albanien die deutsche Regieruna in Kenntnis gesetzt wird. Der serbische Geschäfis- träger selbst hat Berlin verlassen. Die Note der ser­bischen Regierung enthält zunächst einen Ueberblick der Ereignisse in den letzten Wochen, welche dar­stellen sollen, daß von albanischer Seite fortgesetzt Provokationen und zuletzt bewaffnete Uebersälle gegen das serbische Gebiet unternommen werden.

Bub uff un wenn Du aach en vornehmer Herr bist wor'n — aus der Art geschlage bist Du nit!"

Tas klang so treuherzig, so überzeugt, daß den jungen Mann ein Gcsiibl überkam, als würde ihm eine Last von der Seele genommen. Gott sei Dank — er stand doch nicht so allein in ber Heimat, wie er eS seit seinem vierwöchentlichen Hiersein ange­nommen hatte! Hier schlugen Herzen für ihn, auf bie er in jeber Lebenslage bauen konnte.

Unb in gehobener Gemütsstimmung schritt er über ben moiidbeleuchteteu Hof bem Vorderhause zu, um sich zur Ruhe zu begeben, denn morgen vor Ta- gesanbruch ging es wieder an die Arbeit. In seinem Schlafzimmer angekommen, entzündete er die Lampe unb schrak plötzlich auf das heftigste zusammen, als er den auf dem Tische liegenden Bries in dem seinen Elfenbeinkuvert mit ben zierlichen Schriftzügen ge­wahrte. Elviras Antwort — enblich! — Wie lautete sie? Durste er hosten ober mußte er fürcht-' 0

Es war ihm, als hielt er sein Lebensschm^l in Händen, als er mit zitternder Begierde das Schrei­ben entfaltete und las:

„Mein liebster Freund! Vor allem meine herz­lichste Teilnahme an dem Mißgeschick, das Sie betrof­fen. Tie traurigen Erfahrungen, welche Sie nach Ihren Mitteilungen in Ihrem Vaterhaufe machen mußten, sind Wohl geeignet, die deprimierte Stim­mung bervorzunifen, wie sie aus Ihren Zeilen her- cmszulesen war. Ta sieht man wieder so recht beut» lich, daß von einem gerechten Walten be§ Schicksals nicht gesprochen werben kann, sonst könnte Ihnen dieses Schicksal nicht so grausam mitspielen! Aus Sphären, in welchen nur ideal geistiges Streben vor­herrscht, urplötzlich herausgerissen unb in bie Tret­mühle be§ gemeinen Alltagslebens mit besten Not und Entbehrungen gespannt zu werden, das muß hart sein — bitter bart, um so härter in Ihrem Falle, als bei Ihren eminenten Gaben der Weg nach oben von Ihnen sicher beschrstten unb ein respektabler Höhepunkt des Lebens zweifellos erreicht worben wäre. Doch Sie haben Recht, wenn Sie schreiben, batz bei rechte Mann jedem Schicksalsschlage die Stirne bieten und auch in geringeren Lebenslagen voll und ganz seinen Platz ausfüllen müsse. Bei diesen Grundsätzen wird es Ihnen nie "n der

Deutsches Reich.

; B-llin, 24. Sept. 1913. Herzog Albrecht von Württemberg, General der Kavaller e und (Seneraluifpeheur der 6. Armeeinspektion, ist zum Generaloberst be öioett worden. — Das Armee- Verwaltungsdeparleinent des preußischen Kriegs- Ministeriums steht, durch ben Cm der Hebung?» abieilung, Oberstleutnant v. Oven, in Unterhandlung wegen des Ankaufs eines Truppenübungs­platzes im Osten, für das 2. (pommeriche) unb 17. iwestpreußische) Armeekorps. Ter neue Uebungsplatz, der 18 Kilometer lang und 12 Kilometer breit fern wird, erhält zwei Truppenlager mit festen Gebäuden und Baracken. Er w-rd nach feiner Fertigstellung mit im ganzen 216 Quadratkilometer der größte Platz feiner Art in Deutschland fein und Hebungen bis zum Tivisionsverbande erlauben.

y lieber die Einberufung des preutzifcheu Abgeord­netenhauses ist eine Entscheidung noch nicht genoffen. Die Entscheidung soll in einer Sitzung deS Staats- mimsteriums fallen, die in der nächsten Zet stattfin- öet. Um zu einer Erledigung des vorliegenden wich­tigen Materials zu kommen, hat der Landtag bekannt­lich einstimmig für eine frühere Einberufung als im Januar sich ausgesprochen. Wenn die Regierung sich daher anders entschl oßen sollte, wird es an Unmut über eine wiche Entscheidung nickt fehlen

)( Stackere Schuldentilgung in Preußen. Die preußi­sche Finanz-Verwaltung beabsichtigt eine beschleunigte Tilgung eines Teiles der preußischen Staatsschuld durchzuführen. Mit den hierzu erforderlichen Vor- ichlägen wird sich der preußilche Landtag spätesten» tn der Frühjahrs-Seision 1915 befassen. Die preußi­sche Staalsickuld ist für 1913 auf 9,901,769,098 Mk., die Verzinsung auf 366,345,860 Mark, die gesetzliche ^spiozentige Tilgung auf 59,410,615 Mark anoefetzt.

— Die landwirtschaftliche Bodenbennhung im Reich. Augenblicklich finden in allen Bundesstaaten Er­hebungen über die landwirtschaftliche Bodenbe- nutzung statt, für die der Bundesrat die Einzel­heiten festgesetzt hat. Im Juni sind Erhebungen über die Hauptnutzung des Ackerlandes Doraufgegangen; Die gegenwärtigen erstrecken sich auf die Nebennutzung. Die besondere Bedeutung der diesjährigen Ermittelungen bestehen darin, daß ein­mal im Hinblick aus bie wachsende Bedeutung deS leldmäßigen Gemüsebaues eme eingehendere Ver- jaffung der beut)a,en Gemüseerzeugung erreicht werden soll, unb daß fernerhin Die Zählung der Gbft bäume erweitert wird, indem sie auf die Apri- ivsen-, Pfirsich- und Wallnußbäume ausgedehnt wird. Auch das Spalier« und Zwcrgobst wird bei bet Zählung berücksichtigt Die jetzt in g ößerem Maß- nab in Angriff genommene Dloorkultivierung ist bie Ursache, baß bei den bevorstehenden Ermittelungen auch die Flächen ber unkultivierten Moore leftzu- nellen sind, sür die gegenwärtig eine sichere Statistik nicht vorhanden ist, da sie mit dem Oed- und Un­land zusammengesaßt find; daher sollen bie Moore diesmal besonders nachgewie en werden. Im Zu« lammenhcng mit der Entwickelung des Areals der Forsten waren auch Erhebungen über den Besitz- ilanö, den Ertrag, die Bestands- und Betriebsarten aer Forsten vorgenommen. Rach einem Bundesrats- deschluß vom Jahre 1892 sollten Derartige Er mitte« ungen zum erstenmal im Jahre 1893 und dann weiterhin von zehn zu zehn Jahren staufinden. Die zweite Ermittelung der Bodenbenutzung, die 1903 .ätte ftatifinben müssen, wurde mit Rücksicht aus Die Vorbereitungen zu den Handelsverträgen im Jahre 1900 veranstaltet. Es hat mithin seit 3 Jahren teme derartige Ecmitieluiig mehr stattgesunden.

* Zollschutz für Gemüse. Ter Verband deutscher Gemüiczuciiier qai an oen Reichstag eine Bittschrift

ren Befriedigung fehlen, die ja den Hauptwert des Daseins bildet, wenn auch der Ihnen gezogene Kreis nur bescheidene Verhältnisse umfaßt, Verhältniffe, die von den noch vor kurzer Zeit von Ihnen erhofften nicht im Entferntesten zu vergleichen sind. Aber was bleibt Ihnen nach Lage der Sache anders übrig, als sich diesen Verhältnissen anzupaffen? Ich fehe das ,a ein unb fehe ein, so schmerzlich mich dieses auch im Innersten berührt, daß die Träume, die uns einst beseligt Habei — Träume bleiben müssen! Sie ver­stehen mich, liebster Freund? Nicht Mangel an Nei­gung für Sie ist es, was uns trennt — es ist das erbärmliche Ding, Leben genannt, das unsere beider­seitigen Hoffnungen zu nichte macht. Daß Sie mir mein Wort zurückgeben, daraus ersehe ich, daß Sie selbst von der zwingenden Notwendigkeit überzeugt sind, unsere Beziehungen abzubrechen und daß eS nicht erforderlich ist, die hierfür maßgebenden Gründe hier des Weiteren zu erörtern — eine solche Er­örterung wäre fa auch nur geeignet, schmerzliche Ge­fühle wachzurufen. Leben Sie Wohl und nehmen Sie die Versicherung entgegen, daß die Erinnerung an Sie mir die liebste meines zukünftigen Lebens bleiben wird."

Ein bitteres Hohngelächter ausstoßend, warf Ernst den Brief auf den Tisch. Tor, der er gewesen war, nur einen Augenblick lang zu glauben, daß die stolze Elvira von den Höhen des Lebens herabsteige! Wie hatte die Mutter so reckt gehabt, als sie am Abend seiner Heimkehr zu ihm sagte: „Wenn dein neuer Schatz in der Stadt erfährt, wie's jetzt mit dir steht, dann macht sie unncr die ganz Liebschaft en dicke Strich!" „Ja, die Mensche sinn ganz annerft, wie sie sich stelle" — wo hatte er diese Worte doch ge­hört? Richtig — von Klärchen Kavser. als er Ab­schied von ihr genommen — es durchzuckte den Sin- nenden plötzlich wie ein wilder Schmerz und wie ein dämmerndes Bewußtsein kam es über ihn, daß, entgegen den Worten der schönen Elvira, das Walten des Geschickes doch ein gerechtes sei, indem es jetzt feine, an Klärchen begangene Untreue heimsuchte. — Merkwürdig, daß die in dem vor ihm liegenden Schreiben enthaltene Absage keinen heißeren «Seelen» schmerz in ihm auslöste! Für ganz selbstredend hielt er es, daß Elvira Werthauer ihre Beziehungen zu

um Schutz deS heimischen Gemüsebaues durch ent« Iprechende Zollerhebungen gerichtet. In Der Begründung wird u. a. ausgeiührt,

die meisten europäischen Länder hätten recht hohe Zölle auf frisches und konserviertes Gemüse. Tie Hol-! länder machten sich schon die zollfreie Einfuhr von Ge­müse zu Nutze und errichteten nahe der Grenze Kon­servenfabriken. Holland fei trotz feiner Kleinheit mit über 50 Prozent an der gesamten Gemüseeinfuhr be­teiligt. Dabei befinden sich in jeder preußischen Provinz und in vielen nichtpreußischen Landesteilen für den Gemüsebau geeignete Striche, die bei ausreichendem Schutzzoll bequem das Doppelte erzeugen konnten. Ter Wert der Einfuhr von Gemüse nach Deutschland sei von 1909—1912 von 38 Millionen auf 80 Millionen, also über das Doppelt.' gestiegen. Die Bittschritt hebt schließ­lich hervor, daß eine Steigerung der Gemüsezucht und deS Gemüsebaues der beängstigenden Landflucht mit ihren ungünstigen Folgen entgegenarbeiten könnte.

+ Flurschäden bet Ben dierjähngen Manöveru. Die Flurschäden, Die bet Dem diesjährigen Kaiiermanöver entstanden sinD, sollen, wie man erfährt, im Gegensatz tu den Schäden des vergangenen Jahres, die ziemlich bebeutenD waren, verhältnismäßig geringfügig lein. Der geringere Schaden Dürfte sowohl auf das trockene Wetter wie auf Die an Zahl schwächeren Truppenmasfen, Die an Den Katfermanövern teilnah« men, ntrückzuführen fein. Infolge der Anweisung des Kriegsmmilteriums, in der allen Verwaltungs-Behör­den eine möglichst schnelle Abschätzung Der entfta- • Denen Flurschäden anempioblen wird, ist bereits mit der Anmeldung der Schäden begonnen. Es soll durch­geführt werden, daß die Besitzer, die Flurfchäden zu beanspruchen haben, späteste is 6 Wochen nach Been- öiguna her llebunaen tbre En ichädmung c ha't-’n.

♦ Ein neues Kruppmonopol? Unter dieser Spitz­marke hatten wir die Angaben der „Frankfurter Zei­tung" wiedcrgeaeben wonach Krupp durch Zwischen- perfonen die Mehrheit bei Aktien der Rheinischen Metallwarenfabrik Ehrhardt- Düsseldorf an sich gebracht habe und auf diese Weise die einzige Kon­kurrenz, die et besitzt, lahmlegen kann. Die „Kreuz­zeitung" veröffentlicht hierzu eine temperamentvolle Zuschrift, der wir folgende Ausführungen entnehmen:

öoU Ehivardi oenn ganz um)onu geaibe.iei yauen? Soll dies das Ende eines unierer bedeutendsten Indu­striellen sein? Es wäre beschämend sür uns alle, wenn das gan,e deutsche Volk, Reaterung. Vresse, Großkapital mit verschränlten Armen zusehen würben, rote eine |o große Kraft sich nutzlos im Kampfe gegen das goldene Artz verzehrt. Bei dem verhältnismäßig kleinen Kapital, um das es sich bandelt, müßte unter sonst um AuSweg» nicht verlegenes Großkapital doch Mittel finden, um biete rücküchtsloie Knebelung eines unserer tüchtigsten Männer zu verhindern. Üfian ver­gesse doch ntcht, was aus Krupp geword-n wäre, wenn nicht vor langen Jahrzehnten damals in Wien, als Alfred Krupp sich zu einer unmöglichen Leistung an die Königlich« Münze verpflichtet hatte, die er nicht rnne- t) alten konnte, wenn nicht damals durch einen rechtlich denkenden österreichischen Beamten endlich, als Kiupp ganzes Unternehmen unmittelbar vor dem Zusammen­bruch stand, die so lange und schmerzlich eriehnten Zahlungen eintrafen. Krupp hat d.rnals bitten müssen, und erst auf seine Billen hin wurde er au-? der Rot er­löst. Soll Ehrhardt etwa vor Krupps Türen buten gehen?

♦ Sozialdemokratische GeburtstagsWiiusche. In der sozialdemokratischen „Dortmunder Arbeiterzei­tung" fand sich dieser Tage (1. September) folgendes Inserat:

„Unferm lieben SD.ann und Baler, dem Fabrik­arbeiter X. an feinem 34. Geburtstage die herzlichsten Glüawünsche.

Mach dir hier das Leben schön, Kem Jenseits gidt's, kein Wiedersehn.

Gewidmet von Frau und Kindern."

Tie gute Frau hat Wohl keine Ahnung davon, wie sehr sie eigentlich ihren Mann, den einfachen Fabrikarbeiter, mit ihrem Spruch verhöhnt. 'JJtan

ihm löste und wenn ihn dies auch schmerzlich berührte — Verzweiflung oder wilde Herzenspein war das Empfinden nicht, das ihn durchzitterte. Im Gegen­teil schwang darin etwa? wie Befriedigung darüber mit, daß er jetzt aus allen Zweifeln herausgerissen war, daß ihn fürder keine Angst und Sorge um den möglichen Verlust feiner Liebe mehr bedrücke.

„Sieh' vorwärts, Ernst, und nicht hinter dich!" Erschreckt sprang der junge Mann empor und heftet« den Blick auf das über dem Sofa hängende Bild sei­nes Vaters, das mit mildem Ernst auf ihn herabsah. War es ihm nicht gewesen, als hätte er die Mahnung, welche der Verstorbene so oft im Leben an ihn ge­richtet hatte, eben tatsächlich gehört? Umschwebte ihn des Vaters Geist und wollte er ihn innerlich auf­richten? Ein seltsames Gefühl von Bangen und hoff­nungsfreudigem Mut überkam ihn und mit der Rech­ten auf die Brust schlagend, sah er zu dem Bilde des Vaters empor und sagte fest: „Du sollst mich nicht umsonst gerufen haben, Vater — ich will Deinem Namen Ehre machen!"

8. I n alten Gleisen.

Ein Jahr war vergangen. Wieder lag drückende Sonnenglut über der Landschaft und wieder polterten die hochbeladenen Erntewagen in die Gehöfte Ober­hausens, um die goldenen, körnerbeschwerten Garben in die Scheunen einzubringen und dann wieder ras­selnd unter lustigem Peitschenknallen hinaus ans das Feld zu fahren. Dort walteten wieder die Schnitter ihres Amtes und freuten sich, daß der Wind seit acht Tagen vom Feldberg herüberwehte und Fortdauer des guten Erntewetters verhieß.

Die Kornernte war über Erwarten günstig aus­gefallen und ein gütiges Geschick hatte den reichen Segen vor Hagelschlag und anderen schädigenden Ge­walten verschont. Auch in der vom Unwetter so häufig heimgesuchten Holderbach st and die Frucht vortrefflich und waren Ernst Rother und der alte Lenhard dorten damit bcfchöstigt, die letzten Garben von dem großen Felde auf den Leiterwagen zu tür­men, vor welchem immer noch das alte Pferd, dec Hans, gespannt war.

(Fortsetzung folgt.)